Potsdam. Große Fußballstadien werden häufig an Autobahnanschlüssen, Gewerbegebieten oder auf freien Flächen am Stadtrand gebaut. Das Karl-Liebknecht-Stadion ist das genaue Gegenteil.
Das „KarLi“ liegt mitten in Babelsberg. Besucher kommen vom Bahnhof durch gewachsene Wohnstraßen, kleine Geschäfte und einen dicht bebauten Kiez zur Spielstätte. Gerade diese Lage macht das Stadion zu einem besonderen Ort – und zugleich zu einer stadtplanerischen Herausforderung.
Am 10. Juli 2026 feierte das Karl-Liebknecht-Stadion seinen 50. Geburtstag. Einen Tag später beging der SV Babelsberg 03 das Jubiläum mit einem großen Stadionfest und einem Freundschaftsspiel gegen den FC St. Pauli. Das Spiel war zugleich Teil der Saisoneröffnung des Regionalligisten.
Das Jubiläum erinnert an große sportliche Momente. Es sollte aber ebenso Anlass sein, über die nächsten Jahrzehnte des Stadions zu sprechen.
Das KarLi wurde am 10. Juli 1976 eröffnet
Das erste Spiel im neuen Stadion hätte kaum prominenter besetzt sein können.
DDR-Nationalmannschaft gewann mit 5:0
Zur Einweihung trat die DDR-Nationalmannschaft gegen die damalige BSG Motor Babelsberg an. Die Auswahl gewann mit 5:0. Nur wenige Wochen später holte die DDR-Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Montreal die Goldmedaille.
Damit begann die Geschichte des Stadions mit einem sportlichen Ereignis von nationaler Bedeutung.
Fußball wurde auf dem Gelände schon früher gespielt
Das Areal war bereits lange vor dem Stadionneubau sportlich genutzt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf dem Karl-Liebknecht-Sportplatz wieder regelmäßig Fußball gespielt.
In den 1970er-Jahren entstand schließlich die heutige Arena. Der Bau dauerte ungefähr zwei Jahre und wurde unter anderem durch Feierabendbrigaden sowie technische Unterstützung der sowjetischen Armee ermöglicht.
Ein reines Fußballstadion ohne Laufbahn
Anders als viele größere DDR-Sportstätten wurde das KarLi ohne Leichtathletikbahn errichtet.
Dadurch stehen die Zuschauer besonders nah am Spielfeld. Diese Nähe gehört bis heute zu den wichtigsten Merkmalen der Atmosphäre in Babelsberg.
Ursprünglich passten rund 15.000 Menschen hinein
Das Stadion war bei seiner Eröffnung größer als heute.
Kapazität wurde mehrfach reduziert
In den ersten Jahren konnten etwa 15.000 Zuschauer die Spiele verfolgen. Durch Umbauten, modernere Sicherheitsanforderungen und die heutige Aufteilung der Zuschauerbereiche sank die Kapazität.
Aktuell bietet das Stadion nach Angaben der Stadt rund 10.800 Plätze. Der SV Babelsberg 03 nennt 10.787 Plätze.
Mehr Sicherheit benötigt mehr Fläche
Moderne Stadien brauchen Fluchtwege, Pufferzonen, getrennte Fanbereiche, ausreichend breite Zugänge und Plätze für Rettungskräfte.
Eine geringere Kapazität ist daher nicht automatisch ein Verlust. Sie kann Ausdruck höherer Sicherheits- und Komfortstandards sein.
Knapp 11.000 Plätze passen zum Standort
Das KarLi liegt unmittelbar neben Wohnstraßen und dem Park Babelsberg.
Ein wesentlich größeres Stadion würde zusätzlichen Verkehr, Lärm und Flächenbedarf verursachen. Die heutige Größe ermöglicht überregional bedeutende Spiele, ohne den Charakter des Kiezstadions vollständig aufzugeben.
Zwölf DDR-Länderspiele machten Babelsberg bekannt
Das KarLi war nicht nur Heimstätte eines Vereins.
Höchster Sieg der DDR-Nationalmannschaft
1977 besiegte die DDR-Auswahl Malta in Babelsberg mit 9:0. Es war der höchste Länderspielsieg in der Geschichte der DDR-Nationalmannschaft. Das Stadion war dabei mit etwa 15.000 Zuschauern gefüllt.
Insgesamt fanden zwölf Länderspiele der DDR-Auswahl im Karl-Liebknecht-Stadion statt.
Internationale Spiele gehörten zum Stadionalltag
Durch Länderspiele und später durch die europäischen Erfolge der Potsdamer Fußballerinnen kamen internationale Mannschaften nach Babelsberg.
Das KarLi wurde damit zu einem der bekanntesten Fußballstandorte Brandenburgs.
Erinnerung braucht sichtbare Orte
Die Geschichte könnte im Stadion noch stärker vermittelt werden.
Tafeln, historische Bilder oder ein kleiner öffentlich zugänglicher Ausstellungsbereich könnten zeigen, welche Spiele, Vereine und Persönlichkeiten das KarLi geprägt haben.
Babelsberg 03 machte das Stadion zum Kiezmittelpunkt
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde aus der BSG Motor Babelsberg der SV Babelsberg 03.
Aufstiege brachten neue Anforderungen
Der Verein spielte zeitweise in der 2. Bundesliga und in der 3. Liga. Mit dem sportlichen Aufstieg mussten Tribünen, Sicherheitsbereiche, Funktionsräume und Flutlicht an höhere Anforderungen angepasst werden.
Das Stadion blieb dabei an seinem historischen Standort.
Regionalliga ist heute sportliche Heimat
Babelsberg 03 tritt gegenwärtig in der Regionalliga Nordost an.
Der Verein besitzt eine treue Anhängerschaft und eine besondere Stellung im Stadtteil. Das Stadion ist an Heimspieltagen nicht nur Sportstätte, sondern Treffpunkt für Fans, Familien, Ehrenamtliche und lokale Initiativen.
Der Verein lebt vom Charakter des Ortes
Ein austauschbares Stadion am Stadtrand würde möglicherweise mehr Parkplätze und größere Logistikflächen bieten.
Es würde aber genau jene Nähe zum Kiez verlieren, die das KarLi von vielen anderen Spielstätten unterscheidet.
Turbine Potsdam schrieb im KarLi europäische Geschichte
Das Stadion ist gleichzeitig eng mit dem erfolgreichen Frauenfußball der Stadt verbunden.
Zwei europäische Titel
Turbine Potsdam gewann 2005 den UEFA Women’s Cup und 2010 die Champions League. Der Verein wurde zudem mehrfach deutscher Meister und prägte über viele Jahre die Spitze des deutschen Frauenfußballs.
Viele große nationale und internationale Spiele wurden im Karl-Liebknecht-Stadion ausgetragen.
Frauenfußball füllte die Tribünen
Die Erfolge von Turbine machten das KarLi weit über die Region hinaus bekannt.
Zu einer Zeit, in der Frauenfußball vielerorts noch wenig Aufmerksamkeit erhielt, entwickelte Potsdam eine außergewöhnlich starke Zuschauer- und Vereinsstruktur.
Gemeinsame Nutzung bleibt wichtig
Babelsberg 03 und Turbine Potsdam besitzen unterschiedliche sportliche Voraussetzungen, nutzen aber dieselbe traditionsreiche Spielstätte.
Ein zukunftsfähiges Stadionkonzept muss deshalb die Bedürfnisse beider Vereine berücksichtigen – von Trainings- und Spielbetrieb über Vermarktung bis zu Kabinen und Medienarbeitsplätzen.
Klappbare Flutlichtmasten sind europaweit außergewöhnlich
Die auffälligste technische Besonderheit des Stadions steht hoch über dem Spielfeld.
Masten können eingeklappt werden
Die vier Flutlichtmasten sind ungefähr 38 Meter hoch und besitzen in rund 23 Metern Höhe ein Knickgelenk. Sie können nach unten geklappt werden.
Diese Konstruktion wurde gewählt, um historische Sichtachsen vom benachbarten Park Babelsberg zu schützen.
Welterbe und Fußball wurden miteinander verbunden
Der Park Babelsberg gehört zum UNESCO-Welterbe der Potsdamer Schlösser- und Parklandschaft.
Gewöhnliche dauerhaft aufragende Flutlichtmasten hätten wichtige Blickbeziehungen beeinträchtigen können. Die technische Sonderlösung verbindet deshalb modernen Spielbetrieb mit den Anforderungen des Denkmalschutzes.
Besonderheit verursacht Wartungsaufwand
Bewegliche Großkonstruktionen benötigen regelmäßige technische Prüfungen und Instandhaltung.
Die Stadt, der Verein und mögliche Fördermittelgeber müssen sicherstellen, dass diese einzigartige Anlage nicht erst dann Beachtung findet, wenn ein größerer Defekt den Spielbetrieb gefährdet.
Millionen wurden bereits in die Sanierung investiert
Das KarLi ist kein unveränderter Bau aus den 1970er-Jahren.
Umbau mit Mitteln des Konjunkturpakets
In den Jahren 2010 und 2011 wurde das Stadion mit Mitteln des Konjunkturpakets II und der Landeshauptstadt Potsdam umfassend modernisiert. Dazu gehörten Arbeiten an Tribünen, Hauptgebäude und Nebenanlagen.
Ein beteiligtes Bauunternehmen beziffert die damalige Vertragssumme für seine Sanierungsleistungen auf rund 4,8 Millionen Euro.
Block K wurde neu gebaut
Zu den Arbeiten gehörten der Abriss und Neubau des Blocks K, die Erweiterung des Haupttribünendaches sowie die Sanierung des Hauptgebäudes, der Haupttribüne und der Gegengeraden.
Damit wurde die Spielstätte für höhere Ligaanforderungen und den modernen Veranstaltungsbetrieb ertüchtigt.
Sanierungen haben keine unbegrenzte Lebensdauer
Seit diesen Arbeiten sind inzwischen rund 15 Jahre vergangen.
Technik, Sanitäranlagen, Tribünen, Dächer und Sicherheitsausstattung müssen fortlaufend gepflegt werden. Das Jubiläum sollte deshalb auch genutzt werden, um den heutigen und künftigen Investitionsbedarf ehrlich zu erfassen.
Der Standort mitten im Kiez ist Stärke und Belastung zugleich
Die Lage macht das KarLi besonders – sie begrenzt aber auch den Ausbau.
Wohnhäuser stehen unmittelbar am Stadion
Anwohner erleben Heimspiele, Veranstaltungen, Anreiseverkehr und Fangesänge aus nächster Nähe.
Das gehört in Babelsberg seit Jahrzehnten zum Stadtteil. Dennoch müssen Lärmschutz, Sauberkeit und sichere Wege ernst genommen werden.
Parkplätze sind knapp
Ein Stadion mit fast 11.000 Besuchern kann in dieser Lage nicht für jeden Zuschauer einen Stellplatz bereitstellen.
Das ist städtebaulich kein Nachteil, solange öffentliche Verkehrsmittel, Fahrradwege und Fußverbindungen zuverlässig funktionieren.
Bahnhof Babelsberg ist ein großer Vorteil
Das Stadion ist vom Bahnhof Babelsberg zu Fuß erreichbar.
Diese Nähe ermöglicht eine Anreise mit Regionalbahn, S-Bahn und Straßenbahn und reduziert den Bedarf an zusätzlichen Parkflächen.
Öffentlicher Nahverkehr muss sich an Spieltagen beweisen
Große Spiele bringen innerhalb kurzer Zeit Tausende Menschen in den Stadtteil.
Zusätzliche Kapazitäten sind notwendig
Bei ausverkauften Begegnungen müssen Bahn und Bus genügend Fahrzeuge einsetzen.
Besonders nach dem Abpfiff verlassen viele Besucher das Stadion gleichzeitig. Lange Wartezeiten können zu Gedränge und unnötigen Konflikten führen.
Gästefans brauchen klare Wege
Bei Spielen mit erhöhtem Sicherheitsbedarf müssen Heim- und Gästefans möglichst früh voneinander getrennt werden.
Dabei sollten normale Fahrgäste und Anwohner so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.
Kombitickets wären sinnvoll
Eintrittskarten, die zugleich als Fahrschein gelten, können die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs fördern.
Ein solches System muss verständlich sein und sowohl Potsdamer als auch auswärtige Besucher erreichen.
Barrierefreiheit muss weiter verbessert werden
Das Stadion verfügt bereits über barrierefrei erreichbare Rollstuhlplätze im Bereich der überdachten Tribüne sowie behindertengerechte Toiletten und Versorgungsmöglichkeiten.
Gute Plätze statt bloßer Mindestlösung
Menschen mit Behinderung benötigen eine freie Sicht auf das Spielfeld, Wetterschutz und ausreichend Platz für Begleitpersonen.
Barrierefreiheit darf nicht nur darin bestehen, einen technisch zugänglichen Randbereich anzubieten.
Wege zum Stadion gehören dazu
Auch Bahnhof, Gehwege, Eingänge und Sicherheitskontrollen müssen ohne unnötige Hindernisse nutzbar sein.
Eine barrierefreie Tribüne hilft wenig, wenn Besucher auf dem Weg dorthin hohe Bordsteine oder schlecht befestigte Flächen überwinden müssen.
Informationen müssen zugänglich sein
Ticketkauf, Stadionordnung und Wegbeschreibungen sollten auch für Menschen mit Seh-, Hör- oder Lernbeeinträchtigungen verständlich angeboten werden.
Sicherheitskonzept muss mit dem Stadion altern
Großveranstaltungen stellen hohe Anforderungen an Feuerwehr, Rettungsdienst und Ordner.
Katastrophenschutz wurde praktisch geübt
Im Juli 2025 fand im und um das Karl-Liebknecht-Stadion eine groß angelegte Katastrophenschutzübung mit rund 170 Einsatzkräften, etwa 50 Rettungsfahrzeugen und einem Rettungshubschrauber statt.
Solche Übungen zeigen, ob Zufahrten, Kommunikation und Patientenversorgung im Ernstfall funktionieren.
Fluchtwege dürfen nicht zu Engpässen werden
Ein Kiezstadion besitzt weniger freie Außenflächen als eine moderne Arena am Stadtrand.
Die Führung der Besucherströme muss deshalb regelmäßig überprüft und an aktuelle Sicherheitsanforderungen angepasst werden.
Technik ersetzt keine geschulten Kräfte
Kameras, Lautsprecher und digitale Systeme können helfen.
Entscheidend bleiben aber ausreichend Ordner, Sanitäter, Feuerwehrkräfte und Verantwortliche, die in einer Gefahrensituation schnell handeln.
Das KarLi soll auch ökologisch weiterentwickelt werden
Der SV Babelsberg 03 verfolgt seit Jahren das Konzept eines „Grünen Stadions“.
Verein setzt auf nachhaltigen Betrieb
Nach Angaben des Vereins geht es unter anderem darum, Energie, Ressourcen und Betriebskosten zu sparen und den Stadionbetrieb nachhaltiger zu gestalten.
Das passt zu einem Standort, der unmittelbar an ein bedeutendes Park- und Welterbegebiet grenzt.
Energieverbrauch bleibt ein Thema
Flutlicht, Rasenpflege, Gebäude, Gastronomie und Veranstaltungstechnik benötigen Strom und Wärme.
Photovoltaik, effizientere Beleuchtung und moderne Steuerungstechnik könnten den Verbrauch weiter reduzieren, sofern Denkmalschutz und Statik dies zulassen.
Mehrweg und Abfallvermeidung
Große Spieltage erzeugen erhebliche Mengen Verpackungen und Müll.
Ein praktikables Mehrwegsystem, ausreichend Abfallbehälter und schnelle Reinigung schützen sowohl den Kiez als auch das Ansehen des Vereins.
Das Stadion braucht einen langfristigen Investitionsplan
Ein Jubiläum darf nicht nur aus Rückblick und Sondertrikot bestehen.
Bestandsaufnahme notwendig
Verein und Stadt sollten gemeinsam untersuchen, welche Teile des Stadions in den kommenden zehn bis 15 Jahren erneuert werden müssen.
Dazu gehören insbesondere:
- Tribünen und Dächer,
- Flutlichttechnik,
- Sanitäranlagen,
- Zugänge und Sicherheit,
- Medien- und Funktionsräume,
- Barrierefreiheit,
- Energieversorgung,
- Trainings- und Nebenplätze.
Kleine Arbeiten rechtzeitig ausführen
Regelmäßige Instandhaltung ist günstiger als eine große Notsanierung.
Wer Schäden an Beton, Dächern oder Leitungen früh beseitigt, verhindert spätere Sperrungen und hohe Zusatzkosten.
Finanzierung muss zwischen den Beteiligten geklärt werden
Ein traditionsreiches Stadion erfüllt sportliche, kulturelle und städtische Aufgaben.
Deshalb braucht es eine faire Aufteilung zwischen Verein, Kommune, Land, Verbänden und möglichen Sponsoren.
Ein Stadionneubau wäre kaum gleichwertiger Ersatz
In der Vergangenheit wurde bereits über einen anderen Standort diskutiert.
Historischer Standort besitzt eigenen Wert
Das KarLi ist nicht nur eine Ansammlung von Tribünen.
Sein Wert entsteht aus der Verbindung von Stadion, Kiez, Park, Vereinsgeschichte und den Erinnerungen mehrerer Generationen.
Neubau würde hohe Kosten verursachen
Ein neues Stadion benötigte Grundstück, Straßen, Parkflächen, öffentliche Verkehrsanbindung und vollständige technische Infrastruktur.
Selbst wenn eine moderne Arena leichter zu betreiben wäre, würden enorme Investitionen anfallen.
Erhalt bleibt die vernünftigere Lösung
Solange das KarLi sicher modernisiert und wirtschaftlich betrieben werden kann, spricht vieles für den Erhalt am bisherigen Standort.
Die Aufgabe besteht nicht darin, das Stadion in eine beliebige Hochglanzarena zu verwandeln. Es muss funktional, sicher und dauerhaft nutzbar bleiben.
Sportlicher Erfolg beeinflusst den Investitionsbedarf
Die Anforderungen an ein Stadion hängen von der Spielklasse seiner Vereine ab.
Höhere Liga verlangt bessere Infrastruktur
Ein Aufstieg von Babelsberg 03 würde strengere Vorgaben bei Medienplätzen, Beleuchtung, Sicherheit, Gästebereichen und möglicherweise Rasenheizung auslösen.
Auch erfolgreiche internationale oder nationale Spiele von Turbine Potsdam können zusätzliche Anforderungen stellen.
Investitionen dürfen nicht nur von Aufstiegen abhängen
Sportlicher Erfolg lässt sich nicht sicher planen.
Grundlegende Sicherheit, Barrierefreiheit und Gebäudesubstanz müssen unabhängig von der aktuellen Tabellenposition gewährleistet sein.
Erweiterungen stufenweise vorbereiten
Die Stadt sollte wissen, welche Maßnahmen bei einem Aufstieg kurzfristig notwendig würden.
Ein vorbereitetes Stufenkonzept verhindert hektische und überteuerte Umbauten nach einem sportlichen Erfolg.
Ehrenamt trägt einen großen Teil der Stadionatmosphäre
Das KarLi lebt nicht nur von Profis und hauptamtlichen Mitarbeitern.
Helfer organisieren Spieltage
Ordner, Nachwuchstrainer, Fanbetreuer, Vereinsmitglieder und weitere Ehrenamtliche sorgen dafür, dass Heimspiele und Veranstaltungen funktionieren.
Oberbürgermeisterin Noosha Aubel würdigte zum Jubiläum ausdrücklich das Engagement der vielen Ehrenamtlichen und die besondere Identifikation mit dem Stadion.
Nachwuchs braucht Vorbilder
Kinder und Jugendliche erleben im Stadion ihren Verein und die Gemeinschaft dahinter.
Ein erfolgreicher Sportstandort muss deshalb nicht nur auf die erste Mannschaft, sondern ebenso auf Nachwuchsarbeit und soziale Angebote ausgerichtet sein.
Tradition wird von Menschen weitergetragen
Gebäude allein schaffen keine Identität.
Die Erinnerungen, Rituale und persönlichen Begegnungen machen aus einer Sportstätte ein „Wohnzimmer“ des Vereins.
Das Jubiläumsspiel gegen St. Pauli passte zum KarLi
Der FC St. Pauli ist für eine ausgeprägte Fan- und Vereinskultur bekannt.
Freundschaftsspiel als Saisoneröffnung
Babelsberg 03 lud den Verein am 11. Juli 2026 zum Jubiläums- und Freundschaftsspiel ein. Das Stadionfest umfasste ein Familienprogramm und verschiedene Aktionen rund um die Geschichte des KarLi.
Ähnliche Selbstbilder der Vereine
Beide Vereine betonen ihre gesellschaftliche Haltung und ihre Verwurzelung in ihrem jeweiligen Stadtteil.
Damit war St. Pauli kein zufällig ausgewählter Gegner, sondern ein passender Gast für ein Stadion, das sich über seine Kiezkultur definiert.
Jubiläum darf keine einmalige Inszenierung bleiben
Das Interesse an der Geschichte sollte über den Festtag hinaus genutzt werden.
Führungen, Ausstellungen und regelmäßige Veranstaltungen könnten das KarLi auch außerhalb der Spieltage stärker öffnen.
Was Potsdam jetzt klären sollte
Der 50. Geburtstag ist ein guter Zeitpunkt für konkrete Entscheidungen.
Wie hoch ist der Sanierungsbedarf?
Stadt und Verein sollten eine aktuelle technische Bestandsaufnahme veröffentlichen.
Welche Arbeiten sind in den nächsten fünf Jahren geplant?
Fans und Steuerzahler brauchen einen nachvollziehbaren Zeitplan.
Wer trägt welche Kosten?
Zuständigkeiten zwischen Verein, Stadt, Land und weiteren Partnern müssen klar sein.
Wie wird das Stadion barrierefreier?
Bestehende Angebote sollten überprüft und schrittweise verbessert werden.
Welche Anforderungen entstehen bei einem Aufstieg?
Ein Stufenplan kann kurzfristige Notmaßnahmen verhindern.
Wie bleibt der Kiez geschützt?
Verkehr, Lärm, Abfall und Besucherführung müssen gemeinsam mit Anwohnern weiterentwickelt werden.
Das KarLi darf modern werden – aber niemals beliebig
Das Karl-Liebknecht-Stadion ist eines der wenigen Fußballstadien, die noch deutlich erkennen lassen, woher sie kommen.
Es steht nicht zwischen Parkhäusern und Gewerbehallen. Es liegt mitten in Babelsberg. Fans gehen durch den Kiez zum Spiel, Nachbarn hören die Gesänge, und hinter den Tribünen beginnt eine historische Parklandschaft.
Genau diese Lage macht das KarLi wertvoll.
Natürlich benötigt ein 50 Jahre altes Stadion fortlaufende Investitionen. Flutlicht, Tribünen, Sanitäranlagen, Sicherheit und Barrierefreiheit lassen sich nicht mit Nostalgie instand halten. Wer das Stadion erhalten will, muss bereit sein, rechtzeitig Geld in seine Substanz zu investieren.
Doch Potsdam sollte nicht versuchen, aus dem KarLi eine kleine Kopie moderner Großarenen zu machen.
Seine Nähe zum Spielfeld, die Stehplätze, die klappbaren Flutlichtmasten und die Einbindung in den Stadtteil sind keine Mängel. Sie sind seine größten Stärken.
Ein Neubau am Stadtrand wäre vielleicht technisch einfacher. Er würde aber einen Teil der Identität von Babelsberg zerstören und wahrscheinlich erheblich mehr öffentliches Geld kosten.
Zum Jubiläum braucht es deshalb mehr als Rückblicke und Festreden. Stadt und Verein sollten einen langfristigen Entwicklungsplan vorlegen: Was muss saniert werden? Welche Anforderungen entstehen bei einem möglichen Aufstieg? Wie werden Barrierefreiheit, Klimaschutz und Sicherheit verbessert? Und wie bleibt das Stadion für die Vereine bezahlbar?
Das KarLi hat DDR-Länderspiele, Zweitligafußball, Regionalligakämpfe und europäische Triumphe der Turbinen erlebt.
Es verdient eine Zukunft, die dieser Geschichte gerecht wird – modern genug für die kommenden Jahrzehnte, aber eigenständig genug, um weiterhin unverkennbar Babelsberg zu bleiben.