Görlitz. Die Entscheidung über die Zukunft der Görlitzer Straßenbahn ist gefallen. Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler wird acht neue Niederflurfahrzeuge für die Görlitzer Verkehrsbetriebe liefern. Der Vergabezuschlag erfolgte am 15. April 2026, der eigentliche Kaufvertrag wurde im Mai gemeinsam mit den Städtischen Verkehrsbetrieben Zwickau unterzeichnet.

Die neuen Bahnen gehören zum Fahrzeugtyp TINA. Sie sollen 30 Meter lang, 2,30 Meter breit und vollständig niederflurig sein. Bis 2028 sollen die Fahrzeuge nach Görlitz geliefert werden und dort schrittweise die alten Tatra-Hochflurwagen ersetzen.

Görlitz erhält acht neue TINA-Straßenbahnen

Die Bestellung ist Teil eines gemeinsamen Beschaffungsprojektes mit Zwickau.

Insgesamt werden 14 Fahrzeuge gebaut

Stadler soll insgesamt 14 meterspurige Straßenbahnen liefern. Acht davon sind für Görlitz bestimmt, sechs für Zwickau. Beide Städte nutzen damit gemeinsame Stückzahlen, obwohl ihre Verkehrsbetriebe eigenständig bleiben.

Die gemeinsame Vergabe kann Vorteile bei Entwicklung, Zulassung, Ersatzteilen und späterer Instandhaltung bringen. Für kleinere Straßenbahnbetriebe ist eine Einzelbestellung von wenigen Fahrzeugen häufig schwieriger und teurer.

Fahrzeuge sind 30 Meter lang

Die neuen Bahnen sollen jeweils rund 30 Meter Länge erreichen. Damit bieten sie deutlich mehr zusammenhängenden Fahrgastraum als die bisherigen Tatra-Wagen, die in Görlitz teilweise in Doppeltraktion eingesetzt werden müssen.

Wie viele Sitz- und Stehplätze die Görlitzer Ausführung genau erhalten wird, wurde bislang nicht abschließend öffentlich dargestellt.

Vollständig niederfluriger Einstieg

Die Verkehrsbetriebe sprechen von zu 100 Prozent niederflurigen Fahrzeugen. Damit soll sich der Innenraum ohne hohe Stufen durchqueren lassen.

Davon profitieren Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator, Eltern mit Kinderwagen, Reisende mit Gepäck und Fahrgäste, denen das Treppensteigen schwerfällt.

Alte Tatra-Bahnen kommen an technische Grenzen

Die Neubeschaffung ist keine reine Komfortentscheidung. Der heutige Fuhrpark ist teilweise mehrere Jahrzehnte alt.

Einzelne Fahrzeuge sind fast 50 Jahre alt

Die Görlitzer Verkehrsbetriebe berichteten Anfang 2026, dass ein eingesetzter Wagen bereits 47 Jahre alt sei. Die alternde Technik bringe die Werkstatt zunehmend an die Grenzen des technisch Machbaren.

Für Straßenbahnfreunde besitzen die Tatra-Wagen zwar Kultstatus. Im täglichen Linienbetrieb verursachen alte Fahrzeuge jedoch steigenden Wartungsaufwand, aufwendige Ersatzteilbeschaffung und ein wachsendes Ausfallrisiko.

Doppeltraktionen mussten reduziert werden

Wegen technischer Probleme konnte die GVB zeitweise weniger Doppeltraktionen einsetzen. Damit sinkt die Kapazität gerade in stark nachgefragten Zeiten.

Neue Fahrzeuge sollen den Betrieb zuverlässiger machen. Ob acht Bahnen ausreichen, um sämtliche alten Wagen vollständig zu ersetzen, hängt allerdings auch von Reservebedarf, Fahrplan und Werkstattaufenthalten ab.

Historische Fahrzeuge sollten nicht vollständig verschwinden

Eine moderne Fahrzeugflotte ist notwendig. Dennoch sollte Görlitz mindestens einzelne Tatra-Wagen als Museums-, Sonder- oder Traditionsfahrzeuge erhalten.

Sie gehören zur Verkehrsgeschichte der Stadt und haben das Bild Görlitz’ über Jahrzehnte geprägt.

Ursprünglicher Hersteller fiel wegen Insolvenz aus

Der Auftrag an Stadler ist bereits der zweite Anlauf für die Fahrzeugbeschaffung.

HeiterBlick konnte die Bestellung nicht erfüllen

Ursprünglich sollten die neuen Straßenbahnen von der Leipziger HeiterBlick GmbH geliefert werden. Nach der Insolvenz des Unternehmens mussten Görlitz und Zwickau das Verfahren jedoch grundlegend neu starten.

Damit ging wertvolle Zeit verloren. Für Görlitz war das besonders problematisch, weil die vorhandenen Bahnen bereits stark überaltert sind.

Neue europaweite Ausschreibung begann 2025

Der neue Teilnahmewettbewerb lief vom 22. Oktober bis zum 24. November 2025. Angebote konnten bis Ende Januar 2026 abgegeben werden. Anschließend folgten Prüfung und Verhandlungen.

Vier qualifizierte Anbieter beteiligten sich am finalen Angebotsprozess. Stadler erhielt am Ende die beste Gesamtbewertung.

Lieferung bis 2028 zugesagt

Nach Angaben der Stadt soll Stadler die Fahrzeuge qualitäts- und termingerecht bis 2028 liefern.

Gerade nach dem Scheitern des ersten Herstellers wird Görlitz den Zeitplan aufmerksam überwachen müssen. Weitere Verzögerungen könnten den Betrieb der alten Flotte zunehmend erschweren.

Was der Fahrzeugtyp TINA bietet

TINA steht für „Total Integrierter Niederflur-Antrieb“. Die Plattform wird bereits in mehreren europäischen Städten eingesetzt.

Erprobter Fahrzeugtyp statt Sonderentwicklung

Nach Angaben der Stadt sind Fahrzeuge dieser Familie unter anderem bereits in Basel, Den Haag, Darmstadt, Gera, Halle und Rostock unterwegs.

Für Görlitz bedeutet dies, dass kein vollständig neues Einzelstück entwickelt wird. Dennoch muss die Bahn an das meterspurige Görlitzer Netz und dessen besondere Kurven, Haltestellen und technischen Bedingungen angepasst werden.

Mehr Komfort für Fahrgäste

Die GVB erwartet moderne, barrierefreie Fahrzeuge mit höherem Komfort und aktueller Sicherheitstechnik.

Dazu dürften unter anderem breitere Einstiegsbereiche, Fahrgastinformation, Klimatisierung oder Belüftung, Videoüberwachung und zeitgemäße Fahrerarbeitsplätze gehören. Die endgültige Görlitzer Ausstattung sollte die GVB noch detailliert öffentlich vorstellen.

Ruhigerer Lauf möglich

Moderne Fahrwerke können Lärm und Erschütterungen reduzieren. Das wäre besonders in dicht bebauten Straßen und im historischen Stadtgebiet von Bedeutung.

Wie stark die Verbesserung tatsächlich ausfällt, hängt jedoch nicht nur vom Fahrzeug ab. Auch Gleiszustand, Kurvenradien und Fahrweise beeinflussen die Geräuschentwicklung.

Barrierefreiheit hängt auch von den Haltestellen ab

Eine Niederflurbahn allein garantiert noch keinen stufenlosen Nahverkehr.

Bahnsteige müssen zur Einstiegshöhe passen

Zwischen Fahrzeug und Haltestelle dürfen keine großen Höhenunterschiede oder breiten Spalten entstehen.

Deshalb müssen mehrere Görlitzer Haltestellen baulich angepasst oder vollständig modernisiert werden.

Demianiplatz soll umgebaut werden

Die Stadt hat bereits Modernisierungen wichtiger Verkehrsknoten angekündigt. Dazu zählt der Demianiplatz, einer der zentralen Umsteigepunkte im Görlitzer Nahverkehr.

Eine übersichtliche Führung, sichere Übergänge und barrierefreie Bahnsteige sind dort besonders wichtig, weil Straßenbahn, Busse, Fußgänger und Autoverkehr auf engem Raum zusammentreffen.

Bahnhof-Südausgang gehört zum Zukunftsprojekt

Auch der Verkehrsknoten am südlichen Bahnhofsausgang soll im Rahmen der sogenannten ÖPNV-Modellstadt weiterentwickelt werden.

Damit könnte die Verbindung zwischen Bahn, Straßenbahn, Bus und angrenzenden Stadtteilen verbessert werden.

Infrastruktur wird bereits angepasst

Die neuen Fahrzeuge unterscheiden sich in Abmessungen, Gewicht und Technik von den alten Tatra-Bahnen.

Gleise und Werkstatt müssen vorbereitet werden

Die Stadt erklärte, dass notwendige technische Umbauten und Anpassungen bereits begonnen hätten.

Dazu können Veränderungen an Werkstattgleisen, Hebeanlagen, Stromversorgung, Bahnsteigen und möglicherweise an besonders engen Streckenabschnitten gehören.

Sommerbaustelle in Königshufen zeigt den Bedarf

Vom 6. Juli bis 14. August 2026 finden umfangreiche Gleisarbeiten in Königshufen statt. Zwischen Postplatz und NeißePark beziehungsweise Am Wiesengrund wird der Straßenbahnverkehr währenddessen durch Busse ersetzt.

Nicht jede aktuelle Gleisbaustelle steht ausschließlich mit den neuen Bahnen in Verbindung. Sie zeigt jedoch, wie groß der laufende Erneuerungsbedarf im Netz ist.

Neue Bahnen brauchen ein zuverlässiges Netz

Es wäre wenig sinnvoll, moderne Fahrzeuge zu kaufen, wenn sie anschließend auf verschlissenen Gleisen langsam fahren oder häufig durch Baustellen ausgebremst werden.

Fahrzeug- und Infrastrukturerneuerung müssen deshalb gemeinsam geplant und finanziert werden.

Straßenbahn bleibt Rückgrat des Görlitzer Nahverkehrs

Mit der Bestellung setzt die Stadt ein klares Signal für den Erhalt ihres Straßenbahnnetzes.

Görlitz hält an der Tram fest

Oberbürgermeister Octavian Ursu erklärte zur Vergabe ausdrücklich, dass Görlitz auch künftig auf die Straßenbahn setze.

Das ist für eine Stadt dieser Größe keine Selbstverständlichkeit. Andere mittelgroße Städte haben ihre Straßenbahnen in früheren Jahrzehnten stillgelegt und später teuer nach leistungsfähigen Alternativen gesucht.

Elektrischer Verkehr verbindet große Wohngebiete

Die Görlitzer Straßenbahn verbindet unter anderem Weinhübel, Innenstadt und Königshufen. Sie erschließt Wohngebiete, Einkaufsbereiche, Schulen, Bahnhof und wichtige Umsteigepunkte.

Besonders auf stark genutzten Achsen kann sie mehr Menschen befördern als ein gewöhnlicher Stadtbus.

Netz braucht genügend Fahrgäste

Eine Straßenbahn verursacht hohe Fixkosten für Gleise, Oberleitungen, Fahrzeuge und Werkstatt. Ihre Stärke spielt sie vor allem dort aus, wo dauerhaft ausreichend Fahrgäste unterwegs sind.

Görlitz muss daher nicht nur Fahrzeuge erneuern, sondern auch attraktive Takte, gute Anschlüsse und eine verlässliche Betriebsqualität anbieten.

Neue Fahrzeuge allein lösen keine Fahrplanprobleme

Für Fahrgäste zählt am Ende nicht nur, wie modern eine Bahn aussieht.

Verlässlichkeit ist wichtiger als Design

Eine neue Straßenbahn überzeugt nur dann, wenn sie pünktlich fährt und Anschlüsse erreicht werden.

Personalmangel, Baustellen oder technische Störungen können auch mit modernen Fahrzeugen zu Ausfällen führen.

Taktangebot entscheidet über Nutzung

Wer abends oder am Wochenende lange warten muss, wird trotz komfortabler Fahrzeuge häufiger das Auto wählen.

Die GVB sollte deshalb prüfen, wo bessere Takte oder längere Betriebszeiten zusätzliche Fahrgäste gewinnen können.

Anschlüsse nach Zgorzelec bleiben Zukunftsfrage

Görlitz versteht sich als Europastadt mit dem polnischen Zgorzelec. Dennoch endet die Straßenbahn weiterhin auf deutscher Seite.

Eine grenzüberschreitende Erweiterung wäre politisch, technisch und finanziell anspruchsvoll. Langfristig bleibt sie jedoch eine interessante Perspektive für eine tatsächlich gemeinsame Stadtentwicklung.

Acht Fahrzeuge müssen sinnvoll eingesetzt werden

Die begrenzte Stückzahl verlangt eine genaue Einsatzplanung.

Reservefahrzeuge sind unverzichtbar

Straßenbahnen benötigen regelmäßige Wartung und können nach Unfällen oder technischen Schäden zeitweise ausfallen.

Die GVB kann daher nicht sämtliche acht Fahrzeuge gleichzeitig fest im Fahrplan einplanen.

Mischbetrieb dürfte zunächst bleiben

Voraussichtlich werden neue TINA-Bahnen und ältere Fahrzeuge zunächst parallel verkehren.

Dadurch können Fahrgäste je nach Kurs weiterhin unterschiedliche Einstiegsbedingungen erleben.

Vollständige Niederflurflotte bleibt Ziel

Die GVB formuliert das Ziel, ab 2028 eine moderne und vollständig niederflurige Straßenbahn anbieten zu können.

Ob dies bereits mit der ersten Bestellung auf allen Fahrten gelingt, sollte der Verkehrsbetrieb genauer erklären.

Fahrpersonal und Werkstatt müssen geschult werden

Neue Technik verändert auch die Arbeit hinter den Kulissen.

Fahrer brauchen Ausbildung auf dem neuen Typ

Bedienung, Bremsverhalten, Fahrzeugdiagnose und Störungsbehandlung unterscheiden sich von den alten Tatra-Wagen.

Vor dem Fahrgastbetrieb sind deshalb umfangreiche Schulungen notwendig.

Werkstatt benötigt neue Kenntnisse

Elektronik und digitale Diagnosesysteme gewinnen bei modernen Fahrzeugen deutlich an Bedeutung.

Die Werkstattmitarbeiter müssen sich auf neue Komponenten, Software und Ersatzteilprozesse einstellen.

Übergangszeit wird anspruchsvoll

Während des Mischbetriebs muss die Werkstatt gleichzeitig jahrzehntealte Tatra-Technik und neue Stadler-Fahrzeuge betreuen.

Das erhöht vorübergehend den organisatorischen und personellen Aufwand.

Wie teuer die neuen Bahnen werden

Die Stadt veröffentlichte in ihrer Vergabemeldung keine konkrete Vertragssumme.

Transparenz über Kosten wäre wichtig

Bei einem derart großen kommunalen Beschaffungsprojekt sollten Bürger erfahren, wie hoch Fahrzeugkosten, Infrastrukturinvestitionen und Fördermittel ausfallen.

Auch mögliche Preisgleitklauseln und spätere Wartungsverträge können die Gesamtkosten beeinflussen.

Fahrzeuge sind nur ein Teil der Investition

Zusätzlich zur Bestellung entstehen Ausgaben für Haltestellen, Werkstatt, Gleise, Stromversorgung und Ausbildung.

Die vollständige finanzielle Belastung liegt daher deutlich über dem reinen Kaufpreis der acht Bahnen.

Fördermittel entscheiden über Tragfähigkeit

Kleinere Städte können neue Straßenbahnflotten kaum allein aus dem laufenden Haushalt bezahlen.

Görlitz ist auf Unterstützung von Bund und Freistaat Sachsen angewiesen. Die Stadt sollte transparent darstellen, welcher Eigenanteil tatsächlich verbleibt.

Moderne Straßenbahn kann die Innenstadt stärken

Ein zuverlässiger Nahverkehr beeinflusst auch Handel, Tourismus und Stadtentwicklung.

Besucher erreichen Zentrum ohne Parkplatzsuche

Gäste können vom Bahnhof oder aus größeren Wohngebieten direkt in die Innenstadt fahren.

Gerade bei Altstadtfest, ViaThea und Weihnachtsmarkt hilft eine leistungsfähige Straßenbahn, zusätzlichen Autoverkehr zu begrenzen.

Barrierefreiheit erweitert den Kundenkreis

Ältere Menschen und Menschen mit Behinderung können Innenstadtgeschäfte, Ärzte und Kulturangebote leichter erreichen, wenn der Einstieg ohne hohe Stufen gelingt.

Das ist auch ein wirtschaftlicher Vorteil für das Stadtzentrum.

Sichtbares Zeichen gegen Abbau

Neue Fahrzeuge vermitteln, dass Görlitz nicht nur den Mangel verwaltet, sondern in seine öffentliche Infrastruktur investiert.

Gerade in Ostdeutschland ist das wichtig, weil viele Menschen über Jahrzehnte erlebt haben, dass Angebote ausgedünnt, Bahnhöfe geschlossen und Verbindungen gekürzt wurden.

Neue Bahnen sind ein Bekenntnis zu Görlitz

Die Bestellung der acht TINA-Straßenbahnen ist eine gute Nachricht. Görlitz entscheidet sich damit bewusst gegen einen schleichenden Rückzug aus dem öffentlichen Nahverkehr.

Die alten Tatra-Wagen besitzen Charakter und gehören zum Stadtbild. Doch Nostalgie ersetzt keine Barrierefreiheit und keine zuverlässige Technik. Wenn fast 50 Jahre alte Fahrzeuge die Werkstatt an ihre Grenzen bringen, muss gehandelt werden.

Entscheidend ist nun, dass Stadler tatsächlich bis 2028 liefert und Görlitz die notwendigen Haltestellen und Gleise rechtzeitig anpasst. Eine moderne Bahn vor einem ungeeigneten Bahnsteig wäre nur eine halbe Lösung.

Ebenso wichtig ist finanzielle Offenheit. Die Bürger sollten wissen, was Fahrzeuge, Umbauten und spätere Wartung kosten und welchen Anteil Fördermittel übernehmen.

Görlitz braucht die Straßenbahn nicht als rollendes Prestigeobjekt, sondern als verlässliches Verkehrsmittel für Schüler, Arbeitnehmer, Senioren und Besucher. Gelingt das, sind die neuen Bahnen weit mehr als eine technische Anschaffung. Sie werden zu einem sichtbaren Bekenntnis, dass diese Grenzstadt Zukunft haben soll.