Lange war der Golde-Bau an der Wiesestraße eines jener Gebäude, die Geras industrielle Vergangenheit sichtbar machten, aber kaum noch eine Funktion im heutigen Stadtleben besaßen. Fenster blieben dunkel, große Teile des mehr als 100 Jahre alten Komplexes standen leer und eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft schien über Jahre nicht in Sicht.

Nun kehrt Leben in das bedeutende Baudenkmal im Stadtteil Debschwitz zurück.

Als erster Mieter hat eine onkologische Gemeinschaftspraxis ihre neuen Räume in der Wiesestraße 202 eröffnet. Fünf Ärzte und 15 Beschäftigte arbeiten dort auf rund 700 Quadratmetern. Bislang verfügte die Praxis über etwas mehr als 550 Quadratmeter, die zudem auf mehrere Ebenen sowie Vorder- und Hinterhaus verteilt waren. Am neuen Standort liegen Therapie- und Sprechstundenbereiche klarer voneinander getrennt und sind barrierefrei erreichbar.

Die Eröffnung ist mehr als ein gewöhnlicher Praxisumzug. Nach rund 14 Jahren Leerstand beginnt damit die tatsächliche Wiederbelebung eines der wichtigsten Werke des Architekten Thilo Schoder in Gera.

Erster Mieter versorgt jährlich rund 3.000 Tumorpatienten

Die onkologische Praxis betreut nach Angaben des MDR jedes Jahr rund 3.000 Tumorpatienten. Ihr Einzugsgebiet reicht über Gera hinaus bis in die Räume Hof, Leipzig und Jena. Damit erhält der Golde-Bau von Beginn an eine medizinische Nutzung mit überregionaler Bedeutung.

Barrierefreiheit war für die Ärzte entscheidend

Für Krebspatienten sind kurze, gut erreichbare Wege besonders wichtig. Viele Betroffene sind durch Erkrankung oder Therapie körperlich eingeschränkt.

Der neue Standort bietet ebenerdige Praxisräume, Aufzüge, eine Straßenbahnhaltestelle direkt vor dem Gebäude und ausreichend Parkplätze. Der leitende Arzt Steffen Gerhardt bezeichnete diese Bedingungen als deutliche Verbesserung gegenüber den früheren Räumen.

Die Verbindung aus öffentlichem Nahverkehr und Parkmöglichkeiten ist dabei nicht nur komfortabel. Sie entscheidet für viele Patienten darüber, ob regelmäßige Behandlungen ohne zusätzliche Belastung erreichbar sind.

Geeignete Praxisräume waren in Gera schwer zu finden

Die medizinische Einrichtung hatte bereits über einen längeren Zeitraum nach größeren Räumen gesucht.

Ein passender Standort musste mehrere Anforderungen erfüllen: ausreichend Fläche, Barrierefreiheit, gute Verkehrsanbindung, Platz für Therapieräume und eine Lage, die auch für Patienten aus dem Umland erreichbar ist.

Erst ein Hinweis des Debschwitzer Ortsteilbürgermeisters Andreas Kinder brachte die Praxis auf den Golde-Bau.

Leerstand und Flächenmangel können gleichzeitig bestehen

Der Fall zeigt einen scheinbaren Widerspruch vieler ostdeutscher Städte.

Auf der einen Seite stehen große Gebäude oder frühere Industriekomplexe leer. Auf der anderen Seite finden Ärzte, Unternehmen und soziale Einrichtungen keine geeigneten modernen Räume.

Der Grund liegt häufig im Zustand der Immobilien. Ein leer stehendes Gebäude ist nicht automatisch sofort nutzbar. Brandschutz, Barrierefreiheit, Energieversorgung, Raumaufteilung und technische Anlagen müssen zunächst aufwendig erneuert werden.

Die Revitalisierung des Golde-Baus schließt deshalb eine konkrete Lücke zwischen vorhandenem Gebäudebestand und heutiger Nachfrage.

Apotheke soll Ende Juli eröffnen

Die onkologische Praxis bleibt nicht lange allein.

Nach den veröffentlichten Planungen soll bereits Ende Juli eine Apotheke im Erdgeschoss eröffnen. Wenig später ist eine allgemeinmedizinische Einrichtung vorgesehen. Damit entwickelt sich der vordere Teil des Gebäudes zu einem medizinischen Versorgungsstandort.

Medizinische Angebote ergänzen sich

Die räumliche Nähe verschiedener Einrichtungen kann für Patienten erhebliche Vorteile bringen.

Wer nach einer Behandlung Medikamente benötigt, muss nicht erst in einen anderen Stadtteil fahren. Hausärztliche und fachärztliche Angebote können leichter zusammenarbeiten. Auch ältere Bewohner der geplanten Wohnungen erhalten medizinische Versorgung direkt am Standort.

Ein klassisches Ärztehaus ist der Golde-Bau dennoch nicht. Das Konzept verbindet Gesundheitsversorgung mit Wohnungen und künftig auch mit Einzelhandel im unmittelbaren Umfeld.

In den Obergeschossen entstehen 63 Wohnungen

In beiden Obergeschossen laufen die Arbeiten für insgesamt 63 Wohnungen.

Geplant sind vor allem Ein- und Zweiraumwohnungen mit Größen zwischen ungefähr 35 und 50 Quadratmetern. Damit richtet sich das Angebot insbesondere an Singles, ältere Menschen, Berufspendler und kleinere Haushalte.

Wohnen im Denkmal zu bezahlbaren Preisen

Nach Angaben des Projektleiters soll die Miete unter zehn Euro je Quadratmeter bleiben. Das ist für vollständig erneuerte, barrierearm erschlossene Wohnungen in einem denkmalgeschützten Gebäude ein ambitioniertes Ziel.

Entscheidend wird sein, welche Nebenkosten hinzukommen. Modern gedämmte Dächer, neue Fenster und erneuerte Haustechnik können den Energieverbrauch senken. Gleichzeitig verursachen Aufzüge, große Gemeinschaftsflächen und die Unterhaltung eines Denkmals laufende Kosten.

Der Erfolg des Wohnprojektes wird deshalb nicht allein von der Kaltmiete abhängen.

Aus einem leeren Industriebau wird innen praktisch ein Neubau

Von außen bleibt der historische Charakter erhalten. Im Inneren wurde der Gebäudekomplex dagegen umfassend erneuert.

Nach Angaben des Projektleiters waren sämtliche Installationen, Innenwände und Wohnungen neu herzustellen. Die historischen Fenster wurden originalgetreu nachgebaut, gleichzeitig aber an heutige technische Standards angepasst. Die Dachgeschosse erhielten moderne Dämmungen, und Aufzüge ermöglichen einen barrierefreien Zugang zu den oberen Etagen.

Denkmalschutz bedeutet nicht Stillstand

Bei historischen Gebäuden entsteht häufig der Eindruck, jede Veränderung sei verboten.

Tatsächlich verlangt Denkmalschutz vor allem, besonders prägende Bestandteile zu erkennen und angemessen zu bewahren. Gleichzeitig muss eine wirtschaftliche Nutzung möglich bleiben.

Ohne neue Leitungen, Heizung, Brandschutz und barrierefreie Zugänge hätte der Golde-Bau kaum eine langfristige Perspektive erhalten. Ein Denkmal, das dauerhaft leer steht, ist durch Verfall oft stärker gefährdet als durch einen sorgfältig geplanten Umbau.

Das historische Atrium bleibt erhalten

Zu den besonderen Elementen des Gebäudes gehört das innen liegende Atrium.

Dieses wird als prägender Bestandteil der ursprünglichen Architektur erhalten. Rund um den offenen beziehungsweise belichteten Innenbereich liegen künftig die Zugänge zu den Wohnungen.

Industriearchitektur wird zum Wohnumfeld

Das Atrium erinnert an die frühere Funktion als Fabrik- und Verwaltungsbau.

Es sorgt zugleich dafür, dass die große Gebäudetiefe sinnvoll erschlossen werden kann. Ohne solche historischen Strukturen müsste ein früher Industriebau häufig stark verändert werden, um ausreichend Licht und Zugänge für Wohnungen zu schaffen.

Im Golde-Bau wird ein ursprünglich funktionales Architekturelement damit Teil des neuen Wohnkonzeptes.

Ursprünglicher Plan für reine Seniorenwohnungen wurde aufgegeben

Zeitweise war vorgesehen, den Gebäudekomplex überwiegend für Seniorenwohnungen mit integrierter Pflege zu nutzen.

Davon hat sich der Projektentwickler verabschiedet. Ein entsprechendes Gesamtmodell sei zu den angestrebten Mietpreisen wirtschaftlich nicht umsetzbar gewesen.

Pflege-Wohngemeinschaften bleiben denkbar

Vollständig aufgegeben ist der soziale Ansatz dennoch nicht.

Für zwei geplante Wohngemeinschaften werden weiterhin Pflegeanbieter gesucht. Sollten entsprechende Betreiber einziehen, könnten auch andere Bewohner des Hauses indirekt von vorhandenen Pflege- und Unterstützungsangeboten profitieren.

Ob dieses Modell umgesetzt wird, hängt jedoch von geeigneten Partnern und einer langfristig tragfähigen Finanzierung ab.

Im Nachbargebäude soll wieder eingekauft werden

Auch das frühere Marktkauf-Gebäude hinter dem Golde-Bau wird neu entwickelt.

Dort haben bereits Bauarbeiten begonnen. Nach Angaben des Projektleiters sollen bis zum vierten Quartal 2027 ein Discounter, ein Drogeriemarkt und ein Vollsortimenter eröffnen. Ziel sei, dass möglichst noch vor Weihnachten 2027 wieder eingekauft werden könne.

Debschwitz erhält ein neues Versorgungszentrum

Damit entsteht nicht nur ein einzelnes saniertes Denkmal.

Medizinische Angebote, Wohnungen und Einzelhandel sollen gemeinsam einen Standort bilden, der auch für die umliegenden Wohngebiete Bedeutung besitzt.

Für Bewohner bedeutet dies kürzere Wege zu Arzt, Apotheke und Lebensmitteleinkauf. Für die geplanten Wohnungen erhöht die Versorgung direkt am Standort die Attraktivität erheblich.

Gelingt das Vorhaben vollständig, könnte sich die Wiesestraße an dieser Stelle zu einem neuen lokalen Zentrum entwickeln.

14 Jahre Leerstand hinterließen eine große städtebauliche Lücke

Seit 2012 stand der Golde-Bau leer.

Ein Gebäudekomplex dieser Größe prägt nicht nur sein eigenes Grundstück. Er beeinflusst auch die Wahrnehmung des gesamten Umfeldes. Dunkle Fenster, ungenutzte Flächen und ein sichtbarer Sanierungsstau vermitteln den Eindruck wirtschaftlicher Schwäche.

Leerstand zieht weitere Probleme nach sich

Lange ungenutzte Gebäude sind anfällig für Feuchtigkeit, Vandalismus und technische Schäden.

Auch benachbarte Grundstücke verlieren an Attraktivität. Private Investoren zögern, wenn unklar ist, was mit einem großen verfallenden Komplex in unmittelbarer Nähe geschieht.

Die Wiederbelebung des Golde-Baus kann deshalb weitere Investitionen in Debschwitz anstoßen. Sie beseitigt einen Leerstand, der mehr als ein Jahrzehnt lang das Bild des Stadtteils mitbestimmte.

Stadtrat machte den Wohnungsumbau 2021 möglich

Im Jahr 2021 sprach sich der Geraer Stadtrat dafür aus, das historische Gebäude zu Wohnzwecken umbauen zu lassen.

Diese Entscheidung war notwendig, weil sich die neue Nutzung deutlich von der früheren industriellen Funktion unterscheidet.

Stadtplanung muss flexible Lösungen ermöglichen

Industriegebäude dieser Größe können heute nur selten wieder genau für ihren ursprünglichen Zweck genutzt werden.

Eine starre Festlegung auf Gewerbe hätte den Leerstand möglicherweise verlängert. Die Kombination aus Wohnen, Medizin und Dienstleistungen schafft dagegen mehrere wirtschaftliche Standbeine.

Gerade für Gera ist dieser Ansatz bedeutsam. Die Stadt verfügt über zahlreiche historische Gebäude aus ihrer Zeit als Industrie- und Textilzentrum. Nicht jedes davon kann zum Museum werden.

Der Bau wurde 1920 fertiggestellt

Der Golde-Bau entstand für die Geraer Wagen- und Karosseriebaufirma Golde.

Das Gebäude wurde 1920 fertiggestellt und gilt als einer der ersten vollständig in Eisenbeton errichteten Industriebauten Thüringens. Es war zugleich die erste Arbeit des Architekten Thilo Schoder in Gera.

Moderne Konstruktion für eine moderne Industrie

Die Eisenbetonbauweise ermöglichte große Fensterflächen, tragfähige Geschosse und vergleichsweise flexibel nutzbare Innenräume.

Für eine Fabrik waren diese Eigenschaften ideal. Arbeitsbereiche konnten besser belichtet und Maschinen auf großen Flächen angeordnet werden.

Heute erleichtert dieselbe Tragstruktur die Umnutzung. Ein Gebäude mit kleinteiligen tragenden Innenwänden wäre wesentlich schwieriger in moderne Wohnungen und Praxisräume umzubauen.

Thilo Schoder prägte die Moderne in Gera

Thilo Schoder war Schüler beziehungsweise Mitarbeiter im Umfeld des belgischen Architekten und Gestalters Henry van de Velde.

In Gera und Umgebung schuf er zahlreiche Wohn-, Industrie- und Geschäftsbauten. Seine Architektur verband funktionale Grundrisse mit klaren Fassaden und sorgfältig gestalteten Details.

Gera besitzt ein unterschätztes Erbe der Moderne

In der öffentlichen Wahrnehmung wird moderne Architektur in Thüringen häufig vor allem mit Weimar und dem Bauhaus verbunden.

Gera besitzt jedoch eine eigene bedeutende Tradition des Neuen Bauens. Thilo Schoders Werke gehören zu den wichtigsten Bestandteilen dieser Geschichte.

Der Golde-Bau bietet die Chance, dieses Erbe stärker sichtbar zu machen. Seine Wiederbelebung dürfte auch Besucher und Architekturinteressierte auf das Gebäude aufmerksam machen.

„Bauhaus-Denkmal“ ist ein verständlicher, aber verkürzter Begriff

In der aktuellen Berichterstattung wird der Komplex häufig als Bauhaus-Denkmal bezeichnet.

Das beschreibt seine moderne Formensprache für ein breites Publikum verständlich. Architekturgeschichtlich ist die Einordnung jedoch differenzierter.

Schoder war kein einfacher Bauhaus-Architekt

Der Golde-Bau entstand bereits 1920 und damit in einer frühen Phase der architektonischen Moderne.

Schoder entwickelte eine eigenständige Handschrift, die durch van de Velde, den Werkbund und verschiedene Reformbewegungen beeinflusst war. Der Bau sollte daher nicht ausschließlich als Ableger des Bauhauses verstanden werden.

Für die touristische Vermittlung wäre es sinnvoll, diese besondere Geraer Geschichte stärker zu erklären, statt sämtliche moderne Architektur pauschal unter dem Begriff Bauhaus zusammenzufassen.

Gesundheitsstandort kann neue Arbeitsplätze schaffen

Mit der onkologischen Praxis arbeiten bereits 20 Menschen im Gebäude.

Apotheke, Allgemeinmedizin, mögliche Pflegeangebote und Einzelhandel werden weitere Arbeitsplätze schaffen. Hinzu kommen Beschäftigung während der Bauphase und später bei Reinigung, Technik und Gebäudeverwaltung.

Revitalisierung wirkt wirtschaftlich mehrfach

Ein Neubau auf freier Fläche hätte ebenfalls Arbeitsplätze geschaffen.

Die Wiederbelebung eines bestehenden Denkmals besitzt jedoch zusätzliche Effekte: Ein städtebaulicher Missstand verschwindet, historische Substanz bleibt erhalten und vorhandene Verkehrsanbindungen werden weitergenutzt.

Damit ist das Projekt zugleich Wirtschafts-, Wohnungs- und Denkmalschutzpolitik.

Straßenbahnhaltestelle direkt vor dem Haus wird zum Standortvorteil

Der Golde-Bau liegt unmittelbar an einer Straßenbahnverbindung.

Für Patienten, Bewohner und Beschäftigte ist das besonders wichtig. Nicht jeder kann oder möchte mit dem Auto anreisen.

Gute Nutzung stärkt auch den Nahverkehr

Je mehr Wohnungen, Praxen und Geschäfte an einer bestehenden Haltestelle entstehen, desto besser wird die vorhandene Infrastruktur ausgelastet.

Stadtentwicklung entlang leistungsfähiger Straßenbahnstrecken kann dazu beitragen, zusätzlichen Autoverkehr zu begrenzen.

Die geplanten Parkplätze bleiben notwendig, insbesondere für Patienten aus dem Umland. Dennoch besitzt der Standort einen Vorteil gegenüber einem neuen Ärzte- oder Einkaufszentrum am Stadtrand.

63 kleinere Wohnungen treffen auf veränderte Nachfrage

Der Geraer Wohnungsmarkt ist nicht mit angespannten Großstadtmärkten wie Berlin, Leipzig oder München vergleichbar.

Trotz vorhandener Leerstände kann jedoch eine Nachfrage nach modernen, barrierearmen und gut angebundenen Wohnungen bestehen.

Nicht jede freie Wohnung entspricht heutigen Bedürfnissen

Ältere Bestände verfügen häufig über Treppen, kleine Bäder, hohe Energiekosten oder ungünstige Grundrisse.

Die Wohnungen im Golde-Bau sollen dagegen Aufzüge, moderne Haustechnik und kurze Wege zu medizinischer Versorgung bieten.

Damit richtet sich das Projekt an eine konkrete Zielgruppe, die in gewöhnlichen Altbauten nicht immer ein passendes Angebot findet.

Erfolg hängt von der vollständigen Fertigstellung ab

Die Eröffnung der onkologischen Praxis ist ein wichtiger Meilenstein.

Der eigentliche Projekterfolg wird jedoch erst sichtbar, wenn auch Wohnungen, Apotheke, weitere Arztangebote und das benachbarte Einkaufszentrum tatsächlich fertiggestellt und vermietet sind.

Große Umbauten bergen weiterhin Risiken

Baukosten können steigen, Fachkräfte fehlen oder geplante Mieter abspringen.

Besonders die Fertigstellung des Einzelhandels bis Ende 2027 ist ein ambitioniertes Ziel. Verzögerungen würden nicht nur die Investoren treffen, sondern auch die Attraktivität der Wohnungen und medizinischen Angebote beeinflussen.

Die Stadt und der Stadtteil werden das Projekt deshalb noch über mehrere Jahre begleiten müssen.

Einzelhandel darf bestehende Zentren nicht unnötig schwächen

Discounter, Drogeriemarkt und Vollsortimenter verbessern die Nahversorgung in Debschwitz.

Gleichzeitig muss geprüft werden, welche Auswirkungen ein größeres neues Handelsangebot auf bestehende Geschäfte und andere Standorte in Gera hat.

Versorgung und Verdrängung müssen abgewogen werden

Ein moderner Vollsortimenter kann Kunden aus benachbarten Stadtteilen anziehen.

Das ist wirtschaftlich erwünscht, kann aber kleinere Märkte oder Händler unter Druck setzen. Stadtplanung sollte deshalb darauf achten, dass keine neue Verkaufsfläche entsteht, die lediglich vorhandene Umsätze innerhalb Geras verlagert.

Der besondere Vorteil des Golde-Areals liegt in der Verbindung mit Wohnungen und medizinischen Einrichtungen. Es handelt sich nicht ausschließlich um ein isoliertes Einkaufszentrum.

Gera gewinnt ein sichtbares Beispiel gegen Leerstand

Thüringen und andere ostdeutsche Länder verfügen über zahlreiche frühere Fabriken, Verwaltungsgebäude und Kaufhäuser ohne Nutzung.

Viele davon sind architektonisch wertvoll, aber für heutige Anforderungen zu groß oder technisch überholt.

Der Golde-Bau zeigt einen möglichen Weg

Das Geraer Projekt verbindet mehrere Funktionen, statt auf einen einzigen Großmieter zu setzen.

Fällt ein Bereich wirtschaftlich schwächer aus, bleiben weitere Nutzungen bestehen. Bewohner, Patienten, Ärzte und Kunden sorgen zu unterschiedlichen Tageszeiten für Leben im Gebäude.

Dieses gemischte Konzept könnte auch für andere problematische Großimmobilien in ostdeutschen Städten ein Vorbild sein.

Geschichte bleibt nur erhalten, wenn ein Gebäude genutzt wird

Seit 2012 stand der Golde-Bau leer. Nun ist mit der onkologischen Praxis der erste langfristige Nutzer eingezogen. Bis zu 63 Wohnungen, eine Apotheke, weitere medizinische Angebote und neue Geschäfte sollen folgen.

Damit beginnt nach Jahren der Planung die entscheidende Phase.

Der Bau muss beweisen, dass sich Denkmalschutz, bezahlbares Wohnen, Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Nutzung miteinander verbinden lassen.

Für Gera ist das Projekt schon jetzt ein wichtiges Signal.

Ein historisches Industriegebäude, das mehr als ein Jahrzehnt als Problemfall galt, wird nicht abgerissen und nicht zu einer bloßen Kulisse umgebaut. Es erhält wieder eine alltägliche Funktion.

Patienten kommen zur Behandlung. Menschen werden dort wohnen. Eine Apotheke und weitere Geschäfte sollen öffnen.

Aus einem Denkmal, das lange nur an Geras industrielle Vergangenheit erinnerte, wird damit erneut ein aktiver Teil der Stadt.