Görlitz/Zgorzelec. Aus der politischen Vision einer gemeinsamen Europastadt soll nun erstmals eine grenzüberschreitende technische Infrastruktur von großer Tragweite werden. Mit dem Projekt United Heat verbinden Görlitz und das polnische Zgorzelec ihre bislang getrennten Fernwärmenetze.

Am 31. März 2026 begann auf dem Gelände der Görlitzer Kläranlage offiziell die Bauphase. Im ersten Abschnitt wird das Blockheizkraftwerk im Stadtteil Königshufen mit der Kläranlage verbunden. Noch im selben Jahr soll außerdem der Görlitzer Siemens-Standort an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Dafür sind umfangreiche Arbeiten unter anderem an der Cottbuser Straße und am Brautwiesenplatz notwendig.

Rund 195 Millionen Euro Gesamtinvestition

United Heat gehört zu den größten Infrastrukturprojekten, die Görlitz und Zgorzelec gemeinsam begonnen haben.

Zwölf Kilometer neue Verbindungsleitungen

Nach Angaben der Stadtwerke Görlitz umfasst das Projekt ungefähr zwölf Kilometer neue Netzverbindungen. Die vier bisher getrennten Görlitzer Fernwärmegebiete Königshufen, Weinhübel, Rauschwalde und Goethestraße sollen miteinander verbunden werden. Hinzu kommt die Verknüpfung mit dem Wärmenetz in Zgorzelec.

Allein die grenzüberschreitende Leitung zwischen Görlitz und Zgorzelec soll rund 3,8 Kilometer lang werden. Sie führt über die Neiße und verbindet damit erstmals die Wärmeversorgung beider Städte unmittelbar miteinander.

Projektkosten von etwa 195 Millionen Euro

Die Projektpartner beziffern die gesamten Investitionskosten auf rund 195 Millionen Euro. Damit erreicht United Heat eine Größenordnung, die weit über ein gewöhnliches kommunales Leitungsprojekt hinausgeht.

Die Summe umfasst nicht nur Rohre und Bauarbeiten. Bezahlt werden müssen ebenso neue Erzeugungsanlagen, Wärmepumpen, Speicher, technische Steuerung, Übergabestationen und der Umbau bestehender Netze.

Fördermittel tragen einen großen Teil

Für die deutsche Projektseite bewilligte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle rund 81,6 Millionen Euro aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze. Hinzu kommen EU-Zusagen von insgesamt rund 38 Millionen Euro für die beteiligten Projektpartner.

Ohne diese Unterstützung wäre ein Projekt dieser Größenordnung für zwei mittelgroße Grenzstädte kaum finanzierbar.

Wärme soll künftig vollständig erneuerbar erzeugt werden

Der Umbau beschränkt sich nicht auf das Verlegen neuer Leitungen.

Erdgas und Braunkohle sollen verschwinden

Die Görlitzer Fernwärmegebiete werden derzeit noch überwiegend mit Erdgas versorgt. Im polnischen Zgorzelec spielt bislang vor allem Braunkohle eine zentrale Rolle.

Bis 2030 wollen beide Städte diese fossilen Energieträger vollständig aus der gemeinsamen Fernwärmeversorgung verdrängen.

Fünf unterschiedliche Wärmequellen geplant

United Heat setzt nicht auf eine einzige Technologie. Der vorgesehene Wärmemix besteht aus Biomasse, Großwärmepumpen, Solarthermie, erneuerbarem Strom und Abwärme.

Nach den Planungen soll Biomasse ungefähr 48 Prozent der Wärme liefern. Wärmepumpen übernehmen rund 33 Prozent, Solarenergie etwa 17 Prozent. Power-to-Heat und Abwärme sollen jeweils ungefähr ein Prozent beitragen.

Breiter Mix soll Versorgung absichern

Die Kombination mehrerer Energiequellen soll verhindern, dass die gesamte Versorgung von einer einzelnen Anlage oder einem einzigen Brennstoff abhängt.

Fällt eine Quelle zeitweise aus oder liefert zu wenig Energie, können andere Systeme einspringen. Gerade im Winter ist diese Redundanz für eine sichere Wärmeversorgung unverzichtbar.

Berzdorfer See soll Wärme liefern

Eine der auffälligsten Komponenten des Projekts ist die geplante Nutzung von Umweltwärme.

Großwärmepumpe nutzt Seewasser

Wärme soll unter anderem aus dem Berzdorfer See gewonnen werden. Eine Großwärmepumpe entzieht dem Wasser thermische Energie und hebt sie auf ein für Fernwärme nutzbares Temperaturniveau an.

Das Wasser wird dabei nicht verbrannt oder verbraucht. Es dient als Energiequelle, ähnlich wie Luft oder Erdreich bei kleineren Wärmepumpen.

Auch Abwasser wird einbezogen

Zusätzlich soll Wärme aus dem Abwasser der Görlitzer Kläranlage genutzt werden. Abwasser besitzt selbst im Winter vergleichsweise konstante Temperaturen und eignet sich deshalb für Wärmepumpensysteme.

Damit wird Energie verwendet, die bislang weitgehend ungenutzt in die Umwelt abgegeben wurde.

Umweltwirkungen müssen überwacht werden

Die Entnahme von Wärme aus einem See darf dessen Ökosystem nicht beeinträchtigen. Temperaturen, Wasserschichten, Tierwelt und saisonale Veränderungen müssen deshalb sorgfältig untersucht und überwacht werden.

Eine klimafreundliche Technologie wäre wenig gewonnen, wenn sie an anderer Stelle erhebliche ökologische Schäden verursachte.

Biomasse bleibt der größte Einzelposten

Fast die Hälfte der geplanten Wärme soll aus Biomasse stammen.

Holzhackschnitzel und Biomethan vorgesehen

Nach Angaben der Projektpartner soll Biomasse vor allem durch Holzhackschnitzel oder Biomethan genutzt werden. Der größte Anteil ist für Zgorzelec vorgesehen. Auf Görlitzer Seite soll Biomasse weniger als ein Viertel des Wärmemixes ausmachen.

Damit unterscheiden sich die geplanten Erzeugungsstrukturen auf beiden Seiten der Neiße.

Herkunft des Holzes ist entscheidend

Biomasse gilt nur dann als nachhaltig, wenn sie aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft, Reststoffen oder regional verfügbaren Quellen stammt.

Werden große Mengen Holz über weite Strecken transportiert oder Wälder ausschließlich zur Energiegewinnung eingeschlagen, verschlechtert sich die Klimabilanz erheblich.

Preise können schwanken

Auch Holzhackschnitzel und Biomethan unterliegen Marktpreisen. Eine erneuerbare Versorgung ist deshalb nicht automatisch dauerhaft billig.

Die Projektpartner müssen langfristige Lieferverträge, Lagerkapazitäten und ausreichende Reserven organisieren.

Solarthermie und Wärmespeicher sollen Sommerenergie retten

Ein weiterer Bestandteil ist die Nutzung von Sonnenwärme.

Große Kollektorflächen erzeugen Wärme

Solarthermische Anlagen wandeln Sonnenstrahlung direkt in Wärme um. Anders als Photovoltaik erzeugen sie keinen Strom, sondern erhitzen eine Flüssigkeit, die ihre Energie an das Wärmenetz oder einen Speicher weitergibt.

Der geplante Anteil von ungefähr 17 Prozent ist für ein Fernwärmesystem erheblich.

Saisonale Speicher gleichen Jahreszeiten aus

Im Sommer entsteht besonders viel Solarwärme, während der höchste Bedarf im Winter liegt. Deshalb sind große Wärmespeicher vorgesehen.

Sie sollen Energie über längere Zeit aufnehmen und später wieder abgeben. Ob dies technisch und wirtschaftlich in der vorgesehenen Größenordnung gelingt, gehört zu den zentralen Fragen des Projekts.

Flächenbedarf darf nicht unterschätzt werden

Große Solarthermieanlagen benötigen geeignete Flächen. Dabei können Konflikte mit Landwirtschaft, Landschaftsschutz oder künftiger Stadtentwicklung entstehen.

Die Standorte sollten deshalb transparent geplant und frühzeitig mit Anwohnern sowie Grundstückseigentümern abgestimmt werden.

Bis zu 50.000 Tonnen Kohlendioxid weniger pro Jahr

Die bisherige Fernwärmeversorgung beider Städte verursacht nach Angaben der Projektpartner jährlich rund 50.000 Tonnen Kohlendioxid.

Emissionen sollen nahezu vollständig entfallen

Durch die Umstellung auf erneuerbare Wärme soll dieser Ausstoß bis 2030 weitgehend vermieden werden.

Damit wäre United Heat eines der größten kommunalen Klimaschutzprojekte in der Lausitz.

Einsparung muss realistisch berechnet werden

Entscheidend ist, ob bei der Klimabilanz sämtliche Faktoren berücksichtigt werden. Dazu gehören Bau, Transport, Strombedarf der Wärmepumpen, Biomassebereitstellung und Netzverluste.

Die Projektpartner sollten ihre Berechnungsgrundlagen öffentlich zugänglich machen.

Klimaneutral bedeutet nicht emissionsfrei

Auch erneuerbare Wärmeerzeugung verursacht indirekte Emissionen. Beim Bau von Anlagen und Leitungen entstehen ebenso Treibhausgase wie beim Transport von Biomasse oder bei der Herstellung technischer Komponenten.

Klimaneutralität bedeutet daher vor allem, dass die verbleibenden Emissionen stark reduziert und rechnerisch ausgeglichen werden.

Bauarbeiten werden den Verkehr jahrelang belasten

Zwölf Kilometer Leitungsbau lassen sich nicht ohne Einschränkungen umsetzen.

Cottbuser Straße und Brautwiesenplatz betroffen

Für den Anschluss des Siemens-Standortes sind umfangreiche Arbeiten im Bereich der Cottbuser Straße und des Brautwiesenplatzes angekündigt.

Weitere Straßenzüge werden folgen, wenn die bislang getrennten Wärmenetze miteinander verbunden werden.

Anwohner und Gewerbe brauchen frühzeitige Informationen

Sperrungen können Zufahrten, Parkplätze, Lieferverkehr und den öffentlichen Nahverkehr beeinträchtigen.

Die Stadtwerke sollten Bauabschnitte deshalb rechtzeitig veröffentlichen und nicht erst wenige Tage vor Beginn informieren.

Leitungsbau mit anderen Arbeiten verbinden

Wo Straßen ohnehin geöffnet werden, sollten möglichst gleichzeitig Wasser-, Strom-, Glasfaser- oder Abwasserleitungen geprüft und erneuert werden.

Mehrfaches Aufgraben derselben Straße innerhalb weniger Jahre wäre teuer und für Anwohner kaum vermittelbar.

Neue Stadtteile könnten Fernwärme erhalten

Durch den Netzausbau entstehen Möglichkeiten, zusätzliche Gebäude anzuschließen.

Fernwärmegebiete werden miteinander verbunden

Bislang existieren in Görlitz vier voneinander getrennte Versorgungsbereiche. Ihre Verbindung verbessert die Möglichkeit, Wärme zwischen den Stadtteilen zu verschieben.

Überschüsse aus einem Bereich können künftig leichter an anderer Stelle genutzt werden.

Weitere Kunden sind entlang der Trasse möglich

Entlang der neuen Leitungen können zusätzliche Wohnhäuser, öffentliche Gebäude und Unternehmen angeschlossen werden. Die Stadtwerke werben bereits mit einem kostenlosen Hausanschluss und einer Abwrackprämie von bis zu 5.000 Euro für bestehende Heizungen. Das Angebot gilt nach derzeitiger Planung bis Ende 2026 und nur im verfügbaren Rahmen.

Hausbesitzer sollten dennoch genau prüfen, welche langfristigen Preise und Vertragsbedingungen gelten.

Anschlusszwang wäre politisch sensibel

Ob Grundstückseigentümer künftig zum Anschluss verpflichtet werden könnten, hängt von kommunalen Satzungen und der konkreten Wärmeplanung ab.

Ein möglicher Anschluss- und Benutzungszwang müsste gut begründet werden. Bürger dürfen nicht erst nach Abschluss der Bauarbeiten erfahren, welche Verpflichtungen auf sie zukommen.

Wird Fernwärme für Kunden günstiger?

Diese Frage dürfte für viele Haushalte wichtiger sein als die technische Konstruktion.

Hohe Förderung senkt Investitionsdruck

Bundes- und EU-Mittel übernehmen einen erheblichen Teil der Projektkosten. Das kann verhindern, dass sämtliche Investitionen unmittelbar über Wärmepreise refinanziert werden müssen.

Eine Garantie für dauerhaft niedrige Preise ist damit jedoch nicht verbunden.

Betriebskosten bleiben entscheidend

Wärmepumpen benötigen viel Strom. Biomasse muss eingekauft und transportiert werden. Anlagen, Speicher und Leitungen verursachen Wartungs- und Personalkosten.

Wie sich diese Faktoren entwickeln, wird den späteren Wärmepreis wesentlich bestimmen.

Fernwärmekunden können Anbieter kaum wechseln

Anders als beim Strom oder Gas gibt es in einem Fernwärmegebiet meistens keinen Wettbewerb zwischen mehreren Netzanbietern.

Umso wichtiger sind transparente Preisformeln, nachvollziehbare Grundpreise und eine wirksame öffentliche Kontrolle.

Grenzüberschreitender Betrieb ist juristisch anspruchsvoll

Wärme soll künftig regelmäßig zwischen Deutschland und Polen fließen.

Unterschiedliche Gesetze und Standards

Deutschland und Polen besitzen unterschiedliche Steuer-, Energie-, Bau- und Fördervorschriften.

Auch technische Normen, Genehmigungsverfahren und Zuständigkeiten müssen miteinander abgestimmt werden.

Gemeinsames Unternehmen ist geplant

Die Stadtwerke Görlitz und der polnische Versorger SEC Zgorzelec planen ein gemeinsames Unternehmen für Teile des Projekts.

Dieses Gemeinschaftsunternehmen soll voraussichtlich den grenzüberschreitenden Betrieb und zentrale wirtschaftliche Fragen organisieren.

Verantwortung bei Störungen muss eindeutig sein

Kommt es zu einer Unterbrechung, muss klar sein, welcher Betreiber zuständig ist, wer Kunden informiert und wie Kosten verteilt werden.

Solche Fragen müssen vertraglich geklärt sein, bevor die Netze vollständig verbunden werden.

Versorgungssicherheit darf nicht vom Nachbarland abhängen

Die technische Verbindung schafft Vorteile, aber auch neue Abhängigkeiten.

Gemeinsames Netz erhöht Flexibilität

Wenn eine Anlage ausfällt, kann Wärme aus einem anderen Teil des Gesamtsystems geliefert werden.

Das kann die Versorgung robuster machen als mehrere kleine, voneinander isolierte Netze.

Nationale Reservekapazitäten bleiben notwendig

Weder Görlitz noch Zgorzelec dürfen vollständig darauf angewiesen sein, dass jederzeit Wärme von der jeweils anderen Seite geliefert wird.

Extremwetter, technische Schäden oder politische Krisen können grenzüberschreitende Systeme belasten. Lokale Reserve- und Spitzenlastanlagen bleiben deshalb unverzichtbar.

Cyberangriffe werden zum Risiko

Je stärker Erzeugung und Netze digital gesteuert werden, desto größer wird die Bedeutung von IT-Sicherheit.

Ein Angriff auf zentrale Steuerungssysteme könnte im Winter erhebliche Folgen haben. Schutzkonzepte müssen daher von Beginn an Teil des Projekts sein.

United Heat ist mehr als ein Klimaprojekt

Die gemeinsame Fernwärme besitzt eine hohe politische Symbolkraft.

Geteilte Stadt erhält gemeinsame Infrastruktur

Görlitz und Zgorzelec waren bis 1945 eine Stadt. Die Neiße und die deutsch-polnische Grenze trennten anschließend Verwaltung, Versorgung und Stadtentwicklung.

Mit United Heat entsteht erstmals eine gemeinsame technische Lebensader, die beide Seiten dauerhaft miteinander verbindet.

Europastadt wird praktisch erlebbar

Der Begriff Europastadt wirkt für manche Bürger abstrakt. Eine gemeinsame Wärmeversorgung zeigt dagegen konkret, welchen Nutzen grenzüberschreitende Zusammenarbeit haben kann.

Heizkörper unterscheiden nicht danach, auf welcher Seite der Grenze die Energie erzeugt wurde.

Projekt kann Vorbild für andere Grenzregionen werden

Sollte United Heat zuverlässig und wirtschaftlich funktionieren, könnten andere europäische Doppelstädte ähnliche Modelle prüfen.

Görlitz und Zgorzelec würden damit nicht nur Fördermittel empfangen, sondern selbst technisches Wissen und Erfahrungen weitergeben.

Was bis 2030 noch geschehen muss

Der erste Spatenstich ist nur der Beginn.

Verbindungsleitungen vollständig bauen

Die zwölf Kilometer Trasse müssen geplant, genehmigt, ausgeschrieben und abschnittsweise errichtet werden.

Neue Erzeugungsanlagen fertigstellen

Großwärmepumpen, Solarthermie, Biomasseanlagen, Speicher und Abwärmesysteme müssen rechtzeitig zur Verfügung stehen.

Bestehende Netze technisch anpassen

Temperaturen, Drücke und Regelungstechnik müssen zwischen unterschiedlichen Netzen abgestimmt werden.

Grenzüberschreitenden Betrieb organisieren

Verträge, Abrechnung, Steuerfragen und Zuständigkeiten müssen dauerhaft funktionieren.

Kunden gewinnen

Ohne ausreichende Anschlusszahlen lassen sich große Netze wirtschaftlich schwer betreiben. Die Stadtwerke müssen deshalb Eigentümer und Unternehmen überzeugen, ihre bestehenden Heizsysteme aufzugeben.

Kostensteigerungen bleiben das größte Risiko

Große Infrastrukturprojekte werden häufig teurer als ursprünglich geplant.

Baupreise können weiter steigen

Stahl, Rohre, Spezialtechnik und Tiefbauleistungen unterliegen erheblichen Preisschwankungen.

Verzögerungen können dadurch zusätzliche Kosten auslösen.

Förderquoten decken nicht jede Mehrbelastung

Steigt der Gesamtpreis, erhöhen sich Fördermittel nicht automatisch im gleichen Umfang.

Der verbleibende Anteil könnte bei den Projektgesellschaften und damit mittelbar bei Kunden oder kommunalen Eigentümern landen.

Öffentliches Kostencontrolling notwendig

Die Stadtwerke sollten mindestens jährlich über Projektkosten, Fördermittelabruf, Zeitplan und Risiken berichten.

Bei einem Projekt von fast 200 Millionen Euro reicht es nicht, nur Erfolge in Pressemitteilungen hervorzuheben.

Europa muss sich auch an der Heizkostenabrechnung beweisen

United Heat ist ein mutiges Projekt. Görlitz und Zgorzelec zeigen, dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit mehr sein kann als gemeinsame Feste, Partnerschaftserklärungen und politische Reden.

Die Verbindung der Wärmenetze kann Versorgungssicherheit erhöhen, fossile Energie ersetzen und die beiden Teile der Europastadt praktisch zusammenführen. Das verdient Anerkennung.

Doch 195 Millionen Euro sind kein Symbolbetrag. Die Bürger haben Anspruch darauf zu erfahren, wie sich die Kosten entwickeln, welche Straßen betroffen sind und was die Wärme später tatsächlich kostet.

Klimaneutralität allein reicht als Versprechen nicht aus. Die Versorgung muss bezahlbar, technisch zuverlässig und unabhängig von einzelnen Energiequellen bleiben. Auch die Nachhaltigkeit der Biomasse und die Auswirkungen der Seewärmepumpe müssen offen geprüft werden.

Gelingt das, kann Görlitz zu einem europäischen Vorbild werden. Scheitert das Projekt an Kostensteigerungen, Zeitverzug oder hohen Wärmepreisen, bleibt von der großen Vision vor allem eine teure Baustelle.

Europa wird in Görlitz künftig nicht nur an Brücken und Städtepartnerschaften gemessen. Es wird sich auch auf der Heizkostenabrechnung beweisen müssen.