Ein nächtlicher Zusammenstoß an einer viel befahrenen Kreuzung in Berlin-Kreuzberg hat für einen E-Scooter-Fahrer tödlich geendet. Der 50-Jährige kollidierte an der Ecke Urbanstraße und Blücherstraße mit einem Auto. Trotz sofort eingeleiteter Wiederbelebungsmaßnahmen starb der Mann noch am Unfallort.
Nach Angaben der Berliner Polizei ereignete sich der Unfall gegen 1.40 Uhr in der Nacht zum Mittwoch. Der E-Scooter-Fahrer soll vom Gehweg der Blücherstraße gekommen sein und nach links auf die Fahrbahn eingebogen sein. Dort kam es zum Zusammenstoß mit dem Wagen eines 23-jährigen Autofahrers. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der 50-Jährige mehrere Meter durch die Luft geschleudert.
Rettungskräfte können dem Mann nicht mehr helfen
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst rückten in der Nacht zur Kreuzung aus. Die Einsatzkräfte versuchten, den schwer verletzten Mann zu reanimieren.
Die Verletzungen waren jedoch so schwer, dass er noch am Unfallort starb. Der Autofahrer blieb nach den bisher veröffentlichten Angaben körperlich unverletzt. Ob er einen Schock erlitt oder medizinisch betreut werden musste, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
Kreuzung für Unfallaufnahme gesperrt
Für die Rettungsarbeiten und die anschließende Unfallaufnahme musste der Bereich zeitweise gesperrt werden. Spezialisten der Berliner Polizei sicherten Spuren, untersuchten die beteiligten Fahrzeuge und dokumentierten die Unfallstelle.
Dabei geht es unter anderem um Bremsspuren, Sichtverhältnisse, mögliche Ampelschaltungen und die genaue Bewegungsrichtung beider Beteiligten.
Erst nach Abschluss dieser Untersuchungen lässt sich belastbar feststellen, wie es zu dem tödlichen Zusammenstoß kommen konnte.
Polizei untersucht die Vorfahrtssituation
Nach dem bisherigen Ermittlungsstand wollte der E-Scooter-Fahrer vom Gehweg auf die Fahrbahn einbiegen. Medienberichte sprechen davon, dass er dabei möglicherweise die Vorfahrt des herannahenden Autos nicht beachtet habe.
Diese Darstellung ist jedoch noch kein abschließendes Ergebnis der Ermittlungen. Die Polizei muss prüfen, mit welcher Geschwindigkeit beide Fahrzeuge unterwegs waren, ob sie rechtzeitig erkennbar waren und ob einer der Beteiligten noch hätte reagieren können.
Keine vorschnelle Schuldzuweisung
Bei schweren Verkehrsunfällen entsteht schnell eine klare öffentliche Erzählung: Einer habe die Vorfahrt genommen, der andere sei zu schnell gefahren oder nicht aufmerksam gewesen.
Solche Urteile sind unmittelbar nach einem Unfall unseriös. Die tatsächliche Verantwortung kann erst geklärt werden, wenn Spuren, Zeugenaussagen und mögliche Videoaufnahmen ausgewertet sind.
Für den verstorbenen Mann gilt ebenso wie für den Autofahrer: Mutmaßungen dürfen nicht an die Stelle einer sachlichen Untersuchung treten.
E-Scooter gehören nicht auf den Gehweg
Unabhängig vom konkreten Unfallhergang gilt grundsätzlich: E-Scooter dürfen nicht auf Gehwegen gefahren werden. Sie gehören auf vorhandene Radwege, Radfahrstreifen oder – wenn diese fehlen – auf die Fahrbahn.
Das Einbiegen vom Gehweg auf eine Straße ist besonders gefährlich. Autofahrer rechnen an einer Kreuzung eher mit Fußgängern, die langsamer unterwegs sind, als mit einem E-Scooter, der plötzlich mit deutlich höherer Geschwindigkeit auf die Fahrbahn fährt.
Höhere Geschwindigkeit wird leicht unterschätzt
E-Scooter wirken klein und vergleichsweise harmlos. Tatsächlich erreichen zugelassene Fahrzeuge Geschwindigkeiten von bis zu 20 Kilometern pro Stunde.
Bei dieser Geschwindigkeit legt ein Fahrer in einer Sekunde mehr als fünf Meter zurück. Kommt er aus einem schlecht einsehbaren Bereich zwischen Häusern, geparkten Autos oder Bäumen, bleibt anderen Verkehrsteilnehmern kaum Zeit zum Reagieren.
Gleichzeitig besitzt ein E-Scooter-Fahrer keine schützende Karosserie. Bei einer Kollision trifft die gesamte Energie unmittelbar den Körper.
Urbanstraße gehört zu Kreuzbergs wichtigsten Verkehrsachsen
Die Urbanstraße führt quer durch Kreuzberg und wird rund um die Uhr stark befahren. Autos, Busse, Fahrräder, E-Scooter und Fußgänger treffen dort auf engem Raum zusammen.
An der Kreuzung zur Blücherstraße kommt zusätzlicher Abbiege- und Querverkehr hinzu. Gerade in der Nacht können freie Straßen dazu verleiten, Geschwindigkeiten falsch einzuschätzen.
Auch schlechte Sicht, Dunkelheit und parkende Fahrzeuge können die Wahrnehmung erschweren.
Kreuzungen bleiben besondere Gefahrenstellen
Die meisten schweren Konflikte zwischen Autos, Fahrrädern und E-Scootern entstehen nicht auf geraden, übersichtlichen Strecken. Sie entstehen dort, wo sich Fahrwege kreuzen.
Besonders gefährlich sind:
- plötzliches Einfahren auf die Fahrbahn,
- Abbiegevorgänge,
- unübersichtliche Einmündungen,
- zugeparkte Sichtachsen,
- fehlende oder unterbrochene Radwege.
Die Infrastruktur muss an solchen Stellen so gestaltet sein, dass Verkehrsteilnehmer möglichst früh sehen können, wer sich ihnen nähert.
E-Scooter-Fahrer tragen ein hohes Verletzungsrisiko
Ein Sturz mit einem E-Scooter kann bereits ohne Beteiligung eines Autos schwere Folgen haben. Die kleinen Räder reagieren empfindlich auf Schlaglöcher, Bordsteine, Schienen und unebene Fahrbahnen.
Bei einer Kollision mit einem Pkw ist das Risiko noch deutlich größer. Der Fahrer wird häufig auf Motorhaube oder Windschutzscheibe geschleudert und anschließend auf die Straße geworfen.
Im aktuellen Fall wurde der 50-Jährige nach Polizeiangaben mehrere Meter durch die Luft geschleudert. Die Wucht des Zusammenstoßes verdeutlicht, wie wenig Schutz das Fahrzeug bietet.
Helme sind nicht vorgeschrieben
Eine gesetzliche Helmpflicht für E-Scooter besteht nicht. Sicherheitsexperten empfehlen dennoch dringend, einen geeigneten Helm zu tragen.
Ein Helm kann nicht jede tödliche Verletzung verhindern. Er reduziert aber bei vielen Stürzen das Risiko schwerer Kopfverletzungen.
Gerade nachts sind zudem helle Kleidung, Reflektoren und eine funktionierende Beleuchtung entscheidend. Wer dunkel gekleidet fährt, wird von Autofahrern häufig erst spät erkannt.
Berlin muss seine Verkehrsräume klarer ordnen
Der tödliche Unfall ist zunächst ein Einzelfall, dessen genauer Ablauf noch untersucht wird. Dennoch verweist er auf ein grundsätzliches Problem der Berliner Verkehrspolitik.
E-Scooter bewegen sich zwischen den traditionellen Verkehrssystemen. Für Gehwege sind sie zu schnell. Auf stark befahrenen Straßen sind ihre Fahrer weitgehend ungeschützt. Radwege fehlen vielerorts, enden plötzlich oder sind durch parkende Fahrzeuge blockiert.
Das führt zu Ausweichbewegungen: Fahrer nutzen Gehwege, wechseln spontan auf die Straße oder fahren entgegen der vorgeschriebenen Richtung.
Regeln müssen verständlich und durchsetzbar sein
Viele E-Scooter-Nutzer kennen die geltenden Vorschriften offenbar nur teilweise oder ignorieren sie.
Das Fahren auf Gehwegen, das Überqueren roter Ampeln oder die Nutzung durch zwei Personen ist regelmäßig zu beobachten. Auch Alkohol und Ablenkung durch Mobiltelefone spielen bei Unfällen eine Rolle.
Berlin benötigt deshalb nicht nur neue Schilder. Regeln müssen kontrolliert und Verstöße geahndet werden.
Gleichzeitig muss die Stadt sichere Verkehrswege schaffen. Wer korrekt fahren will, darf nicht regelmäßig vor der Wahl stehen, sich zwischen einer gefährlichen Fahrbahn und einem verbotenen Gehweg entscheiden zu müssen.
Autofahrer müssen mit schnellen Zweirädern rechnen
Die Verantwortung für mehr Sicherheit liegt nicht allein bei den E-Scooter-Fahrern.
Autofahrer müssen an Kreuzungen, Einfahrten und schlecht einsehbaren Stellen mit Fahrrädern und Elektrokleinstfahrzeugen rechnen. Gerade beim Abbiegen oder bei der Einfahrt in eine Kreuzung ist besondere Aufmerksamkeit notwendig.
Ein kurzer Blick reicht nicht immer aus. E-Scooter können sich schneller nähern, als ihre geringe Größe vermuten lässt.
Geschwindigkeit entscheidet über die Folgen
Schon wenige Kilometer pro Stunde können darüber entscheiden, ob ein Autofahrer rechtzeitig bremst oder ob eine Kollision tödlich endet.
Tempo 30 senkt nicht jedes Unfallrisiko. Es reduziert aber den Bremsweg und die Energie eines Aufpralls erheblich.
Die Stadt sollte nach dem Abschluss der Ermittlungen prüfen, ob an der Unfallstelle bauliche oder verkehrsrechtliche Veränderungen erforderlich sind. Dazu können bessere Sichtbeziehungen, deutlichere Markierungen oder eine angepasste Verkehrsführung gehören.
Unfallzahlen allein erklären das Problem nicht
Die Zahl der E-Scooter auf Berlins Straßen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Damit wächst zwangsläufig auch die Zahl möglicher Konflikte und Unfälle.
Eine reine Statistik sagt allerdings wenig darüber aus, warum Menschen verunglücken. Entscheidend ist, ob sie selbst Regeln missachten, ob Autofahrer sie übersehen oder ob die Infrastruktur gefährliche Situationen begünstigt.
In vielen Fällen wirken mehrere Ursachen zusammen.
Nicht jeder E-Scooter ist ein Leihfahrzeug
In der öffentlichen Debatte werden E-Scooter häufig ausschließlich mit den Fahrzeugen großer Verleihunternehmen verbunden.
Viele Menschen besitzen inzwischen jedoch eigene Modelle. Für die Verkehrssicherheit macht es grundsätzlich keinen Unterschied, wem das Fahrzeug gehört.
Entscheidend sind technischer Zustand, Beleuchtung, Versicherung, Fahrverhalten und die Einhaltung der Regeln.
Jeder tödliche Unfall muss ausgewertet werden
Nach einem schweren Verkehrsunfall genügt es nicht, lediglich die Schuldfrage strafrechtlich zu klären.
Die Behörden sollten ebenso untersuchen, ob die Gestaltung der Straße zum Unfall beigetragen hat. Waren Sichtachsen blockiert? Ist die Führung des Rad- und E-Scooter-Verkehrs verständlich? Gibt es bekannte Konflikte an der Kreuzung?
Solche Erkenntnisse können helfen, vergleichbare Unfälle an derselben oder an ähnlichen Stellen zu verhindern.
Unfallkommission muss Konsequenzen prüfen
Berlin verfügt über Fachstellen, die besonders gefährliche Kreuzungen und Unfallhäufungsstellen untersuchen.
Sollten sich an der Urbanstraße und Blücherstraße bereits ähnliche Vorfälle ereignet haben, muss die Kreuzung umfassend bewertet werden.
Eine Markierung oder ein zusätzliches Schild reichen nicht immer aus. Manchmal müssen Parkplätze entfernt, Radwege vorgezogen oder Fahrbeziehungen neu geordnet werden.
Ein nächtlicher Weg endet tödlich
Noch ist nicht bekannt, wohin der 50-Jährige in dieser Nacht unterwegs war. Sicher ist nur, dass seine Fahrt an der Kreuzung Urbanstraße und Blücherstraße endete.
Für seine Angehörigen ist der Unfall eine Katastrophe. Für den 23-jährigen Autofahrer dürfte der Zusammenstoß ebenfalls weitreichende psychische Folgen haben – unabhängig davon, wie die rechtliche Bewertung am Ende ausfällt.
Der Fall darf deshalb weder für pauschale Angriffe auf Autofahrer noch für eine grundsätzliche Verurteilung von E-Scootern missbraucht werden.
Er sollte vielmehr Anlass sein, genau hinzusehen: auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer, auf die Regeln und auf eine Stadt, in der immer mehr unterschiedliche Fahrzeuge um denselben begrenzten Raum konkurrieren.
Die Ermittlungen müssen nun klären, wie es zum Zusammenstoß kam. Danach muss Berlin prüfen, welche Konsequenzen sich daraus für die Sicherheit an dieser Kreuzung und darüber hinaus ergeben.