Als die ersten Feuerwehrleute in der Nacht in Düben eintreffen, stehen bereits mehrere Stallgebäude in Flammen. Dichter Rauch zieht über das Gelände der großen Schweineanlage. Aus den Gebäuden dringen Hitze und Feuer – für den größten Teil der eingeschlossenen Tiere kommt jede Hilfe zu spät.

Rund 20.000 Schweine sind nach ersten Schätzungen bei dem Großbrand im Coswiger Ortsteil Düben im Landkreis Wittenberg verendet. Sechs Stallgebäude waren von dem Feuer betroffen. Mehrere davon wurden vollständig zerstört. Die Polizei beziffert den vorläufigen Schaden auf rund neun Millionen Euro.

Sechs Schweineställe stehen in Flammen

Das Feuer brach in der Nacht zum Mittwoch auf dem weitläufigen Betriebsgelände aus. Innerhalb kurzer Zeit griffen die Flammen auf mehrere Stallungen über.

Zwischenzeitlich waren mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz. Am Mittwochmorgen suchten noch 87 Kräfte nach Glutnestern und löschten verborgene Brandherde. Dabei kam auch eine Drohne mit Wärmebildkamera zum Einsatz.

Vier Feuerwehrleute bei Einsatz verletzt

Vier Einsatzkräfte wurden nach Angaben der Behörden leicht verletzt. Trotz der enormen Hitze und der starken Rauchentwicklung gelang es den Feuerwehren, den Brand schließlich unter Kontrolle zu bringen.

Die Nachlöscharbeiten dauerten am Morgen weiter an. Einzelne Bereiche der zerstörten Gebäude konnten wegen Einsturzgefahr und hoher Temperaturen nur vorsichtig betreten werden.

Vor allem Ferkel und Jungtiere sterben

Unter den verendeten Tieren befinden sich nach Angaben des zuständigen Amtstierarztes vor allem Ferkel und sogenannte Läufer – junge Schweine, die das Ferkelalter bereits überschritten haben.

Darüber hinaus starben rund 1.700 Sauen. Etwa 1.300 Sauen überlebten das Feuer. Die wenigen geretteten Tiere wurden vorübergehend auf einer Freifläche untergebracht.

Rettung aus brennenden Ställen kaum möglich

Wie viele Tiere tatsächlich aus den Gebäuden gebracht werden konnten, war zunächst nicht abschließend geklärt. Nach Polizeiangaben bewegte sich ihre Zahl jedoch lediglich im unteren zweistelligen Bereich.

Die Dimension des Unglücks zeigt ein grundsätzliches Problem großer Tierhaltungsanlagen: Breitet sich ein Feuer schnell über mehrere Ställe aus, bleibt kaum Zeit, Tausende Tiere aus ihren Buchten zu treiben.

Anders als Menschen können die Tiere Fluchtwege nicht selbstständig nutzen. Türen, Abtrennungen und Stalltechnik erschweren eine schnelle Rettung zusätzlich. Innerhalb weniger Minuten können Rauch und Hitze ganze Gebäudeteile unzugänglich machen.

Neun Millionen Euro Schaden

Die Polizei geht vorläufig von einem Sachschaden in Höhe von rund neun Millionen Euro aus. Darin enthalten sind die zerstörten Gebäude, technische Anlagen und vermutlich auch ein Teil der wirtschaftlichen Verluste durch den Tod der Tiere.

Wie hoch der endgültige Schaden ausfällt, dürfte erst nach Abschluss der Löscharbeiten und einer Untersuchung der Gebäude feststehen.

Spezialfirma soll Tierkadaver bergen

Die Beräumung des Geländes wird voraussichtlich eine Spezialfirma übernehmen müssen. Die Tierkadaver können durch Rauch, Löschwasser und Brandrückstände mit Schadstoffen belastet sein.

Ihre Bergung und Entsorgung stellt die Behörden und den Betreiber vor eine enorme logistische Aufgabe. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass verunreinigtes Löschwasser oder Brandmaterial in Boden und Gewässer gelangt.

Ursache des Großbrandes noch unbekannt

Warum das Feuer ausbrach, ist bislang unklar. Die Brandermittler können ihre Arbeit erst aufnehmen, wenn die betroffenen Gebäude ausreichend abgekühlt und gefahrlos zugänglich sind.

Ob ein technischer Defekt, ein Fehler an der elektrischen Anlage oder eine andere Ursache zu dem Brand führte, lässt sich derzeit nicht seriös beurteilen. Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung wurden zunächst nicht bekannt.

Ermittlungen dürften längere Zeit dauern

Bei einem Feuer dieser Größenordnung ist die Suche nach dem Ausgangspunkt schwierig. Dächer stürzen ein, Leitungen schmelzen und wichtige Spuren werden durch Feuer und Löschwasser zerstört.

Die Ermittler müssen deshalb nicht nur den Brandschutt untersuchen. Auch technische Unterlagen, Wartungsprotokolle, Videoaufnahmen und Aussagen der Beschäftigten können eine Rolle spielen.

Stallbrände sind eine besondere Herausforderung

Brände in Tierhaltungsanlagen führen immer wieder zu hohen Opferzahlen. Große Ställe verfügen zwar über Brandschutzkonzepte, doch die Rettung Tausender Tiere ist praktisch kaum mit einer normalen Evakuierung vergleichbar.

Schweine können unter Stress unberechenbar reagieren. Dichte Rauchentwicklung, Lärm und ungewohnte Fluchtwege verschärfen die Situation. Selbst geöffnete Stallbereiche garantieren deshalb nicht, dass die Tiere das Gebäude rechtzeitig verlassen.

Brandschutz darf nicht nur auf Gebäude zielen

Nach dem Feuer in Düben wird deshalb auch über die Wirksamkeit bestehender Schutzvorkehrungen gesprochen werden müssen.

Ein Brandschutzkonzept darf nicht allein verhindern, dass Flammen auf Nachbargebäude überspringen. Es muss ebenso die Frage beantworten, wie Tiere bei Feuer frühzeitig gewarnt und aus gefährdeten Bereichen gebracht werden können.

Dazu gehören funktionierende Brandmelder, getrennte Brandabschnitte, regelmäßig geprüfte elektrische Anlagen und ausreichend breite, jederzeit nutzbare Ausgänge.

Große Anlagen bergen große Risiken

Die Schweinehaltung in Düben war bereits in der Vergangenheit Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Für den Standort wurden Pläne zur Erweiterung der Tierhaltung bekannt, gegen die sich auch eine Bürgerinitiative wandte.

Allein daraus lässt sich jedoch keine Verantwortung für das aktuelle Feuer ableiten. Die damaligen Auseinandersetzungen zeigen aber, wie stark die Größe solcher Anlagen, mögliche Belastungen für Anwohner und Fragen des Tierwohls die Region seit Jahren beschäftigen.

Ein einzelner Defekt kann Tausende Tiere treffen

Je mehr Tiere in wenigen Gebäuden konzentriert werden, desto größer können die Folgen eines Brandes sein. Das betrifft nicht nur den Tierschutz, sondern auch die Feuerwehr.

Großanlagen erfordern hohe Löschwassermengen, zahlreiche Einsatzkräfte und spezielle Technik. Freiwillige Feuerwehren aus mehreren Orten müssen innerhalb kürzester Zeit zusammengezogen werden.

Für die meist ehrenamtlichen Kräfte bedeutet ein solcher Brand einen gefährlichen, körperlich belastenden Einsatz, der viele Stunden dauern kann.

Feuerwehrleute verdienen Anerkennung

Dass der Brand nicht auf weitere Bereiche des Betriebsgeländes übergriff, ist dem massiven Einsatz der Feuerwehren zu verdanken.

Die Einsatzkräfte arbeiteten über Stunden in Hitze, Rauch und Dunkelheit. Vier von ihnen wurden dabei verletzt. Gerade im ländlichen Raum tragen freiwillige Feuerwehren die Hauptlast solcher Großschadenslagen.

Ohne ihre Bereitschaft wäre ein Feuer dieser Größenordnung kaum zu beherrschen.

Jetzt müssen die Fakten auf den Tisch

Nach Abschluss der Löscharbeiten müssen Brandursache und Brandschutz genau untersucht werden. Dabei geht es nicht darum, vorschnell Schuldige zu benennen.

Es geht um die Frage, ob vorhandene Schutzsysteme funktionierten, ob das Feuer früh genug erkannt wurde und warum es sich auf mehrere Stallgebäude ausbreiten konnte.

Sollten technische oder bauliche Mängel festgestellt werden, müssen daraus Konsequenzen folgen. Zeigt sich dagegen, dass sämtliche Vorschriften eingehalten wurden, muss geprüft werden, ob die geltenden Vorgaben überhaupt ausreichen.

20.000 tote Tiere dürfen nicht nur eine Zahl bleiben

Der wirtschaftliche Schaden ist gewaltig. Noch schwerer wiegt jedoch der Tod von rund 20.000 Lebewesen innerhalb einer einzigen Nacht.

Das Unglück von Düben darf deshalb nicht nach wenigen Tagen aus den Schlagzeilen verschwinden. Es braucht eine ehrliche Untersuchung, transparente Ergebnisse und eine Debatte darüber, wie solche Katastrophen künftig verhindert werden können.

Denn ein Brandschutzsystem, das Gebäude bewertet, aber die Rettung der darin gehaltenen Tiere faktisch kaum ermöglicht, muss kritisch hinterfragt werden.