Görlitz. Für viele Teilnehmer war es eine Reise an einen Ort, den sie zuvor nur aus Briefen, Erzählungen und alten Familienbildern kannten. Vom 22. bis 28. Juni 2026 kamen insgesamt 143 Nachfahren ehemaliger Görlitzer Jüdinnen und Juden zur dritten Jewish Remembrance Week in die Stadt. Sie reisten aus verschiedenen Teilen der Welt an, um Häuser, Straßen, Friedhöfe und Erinnerungsorte ihrer Familien zu besuchen.
Die Veranstaltungswoche verband persönliche Familiengeschichten mit öffentlichem Gedenken. Zum Programm gehörten neue Stolpersteinverlegungen, Konzerte, Ausstellungen, Begegnungen mit Schülern und die Premiere eines Dokumentarfilms.
143 Nachfahren reisen nach Görlitz
Die Zahl der Teilnehmer fiel noch größer aus als zunächst von der Stadt angekündigt.
Stadt rechnete zunächst mit 120 Gästen
In einer Mitteilung vom 23. Juni sprach die Stadt zunächst von rund 120 Nachfahren, die Ende Juni nach Görlitz zurückkehren würden. Der MDR berichtete später von 143 tatsächlich angereisten Familienmitgliedern.
Diese Entwicklung zeigt, wie groß das internationale Interesse an den Görlitzer Familiengeschichten inzwischen geworden ist.
Mehr als 200 Nachkommen wurden weltweit gefunden
Die Initiatorin Lauren Leiderman hat nach Angaben des MDR inzwischen mehr als 200 Nachkommen früherer Görlitzer Jüdinnen und Juden ausfindig gemacht. Diese internationale Gemeinschaft wird als „Görlitz Family“ bezeichnet.
Die Menschen leben heute unter anderem in den USA, Israel, Großbritannien und weiteren Ländern. Viele Familien hatten nach Verfolgung, Flucht und Vertreibung jahrzehntelang kaum noch Verbindung zur früheren Heimatstadt ihrer Vorfahren.
Rückkehr ist nicht nur touristischer Besuch
Für die Gäste bedeutet der Aufenthalt mehr als eine gewöhnliche Städtereise. Sie besuchen frühere Wohnhäuser, Geschäfte und Grabstätten ihrer Familien und begegnen Menschen, die sich heute mit deren Geschichte beschäftigen.
Manche Teilnehmer sehen Görlitz erstmals mit eigenen Augen. Andere kehren bereits zum wiederholten Mal zurück und haben inzwischen persönliche Beziehungen zur Stadt aufgebaut.
Lauren Leiderman baute die „Görlitz Family“ auf
Eine zentrale Rolle spielt die US-Amerikanerin Lauren Leiderman, die seit 2019 mit ihrer Familie in Görlitz lebt.
Recherche begann mit einzelnen Familiengeschichten
Leiderman suchte nach Nachfahren früherer jüdischer Einwohner und nahm Kontakt zu Familien in verschiedenen Ländern auf.
Aus einzelnen Recherchen entstand im Laufe der Jahre ein immer größer werdendes Netzwerk. Familien, die zuvor voneinander kaum wussten, wurden miteinander und mit Görlitz verbunden.
Dritte Gedenkwoche im Jahr 2026
Die Jewish Remembrance Week fand 2026 zum dritten Mal statt. Die Veranstaltung ist damit längst mehr als ein einmaliges Erinnerungsprojekt.
Mit jeder Ausgabe kommen neue Biografien, Dokumente und Kontakte hinzu.
Persönliches Engagement ersetzt keine kommunale Verantwortung
Dass eine Einzelperson ein solches internationales Netzwerk aufbauen konnte, ist bemerkenswert.
Gleichzeitig darf die dauerhafte Erinnerung an jüdisches Leben nicht allein vom Engagement weniger Privatpersonen abhängen. Stadt, Schulen, Museen und Kulturinstitutionen müssen die Arbeit langfristig mittragen.
54 neue Stolpersteine in Görlitz und Zgorzelec
Ein zentraler Bestandteil der Gedenkwoche war die Verlegung weiterer Stolpersteine.
Verlegungen an elf Orten
Nach Angaben der Stadt wurden im Rahmen der Erinnerungswoche 54 Stolpersteine in Görlitz und Zgorzelec verlegt. Die Verlegungen begannen an insgesamt elf Orten.
Die Messingtafeln erinnern vor den früheren Wohnorten an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, vertrieben, deportiert oder ermordet wurden.
Namen kehren in den Stadtraum zurück
Stolpersteine machen aus anonymen Opferzahlen konkrete Lebensgeschichten.
Ein Name, ein Geburtsjahr und ein früherer Wohnort zeigen, dass die Verfolgten Nachbarn, Unternehmer, Ärzte, Künstler, Schüler oder Vereinsmitglieder waren.
Verlegung auf beiden Seiten der Neiße
Dass Steine sowohl in Görlitz als auch im heutigen Zgorzelec verlegt wurden, entspricht der historischen Realität.
Vor 1945 gehörten beide Seiten zur selben Stadt. Die Geschichten der Familien lassen sich deshalb nicht an der heutigen deutsch-polnischen Grenze trennen.
Jüdisches Leben prägte Görlitz sichtbar
Die jüdischen Bürger waren vor der nationalsozialistischen Verfolgung ein wichtiger Teil der Görlitzer Gesellschaft.
Synagoge steht für Selbstbewusstsein der Gemeinde
Die Görlitzer Synagoge wurde 1911 eingeweiht. Sie entstand nach Plänen der Architekten William Lossow und Max Hans Kühne und galt als sichtbares Zeichen einer gewachsenen, selbstbewussten jüdischen Gemeinde.
Als einzige der großen Gemeindesynagogen Sachsens wurde sie während der Novemberpogrome 1938 nicht zerstört. Heute gilt das Gebäude als Denkmal von nationaler Bedeutung.
Kulturforum wurde 2021 wiedereröffnet
Nach jahrzehntelanger Sanierung öffnete die Synagoge im Juli 2021 als Kulturforum Görlitzer Synagoge erneut ihre Türen.
Sie dient heute nicht nur als Erinnerungsort, sondern auch als Veranstaltungsstätte für Konzerte, Vorträge und Begegnungen.
Alte Synagoge wird als Literaturhaus genutzt
Auch die frühere Synagoge in der Langenstraße ist erhalten. Das Gebäude diente 57 Jahre lang als Gotteshaus und wird heute als Literaturhaus Alte Synagoge genutzt.
Dort finden Lesungen, Vorträge, Diskussionsabende und Kammerkonzerte statt.
Görlitz besitzt einen jüdischen Friedhof seit 1849
Ein weiterer wichtiger Erinnerungsort ist der jüdische Friedhof.
Gemeinde gründete den Friedhof kurz nach ihrer Entstehung
Der Friedhof wurde 1849 angelegt, zwei Jahre nach der Gründung der jüdischen Gemeinde. Die erste Beisetzung erfolgte 1852, bereits 1860 musste die Anlage erweitert werden.
Grabsteine und Inschriften erzählen bis heute von Familien, Berufen und religiösen Traditionen.
Friedhöfe sind keine gewöhnlichen Denkmäler
Im Judentum besitzen Begräbnisstätten dauerhaft religiöse Bedeutung.
Pflege, Schutz und würdiger Umgang müssen deshalb auch dann gewährleistet sein, wenn keine große Gemeinde mehr vor Ort lebt.
Familien finden dort konkrete Spuren
Für Nachfahren kann ein Grabstein der erste greifbare Beweis dafür sein, dass ihre Familie tatsächlich über Generationen in Görlitz lebte.
Solche Begegnungen besitzen eine emotionale Bedeutung, die Archive und digitale Datenbanken allein nicht vermitteln können.
Dokumentarfilm „Wir sind hier!“ feiert Premiere
Zur Gedenkwoche gehörte auch die Premiere eines neuen Dokumentarfilms.
Film begleitet die Erinnerungsarbeit
Der Film „Wir sind hier!“ zeigt die Arbeit rund um die Görlitzer Familiengeschichten, die Gedenkwoche und das sogenannte Mitzvah-Projekt.
Dabei wird deutlich, wie historische Forschung, Familienkontakte und Bildungsarbeit miteinander verbunden werden.
Deutsche und polnische Jugendliche forschen gemeinsam
Im Mitzvah-Projekt beschäftigen sich Jugendliche aus Deutschland und Polen mit den Lebensgeschichten früherer jüdischer Einwohner. Sie besuchen historische Orte und treffen Nachkommen der Familien.
Zu den besuchten Orten gehört auch das frühere Internierungslager Tormersdorf.
Geschichte wird über Biografien verständlich
Schüler lernen nicht nur Jahreszahlen und politische Begriffe.
Sie erfahren, welche Schule ein Mensch besuchte, welchen Beruf er hatte, wo seine Familie wohnte und wie Verfolgung sein Leben zerstörte.
Persönliche Rückkehr verändert die Erinnerung
Die Begegnung mit Nachfahren schafft eine andere Form des Gedenkens als eine rein institutionelle Veranstaltung.
Angehörige bringen neue Dokumente mit
Familien besitzen oft Briefe, Fotografien, Tagebücher und Erzählungen, die in deutschen Archiven bislang nicht bekannt sind.
Solche Quellen können die Görlitzer Stadtgeschichte ergänzen und bestehende Lücken schließen.
Stadt erhält Gesichter statt abstrakter Zahlen
Verfolgung wird verständlicher, wenn Nachfahren über Großeltern, Urgroßeltern und deren Alltag sprechen.
Dadurch entsteht ein Bild des jüdischen Lebens vor der Vernichtung und nicht nur eine Darstellung des Leidens.
Nachkommen entscheiden selbst über ihre Beziehung zur Stadt
Nicht jede Familie empfindet die Rückkehr gleich.
Für manche ist Görlitz ein Ort familiärer Heimat, für andere vor allem der Ort von Vertreibung, Verlust oder unterlassener Hilfe. Beide Perspektiven müssen respektiert werden.
Erinnerung darf die Verantwortung nicht beschönigen
Die heutige Offenheit der Stadt ist wichtig. Sie darf jedoch nicht dazu führen, die historische Verantwortung zu glätten.
Jüdische Bürger wurden ausgegrenzt und beraubt
Die nationalsozialistische Verfolgung begann nicht erst mit Deportationen und Morden.
Jüdische Görlitzer verloren schrittweise ihre Berufe, Geschäfte, Wohnungen, Rechte und gesellschaftliche Stellung.
Nachbarn profitierten teilweise von der Verfolgung
„Arisierte“ Unternehmen, Wohnungen und Eigentumsgegenstände wechselten häufig weit unter Wert oder unter Zwang den Besitzer.
Eine ehrliche Erinnerungskultur muss deshalb auch fragen, wer in Görlitz von der Entrechtung jüdischer Mitbürger profitierte.
Lokale Täter und Mitläufer gehören zur Stadtgeschichte
Es reicht nicht, Verbrechen ausschließlich einer fernen Berliner Führung zuzuschreiben.
Verfolgung wurde auch vor Ort durch Behörden, Unternehmen, Parteifunktionäre und gesellschaftliche Mitläufer umgesetzt.
Rückgabe und Eigentumsfragen bleiben sensibles Thema
Bei der Beschäftigung mit Familiengeschichten können auch Fragen nach früherem Besitz entstehen.
Häuser stehen häufig noch
Viele Wohnhäuser und Stadtvillen früherer jüdischer Bürger sind in Görlitz erhalten. Darauf weist auch die städtische Darstellung jüdischer Spuren hin.
Die heutige Nutzung dieser Gebäude sollte ihre Geschichte nicht unsichtbar machen.
Dokumentation schafft keine automatische Rückgabe
Eigentums- und Entschädigungsfragen wurden nach 1945 und nach der deutschen Wiedervereinigung in verschiedenen Verfahren geregelt.
Dennoch können moralische Fragen bleiben, selbst wenn juristische Ansprüche nicht mehr bestehen.
Informationstafeln könnten Geschichte sichtbar machen
An bedeutenden früheren Wohn- und Geschäftshäusern könnten Tafeln oder digitale Angebote über die früheren Bewohner informieren.
So würde jüdische Geschichte nicht allein auf Stolpersteine und Synagogen beschränkt.
Die Görlitzer Synagoge ist heute Kulturort
Die frühere Gemeindesynagoge wird heute nicht dauerhaft als reguläres Gotteshaus einer großen Gemeinde genutzt.
Jüdisches Erbe ohne große Gemeinde
Görlitz besitzt bedeutende jüdische Bauwerke und Erinnerungsorte, aber keine Gemeinde in der Größe der Vorkriegszeit.
Dadurch entsteht die Herausforderung, jüdisches Erbe nicht nur museal zu behandeln.
Kulturveranstaltungen halten das Haus lebendig
Konzerte, Führungen und Diskussionen bringen Menschen in das Gebäude und verhindern, dass die Synagoge lediglich als historisches Mahnmal wahrgenommen wird.
Das Haus bleibt damit Teil des gegenwärtigen Stadtlebens.
Religiöse Bedeutung muss respektiert werden
Auch bei kultureller Nutzung darf der ursprüngliche Charakter des Gebäudes nicht beliebig behandelt werden.
Veranstaltungsplanung, Kommunikation und Gestaltung sollten die Geschichte und religiöse Bedeutung des Ortes achten.
2026 feierte das Kulturforum fünfjähriges Bestehen
Am Ende der Erinnerungswoche fand am 28. Juni ein Synagogenfest zum fünfjährigen Bestehen des Kulturforums statt.
Gedenkwoche endet mit Begegnung
Ein Fest am Ende einer Erinnerungswoche mag zunächst ungewöhnlich wirken.
Es zeigt jedoch, dass jüdisches Leben nicht ausschließlich über Verfolgung und Tod dargestellt werden darf. Kultur, Musik, Gemeinschaft und Zukunft gehören ebenso dazu.
Konzert erinnert an die 1920er-Jahre
Zum Programm gehörte unter anderem das Konzert „Berlin & Babylon – Süß und Bitter. Die Welt der 1920er-Jahre“ mit der Sächsischen Bläserphilharmonie und Ethel Merhaut.
Damit wurde eine Epoche aufgegriffen, in der jüdische Künstler, Musiker und Intellektuelle das kulturelle Leben Deutschlands stark mitprägten.
Schulen tragen besondere Verantwortung
Die Gedenkwoche setzt stark auf Bildungsarbeit.
Begegnungen bleiben länger im Gedächtnis
Ein Gespräch mit Familienangehörigen kann für Schüler eindrücklicher sein als ein gewöhnlicher Unterrichtstext.
Es macht deutlich, dass die Folgen von Verfolgung bis heute in Familien weiterwirken.
Deutsch-polnische Zusammenarbeit ist unverzichtbar
Die historische Stadt liegt heute in zwei Staaten.
Deutsche und polnische Schulen sollten deshalb gemeinsam an Biografien, Orten und Quellen arbeiten.
Projekte brauchen dauerhafte Finanzierung
Erinnerungsarbeit darf nicht nur dann stattfinden, wenn Ehrenamtliche zusätzliche Zeit und Spenden aufbringen.
Schulen benötigen verlässliche Partner, Materialien, Übersetzungen und Fahrtkosten.
Antisemitismus bleibt gegenwärtige Gefahr
Die Beschäftigung mit der Vergangenheit besitzt auch eine unmittelbare Bedeutung für die Gegenwart.
Jüdische Einrichtungen brauchen weiterhin Schutz
Synagogen und jüdische Veranstaltungen stehen in Deutschland häufig unter Polizeischutz.
Das zeigt, dass jüdisches Leben noch immer nicht selbstverständlich sicher ist.
Alte Vorurteile erscheinen in neuen Formen
Antisemitische Vorstellungen verbreiten sich heute auch über soziale Netzwerke, Verschwörungserzählungen und politische Propaganda.
Bildungsarbeit muss deshalb historische und aktuelle Formen des Antisemitismus behandeln.
Erinnerung ohne Gegenwartsbezug bleibt unvollständig
Wer Stolpersteine pflegt, gleichzeitig aber heutigen antisemitischen Äußerungen schweigend begegnet, hat den Sinn der Erinnerung nicht verstanden.
Gedenken muss sich im Alltag bewähren.
Görlitz könnte ein internationales Forschungszentrum aufbauen
Die inzwischen umfangreichen Kontakte bieten Chancen für eine dauerhafte Einrichtung.
Familienarchiv für Görlitzer Biografien
Briefe, Bilder, Interviews und Stammbäume könnten mit Zustimmung der Familien digital erfasst werden.
Ein solches Archiv würde Forschung, Schulen und Angehörigen gleichermaßen dienen.
Mehrsprachigkeit ist notwendig
Da viele Nachfahren kein Deutsch sprechen, sollten zentrale Informationen mindestens auf Deutsch, Englisch und Polnisch verfügbar sein.
Hebräische Angebote könnten je nach Material ebenfalls sinnvoll sein.
Universität und Museen könnten kooperieren
Historiker, Archivare, Genealogen und Pädagogen könnten die Familiengeschichten systematisch bearbeiten.
Görlitz würde damit langfristig zu einem bedeutenden Ort jüdischer Regional- und Familiengeschichte.
Erinnerung kann auch den Tourismus stärken
Die jüdischen Spuren gehören zum historischen Reichtum der Stadt.
Führungen verbinden mehrere Orte
Synagoge, Alter Friedhof, Literaturhaus, Stolpersteine und frühere Wohnhäuser lassen sich zu thematischen Rundgängen verbinden.
Die Stadt bietet bereits Führungen zu jüdischem Leben an.
Tourismus darf Leid nicht vermarkten
Geschichtliche Angebote müssen würdig und sachlich gestaltet sein.
Es wäre unangemessen, Verfolgung und Familienleid lediglich als weitere touristische Attraktion zu verkaufen.
Einnahmen sollten Erinnerungsarbeit unterstützen
Ein Teil der Erlöse aus Führungen oder Publikationen könnte in Pflege, Forschung und Bildungsprojekte zurückfließen.
So würde touristisches Interesse zur dauerhaften Sicherung der Erinnerungsorte beitragen.
Was nach der Gedenkwoche bleiben muss
Eine Veranstaltungswoche erzeugt Aufmerksamkeit. Entscheidend ist jedoch die Arbeit in den übrigen Monaten.
Familienkontakte weiter pflegen
Die angereisten Nachfahren sollten feste Ansprechpartner in Görlitz behalten.
Fragen zu Archiven, Gräbern, Häusern oder neuen Forschungsergebnissen dürfen nicht nach Ende der Veranstaltung unbeantwortet bleiben.
Stolpersteine regelmäßig reinigen
Die neuen Steine benötigen langfristige Pflege.
Schulen, Hausgemeinschaften und Vereine könnten Patenschaften übernehmen.
Biografien öffentlich zugänglich machen
Ein Name auf einem Stein ist nur der Anfang.
Digitale Seiten mit Bildern, Lebensläufen und Quellen könnten die Geschichten ausführlicher erzählen.
Nächste Gedenkwoche früh vorbereiten
Die internationale Reiseplanung erfordert lange Vorläufe.
Termine, Fördermittel und Unterkünfte sollten deshalb rechtzeitig gesichert werden.
Görlitz findet nicht nur Familien wieder, sondern einen verlorenen Teil seiner selbst
Die Rückkehr von 143 Nachfahren ist ein außergewöhnliches Ereignis. Sie kommen nicht als gewöhnliche Gäste, sondern als Angehörige von Menschen, die einst mitten in Görlitz lebten und aus dieser Stadt vertrieben wurden.
Dass heute wieder Familiennamen ausgesprochen, Stolpersteine verlegt und alte Wohnhäuser besucht werden, ist ein wichtiger Schritt. Die jüdische Geschichte kehrt damit aus Archiven in den öffentlichen Raum zurück.
Doch Erinnerung darf nicht bequem werden. Sie muss auch von Enteignung, Mitläufertum, lokalen Profiteuren und versagenden Institutionen sprechen. Nur dann ist sie ehrlich.
Besonders wertvoll ist die Beteiligung deutscher und polnischer Jugendlicher. Die geteilte Stadt kann ihre Geschichte nur gemeinsam erzählen.
Görlitz sollte aus der Gedenkwoche nun eine dauerhafte Aufgabe machen: mit einem internationalen Familienarchiv, verlässlicher Bildungsarbeit und langfristiger Unterstützung für die „Görlitz Family“.
Die Nachfahren entdecken die Stadt ihrer Vorfahren neu. Görlitz selbst entdeckt dabei einen Teil seiner eigenen Identität wieder, der über Jahrzehnte verdrängt oder vergessen wurde.