Für rund 12.000 Beschäftigte im Metallhandwerk in Berlin und Brandenburg gibt es mehr Geld. Die IG Metall und der Landesinnungsverband Berlin-Brandenburg haben sich auf einen neuen Tarifvertrag verständigt. Die Entgelte steigen rückwirkend zum 1. Juli 2026 um 3,85 Prozent.
Zusätzlich erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 600 Euro. Für Auszubildende sind 200 Euro vorgesehen. Die Sonderzahlungen sollen das erste Halbjahr 2026 abdecken.
Der Abschluss bringt den Arbeitnehmern spürbar mehr Geld. Für viele kleinere Betriebe bedeutet er zugleich eine weitere Kostensteigerung in einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage.
Tarifabschluss gilt rückwirkend ab Juli
Die Lohnerhöhung um 3,85 Prozent greift rückwirkend zum Monatsbeginn. Für die Beschäftigten bedeutet das, dass die Anpassung nicht erst mit der nächsten regulären Abrechnung wirksam wird, sondern ab dem 1. Juli berücksichtigt werden muss.
Zum Metallhandwerk gehören zahlreiche mittelständische Betriebe, darunter Metallbauer, Konstruktionstechniker, Werkstätten, Maschinenbaubetriebe und spezialisierte Zulieferer. Gerade in Brandenburg sind solche Unternehmen häufig wichtige Arbeitgeber außerhalb der großen Städte.
Beschäftigte verlangten ursprünglich deutlich mehr
Die IG Metall war mit einer Forderung von sechs Prozent mehr Entgelt in die Tarifrunde gegangen. Die Gewerkschaft begründete dies unter anderem mit der Belastung der Beschäftigten und den gestiegenen Lebenshaltungskosten.
Mit den nun vereinbarten 3,85 Prozent bleibt der Abschluss unter dieser Forderung. Durch die zusätzliche Einmalzahlung steigt die unmittelbare Entlastung für die Arbeitnehmer dennoch.
Für einen Beschäftigten mit einem monatlichen Bruttoentgelt von 3.000 Euro bedeutet die prozentuale Erhöhung rechnerisch rund 115 Euro mehr brutto im Monat. Bei 3.500 Euro wären es knapp 135 Euro. Wie viel davon netto übrig bleibt, hängt von Steuerklasse, Sozialabgaben und persönlicher Situation ab.
600 Euro zusätzlich für die Beschäftigten
Neben der dauerhaften Lohnerhöhung ist besonders die Einmalzahlung von 600 Euro ein wichtiger Bestandteil der Einigung. Auszubildende bekommen einmalig 200 Euro.
Für viele Beschäftigte dürfte dieses Geld angesichts hoher Mieten, Lebensmittelpreise und Energiekosten willkommen sein. Gerade in Berlin, Potsdam und im Berliner Umland sind die Wohnkosten in den vergangenen Jahren zu einem erheblichen Belastungsfaktor geworden.
Die Einmalzahlung wirkt allerdings nur kurzfristig. Langfristig ist vor allem die dauerhafte Anhebung der Entgelte entscheidend, weil sie auch künftige Lohnabrechnungen und mögliche spätere Tarifsteigerungen beeinflusst.
Auszubildende sollen stärker an das Handwerk gebunden werden
Die gesonderte Zahlung für Auszubildende ist mehr als ein symbolischer Bestandteil des Abschlusses. Viele Metallbetriebe suchen seit Jahren Nachwuchs. Gleichzeitig konkurriert das Handwerk mit Industrieunternehmen, öffentlichen Arbeitgebern und anderen Ausbildungsberufen.
Eine gute Bezahlung allein löst den Fachkräftemangel nicht. Sie kann aber darüber entscheiden, ob sich junge Menschen überhaupt für eine Ausbildung im Metallhandwerk interessieren.
Betriebe, die Nachwuchs gewinnen wollen, müssen heute mehr bieten als einen sicheren Ausbildungsplatz. Erwartet werden verlässliche Arbeitszeiten, moderne Werkstätten, Entwicklungsmöglichkeiten und eine Vergütung, mit der junge Menschen zumindest einen Teil ihrer Lebenshaltungskosten decken können.
Handwerksbetriebe geraten zwischen Lohnkosten und Fachkräftemangel
Für die Arbeitgeber ist der Tarifabschluss eine schwierige Abwägung. Höhere Löhne helfen dabei, gute Mitarbeiter zu halten. Gleichzeitig steigen die Personalkosten.
Viele kleinere Metallbaubetriebe können zusätzliche Ausgaben nicht ohne Weiteres auffangen. Material, Energie, Versicherungen, Fahrzeuge und Finanzierungskosten belasten die Unternehmen bereits. Hinzu kommt ein erheblicher bürokratischer Aufwand.
Höhere Kosten landen häufig beim Kunden
Betriebe werden versuchen müssen, einen Teil der Mehrkosten über höhere Preise auszugleichen. Das kann Metallbauarbeiten, Reparaturen, Sonderanfertigungen und Leistungen für die Bauwirtschaft verteuern.
Besonders schwierig ist die Lage bei älteren Aufträgen, deren Preise bereits fest vereinbart wurden. Steigen die Personalkosten während eines laufenden Projekts, kann der Betrieb diese nicht immer nachträglich weitergeben.
Dennoch wäre es zu einfach, höhere Löhne grundsätzlich als Gefahr für das Handwerk darzustellen. Unternehmen, die keine konkurrenzfähigen Gehälter zahlen, verlieren erfahrene Fachkräfte an die Industrie oder an Betriebe in besser zahlenden Regionen.
Brandenburg muss seine Handwerksbetriebe stärker im Blick behalten
Das Metallhandwerk ist für Brandenburg von besonderer Bedeutung. Viele Betriebe sitzen nicht in Potsdam oder im direkten Berliner Umland, sondern in kleineren Städten und ländlichen Regionen.
Dort sichern sie Arbeitsplätze, bilden junge Menschen aus und übernehmen Aufträge, die große Unternehmen häufig gar nicht bearbeiten. Sie reparieren Maschinen, bauen Treppen und Geländer, fertigen Konstruktionen oder arbeiten als Zulieferer für Industrie und Landwirtschaft.
Lohnerhöhung darf nicht durch neue Belastungen verpuffen
Damit der Tarifabschluss für Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragfähig bleibt, darf die Politik die Betriebe nicht gleichzeitig mit immer neuen Kosten und Vorschriften belasten.
Höhere Löhne können nur dauerhaft finanziert werden, wenn Unternehmen produktiv arbeiten und ausreichend Aufträge erhalten. Genehmigungen müssen schneller erteilt, Berichtspflichten begrenzt und Investitionen in moderne Technik erleichtert werden.
Gerade kleine Betriebe brauchen keine neuen Förderprogramme mit komplizierten Antragsbedingungen. Sie brauchen verlässliche Regeln, bezahlbare Energie und eine Verwaltung, die Entscheidungen nicht über Monate verschleppt.
Tarifabschluss ist ein notwendiger Kompromiss
Die Einigung ist weder ein vollständiger Sieg der Gewerkschaft noch eine bequeme Lösung für die Arbeitgeber. Sie ist ein Kompromiss zwischen berechtigten Lohnforderungen und der wirtschaftlichen Belastbarkeit der Betriebe.
Die Beschäftigten erhalten eine dauerhafte Erhöhung und eine zusätzliche Zahlung. Die Arbeitgeber bekommen Planungssicherheit und vermeiden einen länger dauernden Tarifkonflikt.
Entscheidend wird nun sein, ob die Metallbetriebe die höheren Kosten erwirtschaften können. Gute Arbeit muss ordentlich bezahlt werden. Gleichzeitig darf der Mittelstand nicht so stark belastet werden, dass am Ende Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze oder ganze Betriebe verloren gehen.
Der neue Tarifvertrag zeigt damit ein Grundproblem der ostdeutschen Wirtschaft: Fachkräfte werden dringend gebraucht und müssen besser bezahlt werden. Doch höhere Löhne funktionieren auf Dauer nur dort, wo Unternehmen investieren, wachsen und Gewinne erwirtschaften können.