Potsdam. Jahrelang ging die Landeshauptstadt davon aus, zusätzliche große Schulstandorte zu benötigen. Neue Wohngebiete, wachsende Einwohnerzahlen und volle weiterführende Schulen führten zu Plänen für einen Schulcampus in Waldstadt Süd und ein neues Schulzentrum in Golm.

Nun zieht die Stadtverwaltung beide Vorhaben aus der Planung zurück.

Nach den Anfang Juli 2026 bekannt gewordenen aktualisierten Prognosen werden die Schülerzahlen an den weiterführenden Schulen voraussichtlich ab 2034 zurückgehen. Der Bedarf für die beiden teuren Neubauprojekte sei deshalb nicht mehr ausreichend begründbar. Hinzu kommt die schwierige Finanzlage der Stadt.

Die Entscheidung markiert einen tiefen Einschnitt in die Potsdamer Bildungs- und Stadtentwicklungsplanung. Noch vor wenigen Jahren war der Schulcampus Waldstadt Süd ausdrücklich als wichtiger Baustein zur Erweiterung der Kapazitäten vorgesehen. Auch Golm sollte wegen des Wachstums im Westen der Stadt einen neuen weiterführenden Schulstandort erhalten.

Schulcampus Waldstadt Süd wird nicht gebaut

Besonders weitreichend ist die Aufgabe der bisherigen Pläne im Potsdamer Süden.

Große Gesamtschule war vorgesehen

Die frühere Schulentwicklungsplanung sah in Waldstadt Süd eine große Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe vor. In den damaligen Unterlagen wurde ein sechszügiger Standort genannt, der ursprünglich bereits zum Schuljahr 2026/2027 entstehen sollte.

Damit hätte der Campus mehrere hundert Schüler aufnehmen können.

Zusätzlich waren auf dem Areal weitere Bildungs-, Betreuungs- und Sportangebote vorgesehen. Der Standort sollte damit nicht nur ein Schulgebäude, sondern ein umfassendes Bildungszentrum für den Potsdamer Süden werden.

Ursprünglicher Zeitplan war längst nicht mehr erreichbar

Schon in den vergangenen Jahren wurde deutlich, dass eine Eröffnung 2026 unrealistisch war. Planungen, Grundstücksfragen, Umweltbelange und die Finanzierung verzögerten das Vorhaben. Noch 2023 war offen, wann eine neue Gesamtschule in Waldstadt Süd tatsächlich entstehen könnte.

Die aktuelle Entscheidung beendet nun nicht nur einen Zeitplan, sondern das Neubauprojekt in seiner bisherigen Form.

Stadt sieht keinen ausreichenden langfristigen Bedarf mehr

Die Verwaltung begründet den Verzicht mit der neuen Schülerprognose.

Demnach bleiben die Zahlen zunächst hoch, sollen bei den weiterführenden Schulen aber langfristig zurückgehen. Ein großer Neubau, der erst nach mehreren Jahren Planungs- und Bauzeit eröffnet würde, könnte dann in eine Phase sinkender Nachfrage fallen.

Auch das Schulzentrum in Golm wird gestrichen

Die zweite Absage betrifft den wachsenden Potsdamer Westen.

Golm wächst als Wohn- und Wissenschaftsstandort

Golm hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Neue Wohngebiete, die Universität Potsdam, Forschungseinrichtungen und weitere Arbeitsplätze erhöhen die Bedeutung des Ortsteils.

Ein neues Schulzentrum sollte verhindern, dass Kinder und Jugendliche aus Golm sowie angrenzenden Ortsteilen täglich weite Wege in andere Teile Potsdams zurücklegen müssen.

Schülerprognose stellt Neubau infrage

Auch für Golm sieht die Verwaltung nach der aktualisierten Planung keinen ausreichenden langfristigen Bedarf mehr.

Die Entscheidung dürfte vor Ort besonders kritisch gesehen werden, weil Einwohnerwachstum und Bautätigkeit nicht zwangsläufig den Eindruck vermitteln, dass künftig weniger Bildungsplätze benötigt werden.

Ortsteile brauchen nachvollziehbare Zahlen

Die Stadt sollte deshalb genau offenlegen:

  • wie viele Schüler künftig in Golm und den angrenzenden Ortsteilen erwartet werden,
  • welche Schulen diese Kinder aufnehmen sollen,
  • welche Schulwege dadurch entstehen,
  • wie viele Plätze an den Ersatzstandorten tatsächlich verfügbar sind,
  • welche Reserven bei stärkerem Zuzug bestehen.

Eine allgemeine Aussage über sinkende stadtweite Schülerzahlen reicht für eine lokale Entscheidung dieser Größenordnung nicht aus.

Potsdams Schulplanung wurde mehrfach verändert

Die jetzige Kehrtwende ist nicht die erste Anpassung.

2021 wurde noch mit starkem Wachstum gerechnet

Die integrierte Kita- und Schulentwicklungsplanung für die Jahre 2021 bis 2026 ging von erheblich steigenden Kapazitätsbedarfen aus.

Neben Waldstadt Süd wurden weitere neue oder erweiterte Standorte geplant. Dazu gehörten Schulen im Norden, das Schulzentrum Krampnitz sowie zusätzliche Züge an Gesamtschulen und Gymnasien.

2023 wurden erneut zusätzliche Plätze vorgesehen

Auch die später angepasste Planung ging weiterhin von zusätzlichem Bedarf aus. Die Stadt sprach von mehreren neuen Gymnasien und Gesamtschulen bis in die 2030er-Jahre.

Nur drei Jahre später werden nun zwei bedeutende Projekte vollständig gestrichen.

Prognosen bleiben mit Unsicherheit verbunden

Schülerzahlen hängen von zahlreichen Faktoren ab:

  • Geburtenentwicklung,
  • Zu- und Wegzug,
  • Fertigstellung neuer Wohngebiete,
  • Zahl privater Schulplätze,
  • Übergangsquoten auf Gymnasium, Gesamt- oder Oberschule,
  • Schüler aus dem Umland,
  • politische Änderungen bei Klassengrößen und Schulformen.

Eine Prognose bis weit in die 2030er-Jahre kann deshalb niemals vollkommen sicher sein.

Ab 2034 sollen die Zahlen zurückgehen

Die zeitliche Einordnung ist entscheidend.

Kurzfristig bleiben Schulen gefordert

Die angekündigte Entwicklung bedeutet nicht, dass Potsdams Schulen bereits heute leer stehen.

Viele Einrichtungen sind weiterhin stark ausgelastet. Manche benötigen zusätzliche Räume, Container oder Übergangslösungen. Der Rückgang wird nach den aktuellen Angaben vor allem für die Zeit ab 2034 erwartet.

Bis dahin liegen noch mehrere Schuljahre.

Neubauten würden erst spät fertig

Große Schulprojekte benötigen von der ersten Planung bis zur Eröffnung häufig sieben bis zehn Jahre.

Würde Potsdam jetzt mit einem neuen Campus beginnen, könnte dieser ungefähr zu dem Zeitpunkt fertig werden, an dem die Schülerzahlen bereits sinken.

Aus Sicht der Stadt wäre es finanziell riskant, für viele Millionen Euro zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, die möglicherweise nur wenige Jahre voll benötigt werden.

Reservekapazitäten sind trotzdem notwendig

Eine Schule darf nicht dauerhaft bis zum letzten Platz ausgelastet sein.

Zusätzliche Räume werden benötigt für:

  • Teilungsunterricht,
  • Förderangebote,
  • Ganztagsbetreuung,
  • Sprachunterricht,
  • Inklusion,
  • Schulsozialarbeit,
  • Bibliotheken,
  • Arbeitsgemeinschaften und
  • kurzfristige Veränderungen der Schülerzahlen.

Eine rein rechnerische Platzbilanz kann deshalb zu knapp ausfallen.

Angespannter Haushalt beschleunigt die Entscheidung

Die demografische Prognose ist nicht der einzige Grund.

Schulneubauten kosten hohe zweistellige Millionenbeträge

Moderne Schulcampusse mit Sporthallen, Mensen, Außenanlagen und technischer Ausstattung gehören zu den teuersten kommunalen Bauprojekten.

Ein einzelner großer Standort kann schnell 50 Millionen Euro oder deutlich mehr kosten. Hinzu kommen Grundstückserschließung, Planung, Straßen, Grünanlagen und spätere Betriebskosten.

Potsdam muss zahlreiche Großprojekte finanzieren

Die Stadt steht gleichzeitig vor erheblichen Ausgaben für:

  • bestehende Schulen und Kitas,
  • Straßen und Brücken,
  • öffentlichen Nahverkehr,
  • Wohnungsbau,
  • Sportstätten,
  • soziale Einrichtungen,
  • Feuerwehr und Rettungsdienst,
  • Kulturgebäude sowie
  • die Entwicklung von Krampnitz.

Unter diesen Bedingungen ist ein Verzicht auf nicht mehr zwingend erforderliche Neubauten grundsätzlich nachvollziehbar.

Sparzwang darf nicht als Prognose verkleidet werden

Entscheidend ist jedoch die Reihenfolge der Argumentation.

Sollten die Projekte hauptsächlich wegen fehlenden Geldes aufgegeben werden, muss die Stadt dies offen sagen. Eine optimistisch ausgelegte Schülerprognose darf nicht dazu dienen, eine finanzpolitische Entscheidung als rein fachliche Notwendigkeit darzustellen.

Frühere Planungen verursachten bereits Kosten

Auch ein nicht gebautes Schulzentrum ist nicht kostenlos.

Gutachten und Planungen wurden erstellt

Für große Schulstandorte werden über Jahre Untersuchungen, Machbarkeitsstudien, Umweltprüfungen und städtebauliche Konzepte erarbeitet.

Mitarbeiter der Verwaltung, externe Planungsbüros und politische Gremien haben bereits Zeit und Geld in die Projekte investiert.

Höhe der bisherigen Ausgaben offenlegen

Die Stadt sollte veröffentlichen:

  • welche Planungskosten für Waldstadt Süd entstanden sind,
  • welche Ausgaben das Projekt in Golm verursacht hat,
  • welche Gutachten weiterverwendet werden können,
  • welche Verträge beendet werden müssen,
  • ob Entschädigungs- oder Rückzahlungspflichten entstehen.

Steuerzahler haben ein Recht darauf zu erfahren, was die nun aufgegebenen Vorhaben bereits gekostet haben.

Fehlplanung lässt sich nicht immer vermeiden

Dass sich Prognosen verändern, bedeutet nicht automatisch, dass die ursprüngliche Planung falsch war.

Eine wachsende Stadt muss frühzeitig Flächen sichern und Varianten prüfen. Problematisch wird es erst, wenn politische Entscheidungen trotz erkennbar veränderter Daten jahrelang nicht angepasst werden.

Flächen bleiben für andere Nutzungen interessant

Die Absage der Schulen eröffnet neue städtebauliche Fragen.

Waldstadt-Süd-Fläche ist kein gewöhnliches Baugrundstück

Die Planungen waren seit Jahren wegen möglicher Eingriffe in Wald- und Naturräume umstritten.

Eine Bürgerinitiative wandte sich gegen die Rodung größerer Waldflächen für Schule, Sportanlagen und weitere Bebauung.

Fällt der Schulcampus weg, sollte die Stadt nicht automatisch eine andere großflächige Bebauung an derselben Stelle vorbereiten.

Naturflächen könnten dauerhaft geschützt werden

Der Verzicht bietet die Möglichkeit, Teile des Gebietes als Wald-, Klima- und Erholungsraum zu sichern.

Gerade im dicht besiedelten Potsdamer Süden besitzen Bäume eine wichtige Funktion für Kühlung, Luftqualität und Regenwasserrückhalt.

Golmer Grundstück könnte Reserve bleiben

In Golm wäre es sinnvoll, eine geeignete Fläche weiterhin für Bildungs- oder soziale Zwecke vorzuhalten.

Auch wenn heute kein Schulzentrum gebaut wird, kann sich der Bedarf durch neue Wohnprojekte oder veränderte Geburtenzahlen später wieder erhöhen.

Ein voreiliger Verkauf würde der Stadt diese Handlungsreserve nehmen.

Fontane-Oberschule erhält eine neue Perspektive

Die aktualisierte Schulplanung betrifft nicht nur abgesagte Neubauten.

Bestehende Schulen sollen stärker genutzt werden

Nach den aktuellen Berichten soll unter anderem die Fontane-Oberschule eine neue räumliche Perspektive erhalten. Die Stadt will damit vorhandene Standorte anders ordnen und besser auslasten.

Die konkrete Umsetzung muss mit Schülern, Eltern und Beschäftigten frühzeitig abgestimmt werden.

Umzug darf kein bloßes Verschieben von Problemen sein

Ein neuer Standort ist nur dann eine Verbesserung, wenn er ausreichend Räume, gute Sportmöglichkeiten, eine Mensa und verlässliche Verkehrsverbindungen bietet.

Ein Schulname auf einem anderen Gebäude löst keine baulichen oder pädagogischen Defizite.

Oberschulen brauchen politische Aufmerksamkeit

Bei der Diskussion über Gymnasien und Gesamtschulen geraten Oberschulen häufig in den Hintergrund.

Dabei übernehmen sie eine zentrale Aufgabe bei Berufsorientierung, praktischer Bildung und der Vorbereitung auf Ausbildung sowie weiterführende Abschlüsse.

Umlandsschüler beeinflussen Potsdams Kapazitäten

Die Schulplanung endet nicht an der Stadtgrenze.

Rund 1.200 Schüler aus dem Umland

Die Stadt erklärte 2023, dass ungefähr 1.200 Kinder und Jugendliche aus umliegenden Gemeinden Potsdamer weiterführende Schulen besuchten. Das entsprach rechnerisch etwa zwei vollständigen Schulstandorten.

Diese Zahl verdeutlicht, wie stark Potsdam auch regionale Bildungsaufgaben übernimmt.

Stadt kritisierte ungleiche Finanzierung

Potsdam argumentierte damals, nicht dauerhaft aus eigenen Einnahmen Schulinfrastruktur für das Umland finanzieren zu können.

Das Problem bleibt unabhängig von sinkenden Geburtenzahlen bestehen.

Plätze dürfen nicht plötzlich vollständig abgeschottet werden

Eine Landeshauptstadt besitzt auch eine regionale Funktion.

Kinder aus benachbarten Gemeinden besuchen Potsdamer Schulen teilweise wegen besonderer Profile, guter Verkehrsverbindungen oder fehlender Angebote am Wohnort.

Notwendig ist deshalb eine faire Finanzierung zwischen Stadt, Land und Landkreisen – nicht einfach eine vollständige Abschottung.

Krampnitz-Schulcampus bleibt ein Schlüsselprojekt

Während Waldstadt Süd und Golm gestrichen werden, bleibt der Bau des Schulstandortes in Krampnitz zentral.

Neuer Stadtteil benötigt eigene Bildungsangebote

Krampnitz soll langfristig mehrere Tausend Einwohner aufnehmen.

Ein solcher Stadtteil kann nicht allein auf Schulen in anderen Teilen Potsdams angewiesen sein. Verkehrswege und vorhandene Einrichtungen wären damit überfordert.

Bau einer großen Gesamtschule geplant

Für Krampnitz ist ein Campus mit Gesamtschule, gymnasialer Oberstufe, Primarstufe und Hort vorgesehen. Frühere Planungen wurden allerdings mehrfach zeitlich angepasst.

Aktuell wird ein Baustart im Jahr 2026 genannt. Der Campus soll Platz für ungefähr 900 Schüler bieten.

Weitere Verzögerungen wären problematisch

Wie bei der Straßenbahn besteht auch bei der Schule das Risiko, dass Wohnungen schneller entstehen als die notwendige Infrastruktur.

Potsdam darf den Verzicht auf andere Standorte nicht zum Anlass nehmen, den Krampnitz-Campus ebenfalls zu verkleinern oder weiter zu verschieben.

Bestehende Schulen müssen jetzt stärker saniert werden

Eingesparte Neubaukosten sollten nicht vollständig im allgemeinen Haushalt verschwinden.

Viele Gebäude haben Modernisierungsbedarf

Auch Potsdams vorhandene Schulen benötigen Investitionen in:

  • Dächer und Fassaden,
  • Sanitäranlagen,
  • Brandschutz,
  • digitale Netze,
  • Akustik,
  • Barrierefreiheit,
  • Schulhöfe,
  • Sporthallen und
  • energetische Sanierung.

Sanierung kann pädagogische Qualität verbessern

Ältere Gebäude besitzen häufig große Klassenräume und stabile Bausubstanz.

Durch Umbauten können zusätzliche Gruppenräume, moderne Fachkabinette und bessere Ganztagsbereiche entstehen, ohne einen vollständigen Neubau zu errichten.

Bauen im laufenden Betrieb bleibt schwierig

Sanierungen verursachen Lärm, Staub und räumliche Einschränkungen.

Die Stadt braucht deshalb einen abgestimmten Zeitplan, damit nicht zu viele Schulen gleichzeitig auf Container oder Ausweichstandorte angewiesen sind.

Container dürfen nicht zur Dauerlösung werden

Potsdam hat in den vergangenen Jahren mehrfach temporäre Schulgebäude genutzt.

Schnelle Reaktion auf kurzfristige Engpässe

Modulare Gebäude können innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit zusätzliche Klassenräume schaffen.

Sie sind sinnvoll, wenn eine Schule vorübergehend stärker wächst oder ein Neubau noch nicht fertiggestellt ist.

Provisorien werden häufig länger genutzt

Aus einer ursprünglich auf wenige Jahre angelegten Übergangslösung kann leicht ein jahrzehntelanger Standort werden.

Dann fehlen häufig gute Außenanlagen, Fachräume oder eine dauerhaft wirtschaftliche Energieversorgung.

Nachnutzung frühzeitig planen

Sinken die Schülerzahlen tatsächlich, sollten hochwertige Modulbauten an anderen Standorten wiederverwendet werden können.

Dafür müssen sie technisch versetzbar und räumlich flexibel geplant sein.

Kleinere Klassen wären eine mögliche Alternative

Sinkende Schülerzahlen müssen nicht automatisch zur Schließung von Standorten führen.

Pädagogischer Gewinn durch geringere Klassenstärken

Werden weniger Kinder eingeschult, könnten Schulen mit kleineren Klassen arbeiten.

Lehrer hätten mehr Zeit für individuelle Förderung, Sprachbildung und Inklusion.

Entscheidung liegt nicht allein bei der Stadt

Klassenstärken und Lehrerstellen werden wesentlich durch das Land Brandenburg bestimmt.

Die Stadt stellt Gebäude bereit, kann aber nicht allein entscheiden, wie viele Pädagogen eingesetzt werden.

Land darf Rückgang nicht nur zum Sparen nutzen

Weniger Schüler sollten nicht automatisch zu weniger Bildungsqualität führen.

Nach Jahren voller großer Klassen und knapper Ressourcen wäre eine demografische Entlastung eine Chance für bessere Bedingungen.

Ganztag und Inklusion benötigen zusätzliche Räume

Moderne Schulen brauchen mehr Fläche als reine Halbtagsschulen früherer Jahrzehnte.

Unterricht endet nicht am frühen Mittag

Ganztagsangebote benötigen Räume für Essen, Betreuung, Ruhe, Sport und Arbeitsgemeinschaften.

Diese Flächen dürfen bei Bedarfsberechnungen nicht wie frei verfügbare Klassenzimmer behandelt werden.

Inklusion verändert Anforderungen

Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf benötigen teilweise Therapieräume, Rückzugsbereiche, barrierefreie Sanitäranlagen und zusätzliche Personalflächen.

Schulsozialarbeit ist unverzichtbar

Sozialarbeiter brauchen vertrauliche Gesprächsräume.

Ein Schreibtisch in einem Flur oder Lehrerzimmer ist keine angemessene Grundlage für Beratung bei familiären, psychischen oder schulischen Problemen.

Schulwege könnten länger werden

Der Verzicht auf wohnortnahe Standorte hat direkte Folgen für Familien.

Golmer Schüler müssen pendeln

Ohne eigenes Schulzentrum werden viele Jugendliche weiterhin in andere Stadtteile fahren müssen.

Das erhöht die Belastung von Bussen, Bahnen und Straßen.

Waldstadt besitzt bereits Schulen, aber nicht jedes Profil

Die Frage lautet nicht nur, ob irgendwo rechnerisch ein Platz vorhanden ist.

Eltern und Schüler wählen auch nach Schulform, pädagogischem Konzept, Fremdsprachenangebot und erreichbarem Abschluss.

Sichere Verbindungen garantieren

Die Stadt muss bei jeder Neuordnung der Schulbezirke und Kapazitäten prüfen, ob die betroffenen Schulen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zuverlässig erreichbar sind.

Ein rechnerisch freier Schulplatz ist wenig wert, wenn ein elfjähriges Kind täglich mehrfach umsteigen und lange Wege zurücklegen muss.

Private Schulen bleiben Teil der Gesamtplanung

Potsdam besitzt zahlreiche Schulen in freier Trägerschaft.

Sie entlasten das öffentliche System

Private und kirchliche Einrichtungen nehmen einen Teil der Schüler auf und bieten besondere pädagogische Profile.

Die frühere Schulentwicklungsplanung berücksichtigte ausdrücklich den Anteil der Potsdamer Kinder im privaten Schulsystem.

Plätze sind nicht vollständig steuerbar

Die Stadt kann privaten Trägern nicht dauerhaft vorschreiben, wie viele Klassen sie anbieten oder welche Schüler sie aufnehmen.

Ein privater Standort kann sein Angebot ändern oder wirtschaftlich in Schwierigkeiten geraten.

Öffentliche Reserve bleibt notwendig

Kommunale Planung darf deshalb nicht sämtliche Kapazitätsreserven mit dem Hinweis auf private Schulen streichen.

Die Stadt muss in der Lage bleiben, jedem Kind einen öffentlichen Schulplatz anzubieten.

Prognosen müssen regelmäßig überprüft werden

Die jetzige Entscheidung darf kein endgültiger Schlussstrich ohne Kontrollmöglichkeit sein.

Jährliche Aktualisierung sinnvoll

Geburtenzahlen, Wohnungsbau und Zu­züge sollten jedes Jahr neu ausgewertet werden.

Besonders wichtig sind die Entwicklungen in:

  • Golm,
  • Krampnitz,
  • Fahrland,
  • Bornstedt,
  • Waldstadt,
  • Schlaatz und
  • Drewitz.

Frühwarnwerte festlegen

Die Stadt sollte definieren, bei welchen Abweichungen die aufgegebenen Projekte erneut geprüft werden.

Steigen die tatsächlichen Schülerzahlen beispielsweise mehrere Jahre deutlich stärker als prognostiziert, muss rechtzeitig reagiert werden.

Grundstücke nicht vorschnell endgültig vergeben

Solange die langfristige Entwicklung unsicher bleibt, sollten geeignete kommunale Flächen nicht leichtfertig verkauft oder dauerhaft anders bebaut werden.

Planungsreserven kosten zunächst Geld, können später aber wesentlich teurere Notlösungen verhindern.

Was Potsdam jetzt veröffentlichen sollte

Die Absage der beiden Schulprojekte benötigt eine transparente Grundlage.

Vollständige Schülerprognose

Die Zahlen sollten nach Jahren, Stadtteilen, Altersgruppen und Schulformen aufgeschlüsselt werden.

Kapazitäten jeder bestehenden Schule

Bürger müssen erkennen können, wo freie Plätze entstehen und wo Einrichtungen weiterhin überlastet bleiben.

Bisherige Planungskosten

Die Ausgaben für Waldstadt Süd und Golm gehören auf den Tisch.

Zukunft der Grundstücke

Die Stadt muss erklären, ob die Flächen gesichert, renaturiert oder anderweitig genutzt werden sollen.

Auswirkungen auf Schulwege

Neue Verkehrsströme und notwendige Bus- oder Tramangebote müssen berechnet werden.

Sanierungsprogramm für Bestandsgebäude

Der Verzicht auf Neubauten sollte mit einem verbindlichen Investitionsplan für vorhandene Schulen verbunden werden.

Schulen nach belastbaren Zahlen planen – aber Flächen nicht vorschnell aufgeben

Es ist richtig, große Bauprojekte zu überprüfen, wenn sich der Bedarf verändert.

Eine Stadt darf nicht aus politischem Stolz einen Schulcampus für viele Millionen Euro errichten, obwohl die Schülerzahlen bei seiner Fertigstellung bereits zurückgehen könnten. Leere oder schlecht ausgelastete Schulen verursachen jahrzehntelang Betriebskosten.

Der Verzicht auf Waldstadt Süd und Golm kann deshalb vernünftig sein.

Doch die Entscheidung muss auf belastbaren und öffentlich nachvollziehbaren Zahlen beruhen. Noch vor wenigen Jahren erklärte Potsdam, dringend zusätzliche Gesamtschulen und Gymnasien zu benötigen. Nun sollen zwei wichtige Standorte vollständig entfallen.

Ein derart deutlicher Kurswechsel verlangt mehr als den pauschalen Hinweis auf sinkende Schülerzahlen ab 2034.

Eltern müssen wissen, wo ihre Kinder stattdessen unterrichtet werden. Golm braucht eine Antwort auf längere Schulwege. Der Potsdamer Süden braucht Klarheit über bestehende Kapazitäten. Und die gesamte Stadt muss erfahren, wie viel Geld bereits in die aufgegebenen Planungen geflossen ist.

Besonders wichtig ist, die vorgesehenen Grundstücke nicht vorschnell zu verkaufen.

Demografische Prognosen können sich verändern. Neue Wohngebiete, Zuzug aus Berlin oder politische Änderungen bei Klassenstärken können den Bedarf wieder erhöhen. Eine heute aufgegebene Fläche lässt sich später möglicherweise nicht zurückholen.

Der Verzicht auf Neubauten sollte außerdem nicht bedeuten, dass beim Bildungsbau insgesamt gespart wird. Potsdams bestehende Schulen brauchen Sanierungen, moderne Fachräume, barrierefreie Zugänge und vernünftige Sporthallen.

Sinkende Schülerzahlen sind keine Krise. Sie können eine Chance sein, Schulen räumlich und pädagogisch zu verbessern.

Dafür muss Potsdam allerdings mehr tun, als zwei Bauprojekte aus einer Liste zu streichen. Die Stadt braucht eine neue, ehrliche Gesamtplanung – mit Reserven, regelmäßigen Prüfungen und klaren Investitionen in die Gebäude, die dauerhaft bestehen bleiben.