Autofahrer in Sachsen und Thüringen müssen derzeit besonders tief in die Tasche greifen. Nach einer Auswertung des ADAC wurden in beiden Freistaaten am Donnerstag die bundesweit höchsten Durchschnittspreise für Super E10 festgestellt. Der Automobilclub hält den zuletzt gestiegenen Rohölpreis zwar für einen Teil der Erklärung, sieht darin aber keine ausreichende Begründung für das gesamte Preisniveau.
Der ADAC vermutet, dass Mineralölunternehmen zusätzlich auf die beginnende Sommerreisewelle reagieren. Wenn mehr Menschen in den Urlaub fahren, steigt die Nachfrage nach Kraftstoff. Genau zu solchen Zeiten erleben Autofahrer regelmäßig, dass die Preise an den Zapfsäulen schneller steigen als es die Entwicklung des Rohölpreises allein erwarten ließe.
Für Bewohner ostdeutscher Großstädte ist ein hoher Kraftstoffpreis bereits ärgerlich. In weiten Teilen Sachsens und Thüringens wird daraus jedoch eine unmittelbare Belastung des Alltags. Wer in einer Kleinstadt oder einem Dorf lebt, hat häufig keine brauchbare Alternative zum Auto. Arbeitsplätze, Schulen, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und Behörden liegen oft viele Kilometer entfernt.
Sachsen und Thüringen bei Super E10 an der Spitze
Der MDR berichtete am 17. Juli, dass Sachsen und Thüringen beim Preis für Super E10 am Vortag bundesweit am teuersten waren. Konkrete landesweite Durchschnittspreise wurden in der aktuellen Kurzmeldung zunächst nicht genannt. Fest steht jedoch, dass beide Länder über dem Niveau der übrigen Bundesländer lagen.
Die Entwicklung passt in ein länger bestehendes Bild. Bereits bei früheren Bundesländervergleichen fielen ostdeutsche Flächenländer immer wieder durch vergleichsweise hohe Preise an Straßentankstellen auf. Als mögliche Ursache gilt unter anderem eine geringere Dichte konkurrierender Tankstellen in dünner besiedelten Regionen.
Weniger Wettbewerb kann Preise erhöhen
In Ballungsräumen befinden sich häufig mehrere Tankstellen unterschiedlicher Anbieter in kurzer Entfernung. Kunden können leichter vergleichen und bei Bedarf wenige Kilometer weiterfahren.
Auf dem Land ist die Lage anders. Befindet sich im näheren Umfeld nur eine einzige Tankstelle, besitzt der Betreiber einen größeren Preisspielraum. Die nächste günstigere Station kann 15 oder 20 Kilometer entfernt liegen.
Eine längere Fahrt nur zum Tanken lohnt sich jedoch nicht immer. Der eingesparte Betrag wird teilweise bereits auf dem Hin- und Rückweg verbraucht. Dadurch bleibt vielen Autofahrern kaum eine echte Wahl.
Bundesweit sind Benzin und Diesel stark gestiegen
Die hohen Preise in Sachsen und Thüringen stehen innerhalb eines allgemeinen Aufwärtstrends. Nach Angaben des ADAC verteuerte sich Diesel innerhalb von zehn Tagen bundesweit um 18,6 Cent pro Liter. Super E10 stieg im selben Zeitraum um 10,1 Cent.
Am Mittwoch lag der bundesweite Tagesdurchschnitt demnach bei 2,117 Euro je Liter Super E10. Diesel kostete durchschnittlich 2,132 Euro. Damit war Diesel erstmals seit Mitte Mai wieder teurer als E10.
Die Entwicklung zeigt, wie schnell sich internationale Krisen und nationale Steuerentscheidungen an den Tankstellen bemerkbar machen können.
Ölpreis ist gestiegen
Als wichtiger Faktor gilt die Eskalation im Iran-Konflikt. Sie ließ die Rohölpreise wieder anziehen. Höhere Beschaffungskosten wirken sich grundsätzlich auf Benzin und Diesel aus.
Der ADAC bestreitet diesen Zusammenhang nicht. Der Automobilclub hält das aktuelle Preisniveau jedoch für überhöht und sieht einen größeren Spielraum nach unten.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen den bekannten Mechanismus, dass Preissteigerungen an den internationalen Märkten häufig sehr schnell an Autofahrer weitergegeben werden. Bei sinkenden Rohölpreisen dauert es dagegen oft länger, bis sich die Entlastung an den Zapfsäulen zeigt.
Ende des Tankrabatts wirkt weiter nach
Zusätzlichen Druck brachte das Ende des befristeten Tankrabatts zum 30. Juni 2026. Seit dem 1. Juli gilt wieder die reguläre Energiesteuer.
Nach Berechnungen des ADAC verteuerte sich Super E10 in der ersten Juliwoche gegenüber der Vorwoche um 10,1 Cent je Liter. Diesel stieg um 9,4 Cent. Der Automobilclub bezeichnete das Preisniveau bereits zu diesem Zeitpunkt als ungerechtfertigt hoch.
Der frühere Tankrabatt hatte Kraftstoffe für zwei Monate steuerlich entlastet. Mit seinem Ende war ein Preissprung grundsätzlich erwartet worden.
Entlastung war nur vorübergehend
Eine zeitlich begrenzte Steuersenkung löst das grundlegende Problem hoher Mobilitätskosten nicht. Nach ihrem Auslaufen kehren die Preise auf das vorherige Niveau zurück oder steigen durch zusätzliche Marktentwicklungen noch weiter.
Für Pendler entsteht dadurch keine langfristige Planungssicherheit. Sie wissen weder, wie hoch die Tankkosten im kommenden Monat sein werden, noch ob politische Entlastungen verlängert oder kurzfristig beendet werden.
Besonders Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen können solche Schwankungen nur schwer ausgleichen.
Ferienbeginn schafft zusätzlichen Preisdruck
Der ADAC vermutet, dass auch die Sommerreisewelle eine Rolle spielt. In der Ferienzeit steigt die Zahl längerer Autofahrten. Familien fahren in den Urlaub, Autobahnen sind voller und die Nachfrage an Tankstellen nimmt zu.
Für Mineralölunternehmen entsteht damit die Möglichkeit, höhere Preise am Markt durchzusetzen. Autofahrer können ihren Urlaubstermin häufig nicht verschieben und müssen vor der Reise tanken.
Nachfrage steigt vorhersehbar
Die Ferien beginnen nicht überraschend. Ihre Termine stehen lange im Voraus fest.
Preissprünge zu Ferienbeginn wirken deshalb aus Sicht vieler Verbraucher wie ein kalkulierter Aufschlag auf eine vorhersehbar steigende Nachfrage. Rechtlich sind solche Anpassungen nicht automatisch zu beanstanden. Politisch und gesellschaftlich werfen sie dennoch Fragen auf.
Gerade Familien müssen in der Urlaubszeit ohnehin höhere Ausgaben bewältigen. Steigende Kraftstoffpreise verteuern nicht nur die Fahrt, sondern über Transportkosten häufig auch weitere Waren und Dienstleistungen.
Ländliche Regionen trifft es besonders hart
Sachsen und Thüringen verfügen neben größeren Städten über weite ländliche Räume. Dort ist das Auto oft kein frei gewählter Luxus, sondern Voraussetzung für den Alltag.
Busse fahren teilweise nur wenige Male am Tag. Bahnstrecken wurden in den vergangenen Jahrzehnten ausgedünnt oder vollständig stillgelegt. Arbeitsplätze befinden sich häufig in Gewerbegebieten außerhalb der Ortszentren.
Pendler können nicht einfach umsteigen
Der Hinweis, bei hohen Spritpreisen Bus oder Bahn zu nutzen, greift in vielen Regionen zu kurz.
Wer in einem Dorf lebt und um sechs Uhr morgens in einer Fabrik, Pflegeeinrichtung oder Werkstatt beginnen muss, findet häufig keine passende öffentliche Verbindung. Auch Schichtarbeiter können mit starren Fahrplänen wenig anfangen.
Ein zuverlässiger öffentlicher Nahverkehr wäre eine echte Alternative. Solange er nicht vorhanden ist, bleiben die Betroffenen an das Auto gebunden.
Hohe Preise wirken wie eine zusätzliche Landsteuer
Menschen in dünn besiedelten Regionen fahren meist längere Strecken als Bewohner großer Städte. Sie legen mehr Kilometer zur Arbeit, zum Arzt, zum Einkauf oder zur Schule zurück.
Ein Preisaufschlag von zehn Cent pro Liter summiert sich deshalb schnell. Bei einer monatlichen Fahrleistung von 1.500 Kilometern, einem Verbrauch von sieben Litern auf 100 Kilometer und einem Aufschlag von zehn Cent entstehen rund 10,50 Euro zusätzliche Kosten im Monat.
Bei zwei Fahrzeugen, höheren Fahrleistungen oder größeren Preisunterschieden steigt die Belastung entsprechend.
Familien brauchen häufig zwei Autos
In ländlichen Haushalten reicht ein Fahrzeug oft nicht aus. Arbeiten beide Eltern an unterschiedlichen Orten oder zu unterschiedlichen Zeiten, sind häufig zwei Autos notwendig.
Hinzu kommen Fahrten zur Kinderbetreuung, zur Schule, zum Sportverein und zu Angehörigen.
Hohe Spritpreise treffen deshalb nicht nur einzelne Pendler. Sie beeinflussen die gesamte Entscheidung, ob eine Familie dauerhaft auf dem Land leben kann.
Auch Unternehmen zahlen mehr
Kraftstoffpreise betreffen nicht nur private Autofahrer. Handwerksbetriebe, Pflegedienste, Lieferunternehmen, Landwirtschaft und mobile Dienstleister sind täglich mit Fahrzeugen unterwegs.
Steigende Diesel- und Benzinpreise erhöhen ihre Betriebskosten. Diese Kosten müssen entweder vom Unternehmen getragen oder an Kunden weitergegeben werden.
Handwerk kann Fahrten nicht vermeiden
Ein Elektriker, Heizungsbauer oder Dachdecker kann seine Arbeit nicht ins Homeoffice verlegen. Fahrzeuge transportieren Mitarbeiter, Werkzeuge und Material zum Kunden.
Gerade kleine Betriebe verfügen nur über begrenzte Möglichkeiten, kurzfristige Kostensteigerungen aufzufangen.
Werden Anfahrtskosten erhöht, zahlen am Ende Hausbesitzer, Mieter oder Kommunen. Dadurch verbreitet sich der Effekt hoher Kraftstoffpreise weit über die Tankstelle hinaus.
Autobahntankstellen sind noch deutlich teurer
Zusätzlich zu den regionalen Unterschieden bestehen erhebliche Preisabstände zwischen Autobahn- und Straßentankstellen.
Eine ADAC-Auswertung ergab für Sachsen im Durchschnitt einen Unterschied von 36 Cent je Liter Super E10 und 37 Cent bei Diesel. In Thüringen lagen die Abstände bei 24 Cent für E10 und 23 Cent für Diesel.
Bei einer Tankfüllung von 50 Litern können Autofahrer in Sachsen dadurch bis zu 18,50 Euro mehr bezahlen, wenn sie direkt an der Autobahn tanken.
Abfahren kann sich lohnen
Der ADAC empfiehlt, die Autobahn zum Tanken möglichst zu verlassen. Bereits eine Tankstelle wenige Kilometer abseits der Strecke kann deutlich günstiger sein.
Reisende sollten die Preise jedoch vorher vergleichen. Ein langer Umweg kann einen Teil der Ersparnis wieder aufzehren.
Auch die Zeit spielt eine Rolle. Wer mit Kindern oder unter hohem Zeitdruck reist, nimmt möglicherweise bewusst höhere Preise in Kauf.
Zeitpunkt des Tankens beeinflusst den Preis
Seit Einführung neuer Preisregeln dürfen Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich anheben. Nach Angaben des ADAC geschieht dies häufig um die Mittagszeit.
Dadurch hat sich der typische Tagesverlauf verändert. Der Automobilclub empfiehlt derzeit, möglichst am späten Vormittag zu tanken. Gegen 11.30 Uhr seien die Preise häufig besonders niedrig.
Vergleich lohnt sich weiterhin
Trotz der veränderten Regelung unterscheiden sich die Preise zwischen benachbarten Tankstellen teilweise erheblich.
Verbraucher können Apps und Online-Vergleichsportale nutzen, um den günstigsten Anbieter in der Umgebung zu finden. Dabei sollten sie jedoch nicht während der Fahrt auf das Mobiltelefon schauen.
Die Preisbeobachtung ist eine kurzfristige Hilfe. Sie löst nicht das strukturelle Problem hoher Mobilitätskosten im ländlichen Raum.
Ostdeutsche Grenzregionen haben Ausweichmöglichkeiten
Für Bewohner in Grenznähe können Tankstellen in Polen oder Tschechien günstiger sein. Der ADAC weist regelmäßig darauf hin, dass Kraftstoff in mehreren Nachbarstaaten preiswerter angeboten wird als in Deutschland.
In Teilen Sachsens gehört das Tanken jenseits der Grenze seit Jahren zum Alltag.
Grenztanken hat Nebenwirkungen
Der Einkauf im Nachbarland kann Haushalte entlasten. Für deutsche Tankstellen in Grenzregionen bedeutet er jedoch einen Wettbewerbsnachteil.
Ein Teil der Kaufkraft wandert gemeinsam mit dem Tankkunden ins Ausland. Häufig werden dort zusätzlich Lebensmittel, Tabak oder weitere Waren gekauft.
Hohe deutsche Kraftstoffpreise belasten damit nicht nur Autofahrer, sondern können auch lokale Händler und Tankstellenbetriebe schwächen.
Elektromobilität ist noch keine Lösung für alle
Steigende Benzinpreise verstärken den politischen Druck, auf Elektroautos umzusteigen.
Für manche Haushalte kann ein E-Auto langfristig wirtschaftlich sinnvoll sein. Im ländlichen Raum bestehen jedoch weiterhin praktische Hürden.
Anschaffung bleibt teuer
Ein neues Elektrofahrzeug kostet trotz Förderung häufig erheblich mehr als ein gebrauchter Benziner oder Diesel.
Viele Haushalte kaufen keine Neuwagen, sondern Fahrzeuge im unteren oder mittleren Gebrauchtpreissegment. Dort ist das Angebot bezahlbarer Elektroautos noch begrenzt.
Auch Mieter ohne eigenen Stellplatz können nicht problemlos zu Hause laden. Öffentliche Ladepunkte sind in ländlichen Regionen weiterhin ungleich verteilt.
Politik muss Mobilität realistisch betrachten
Die Kraftstoffpreise zeigen erneut, dass Verkehrspolitik nicht allein aus Großstadtperspektive gestaltet werden darf.
Wer in Berlin, Dresden, Leipzig, Erfurt oder Jena lebt, kann häufiger auf Straßenbahn, S-Bahn oder Bus zurückgreifen. In kleinen Gemeinden gibt es diese Möglichkeiten nicht.
Entlastung muss zielgerichtet sein
Ein allgemeiner Tankrabatt ist teuer und kommt auch Menschen zugute, die keine Unterstützung benötigen.
Denkbar wären gezieltere Maßnahmen:
- stärkere steuerliche Berücksichtigung langer Arbeitswege,
- bessere Pendlerpauschalen für niedrige und mittlere Einkommen,
- Ausbau regionaler Bus- und Bahnangebote,
- Förderung von Fahrgemeinschaften,
- Unterstützung für kleine Unternehmen mit hohem Fahrbedarf,
- schnellere Verbesserung der Ladeinfrastruktur.
Entscheidend ist, dass politische Maßnahmen die tatsächliche Lebenslage der Menschen berücksichtigen.
Mineralölkonzerne müssen Preisbildung erklären
Der ADAC fordert seit Langem mehr Transparenz bei der Weitergabe von Rohöl- und Steuerveränderungen.
Für Verbraucher ist kaum nachvollziehbar, welcher Anteil des Tankstellenpreises auf Einkaufskosten, Steuern, Transport, Raffineriemargen oder Unternehmensgewinne entfällt.
Preissteigerungen kommen schneller an als Senkungen
Der wiederkehrende Eindruck lautet: Steigt der Ölpreis, reagieren die Zapfsäulen sofort. Fällt er, braucht die Entlastung deutlich länger.
Dieser sogenannte Raketen-und-Federn-Effekt beschädigt das Vertrauen in den Markt.
Die zuständigen Wettbewerbsbehörden sollten deshalb ungewöhnliche Preisbewegungen regelmäßig untersuchen und ihre Ergebnisse verständlich veröffentlichen.
Wie es weitergeht
Die weitere Entwicklung hängt vor allem vom Rohölpreis, der Lage im Nahen Osten, dem Reiseverkehr und der Preispolitik der Mineralölunternehmen ab.
Kurzfristig ist nicht sicher, ob die Preise weiter steigen oder sich stabilisieren. Der Ölpreis zeigte zuletzt keine weitere deutliche Bewegung, während die Kraftstoffpreise dennoch hoch blieben.
Autofahrer sollten deshalb Preise vergleichen, möglichst am späten Vormittag tanken und Autobahntankstellen meiden.
Hohe Spritpreise sind im Osten eine Standortfrage
Spritpreise werden häufig als individuelles Verbraucherproblem betrachtet. Für Sachsen und Thüringen geht es jedoch um mehr.
Hohe Mobilitätskosten schwächen ländliche Regionen. Sie verteuern Arbeit, Ausbildung, Pflege, Handwerk und Familienleben. Gleichzeitig erschweren sie es Unternehmen, Fachkräfte aus größeren Entfernungen zu gewinnen.
Solange der öffentliche Verkehr außerhalb der Städte keine verlässliche Alternative bietet, darf das Auto politisch nicht wie ein frei verzichtbares Luxusgut behandelt werden.
Die aktuellen Preise zeigen, wie stark ostdeutsche Pendler von internationalen Krisen, Steuerpolitik und der Marktmacht großer Mineralölunternehmen abhängig sind. Wer gleichwertige Lebensverhältnisse will, muss deshalb auch bezahlbare Mobilität im ländlichen Raum sichern.