Schimmel an den Wänden, verstopfte Toiletten, ein undichtes Dach und veraltete Duschen: Der Sozialtrakt am Fußballplatz in Woldegk zeigt, wie schlecht es um Teile der kommunalen Sportinfrastruktur in der Mecklenburgischen Seenplatte bestellt ist. Ein Teil des Gebäudes ist bereits gesperrt. Schulsport kann dort wegen der sanitären Zustände seit längerer Zeit nicht mehr stattfinden.

Die Stadt kämpft seit knapp fünf Jahren um Fördermittel für einen Neubau. Die Kosten werden inzwischen auf rund drei Millionen Euro geschätzt. Etwa ein Drittel der Summe konnte Woldegk nach Angaben der Stadt bislang sichern. Für den übrigen Betrag hofft die Kommune auf Unterstützung aus dem nächsten Abschnitt des Bundesprogramms zur Sanierung kommunaler Sportstätten.

Der Fall ist kein Einzelfall. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte stehen zahlreiche Kommunen und Vereine vor demselben Problem: Die Gebäude altern, Baupreise steigen, Fördertöpfe sind überzeichnet und selbst vorbereitete Projekte können jahrelang liegen bleiben.

Woldegks Sportler trainieren neben einem maroden Sozialtrakt

Der Kunstrasenplatz in Woldegk wurde vor rund elf Jahren erneuert. Der angrenzende Sozialtrakt stammt jedoch aus den 1950er-Jahren und befindet sich nach Angaben der Stadt in einem schlechten baulichen Zustand.

Bürgermeister Tony Hyna warnt davor, dass nach dem bereits gesperrten Teilbereich auch der übrige Gebäudeteil geschlossen werden könnte. Besonders problematisch sind die sanitären Anlagen. Der Zustand der Umkleiden und Duschen beeinträchtigt nicht nur den Vereinsfußball, sondern verhindert auch eine reguläre schulische Nutzung.

Damit entsteht eine widersprüchliche Situation: Auf dem modernen Kunstrasen kann trainiert werden, doch die grundlegende Infrastruktur für Umkleiden, Körperpflege und Schulsport genügt nicht mehr den Anforderungen.

Neubau soll rund drei Millionen Euro kosten

Eine Sanierung einzelner Räume dürfte nach der Einschätzung der Verantwortlichen nicht ausreichen. Woldegk plant deshalb einen Neubau des Sozialgebäudes.

Die kalkulierten Kosten von rund drei Millionen Euro übersteigen jedoch die Möglichkeiten der kleinen Stadt. Bislang steht nach Angaben des Bürgermeisters etwa ein Drittel der Finanzierung. Ohne zusätzliche Hilfe von Bund oder Land ist eine Umsetzung kaum realistisch.

Für die Vereine bedeutet das weitere Jahre mit provisorischen Lösungen. Jede Verzögerung erhöht zugleich das Risiko, dass sich der Zustand weiter verschlechtert und die Baukosten erneut steigen.

Von 7,5 Milliarden Euro Anträgen wurden 333 Millionen bewilligt

Große Hoffnung setzen viele Kommunen auf die sogenannte Sportmilliarde des Bundes. Das Programm soll Städte und Gemeinden bei der Modernisierung und Sanierung ihrer Sportinfrastruktur unterstützen.

Wie groß der Bedarf ist, zeigt die erste Förderrunde: Für bundesweit verfügbare 333 Millionen Euro wurden Anträge mit einem Gesamtumfang von rund 7,5 Milliarden Euro eingereicht. Der beantragte Bedarf war damit mehr als zwanzigmal so hoch wie das vorhandene Geld.

Mecklenburg-Vorpommern erhielt aus dieser Runde rund 22 Millionen Euro. In der gesamten Mecklenburgischen Seenplatte wurde jedoch lediglich ein Projekt positiv beschieden.

Nur Demmin erhält Geld aus der ersten Runde

In Demmin kann ein alter Asphaltplatz zu einem modernen Multifunktionsplatz umgebaut werden. Vorgesehen sind ein Kunststoffbelag, neue Spielfeldmarkierungen und eine Laufbahn.

Das Projekt kostet rund 440.000 Euro. Knapp 331.000 Euro sollen aus Bundesmitteln kommen. Damit gehört Demmin zu den wenigen Kommunen der Region, die in der ersten Runde einen Erfolg verbuchen konnten.

Für andere Städte wie Woldegk bedeutet das, dass sie erneut Anträge vorbereiten und auf die nächste Förderentscheidung hoffen müssen. Ob sie dann berücksichtigt werden, ist offen.

Förderanträge werden selbst für Verwaltungen zur Belastung

Nicht nur fehlendes Geld bremst die Sanierung. Auch das Verfahren selbst wird von Kommunalvertretern als erhebliche Belastung beschrieben.

Förderprogramme unterscheiden sich bei Zuständigkeiten, Fristen, Förderquoten und technischen Anforderungen. Richtlinien werden verändert, neue Programme aufgelegt und ältere Töpfe geschlossen. Selbst hauptamtliche Verwaltungen haben Schwierigkeiten, jederzeit den Überblick zu behalten.

Der ehrenamtliche Bürgermeister von Blankensee berichtete, dass ihm eine Verwaltung keine vollständige Übersicht über passende Fördermöglichkeiten geben konnte, weil sich die Bedingungen ständig änderten. Für ehrenamtlich geführte Gemeinden sei das Verfahren ohne fachkundige Unterstützung kaum zu bewältigen.

Ehrenamtliche sollen hochkomplexe Anträge bewältigen

In kleinen Gemeinden gibt es keine eigenen Fördermittelabteilungen. Häufig müssen Bürgermeister, Vereinsvorsitzende oder ehrenamtliche Helfer Projektbeschreibungen erstellen, Kosten berechnen, Gutachten beauftragen und Fristen überwachen.

Ein formaler Fehler kann dazu führen, dass ein Antrag nicht berücksichtigt wird. Gleichzeitig fallen für Planungen und Vorarbeiten bereits Kosten an, obwohl noch nicht feststeht, ob überhaupt Fördergeld fließt.

Damit entsteht ein System, in dem gerade jene Kommunen benachteiligt werden können, die aufgrund geringer Einwohnerzahlen und schwacher Haushalte besonders auf Unterstützung angewiesen sind.

Blankensee wartete 23 Jahre auf einen Sportplatz

Wie lange sich ein Vorhaben hinziehen kann, zeigt das Beispiel Blankensee bei Neustrelitz. Dort dauerte es nach Angaben des Bürgermeisters 23 Jahre, bis der geplante Sportplatz verwirklicht werden konnte.

In dieser Zeit stellte die Gemeinde vier Anträge. Allein dafür entstanden Kosten von insgesamt rund 80.000 Euro. Ursprünglich war das Projekt im Jahr 2002 mit etwa 265.000 Euro kalkuliert worden. Inzwischen belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 1,5 Millionen Euro.

Die Hälfte wird gefördert, die andere Hälfte muss die Gemeinde selbst aufbringen. Dafür wurden über Jahre Rücklagen gebildet. Nach der Investition sind diese Mittel weitgehend verbraucht.

Verzögerung machte das Projekt mehr als fünfmal so teuer

Der Vergleich zwischen den ursprünglichen 265.000 Euro und den heutigen 1,5 Millionen Euro zeigt die Folgen langer Verfahren besonders deutlich.

Natürlich hat sich auch der Umfang des Vorhabens verändert. Dennoch wird sichtbar, wie steigende Material-, Energie- und Lohnkosten Förderprojekte verteuern, wenn Planung und Bewilligung über viele Jahre auseinanderliegen.

Fördersummen wachsen häufig nicht im gleichen Maß wie die Baukosten. Der Eigenanteil der Kommune wird dadurch immer größer.

Baukosten für Sportplätze haben sich nahezu verdoppelt

Ein Großfeld-Kunstrasenplatz kostete vor etwa zehn Jahren nach Angaben eines auf Sportstätten spezialisierten Planers ungefähr 700.000 Euro. Heute müsse für ein vergleichbares Vorhaben mit mindestens 1,4 Millionen Euro gerechnet werden.

Die Gründe reichen von höheren Materialpreisen bis zu gestiegenen Lohn- und Energiekosten. Für Kommunen hat diese Entwicklung gravierende Folgen.

Eine Förderung, die früher einen großen Teil des Projekts abdeckte, reicht heute möglicherweise nur noch für die Hälfte. Der verbleibende Eigenanteil wächst, obwohl die finanzielle Lage vieler Städte und Gemeinden gleichzeitig schwieriger wird.

Förderhöchstgrenzen halten mit Baupreisen nicht Schritt

Nach der Sportinfrastruktur-Richtlinie Mecklenburg-Vorpommerns können einzelne Vorhaben nach den im NDR-Bericht genannten Angaben mit höchstens 500.000 Euro unterstützt werden.

Bei einem Projekt im Umfang von mehreren Millionen Euro bleibt deshalb ein erheblicher Rest bei Kommune oder Verein. Das Land und die Europäische Union stellen in diesem und im kommenden Jahr zusammen knapp 14 Millionen Euro für Sportstättensanierungen bereit.

Angesichts des landesweiten Bedarfs reicht diese Summe nur für einen kleinen Teil der notwendigen Maßnahmen.

Sportstätten sind Teil kommunaler Daseinsvorsorge

Sportplätze, Hallen und Umkleidegebäude werden häufig als freiwillige Leistungen betrachtet. Für das Leben in ländlichen Gemeinden sind sie jedoch weit mehr.

Sie werden von Schulen, Fußballvereinen, Seniorengruppen, Rehabilitationssport, Jugendmannschaften und Freizeitsportlern genutzt. In kleineren Orten gehören Sportvereine oft zu den letzten dauerhaft funktionierenden Gemeinschaftseinrichtungen.

Fällt eine Halle aus oder wird ein Sozialtrakt geschlossen, betrifft das deshalb nicht nur einige Sportler. Es trifft Schulunterricht, Jugendarbeit, Vereinsleben und soziale Begegnung.

Marode Gebäude schwächen das Ehrenamt

Vereine leben vom Einsatz freiwilliger Trainer, Betreuer, Platzwarte und Vorstände. Diese Menschen investieren bereits viele Stunden in Training, Veranstaltungen und Organisation.

Müssen sie zusätzlich jahrelang Förderanträge bearbeiten, Bauprojekte koordinieren und Provisorien erhalten, steigt die Belastung erheblich.

Schlechte Bedingungen erschweren außerdem die Gewinnung neuer Mitglieder. Eltern überlegen genauer, ob ihre Kinder Umkleiden mit Schimmel oder defekten Sanitäranlagen nutzen sollen.

Einige Vereine bauen inzwischen selbst

Mehrere Vereine in der Region versuchen, sich aus der Abhängigkeit von kommunalen Bauprojekten zu lösen.

Der TSV Friedland kaufte der Stadt eine alte Halle für einen symbolischen Euro ab und kümmert sich nun selbst um Ausbau und Fördermittel. Auch der PSV Neubrandenburg und der SV Turbine Neubrandenburg investierten in eigene Sportstätten.

Der Vorteil liegt in größerer Selbstständigkeit. Vereine können Belegungszeiten eigenständig vergeben und ihre Gebäude an den tatsächlichen Bedarf anpassen.

Eigenverantwortung ersetzt keine öffentliche Förderung

Solche Modelle können erfolgreich sein, sind aber nicht für jeden Verein geeignet.

Ein Verein braucht Mitglieder, Fachwissen, Eigenkapital und Menschen, die Verantwortung für Bau, Betrieb und Unterhaltung übernehmen. Nicht jede kleine Dorfgemeinschaft kann eine Sporthalle kaufen oder einen Neubau verwalten.

Auch vereinseigene Projekte bleiben häufig auf öffentliche Zuschüsse angewiesen. Der Staat spart deshalb nicht automatisch Geld, nur weil Vereine als Bauherren auftreten.

Förderpolitik bevorzugt oft antragsstarke Kommunen

Formal gelten für alle Antragsteller dieselben Regeln. In der Praxis besitzen größere Städte jedoch häufig bessere Voraussetzungen.

Sie verfügen über Fachämter, Planer, Juristen und erfahrene Fördermittelmanager. Kleine Gemeinden müssen externe Büros beauftragen oder auf ehrenamtliche Hilfe zurückgreifen.

Dadurch entsteht eine strukturelle Schieflage: Wer bereits über leistungsfähige Verwaltung verfügt, kann bessere Anträge stellen. Wer besonders schwach ausgestattet ist, hat größere Schwierigkeiten, überhaupt in die engere Auswahl zu gelangen.

Ländliche Regionen brauchen einfachere Verfahren

Eine wirksame Reform müsste deshalb nicht nur mehr Geld bereitstellen, sondern auch den Zugang erleichtern.

Denkbar wären standardisierte Anträge, feste Ansprechpartner, längere Fristen und eine technische Unterstützung für kleine Kommunen. Auch eine stärkere Vorauswahl anhand des tatsächlichen Gebäudezustands könnte helfen.

Wenn Schimmel, gesperrte Räume und fehlende Schulsportmöglichkeiten dokumentiert sind, sollte nicht allein die Qualität eines umfangreichen Antrags darüber entscheiden, ob eine Gemeinde Unterstützung erhält.

Was Woldegk jetzt braucht

Für Woldegk hängt die Zukunft des Sozialtrakts wesentlich von der nächsten Förderrunde ab. Ohne einen hohen Zuschuss kann die Stadt den geplanten Neubau kaum finanzieren.

Bis zu einer Entscheidung muss der bestehende Gebäudeteil so weit wie möglich gesichert und weiterbetrieben werden. Gleichzeitig droht eine vollständige Sperrung, wenn sich die hygienischen oder baulichen Bedingungen weiter verschlechtern.

Dann hätten die Fußballer zwar weiterhin einen Kunstrasenplatz, aber keine nutzbaren Umkleiden und Duschen mehr. Auch der Schulsport bliebe ausgeschlossen.

Der Sanierungsstau wird jedes Jahr teurer

Die Beispiele aus Woldegk, Demmin und Blankensee zeigen drei unterschiedliche Ergebnisse desselben Systems.

Demmin erhält Fördermittel und kann seinen Platz modernisieren. Woldegk wartet weiter und muss auf die nächste Runde hoffen. Blankensee hat sein Projekt nach 23 Jahren umgesetzt, dafür aber nahezu seine gesamten Rücklagen eingesetzt.

Keine dieser Geschichten spricht gegen Förderung. Sie zeigt vielmehr, dass die Programme zu klein, zu kompliziert und zu langsam sind.

Gerade in Ostdeutschland, wo viele Kommunen mit geringer Steuerkraft, Bevölkerungsrückgang und alter Infrastruktur kämpfen, führt jedes verlorene Jahr zu höheren Kosten.

Sport darf auf dem Land nicht zum Luxus werden

Eine intakte Sportstätte ist keine überflüssige Prestigeinvestition. Sie ermöglicht Schulsport, hält Vereine am Leben und schafft Angebote für Kinder, Senioren und Familien.

Wenn Gemeinden jahrzehntelang auf einen Sportplatz warten oder Gebäude trotz Schimmel weiter nutzen müssen, läuft in der Förderpolitik etwas grundlegend falsch.

Die Mecklenburgische Seenplatte braucht nicht nur einzelne positive Förderbescheide. Sie braucht eine verlässliche Strategie, mit der sanierungsbedürftige Sportstätten nach Dringlichkeit erneuert werden können.

Andernfalls wächst der Unterschied zwischen Orten mit modernen Anlagen und jenen Gemeinden, in denen Sportler weiter in maroden Umkleiden stehen.