Der Sommer treibt die Menschen hinaus: in die Sächsische Schweiz, ins Erzgebirge, an Brandenburgs Seen oder in die Wälder der Altmark. Doch zwischen hohem Gras, Gebüsch und feuchtem Laub wartet ein Risiko, das leicht übersehen wird.

Zecken übertragen Borreliose. Die Infektionskrankheit kann Haut, Gelenke und Nervensystem betreffen. Besonders aufmerksam sollten derzeit Menschen in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sein. Dort liegen die gemeldeten Fallzahlen weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Borreliose bleibt in Ostdeutschland ein wichtiges Gesundheitsthema

Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Deutschland. Anders als gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, gibt es gegen Borreliose bislang keine Schutzimpfung.

Das bedeutet nicht, dass jeder Zeckenstich zu einer Erkrankung führt. Auch eine infizierte Zecke überträgt die Bakterien nicht zwangsläufig. Das Risiko nimmt jedoch zu, je länger das Tier unbemerkt in der Haut sitzt.

Sachsen und Brandenburg mit vergleichsweise vielen Fällen

Regionale Unterschiede sind bei den gemeldeten Erkrankungen deutlich sichtbar. Während Mecklenburg-Vorpommern zuletzt nicht mehr zur Spitzengruppe gehörte, blieben die Werte in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt vergleichsweise hoch.

Ein einfacher Vergleich zwischen den Bundesländern ist allerdings nur eingeschränkt möglich. Die Meldepflicht ist nicht überall gleich geregelt. Mecklenburg-Vorpommern schaffte seine landesspezifische Meldepflicht für Borreliose zum 7. April 2026 ab. Sinkende Meldezahlen bedeuten dort deshalb nicht automatisch, dass es tatsächlich weniger Infektionen gibt.

Zecken leben nicht nur im tiefen Wald

Noch immer hält sich die Vorstellung, Zecken würden von Bäumen springen. Tatsächlich sitzen sie meist bodennah auf Gräsern, Kräutern oder Sträuchern. Dort werden sie von vorbeilaufenden Menschen oder Tieren abgestreift.

Ein Ausflug in einen großen Wald ist deshalb keineswegs Voraussetzung für einen Zeckenstich. Auch im eigenen Garten, in einem Stadtpark, am Badesee oder auf einer ungemähten Wiese können Zecken vorkommen.

Hohes Gras und Unterholz meiden

Besonders günstig sind für Zecken feuchte und schattige Bereiche. Wer durch hohes Gras, Farn oder dichtes Unterholz läuft, kommt leichter mit ihnen in Berührung.

Das betrifft nicht nur Wanderer. Gefährdet sind ebenso Pilzsammler, Angler, Gartenbesitzer, Forstarbeiter, Hundebesitzer und Kinder, die im Freien spielen.

Wanderröte ist das bekannteste Warnzeichen

Das auffälligste Zeichen einer Borreliose ist die sogenannte Wanderröte. Dabei bildet sich rund um die Einstichstelle eine rötliche Hautveränderung, die sich mit der Zeit vergrößert.

Sie tritt häufig ringförmig auf, muss aber nicht immer wie ein perfekter roter Kreis aussehen. Auch ein gleichmäßig geröteter oder ungewöhnlich warmer Hautbereich kann verdächtig sein.

Nicht jede Infektion beginnt mit einem roten Ring

Das Problem: Eine Wanderröte tritt nicht bei jedem Erkrankten auf oder wird an schwer einsehbaren Körperstellen übersehen. Zecken stechen bevorzugt dort, wo die Haut dünn und warm ist.

Besonders gründlich kontrolliert werden sollten deshalb:

  • Kniekehlen,
  • Achselhöhlen,
  • Leistengegend,
  • Bauchnabel,
  • Hals und Haaransatz,
  • Bereiche hinter den Ohren.

Bei Kindern finden sich Zecken vergleichsweise häufig auch am Kopf.

Beschwerden können erst später auftreten

Neben Hautveränderungen können grippeähnliche Beschwerden auf eine Infektion hindeuten. Dazu gehören Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen oder Fieber.

In späteren Krankheitsstadien können Gelenkschmerzen, Entzündungen des Nervensystems oder Herzbeschwerden auftreten. Das macht Borreliose so tückisch: Zwischen Zeckenstich und deutlichen Symptomen können Tage, Wochen oder längere Zeiträume liegen.

Früh erkannt ist Borreliose meist gut behandelbar

Wird eine Borreliose rechtzeitig erkannt, lässt sie sich in der Regel mit Antibiotika behandeln.

Wer nach einem Zeckenstich eine sich ausbreitende Rötung, starke Beschwerden oder neurologische Auffälligkeiten feststellt, sollte deshalb ärztlichen Rat suchen. Dazu zählen beispielsweise Gesichtslähmungen, ungewöhnliche Nervenschmerzen oder starke Kopfschmerzen.

Zecken möglichst früh und richtig entfernen

Eine festgesaugte Zecke sollte zügig entfernt werden. Geeignet sind eine feine Pinzette, eine Zeckenkarte oder eine spezielle Zeckenzange.

Das Tier wird möglichst hautnah gefasst und langsam herausgezogen. Wichtig ist, den Körper der Zecke nicht unnötig zu quetschen.

Öl und Klebstoff sind keine geeigneten Mittel

Hausmittel wie Öl, Alkohol, Nagellack oder Klebstoff gehören nicht auf die Zecke. Sie können das Tier reizen und die Entfernung erschweren.

Bleiben kleine Teile des Stechapparates in der Haut zurück, ist das meist kein medizinischer Notfall. Die Stelle sollte dennoch beobachtet und bei Entzündungszeichen ärztlich kontrolliert werden.

Einstichstelle mehrere Wochen beobachten

Nach der Entfernung sollte die Stelle gereinigt und möglichst dokumentiert werden. Ein Foto mit Datum kann helfen, spätere Veränderungen zu erkennen.

Eine leichte, kleine Rötung unmittelbar nach dem Stich ist zunächst häufig eine normale Hautreaktion. Verdächtig wird es, wenn sich die Rötung nach einigen Tagen vergrößert oder an einer anderen Körperstelle neu auftritt.

Datum des Zeckenstichs notieren

Gerade bei Beschwerden, die erst später einsetzen, kann der zeitliche Zusammenhang sonst schnell verloren gehen. Sinnvoll ist deshalb, das Datum im Kalender oder Mobiltelefon zu notieren.

Die entfernte Zecke aufzubewahren oder privat auf Borrelien untersuchen zu lassen, liefert dagegen nicht automatisch eine sichere Aussage über eine Erkrankung. Selbst der Nachweis von Erregern in der Zecke beweist nicht, dass eine Übertragung stattgefunden hat.

Geschlossene Kleidung bietet einfachen Schutz

Der wirksamste Schutz beginnt bereits vor dem Spaziergang. Lange Hosen, feste Schuhe und geschlossene Oberteile erschweren den Zecken den Zugang zur Haut.

Helle Kleidung hat einen zusätzlichen Vorteil: Dunkle Zecken sind darauf leichter zu erkennen, bevor sie eine geeignete Einstichstelle gefunden haben.

Hosenbeine in die Socken stecken

Es sieht vielleicht nicht besonders elegant aus, ist aber wirksam: Wer die Hosenbeine in die Socken steckt, verschließt einen der wichtigsten Zugänge.

Zusätzlich können geeignete Insektenschutzmittel helfen. Ihre Wirkung ist jedoch zeitlich begrenzt und muss entsprechend den Herstellerangaben erneuert werden.

Nach jedem Ausflug den Körper absuchen

Nach Aufenthalten in der Natur sollte der gesamte Körper kontrolliert werden. Das gilt besonders nach Wanderungen, Gartenarbeit oder Spielen auf Wiesen.

Zecken stechen häufig nicht sofort. Sie krabbeln mitunter längere Zeit über Kleidung und Haut, bevor sie sich festsaugen. Wer früh kontrolliert, kann sie deshalb manchmal noch vor dem Stich entfernen.

Kleidung nicht achtlos im Schlafzimmer ablegen

Zecken können sich auch an Hosen, Jacken oder Decken befinden. Getragene Kleidung sollte nach einem Aufenthalt im Grünen ausgeschüttelt und gründlich kontrolliert werden.

Auch Haustiere können Zecken ins Haus tragen. Hunde und Katzen sollten deshalb nach Spaziergängen ebenfalls abgesucht werden.

Reisende sollten regionale Unterschiede nicht unterschätzen

Wer seine Ferien innerhalb Ostdeutschlands verbringt, bewegt sich häufig zwischen Wald-, Seen- und Mittelgebirgsregionen. Gerade Sachsen und Brandenburg bieten unzählige Möglichkeiten für Wanderungen, Radtouren und Camping.

Diese Freizeitqualität soll niemanden vom Aufenthalt in der Natur abhalten. Sie verlangt aber etwas mehr Aufmerksamkeit. Zeckenschutz ist weder Panikmache noch ein Thema ausschließlich für besonders abgelegene Waldgebiete.

Fallzahlen erzählen nur einen Teil der Wahrheit

Für Mecklenburg-Vorpommern wurden von Jahresbeginn bis Anfang Juli 2026 lediglich 55 Borreliose-Fälle registriert. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 153. Wegen der im April aufgehobenen Meldepflicht lässt sich daraus jedoch kein verlässlicher Rückgang des tatsächlichen Infektionsgeschehens ableiten.

Genau darin liegt ein grundsätzliches Problem: Wenn Bundesländer Krankheiten unterschiedlich erfassen, wird eine ehrliche regionale Bewertung schwieriger.

Einheitliche Datengrundlage wäre sinnvoll

Für Bürger wäre es hilfreich, wenn Gesundheitsrisiken bundesweit nach vergleichbaren Kriterien erfasst würden. Unterschiedliche Meldepflichten können den Eindruck erwecken, eine Region sei plötzlich sicherer geworden, obwohl sich lediglich die Statistik verändert hat.

Für den persönlichen Schutz ist die Frage ohnehin zweitrangig. Zecken kennen keine Landesgrenzen. Sie kommen in Mecklenburg-Vorpommern ebenso vor wie in Brandenburg, Sachsen oder Thüringen.

Aufmerksamkeit ist der beste Schutz

Die wichtigste Regel für den Sommer ist einfach: Natur genießen, aber Zecken nicht vergessen.

Geschlossene Kleidung, gründliches Absuchen und schnelles Entfernen senken das Risiko erheblich. Wer eine auffällige Hautveränderung oder Beschwerden bemerkt, sollte nicht wochenlang abwarten.

Borreliose lässt sich in vielen Fällen gut behandeln. Gefährlich wird sie vor allem dann, wenn Warnzeichen übersehen oder nicht mit einem früheren Zeckenstich in Verbindung gebracht werden.