ür 58 Absolventinnen und Absolventen der Volkshochschule Schwerin beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Am 16. Juli 2026 erhielten sie im Campus am Turm ihre Abschlusszeugnisse. 23 Teilnehmer erreichten die Berufsreife, weitere 35 schlossen mit der Mittleren Reife ab.
Hinter diesen Zahlen stehen sehr unterschiedliche Lebenswege. Viele Teilnehmer hatten bereits berufliche Erfahrungen gesammelt, persönliche Umwege bewältigt oder ihre erste Schulzeit ohne den benötigten Abschluss beendet. Mit dem erfolgreichen zweiten Bildungsweg öffnen sich nun neue Möglichkeiten für Ausbildung, Weiterbildung und berufliche Neuorientierung.
Die Zeugnisübergabe ist deshalb mehr als ein formaler Termin. Sie zeigt, dass eine unterbrochene Schullaufbahn nicht endgültig über die berufliche Zukunft entscheiden muss.
23-mal Berufsreife, 35-mal Mittlere Reife
Die 58 Abschlüsse verteilen sich auf zwei Bildungswege. 23 junge Menschen erwarben die Berufsreife. Sie entspricht dem ersten allgemeinbildenden Schulabschluss und verbessert insbesondere die Chancen auf einen Ausbildungsplatz.
Weitere 35 Absolventen erreichten die Mittlere Reife. Dieser Abschluss eröffnet zusätzliche Ausbildungswege und kann bei entsprechenden Leistungen auch den weiteren schulischen Weg ermöglichen.
Abschluss nach nur einem Schuljahr
Nach Angaben der Stadt wurden die Abschlüsse innerhalb eines Schuljahres erworben. Die Teilnehmer mussten sich in dieser Zeit auf anspruchsvolle Kurse und die Landeszentralprüfungen vorbereiten.
Das verlangt Disziplin und Ausdauer. Viele Teilnehmer müssen neben dem Unterricht weitere Verpflichtungen bewältigen. Dazu können Arbeit, Familie, Behördentermine oder persönliche Belastungen gehören.
Wer unter diesen Bedingungen einen Abschluss nachholt, beweist nicht nur fachliches Können, sondern auch die Bereitschaft, Verantwortung für den eigenen Lebensweg zu übernehmen.
Besonders gute Einzelleistungen
Bei der Zeugnisübergabe wurden auch besonders starke Leistungen hervorgehoben. Vanessa Trense erreichte die Berufsreife mit einem Gesamtdurchschnitt von 1,2 und erhielt das Prädikat „sehr gut – mit Auszeichnung“. Die Jahrgangsbeste der Mittleren Reife schloss mit einem Durchschnitt von 1,6 und dem Prädikat „gut“ ab.
Gute Noten widerlegen Vorurteile
Menschen auf dem zweiten Bildungsweg werden gelegentlich vorschnell als schulisch schwach oder wenig leistungsbereit betrachtet.
Die Ergebnisse aus Schwerin zeigen das Gegenteil. Wer einen ersten Anlauf nicht erfolgreich beendet hat, kann später sehr gute Leistungen erreichen. Oft verändern sich Lebenssituation, Motivation und persönliche Reife erheblich.
Ein später Abschluss ist deshalb nicht weniger wert. Er kann sogar Ausdruck besonderer Entschlossenheit sein.
Lehrkräfte leisten mehr als normalen Fachunterricht
Im Rahmen der Abschlussveranstaltung wurde das Engagement der Lehrkräfte ausdrücklich gewürdigt. Ihre fachliche Kompetenz, Geduld und persönliche Unterstützung hätten wesentlich dazu beigetragen, dass die Teilnehmer die Kurse und Landeszentralprüfungen erfolgreich absolvieren konnten.
Zweiter Bildungsweg braucht individuelle Betreuung
Erwachsene und junge Erwachsene bringen andere Voraussetzungen mit als Schüler einer gewöhnlichen Schulklasse.
Manche haben längere Zeit nicht gelernt. Andere kämpfen mit Prüfungsangst, sprachlichen Schwierigkeiten oder negativen Erfahrungen aus ihrer früheren Schulzeit.
Lehrkräfte müssen deshalb Fachwissen vermitteln und zugleich Vertrauen aufbauen. Sie müssen erklären, motivieren und den Teilnehmern zeigen, dass ein erneuter Anlauf möglich ist.
Diese persönliche Begleitung gehört zu den wichtigsten Stärken des zweiten Bildungswegs.
Der Abschluss öffnet den Weg in die Ausbildung
Für viele Berufe ist mindestens die Berufsreife oder die Mittlere Reife notwendig.
Ohne anerkannten Schulabschluss bleiben selbst motivierte Bewerber häufig bereits in der ersten Auswahlrunde außen vor. Unternehmen benötigen zudem eine verlässliche Grundlage, um fachliche Kenntnisse und Lernfähigkeit einschätzen zu können.
Fachkräftemangel macht jeden Abschluss wertvoll
Mecklenburg-Vorpommern sucht in zahlreichen Bereichen Nachwuchs. Handwerk, Pflege, Gastronomie, Logistik, Industrie und öffentlicher Dienst benötigen Auszubildende und qualifizierte Beschäftigte.
Vor diesem Hintergrund ist jeder erfolgreich nachgeholte Abschluss auch wirtschaftlich bedeutsam.
Die 58 Absolventen erhalten neue Chancen. Gleichzeitig gewinnt die Region potenzielle Auszubildende und Fachkräfte, die sonst möglicherweise dauerhaft ohne qualifizierten Berufsabschluss geblieben wären.
Schwerin verzeichnet steigende Abschlusszahlen
Die Zahl der erfolgreichen Absolventen liegt höher als noch vor zwei Jahren. Im Jahr 2024 hatten 46 Menschen an der Schweriner Volkshochschule einen Abschluss der Berufs- oder Mittleren Reife erworben. Für 2025 wurden 64 erfolgreiche Abschlüsse gemeldet. 2026 sind es nun 58.
Die Entwicklung zeigt, dass das Angebot dauerhaft benötigt wird.
Nachfrage bleibt hoch
Auch für das kommende Schuljahr gibt es nach aktuellen Angaben nur noch wenige freie Plätze.
Das spricht dafür, dass viele Menschen in Schwerin und der Umgebung ihren Abschluss nachholen oder verbessern möchten.
Die Stadt sollte diese Nachfrage ernst nehmen. Der zweite Bildungsweg darf nicht als Randangebot betrachtet werden, sondern als fester Bestandteil der kommunalen Bildungslandschaft.
Nicht jeder Bildungsweg verläuft gerade
Die klassische Vorstellung lautet: Schule, Abschluss, Ausbildung und anschließend Beruf.
In der Wirklichkeit verlaufen Lebenswege häufig anders. Krankheiten, familiäre Probleme, psychische Belastungen, Migration, Konflikte in der Schule oder falsche Entscheidungen können dazu führen, dass Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen.
Ein früher Fehler darf nicht dauerhaft bestrafen
Ein fehlender Schulabschluss kann die folgenden Jahrzehnte prägen. Betroffene haben schlechtere Chancen auf Ausbildung, verdienen häufig weniger und sind stärker von Arbeitslosigkeit bedroht.
Deshalb ist es im Interesse der gesamten Gesellschaft, eine zweite Chance anzubieten.
Es ist sinnvoller, einen Menschen später noch einmal zu fördern, als ihn dauerhaft ohne berufliche Perspektive zurückzulassen.
Volkshochschulen übernehmen eine wichtige soziale Aufgabe
Volkshochschulen werden häufig vor allem mit Sprachkursen, Kulturangeboten oder Freizeitbildung verbunden.
In Schwerin übernehmen sie zugleich eine zentrale Aufgabe der schulischen Bildung. Sie bereiten Erwachsene und junge Erwachsene auf staatlich anerkannte Abschlüsse vor und führen sie zu zentralen Prüfungen.
Bildung direkt in kommunaler Verantwortung
Die Volkshochschule „Ehm Welk“ ist eine kommunale Weiterbildungseinrichtung. Der Schulentwicklungsplan der Stadt führt die Vorbereitung auf Berufsreife und Mittlere Reife ausdrücklich als Teil ihres Angebots auf.
Damit trägt Schwerin direkte Verantwortung dafür, dass Menschen einen abgebrochenen Bildungsweg fortsetzen können.
Diese Aufgabe verdient langfristig gesicherte Räume, ausreichend Lehrkräfte und verlässliche Finanzierung.
Kleine Lerngruppen können neue Motivation schaffen
Viele Menschen, die im regulären Schulsystem gescheitert sind, benötigen beim zweiten Versuch andere Bedingungen.
Kleinere Gruppen, ein erwachsenerer Umgang und eine klarere Konzentration auf das Abschlussziel können entscheidend sein.
Lernen ohne alte Rollenbilder
Wer nach Jahren an eine Bildungseinrichtung zurückkehrt, tritt nicht mehr als derselbe Schüler auf, der die Schule einst verlassen hat.
Die Teilnehmer haben inzwischen Erfahrungen gesammelt und wissen häufig genauer, wofür sie den Abschluss benötigen. Diese neue Motivation kann den Unterschied machen.
Der zweite Bildungsweg bietet außerdem die Möglichkeit, alte Zuschreibungen hinter sich zu lassen. Niemand muss dauerhaft der „schlechte Schüler“ bleiben, als der er vielleicht früher angesehen wurde.
Berufsreife darf nicht als Abschluss zweiter Klasse gelten
Die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich häufig auf Abitur und Studium. Dabei wird übersehen, dass die Berufsreife für viele Menschen der entscheidende Einstieg in eine praktische Ausbildung ist.
Handwerk, Pflege, Verkauf, Logistik und zahlreiche weitere Branchen benötigen nicht ausschließlich Akademiker.
Berufliche Bildung braucht eine solide Grundlage
Ein guter erster Schulabschluss kann der Beginn einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn sein.
Auszubildende können später Zusatzqualifikationen erwerben, Meister werden, ein Unternehmen gründen oder weitere Schulabschlüsse nachholen.
Entscheidend ist, überhaupt einen belastbaren Einstieg zu schaffen. Genau diesen Schritt haben 23 Schweriner Absolventen nun erreicht.
Mittlere Reife erweitert die Möglichkeiten
Die 35 Teilnehmer mit Mittlerer Reife besitzen eine deutlich größere Auswahl an Ausbildungsberufen.
Bei entsprechenden Leistungen können sie außerdem weitere schulische Angebote nutzen. Der Schweriner Schulentwicklungsplan weist darauf hin, dass die Mittlere Reife unter bestimmten Voraussetzungen den Übergang in eine gymnasiale Oberstufe oder an ein Fachgymnasium ermöglicht.
Abschluss ist kein Endpunkt
Für einige Absolventen beginnt nun eine Ausbildung. Andere werden eine weiterführende Schule besuchen oder sich beruflich neu orientieren.
Der nachgeholte Abschluss beendet damit zwar einen schwierigen Bildungsabschnitt, eröffnet aber gleichzeitig den nächsten.
Schwerin sollte Absolventen beim Übergang begleiten
Nach der Zeugnisübergabe beginnt die entscheidende Phase. Ein Abschluss allein garantiert noch keinen Ausbildungsplatz.
Die Absolventen müssen Bewerbungen schreiben, Unternehmen finden und sich in Auswahlverfahren behaupten.
Verbindung zu örtlichen Betrieben stärken
Stadt, Arbeitsagentur, Kammern und Unternehmen könnten den Übergang noch enger begleiten.
Sinnvoll wären beispielsweise:
- Ausbildungsbörsen speziell für Absolventen des zweiten Bildungswegs,
- Bewerbungstrainings,
- Praktika in regionalen Betrieben,
- direkte Kontakte zu Handwerk und Pflege,
- Beratung zu weiterführenden Schulwegen,
- Unterstützung bei fehlenden Unterlagen.
Die Region benötigt Nachwuchs. Deshalb sollte kein erfolgreicher Absolvent nach dem Abschluss ohne konkrete Anschlussmöglichkeit bleiben.
Erfolg verlangt Anerkennung statt Belehrung
Menschen, die ihren Schulabschluss später nachholen, wissen selbst, dass ihr erster Bildungsweg nicht geradlinig verlief.
Sie benötigen deshalb keine rückblickenden Vorwürfe, sondern Anerkennung für den neuen Anlauf.
Leistung zählt auch beim zweiten Versuch
Die 58 Absolventen haben Unterricht besucht, Prüfungen vorbereitet und zentrale Anforderungen erfüllt.
Ihre Zeugnisse sind nicht geschenkt. Die Abschlüsse sind anerkannt und mit regulären Schulabschlüssen gleichwertig.
Wer diese Leistung erbringt, verdient denselben Respekt wie ein Schüler, der seinen Abschluss im ersten Anlauf erreicht.
Eine gute Nachricht für Schwerin
In politischen Debatten über Bildung geht es häufig um Unterrichtsausfall, Lehrermangel, Schulabbrüche und schwache Ergebnisse.
Die Zeugnisübergabe im Campus am Turm zeigt eine andere Seite: Bildung kann verlorene Chancen zurückgeben.
58 Menschen haben bewiesen, dass ein Umweg nicht das Ende sein muss. Sie haben sich neue berufliche Möglichkeiten erarbeitet und zugleich gezeigt, welchen Wert kommunale Bildungsangebote besitzen.
Schwerin sollte diesen Erfolg nicht nur feiern, sondern daraus einen Auftrag ableiten: Der zweite Bildungsweg muss dauerhaft stark bleiben.
Denn jeder nachgeholte Abschluss stärkt nicht nur einen einzelnen Lebenslauf. Er stärkt Familien, Unternehmen und die Zukunft der gesamten Region.