Der Wind hat die Lage im Müritz-Nationalpark wieder verschärft. Nachdem sich das Feuer zunächst von den umliegenden Ortschaften wegbewegt hatte, drehten die Böen am Dienstagabend erneut. Die Flammen rückten wieder in Richtung Granzin vor.

Die Behörden ließen deshalb Granzin und Granziner Mühle abermals räumen. Polizeibeamte gingen von Haus zu Haus und forderten die Bewohner auf, das Gebiet zu verlassen. Wer Hilfe benötigte, wurde von den Einsatzkräften begleitet. Für die Betroffenen stehen im Bürgerzentrum von Peckatel Feldbetten, Getränke und Verpflegung bereit.

Feuer erfasst inzwischen rund 118 Hektar

Das ganze Ausmaß des Brandes wird erst langsam sichtbar. Nach Angaben der Einsatzleitung umfasst die brennende oder bereits vom Feuer erfasste Fläche inzwischen rund 118 Hektar. Die Feuerfront befand sich zuletzt etwa 1,4 Kilometer von Granzin entfernt.

Damit hat sich die betroffene Fläche innerhalb kurzer Zeit deutlich vergrößert. Zu Beginn des Brandes waren zunächst rund 24 Hektar gemeldet worden. Trockenheit, wechselnde Windrichtungen und schwer zugängliches Gelände begünstigen die Ausbreitung.

Rauch zieht durch die Region

Die Rauchwolke ist kilometerweit zu erkennen. Menschen in der Umgebung wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Urlauber und Ausflügler sollen den betroffenen Teil des Nationalparks weiträumig meiden.

Der Landkreis warnt ausdrücklich davor, das Gelände auf eigene Faust zu betreten. Das gilt nicht nur wegen des Feuers und der Rauchentwicklung. Unter dem Waldboden liegt eine Gefahr, die den Einsatz erheblich komplizierter macht.

Alte Munition zwingt Feuerwehr auf Abstand

Der Waldbrand wütet auf dem Gelände eines früheren Truppenübungsplatzes. Dort wird noch immer Altmunition vermutet. Bei großer Hitze können Geschosse, Granaten oder andere Kampfmittel explodieren.

Die Feuerwehr kann deshalb nicht einfach mit Fahrzeugen und Schläuchen bis an die Flammen heranfahren. Nach Angaben des Landkreises müssen die Einsatzkräfte einen Sicherheitsabstand von etwa 1.000 Metern einhalten. Selbst Beregnungsanlagen können nur außerhalb des gefährdeten Bereiches aufgebaut werden.

Löschen aus der Entfernung

Für die Feuerwehr bedeutet das einen Kampf unter ungewöhnlich schwierigen Bedingungen. Ein Bodenangriff unmittelbar an der Feuerlinie ist in weiten Teilen nicht möglich. Stattdessen müssen die Einsatzkräfte versuchen, die weitere Ausbreitung aus sicherer Entfernung zu begrenzen.

Entscheidend bleibt dabei der Wind. Dreht er, kann sich auch die Zugrichtung der Flammen innerhalb kurzer Zeit ändern. Genau das führte dazu, dass Granzin nach einer zwischenzeitlichen Entspannung erneut geräumt werden musste.

Rund 250 Feuerwehrleute im Einsatz

Etwa 250 Feuerwehrleute kämpfen derzeit gegen den Brand. Weitere Kräfte werden nachgefordert. Unterstützung kommt auch aus anderen Landkreisen. Bereits zu Beginn des Einsatzes traf unter anderem ein Spezialfahrzeug zur Waldbrandbekämpfung von der Insel Rügen ein.

Die Einsatzleitung rechnet nicht mit einem schnellen Ende. Nach Einschätzung des Landkreises werden die Löscharbeiten noch mehrere Tage dauern. Hoffnung richtet sich auf angekündigten Regen, der jedoch voraussichtlich erst am Donnerstag oder Freitag einsetzen wird.

Granzin bereits zum zweiten Mal geräumt

Für die Bewohner von Granzin ist es innerhalb weniger Tage bereits die zweite Evakuierung. Das Dorf war schon am Montagabend vollständig geräumt worden. Auch in Krienke und Speck wurden Vorbereitungen getroffen.

Als der Wind später nachließ, durften zahlreiche Menschen zunächst zurückkehren. Die Behörden baten sie allerdings, nach Möglichkeit noch in ihren Ausweichquartieren zu bleiben. Diese Vorsicht erwies sich als berechtigt: Am Dienstagabend verschärfte sich die Lage erneut.

Mecklenburg-Vorpommern erlebt eine Serie schwerer Brände

Der Brand im Müritz-Nationalpark ist kein Einzelfall. Bereits am Wochenende waren in Mecklenburg-Vorpommern mehrere große Getreidefelder in Flammen aufgegangen.

Bei Staven nahe Neubrandenburg breitete sich ein Feuer auf einem 45 Hektar großen Wintergerstenfeld rasch in Richtung des Ortes aus. Rund 50 Bewohner aus 38 Häusern mussten zeitweise evakuiert werden. Vier Feuerwehrleute und zwei Anwohner wurden verletzt.

Auch bei Klein Schwansee im Landkreis Nordwestmecklenburg brannten ein Mähdrescher und mehrere Hektar eines Gerstenfeldes. Rund 150 Einsatzkräfte verhinderten eine weitere Ausbreitung. Der entstandene Schaden wurde auf mehr als eine halbe Million Euro geschätzt.

Freiwillige Feuerwehren tragen die Hauptlast

Solche Einsätze zeigen, wie stark Mecklenburg-Vorpommern auf seine freiwilligen Feuerwehren angewiesen ist. Gerade in ländlichen Regionen sind es überwiegend ehrenamtliche Kräfte, die ihre Arbeitsplätze und Familien verlassen, wenn Sirenen und Meldeempfänger Alarm schlagen.

Beim Brand an der Müritz geht es nicht um einen gewöhnlichen Waldbrand. Die Mischung aus Trockenheit, drehendem Wind, Altmunition und der Nähe bewohnter Orte macht den Einsatz besonders gefährlich.

Nationalpark bleibt gesperrt

Der betroffene Bereich des Müritz-Nationalparks darf weiterhin nicht betreten werden. Das Verbot gilt ausdrücklich auch für Wanderer, Radfahrer, Naturbeobachter und Schaulustige.

Wer sich dem Einsatzgebiet nähert, gefährdet nicht nur sich selbst. Zusätzliche Personen auf Wegen und Zufahrten können Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst behindern. Die Zufahrten müssen für Löschfahrzeuge, Tankwagen und nachrückende Kräfte frei bleiben.

Bürgertelefon für Anwohner eingerichtet

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat für Betroffene ein Bürgertelefon eingerichtet. Die Nummern lauten:

0395 57087-8230
0395 57087-8070
0395 57087-8190

Dort erhalten Anwohner Informationen zur aktuellen Lage, zu Evakuierungen und zu den eingerichteten Notunterkünften.

Der Regen allein wird das Problem nicht lösen

Niederschläge könnten die Lage entspannen. Sie werden den Einsatz aber voraussichtlich nicht sofort beenden. In tiefen Bodenschichten, trockenem Totholz oder unter Wurzeln können Glutnester noch lange weiterbrennen.

Gerade auf munitionsbelastetem Gelände ist die Kontrolle solcher Stellen schwierig. Selbst wenn keine offenen Flammen mehr sichtbar sind, können Wind und steigende Temperaturen das Feuer erneut anfachen.

Für die Menschen rund um Granzin beginnt deshalb eine weitere unruhige Phase. Ob sie dauerhaft in ihre Häuser zurückkehren können, hängt nicht von einem einzelnen Löscherfolg ab. Entscheidend ist, ob es der Feuerwehr gelingt, die gesamte Feuerfront zu sichern – unter Bedingungen, die einen direkten Angriff kaum zulassen.