Der amerikanische Fahrdienst- und Lieferkonzern Uber will den Berliner Lieferdienst Delivery Hero übernehmen. Beide Unternehmen haben am Donnerstag, dem 16. Juli 2026, eine entsprechende Vereinbarung bekannt gegeben. Uber bietet den Aktionären 41,50 Euro in bar für jede Delivery-Hero-Aktie.

Damit wird der Berliner Konzern mit umgerechnet rund 12,7 Milliarden Euro bewertet. Uber beziffert den gesamten Eigenkapitalwert auf 14,8 Milliarden US-Dollar. Berücksichtigt man die bereits von Uber erworbenen Beteiligungen, liegt der noch zu zahlende Wert nach Unternehmensangaben bei rund 13,7 Milliarden Dollar.

Die Transaktion ist noch nicht abgeschlossen. Zunächst müssen genügend Aktionäre das Angebot annehmen. Außerdem steht die Zustimmung der zuständigen Wettbewerbs- und Aufsichtsbehörden aus. Der Vollzug wird nach derzeitiger Planung in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 erwartet.

Uber bietet 41,50 Euro je Aktie

Das freiwillige Übernahmeangebot richtet sich an sämtliche Aktionäre von Delivery Hero. Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss ist nach den bislang veröffentlichten Bedingungen, dass Uber mindestens 50 Prozent der Aktien plus eine weitere Aktie kontrolliert.

Uber besitzt allerdings bereits einen erheblichen Anteil am Berliner Unternehmen. Im Mai 2026 hatte Delivery Hero mitgeteilt, dass Uber 19,5 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals sowie weitere Optionen erworben habe. Nach zusätzlichen Käufen und Zusagen verfügt Uber inzwischen über eine deutlich stärkere Ausgangsposition für die geplante Übernahme.

Der gebotene Preis von 41,50 Euro liegt erheblich über dem durchschnittlichen Aktienkurs vor dem Bekanntwerden der ersten Übernahmegespräche. Bereits seit dem Frühjahr war über ein mögliches Zusammengehen der beiden Konzerne spekuliert worden. Ein früheres Angebot von 33 Euro je Aktie hatte Delivery Hero zunächst zurückgewiesen.

Vorstand und Großaktionär unterstützen das Angebot

Die Unternehmensführung von Delivery Hero unterstützt die geplante Transaktion. Auch Prosus, einer der wichtigsten Anteilseigner des Berliner Konzerns, steht nach den veröffentlichten Angaben hinter dem Vorhaben.

Delivery Hero und Uber stellen den Zusammenschluss als Möglichkeit dar, ihre internationalen Liefergeschäfte zu bündeln. Gemeinsam wären die Unternehmen außerhalb Chinas in nahezu 100 Ländern vertreten. Delivery Hero bringt dabei zahlreiche regionale Marken und Plattformen in die neue Konzernstruktur ein.

Uber will dadurch seine Reichweite im Lebensmittel-, Restaurant- und Schnellliefergeschäft deutlich ausbauen. Der Konzern betreibt mit Uber Eats bereits einen eigenen internationalen Lieferdienst und konkurriert unter anderem mit DoorDash, Wolt und Just Eat Takeaway.

Delivery Hero bleibt vorerst in Berlin

Für Berlin ist vor allem entscheidend, was aus dem Hauptsitz und den dortigen Arbeitsplätzen wird. Delivery Hero wurde 2011 in der Hauptstadt gegründet und entwickelte sich von dort aus zu einem weltweit tätigen Lieferkonzern.

Uber hat zugesagt, den Hauptsitz von Delivery Hero zunächst in Berlin zu belassen. Auch die Beschäftigten am Standort sollen nach den bisherigen Vereinbarungen mindestens bis 2029 geschützt werden. Zudem kündigte Uber Investitionen von rund zwei Milliarden Euro in Deutschland bis 2031 an.

Wie eigenständig Delivery Hero nach Ablauf dieser Zusagen weiterarbeiten wird, ist bislang offen. Nach Angaben der Unternehmen soll der Berliner Konzern zunächst mit einem gewissen Maß an unternehmerischer Selbstständigkeit fortgeführt werden.

Die entscheidenden Jahre beginnen nach 2029

Die Standortzusagen geben den Beschäftigten vorerst Planungssicherheit. Sie beantworten jedoch noch nicht, wie sich Delivery Hero langfristig innerhalb des Uber-Konzerns entwickeln soll.

Bei internationalen Übernahmen werden zentrale Funktionen häufig erst nach einer Übergangsphase zusammengeführt. Das kann Verwaltung, Personalwesen, Technik, Einkauf, Finanzen oder strategische Entscheidungen betreffen. Ob Uber solche Bereiche dauerhaft in Berlin belässt, ist bisher nicht festgelegt.

Für die Hauptstadt geht es deshalb um mehr als die Zahl der unmittelbar gesicherten Arbeitsplätze. Delivery Hero gehört zu den wenigen international bekannten Technologieunternehmen, die ihren Ursprung und ihre Konzernzentrale in Berlin haben. Mit der Übernahme würde die Kontrolle über dieses Unternehmen künftig in den Vereinigten Staaten liegen.

Delivery Hero ist global – aber nicht mehr in Deutschland aktiv

Der Name Delivery Hero ist in Deutschland vergleichsweise wenig sichtbar. Das Unternehmen verkauft hierzulande bereits seit Jahren keine Mahlzeiten mehr unter eigenen Liefermarken.

2018 veräußerte Delivery Hero seine deutschen Dienste Lieferheld, Pizza.de und Foodora an den niederländischen Konkurrenten Takeaway.com. Seitdem liegt der Schwerpunkt des Berliner Konzerns vor allem auf Asien, dem Nahen Osten, Lateinamerika, Afrika und Teilen Europas.

Zu den bekannten Marken des Unternehmens zählen Foodpanda, Talabat, PedidosYa und Glovo. Insgesamt ist Delivery Hero in rund 70 Ländern vertreten. Das Unternehmen vermittelt nicht nur Restaurantbestellungen, sondern liefert zunehmend auch Lebensmittel, Drogerieartikel und andere Waren des täglichen Bedarfs.

Im ersten Quartal 2026 wuchs der vermittelte Warenwert nach Unternehmensangaben auf 12,5 Milliarden Euro. Der Segmentumsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum währungsbereinigt um 17,8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro.

Geschäfte in 14 Ländern werden verkauft

Die Übernahme ist mit einer weitreichenden Neuordnung des internationalen Geschäfts verbunden. Delivery Hero hat parallel eine Vereinbarung mit der amerikanischen Investmentgesellschaft SSW Partners geschlossen.

SSW Partners soll die Delivery-Hero-Aktivitäten in insgesamt 14 Ländern übernehmen, in denen sich die Geschäfte von Uber Eats und Delivery Hero besonders stark überschneiden. Der vereinbarte Kaufpreis beträgt rund 1,4 Milliarden Euro.

Zu den betroffenen Märkten gehören nach bisher vorliegenden Angaben unter anderem Spanien, Polen, Portugal, Rumänien und Moldau. In mehreren dieser Länder ist Delivery Hero über die Marke Glovo aktiv.

Verkauf soll Wettbewerbshürden verringern

Die Ausgliederung soll voraussichtlich dazu beitragen, wettbewerbsrechtliche Bedenken zu reduzieren. In Märkten, in denen beide Konzerne bereits große Lieferplattformen betreiben, könnte ein vollständiger Zusammenschluss andernfalls zu einer erheblichen Marktkonzentration führen.

Trotz des Verkaufs einzelner Ländergeschäfte dürfte die Prüfung durch Wettbewerbsbehörden umfangreich werden. Uber und Delivery Hero wären gemeinsam in zahlreichen Staaten aktiv und würden einen erheblichen Teil des weltweiten Liefermarktes kontrollieren.

Die Unternehmen rechnen deshalb mit einem längeren Genehmigungsverfahren. Der Abschluss ist erst für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen. Bis dahin arbeiten beide Konzerne grundsätzlich weiter als voneinander unabhängige Unternehmen.

Ein neuer Großkonzern im internationalen Liefermarkt

Durch die Übernahme würde Uber seine Lieferaktivitäten nahezu verdoppeln. Delivery Hero steuerte zuletzt einen vermittelten Warenwert von rund 42 Milliarden Dollar bei. Zusammen wären die Unternehmen in 99 Ländern tätig.

Der Zusammenschluss folgt auf mehrere Jahre der Konsolidierung in der Branche. Während der Corona-Pandemie verzeichneten Lieferdienste hohe Wachstumsraten. Danach schwächte sich die Entwicklung ab. Gleichzeitig blieben Personalkosten, Marketingausgaben und der Aufbau eigener Logistikstrukturen hoch.

Viele Anbieter zogen sich deshalb aus einzelnen Ländern zurück, verkauften Beteiligungen oder schlossen sich mit größeren Konkurrenten zusammen. Auf dem internationalen Markt entstehen zunehmend wenige große Plattformen mit erheblicher finanzieller und technischer Macht.

Berliner Unternehmen wird Teil eines US-Konzerns

Delivery Hero ist seit 2017 an der Frankfurter Börse notiert. Zeitweise gehörte das Unternehmen sogar dem Deutschen Aktienindex an. Trotz starken Umsatzwachstums schrieb der Konzern über viele Jahre Verluste und stand wiederholt unter Druck, seine Profitabilität zu verbessern.

Mit Uber erhält Delivery Hero nun einen finanzstarken Eigentümer, der über eine globale Plattform, große Datenbestände und ein breites Netz von Fahrern, Restaurants und Kunden verfügt.

Für Berlin bedeutet der Zusammenschluss zunächst den Erhalt des Unternehmenssitzes und angekündigte Investitionen. Gleichzeitig verliert ein in der Hauptstadt gegründeter Konzern seine unternehmerische Selbstständigkeit.

Was die Übernahme für Beschäftigte bedeutet

Konkrete Angaben zur Zahl der betroffenen Arbeitsplätze oder zu möglichen organisatorischen Veränderungen liegen bislang nicht vor. Uber und Delivery Hero betonen zunächst die Wachstumsmöglichkeiten des gemeinsamen Unternehmens.

Überschneidungen bestehen jedoch in mehreren Bereichen. Beide Konzerne betreiben Lieferplattformen, entwickeln eigene Software und unterhalten internationale Verwaltungs-, Vertriebs- und Marketingstrukturen.

Bei Unternehmenszusammenschlüssen werden solche Doppelstrukturen häufig überprüft. Ob daraus nach dem Abschluss Stellenverlagerungen oder Einsparungen entstehen, lässt sich derzeit nicht belastbar beurteilen.

Für die Berliner Beschäftigten sind deshalb insbesondere die genauen Bedingungen der Standort- und Arbeitsplatzgarantie wichtig. Offen ist unter anderem, welche Gesellschaften und Unternehmensbereiche von den Zusagen erfasst werden und wie Uber die Berliner Zentrale nach 2029 organisatorisch einbinden will.

Wettbewerbsbehörden entscheiden über den Abschluss

Bis zur tatsächlichen Übernahme sind noch mehrere Schritte erforderlich. Uber muss das formelle Angebot vorlegen und die notwendige Zustimmung der Delivery-Hero-Aktionäre erreichen.

Danach müssen Wettbewerbshüter in verschiedenen Ländern untersuchen, welche Folgen der Zusammenschluss für Restaurants, Händler, Lieferfahrer und Kunden haben könnte. Dabei geht es insbesondere um Gebühren, Marktanteile, Arbeitsbedingungen und die Auswahl zwischen konkurrierenden Plattformen.

Auch der geplante Verkauf von Aktivitäten in 14 Ländern steht unter Vorbehalt. Er wird nur umgesetzt, wenn das Uber-Angebot erfolgreich ist und die weiteren vertraglichen Bedingungen erfüllt werden.

Übernahme ist vereinbart, aber noch nicht vollzogen

Die Vereinbarung vom 16. Juli 2026 ist ein entscheidender Schritt, aber noch kein abgeschlossener Eigentümerwechsel. Bis zum geplanten Vollzug in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 können behördliche Auflagen, Aktionärsentscheidungen oder Veränderungen an den Finanzmärkten Einfluss auf das Geschäft nehmen.

Für Berlin bleibt zunächst festzuhalten: Der Hauptsitz soll erhalten bleiben, die Beschäftigten erhalten eine zeitlich begrenzte Zusage und Uber kündigt Milliardeninvestitionen in Deutschland an.

Langfristig wird entscheidend sein, ob Berlin innerhalb des entstehenden Weltkonzerns ein eigenständiger Entwicklungs- und Entscheidungsstandort bleibt oder schrittweise zu einer regionalen Niederlassung eines amerikanischen Plattformunternehmens wird.