Normalerweise stehen auf dem Rasen der Alten Försterei Fußballer. In dieser Woche übernehmen dort Schauspieler, Musiker und Geschichtenerzähler.

Das Theaterstück „Und niemals vergessen – Eisern Union“ wird erstmals im Stadion des 1. FC Union Berlin aufgeführt. Zugleich sind die Vorstellungen das Ende einer außergewöhnlichen Theatertradition, die den Verein und seine Anhänger seit zwei Jahrzehnten begleitet.

Die Stadionpremiere findet am Mittwoch, dem 15. Juli 2026, statt. Weitere Vorstellungen folgen am 17. und 18. Juli. Wegen der großen Nachfrage wurde für den 18. Juli zusätzlich eine Nachmittagsaufführung angesetzt. Damit sind insgesamt vier Termine vorgesehen. Die Bühne wird direkt auf dem Spielfeld aufgebaut und von zwei großen Leinwänden eingerahmt.

Für Autor und Regisseur Jörg „Steini“ Steinberg ist der Umzug ins Stadion ein würdiger Abschluss – aber auch ein Abschied mit Wehmut.

Vom kleinen Köpenicker Saal in das große Stadion

Zwanzig Jahre lang wurde das Stück vor allem in der Köpenicker Veranstaltungsstätte Freiheit 15 gespielt.

Dort entwickelte es sich zu einem festen Bestandteil der Vorweihnachtszeit. Die Aufführungen waren für viele Unioner ähnlich ritualisiert wie andere Termine rund um den Verein. Fans kamen nicht nur, um Theater zu sehen, sondern um gemeinsam auf die Geschichte ihres Klubs zu blicken.

Im Dezember 2025 wurde das Stück dort letztmals gezeigt. Nun folgt der endgültige Abschluss in der Alten Försterei – an jenem Ort, um den sich viele der erzählten Erinnerungen drehen.

Aus einem Vereinsstück wurde eine Köpenicker Tradition

„Und niemals vergessen – Eisern Union“ ist kein gewöhnliches Fußballstück.

Es verbindet die Lebensgeschichte eines Union-Anhängers mit dem Weg des Vereins seit seiner Gründung im Jahr 1966. Persönliche Erinnerungen, sportliche Rückschläge, gesellschaftliche Umbrüche und die besondere Beziehung der Fans zu ihrem Klub greifen ineinander.

Damit erzählt das Stück nicht einfach Tabellenstände und Spielergebnisse nach. Es zeigt, wie eng Fußball, Familie, Freundschaften und politische Geschichte für viele Menschen im Osten Berlins miteinander verbunden sind.

Entstanden zum 40. Geburtstag des Vereins

Jörg Steinberg entwickelte das Theaterstück ursprünglich für das 40-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 2006.

Was zunächst als begrenztes Projekt geplant war, blieb zwei Jahrzehnte auf dem Spielplan. Generationen von Union-Fans sahen die Aufführung, manche vermutlich mehrfach.

Nun bildet der 60. Geburtstag des Vereins den Rahmen für den endgültigen Abschied.

Union veränderte sich – das Stück wuchs mit

Als das Theaterstück erstmals aufgeführt wurde, spielte Union noch nicht in der Bundesliga.

Der Verein hatte schwierige Jahre hinter sich und war außerhalb Berlins vor allem Fußballkennern und seiner treuen Anhängerschaft bekannt. Seitdem stieg Union sportlich bis in die Bundesliga und zeitweise sogar in den europäischen Wettbewerb auf.

Das Stück begleitete diesen Wandel aus der Perspektive der Fans.

Seine Grundlage blieb jedoch die Erinnerung an jene Zeiten, in denen der Verein nicht durch internationale Spiele, große Fernsehverträge oder ausverkaufte Bundesligapartien geprägt war, sondern durch Beharrlichkeit, Eigenleistung und eine ungewöhnlich enge Gemeinschaft.

Die Bühne steht mitten auf dem Spielfeld

Für die letzten Aufführungen wird das Stadion nicht lediglich als Hintergrund genutzt.

Die Bühne entsteht auf dem Rasen. Zwei Leinwände sollen dafür sorgen, dass das Geschehen auch von weiter entfernten Plätzen auf der Haupttribüne verfolgt werden kann. Angeboten werden zudem Bratwurst und Steak vom Holzkohlegrill sowie Getränke – bewusst in einer Atmosphäre, die eher an einen Heimspieltag als an einen klassischen Theaterabend erinnert.

Theater ohne roten Vorhang

Die Aufführung steht vor einer besonderen Herausforderung.

In der Freiheit 15 war das Publikum nah an den Darstellern. Kleine Gesten, leise Töne und direkte Reaktionen waren unmittelbar wahrnehmbar.

Im Stadion ändern sich die Dimensionen. Schauspiel muss auf einer größeren Fläche funktionieren, Ton und Bild müssen tausende Zuschauer erreichen und das Wetter bleibt ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor.

Steinberg bezeichnete das Vorhaben deshalb selbst als „kühnes Unternehmen“.

Große Nachfrage führte zu einem Zusatztermin

Die zunächst angekündigten Abendvorstellungen am 15., 17. und 18. Juli waren bereits kurz nach Beginn des Verkaufs nahezu ausverkauft.

Daraufhin wurde für Sonnabend, den 18. Juli, um 15.30 Uhr eine zusätzliche Aufführung angesetzt. Die reguläre Abendvorstellung beginnt am selben Tag um 20 Uhr. Tickets wurden ursprünglich ab 18 Euro angeboten.

Fans wollen beim letzten Kapitel dabei sein

Die Nachfrage zeigt, welche Bedeutung das Stück innerhalb der Union-Familie besitzt.

Viele Zuschauer dürften nicht allein wegen des Theaterinhalts kommen. Sie wollen Teil eines gemeinsamen Abschieds sein.

Wer eine Produktion über Jahre begleitet hat, verbindet damit eigene Lebensabschnitte: frühere Spielzeiten, Familienmitglieder, Freunde, Stadionbesuche und die Entwicklung des Vereins.

Das Ende des Stücks wird deshalb für einen Teil des Publikums auch zum Abschied von einer persönlichen Tradition.

Der erste Anlauf scheiterte an der Pandemie

Die Idee, das Theaterstück in der Alten Försterei zu zeigen, ist nicht neu.

Bereits im Dezember 2020 sollte die Produktion aus der Freiheit 15 ins Stadion umziehen. Aufgrund der damaligen Corona-Beschränkungen waren dort nur Aufführungen vor einem sehr kleinen Publikum möglich.

Das Stadion erschien zunächst als mögliche Alternative. Doch die Auflagen wurden weiter verschärft, sodass die Pläne nicht umgesetzt werden konnten.

Sechs Jahre später wird aus dem Plan Wirklichkeit

Dass die Stadionpremiere nun doch stattfindet, verleiht den Aufführungen eine zusätzliche Bedeutung.

Das Projekt ist nicht nur der Abschluss von 20 Theaterjahren, sondern auch die verspätete Umsetzung einer Idee, die unter außergewöhnlichen gesellschaftlichen Bedingungen scheiterte.

Nun treffen das 60-jährige Vereinsjubiläum, der Abschied des Ensembles und die bevorstehenden Veränderungen am Stadion zusammen.

Auch die Alte Försterei steht vor einem Umbruch

Jörg Steinberg sprach gegenüber dem rbb von einem „doppelten, melancholischen Abschied“.

Gemeint ist nicht nur das Ende des Theaterstücks. Auch das Stadion An der Alten Försterei soll in den kommenden Jahren umfassend umgebaut werden. Die heutige Gestalt des traditionsreichen Spielortes wird sich dadurch verändern.

Ein letzter Blick auf das vertraute Stadion

Für viele Unioner ist die Alte Försterei mehr als eine Sportstätte.

Sie wurde über Jahre mit Unterstützung der Fans modernisiert und steht für die besondere Erzählung des Vereins: ein Klub, bei dem Anhänger nicht nur Eintrittskarten kaufen, sondern selbst Hand anlegen und Verantwortung übernehmen.

Die Theateraufführungen markieren nun einen kulturellen Schlusspunkt, bevor ein neues Kapitel in der Baugeschichte des Stadions beginnt.

Fußballkultur besteht nicht nur aus 90 Minuten

Das Union-Theaterstück zeigt, wie weit Fußballkultur über den eigentlichen Sport hinausreicht.

Zu einem Verein gehören Lieder, Erinnerungen, Rituale, Treffpunkte und Geschichten. Manche werden in Büchern oder Dokumentarfilmen festgehalten, andere auf Tribünen weitererzählt.

Union besitzt eine besonders ausgeprägte Kultur dieser gemeinsamen Erinnerung.

Der Verein wird zur Bühne gesellschaftlicher Geschichte

Die Geschichte des 1. FC Union Berlin ist eng mit Ost-Berlin, der DDR und den Umbrüchen nach 1990 verbunden.

Fans erlebten politische Veränderungen, wirtschaftliche Unsicherheit und sportliche Krisen gemeinsam mit ihrem Verein. Union war dabei für viele ein stabiler Bezugspunkt.

Ein Theaterstück kann solche Zusammenhänge anders darstellen als eine Vereinschronik. Es zeigt nicht nur, was geschah, sondern auch, wie Menschen diese Ereignisse empfanden.

Die Alte Försterei ist längst auch ein Kulturort

Das Stadion wird nicht ausschließlich für Fußball genutzt.

Das bekannte Weihnachtssingen verwandelt die Alte Försterei jedes Jahr in einen Ort gemeinschaftlicher Musik und Erinnerung. Auch andere Veranstaltungen zeigen, dass die Spielstätte kulturelle und soziale Funktionen übernimmt.

Die Theaterpremiere fügt dieser Tradition eine weitere Form hinzu.

Das Stadion als gemeinsames Wohnzimmer

Fußballstadien werden häufig als reine Veranstaltungsorte betrachtet.

Für Fans sind sie jedoch emotionale Räume. Menschen erinnern sich an bestimmte Plätze, Aufstiege, Niederlagen, Begegnungen und verstorbene Freunde.

Wenn ein Theaterstück über genau diese Erinnerungen im Stadion selbst gespielt wird, fallen dargestellter Ort und realer Ort zusammen.

Die Bühne steht nicht vor einer künstlichen Kulisse. Sie steht mitten in dem Raum, von dem die Geschichte handelt.

Ein Stück über Treue in schwierigen Zeiten

Der sportliche Aufstieg der vergangenen Jahre könnte leicht den Eindruck erzeugen, Union sei immer ein erfolgreicher und stabiler Klub gewesen.

Das Theaterstück erinnert an das Gegenteil.

Über lange Zeit gehörten finanzielle Sorgen, sportliche Rückschläge und Unsicherheit zum Alltag des Vereins.

Erfolg ist nur ein Teil der Union-Geschichte

Gerade darin liegt ein wichtiger Unterschied zu vielen modernen Fußballerzählungen.

Die Beziehung zum Verein wird nicht ausschließlich durch Siege begründet. Sie entstand auch durch gemeinsames Durchhalten.

Der bekannte Ruf „Und niemals vergessen – Eisern Union“ steht deshalb nicht nur für sportliche Begeisterung. Er enthält ein Versprechen der Treue und der Erinnerung.

Der Titel ist Schlachtruf und Haltung zugleich

„Und niemals vergessen – Eisern Union“ gehört zu den bekanntesten Formeln der Union-Fans.

Der Satz ist im Stadion, auf Fanartikeln und in Vereinsveröffentlichungen präsent. Als Titel eines Theaterstücks bekommt er eine doppelte Bedeutung.

Erinnern als Teil der Vereinskultur

„Niemals vergessen“ kann sich auf sportliche Momente beziehen, aber auch auf Menschen, Orte und historische Erfahrungen.

Das Stück macht aus dem Schlachtruf eine Erzählung über mehrere Jahrzehnte. Es fragt, was bleibt, wenn Spieler, Trainer, Ligen und sogar Stadien sich verändern.

Die Antwort liegt weniger in einzelnen Ergebnissen als im gemeinsamen Gedächtnis der Anhänger.

Ein generationsübergreifendes Publikum

Seit der Premiere im Jahr 2006 sind viele jüngere Fans hinzugekommen.

Ein Teil von ihnen kennt Union nur als Bundesligisten. Andere erlebten noch Spiele in unteren Ligen oder die unsicheren Nachwendejahre.

Theater verbindet unterschiedliche Erinnerungen

Ältere Zuschauer erkennen eigene Erfahrungen wieder.

Jüngere lernen eine Vereinsgeschichte kennen, die sie selbst nicht erlebt haben. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen Generationen, die im schnelllebigen Profifußball keineswegs selbstverständlich ist.

Neue Spieler kommen, wechseln den Klub oder beenden ihre Karriere. Geschichten und Rituale sorgen dagegen für Kontinuität.

Das Ende auf der Bühne könnte ein Anfang im Kino werden

Obwohl die letzten Aufführungen bevorstehen, muss der Stoff nicht vollständig verschwinden.

Jörg Steinberg arbeitet an einer Verfilmung. Nach eigenen Angaben ist das Drehbuch bereits fertig. Noch ungeklärt ist allerdings die Finanzierung.

Traum von einer Filmpremiere im neuen Stadion

Steinbergs Wunsch wäre, den späteren Kinofilm nach dem Umbau in der neuen Alten Försterei zu präsentieren.

Damit könnte sich ein Kreis schließen: Das Theaterstück endet im bisherigen Stadion, der Film würde eines Tages im umgebauten Stadion beginnen.

Ob das Projekt tatsächlich realisiert wird, ist derzeit offen. Ein fertiges Drehbuch allein garantiert noch keine Produktion.

Die 20-jährige Bühnengeschichte und das große Interesse der Fans dürften jedoch gute Argumente bei der Suche nach Unterstützern sein.

Zwischen Kommerz und echter Vereinskultur

Union wird heute als Bundesligist professioneller und wirtschaftlich größer geführt als noch zur Entstehungszeit des Stücks.

Damit wächst auch die Gefahr, dass historische Rituale nur noch als vermarktbare Marke genutzt werden.

Glaubwürdigkeit entsteht durch Beteiligung

Das Theaterstück konnte sich über zwei Jahrzehnte halten, weil es nicht wie eine kurzfristige Werbeaktion wirkte.

Es entstand aus der Vereinskultur heraus und wurde von Menschen getragen, die eine persönliche Beziehung zu Union besitzen.

Der große Abschluss im Stadion darf daher durchaus professionell vermarktet werden. Seine Bedeutung lässt sich aber nicht allein an Ticketverkäufen messen.

Entscheidend ist, dass Fans darin ihre Geschichte wiederfinden.

Ein würdiger Abschluss zum 60. Vereinsgeburtstag

Der 1. FC Union Berlin wurde 1966 gegründet und begeht 2026 sein 60-jähriges Bestehen.

Das Theaterstück entstand zum 40. Geburtstag. Nun endet es genau 20 Jahre später im Jubiläumsjahr.

Diese zeitliche Verbindung wirkt fast zu passend, um geplant zu sein.

Zwei Jahrzehnte Vereinsgeschichte auf einer Bühne

Während der Laufzeit des Stücks veränderte sich Union grundlegend.

Der Klub stieg sportlich auf, wuchs bei Mitgliedern und Zuschauern und wurde bundesweit bekannt. Gleichzeitig versuchte er, seine gewachsene Identität zu bewahren.

Das Stück ist damit selbst zu einem historischen Dokument geworden. Es erzählt nicht nur Vereinsgeschichte – es gehört inzwischen zu ihr.

Die wichtigsten Termine

Die Stadionpremiere beginnt am Mittwoch, dem 15. Juli 2026, um 20 Uhr.

Weitere Aufführungen finden am Freitag, dem 17. Juli, um 20 Uhr sowie am Sonnabend, dem 18. Juli, um 15.30 Uhr und um 20 Uhr statt. Nach Angaben des Vereins waren die ursprünglich angekündigten Termine schnell ausverkauft; später wurden noch einzelne Restkarten angeboten.

Kein gewöhnlicher Theaterbesuch

Die Bühne befindet sich auf dem Spielfeld. Das Publikum sitzt auf der Haupttribüne und verfolgt die Inszenierung zusätzlich über zwei Leinwände.

Die Verbindung aus Theateraufführung, Stadionverpflegung und vertrauter Fußballatmosphäre ist bewusst gewählt.

Besucher sollen keinen klassischen Abend im Schauspielhaus erleben, sondern einen Union-Abend mit theatralischen Mitteln.

Wenn nach dem Spiel der Vorhang fällt

Nach 20 Jahren endet „Und niemals vergessen – Eisern Union“ nicht still in einem kleinen Theatersaal.

Das Stück verabschiedet sich vor großer Kulisse an dem Ort, der seine Geschichte geprägt hat.

Für Autor Jörg Steinberg und sein Ensemble ist es der Abschluss einer langen gemeinsamen Arbeit. Für viele Zuschauer endet ein Ritual, das zur Köpenicker Vorweihnachtszeit und zur Kultur des Vereins gehörte.

Doch der Abschied passt zu Union.

Das Stück begann zum 40. Vereinsgeburtstag, überdauerte sportliche Auf- und Abstiege und zieht zum 60. Jubiläum auf den Rasen der Alten Försterei.

Dort, wo normalerweise um Punkte gekämpft wird, geht es für vier Aufführungen um Erinnerung, Zusammenhalt und die Frage, warum ein Fußballverein für Menschen weit mehr sein kann als eine Mannschaft.

Der letzte Vorhang fällt deshalb nicht irgendwo.

Er fällt zu Hause.