Die Unterrichtsversorgung verbessert sich in einigen ostdeutschen Bundesländern. Doch von einer verlässlichen Schule sind viele Orte weiterhin weit entfernt.

In Mecklenburg-Vorpommern fielen im Schuljahr 2023/2024 rund 350.000 Unterrichtsstunden ersatzlos aus. Insgesamt mussten an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen etwa 1,17 Millionen der vorgesehenen 8,44 Millionen Stunden vertreten werden. Ein großer Teil dieser Vertretung gelang nur durch zusätzliche Arbeit der vorhandenen Lehrkräfte.

Thüringen meldet für eine Erhebungswoche im März 2026 einen Rückgang des ersatzlosen Unterrichtsausfalls von 11 auf 9,1 Prozent. Das ist eine Verbesserung, bedeutet aber weiterhin, dass beinahe jede elfte Unterrichtsstunde ausfällt. Besonders angespannt bleibt die Situation an Regelschulen im ländlichen Raum.

In Sachsen-Anhalt fällt trotz freiwilliger Zusatzstunden der Lehrkräfte durchschnittlich etwa eine von 16 Stunden aus. Ohne diese Mehrarbeit wäre es nach Angaben des Bildungsministeriums ungefähr jede zwölfte Stunde.

Auch Sachsen meldet zwar sinkende Werte, aber noch keine Entwarnung. Im ersten Halbjahr 2025/2026 lag der planmäßige Unterrichtsausfall landesweit bei 3,3 Prozent. An Oberschulen waren es 5,9 Prozent, an Förderschulen 7,9 Prozent. Zusätzlich kommt außerplanmäßiger Ausfall durch Erkrankungen und andere kurzfristige Gründe hinzu.

Was heißt eigentlich Unterrichtsausfall?

Die Zahlen der Länder lassen sich nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen.

Manche Statistiken erfassen nur ersatzlos ausgefallene Stunden. Andere unterscheiden zwischen planmäßigem Ausfall, kurzfristigem Ausfall, fachfremder Vertretung, Stillarbeit oder der Zusammenlegung mehrerer Klassen.

Nicht jede Vertretungsstunde ist regulärer Unterricht

Wenn ein Mathematiklehrer erkrankt und die Klasse stattdessen von einem anderen Lehrer beaufsichtigt wird, kann diese Stunde in der Statistik als vertreten gelten.

Für die Schüler bedeutet sie dennoch möglicherweise:

  • keine Fortsetzung des vorgesehenen Lernstoffes,
  • fachfremde Aufgaben,
  • Stillarbeit,
  • Zusammenlegung mit einer anderen Klasse,
  • Wiederholung statt neuer Inhalte.

Eine statistisch gerettete Stunde ist deshalb nicht automatisch eine fachlich vollwertige Unterrichtsstunde.

Mecklenburg-Vorpommern: 350.000 Stunden ersatzlos verloren

Die Zahlen aus Mecklenburg-Vorpommern zeigen, welche Dimension das Problem erreicht hat.

Von insgesamt 1,17 Millionen Stunden, die im Schuljahr 2023/2024 vertreten werden mussten, fiel ein erheblicher Teil vollständig aus. An allgemeinbildenden Schulen waren 13,9 Prozent der Unterrichtsstunden von Vertretungsbedarf betroffen.

Mehrarbeit verhindert noch höhere Ausfälle

Das Bildungsministerium verweist darauf, dass Lehrkräfte zusätzliche Stunden übernommen haben.

Damit wurden Ausfälle verhindert. Gleichzeitig zeigt diese Lösung, wie abhängig das System vom Einsatz der bereits beschäftigten Lehrer geworden ist.

Mehrarbeit kann vorübergehend Lücken schließen. Sie ersetzt jedoch keine dauerhaft ausreichende Personaldecke.

Wer Lehrer über Jahre mit zusätzlichen Stunden belastet, riskiert neue Krankheitsfälle, Teilzeitwünsche und frühere Berufsausstiege.

Thüringen verbessert sich – bleibt aber bei 9,1 Prozent

Thüringen hat den Unterrichtsausfall innerhalb eines Jahres sichtbar reduziert.

An den staatlichen allgemeinbildenden Schulen sank die Quote in der Märzerhebung 2026 von 11 auf 9,1 Prozent. An berufsbildenden Schulen ging sie von 9,9 auf 8,7 Prozent zurück.

Das Land stellte im ersten Halbjahr 2025/2026 außerdem 652 Lehrer unbefristet ein.

Eine Verbesserung ist noch kein guter Zustand

Dass die Werte sinken, ist positiv.

Doch ein Ausfall von 9,1 Prozent wäre in kaum einem anderen öffentlichen Bereich akzeptabel. Eltern würden es nicht hinnehmen, wenn ein Schulbus an jedem elften Tag ohne Ersatz ausfiele oder eine Behörde an jedem elften Termin geschlossen bliebe.

Bei Schulen wird ein vergleichbares Niveau inzwischen häufig als Fortschritt präsentiert.

Das zeigt, wie niedrig die Erwartungen bereits geworden sind.

Sachsen-Anhalt hängt an freiwilligen Zusatzstunden

In Sachsen-Anhalt fällt durchschnittlich etwa jede 16. Unterrichtsstunde aus.

Dass es nicht noch mehr sind, liegt auch an freiwilligen Zusatzstunden der Lehrer. Ohne diese Mehrarbeit wäre ungefähr jede zwölfte Stunde betroffen.

Freiwilligkeit unter dauerhaftem Druck

Zusatzstunden können kurzfristig sinnvoll sein.

Sie dürfen aber nicht zur stillen Voraussetzung für einen funktionierenden Stundenplan werden. Ein Bildungssystem kann nicht dauerhaft darauf bauen, dass Beschäftigte mehr leisten als regulär vereinbart.

Wenn eine Schule nur funktioniert, weil Lehrer ständig zusätzliche Stunden übernehmen, ist nicht das Problem gelöst. Es wird lediglich von der Verwaltung auf die Beschäftigten verlagert.

Sachsen meldet sinkenden planmäßigen Ausfall

Sachsen konnte den planmäßigen Unterrichtsausfall im ersten Halbjahr 2025/2026 von 3,7 auf 3,3 Prozent senken.

Besonders deutlich war der Rückgang an Oberschulen: von 8 auf 5,9 Prozent. An Gymnasien sank der Wert von 1,7 auf 1,5 Prozent, an Förderschulen von 8,3 auf 7,9 Prozent. Gleichzeitig stieg der planmäßige Ausfall an Grundschulen von 0,9 auf 1,4 Prozent.

Personal wurde zwischen Schularten verschoben

Ein Teil der Verbesserung wurde durch Abordnungen und veränderte Personaleinsätze erreicht.

Lehrer wurden zeitweise an Schulen oder Schularten versetzt, an denen die Versorgung besonders angespannt war. Das kann akute Lücken schließen, birgt aber die Gefahr, neue Probleme an anderen Stellen zu schaffen.

Wenn eine Grundschule Personal verliert, damit eine Oberschule ihren Stundenplan stabilisieren kann, wird der Mangel nicht beseitigt. Er wird neu verteilt.

Besonders betroffen sind Förder- und Regelschulen

Die Belastung ist nicht gleichmäßig verteilt.

Gymnasien in größeren Städten können offene Stellen häufig leichter besetzen. Schwieriger ist es an Förder-, Berufs- und Regelschulen sowie in ländlichen Regionen.

Die Schüler mit dem größten Unterstützungsbedarf verlieren am meisten

Gerade Förderschüler und Jugendliche an Schulen mit sozialen Herausforderungen benötigen verlässliche Beziehungen und kontinuierliche Betreuung.

Häufig wechselnde Lehrer, zusammengelegte Klassen und ausfallende Förderstunden treffen sie besonders hart.

Wenn knappe Personalressourcen zuerst auf Prüfungsfächer und Abschlussklassen konzentriert werden, fallen zusätzliche Angebote, Förderung und individuelle Unterstützung schneller weg.

Damit verschärft Unterrichtsausfall bestehende soziale Unterschiede.

Eltern verlieren das Vertrauen in Stundenpläne

Für Familien ist nicht allein die landesweite Quote entscheidend.

Entscheidend ist, was am Montagmorgen tatsächlich geschieht:

  • Wird die erste Stunde kurzfristig gestrichen?
  • Kommt das Kind zwei Stunden früher nach Hause?
  • Wird erneut nur beaufsichtigt?
  • Findet das Fach seit Wochen nicht regulär statt?
  • Kann die Schule eine verlässliche Betreuung anbieten?

Verlässlichkeit ist ein Kernversprechen des Staates

Eltern müssen ihre Arbeitszeiten und den Familienalltag planen können.

Wenn Unterricht regelmäßig kurzfristig entfällt, wird die Betreuung auf die Familien zurückverlagert. Besonders Alleinerziehende und Beschäftigte ohne flexible Arbeitszeiten geraten dadurch unter Druck.

Schule ist nicht nur Bildungsort. Sie ist eine zentrale öffentliche Infrastruktur.

Wenn diese Infrastruktur unberechenbar wird, schwindet das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates.

Schüler bemerken den Mangel unmittelbar

Kinder und Jugendliche wissen sehr genau, welche Fächer regelmäßig ausfallen.

Sie erleben, wenn über Monate kein Fachlehrer vorhanden ist, Aufgaben nur verteilt werden oder Prüfungsstoff in immer kürzerer Zeit behandelt werden muss.

Unterrichtsausfall verändert die Einstellung zur Schule

Wer wiederholt erlebt, dass Stunden nicht stattfinden, kann daraus eine einfache Botschaft ableiten: So wichtig scheint der Unterricht nicht zu sein.

Das schwächt Motivation und Disziplin.

Gleichzeitig erwartet die Schule weiterhin Pünktlichkeit, vollständige Hausaufgaben und gute Leistungen. Dieser Widerspruch wird von Jugendlichen durchaus wahrgenommen.

Ausfall ist nicht gleich Lernverlust

Eine einzelne ausgefallene Stunde lässt sich häufig nachholen.

Problematisch wird es, wenn bestimmte Fächer über Wochen oder Monate betroffen sind.

Lernlücken bauen aufeinander auf

In Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften folgen neue Inhalte auf früheren Grundlagen.

Fehlen diese Grundlagen, wird späterer Stoff schwerer verständlich. Lehrer müssen wiederholen, der Zeitdruck wächst und leistungsstärkere wie leistungsschwächere Schüler werden gleichermaßen ausgebremst.

Am Ende können Abschlussprüfungen denselben Anspruch haben, obwohl Schüler regional sehr unterschiedliche Unterrichtsbedingungen hatten.

Abschlusszeugnisse werden dadurch weniger vergleichbar

Schulnoten sollen Leistungen abbilden.

Doch wie vergleichbar sind Leistungen, wenn eine Klasse regulären Fachunterricht erhält und eine andere über Monate mit Vertretungen arbeitet?

Gleiche Prüfung, ungleiche Vorbereitung

Zentrale Prüfungen schaffen formell gleiche Anforderungen.

Sie gleichen aber nicht aus, dass Schüler unterschiedlich viele Stunden und unterschiedlich qualifizierten Unterricht erhalten haben.

Die Politik muss deshalb mehr als nur die Prüfungsergebnisse betrachten. Sie muss offenlegen, wie viel Fachunterricht vor Ort tatsächlich stattgefunden hat.

Der Lehrermangel ist regional sehr unterschiedlich

Ostdeutschland ist kein einheitlicher Schulraum.

Universitätsstädte und attraktive Oberzentren können Personal leichter gewinnen. Kleine Städte, Grenzregionen und ländliche Kreise haben größere Probleme.

Eine ausgeschriebene Stelle ist noch keine besetzte Stelle

Lehrer berücksichtigen bei ihrer Berufswahl nicht nur das Gehalt.

Wichtig sind auch:

  • Wohnort des Partners,
  • Schulen und Kitas für eigene Kinder,
  • Verkehrsanbindung,
  • kulturelle Angebote,
  • Arbeitsbelastung,
  • Unterstützung durch die Schulleitung,
  • Größe und Zusammensetzung der Klassen.

Finanzielle Zulagen können helfen. Sie reichen aber selten allein aus, um Menschen dauerhaft in eine Region zu binden.

Seiteneinsteiger halten vielerorts den Betrieb aufrecht

Ohne Seiten- und Quereinsteiger könnten viele Schulen ihren Unterricht kaum noch absichern.

Menschen aus anderen Berufen bringen Fachwissen und praktische Erfahrungen mit. Viele entwickeln sich zu engagierten Lehrern.

Sie brauchen eine ernsthafte pädagogische Qualifizierung

Fachwissen allein macht noch keinen guten Unterricht.

Lehrer müssen Klassen führen, Leistungen bewerten, Lernprobleme erkennen, Konflikte moderieren und mit Eltern sowie Jugendämtern zusammenarbeiten.

Seiteneinsteiger dürfen deshalb nicht nach einer kurzen Einführung allein vor schwierige Klassen gestellt werden.

Wer sie ohne ausreichende Begleitung einsetzt, riskiert Überforderung und schnelle Kündigungen.

Mehr Einstellungen lösen nicht jedes Problem

Thüringen meldete 652 unbefristete Neueinstellungen im ersten Schulhalbjahr 2025/2026.

Diese Zahl zeigt, dass die Länder handeln. Trotzdem bleiben hohe Ausfallquoten.

Neue Lehrer ersetzen ausscheidende Kollegen

Viele Einstellungen gleichen zunächst nur Ruhestand, Teilzeit, Krankheit und Abwanderung aus.

Hinzu kommt, dass nicht jede neu eingestellte Lehrkraft die benötigten Fächer oder die problematischste Region abdeckt.

Eine zusätzliche Deutschlehrerin in Erfurt löst keinen Physiklehrermangel in einer ländlichen Regelschule.

Mehr als die Hälfte bricht das Lehramtsstudium ab

In Mecklenburg-Vorpommern beendet nach aktuellen Angaben mehr als die Hälfte der Lehramtsstudenten ihr Studium nicht erfolgreich.

Das Land plant deshalb eine Reform mit stärkerem Praxisbezug.

Der Nachwuchs geht auf dem Weg verloren

Der Lehrermangel beginnt nicht erst bei der Stellenausschreibung.

Er beginnt an Universitäten, wenn Studiengänge zu theoretisch, Prüfungsstrukturen unübersichtlich oder Praxisphasen zu spät angesetzt sind.

Wer erst nach mehreren Semestern feststellt, dass der Beruf nicht passt, hat bereits viel Zeit verloren. Gleichzeitig fehlt dieser Student später im Schuldienst.

Frühere und längere Praxiserfahrungen können helfen, geeignete Bewerber zu halten und ungeeignete Entscheidungen früher zu korrigieren.

Lehrer selbst arbeiten am Limit

Eine aktuelle Befragung des Deutschen Schulbarometers zeigt, dass Lehrkräfte zunehmend das Verhalten der Schüler als größte berufliche Belastung wahrnehmen. 46 Prozent nannten diesen Punkt, gegenüber 35 Prozent zwei Jahre zuvor. Weitere Belastungen sind heterogene Klassen, hohe Arbeitslast und Zeitmangel.

Unterricht ist nur ein Teil der Arbeit

Lehrer übernehmen zusätzlich:

  • Elterngespräche,
  • Dokumentationen,
  • Förderpläne,
  • Konfliktgespräche,
  • Aufsichten,
  • Konferenzen,
  • Verwaltungsaufgaben,
  • digitale Plattformen,
  • Inklusions- und Integrationsaufgaben.

Fehlen Schulsozialarbeiter, Psychologen oder Verwaltungsmitarbeiter, landen immer mehr Aufgaben beim Lehrer.

Dadurch bleibt weniger Zeit für Vorbereitung und individuellen Unterricht.

Mehr Personal außerhalb des Lehrerzimmers ist notwendig

Nicht jedes Problem einer Schule benötigt eine Lehrkraft.

Psychische Krisen, familiäre Schwierigkeiten, Schulverweigerung und soziale Konflikte verlangen andere Fachkenntnisse.

Multiprofessionelle Teams entlasten Unterricht

Schulsozialarbeiter, Psychologen, Erzieher, Sonderpädagogen, IT-Fachkräfte und Verwaltungsassistenten können Lehrer gezielt entlasten.

Die Schulbarometer-Befragung zeigt einen deutlichen Wunsch nach solcher Unterstützung.

Ein zusätzlicher Sozialarbeiter kann zwar keinen Mathematikunterricht übernehmen. Er kann aber verhindern, dass der Mathematiklehrer einen erheblichen Teil seiner Zeit mit Aufgaben verbringt, für die andere Fachkräfte besser qualifiziert wären.

Krankenstände sind Ursache und Folge zugleich

Wenn Lehrer erkranken, entsteht kurzfristiger Ausfall.

Gleichzeitig können dauerhafte Mehrarbeit, große Klassen und fehlende Erholung selbst zu höheren Krankenständen beitragen.

Das System verstärkt sein eigenes Problem

Eine Lehrkraft fällt aus.

Die Kollegen übernehmen zusätzliche Stunden. Dadurch steigt ihre Belastung. Weitere Beschäftigte erkranken oder reduzieren ihre Arbeitszeit.

So kann aus einer einzelnen Lücke eine dauerhafte Spirale entstehen.

Deshalb ist eine Personalreserve keine Verschwendung. Sie ist notwendig, um gewöhnliche Krankheitsfälle aufzufangen.

Schulen brauchen echte Vertretungsreserven

In vielen Bereichen werden Ausfälle eingeplant.

Verkehrsunternehmen halten Ersatzfahrzeuge vor. Krankenhäuser planen Bereitschaftsdienste. Unternehmen beschäftigen Springer.

Im Schulwesen wird dagegen häufig so geplant, als müssten alle Lehrer an jedem Tag vollständig einsatzfähig sein.

Eine hundertprozentige Grundbesetzung reicht nicht

Selbst wenn alle vorgesehenen Stellen besetzt wären, gäbe es Fortbildungen, Schwangerschaften, Krankheiten und familiäre Ausfälle.

Eine verlässliche Unterrichtsversorgung benötigt deshalb mehr Personal als den rechnerischen Mindestbedarf.

Solange jede Lehrkraft vollständig im regulären Stundenplan gebunden ist, führt bereits eine Krankheitswelle zu massiven Störungen.

Kleine Schulen sind besonders empfindlich

An einer großen Schule können Kollegen einzelne Stunden eher übernehmen.

An einer kleinen Landschule kann der Ausfall einer einzigen Fachlehrerin einen erheblichen Teil des Angebots betreffen.

Schulschließungen sind dennoch keine einfache Lösung

Größere Schulzentren können Personal effizienter einsetzen.

Gleichzeitig verlängern sie Wege, schwächen Dörfer und belasten Schüler mit langen Busfahrten.

Die Lösung kann deshalb nicht darin bestehen, jede kleinere Schule zu schließen. Notwendig sind regionale Vertretungspools, gemeinsame Fachlehrer und digitale Ergänzungen.

Digitalunterricht kann ergänzen, aber nicht ersetzen

Eine erkrankte Lehrkraft kann nicht einfach dauerhaft durch Lernplattformen ersetzt werden.

Digitale Angebote können Aufgaben bereitstellen, Wiederholungen ermöglichen und seltene Fächer standortübergreifend anbieten.

Ein Bildschirm führt keine Klasse

Unterricht lebt von Erklärung, Rückfrage, Beziehung und unmittelbarer Rückmeldung.

Besonders jüngere Schüler benötigen Anleitung und Struktur. Reine Selbstlernzeiten funktionieren vor allem bei bereits motivierten und gut unterstützten Kindern.

Digitalisierung darf deshalb nicht als billige Antwort auf fehlendes Personal missbraucht werden.

Die Statistik muss verständlicher werden

Eltern können mit unterschiedlichen Begriffen wie Unterrichtsversorgung, Vertretungsbedarf, planmäßigem und außerplanmäßigem Ausfall wenig anfangen.

Jede Schule sollte transparent berichten

Sinnvoll wäre eine einheitliche Darstellung:

  • Wie viele vorgesehene Stunden fanden regulär statt?
  • Wie viele wurden fachgerecht vertreten?
  • Wie viele wurden fachfremd vertreten?
  • Wie viele fielen ersatzlos aus?
  • Welche Fächer waren besonders betroffen?

Dabei dürfen einzelne Schulen nicht öffentlich an den Pranger gestellt werden. Transparenz ist dennoch notwendig, damit Probleme nicht hinter Landesdurchschnittswerten verschwinden.

Gute Landeswerte können lokale Krisen verdecken

Ein Durchschnitt von 3,3 oder 9,1 Prozent sagt wenig über eine einzelne Schule aus.

Manche Schulen sind nahezu vollständig versorgt. Andere verlieren ein Viertel ihres planmäßigen Fachunterrichts.

Der Wohnort entscheidet über Bildungschancen

Wenn die Unterrichtsqualität stark vom Landkreis oder Stadtteil abhängt, wird Bildung zur Standortfrage.

Familien mit Geld können umziehen, Nachhilfe bezahlen oder eine andere Schule wählen. Familien ohne diese Möglichkeiten müssen den Ausfall hinnehmen.

Damit wird der Anspruch gleicher Bildungschancen untergraben.

Nachhilfe ersetzt keine staatliche Schule

Eltern versuchen, Lernlücken privat auszugleichen.

Nachhilfeinstitute, Onlinekurse und private Lernangebote profitieren von der Unsicherheit.

Der Staat verlagert Kosten auf Familien

Wer monatlich zusätzliche Unterrichtsstunden bezahlt, finanziert faktisch einen Ersatz für nicht erbrachte öffentliche Leistungen.

Das können sich nicht alle leisten.

Eine verlässliche Schule muss deshalb so ausgestattet sein, dass der grundlegende Lernstoff während der regulären Unterrichtszeit vermittelt wird.

Vertrauen entsteht nicht durch beschönigende Zahlen

Bildungsministerien heben verständlicherweise Verbesserungen hervor.

Wenn die Quote sinkt, sollte das anerkannt werden. Problematisch wird es, wenn eine weiterhin hohe Ausfallrate als weitgehend gelöst dargestellt wird.

Eltern vergleichen Statistik mit Alltag

Eine Familie glaubt nicht an eine stabile Unterrichtsversorgung, wenn der eigene Stundenplan jede Woche geändert wird.

Politische Kommunikation muss deshalb ehrlich bleiben:

  • Was wurde verbessert?
  • Wo bestehen weiterhin Lücken?
  • Welche Schularten sind besonders betroffen?
  • Wann sollen konkrete Ziele erreicht werden?

Nur nachvollziehbare Aussagen können verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Lehrer dürfen nicht zu Schuldigen gemacht werden

Unterrichtsausfall wird häufig unmittelbar mit einzelnen Lehrern verbunden.

Dabei arbeiten viele Beschäftigte bereits über ihre Belastungsgrenze hinaus.

Das Problem ist strukturell

Wenn Stellen fehlen, Vertretungsreserven nicht existieren und zusätzliche Aufgaben wachsen, kann eine einzelne Schule das Problem nicht allein lösen.

Lehrer brauchen klare Erwartungen, aber ebenso Schutz vor dauerhafter Überlastung.

Wer immer mehr Zusatzstunden verlangt, verschärft langfristig den Personalmangel.

Auch Eltern tragen Verantwortung

Schule kann nicht jede gesellschaftliche Aufgabe allein übernehmen.

Lehrer berichten zunehmend von fehlender Motivation, Konflikten und psychischen Belastungen der Schüler.

Erziehung kann nicht vollständig delegiert werden

Pünktlichkeit, Respekt, Konzentration und ein vernünftiger Umgang mit digitalen Medien entstehen nicht allein im Klassenzimmer.

Eltern müssen ihre Kinder unterstützen und Grenzen setzen.

Das entbindet den Staat nicht von seiner Verantwortung für genügend Lehrer. Es zeigt aber, dass bessere Schule eine gemeinsame Aufgabe bleibt.

Ostdeutschland braucht eine Bildungsgarantie

Die Länder setzen auf Neueinstellungen, Seiteneinsteiger, Mehrarbeit und Umverteilung von Personal.

Diese Maßnahmen erzielen teilweise Verbesserungen. Sie ergeben aber noch keine langfristige Strategie.

Regulärer Unterricht muss wieder der Normalfall sein

Eine Bildungsgarantie müsste mindestens bedeuten:

  • vollständige und realistische Personalplanung,
  • feste Vertretungsreserven,
  • transparente Ausfallstatistiken,
  • gezielte Zulagen für schwer besetzbare Regionen und Fächer,
  • besser begleitete Seiteneinsteiger,
  • mehr Schulsozialarbeit und Psychologie,
  • weniger unnötige Verwaltung,
  • verlässliche Lehramtsausbildung.

Das kostet Geld. Dauerhafter Unterrichtsausfall kostet jedoch ebenfalls – durch schlechtere Abschlüsse, fehlende Fachkräfte und wachsende soziale Unterschiede.

Weniger Ausfall ist ein Anfang, keine Entwarnung

Thüringen und Sachsen melden sinkende Quoten. Mecklenburg-Vorpommern verweist auf weniger Vertretungsbedarf. Die Länder stellen neue Lehrer ein und verändern Studiengänge.

Diese Schritte sind richtig.

Doch solange Hunderttausende Stunden ausfallen, Schulen von freiwilliger Mehrarbeit abhängen und einzelne Schularten dauerhaft hohe Werte aufweisen, bleibt das Vertrauen beschädigt.

Eltern erwarten keine perfekte Schule. Sie erwarten aber, dass angekündigter Unterricht grundsätzlich stattfindet.

Schüler erwarten, dass Prüfungen auf Stoff beruhen, den sie tatsächlich lernen konnten.

Lehrer erwarten, dass ein funktionierender Stundenplan nicht dauerhaft auf ihrer zusätzlichen Belastung beruht.

Ostdeutschlands Bildungspolitik wird deshalb nicht an neuen Programmnamen gemessen. Sie wird daran gemessen, ob am Montagmorgen ein qualifizierter Lehrer vor der Klasse steht.

Solange das zu häufig nicht der Fall ist, bleibt Unterrichtsausfall mehr als eine Statistik. Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass ein zentrales staatliches Versprechen nicht zuverlässig erfüllt wird.