Noch einmal drangen Musik, Stimmen und zeitgenössische Kunst durch ein Gebäude, das über Jahrzehnte Macht ausstrahlte und zuletzt vor allem durch Leerstand, Absperrungen und einen schweren Brandschaden auffiel.

Das Potsdamer Localize-Festival hat am 10. und 11. Juli 2026 den ehemaligen Brandenburger Landtag auf dem Brauhausberg geöffnet. Unter dem Titel „The Power of Love“ verwandelten die Veranstalter den weithin sichtbaren Gebäudekomplex vorübergehend in einen Ort für Installationen, Performances, Konzerte und Gespräche. Aus mehr als 170 Einreichungen wurden knapp 20 künstlerische Projekte ausgewählt.

Es war zugleich ein Abschied.

Nach Medienberichten soll dies die letzte Ausgabe des Localize-Festivals gewesen sein. Der dahinterstehende Verein will sich auflösen. Damit endet eine Potsdamer Kulturgeschichte, die über viele Jahre gerade jene Gebäude und Flächen bespielte, deren Zukunft ungeklärt, umstritten oder bereits nahezu vergessen war.

Der Abschied besitzt deshalb eine Bedeutung, die über ein einzelnes Festival hinausgeht. Er wirft die Frage auf, ob eine wachsende und zunehmend teure Stadt wie Potsdam künftig noch genügend Platz für unabhängige Kultur, Experimente und vorübergehende Nutzungen besitzt.

Das letzte Festival fand an Potsdams mächtigstem Leerstand statt

Der ehemalige Landtag auf dem Brauhausberg gehört zu den markantesten Gebäuden der Stadt.

Der Komplex ist von weiten Teilen Potsdams aus sichtbar. Wegen seiner monumentalen Lage und seiner Nutzung durch die SED-Bezirksleitung sowie später durch den Brandenburger Landtag wurde er im Volksmund häufig als „Kreml“ bezeichnet.

Für Localize war dieser Ort nahezu ideal.

Kunst trifft auf die Architektur der Macht

Das Festival beschäftigte sich unter dem Motto „The Power of Love“ mit der Frage, ob Liebe auch als politische und gesellschaftliche Praxis verstanden werden kann.

Die Künstler sollten nicht einfach Bilder in leere Räume hängen. Sie sollten sich mit dem Gebäude, seiner Geschichte, seiner Wirkung und seiner möglichen Zukunft auseinandersetzen.

Der Alte Landtag wurde dadurch selbst zum Bestandteil der Ausstellung.

Die Veranstalter beschrieben das Festival als einen Versuch, die über der Stadt thronende Machtarchitektur für einen begrenzten Zeitraum aufzubrechen und in einen Raum für Begegnung und neue Vorstellungen des Zusammenlebens zu verwandeln.

Mehr als 170 Projekte bewarben sich

Das Interesse an der letzten Ausgabe war groß.

Nach Angaben der Stadt Potsdam gingen beim offenen Aufruf mehr als 170 Einreichungen ein. Ausgewählt wurden knapp 20 künstlerische Projekte, darunter auch zwei Gruppenarbeiten von Studierenden Potsdamer Hochschulen.

Nur ein kleiner Teil konnte gezeigt werden

Die hohe Zahl zeigt, dass es weiterhin viele Künstler gibt, die sich mit ungewöhnlichen Orten, Stadtgeschichte und gesellschaftlichen Fragen beschäftigen wollen.

Gleichzeitig macht sie sichtbar, wie begrenzt die Möglichkeiten sind.

Nicht jede Idee kann gefördert und nicht jeder Leerstand geöffnet werden. Die Organisation solcher Veranstaltungen benötigt Genehmigungen, Versicherungen, Technik, Sicherheitskonzepte, Personal und finanzielle Mittel.

Ein leer stehendes Gebäude ist deshalb nicht automatisch ein kostenloser Kulturraum.

Konzerte, Diskussionen und Performances füllten den alten Landtag

Das Programm erstreckte sich über zwei Tage.

Zur Eröffnung gehörten unter anderem ein Grußwort der Potsdamer Oberbürgermeisterin Noosha Aubel, die Performance „Marx in Love“ des Theaterkollektivs Panzerkreuzer Rotkäppchen und ein Konzert des Projekts Scampi.

Am zweiten Festivaltag standen unter anderem das Gespräch „Let’s Talk About Love“ mit Katja Lewina, Cleo Libro und Daniel Schreiber sowie Auftritte von Görda und Cosey Mueller auf dem Programm.

Das Gebäude wurde nicht nur Kulisse

Die Veranstaltungen nutzten die besondere Atmosphäre des ehemaligen Regierungs- und Parlamentsgebäudes.

Treppenhäuser, Säle, Flure und Außenflächen standen nicht neutral im Hintergrund. Ihre Geschichte verlieh den künstlerischen Arbeiten eine zusätzliche Ebene.

In einem gewöhnlichen Veranstaltungssaal hätte das Motto „The Power of Love“ möglicherweise abstrakt gewirkt. In einem Gebäude, das militärische Ausbildung, Parteimacht und parlamentarische Demokratie erlebt hat, erhielt die Frage nach Macht, Herrschaft und gesellschaftlicher Veränderung eine konkrete räumliche Form.

Warum das Festival als einzigartig galt

Localize war kein gewöhnliches Stadtfest und keine klassische Kunstausstellung.

Das Festival wechselte regelmäßig den Standort und suchte gezielt Orte, die sich im Wandel befanden. Frühere Ausgaben fanden unter anderem am Telegrafenberg, im Regattahaus und am Aradosee statt.

Leerstand wurde zum Ausstellungsraum

Der besondere Reiz bestand darin, Gebäude nicht erst nach einer vollständigen Sanierung oder kommerziellen Umnutzung zugänglich zu machen.

Localize nutzte die Zwischenzeit.

Diese Phase ist in der Stadtentwicklung häufig besonders spannend: Die frühere Nutzung ist beendet, die neue noch nicht begonnen. Ein Gebäude besitzt sichtbare Spuren seiner Geschichte, gleichzeitig ist seine Zukunft offen.

Kunst kann in solchen Räumen Fragen stellen, bevor Investoren, Architekten und Behörden endgültige Antworten schaffen.

Nach 18 Jahren soll Schluss sein

Die erste Ausgabe des Localize-Festivals fand nach Angaben des Vereins im Jahr 2008 statt.

Über die Jahre entwickelte sich die Veranstaltung zu einem festen Bestandteil der freien Potsdamer Kulturszene. Trotzdem soll es nach der Ausgabe 2026 nicht weitergehen.

Nach einem Bericht der Märkischen Allgemeinen löst sich der veranstaltende Verein auf. Die genauen internen Gründe wurden öffentlich bislang nur teilweise dargestellt.

Das Ende sollte nicht vorschnell als Scheitern gelten

Ein Kulturprojekt, das fast zwei Jahrzehnte besteht, ist nicht gescheitert, nur weil es irgendwann endet.

Ehrenamtliche Strukturen verändern sich. Menschen wechseln Beruf oder Wohnort, gründen Familien oder können die immer umfangreicheren organisatorischen Aufgaben nicht dauerhaft tragen.

Gerade Festivals, die jedes Jahr neue Räume erschließen, beginnen organisatorisch nahezu immer wieder von vorn.

Jeder Standort benötigt neue Absprachen, Genehmigungen, Sicherheitskonzepte und technische Lösungen.

Freie Kultur hängt häufig an wenigen Menschen

Große Kulturinstitutionen verfügen über fest angestellte Verwaltungen, eigene Gebäude und planbare Haushalte.

Unabhängige Festivals arbeiten dagegen oft mit kleinen Teams, zeitlich begrenzten Förderungen und erheblichem ehrenamtlichem Einsatz.

Professionelles Programm bei unsicherer Grundlage

Vom Publikum wird dennoch ein professioneller Ablauf erwartet.

Veranstalter müssen Künstler bezahlen, Technik organisieren, Werbung betreiben, Barrierefreiheit berücksichtigen, Versicherungen abschließen und bei Problemen haften.

Diese Aufgaben lassen sich nicht dauerhaft allein mit Begeisterung erledigen.

Wenn ein Verein nach 18 Jahren aufhört, sollte deshalb auch gefragt werden, ob die Stadt ihre freie Kulturszene ausreichend entlastet und langfristig absichert.

Potsdam wächst – kulturelle Freiräume werden knapper

Potsdam gehört zu den wirtschaftlich und demografisch erfolgreichen Städten Ostdeutschlands.

Neue Wohnungen, wissenschaftliche Einrichtungen, Unternehmen und hochpreisige Projekte verändern die Stadt. Grundstücke und Gebäude, die früher lange leer standen, erhalten heute schneller eine wirtschaftlich attraktive Nutzung.

Erfolg kann kulturelle Nebenwirkungen haben

Für die Stadt ist es grundsätzlich positiv, wenn verfallende Gebäude saniert und brachliegende Flächen entwickelt werden.

Gleichzeitig verschwinden dadurch jene Zwischenräume, in denen unabhängige Kultur häufig entsteht.

Ein professioneller Konzertsaal oder ein Museum kann eine temporäre, experimentelle Nutzung nicht vollständig ersetzen. Beide Formen erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Freie Kultur benötigt Orte, an denen nicht jeder Quadratmeter dauerhaft wirtschaftlich verwertet werden muss.

Der ehemalige Landtag soll Universitätscampus werden

Die Zukunft des Brauhausbergs ist inzwischen grundsätzlich vorgezeichnet.

Auf dem Gelände soll ein neuer Campus der Universität Potsdam entstehen. Gleichzeitig will das Hasso-Plattner-Institut seinen Standort in Griebnitzsee ausbauen. Grundlage ist eine Vereinbarung zwischen dem Land Brandenburg, der Universität Potsdam und der Hasso Plattner Foundation.

Bis zu 6.000 Studierende könnten auf den Berg ziehen

Nach den bisherigen Plänen sollen unter anderem universitäre Bereiche vom Campus Griebnitzsee auf den Brauhausberg wechseln.

Die Hasso Plattner Foundation stellt dafür Ersatzflächen zur Verfügung und will auch die Sanierung denkmalgeschützter Bausubstanz ermöglichen. Die Fertigstellung der Standorte wird bis spätestens 2035 angestrebt.

Damit könnte aus einem lange abgeschlossenen Areal ein belebter innerstädtischer Wissenschaftsstandort werden.

Vom Ort der Macht zum Ort der Bildung

Die geplante Universitätsnutzung besitzt eine starke symbolische Wirkung.

Das Gebäude wurde ursprünglich als Kriegsschule errichtet. Später diente es politischen Institutionen. Künftig sollen dort Studierende lernen, forschen und diskutieren.

Der Wandel passt zur Geschichte des Ortes

Eine Universität ist ebenfalls eine öffentliche Institution, folgt aber einer anderen Logik als Militär, Parteiführung oder Parlament.

Sie lebt von Kritik, wissenschaftlichem Streit und dem Austausch unterschiedlicher Ideen.

Aus einer Architektur, die vielen Potsdamern bis heute als abweisend und herrschaftlich erscheint, könnte so ein offenerer Ort entstehen.

Ob diese Offenheit tatsächlich erreicht wird, entscheidet sich allerdings nicht allein an der künftigen Nutzung. Entscheidend sind Zugänge, öffentliche Räume und die Einbindung der Stadtgesellschaft.

Bürger beteiligen sich an den Planungen

Das Land Brandenburg berichtete Anfang Juli 2026 von einer regen Beteiligung der Potsdamer an den Überlegungen zum neuen Campus.

Die öffentliche Diskussion beschäftigt sich unter anderem mit Denkmalschutz, Verkehr, Grünflächen, Zugänglichkeit und der Verbindung des Areals mit der übrigen Stadt.

Ein Campus darf keine abgeschlossene Insel werden

Der Brauhausberg liegt zentral und gleichzeitig erhöht über der Stadt.

Ein neuer Universitätsstandort könnte Cafés, Bibliotheken, Veranstaltungsräume und Grünflächen bieten, die auch von Potsdamern genutzt werden.

Er könnte aber ebenso zu einem weitgehend abgeschlossenen Hochschulgelände werden, das nach Ende der Lehrveranstaltungen kaum öffentliches Leben besitzt.

Die Planer sollten deshalb bereits jetzt festlegen, welche Bereiche dauerhaft zugänglich bleiben.

Das Localize-Festival gab einen Vorgeschmack

Für zwei Tage zeigte das Festival, wie sich der Alte Landtag anfühlen kann, wenn seine Türen geöffnet sind.

Menschen kamen nicht als Abgeordnete, Beamte oder geladene Gäste, sondern als Besucher, Künstler und Diskutierende.

Temporäre Nutzung schafft emotionale Bindung

Wer einen lange verschlossenen Ort einmal betreten hat, entwickelt eine andere Beziehung zu ihm.

Das Gebäude wird nicht mehr nur als Silhouette am Horizont oder als Problemimmobilie wahrgenommen. Es wird Teil der persönlichen Stadtgeschichte.

Solche Erfahrungen können die spätere Planung verbessern, weil Bürger konkreter beurteilen können, welche Räume erhaltenswert sind und wie sie künftig genutzt werden sollten.

Der Brand von 2023 hat tiefe Spuren hinterlassen

Im August 2023 brannte es im früheren Plenarsaal des Landtags.

Das Feuer zerstörte große Teile des Saals und ließ den Dachstuhl einstürzen. Die Ermittler gingen später mit hoher Wahrscheinlichkeit von Brandstiftung aus. Seitdem rückten Sicherung, Zustand und Zukunft des Gebäudes noch stärker in den öffentlichen Fokus.

Der Verfall war plötzlich nicht mehr abstrakt

Leerstand wirkt oft jahrelang folgenlos.

Fenster werden beschädigt, Feuchtigkeit dringt ein und kleinere Schäden bleiben unbemerkt. Ein Brand macht schlagartig sichtbar, wie schnell historische Substanz vollständig verloren gehen kann.

Die geplante Entwicklung zum Campus bietet nun die Chance, das Gebäude dauerhaft zu sichern. Bis zum tatsächlichen Beginn großer Sanierungsarbeiten muss das Gelände jedoch weiterhin zuverlässig geschützt werden.

Denkmalschutz und moderne Universität müssen zusammenfinden

Der Gebäudekomplex besitzt historische und architektonische Bedeutung.

Gleichzeitig benötigt eine moderne Universität flexible Seminarräume, digitale Infrastruktur, Barrierefreiheit, Brandschutz und energieeffiziente Technik.

Erhalt darf nicht zur bloßen Fassade werden

Bei großen Sanierungsprojekten besteht die Gefahr, dass nur einzelne Außenansichten erhalten bleiben, während der innere Charakter vollständig verschwindet.

Umgekehrt kann ein zu starres Festhalten an jedem historischen Detail eine zeitgemäße Nutzung nahezu unmöglich machen.

Die Planer müssen daher früh festlegen, welche Räume, Blickachsen und Bauteile die Geschichte des Ortes besonders deutlich erzählen.

Was bleibt vom Localize-Festival?

Nach dem Ende eines Festivals bleiben keine dauerhaften Spielstätten, Sammlungen oder institutionellen Gebäude zurück.

Der Wert liegt in Erinnerungen, Netzwerken und der veränderten Wahrnehmung der genutzten Orte.

Viele Gebäude wurden erstmals öffentlich erlebbar

Localize zeigte Potsdamern Räume, die normalerweise verschlossen waren oder kaum Beachtung fanden.

Das Festival machte Stadtentwicklung zu einer kulturellen Erfahrung. Es diskutierte nicht nur theoretisch über Leerstand und Wandel, sondern brachte Menschen unmittelbar an die betroffenen Orte.

Diese Leistung lässt sich schwer in Besucherzahlen oder wirtschaftlichem Umsatz messen.

Potsdam braucht einen Nachfolger – nicht unbedingt unter demselben Namen

Das Ende von Localize hinterlässt eine Lücke.

Es wäre jedoch wenig sinnvoll, die Veranstalter zu drängen, ihre Arbeit gegen den eigenen Entschluss fortzusetzen. Ein neues Projekt müsste von einer neuen Generation, neuen Ideen und einer tragfähigen Struktur getragen werden.

Die Stadt könnte ein Programm für Zwischennutzungen schaffen

Potsdam sollte prüfen, ob es künftig eine feste Anlaufstelle für temporäre Kulturprojekte geben kann.

Diese könnte Eigentümer, Künstler, Vereine und Behörden zusammenbringen und bei folgenden Aufgaben unterstützen:

  • Suche nach geeigneten Gebäuden,
  • Prüfung von Eigentumsverhältnissen,
  • Brandschutz und Sicherheit,
  • Versicherungen,
  • zeitlich begrenzte Mietverträge,
  • Förderanträge,
  • Genehmigungen,
  • technische Grundausstattung.

Damit müsste nicht jedes neue Kulturteam dieselben bürokratischen Hürden allein überwinden.

Kultur darf nicht nur in fertigen Häusern stattfinden

Potsdam besitzt bedeutende Museen, Schlösser, Theater und Kulturhäuser.

Diese Institutionen sind unverzichtbar. Sie können jedoch nicht jede gesellschaftliche Gruppe und jede künstlerische Arbeitsweise abbilden.

Unfertige Orte ermöglichen unfertige Ideen

Ein Leerstand erlaubt Experimente, die in etablierten Häusern schwieriger wären.

Dort kann etwas scheitern, provisorisch bleiben oder nur für wenige Stunden bestehen. Gerade daraus entstehen manchmal neue Formen, Künstlergruppen und öffentliche Debatten.

Eine Stadt, die ausschließlich fertige und vollständig durchgeplante Kulturorte besitzt, verliert einen Teil ihrer kreativen Beweglichkeit.

Auch die Universität sollte freie Kultur einplanen

Wenn der Brauhausberg tatsächlich zum Campus wird, sollte die Erinnerung an die letzte Zwischennutzung nicht vollständig verschwinden.

Einzelne Räume könnten künftig für studentische und unabhängige Kulturprojekte vorgesehen werden.

Ein Campus braucht mehr als Hörsäle

Universitäres Leben entsteht nicht nur in Seminaren.

Es braucht Orte für Musik, Theater, Debatten, Ausstellungen und studentische Initiativen. Diese Angebote könnten zugleich eine Brücke zwischen Hochschule und Stadtgesellschaft bilden.

Der künftige Campus hätte damit die Chance, den Geist der temporären Öffnung dauerhaft weiterzuführen.

Ein Abschied mit passendem Motto

„The Power of Love“ wirkte zunächst wie ein ungewöhnlich weicher Titel für ein Festival in einer Architektur der Macht.

Gerade darin lag seine Stärke.

Das Motto stellte nicht romantische Liebe in den Mittelpunkt, sondern die Frage, ob Fürsorge, Solidarität und gegenseitige Verantwortung politische Kraft besitzen können.

Auch ein Festivalverein lebt von dieser Kraft

Unabhängige Kultur entsteht nur, weil Menschen über Jahre mehr leisten, als Verträge und Förderbescheide verlangen.

Sie organisieren, diskutieren, tragen Material, beantworten Anfragen und lösen Probleme, die das Publikum später kaum bemerkt.

Dass Localize 18 Jahre bestehen konnte, ist selbst ein Beispiel für diese Form gemeinschaftlicher Arbeit.

Das Festival endet – der Ort beginnt neu

Der Alte Landtag auf dem Brauhausberg steht vor einer neuen Phase.

Bis spätestens 2035 soll hier ein Universitätscampus entstehen. Der geschlossene Machtort könnte sich zu einem Zentrum für Bildung und Forschung entwickeln.

Das Localize-Festival hat für zwei Tage gezeigt, welches Potenzial in einer tatsächlichen Öffnung liegt.

Nun endet das Projekt, das Potsdams vergessene und umstrittene Orte immer wieder ins öffentliche Bewusstsein zurückgeholt hat.

Für die Stadt ist das ein Verlust.

Nicht weil Potsdam nach diesem Wochenende keine Kultur mehr hätte. Sondern weil eine besondere Form der Kultur verschwindet: spontan, ortsbezogen, unbequem und nicht vollständig planbar.

Der ehemalige „Kreml“ wird wahrscheinlich gerettet und neu genutzt.

Die schwierigere Frage lautet, wo künftig jene Kunst stattfinden kann, die genau solche Orte entdeckt, bevor alle Pläne fertig sind.