Das vertraute Bild am Wolgaster Rathausplatz ist wieder vollständig: Der sanierte Glockenturm steht erneut auf dem Dach des Historischen Rathauses.
Ende April war die mehrere Meter hohe Konstruktion mit einem Kran abgehoben worden. Die Schäden am tragenden Holz waren so erheblich, dass die Standsicherheit gefährdet war. Ende Mai konnte der erneuerte Turm wieder auf das Dach gesetzt werden.
Damit erhielt eines der wichtigsten Bauwerke der Wolgaster Altstadt ein prägendes Detail zurück. Die Maßnahme war keine rein optische Verschönerung, sondern dringend notwendig, um eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu beseitigen.
Tragende Holzteile waren verfault
Die schweren Schäden waren bereits im Sommer 2024 während Arbeiten an der Fassade entdeckt worden.
Besonders betroffen waren die unteren Bereiche der tragenden Holzstiele. Nach Angaben der Stadt waren deren Füße verfault. Zur vorläufigen Sicherung mussten Notstützen und Metallkonstruktionen eingebaut werden. Das Türmchen war damit zeitweise nur noch gegen starke Winde und weitere Bewegungen gesichert.
Weiteres Abwarten war nicht vertretbar
Bei einem Bauteil auf dem Dach eines öffentlich genutzten Gebäudes kann eine gefährdete Tragkonstruktion nicht auf unbestimmte Zeit provisorisch abgestützt bleiben.
Der Rathausplatz liegt im Zentrum der Stadt und wird regelmäßig von Einwohnern, Touristen und Besuchern genutzt. Ein herabfallendes Bauteil hätte erhebliche Folgen haben können.
Die Stadtvertretung beschloss deshalb die Einleitung der notwendigen Vergabeverfahren für die Sanierung.
Turm wurde mit einem Kran abgenommen
Ende April begann der sichtbarste Teil der Arbeiten.
Die Konstruktion wurde vom Dach gelöst und mit einem Kran heruntergehoben. Anschließend konnte das geschädigte Holz unter kontrollierten Bedingungen untersucht, vermessen und weitgehend ersetzt werden.
Die neue Tragkonstruktion entstand nach dem Vorbild des vorhandenen Turms. Ein zuvor erstelltes genaues Aufmaß diente dabei als Grundlage.
Historische Form blieb erhalten
Die Sanierung sollte das Erscheinungsbild des Rathauses nicht verändern.
Der Turm wurde deshalb nicht modern umgestaltet, sondern in seiner bisherigen Form rekonstruiert. Auch die vorhandene Kuppel blieb erhalten und wurde auf das erneuerte Tragwerk gesetzt.
Damit bleibt der historische Charakter des Gebäudes gewahrt, während die gefährdeten Teile technisch erneuert wurden.
Neue Konstruktion besteht aus widerstandsfähigem Holz
Nach Angaben des Wolgaster Bürgermeisters Martin Schröter wurde die frühere Konstruktion durch eine neue Holzkonstruktion ersetzt.
Der NDR berichtet von Eichenholz. Die städtische Beschlussvorlage hatte zunächst Lärchenholz für das neue Tragwerk vorgesehen. Entscheidend ist, dass die stark geschädigten tragenden Teile vollständig erneuert wurden.
Holz bleibt zunächst naturbelassen
Die neue Konstruktion wurde zunächst nicht vollständig farblich an den Bestand angepasst.
Das Holz soll erst einige Zeit der Witterung ausgesetzt bleiben. Nach Angaben des Bürgermeisters ist ein späterer Anstrich vorgesehen. Der neue Turm kann deshalb vorübergehend heller und frischer wirken als die übrigen historischen Bauteile.
Diese optische Abweichung ist kein Fehler, sondern Teil des handwerklichen Vorgehens.
Rund drei Tonnen Holz für den neuen Aufbau
Nach regionalen Berichten wurden für die neue Konstruktion ungefähr drei Tonnen Eichenholz verarbeitet.
Der Turm wirkt vom Rathausplatz aus vergleichsweise klein. Tatsächlich ist die Konstruktion größer als ein Mensch und besitzt ein erhebliches Gewicht. Das Abnehmen und erneute Aufsetzen erforderte deshalb einen Kran und eine präzise Vorbereitung.
Nur wenige Wochen zwischen Abbau und Rückkehr
Zwischen dem Abheben Ende April und dem Wiederaufsetzen Ende Mai lagen nur rund vier Wochen.
Für ein historisches Bauteil mit individueller Holzkonstruktion war dies ein vergleichsweise kurzer Zeitraum. Die schnelle Fertigstellung verhinderte, dass das Rathaus über einen längeren Teil der Tourismussaison ohne seinen markanten Dachabschluss blieb.
Sanierung war mit 50.000 Euro veranschlagt
In der Beschlussvorlage der Stadt wurden für die eigentliche Sanierung des Glockenturms zunächst 50.000 Euro angesetzt.
Diese Summe umfasste den Abbau mit Kran, den Austausch des Holztragwerks, das Wiederaufsetzen, die neue Befestigung und die erforderlichen Arbeiten an der Metallabdeckung. Die Stadt bezeichnete dieses Vorgehen als wirtschaftlichste Möglichkeit, die Standsicherheit wiederherzustellen.
Rathaussanierung insgesamt wird teurer
Der Glockenturm ist nur ein Teil eines deutlich größeren Bauprojekts.
Das Historische Rathaus wird umfassend umgebaut und soll unter anderem barriereärmer sowie als Willkommens- und Servicezentrum nutzbar werden. Für das Gesamtprojekt musste die Stadt zusätzliche 220.000 Euro bereitstellen, um einen Baustopp und den möglichen Verlust von Fördermitteln zu verhindern.
Die Kostensteigerung betrifft damit nicht allein den Turm, sondern den umfassenderen Rathausumbau.
Rathaus soll zum Servicezentrum werden
Das rund 300 Jahre alte Gebäude wird derzeit für eine neue Nutzung vorbereitet.
Es soll künftig stärker als zentrale Anlaufstelle für Einwohner und Besucher dienen. Barrieren sollen reduziert und die vorhandenen Räume an heutige Anforderungen angepasst werden.
Denkmalschutz und moderne Nutzung zusammenbringen
Historische Gebäude stellen Städte regelmäßig vor einen schwierigen Ausgleich.
Einerseits müssen Fassaden, Raumstrukturen und charakteristische Bauteile erhalten bleiben. Andererseits erwarten Besucher barrierefreie Zugänge, zeitgemäße Technik und funktionierende Verwaltungsangebote.
Die Wolgaster Sanierung zeigt, dass Denkmalschutz nicht bedeuten darf, ein Gebäude nur äußerlich zu bewahren. Ein Denkmal bleibt langfristig vor allem dann erhalten, wenn es sinnvoll genutzt wird.
Der Turm stammt in seiner Form aus dem 18. Jahrhundert
Das heutige Erscheinungsbild des Historischen Rathauses entstand überwiegend nach der Zerstörung Wolgasts im Großen Nordischen Krieg.
Das Gebäude wurde zwischen 1718 und 1724 wiederaufgebaut. Der charakteristische Dachaufsatz beziehungsweise die Laterne kam um 1780 hinzu und prägt seitdem die Silhouette des Rathauses.
Wahrzeichen der Wolgaster Altstadt
Das Rathaus steht unmittelbar am historischen Marktplatz und gehört zu den bekanntesten Motiven der Stadt.
Zusammen mit der Petrikirche, dem Rathausplatz und den angrenzenden historischen Gebäuden bildet es das Zentrum der Altstadt. Für Besucher auf dem Weg zur Insel Usedom ist dieser Bereich ein sichtbarer Hinweis darauf, dass Wolgast mehr als eine Durchgangsstadt ist.
Der wiederhergestellte Turm stärkt deshalb nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern das gesamte Erscheinungsbild des Platzes.
Erhalt historischer Gebäude stärkt den Tourismus
Wolgast bezeichnet sich häufig als Tor zur Insel Usedom.
Viele Reisende durchqueren die Stadt, ohne länger zu bleiben. Eine gepflegte Altstadt kann dazu beitragen, dass mehr Urlauber einen Zwischenstopp einlegen, den Rathausplatz besuchen oder weiter zum Hafen und zur Schlossinsel gehen.
Stadtgeschichte muss sichtbar bleiben
Historische Gebäude erzählen die Entwicklung einer Stadt besser als jede moderne Informationstafel.
Das Rathaus erinnert an die Zerstörungen früherer Jahrhunderte, den Wiederaufbau und die Bedeutung Wolgasts als Verwaltungs- und Handelsort.
Der Erhalt solcher Gebäude ist deshalb keine nostalgische Nebensache. Er stärkt Identität, Tourismus und die Attraktivität der Innenstadt.
Handwerkliche Rekonstruktion statt beliebiger Ersatzlösung
Die beschädigte Konstruktion wurde nicht durch einen vereinfachten industriellen Aufbau ersetzt.
Das neue Tragwerk entstand nach dem historischen Vorbild. Die vorhandene Kuppel wurde weiterverwendet. Damit blieb möglichst viel von der ursprünglichen Gestaltung erhalten.
Traditionelles Handwerk bleibt unverzichtbar
Solche Sanierungen benötigen erfahrene Zimmerer, Dachdecker, Metallbauer und Restauratoren.
Standardbauteile aus einem gewöhnlichen Neubau reichen bei einem historischen Rathaus nicht aus. Maße, Verbindungen und Materialien müssen an den Bestand angepasst werden.
Die Rückkehr des Turms ist deshalb auch eine sichtbare Leistung des regionalen Handwerks.
Provisorische Reparaturen hätten das Problem nur verschoben
Die Stadt hätte versuchen können, einzelne geschädigte Holzbereiche erneut abzustützen oder teilweise auszubessern.
Nach der Bewertung der Verwaltung wäre dies jedoch keine dauerhaft wirtschaftliche Lösung gewesen. Das gesamte Tragwerk musste erneuert werden, um die Sicherheit verlässlich wiederherzustellen.
Gründliche Sanierung spart spätere Eingriffe
Ein vollständiger Austausch ist zunächst aufwendiger als eine kleine Reparatur.
Langfristig kann er jedoch günstiger sein, weil nicht nach wenigen Jahren erneut ein Kran aufgebaut und der Turm geöffnet werden muss.
Gerade bei schwer erreichbaren Dachbauteilen sollten Städte nicht nur die niedrigsten unmittelbaren Kosten betrachten, sondern die Haltbarkeit der Lösung.
Der Rathausplatz ist wieder vollständig
Mit dem erneuerten Turm besitzt das Historische Rathaus wieder seine vertraute Silhouette.
Für Einwohner mag das zunächst wie eine kleine bauliche Nachricht wirken. Tatsächlich stand zeitweise die Sicherheit eines wichtigen städtischen Wahrzeichens infrage.
Die Schäden wurden rechtzeitig entdeckt, der Turm wurde gesichert, abgenommen und nach historischem Vorbild wieder aufgebaut.
Wolgast investiert in sein historisches Zentrum
Die Rückkehr des Glockenturms ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Stadt ihre historische Mitte erhalten will.
Die Sanierung des gesamten Rathauses bleibt finanziell und organisatorisch anspruchsvoll. Kostensteigerungen müssen transparent erklärt und kontrolliert werden.
Dennoch wäre es kurzsichtig, das Gebäude verfallen zu lassen oder nur notdürftig zu sichern.
Das Historische Rathaus ist Teil des Gedächtnisses der Stadt. Mit dem erneuerten Turm ist Wolgasts Rathausplatz wieder vollständig – und ein gefährdetes Wahrzeichen für die kommenden Jahrzehnte gesichert.