Gera will sich aus der kommunalen Finanzkrise nicht heraussparen. Stattdessen setzt die Stadt 2026 auf eines der größten Investitionsprogramme der vergangenen Jahre.
Der vom Stadtrat beschlossene Haushalt umfasst insgesamt mehr als 400 Millionen Euro. Rund 57,5 Millionen Euro davon sind für Investitionen vorgesehen. Gegenüber 2025 entspricht das einer Steigerung um etwa 47 Prozent. Gleichzeitig soll der Haushalt ohne neue Schulden auskommen und die bestehende Verschuldung weiter sinken.
Das Geld soll nicht in ein einzelnes Prestigeprojekt fließen. Geplant sind Vorhaben in Schulen, Sportstätten, Straßen, öffentlichem Nahverkehr, Hochwasserschutz, Feuerwehr und Kultur.
Für Gera ist das ein bemerkenswerter Schritt. Die Stadt galt über viele Jahre als Beispiel für eine ostdeutsche Kommune mit großen strukturellen Problemen, sinkender Bevölkerung, hohen Schulden und begrenztem finanziellen Spielraum. Nun kann sie investieren und gleichzeitig weiter tilgen.
Ob daraus tatsächlich ein dauerhafter Aufschwung entsteht, entscheidet sich allerdings nicht allein an der Höhe des Haushalts. Entscheidend ist, ob die angekündigten Projekte rechtzeitig geplant, ausgeschrieben und gebaut werden können.
Stadtrat beschließt Haushalt mit nur einer Gegenstimme
Der Geraer Stadtrat verabschiedete den Haushaltsplan bereits am 12. November 2025 und damit ungewöhnlich früh vor Beginn des neuen Haushaltsjahres.
Nach Angaben des MDR gab es lediglich eine Gegenstimme. Gera war damit die erste kreisfreie Stadt Thüringens mit einem beschlossenen Haushalt für 2026.
Früher Beschluss verschafft der Stadt einen Vorteil
Ein rechtzeitig beschlossener und genehmigter Haushalt ist mehr als eine verwaltungstechnische Formalität.
Ohne gültigen Haushalt dürfen Kommunen häufig nur zwingend notwendige Ausgaben leisten. Neue freiwillige Projekte, Ausschreibungen und Investitionen können sich verzögern.
Gera kann dagegen frühzeitig Aufträge vorbereiten, Fördermittel abrufen und Bauvorhaben beginnen. Gerade in einer Zeit ausgelasteter Planungsbüros und Bauunternehmen ist dieser zeitliche Vorsprung wichtig.
Oberbürgermeister Kurt Dannenberg bezeichnete den ausgeglichenen Haushalt als starkes Zeichen für die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Gera wolle in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewusst investieren, um Beschäftigung, Infrastruktur und Lebensqualität zu sichern.
Investitionsvolumen steigt um rund 47 Prozent
Die rund 57,5 Millionen Euro markieren nach Angaben der Stadt das höchste Investitionsniveau der vergangenen Jahre.
2025 lag das entsprechende Volumen noch ungefähr 20 Millionen Euro niedriger.
Hohe Summe allein ist noch kein Erfolg
Ein Investitionsansatz im Haushalt zeigt zunächst, wie viel Geld die Stadt ausgeben möchte.
Er zeigt noch nicht, wie viel davon am Jahresende tatsächlich verbaut wurde. Kommunen scheitern regelmäßig daran, dass Planungen länger dauern, Ausschreibungen keine Angebote bringen oder Fördermittel später als erwartet bewilligt werden.
Gera muss deshalb nicht nur eine hohe Summe bereitstellen. Die Stadtverwaltung benötigt genügend Planer, Bauingenieure, Vergabefachleute und Projektleiter, um die Vorhaben umzusetzen.
Erst ausgezahlte und sinnvoll eingesetzte Mittel verbessern tatsächlich Schulen, Straßen und öffentliche Einrichtungen.
41,3 Millionen Euro kommen aus einem Landesprogramm
Ein erheblicher Teil der Investitionsfähigkeit beruht auf dem Thüringer Programm „1 Milliarde Euro – Investitionsprogramm“.
Gera erhält daraus insgesamt rund 41,3 Millionen Euro. Für 2026 sind etwa 26,9 Millionen Euro vorgesehen, weitere rund 14,4 Millionen Euro sollen 2027 folgen.
Landesmittel ermöglichen Projekte, die Gera allein kaum finanzieren könnte
Diese Unterstützung ist für die Stadt entscheidend.
Kommunale Haushalte werden durch Sozialausgaben, Personal, Energie, Gebäudebetrieb und Pflichtaufgaben stark belastet. Für größere Sanierungen oder Neubauten bleibt aus eigenen Einnahmen häufig nur wenig Spielraum.
Das Landesprogramm ermöglicht Gera, mehrere Projekte gleichzeitig voranzutreiben, ohne dafür neue Kredite aufnehmen zu müssen.
Es zeigt aber auch eine Abhängigkeit: Ein großer Teil des Investitionsschubs entsteht nicht allein aus einer stark gestiegenen eigenen Steuerkraft, sondern durch ein zeitlich begrenztes Förderprogramm des Freistaates.
Die Stadt muss deshalb darauf achten, dass aus den Investitionen später keine dauerhaft unfinanzierbaren Folgekosten entstehen.
Bildungscampus Lusan bleibt eines der größten Projekte
Zu den wichtigsten Vorhaben gehört die weitere Entwicklung des Bildungscampus im Stadtteil Lusan.
Das Projekt soll Bildungs- und Betreuungsangebote an einem Standort bündeln und die Infrastruktur in einem der größten Geraer Wohngebiete verbessern. Die Stadt zählt die Fortführung ausdrücklich zu den Projekten, die mithilfe des Thüringer Investitionsprogramms finanziert werden.
Lusan braucht sichtbare öffentliche Investitionen
Der Stadtteil entstand in großen Teilen als DDR-Neubaugebiet und wurde nach 1990 besonders stark vom Bevölkerungsrückgang betroffen.
Wohnblöcke wurden zurückgebaut, Einrichtungen geschlossen und viele junge Familien verließen die Region. Inzwischen ist Lusan weiterhin ein bedeutender Wohnstandort, benötigt aber moderne Schulen, Sportangebote und soziale Infrastruktur.
Ein Bildungscampus kann mehr sein als ein Schulbau. Er kann zu einem stabilen Mittelpunkt des Stadtteils werden und das Vertrauen der Einwohner stärken, dass kommunale Investitionen nicht nur in die Innenstadt fließen.
Schulen entscheiden über die Attraktivität einer Stadt
Für Familien ist die Qualität von Schulen und Betreuung ein entscheidender Standortfaktor.
Unternehmen wiederum benötigen Fachkräfte, die bereit sind, mit ihren Familien in Gera zu leben. Schlechte Schulgebäude und fehlende Sporthallen schwächen deshalb langfristig auch den Wirtschaftsstandort.
Investitionen in Bildung sind keine rein soziale Ausgabe. Sie gehören zur kommunalen Wirtschaftspolitik.
Schulsporthallen sollen saniert werden
Der Haushalt sieht auch Geld für die Sanierung von Schulsporthallen vor.
Der MDR nennt insbesondere die Sporthalle der Pfortener Grundschule als geplantes Vorhaben.
Marode Hallen treffen Schulen und Vereine zugleich
Eine gesperrte oder sanierungsbedürftige Sporthalle betrifft nicht nur den Unterricht.
Nachmittags und am Abend nutzen häufig Vereine dieselben Gebäude. Fällt eine Halle aus, müssen Trainingszeiten gekürzt, Mannschaften auf andere Stadtteile verteilt oder Angebote vollständig gestrichen werden.
Dadurch verlieren insbesondere Kinder und Jugendliche wohnortnahe Freizeitmöglichkeiten.
Die Sanierung von Sporthallen besitzt deshalb eine doppelte Wirkung: Sie verbessert den Schulalltag und stärkt gleichzeitig das Vereinsleben.
Radrennbahn soll erneuert werden
Für die Erneuerung der Geraer Radrennbahn sind im Haushalt 2026 Auszahlungen von rund 770.000 Euro vorgesehen.
Die traditionsreiche Anlage ist ein wichtiger Bestandteil der Sportgeschichte Geras. Sie wird für Training und Wettkämpfe genutzt und ist eng mit dem Radsportstandort Ostthüringen verbunden.
Sportstätten sind Teil des städtischen Images
Eine funktionierende Radrennbahn kann Nachwuchsarbeit, Vereinssport und Veranstaltungen ermöglichen.
Sie besitzt zudem einen überregionalen Wert. Sportler, Betreuer und Zuschauer reisen zu Wettkämpfen an und verbinden ihren Aufenthalt mit Ausgaben für Gastronomie und Übernachtung.
Die Investition darf jedoch nicht allein aus der Tradition begründet werden. Die Stadt benötigt ein langfristiges Nutzungs- und Unterhaltungskonzept, damit die sanierte Anlage nicht wenige Jahre später erneut zum finanziellen Problem wird.
Kultur- und Kongresszentrum erhält Planungsgeld
Für die angestrebte Sanierung des Kultur- und Kongresszentrums stehen zunächst rund 2,4 Millionen Euro für Planungsleistungen bereit.
Das Gebäude gehört zu den bedeutendsten Veranstaltungsorten der Stadt. Gleichzeitig besteht ein erheblicher Sanierungsbedarf.
2,4 Millionen Euro bauen noch keinen Konzertsaal um
Die bereitgestellte Summe fließt zunächst vor allem in Untersuchungen, Entwürfe, technische Planungen und Kostenberechnungen.
Das ist notwendig, weil bei einem großen Bestandsgebäude zahlreiche Fragen zusammenkommen:
Brandschutz, Bühnentechnik, Energieverbrauch, Barrierefreiheit, Akustik, Sanitäranlagen, Dach, Fassade und Haustechnik müssen gemeinsam betrachtet werden.
Die eigentliche Sanierung dürfte ein Vielfaches der bisherigen Planungskosten benötigen.
Künftige Gesamtkosten müssen offen benannt werden
Große Kulturgebäude können für eine Stadt identitätsstiftend sein. Sie können Konzerte, Kongresse, Messen und gesellschaftliche Veranstaltungen ermöglichen.
Sie verursachen aber auch erhebliche Bau- und Betriebskosten.
Gera sollte deshalb frühzeitig transparent darstellen, welche Sanierungsvarianten untersucht werden, welche Gesamtsumme realistisch ist und welche Fördermittel erwartet werden.
Ein Projekt dieser Größenordnung darf nicht in kleinen Planungsschritten begonnen werden, ohne dass die spätere Finanzierung zumindest grundsätzlich erkennbar ist.
Straßen in Gera sollen instand gesetzt werden
Der Haushalt nennt unter anderem Arbeiten an der Freitagstraße und der Gessentalstraße.
Straßeninstandsetzungen wirken politisch weniger spektakulär als ein neues Kulturzentrum. Für Einwohner und Unternehmen gehören sie jedoch zu den unmittelbarsten kommunalen Leistungen.
Schlechte Straßen sind ein wirtschaftlicher Nachteil
Unternehmen sind auf zuverlässige Lieferwege angewiesen. Handwerker, Pflegedienste und Beschäftigte verlieren Zeit durch beschädigte Straßen, Umleitungen und Baustellen.
Auch für Wohngebiete ist der Zustand der Straßen wichtig. Schlaglöcher, defekte Gehwege und unzureichende Beleuchtung beeinflussen das tägliche Lebensgefühl stärker als viele große Zukunftsstrategien.
Gera sollte daher darauf achten, dass nicht nur einzelne sichtbare Großprojekte finanziert werden. Die alltägliche Infrastruktur in den Stadtteilen darf nicht zurückstehen.
Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs am Gleisdreieck Wiesestraße
Zu den geförderten Verkehrsvorhaben gehört der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, unter anderem am Gleisdreieck in der Wiesestraße.
Straßenbahnen sind ein wichtiger Bestandteil des Geraer Verkehrsnetzes. Gleise, Weichen und Haltestellen müssen regelmäßig erneuert werden, um einen zuverlässigen Betrieb zu sichern.
Straßenbahn ist zugleich Kostenfaktor und Standortvorteil
Ein Straßenbahnsystem ist für eine Stadt der Größe Geras keine Selbstverständlichkeit.
Es verursacht hohe Investitions- und Betriebskosten. Gleichzeitig verbindet es große Wohngebiete mit Innenstadt, Bahnhof, Schulen und Arbeitsplätzen.
Ein zuverlässiger Nahverkehr ist besonders für ältere Menschen, Schüler und Haushalte ohne eigenes Auto wichtig. Er kann zudem dazu beitragen, dass Unternehmen ihre Standorte für Beschäftigte besser erreichbar machen.
Investitionen in das Gleisnetz sind deshalb keine reine Verkehrsausgabe, sondern Teil der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur.
Hochwasserschutz am Bieblacher Hang und an der Wipse
Der Investitionsplan sieht außerdem Hochwasserschutzmaßnahmen am Bieblacher Hang und an der Wipse vor.
Solche Vorhaben erhalten oft erst dann große Aufmerksamkeit, wenn Starkregen Straßen überflutet, Keller volllaufen oder Hänge abrutschen.
Vorsorge ist günstiger als die Beseitigung großer Schäden
Klimatische Veränderungen erhöhen das Risiko lokaler Starkregenereignisse.
Dabei müssen nicht nur große Flüsse über die Ufer treten. Auch kleine Gewässer, versiegelte Flächen und steile Hänge können innerhalb kurzer Zeit gefährliche Wassermengen in Wohngebiete leiten.
Hochwasserschutz umfasst deshalb Rückhalteflächen, Entwässerung, Gewässerausbau und den Schutz kritischer Infrastruktur.
Die Investitionen verhindern nicht jedes Schadensereignis. Sie können aber die Folgen deutlich begrenzen.
Feuerwehr und Katastrophenschutz erhalten bessere Ausstattung
Die Stadt plant außerdem Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge für den Brand- und Katastrophenschutz.
Hinzu kommen Planungsleistungen für den Neubau einer Leitstelle.
Einsatzfähigkeit ist eine Pflichtaufgabe
Feuerwehrfahrzeuge, Gerätehäuser, Kommunikationssysteme und Leitstellen müssen dauerhaft einsatzbereit sein.
Gerade bei Unwettern, größeren Bränden oder Verkehrsunfällen zeigt sich, ob eine Stadt ihre Sicherheitsinfrastruktur rechtzeitig modernisiert hat.
Solche Investitionen lassen sich nicht beliebig verschieben. Veraltete Technik kann im Ernstfall Menschenleben gefährden.
Gera setzt deshalb zu Recht einen Teil des großen Investitionsvolumens für Aufgaben ein, die nicht nur attraktiv, sondern zwingend notwendig sind.
Schulden sollen um sechs Millionen Euro sinken
Trotz des umfangreichen Programms plant die Stadt keine neuen Schulden.
Nach Angaben des Oberbürgermeisters sollen die Verbindlichkeiten 2026 sogar um weitere sechs Millionen Euro zurückgehen. Die Pro-Kopf-Verschuldung könnte damit zum Jahresende bei ungefähr 380 Euro liegen.
Schuldenabbau und Investitionen sind kein Widerspruch
Eine Kommune kann investieren und gleichzeitig Schulden tilgen, wenn ein erheblicher Teil der Ausgaben durch Fördermittel, Zuschüsse und laufende Einnahmen gedeckt wird.
Genau das geschieht in Gera.
Der niedriger werdende Schuldenstand verschafft der Stadt langfristig mehr Spielraum. Weniger Kredite bedeuten geringere Zins- und Tilgungslasten.
Das ist besonders in Zeiten höherer Zinsen wichtig.
Förderkredite bleiben trotzdem öffentliche Finanzierung
Das Thüringer Investitionsprogramm wird teilweise über zins- und tilgungsfreie Finanzierungsinstrumente getragen.
Für Gera sind solche Mittel wirtschaftlich deutlich günstiger als gewöhnliche Kredite. Dennoch handelt es sich um öffentlich finanzierte Investitionen, die sorgfältig eingesetzt werden müssen.
Kostenlose oder stark vergünstigte Finanzierung darf kein Grund sein, Projekte ohne belastbare Folgekostenrechnung zu beginnen.
Investitionen sollen die lokale Wirtschaft stärken
Bauaufträge in Höhe von mehreren Millionen Euro können regionale Unternehmen und Handwerksbetriebe unterstützen.
Planungsbüros, Bauunternehmen, Elektrofirmen, Heizungsbauer, Metallbauer und zahlreiche weitere Betriebe könnten von den städtischen Projekten profitieren.
Nicht jeder Auftrag bleibt in Ostthüringen
Öffentliche Aufträge müssen nach Vergaberecht ausgeschrieben werden.
Die Stadt kann größere Leistungen daher nicht einfach an ein örtliches Unternehmen vergeben. Je nach Umfang können auch Betriebe aus anderen Teilen Deutschlands oder Europas Angebote einreichen.
Trotzdem entstehen regionale Effekte. Bauarbeiter benötigen Unterkunft und Verpflegung, Subunternehmer werden eingebunden und lokale Betriebe können sich an geeigneten Losen beteiligen.
Eine sinnvolle Aufteilung großer Projekte in kleinere Fachlose kann mittelständischen Unternehmen den Zugang erleichtern, sofern sie mit dem Vergaberecht vereinbar ist.
Fachkräftemangel könnte Projekte bremsen
Das große Investitionsprogramm trifft auf eine Bauwirtschaft, die zwar nicht mehr überall so stark ausgelastet ist wie in früheren Jahren, aber weiterhin unter Fachkräftemangel leidet.
Auch kommunale Verwaltungen suchen Ingenieure, Architekten und technische Sachbearbeiter.
Geld kann vorhanden sein, Personal aber fehlen
Ein bewilligter Haushalt ersetzt keine Planung.
Für jedes Projekt müssen Leistungsverzeichnisse erstellt, Genehmigungen eingeholt, Ausschreibungen durchgeführt und Bauarbeiten überwacht werden.
Fehlen Mitarbeiter, kann die Stadt nicht alle Vorhaben gleichzeitig bearbeiten.
Gera sollte deshalb frühzeitig festlegen, welche Projekte höchste Priorität besitzen und welche Planungsleistungen gegebenenfalls extern vergeben werden.
Baukosten bleiben ein Risiko
Der Haushalt basiert auf Kostenschätzungen, die sich während der Planung verändern können.
Besonders bei älteren Schul-, Sport- und Kulturgebäuden werden Schäden manchmal erst nach Öffnung von Wänden, Dächern oder technischen Anlagen sichtbar.
Aus 57,5 Millionen Euro dürfen nicht unkontrolliert mehr werden
Preissteigerungen, zusätzliche Anforderungen und Bauverzögerungen können den Finanzbedarf erhöhen.
Die Stadt benötigt deshalb klare Reserven und ein regelmäßiges Berichtssystem für den Stadtrat.
Bei größeren Kostenabweichungen muss früh entschieden werden, ob ein Projekt angepasst, verschoben oder neu ausgeschrieben wird.
Es wäre verantwortungslos, begonnene Maßnahmen unabhängig von jeder Preisentwicklung weiterzuführen, nur weil bereits Geld ausgegeben wurde.
Der Haushalt ist ausgeglichen – aber nicht ohne Risiken
Die Stadtverwaltung bezeichnet den Haushalt als ausgeglichen und handlungsfähig.
Das ist ein wichtiger Erfolg, bedeutet aber keine dauerhafte finanzielle Sicherheit.
Kommunen sind von Gewerbesteuer, Einkommensteueranteilen, Landeszuweisungen und der gesamtwirtschaftlichen Lage abhängig.
Sozialausgaben und Betriebskosten steigen weiter
Neue oder sanierte Gebäude müssen beheizt, gereinigt, gewartet und mit Personal ausgestattet werden.
Investitionen schaffen daher zukünftige laufende Ausgaben.
Ein neuer Bildungscampus oder eine sanierte Kultureinrichtung verbessert die Stadt, belastet aber in den folgenden Jahren den Ergebnishaushalt.
Jedes Projekt benötigt deshalb eine Folgekostenrechnung, die nicht nur Bau, sondern mindestens die nächsten Jahrzehnte betrachtet.
Gera setzt ein anderes Signal als viele klamme Kommunen
Während zahlreiche Städte über Haushaltssperren, Kürzungen und steigende Defizite diskutieren, kann Gera ein umfangreiches Investitionsprogramm beschließen.
Das ist angesichts der schwierigen Vergangenheit bemerkenswert.
Der frühere Krisenfall gewinnt Handlungsspielraum zurück
Gera musste über viele Jahre besonders streng wirtschaften.
Der aktuelle Schuldenabbau und der ausgeglichene Haushalt zeigen, dass sich langfristige Konsolidierung auszahlen kann.
Allerdings sollte die Stadt aus diesem Erfolg keine Selbstzufriedenheit entwickeln. Ein großer Teil der Investitionen ist durch besondere Landesmittel möglich. Diese Programme laufen nicht unbegrenzt weiter.
Die kommenden Jahre müssen deshalb genutzt werden, um Geras eigene Wirtschaftskraft und Steuerbasis zu stärken.
Investitionen müssen neue private Investitionen auslösen
Öffentliche Bauprogramme allein schaffen keinen dauerhaften wirtschaftlichen Aufschwung.
Sie können aber Bedingungen verbessern, unter denen Unternehmen, Familien und Investoren sich für Gera entscheiden.
Gute Schulen und Verkehr sind Wirtschaftsförderung
Ein Unternehmen achtet bei einer Ansiedlung nicht nur auf Grundstückspreise.
Entscheidend sind Fachkräfte, Verkehrsanbindung, digitale Infrastruktur, Schulen, Kulturangebote und Lebensqualität.
Genau in diese Bereiche investiert Gera 2026.
Wenn die Projekte gut umgesetzt werden, können sie private Investitionen unterstützen und helfen, Einwohner zu halten oder neu zu gewinnen.
Stadtteile müssen vom Geld sichtbar profitieren
Bei einem Investitionsvolumen von 57,5 Millionen Euro werden Erwartungen in der gesamten Stadt entstehen.
Einwohner wollen nicht nur Haushaltszahlen hören, sondern Veränderungen vor ihrer Haustür sehen.
Aufbruch darf nicht auf wenige Leuchttürme begrenzt bleiben
Der Bildungscampus in Lusan, Straßenmaßnahmen, Sporthallen und Hochwasserschutz verteilen Projekte bereits auf verschiedene Bereiche.
Trotzdem sollte die Stadt offen darstellen, welche Stadtteile in welchem Umfang profitieren.
Transparenz verhindert den Eindruck, dass einzelne Quartiere regelmäßig bevorzugt und andere dauerhaft vergessen werden.
Bürger sollten den Fortschritt verfolgen können
Die Stadt dankte bei der Haushaltsverabschiedung auch der Arbeitsgruppe Bürgerhaushalt.
Bürgerbeteiligung sollte mit dem Beschluss jedoch nicht enden.
Öffentliche Projektübersicht wäre sinnvoll
Gera könnte eine fortlaufend aktualisierte Übersicht veröffentlichen, aus der hervorgeht:
- welches Projekt geplant ist,
- wie hoch das Budget liegt,
- wann der Baustart vorgesehen ist,
- welche Arbeiten bereits erfolgt sind,
- ob es Verzögerungen gibt,
- wie sich die Kosten entwickeln.
Damit würde aus einer schwer verständlichen Haushaltssumme ein nachvollziehbares Investitionsprogramm.
57,5 Millionen Euro schaffen eine seltene Chance
Der Haushalt 2026 verbindet drei Ziele, die Kommunen nur selten gleichzeitig erreichen: hohe Investitionen, einen ausgeglichenen Etat und weiteren Schuldenabbau.
Gera plant rund 57,5 Millionen Euro für Schulen, Sport, Kultur, Nahverkehr, Straßen, Hochwasserschutz und Katastrophenschutz. Der Schuldenstand soll gleichzeitig um sechs Millionen Euro sinken.
Das ist ein starkes Signal für Ostthüringen.
Doch der politische Erfolg des Haushaltsbeschlusses ist nur der Anfang.
Die Menschen werden die Stadt nicht daran messen, wie hoch ein Investitionsansatz auf dem Papier war. Sie werden darauf achten, ob die Sporthalle tatsächlich öffnet, Straßen besser werden, die Straßenbahn zuverlässig fährt und aus den Plänen für das Kultur- und Kongresszentrum ein finanzierbares Projekt entsteht.
Gera hat 2026 ungewöhnlich viel Geld zur Verfügung.
Nun muss die Stadt beweisen, dass sie es auch schnell, transparent und dauerhaft sinnvoll einsetzen kann.