Magdeburg. Noch gehört Magdeburg nicht zu den deutschen Städten, in denen eine durchschnittliche Mietwohnung kaum noch unter vierstelligen Beträgen zu bekommen ist. Wer aus Berlin, Hamburg, München oder Leipzig an die Elbe zieht, empfindet das Preisniveau häufig weiterhin als vergleichsweise niedrig.

Für viele Magdeburger fühlt sich die Entwicklung jedoch anders an. Wer nach einer Trennung kurzfristig eine Wohnung sucht, für seine Familie mehr Platz benötigt oder eine barrierefreie Wohnung braucht, trifft zunehmend auf Angebote, die deutlich über älteren Bestandsmieten liegen.

Der seit dem 31. Januar 2026 gültige qualifizierte Mietspiegel soll für mehr Transparenz sorgen. Der Magdeburger Stadtrat hatte die Fortschreibung bereits am 4. Dezember 2025 anerkannt. Sie gilt längstens bis zum 30. Januar 2028. Die Stadt bietet dazu sowohl eine Broschüre als auch einen digitalen Mietspiegelrechner an.

Der neue Mietspiegel gilt bis Januar 2028

Der Mietspiegel ist ein wichtiges Werkzeug für Mieter und Vermieter.

Er bildet nicht einfach alle Internetangebote ab

Der qualifizierte Mietspiegel zeigt die ortsübliche Vergleichsmiete für Wohnungen mit bestimmten Merkmalen. Dazu zählen unter anderem Baujahr, Größe, Ausstattung und Wohnlage.

Er ist damit etwas anderes als ein durchschnittlicher Preis aus aktuellen Onlineanzeigen.

Bestandsmiete und Angebotsmiete unterscheiden sich deutlich

Viele Magdeburger leben in Verträgen, die bereits seit Jahren bestehen. Ihre Mieten liegen häufig unter den Preisen, die bei einem heutigen Wohnungswechsel verlangt werden.

Kommerzielle Marktauswertungen nennen für das zweite Quartal 2026 im Durchschnitt ungefähr 7,44 Euro je Quadratmeter. Andere Auswertungen der aktuellen Wohnungsangebote kommen auf etwa 8,76 Euro. Die Unterschiede entstehen unter anderem durch unterschiedliche Datensätze und Berechnungsmethoden.

Ein Durchschnitt sagt wenig über die einzelne Wohnung

Eine sanierte Altbauwohnung in Stadtfeld kann erheblich mehr kosten als eine unsanierte Wohnung in einem weniger gefragten Quartier.

Auch Aufzug, Balkon, Einbauküche, energetischer Zustand und Stellplatz beeinflussen den Preis.

Mieten sind innerhalb eines Jahres erneut gestiegen

Die aktuellen Marktdaten zeigen keinen explosionsartigen, aber einen klaren Anstieg.

Rund 3,3 Prozent Plus bei einer Angebotsauswertung

ImmobilienScout24 weist für das zweite Quartal 2026 im Durchschnitt rund 7,44 Euro je Quadratmeter aus. Im gleichen Quartal des Vorjahres waren es demnach etwa 7,20 Euro.

Bei einer 70 Quadratmeter großen Wohnung entspricht dieser Unterschied zunächst knapp 17 Euro im Monat.

Über mehrere Jahre summieren sich solche Steigerungen jedoch zu einer spürbaren Mehrbelastung.

Gute Wohnungen steigen stärker

Besonders gefragt sind modernisierte Wohnungen mit Balkon, Aufzug, guter Energiebilanz und kurzen Wegen zu Einkauf, Ärzten und öffentlichem Nahverkehr.

Bei solchen Angeboten liegt der Preis häufig deutlich über dem rechnerischen Stadtdurchschnitt.

Umziehen wird zum finanziellen Risiko

Wer eine günstige Bestandswohnung aufgibt, findet später möglicherweise kein vergleichbares Angebot mehr.

Das führt dazu, dass Menschen in Wohnungen bleiben, die eigentlich zu groß, zu klein oder nicht mehr altersgerecht sind.

Neubauwohnungen kosten landesweit fast 13 Euro

Besonders groß ist der Abstand zwischen älteren Beständen und neuen Gebäuden.

Neubau-Angebotsmieten stiegen stark

Der Wohnungs- und Mietmarktbericht Sachsen-Anhalt nennt für neue Wohnungen landesweit eine durchschnittliche Angebotsmiete von rund 12,90 Euro je Quadratmeter. Seit 2015 entspricht das einem Anstieg von ungefähr 80 Prozent. In einzelnen Städten wurden sogar Werte über 15 Euro beobachtet.

Für Magdeburg bedeutet das: Der Neubau schafft zwar moderne Wohnungen, ist aber ohne Förderung kaum noch günstig anzubieten.

70 Quadratmeter können mehr als 900 Euro kalt kosten

Bei 12,90 Euro je Quadratmeter kostet eine 70-Quadratmeter-Wohnung rechnerisch 903 Euro Nettokaltmiete.

Dazu kommen Betriebskosten, Heizung, Strom, Internet und möglicherweise ein Stellplatz.

Normalverdiener geraten unter Druck

Eine einzelne Person mit mittlerem Einkommen kann eine solche Wohnung häufig nur bezahlen, wenn sie einen sehr großen Teil ihres Nettolohns fürs Wohnen einsetzt.

Auch Familien müssen genau rechnen, selbst wenn zwei Einkommen vorhanden sind.

Sachsen-Anhalt hat Leerstand – Magdeburg trotzdem Nachfrage

Auf den ersten Blick wirkt die Lage widersprüchlich.

Landesweit stehen viele Wohnungen leer

Sachsen-Anhalt besitzt nach dem aktuellen Wohnungs- und Mietmarktbericht eine Leerstandsquote von rund 8,9 Prozent. Damit liegt das Land deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Dieser Wert verteilt sich jedoch sehr ungleich.

Nachfrage konzentriert sich auf größere Städte

Während zahlreiche ländliche Gemeinden Einwohner verlieren, bleibt die Nachfrage in Magdeburg, Halle und einigen weiteren Städten stabil oder steigt.

Arbeitsplätze, Hochschulen, Kliniken, Behörden und Kulturangebote ziehen Menschen in die Zentren.

Eine leere Wohnung auf dem Land löst Magdeburgs Problem nicht

Eine sanierungsbedürftige Wohnung in einer schlecht angebundenen Kleinstadt ist kein unmittelbarer Ersatz für eine Wohnung nahe Universität, Arbeitsplatz oder Klinikum in Magdeburg.

Wohnraum ist nicht beliebig austauschbar. Lage, Größe, Zustand und Infrastruktur entscheiden über die tatsächliche Nachfrage.

Magdeburg braucht andere Wohnungen als viele Landkreise

Die Bevölkerungsstruktur verändert den Bedarf.

Kleine Haushalte dominieren

Knapp 80 Prozent der Haushalte in Sachsen-Anhalt bestehen aus einer oder zwei Personen. Fast 45 Prozent sind Singlehaushalte. In größeren Städten wie Magdeburg ist der Anteil kleiner Haushalte besonders hoch.

Deshalb werden vor allem kleinere und gut geschnittene Wohnungen benötigt.

Familien suchen trotzdem größere Grundrisse

Gleichzeitig fehlen bezahlbare Drei-, Vier- und Fünfraumwohnungen in gut angebundenen Lagen.

Eine Stadt darf den gesamten Neubau nicht ausschließlich auf Singles und kleinere Seniorenwohnungen ausrichten.

Wohnung und Haushalt passen oft nicht mehr zusammen

Ältere Menschen leben teilweise allein in großen Wohnungen ohne Aufzug. Junge Familien suchen gleichzeitig vergeblich nach größeren bezahlbaren Einheiten.

Ein freiwilliger Wohnungstausch könnte helfen, funktioniert aber nur, wenn die kleinere Wohnung wirklich günstiger, barrierefrei und in vertrauter Umgebung liegt.

Barrierefreie Wohnungen werden zum zentralen Thema

Sachsen-Anhalt wird älter. Das verändert auch Magdeburg.

Aufzüge fehlen in vielen Beständen

Zahlreiche Wohnhäuser wurden zu einer Zeit gebaut, in der Barrierefreiheit kaum berücksichtigt wurde.

Eine gute Wohnung im dritten oder vierten Stock verliert ihren Wert für ältere Bewohner, wenn kein Aufzug vorhanden ist.

Neubau allein reicht nicht

Es wäre zu teuer und zu langsam, den gesamten altersgerechten Bedarf nur durch neue Häuser zu decken.

Auch vorhandene Bestände müssen durch Aufzüge, schwellenarme Zugänge, breitere Türen und angepasste Bäder verbessert werden.

Bezahlbarkeit darf nicht verloren gehen

Eine umfassende Modernisierung erhöht den Wert eines Gebäudes, kann aber auch zu höheren Mieten führen.

Die Eigentümer müssen deshalb zwischen technischer Verbesserung und sozialer Tragbarkeit abwägen.

Studenten finden Magdeburg noch vergleichsweise günstig

Für Studierende bleibt Magdeburg im bundesweiten Vergleich attraktiv.

Musterwohnung kostet ungefähr 370 Euro

Der MLP-Studentenwohnreport 2025 berechnete für Magdeburg eine typische kleine Studentenwohnung mit ungefähr 370 Euro monatlicher Gesamtmiete. Für ein WG-Zimmer wurden rund 340 Euro genannt.

Damit liegt Magdeburg deutlich unter vielen westdeutschen Universitätsstädten.

Gute Lage bleibt umkämpft

Wohnungen nahe Universität, Hochschule, Hasselbachplatz oder Innenstadt sind trotzdem begehrt.

Zum Semesterbeginn konkurrieren viele Studenten um kleine, kurzfristig verfügbare Einheiten.

Günstiger Wohnraum ist ein Standortvorteil

Universitäten werben nicht nur mit Studiengängen und Forschung.

Bezahlbare Mieten können bei der Wahl des Studienortes entscheidend sein. Magdeburg sollte diesen Vorteil nicht leichtfertig verspielen.

Die Intel-Planungen haben Erwartungen verändert

Die angekündigte Intel-Fabrik hatte auch Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt.

Tausende Beschäftigte wurden erwartet

Stadt, Umland und Immobilienwirtschaft stellten sich auf einen möglichen starken Zuzug von Fachkräften ein.

Wohnbauprojekte und Grundstücksentwicklungen wurden teilweise mit den erwarteten Arbeitsplätzen begründet.

Nach dem Intel-Aus ist Vorsicht notwendig

Der Rückzug Intels bedeutet nicht, dass Magdeburg keinen neuen Wohnraum braucht.

Er zeigt aber, wie riskant es ist, große Wohnungsbauprogramme allein auf die Ankündigung eines einzelnen Unternehmens zu stützen.

High-Tech Park kann neue Nachfrage schaffen

Sollten sich am Eulenberg mehrere Technologieunternehmen ansiedeln, könnte der Wohnungsbedarf erneut steigen.

Bis dahin braucht Magdeburg eine flexible Strategie statt überzogener Wachstumsprognosen.

Neubau darf nicht nur aus Eigentumswohnungen bestehen

Aktuelle Immobilienangebote zeigen, dass zahlreiche neue Projekte im hochpreisigen Eigentumssegment vermarktet werden.

Eigentum schafft nicht automatisch Mietwohnraum

Eine neue Eigentumswohnung kann selbst genutzt, vermietet oder als Kapitalanlage gehalten werden.

Sie hilft Haushalten mit niedrigen oder mittleren Einkommen nur dann, wenn sie später zu tragbaren Bedingungen auf den Mietmarkt gelangt.

Kapitalanleger kalkulieren Renditen

Hohe Kaufpreise führen häufig zu hohen Mieten, weil Eigentümer Finanzierung, Verwaltung und Rücklagen decken müssen.

Der Bau einer teuren Wohnung senkt daher nicht automatisch das Preisniveau.

Stadt braucht klare Zielgruppen

Bei größeren Projekten sollte früh feststehen, welcher Anteil für Familien, Studenten, Senioren oder geförderte Mieter vorgesehen ist.

Nur eine soziale Mischung verhindert einseitige Quartiere.

Die WOBAU bleibt für Magdeburg entscheidend

Als kommunales Wohnungsunternehmen kann die WOBAU Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen.

Kommunaler Bestand schützt langfristig

Wohnungen in öffentlicher Hand können dauerhaft nach sozialen und stadtentwicklungspolitischen Kriterien bewirtschaftet werden.

Ein privater Verkauf bringt dagegen nur einmalig Geld und entzieht der Stadt langfristig Steuerungsmöglichkeiten.

Neubau und Sanierung müssen zusammenpassen

Die WOBAU kann nicht nur neue Gebäude errichten.

Sie muss ebenso Dächer, Heizungen, Fassaden, Aufzüge und Leitungen ihres vorhandenen Bestandes modernisieren.

Stadt darf das Unternehmen nicht finanziell überfordern

Wird ein kommunales Wohnungsunternehmen gleichzeitig zu niedrigen Mieten, umfangreichen Sanierungen und großen Neubauprogrammen verpflichtet, braucht es ausreichendes Eigenkapital und Fördermittel.

Sonst werden notwendige Investitionen verschoben oder Mieten stärker erhöht.

Wohnungsgenossenschaften sind ein wichtiger Preisanker

Neben der WOBAU besitzen Genossenschaften große Bestände in Magdeburg.

Langfristiges Wohnen statt kurzfristiger Rendite

Genossenschaften arbeiten grundsätzlich für ihre Mitglieder und nicht für externe Aktionäre.

Das kann zu stabileren Mieten und stärkerer Bindung an die Quartiere führen.

Bestände werden weiter modernisiert

Die Wohnungsbaugenossenschaft von 1893 informiert auch 2026 über laufende Wärmedämm-, Leitungs- und Sanierungsmaßnahmen in verschiedenen Magdeburger Beständen.

Modernisierung muss nachvollziehbar bleiben

Auch Genossenschaften tragen höhere Bau-, Energie- und Personalkosten.

Mitglieder sollten deshalb transparent erfahren, wie sich Investitionen auf Nutzungsgebühren und Nebenkosten auswirken.

Energetische Sanierung ist notwendig und teuer

Viele Gebäude müssen in den kommenden Jahren technisch verbessert werden.

Schlechte Energiebilanz belastet Mieter

Eine niedrige Kaltmiete hilft wenig, wenn Heizung und Warmwasser außergewöhnlich teuer sind.

Ungedämmte Fassaden, alte Fenster und veraltete Heiztechnik führen zu hohen Gesamtwohnkosten.

Sanierung kann Kaltmiete erhöhen

Vermieter können bestimmte Modernisierungskosten teilweise auf die Miete umlegen.

Für Bewohner entsteht dadurch ein schwieriger Vergleich: Sie zahlen möglicherweise weniger Heizkosten, aber mehr Kaltmiete.

Entscheidend ist die Warmmiete

Politik und Wohnungsunternehmen sollten stärker betrachten, wie sich die gesamte monatliche Belastung entwickelt.

Eine energetische Maßnahme ist sozial nur dann überzeugend, wenn die Bewohner am Ende nicht deutlich mehr bezahlen müssen.

Sozialwohnungen bleiben unverzichtbar

Der freie Markt kann nicht alle Haushalte versorgen.

Niedrige Einkommen benötigen Bindungen

Rentner, Alleinerziehende, Menschen in Ausbildung und Beschäftigte im Niedriglohnbereich können steigende Angebotsmieten nicht beliebig auffangen.

Geförderter Wohnraum mit festgelegten Mietobergrenzen schafft Sicherheit.

Bindungen laufen irgendwann aus

Sozialwohnungen bleiben nur für einen bestimmten Zeitraum gebunden.

Nach Ablauf können Mieten schrittweise steigen. Deshalb muss kontinuierlich neuer gebundener Wohnraum entstehen, damit der Bestand nicht schrumpft.

Förderung sollte möglichst lange wirken

Je länger die Bindungsdauer, desto nachhaltiger ist der Einsatz öffentlicher Mittel.

Kurze Bindungen führen dazu, dass teuer geförderte Wohnungen nach vergleichsweise wenigen Jahren wieder in den normalen Markt wechseln.

Mittlere Einkommen fallen häufig durchs Raster

Nicht nur Haushalte mit sehr niedrigem Einkommen haben Schwierigkeiten.

Zu viel für Förderung, zu wenig für Neubau

Ein berufstätiges Paar kann oberhalb der Einkommensgrenze für einen Wohnberechtigungsschein liegen und dennoch keine Neubauwohnung für 13 Euro je Quadratmeter bezahlen wollen oder können.

Diese Gruppe benötigt preisgedämpften Wohnraum.

Kommunale Grundstücke können helfen

Die Stadt kann Grundstücke günstiger oder im Erbbaurecht vergeben, wenn sich Investoren im Gegenzug zu langfristig begrenzten Mieten verpflichten.

Konzept statt Höchstpreis

Verkauft Magdeburg Grundstücke ausschließlich an den höchsten Bieter, fließt der hohe Bodenpreis später in Kaufpreise und Mieten ein.

Eine Konzeptvergabe kann dagegen soziale Mischung, Architektur und Energieeffizienz stärker gewichten.

Leerstand muss genauer betrachtet werden

Die reine Zahl leerer Wohnungen kann täuschen.

Nicht jede Wohnung ist vermietbar

Ein Teil des Leerstands befindet sich in Gebäuden mit schwerem Sanierungsbedarf, schlechten Grundrissen oder unattraktiver Lage.

Andere Einheiten werden wegen laufender Modernisierung vorübergehend nicht angeboten.

Dauerhafter Leerstand schadet Quartieren

Unbewohnte Häuser führen zu weniger Kaufkraft, schlechterer sozialer Kontrolle und sinkender Attraktivität.

Besonders problematisch wird es, wenn einzelne Gebäude über Jahre verfallen.

Aktivierung vor Neubau prüfen

Bevor neue Flächen versiegelt werden, sollte geprüft werden, welche leer stehenden Wohnungen durch Sanierung wieder nutzbar sind.

Das spart Boden und kann schneller gehen als ein vollständiger Neubau.

Magdeburg präsentiert sich als Immobilienstandort

Im Juni 2026 warb die Landeshauptstadt gemeinsam mit der WOBAU auf der Immobilienmesse Real Estate Arena in Hannover für Projekte und Investitionsmöglichkeiten.

Neue Investoren sind grundsätzlich willkommen

Magdeburg benötigt privates Kapital, um Wohnungen, Gewerbe und gemischte Quartiere zu entwickeln.

Die öffentliche Hand kann den gesamten Bedarf nicht allein finanzieren.

Investition muss der Stadt dienen

Ein Projekt ist nicht automatisch gut, nur weil viel Geld investiert wird.

Entscheidend sind tatsächlicher Wohnbedarf, Infrastruktur, Mietniveau und städtebauliche Qualität.

Messeversprechen müssen konkret werden

Nach solchen Auftritten sollte die Stadt offenlegen, welche Gespräche tatsächlich zu Projekten, Grundstücksvergaben oder Investitionsentscheidungen geführt haben.

Neue Quartiere brauchen Schulen und Verkehr

Wohnungsbau darf nicht isoliert geplant werden.

Mehr Einwohner bedeuten mehr Infrastruktur

Neue Wohnungen benötigen Straßen, Straßenbahn- oder Busanschlüsse, Kitas, Schulen, Arztpraxen und Einkaufsmöglichkeiten.

Fehlen diese Angebote, entstehen zusätzliche Autofahrten und lange Wege.

Infrastruktur muss gleichzeitig entstehen

Es reicht nicht, zunächst Wohnungen zu bauen und Jahre später über eine überfüllte Schule oder fehlende Busverbindung zu diskutieren.

Die Kosten für soziale Infrastruktur gehören von Beginn an zur Projektplanung.

Stadtteile dürfen keine Schlaforte werden

Ein gutes Quartier braucht Arbeitsplätze, Freizeit, Grünflächen und öffentliche Räume.

Reine Wohngebiete ohne eigenes Zentrum erzeugen Abhängigkeit von anderen Stadtteilen.

Das Umland kann einen Teil der Nachfrage aufnehmen

Magdeburg endet nicht an seiner Stadtgrenze.

Barleben, Sülzetal und weitere Orte profitieren

Menschen arbeiten in Magdeburg, wohnen aber in den umliegenden Gemeinden.

Dort finden Familien teilweise größere Wohnungen oder Häuser zu anderen Preisen.

Pendeln darf nicht nur mit dem Auto möglich sein

Neue Wohngebiete im Umland erhöhen den Verkehr, wenn Busse und Bahn nicht zuverlässig fahren.

Regionale Wohnungs- und Verkehrsplanung müssen deshalb enger verbunden werden.

Konkurrenz um Einwohner vermeiden

Stadt und Umland sollten nicht gegeneinander immer neue Baugebiete ausweisen.

Besser wäre eine gemeinsame Strategie, die Wohnraum, Gewerbe und Infrastruktur sinnvoll verteilt.

Der nächste Mietspiegel wird bereits vorbereitet

Obwohl die aktuelle Fortschreibung erst seit Januar 2026 gilt, laufen bereits Vorbereitungen für die nächste Datengrundlage.

Tausende Wohnungen sollen untersucht werden

Seit Juni 2026 werden nach Angaben eines Magdeburger Wohnungsunternehmens Daten zu rund 20.000 Wohnungen erhoben. Ergänzend soll eine Kontrollstichprobe unter Mietern erfolgen.

Gute Beteiligung erhöht Genauigkeit

Je mehr Vermieter und Mieter vollständige Angaben liefern, desto besser kann der spätere Mietspiegel den tatsächlichen Markt abbilden.

Mietspiegel darf Preisspirale nicht verdecken

Ein Mietspiegel beschreibt die Entwicklung. Er verhindert sie nicht automatisch.

Steigen viele Neu- und Bestandsmieten, steigt langfristig auch die ortsübliche Vergleichsmiete.

Was Magdeburg jetzt tun sollte

Die Stadt besitzt noch Gestaltungsspielraum.

Kommunale Wohnungen behalten

Der vorhandene WOBAU-Bestand ist ein langfristiger sozialer Wert und sollte nicht zur kurzfristigen Haushaltsentlastung verkauft werden.

Sozialen Neubau sichern

Bei größeren Projekten muss ein angemessener Anteil preisgebundener Wohnungen entstehen.

Genossenschaften unterstützen

Erbbaurechte und günstige Grundstücke können gemeinschaftliche Wohnprojekte erleichtern.

Leerstand aktivieren

Sanierungsfähige Wohnungen sollten schneller wieder auf den Markt gebracht werden.

Altersgerechte Bestände schaffen

Aufzüge und barrierearme Umbauten müssen in gut versorgten Quartieren Vorrang erhalten.

Mittlere Einkommen berücksichtigen

Magdeburg braucht Angebote zwischen klassischer Sozialwohnung und teurem freifinanziertem Neubau.

Gesamtwohnkosten veröffentlichen

Bei städtischen und kommunalen Projekten sollten neben der Kaltmiete auch erwartete Betriebs- und Heizkosten transparent dargestellt werden.

Magdeburg darf Leipzigs Fehler nicht wiederholen

Magdeburg besitzt noch einen entscheidenden Vorteil: Wohnen ist für viele Menschen grundsätzlich bezahlbar. Dieser Vorteil zieht Studenten, Familien, Beschäftigte und Unternehmen an.

Die Stadt sollte daraus jedoch nicht den falschen Schluss ziehen, dass es kein Problem gibt.

Die Angebotsmieten steigen. Neue Wohnungen erreichen Preise, die für normale Arbeitnehmer schwer tragbar sind. Gleichzeitig fehlen barrierefreie und gut geschnittene Wohnungen, obwohl anderswo im Land Häuser leer stehen.

Magdeburg muss jetzt handeln, bevor der Markt so angespannt wird wie in Leipzig oder Berlin.

Dazu gehört zunächst, kommunale und genossenschaftliche Bestände zu schützen. Eine günstige vorhandene Wohnung ist oft wertvoller als ein teurer Neubau, der nur mit hohen Fördermitteln bezahlbar gemacht werden kann.

Neue Projekte bleiben trotzdem notwendig. Sie müssen aber die richtigen Wohnungen schaffen: barrierearm, familiengeeignet, energetisch vernünftig und in unterschiedlichen Preisklassen.

Besonders wichtig ist die Gruppe der Normalverdiener. Wer arbeitet, aber keine 900 oder 1.000 Euro Kaltmiete zahlen kann, darf nicht aus guten Stadtlagen verdrängt werden.

Magdeburg hat noch die Chance, Wachstum und Bezahlbarkeit miteinander zu verbinden. Dafür muss die Stadt Grundstücke, WOBAU und Fördermittel strategisch einsetzen.

Wartet sie, bis günstiges Wohnen nur noch in alten Verträgen existiert, ist dieser Standortvorteil verloren.