Berlin-Lichtenberg. In Alt-Hohenschönhausen beginnt die Vermietung eines der größten neuen Wohnquartiere im Berliner Osten.

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM bietet ab sofort Wohnungen in der Konrad-Wolf-Straße 41 bis 44 an. Auf einem rund 20.000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen insgesamt 441 Wohnungen sowie eine Kindertagesstätte. Der Bezug ist nach Angaben des Unternehmens voraussichtlich ab Mitte Oktober 2026 möglich.

Das neue Quartier liegt unmittelbar neben dem Sportforum Hohenschönhausen. Dort trainierten zu DDR-Zeiten zahlreiche Leistungssportler und Olympiasieger. Heute gehört das Gelände weiterhin zu den wichtigsten Sportstandorten Berlins.

Wohnungen mit einem bis fünf Zimmern

Das Angebot reicht von kleinen Einzimmerwohnungen bis zu größeren Familienwohnungen mit fünf Zimmern.

Die Wohnflächen liegen zwischen 31 und 133 Quadratmetern. Im Durchschnitt sind die Wohnungen rund 66 Quadratmeter groß. Damit richtet sich das Projekt an Singles, Paare, Senioren und Familien.

Alle Wohnungen verfügen nach Angaben der WBM über Fußbodenheizung und einen eigenen Außenbereich. Vorgesehen sind je nach Wohnung Loggien, Balkone oder Dachterrassen.

Von den 441 Wohnungen gelten 361 als barrierefrei. Zusätzlich entsteht eine Kita mit einer Fläche von rund 318 Quadratmetern.

280 Wohnungen werden öffentlich gefördert

Mehr als die Hälfte der neuen Wohnungen wird zu geförderten Konditionen angeboten.

Von den insgesamt 441 Wohnungen sind 280 öffentlich gefördert. Davon sind 159 Wohnungen für Haushalte mit einem Wohnberechtigungsschein der Stufen WBS 100 oder WBS 140 vorgesehen. Die Einstiegsmiete beginnt bei sieben Euro pro Quadratmeter nettokalt.

Weitere 121 Wohnungen können von Haushalten mit einem WBS 220 angemietet werden. Hier beginnen die Nettokaltmieten bei 11,50 Euro pro Quadratmeter.

Die übrigen 161 Wohnungen werden frei finanziert und ohne Wohnberechtigungsschein vergeben. Angaben zu den konkreten Einstiegsmieten dieser Wohnungen veröffentlicht die WBM innerhalb der jeweiligen Angebote.

WBS 220 auch für mittlere Einkommen interessant

Viele Berliner verbinden einen Wohnberechtigungsschein ausschließlich mit sehr niedrigen Einkommen.

Der WBS 220 richtet sich jedoch auch an Haushalte mit mittleren Einkommen. Dadurch können beispielsweise Familien oder Berufstätige Anspruch auf eine geförderte Wohnung haben, obwohl sie bisher keinen Wohnberechtigungsschein beantragt haben.

Die WBM empfiehlt Interessenten deshalb, ihre Anspruchsberechtigung prüfen zu lassen.

Gerade angesichts hoher Berliner Mieten kann sich eine solche Prüfung lohnen.

Allerdings dürfte die Nachfrage erheblich sein. Eine Bewerbung bedeutet deshalb noch keine Zusage.

Wärmepumpen und Photovoltaik statt Gasheizung

Das Quartier soll einen hohen Energiestandard erreichen.

Die Gebäude werden nach dem Effizienzhaus-40-EE-Standard errichtet und erreichen laut WBM die Energieeffizienzklasse A+. Wärme und Warmwasser sollen über Luft-Wasser-Wärmepumpen bereitgestellt werden. Der dafür benötigte Strom wird teilweise über Photovoltaikanlagen erzeugt.

Damit setzt die Wohnungsbaugesellschaft auf eine weitgehend fossilfreie Wärmeversorgung.

Für die späteren Mieter dürfte allerdings nicht allein der Gebäudestandard entscheidend sein. Wichtig wird auch sein, wie hoch Betriebskosten und tatsächlicher Stromverbrauch im Alltag ausfallen.

Gute Anbindung durch Straßenbahn und Bus

Das neue Quartier befindet sich an einer der wichtigsten Verkehrsachsen Alt-Hohenschönhausens.

Über mehrere Straßenbahn- und Buslinien sind die Innenstadt, der S-Bahnhof Landsberger Allee und weitere Teile Lichtenbergs erreichbar. Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kitas sowie Grün- und Freizeitflächen befinden sich nach Angaben der WBM in der Umgebung.

Das Sportforum, der Orankesee und der Obersee liegen ebenfalls nicht weit entfernt.

Damit entsteht das Projekt nicht auf einer vollständig neuen Fläche am Stadtrand, sondern innerhalb eines bereits gewachsenen Stadtteils.

Fertigstellung früher als geplant

Die Bauarbeiten begannen im Juli 2024. Nach aktuellem Projektstand soll die Fertigstellung im September 2026 erfolgen. Ursprünglich war das vierte Quartal vorgesehen.

Die WBM rechnet deshalb damit, die ersten Wohnungen bereits ab Mitte Oktober übergeben zu können.

Für Berliner Verhältnisse ist die vergleichsweise zügige Bauzeit bemerkenswert. Viele größere Wohnungsbauprojekte werden durch langwierige Planungen, steigende Baukosten oder Genehmigungsprobleme verzögert.

Das Projekt an der Konrad-Wolf-Straße zeigt, dass größere Vorhaben auch innerhalb weniger Jahre umgesetzt werden können, wenn Grundstück, Finanzierung, Genehmigung und Bauausführung ineinandergreifen.

Wohnungsbau bleibt in Ostberlin besonders wichtig

Lichtenberg gehört seit Jahren zu den Berliner Bezirken mit besonders starkem Wohnungsneubau.

Freie Grundstücke, größere frühere Gewerbeflächen und vergleichsweise niedrige Bodenpreise ermöglichten im Berliner Osten lange Zeit größere Projekte als in vielen Innenstadtbezirken.

Gleichzeitig steigt der Druck auf die Infrastruktur.

Neue Wohnungen bedeuten zusätzliche Einwohner, Kinder, Schüler, Fahrgäste und Patienten. Damit Wohnungsbau dauerhaft akzeptiert wird, müssen Kitas, Schulen, Nahverkehr, Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten mitwachsen.

Die neue Kita innerhalb des Quartiers ist deshalb wichtig.

Sie allein wird jedoch nicht sämtliche zusätzlichen Bedarfe abdecken können.

Kein klassisches Luxusprojekt

Das Vorhaben hebt sich durch den hohen Anteil geförderter Wohnungen von vielen privaten Neubauten ab.

280 geförderte Wohnungen bedeuten, dass fast zwei Drittel des gesamten Angebots für Haushalte mit Wohnberechtigungsschein vorgesehen sind.

Das ist für Berlin besonders relevant.

Die Stadt benötigt nicht nur zusätzliche Wohnungen, sondern Wohnungen, die sich Menschen mit normalen und mittleren Einkommen tatsächlich leisten können.

Eine Nettokaltmiete ab sieben Euro pro Quadratmeter liegt deutlich unter vielen aktuellen Neubauangeboten in der Hauptstadt.

Allerdings gelten diese Preise nur für einen Teil der Wohnungen und nur bei entsprechendem WBS.

Einzug ab Mitte Oktober geplant

Interessenten können sich bereits jetzt auf die angebotenen Wohnungen bewerben.

Die ersten Mietverhältnisse sollen nach aktuellem Stand Mitte Oktober 2026 beginnen. Bis dahin müssen letzte Bauarbeiten, technische Abnahmen und die Übergabe an die WBM abgeschlossen werden.

Bei Bauprojekten dieser Größenordnung können sich Termine kurzfristig verschieben. Die WBM spricht deshalb ausdrücklich von einem voraussichtlichen Einzugstermin.

Für Bewerber bedeutet das: Kündigungen bestehender Wohnungen sollten erst erfolgen, wenn ein verbindlicher Mietvertrag und ein bestätigter Übergabetermin vorliegen.

Ein wichtiges Projekt für den Berliner Osten

441 neue Wohnungen lösen die Berliner Wohnungsnot nicht.

Sie sind aber ein spürbarer Beitrag für Lichtenberg und Alt-Hohenschönhausen.

Besonders positiv ist der hohe Anteil geförderter Wohnungen. Auch die Mischung aus kleinen und großen Grundrissen sowie die zahlreichen barrierefreien Einheiten entspricht dem tatsächlichen Bedarf vieler Haushalte.

Nun kommt es darauf an, dass die Vergabe transparent erfolgt und die angekündigten Einstiegsmieten nicht durch hohe Nebenkosten entwertet werden.

Ebenso wichtig ist die Infrastruktur.

Neue Wohnungen brauchen nicht nur Wände und Dächer. Sie brauchen Schulen, Kitas, Ärzte, sichere Wege und einen leistungsfähigen Nahverkehr.

Das Projekt an der Konrad-Wolf-Straße zeigt dennoch, dass bezahlbarer Neubau im Berliner Osten möglich bleibt.