Dessau-Roßlau. Wer in den vergangenen Jahren ein Unternehmen gegründet, einen bestehenden Betrieb übernommen oder den Schritt aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit gewagt hat, kann sich jetzt um den Gründerpreis der Stadt Dessau-Roßlau bewerben.

Der Wettbewerb für das Jahr 2027 ist am 1. Juli 2026 offiziell gestartet. Bewerbungen werden noch bis zum 31. Dezember 2026 angenommen. Gesucht werden junge Unternehmen mit technologischen, ökologischen, gesellschaftlichen oder sozialen Innovationen.

Mit dem Preis will die Stadt unternehmerischen Mut würdigen, neue Geschäftsideen sichtbarer machen und das Gründungsgeschehen in Dessau-Roßlau stärken.

Drei Preise im Gesamtwert von mehr als 6.000 Euro

Im Rahmen des Wettbewerbs werden insgesamt drei Auszeichnungen vergeben.

Die Gewinner erhalten Geld- und Sachpreise mit einem Gesamtwert von mehr als 6.000 Euro. Zusätzlich bekommt jeder Preisträger eine einjährige Mitgliedschaft bei den Wirtschaftsjunioren Dessau. Dadurch sollen die jungen Unternehmer nicht nur einmalig ausgezeichnet, sondern auch stärker mit anderen Unternehmen und Entscheidungsträgern der Region vernetzt werden.

Gerade für kleine Firmen kann ein solches Netzwerk wertvoller sein als ein einzelnes Preisgeld.

Kontakte zu anderen Unternehmern, Banken, Hochschulen und möglichen Geschäftspartnern können helfen, neue Kunden zu gewinnen, Investitionen vorzubereiten oder Erfahrungen bei typischen Anfangsproblemen auszutauschen.

Diese Unternehmen können teilnehmen

Bewerben können sich eigenständige Kleinst- und Kleinunternehmen aus allen Branchen.

Voraussetzung ist, dass das Unternehmen seinen Sitz in Dessau-Roßlau hat, weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigt und nach dem 31. Dezember 2022 gegründet wurde. Damit richtet sich der Wettbewerb vor allem an Firmen, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden.

Ausdrücklich zugelassen sind auch:

  • Unternehmensnachfolgen,
  • Gründungen aus der Arbeitslosigkeit,
  • Gründungen von Berufsrückkehrern,
  • Unternehmen im Haupterwerb,
  • und Selbstständigkeiten im Nebenerwerb.

Die Stadt begrenzt den Wettbewerb damit nicht auf klassische Technologie-Start-ups.

Auch Handwerksbetriebe, soziale Unternehmen, Dienstleister, Händler, kreative Projekte oder moderne Nachfolgemodelle können grundsätzlich teilnehmen, sofern sie die genannten Voraussetzungen erfüllen und ein erkennbares Innovationspotenzial besitzen.

Innovation muss nicht immer eine neue App sein

Der Begriff Innovation wird häufig ausschließlich mit Software, künstlicher Intelligenz oder digitalen Plattformen verbunden.

Für eine Stadt wie Dessau-Roßlau wäre eine solche Sicht zu eng.

Innovativ kann auch ein Handwerksbetrieb sein, der neue Produktionsverfahren einführt, Material spart oder Fachkräfte auf ungewöhnliche Weise gewinnt. Ein Pflegedienst kann mit einem neuen Versorgungskonzept gesellschaftliche Probleme lösen. Ein Einzelhändler kann regionale Produkte und digitale Bestellung sinnvoll verbinden.

Auch Unternehmensnachfolgen können innovativ sein.

Wer einen älteren Betrieb übernimmt, Arbeitsplätze erhält und das Geschäftsmodell modernisiert, leistet möglicherweise einen größeren Beitrag zur Stadt als eine spektakulär klingende Gründung, die nach kurzer Zeit wieder verschwindet.

Nachfolge wird für viele Betriebe zur Überlebensfrage

Die ausdrückliche Zulassung von Unternehmensnachfolgen ist besonders wichtig.

Viele Inhaber kleiner und mittelständischer Betriebe erreichen in den kommenden Jahren das Rentenalter. Finden sie keinen Nachfolger, drohen Schließungen – selbst wenn das Unternehmen wirtschaftlich gesund ist.

Betroffen sein können:

  • Handwerksbetriebe,
  • Arztpraxen,
  • Einzelhändler,
  • Gaststätten,
  • Dienstleistungsunternehmen,
  • und Industriezulieferer.

Mit jeder Schließung gehen Fachwissen, Ausbildungsplätze, Kundenbeziehungen und häufig auch mehrere Arbeitsplätze verloren.

Eine erfolgreiche Übergabe an eine jüngere Generation ist deshalb wirtschaftlich oft ebenso wertvoll wie eine vollständige Neugründung.

Der Gründerpreis kann helfen, solche Übernahmen stärker in die Öffentlichkeit zu rücken.

Stadt braucht neue Arbeitgeber

Dessau-Roßlau steht vor einer schwierigen demografischen Entwicklung.

Die Stadt verliert Einwohner, insbesondere jüngere Menschen ziehen für Ausbildung, Studium oder Arbeit in andere Regionen. Gleichzeitig benötigen bestehende Unternehmen Fachkräfte und Nachfolger.

Neue Unternehmen können diesem Trend entgegenwirken.

Sie schaffen im besten Fall:

  • Arbeitsplätze,
  • Ausbildungsstellen,
  • Gewerbesteuereinnahmen,
  • neue Dienstleistungen,
  • und Perspektiven für junge Einwohner.

Nicht jede Gründung wird sofort mehrere Menschen beschäftigen. Viele Selbstständige beginnen allein oder im Nebenerwerb.

Auch daraus können jedoch stabile Betriebe entstehen.

Entscheidend ist, dass Gründer in Dessau-Roßlau einen Standort finden, an dem sie bezahlbare Räume, Beratung, Fachkräfte und eine funktionierende Infrastruktur vorfinden.

Preis allein löst Gründungsprobleme nicht

Der Gründerpreis ist ein sinnvolles Instrument der Anerkennung.

Er darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass junge Unternehmen vor deutlich größeren Herausforderungen stehen.

Dazu gehören:

  • Finanzierung,
  • hohe Energie- und Personalkosten,
  • Bürokratie,
  • langwierige Genehmigungen,
  • Fachkräftemangel,
  • Kundengewinnung,
  • und Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung.

Ein Preisgeld von einigen Tausend Euro kann ein Projekt unterstützen, aber keine strukturellen Probleme lösen.

Für den Wirtschaftsstandort ist deshalb entscheidend, wie die Stadt Gründer außerhalb des Wettbewerbs begleitet.

Benötigt werden schnelle Ansprechpartner, verständliche Verfahren und eine Verwaltung, die Probleme nicht nur weiterleitet, sondern möglichst praktisch löst.

Hochschule Anhalt als wichtiger Partner

Zu den Partnern des Gründerpreises gehört auch die Hochschule Anhalt.

Hochschulen spielen für Gründungen eine wichtige Rolle. Studierende und Wissenschaftler entwickeln Produkte, Dienstleistungen und technische Lösungen, aus denen Unternehmen entstehen können.

Dessau-Roßlau besitzt dabei besondere Potenziale in Bereichen wie:

  • Architektur und Design,
  • Bauhaus und Kreativwirtschaft,
  • nachhaltiges Bauen,
  • digitale Gestaltung,
  • Kultur,
  • Tourismus,
  • und soziale Innovationen.

Die Herausforderung besteht darin, Absolventen nach ihrem Studium in der Region zu halten.

Ein junger Gründer benötigt nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern häufig Büroräume, Kontakte, Kapital und ein persönliches Umfeld, in dem er dauerhaft leben möchte.

Der Gründerpreis kann Aufmerksamkeit schaffen. Die eigentliche Bindung entsteht jedoch durch gute Standortbedingungen.

Breites Bündnis unterstützt den Wettbewerb

Veranstaltet wird der Preis vom Amt für Wirtschaft und Stadtplanung der Stadt Dessau-Roßlau gemeinsam mit mehreren regionalen Partnern.

Beteiligt sind unter anderem:

  • die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau,
  • der Wirtschafts- und Industrieclub Dessau,
  • die Stadtsparkasse Dessau,
  • die Wirtschaftsjunioren Dessau,
  • die Hochschule Anhalt,
  • und die Stadtmarketinggesellschaft Dessau-Roßlau.

Diese Zusammensetzung verbindet Verwaltung, Wirtschaft, Finanzierung, Hochschule und Stadtmarketing.

Für die Gewinner bietet sich dadurch die Chance, nicht nur öffentlich ausgezeichnet, sondern auch in bestehende Unternehmensnetzwerke aufgenommen zu werden.

Wichtig ist, dass diese Unterstützung nach der Preisverleihung weitergeht.

Ein einmaliger Fototermin hilft jungen Unternehmern nur begrenzt. Sie benötigen Kontakte und Beratung häufig über mehrere Jahre.

Öffentlichkeitswirkung kann neue Kunden bringen

Für kleine Unternehmen ist Sichtbarkeit ein zentraler Erfolgsfaktor.

Viele Gründer verfügen über gute Produkte oder Dienstleistungen, haben aber nur ein begrenztes Werbebudget. Eine Auszeichnung durch die Stadt kann deshalb zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen.

Berichte in regionalen Medien, Veranstaltungen und die Verbindung mit bekannten Wirtschaftspartnern können neue Kunden oder Kooperationspartner auf ein Unternehmen aufmerksam machen.

Der Wettbewerb sollte dabei nicht nur die späteren Gewinner vorstellen.

Auch geeignete Bewerber, die keinen der drei Hauptpreise erhalten, könnten über Gründernetzwerke oder Veranstaltungsformate sichtbar gemacht werden – selbstverständlich nur mit ihrem Einverständnis.

Dadurch würde der Wettbewerb einen größeren Nutzen für die gesamte lokale Gründerszene entfalten.

Auswahlkriterien sollten nachvollziehbar sein

Für die Glaubwürdigkeit des Preises ist entscheidend, nach welchen Maßstäben die Bewerbungen bewertet werden.

Neben der Geschäftsidee sollten unter anderem berücksichtigt werden:

  • wirtschaftliche Tragfähigkeit,
  • Innovationsgrad,
  • regionale Wertschöpfung,
  • geschaffene oder geplante Arbeitsplätze,
  • gesellschaftlicher Nutzen,
  • Nachhaltigkeit,
  • und langfristige Standortbindung.

Eine spektakuläre Präsentation darf nicht wichtiger sein als ein belastbares Geschäftsmodell.

Auch kleine, bodenständige Unternehmen sollten realistische Chancen besitzen, wenn sie ein Problem gut lösen, Arbeitsplätze schaffen oder eine bestehende Versorgungslücke schließen.

Die Stadt sollte deshalb die Bewertungskriterien möglichst transparent darstellen.

Preisverleihung im Frühsommer 2027

Die Auszeichnungen sollen im Frühsommer 2027 vergeben werden. Ein genauer Termin steht derzeit noch nicht fest.

Zwischen Bewerbungsschluss und Preisverleihung liegen damit mehrere Monate.

Diese Zeit wird benötigt, um die Unterlagen zu prüfen, Bewerber zu bewerten und die Gewinner auszuwählen.

Für teilnehmende Unternehmen ist wichtig, ihre Bewerbung nicht bis zum letzten Tag aufzuschieben.

Ein überzeugender Antrag sollte klar darstellen:

  • welches Problem das Unternehmen löst,
  • was an der Idee besonders ist,
  • wie sich der Betrieb bisher entwickelt hat,
  • welche Ziele für die kommenden Jahre bestehen,
  • und welchen Nutzen Dessau-Roßlau von der Gründung hat.

Auch Nebenerwerbsgründer erhalten eine Chance

Dass auch Gründungen im Nebenerwerb teilnehmen dürfen, ist ausdrücklich zu begrüßen.

Viele Menschen beginnen ihre Selbstständigkeit zunächst parallel zu einer abhängigen Beschäftigung. Dadurch können sie ihr Geschäftsmodell testen, erste Kunden gewinnen und das finanzielle Risiko begrenzen.

Aus einem kleinen Nebenerwerb kann später ein vollständiger Betrieb mit Mitarbeitern entstehen.

Solche schrittweisen Gründungen sind häufig weniger sichtbar als große Start-up-Projekte. Sie gehören aber zum wirtschaftlichen Alltag einer Stadt.

Der Gründerpreis kann zeigen, dass unternehmerischer Mut nicht erst bei einer großen Finanzierung oder mehreren Beschäftigten beginnt.

Gute Ideen müssen in Dessau-Roßlau bleiben können

Der Gründerpreis 2027 ist ein wichtiges Zeichen für junge Unternehmen.

Mehr als 6.000 Euro an Geld- und Sachpreisen, zusätzliche Netzwerkkontakte und öffentliche Aufmerksamkeit können Gründern helfen, ihren Betrieb weiterzuentwickeln.

Besonders positiv ist, dass der Wettbewerb nicht nur klassische Neugründungen berücksichtigt. Auch Unternehmensnachfolger, Berufsrückkehrer und Gründer aus der Arbeitslosigkeit oder im Nebenerwerb können teilnehmen.

Der Preis allein wird den Wirtschaftsstandort jedoch nicht verändern.

Entscheidend ist, dass Dessau-Roßlau jungen Unternehmen auch nach der Auszeichnung verlässliche Bedingungen bietet: bezahlbare Flächen, schnelle Entscheidungen, gute Beratung und eine Verwaltung, die Unternehmertum als Chance begreift.

Gelingt das, kann aus einer ausgezeichneten Idee ein dauerhafter Betrieb werden.

Und aus einem kleinen Gründer vielleicht der Arbeitgeber von morgen.