Berlin-Lichtenberg. In Karlshorst wächst eines der größeren aktuellen Sozialwohnungsprojekte im Berliner Osten.

Am Mittwoch, dem 8. Juli 2026, wurde für das Wohnbauvorhaben in der Walkürenstraße 17 bis 22 Richtfest gefeiert. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND realisiert das Projekt gemeinsam mit der privaten INTER STADT AG. Geplant sind insgesamt 234 öffentlich geförderte Mietwohnungen.

Sämtliche Wohnungen sollen nach ihrer Fertigstellung Haushalten mit Wohnberechtigungsschein zur Verfügung stehen.

Damit unterscheidet sich das Projekt deutlich von vielen Berliner Neubauten, bei denen lediglich ein Teil der Wohnungen gefördert wird.

Alle 234 Wohnungen werden gefördert

Das Vorhaben entsteht im Rahmen der Berliner Wohnraumförderung.

Nach Angaben des Bezirksamtes Lichtenberg richtet sich das gesamte Wohnungsangebot an WBS-berechtigte Haushalte. Die Wohnungen sollen Familien, Paaren, Alleinstehenden und Senioren offenstehen, sofern die jeweiligen Einkommensgrenzen erfüllt werden.

Der Großteil der Wohnungen ist nach Angaben von STADT UND LAND für Haushalte mit einem WBS 220 vorgesehen. Dieser Wohnberechtigungsschein richtet sich nicht nur an Menschen mit sehr niedrigen Einkommen, sondern kann auch für Teile der Berliner Mittelschicht infrage kommen.

Gerade für Beschäftigte mit normalen Einkommen wird die Wohnungssuche in Berlin zunehmend schwierig. Viele verdienen zu viel für klassische Sozialwohnungen, können sich frei finanzierte Neubauten aber kaum leisten.

Die Förderung mit erweiterten Einkommensgrenzen soll diese Lücke teilweise schließen.

Übergabe bis Sommer 2028 geplant

Die Grundsteinlegung fand am 12. Juni 2025 statt. Rund ein Jahr später hat der Rohbau nun einen wichtigen Abschnitt erreicht. Die schlüsselfertige Übergabe an STADT UND LAND ist nach Unternehmensangaben bis zum Sommer 2028 vorgesehen.

Entwickelt und gebaut wird das Ensemble von der INTER STADT AG. Nach Fertigstellung soll die landeseigene Gesellschaft die Wohnungen übernehmen und langfristig vermieten.

Dieses Modell verbindet private Projektentwicklung mit kommunaler Bestandshaltung.

Für die Mieter ist entscheidend, dass die Wohnungen anschließend dauerhaft bei einem landeseigenen Unternehmen verbleiben und nicht kurzfristig an einen renditeorientierten Investor weiterverkauft werden.

Neubau auf mehr als 10.000 Quadratmetern

Das Projekt entsteht auf einem rund 10.870 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Walkürenstraße und Wallensteinstraße.

Vorgesehen ist ein fünfgeschossiges Wohnensemble mit zusätzlichen Staffelgeschossen. Das Bauvorhaben ergänzt bereits vorhandene Wohnbestände von STADT UND LAND in der Umgebung. Unweit des neuen Projekts hatte das Unternehmen bereits 2017 insgesamt 147 geförderte Wohnungen in der Tannhäuserstraße fertiggestellt.

Damit entwickelt sich der Bereich rund um Walküren-, Wallenstein- und Tannhäuserstraße zu einem größeren Standort landeseigenen Wohnens.

Karlshorst gehört seit Jahren zu den gefragteren Wohnlagen im Berliner Osten. Der Ortsteil verbindet vergleichsweise ruhige Wohnstraßen mit einer guten Anbindung an die Innenstadt.

Bezahlbarer Neubau statt Luxuswohnungen

Berlin benötigt zusätzliche Wohnungen.

Doch allein die Zahl neu errichteter Einheiten sagt wenig darüber aus, ob sie den tatsächlichen Bedarf decken.

Viele privat finanzierte Neubauten werden zu Preisen angeboten, die sich Durchschnittsverdiener, Familien und Rentner kaum leisten können. Besonders in gefragten Ortsteilen erreichen die Nettokaltmieten häufig ein Niveau, das weit über älteren Bestandsmieten liegt.

Das Projekt in der Walkürenstraße verfolgt einen anderen Ansatz.

Alle 234 Wohnungen sollen gefördert sein. Dadurch entstehen keine wenigen preisgebundenen Einheiten als Ergänzung eines überwiegend hochpreisigen Quartiers, sondern ein vollständig auf bezahlbares Wohnen ausgerichtetes Ensemble.

Das ist angesichts der Berliner Wohnungsnot ein wichtiges Signal.

Lichtenberg bleibt Schwerpunkt des Wohnungsbaus

Lichtenberg gehört seit Jahren zu den Bezirken, in denen besonders viele neue Wohnungen entstehen.

Größere Grundstücke, frühere Gewerbeflächen und noch vorhandene Entwicklungsräume ermöglichten hier mehr Wohnungsbau als in dicht bebauten Innenstadtbezirken.

Der Bezirk betont, dass geförderter Neubau für soziale Sicherheit und Chancengleichheit notwendig sei. Baustadträtin Camilla Schuler erklärte beim Richtfest, die neuen Wohnungen sollten unterschiedlichen Haushaltsformen ein bezahlbares Zuhause bieten.

Der Wohnungsbau bringt jedoch auch neue Anforderungen mit sich.

Mehr Einwohner benötigen:

  • Kita- und Schulplätze,
  • ärztliche Versorgung,
  • Einkaufsmöglichkeiten,
  • Grün- und Spielflächen,
  • leistungsfähigen Nahverkehr,
  • sowie ausreichend Park- und Fahrradabstellmöglichkeiten.

Wohnungsbau darf deshalb nicht isoliert geplant werden.

Gute Verkehrsanbindung in Karlshorst

Die Walkürenstraße liegt im westlichen Teil Karlshorsts und damit zwischen mehreren wichtigen Verkehrsverbindungen.

Der S-Bahnhof Karlshorst, Straßenbahnlinien und Busverbindungen ermöglichen grundsätzlich eine gute Anbindung an weitere Teile Lichtenbergs und die Berliner Innenstadt.

Auch die Nähe zur Bahnstrecke und zu größeren Straßen macht den Standort für Berufspendler interessant.

Allerdings wächst mit jedem neuen Wohnprojekt auch die Belastung der bestehenden Infrastruktur. Bereits heute sind Straßen und öffentlicher Nahverkehr in Teilen Karlshorsts zu den Hauptverkehrszeiten stark beansprucht.

Der Bezirk und das Land müssen deshalb sicherstellen, dass die Verkehrsplanung mit dem Wohnungsbau Schritt hält.

Nachfrage dürfte deutlich größer sein als das Angebot

234 neue Wohnungen sind für den Bezirk ein spürbarer Zuwachs.

Gemessen an der Berliner Wohnungsnot bleibt das Angebot jedoch begrenzt.

Sobald die Vermietung beginnt, dürfte es eine hohe Zahl von Bewerbungen geben. Besonders größere und zugleich bezahlbare Familienwohnungen sind in Berlin knapp.

Interessenten sollten rechtzeitig prüfen, ob sie Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein besitzen.

Dabei gelten unterschiedliche Einkommensgrenzen für:

  • WBS 100,
  • WBS 140,
  • WBS 180,
  • und WBS 220.

Welcher Schein für die Wohnungen in der Walkürenstraße konkret erforderlich sein wird, dürfte sich aus den späteren Vermietungsangeboten ergeben.

Richtfest bedeutet noch keinen baldigen Einzug

Das Richtfest markiert traditionell die Fertigstellung des Rohbaus beziehungsweise des Dachstuhls.

Bis zur Bezugsfertigkeit bleiben jedoch zahlreiche Arbeiten:

  • Einbau der Haustechnik,
  • Elektrik und Heizungsanlagen,
  • Innenausbau,
  • Fenster- und Fassadenarbeiten,
  • Gestaltung der Außenflächen,
  • behördliche Abnahmen,
  • und die anschließende Wohnungsvergabe.

Die Übergabe ist deshalb erst bis zum Sommer 2028 geplant.

Interessenten können sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht auf konkrete Wohnungen bewerben, sofern die Wohnungsbaugesellschaft keine entsprechenden Angebote veröffentlicht hat.

Landeseigene Gesellschaften erreichen Bestandsziel

Das Richtfest fällt in eine Phase, in der Berlins sieben landeseigene Wohnungsunternehmen nach eigenen Angaben ihr gemeinsames Ziel von mindestens 400.000 bezahlbaren Wohnungen erreicht und übertroffen haben.

Die Unternehmen sehen Neubau und Ankauf als zentrale Instrumente, um dem angespannten Wohnungsmarkt entgegenzuwirken.

Die bloße Größe des kommunalen Wohnungsbestands löst die Wohnungsnot jedoch nicht automatisch.

Entscheidend sind:

  • die Höhe der Mieten,
  • die Zahl tatsächlich verfügbarer Wohnungen,
  • die Vergaberegeln,
  • der Zustand des Bestands,
  • und die Geschwindigkeit neuer Bauprojekte.

Das Vorhaben in Karlshorst ist deshalb vor allem aufgrund seiner vollständigen Förderung bedeutsam.

Ein wichtiges Signal für den Berliner Osten

Das Richtfest in der Walkürenstraße ist eine gute Nachricht für Lichtenberg.

234 Wohnungen werden die Berliner Wohnungsnot nicht beenden. Sie schaffen aber bezahlbaren Wohnraum in einem gefragten Ortsteil und richten sich vollständig an WBS-berechtigte Haushalte.

Gerade dieser Punkt macht das Projekt besonders.

Berlin braucht nicht nur mehr Wohnungen auf dem Papier. Die Stadt braucht Wohnungen, die Familien, Rentner, Alleinerziehende und Beschäftigte mit normalen Einkommen tatsächlich bezahlen können.

Nun kommt es darauf an, dass der Zeitplan eingehalten wird und die Wohnungen bis zum Sommer 2028 bezugsfertig werden.

Ebenso wichtig ist eine transparente Vergabe.

Bei einer zu erwartenden großen Zahl von Bewerbern muss nachvollziehbar sein, nach welchen Kriterien die Wohnungen vergeben werden.

Der Rohbau steht.

Bis aus ihm ein bewohnbares und funktionierendes Quartier wird, bleibt jedoch noch viel Arbeit.