Potsdam. Das Rechenzentrum kann vorerst bleiben. Die Potsdamer Stadtverordneten haben Anfang Juli 2026 die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das ehemalige DDR-Rechenzentrum weitere sieben Jahre als Kunst- und Kreativhaus genutzt werden darf. Der Betrieb soll nun bis zum 31. Juli 2033 möglich bleiben.
Ohne den Beschluss wäre die bauordnungsrechtliche Duldung am 31. Juli 2026 ausgelaufen. Ab dem 1. August hätte für den weiteren Betrieb keine rechtliche Grundlage mehr bestanden. Die Stadtverwaltung hatte deshalb vor einer unmittelbar drohenden Schließung gewarnt.
Für die ungefähr 200 Kunst- und Kreativschaffenden im Gebäude ist die Entscheidung eine wichtige Atempause. Eine dauerhafte Rettung bedeutet sie jedoch ausdrücklich nicht. Die offiziellen Sanierungsziele für die Potsdamer Mitte bleiben bestehen: Das Rechenzentrum soll langfristig zurückgebaut und auf der Fläche ein Stadtplatz hergestellt werden.
Damit ist der jahrelange Streit nicht beendet. Er wurde lediglich um sieben Jahre vertagt.
Nutzung wird bis zum 31. Juli 2033 verlängert
Der Kompromiss ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen mehreren Beteiligten.
Oberbürgermeisterin vermittelte zwischen den Konfliktparteien
Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel handelte die Vereinbarung mit der Stiftung Garnisonkirche und der Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin, kurz SPI, aus. Die Stiftung SPI betreibt das Kreativhaus.
Die Stiftung Garnisonkirche stimmt demnach einer Verlängerung des Konzessionsvertrags um sieben Jahre zu. Gleichzeitig muss die Betreiberin finanzielle Regelungen zur Grundstücksnutzung akzeptieren.
Stadtverordnete mussten rechtzeitig entscheiden
Die Vereinbarung benötigte einen politischen Beschluss, weil der bisherige Betrieb nur bis Ende Juli 2026 geduldet war.
Ohne die rechtzeitige Entscheidung hätte die Stadt die weitere Nutzung bauordnungsrechtlich nicht einfach fortsetzen können.
Nutzungsverträge können nun neu abgeschlossen werden
Die Räume im Rechenzentrum werden von Künstlern, Designern, Musikern, Initiativen und weiteren Kreativen genutzt.
Nach dem politischen Beschluss müssen die konkreten Nutzungs- und Mietverträge an die neue Laufzeit angepasst werden. Dabei ist entscheidend, dass die Konditionen für die überwiegend kleinteilige Kultur- und Kreativwirtschaft bezahlbar bleiben.
Der Kompromiss sichert Zeit, aber keine dauerhafte Zukunft
Die Verlängerung klingt zunächst großzügig. Tatsächlich enthält sie ein festes Enddatum.
Sieben Jahre Planungssicherheit
Bis zum Sommer 2033 können Kunstschaffende grundsätzlich weiterarbeiten, Ausstellungen vorbereiten und längerfristige Projekte planen.
Gegenüber kurzfristigen Verlängerungen um wenige Monate ist dies ein erheblicher Fortschritt.
Abrissziel bleibt offiziell bestehen
Die Stadt betont ausdrücklich, dass die Sanierungsziele „Rückbau Rechenzentrum und Herstellung Stadtplatz“ unverändert gelten.
Damit ist bereits heute festgelegt, dass die gegenwärtige Nutzung nach 2033 grundsätzlich enden soll, sofern vorher keine neue politische oder rechtliche Entscheidung getroffen wird.
Kompromiss ist faktisch eine letzte Frist
Für die Betreiber und Nutzer beginnt deshalb keine ruhige Dauerlösung.
Sie müssen innerhalb von sieben Jahren entweder einen dauerhaften Ersatzstandort schaffen, eine neue Koexistenzlösung am bisherigen Ort erreichen oder erneut um eine Verlängerung kämpfen.
Rund 200 Kreative arbeiten im Rechenzentrum
Das Gebäude gehört zu den bedeutendsten Arbeitsorten der Potsdamer Kultur- und Kreativszene.
Ateliers statt leer stehender Büroräume
Seit 2015 wird das frühere Rechenzentrum als Kunst- und Kreativhaus genutzt.
Ungefähr 200 Nutzer arbeiten dort unter anderem in bildender Kunst, Design, Musik, Fotografie, Film, Architektur und kultureller Bildung.
Größter Kreativort seiner Art in Brandenburg
Der rbb bezeichnet das Rechenzentrum als größten Kunst- und Kreativort dieser Art im Land Brandenburg.
Diese Größe ermöglicht nicht nur einzelne Ateliers, sondern ein Netzwerk aus unterschiedlichen Berufen, Veranstaltungen und Kooperationen.
Günstige Arbeitsräume sind in Potsdam knapp
Potsdam besitzt hohe Grundstückspreise und einen angespannten Immobilienmarkt.
Künstlerische Arbeit benötigt jedoch Räume, die nicht dieselben Einnahmen erzielen können wie Büros, Hotels oder hochpreisige Wohnungen. Wird ein günstiger Standort aufgegeben, entsteht nicht automatisch an anderer Stelle ein gleichwertiges Angebot.
Zwischenverlängerungen sorgten bereits für Unsicherheit
Die aktuelle Entscheidung beendet eine jahrelange Folge kurzfristiger Fristen.
Verträge liefen zunächst Ende Januar aus
Die bisherigen Nutzungsverträge näherten sich bereits zum 31. Januar 2026 ihrem Ende.
Weil sich die Fertigstellung des als möglicher Ersatz vorgesehenen Langen Stalls verzögerte, wurden die Verträge zunächst nur um sechs Monate verlängert.
Künstler mussten wiederholt um ihre Räume bangen
Kurze Vertragslaufzeiten erschweren Investitionen.
Wer nicht weiß, ob sein Atelier in wenigen Monaten noch besteht, kauft keine größeren Maschinen, baut Räume nicht aufwendig aus und kann langfristige Ausstellungen oder Bildungsprojekte nur eingeschränkt planen.
Sieben Jahre schaffen erstmals wieder einen längeren Horizont
Die neue Laufzeit verbessert die Situation deutlich.
Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass Stadt und Betreiber die Suche nach einer dauerhaften Lösung erneut bis kurz vor 2033 verschieben.
Der Lange Stall ist noch keine vollständige Ersatzlösung
Als künftiger Kreativstandort wird seit Jahren der benachbarte Lange Stall genannt.
Historisches Gebäude wird wiederaufgebaut
Der Lange Stall gehört zum städtebaulichen Konzept der Potsdamer Mitte und soll Flächen für kulturelle und kreative Nutzungen aufnehmen.
Seine Fertigstellung verzögerte sich jedoch, weshalb die bisherigen Nutzer des Rechenzentrums nicht wie ursprünglich erwartet umziehen konnten.
Fläche und Nutzung müssen vergleichbar sein
Ein Ersatzstandort ist nur dann tatsächlich geeignet, wenn genügend Ateliers, Werkstätten, Veranstaltungsräume und Gemeinschaftsflächen vorhanden sind.
Auch Raumhöhen, Lärmschutz, Anlieferung, Belüftung und technische Belastbarkeit unterscheiden sich je nach künstlerischer Nutzung.
Bezahlbarkeit entscheidet
Ein historisch wiederaufgebautes oder umfassend saniertes Gebäude verursacht hohe Kosten.
Sollten die Mieten dort deutlich über den heutigen Konditionen liegen, wäre der Lange Stall für einen Teil der Kreativen kein realistischer Ersatz.
Konflikt mit der Garnisonkirche bleibt bestehen
Das Rechenzentrum steht unmittelbar neben dem rekonstruierten Turm der Garnisonkirche.
Gebäude überlagert einen Teil des früheren Kirchenschiffs
Das DDR-Gebäude wurde auf einem Teil des Areals errichtet, auf dem sich zuvor das Kirchenschiff der Garnisonkirche befand.
Wer die gesamte Kirche historisch rekonstruieren möchte, sieht das Rechenzentrum daher als räumliches Hindernis.
Stiftung lehnt dauerhafte Nutzung ab
Die Stiftung Garnisonkirche stimmte einer weiteren befristeten Nutzung zu, lehnt einen unbegrenzten Erhalt des Kreativhauses jedoch weiterhin ab.
Damit bleibt die Frage offen, ob später nur der Turm bestehen oder auch das Kirchenschiff rekonstruiert werden soll.
Stadtplatz bleibt offizielle Planung
Nach dem derzeitigen Sanierungsziel soll nach dem Rückbau des Rechenzentrums zunächst ein öffentlicher Stadtplatz entstehen.
Ob dieser Platz langfristig frei bleibt oder später erneut für einen Kirchenbau genutzt werden könnte, gehört zum politischen Grundkonflikt des Areals.
Garnisonkirche ist historisch hoch umstritten
Kaum ein Potsdamer Bauprojekt wird so gegensätzlich bewertet.
Barockkirche wurde im Krieg schwer beschädigt
Die ursprüngliche Garnisonkirche entstand im 18. Jahrhundert und prägte lange die Potsdamer Stadtsilhouette.
Nach schweren Kriegsschäden ließ die DDR-Führung die Ruine 1968 sprengen.
„Tag von Potsdam“ belastet den Ort
Am 21. März 1933 nutzten die Nationalsozialisten die Kirche als Kulisse für den sogenannten „Tag von Potsdam“.
Die Begegnung zwischen Reichspräsident Paul von Hindenburg und Adolf Hitler wurde propagandistisch als Verbindung konservativ-preußischer Tradition mit dem nationalsozialistischen Regime inszeniert.
Turm wurde bereits rekonstruiert
Der wiederaufgebaute Kirchturm wurde 2024 eröffnet.
Befürworter verstehen ihn als Wiedergewinnung der historischen Stadtsilhouette und als Ort der Erinnerung und Versöhnung. Kritiker sehen die Rekonstruktion als problematische Verklärung preußisch-militärischer Tradition.
Rechenzentrum steht für die DDR-Nachkriegsgeschichte
Auch das Kreativhaus besitzt einen eigenen historischen Wert.
Bau entstand um 1970
Das Rechenzentrum wurde in der späten DDR-Moderne errichtet und diente ursprünglich der elektronischen Datenverarbeitung.
Sein architektonischer Wert wird unterschiedlich beurteilt. Es dokumentiert jedoch einen wichtigen Abschnitt der Potsdamer Nachkriegs- und Stadtentwicklungsgeschichte.
Mosaikzyklus steht unter Denkmalschutz
Besonders bedeutend ist der Mosaikzyklus „Der Mensch bezwingt den Kosmos“.
Das Kunstwerk im Stil der sozialistischen Moderne ist denkmalgeschützt und muss unabhängig von der Zukunft des übrigen Gebäudes erhalten werden.
Stadtgeschichte besteht aus Brüchen
Potsdam trägt Spuren der preußischen Residenzstadt, der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, der DDR-Stadtplanung und der Rekonstruktionen nach 1990.
Das Nebeneinander von Garnisonkirchturm und Rechenzentrum macht diese historischen Schichten sichtbar. Ein vollständiger Rückbau würde eine dieser Schichten erneut aus dem Stadtbild entfernen.
Bundespräsident sprach sich für Koexistenz aus
Die Diskussion erhielt zusätzliche Aufmerksamkeit durch Frank-Walter Steinmeier.
Plädoyer für den Erhalt
Der Bundespräsident sprach sich dafür aus, das Rechenzentrum zu erhalten und beide Gebäude in einer Koexistenz weiterzuentwickeln.
Damit stellte sich das Staatsoberhaupt nicht gegen die kritische Auseinandersetzung mit der Garnisonkirche, sondern für ein sichtbares Nebeneinander unterschiedlicher Zeitschichten.
Politische Wirkung bleibt begrenzt
Der Bundespräsident entscheidet weder über den Bebauungsplan noch über Grundstücks- oder Nutzungsverträge.
Seine Position erhöht jedoch den öffentlichen Druck, einen Abriss nicht als alternativlos darzustellen.
Koexistenz müsste planerisch ausgearbeitet werden
Ein bloßes Weiterstehen beider Gebäude reicht auf Dauer nicht.
Abstände, Brandschutz, Zugänge, Fluchtwege, Freiflächen und die Nutzung des Zwischenraums benötigen ein belastbares städtebauliches Konzept.
Verfallsklausel könnte rechtliche Position verändern
Im Streit um das Grundstück wurde 2026 auch eine ältere Vertragsregelung erneut diskutiert.
Notarvertrag enthält offenbar besondere Klausel
Nach Recherchen des Tagesspiegels enthält ein früherer Notarvertrag eine sogenannte Verfallsklausel, die bei bestimmten Bedingungen Auswirkungen auf Grundstücksrechte der Stiftung Garnisonkirche haben könnte.
Die genaue rechtliche Bedeutung ist umstritten und müsste gegebenenfalls gerichtlich oder gutachterlich geklärt werden.
Stadt sollte Vertragslage vollständig prüfen
Bevor ein wichtiges Kulturgebäude abgerissen wird, muss die Stadt sämtliche Eigentums-, Rückübertragungs- und Nutzungsrechte eindeutig kennen.
Eine politische Entscheidung auf unvollständiger rechtlicher Grundlage wäre fahrlässig.
Juristischer Streit wäre keine gute Dauerlösung
Selbst eine starke Rechtsposition ersetzt kein städtebauliches und kulturelles Konzept.
Ein jahrelanger Prozess könnte Investitionen blockieren und die Unsicherheit für alle Beteiligten weiter verlängern.
Bebauungsplan muss für die Weiternutzung angepasst werden
Die Verlängerung lässt sich nicht allein durch neue Mietverträge umsetzen.
Bisherige Planung sieht Rückbau vor
Die geltende städtebauliche Zielsetzung geht von einem Abriss des Rechenzentrums aus.
Für die erneute befristete Nutzung muss deshalb auch die planungsrechtliche Grundlage angepasst beziehungsweise entsprechend befristet geregelt werden.
Änderung darf nicht bis kurz vor Ablauf dauern
Planverfahren können durch Beteiligungen, Abwägungen und politische Beratungen viel Zeit beanspruchen.
Die Verwaltung muss deshalb sicherstellen, dass die beschlossene Weiternutzung nicht durch neue formale Verzögerungen gefährdet wird.
Ende 2033 gelten bisherige Ziele erneut
Der Kompromiss enthält ausdrücklich die Aussage, dass mit Ablauf der Befristung die bisherigen Ziele wieder vollständig gelten.
Der Rückbau ist damit nicht aufgehoben, sondern zeitlich verschoben.
Keine zusätzliche Belastung für den Stadthaushalt angekündigt
Die Stadt stellt den Kompromiss auch als finanziell tragfähig dar.
Städtebaufördermittel sollen erhalten bleiben
Weil die langfristigen Sanierungsziele unverändert bleiben, sollen vorhandene Fördermöglichkeiten für Rückbau und Stadtplatz weiterhin nutzbar sein.
Finanzielle Regelungen für Grundstücksnutzung
Die Betreiberin muss einer Vereinbarung über finanzielle Auswirkungen der weiteren Grundstücksnutzung zustimmen.
Wie hoch diese Zahlungen ausfallen und wie sie sich auf die Ateliermieten auswirken, sollte transparent gemacht werden.
„Keine Mehrbelastung“ muss nachvollziehbar sein
Auch ein befristeter Weiterbetrieb verursacht Kosten für Bauunterhaltung, Sicherheit, Verwaltung und mögliche Reparaturen.
Die Stadt sollte daher offenlegen, welche Kosten Betreiber, Nutzer, Stiftung und Kommune jeweils übernehmen.
Gebäude benötigt trotz Enddatum Investitionen
Sieben Jahre sind für einen unsanierten Bestandsbau ein langer Zeitraum.
Brandschutz muss dauerhaft funktionieren
Die bauordnungsrechtliche Duldung darf nicht bedeuten, dass Sicherheitsanforderungen aufgeweicht werden.
Fluchtwege, Brandmeldeeinrichtungen, elektrische Anlagen und Rettungszufahrten müssen bis 2033 verlässlich funktionieren.
Provisorien können teuer werden
Bei einem Gebäude mit festem Abrissdatum besteht die Gefahr, nur noch kurzfristig zu reparieren.
Zu viele Provisorien erhöhen jedoch laufende Kosten und können die Nutzbarkeit verschlechtern.
Investitionsplan ist notwendig
Stadt, Betreiberin und Eigentümer sollten festlegen, welche Maßnahmen in den kommenden sieben Jahren zwingend erfolgen.
Dabei muss zwischen Sicherheit, Erhalt und nicht mehr wirtschaftlichen Komfortverbesserungen unterschieden werden.
Künstler brauchen bezahlbare Vertragsbedingungen
Die Verlängerung hilft nur, wenn die Räume weiterhin nutzbar und finanzierbar bleiben.
Bisherige Warmmiete lag vergleichsweise niedrig
Für die ab 2024 laufende Nutzungsphase wurde eine Warmmiete von 10,30 Euro je Quadratmeter genannt.
Für Potsdamer Verhältnisse war dies ein wichtiger Standortvorteil.
Kosten dürfen nicht sprunghaft steigen
Neue Grundstückszahlungen, Betriebskosten und notwendige Reparaturen könnten zu höheren Mieten führen.
Eine deutliche Verteuerung würde den Standort formal erhalten, aber wirtschaftlich für viele Künstler unbrauchbar machen.
Transparente Kalkulation schafft Vertrauen
Die Betreiberin sollte offen darstellen, wie sich Miete, Betriebskosten, Rücklagen und mögliche öffentliche Zuschüsse zusammensetzen.
Künstler benötigen Planungssicherheit für die gesamte neue Vertragsperiode.
Kreativwirtschaft ist ein Wirtschaftsfaktor
Der Streit wird häufig als Konflikt zwischen Kultur und historischer Stadtgestaltung dargestellt.
Künstler schaffen nicht nur Ausstellungen
Im Rechenzentrum entstehen Design, Film, Musik, Bildungsangebote, Veranstaltungen und Aufträge für Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen.
Viele Nutzer arbeiten selbstständig und zahlen Miete, Steuern und Sozialbeiträge.
Netzwerk stärkt den Standort
Die räumliche Nähe unterschiedlicher Berufe ermöglicht gemeinsame Projekte.
Einzelne kleine Ateliers, die über die gesamte Stadt verteilt sind, können diese Zusammenarbeit nur schwer ersetzen.
Attraktivität der Stadt profitiert
Potsdam wirbt nicht nur mit Schlössern und historischen Fassaden.
Eine sichtbare zeitgenössische Kunst- und Kreativszene macht die Stadt für junge Fachkräfte, Studenten, Besucher und Unternehmen attraktiver.
Historische Rekonstruktion darf Gegenwart nicht verdrängen
Die Potsdamer Mitte wurde in den vergangenen Jahren stark nach historischen Vorbildern umgestaltet.
Rekonstruktionen prägen das Zentrum
Stadtschloss, Alter Markt und weitere Bereiche wurden nach 1990 wiederhergestellt oder historisierend neu gebaut.
Befürworter sehen darin die Rückgewinnung eines durch Krieg und DDR-Umbauten verlorenen Stadtbildes.
Moderne Nutzungen brauchen ebenfalls Raum
Eine Stadt darf nicht ausschließlich aus musealen Fassaden bestehen.
Ateliers, Werkstätten, Jugendkultur und niedrigschwellige Veranstaltungsorte gehören ebenso zu einem lebendigen Zentrum.
DDR-Geschichte ist Teil Potsdams
Der Abriss aller Nachkriegsbauten würde die Stadtgeschichte nicht heilen, sondern erneut selektiv ordnen.
Nicht jedes DDR-Gebäude ist automatisch erhaltenswert. Über bedeutende Bauten und Kunstwerke muss jedoch nach ihrer tatsächlichen Qualität und heutigen Nutzung entschieden werden.
Ein Stadtplatz allein garantiert keine Urbanität
Nach dem Rückbau soll eine neue öffentliche Freifläche entstehen.
Freiraum kann das Ensemble öffnen
Ein Platz könnte Sichtbeziehungen schaffen und Raum für Veranstaltungen, Aufenthalt und Erinnerung bieten.
Leere Plätze können unwirtlich wirken
Potsdam besitzt bereits mehrere große historische Platzräume.
Ein zusätzlicher gepflasterter Bereich ist nur dann ein Gewinn, wenn er genutzt, begrünt, beschattet und mit angrenzenden Funktionen belebt wird.
Bestehendes Kreativhaus erzeugt tägliche Nutzung
Das Rechenzentrum bringt bereits heute Menschen in das Quartier.
Ein Abriss würde diese Nutzung zunächst beseitigen. Ob ein neuer Platz dieselbe kulturelle und soziale Wirkung entfaltet, ist keineswegs sicher.
Der Mosaikzyklus braucht ein verbindliches Konzept
Unabhängig von der Gebäudeentscheidung muss das denkmalgeschützte Kunstwerk geschützt werden.
Erhalt am Originalstandort wäre vorzuziehen
Kunst am Bau ist für einen konkreten architektonischen Zusammenhang geschaffen.
Eine Entfernung oder Versetzung kann den ursprünglichen Bezug schwächen.
Technische Sicherung ist anspruchsvoll
Mosaike lassen sich nicht ohne Risiko abbauen.
Material, Untergrund und Witterungsschäden müssen fachlich untersucht werden, bevor über Versetzung oder Einlagerung entschieden wird.
Finanzierung frühzeitig klären
Falls das Gebäude tatsächlich 2033 zurückgebaut wird, darf die Sicherung des Kunstwerks nicht erst wenige Monate vorher geplant werden.
Stadt und Denkmalschutz benötigen rechtzeitig ein öffentlich nachvollziehbares Konzept.
Sieben Jahre müssen für eine echte Entscheidung genutzt werden
Der aktuelle Kompromiss darf nicht zur nächsten Vertagung führen.
Variantenvergleich notwendig
Bis spätestens Ende dieses Jahrzehnts sollte die Stadt belastbar untersuchen:
- vollständigen Erhalt des Rechenzentrums,
- Teilrückbau und Erhalt wichtiger Gebäudeteile,
- dauerhafte Koexistenz mit dem Garnisonkirchturm,
- vollständigen Rückbau mit Ersatzstandort,
- Umbau des Hauses für eine gemischte Kultur- und Bildungsnutzung.
Kosten müssen vergleichbar sein
Nicht nur der Sanierungsbedarf des Rechenzentrums zählt.
Auch Abriss, Sicherung des Mosaiks, Herstellung und Pflege des Stadtplatzes sowie der Bau von Ersatzräumen verursachen Kosten.
Kulturflächen müssen vor Abriss bereitstehen
Ein Ersatz darf nicht lediglich geplant oder angekündigt sein.
Bevor Ateliers geschlossen werden, müssen tatsächlich nutzbare, bezahlbare und ausreichend große Räume vorhanden sein.
Was Potsdam jetzt offenlegen sollte
Der Beschluss schafft eine Grundlage, beantwortet aber nicht alle Fragen.
Welche Kosten entstehen bis 2033?
Miete, Grundstücksnutzung, Unterhaltung und notwendige Baumaßnahmen sollten beziffert werden.
Welche Vertragsbedingungen gelten für die Künstler?
Laufzeiten, Kündigungsmöglichkeiten und Preisentwicklung benötigen Transparenz.
Wann wird über die endgültige Zukunft entschieden?
Eine Grundsatzentscheidung erst 2032 wäre zu spät.
Wie weit ist der Lange Stall?
Die Stadt sollte regelmäßig über Flächen, Baukosten, Fertigstellung und künftige Mietpreise informieren.
Welche Rolle spielt der Erhalt des Mosaiks?
Das denkmalgeschützte Kunstwerk braucht einen verbindlichen Zeit- und Finanzierungsplan.
Ist eine dauerhafte Koexistenz technisch möglich?
Diese Variante sollte nicht aus politischen Gründen ausgeschlossen werden, bevor sie fachlich vollständig geprüft wurde.
Potsdam hat Zeit gekauft – jetzt muss die Stadt sie endlich nutzen
Der Kompromiss ist zunächst vernünftig.
Eine Schließung des Rechenzentrums zum 31. Juli 2026 hätte rund 200 Kreativen kurzfristig ihre Arbeitsräume genommen, ohne dass ein gleichwertiger Ersatzstandort bereitgestanden hätte. Das wäre kulturpolitisch und organisatorisch unverantwortlich gewesen.
Sieben weitere Jahre sind deshalb ein echter Fortschritt.
Doch die Stadt darf den Beschluss nicht als Lösung verkaufen. Der Abriss bleibt das offizielle Ziel. Die Künstler erhalten keine dauerhafte Heimat, sondern eine letzte Frist bis 2033.
Genau darin liegt die Gefahr.
Potsdam hat die Zukunft des Rechenzentrums bereits mehrfach vertagt. Erst waren es Jahre, dann Monate, nun wieder sieben Jahre. Wenn Verwaltung, Stiftung und Politik erst 2032 erneut ernsthaft verhandeln, steht die Stadt vor demselben Problem wie heute.
Das Rechenzentrum ist kein schöner Bau im klassischen Sinne. Aber es ist ein funktionierender, lebendiger und bezahlbarer Kulturort. Es trägt ein bedeutendes Mosaik, dokumentiert die DDR-Geschichte und schafft einen notwendigen Gegenpol zur rekonstruierten Garnisonkirche.
Eine historische Innenstadt darf nicht bedeuten, dass nur jene Zeitschicht sichtbar bleibt, die politisch oder ästhetisch am bequemsten erscheint.
Ebenso falsch wäre es, jede Veränderung grundsätzlich abzulehnen. Das Gebäude benötigt Investitionen, und die städtebauliche Situation zwischen Turm, Rechenzentrum und öffentlichem Raum ist unbefriedigend.
Potsdam braucht deshalb einen ehrlichen Variantenvergleich. Was kostet die Sanierung? Was kostet der Abriss? Wo entstehen gleichwertige Ateliers? Kann ein Teil des Gebäudes erhalten bleiben? Wie lässt sich das Mosaik schützen? Und braucht die Stadt wirklich einen weiteren überwiegend leeren Platz?
Bis 2033 ist genug Zeit, diese Fragen zu beantworten.
Aber nur dann, wenn die Arbeit jetzt beginnt. Der neue Kompromiss darf nicht die nächste bequeme Pause in einem seit Jahren ungelösten Streit werden.