Oberhalb der Erde sind kaum noch offene Flammen zu sehen. Unter der Oberfläche brennt es jedoch weiter.
Seit dem 27. Juni schwelen zwischen Meuselwitz, Mumsdorf und Falkenhain alte Kohlerückstände im Boden. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Vegetationsbrand begann, hat sich zu einem außergewöhnlich schwierigen Bergbaufolgeproblem entwickelt.
Ein Löschhubschrauber brachte am vergangenen Wochenende täglich rund 160.000 Liter Wasser auf die Fläche. Nachhaltig löschen konnte er die unterirdischen Glutnester nicht. Nun bereitet die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft eine wesentlich größere Maßnahme vor: Das betroffene Kohletrübebecken soll kontrolliert geflutet werden.
Wasser soll über vier Kilometer lange Leitungen kommen
Nach aktuellem Stand soll das Löschwasser aus dem Bergbaurestloch Zipsendorf in das Brandgebiet gepumpt werden. Dafür müssen zwei Rohrleitungen mit einer Länge von insgesamt rund vier Kilometern aufgebaut werden.
Das Wasser soll sich anschließend über die betroffene Fläche verteilen und tief genug in den Boden eindringen, um die glimmenden Kohlereste zu erreichen. Wann die Flutung tatsächlich beginnen kann, steht noch nicht fest. Allein der Aufbau der Leitungen dürfte Zeit beanspruchen.
Das vorhandene Leitungsnetz reicht nicht aus
Die Stadt Meuselwitz kann aus ihrem Leitungsnetz lediglich rund 60 Kubikmeter Wasser pro Stunde bereitstellen. Für die geplante großflächige Flutung ist das zu wenig.
Deshalb muss das Wasser aus dem nahe gelegenen Restloch herangeführt werden. Die Lösung zeigt, welche Dimension der Einsatz inzwischen erreicht hat: Es geht nicht mehr darum, einzelne Glutnester mit Schläuchen zu bekämpfen. Ein ganzer ehemaliger Bergbaubereich muss über längere Zeit mit Wasser versorgt werden.
Acht Hektar Boden schwelen unter der Oberfläche
Der unterirdische Brand betrifft nach Angaben der LMBV eine Fläche von rund acht Hektar. Die Glutnester befinden sich teilweise bis zu einem halben Meter tief im Erdreich.
Dort liegen alte Kohlerückstände aus der früheren Nutzung des Geländes. Betroffen ist das Kohletrübebecken I des ehemaligen Tagebaus Rusendorf. Das Becken wurde später unter anderem zur Einspülung von Asche genutzt.
Der Brand wandert durch den Boden
Besonders problematisch ist, dass die Glutnester nicht an einer Stelle bleiben. Sie verlagern sich unterirdisch und können an anderen Punkten erneut aufflammen.
An der Oberfläche wirkt ein Bereich möglicherweise bereits gelöscht, während sich die Hitze darunter weiter ausbreitet. Deshalb reichen normale Sichtkontrollen nicht aus. Die Fläche wird regelmäßig mit Wärmebildkameras und Drohnen überwacht.
Instabiler Boden verhindert einen direkten Löscheinsatz
Das Gelände kann nicht gefahrlos betreten werden. Der Untergrund ist durch die frühere Bergbaunutzung instabil.
Feuerwehrleute und Mitarbeiter der Bergbaugesellschaft können deshalb nicht einfach bis an jedes Glutnest herangehen, den Boden öffnen und die brennenden Kohlereste gezielt ablöschen.
Genau dieser direkte Zugang wäre bei einem gewöhnlichen Schwelbrand oft notwendig. In Meuselwitz müssen die Verantwortlichen dagegen von sicheren Flächen aus arbeiten.
Wasser muss von oben in die Tiefe gelangen
Die geplante Flutung verfolgt daher einen einfachen, aber technisch aufwendigen Ansatz: Der Boden soll so stark und gleichmäßig durchnässt werden, dass das Wasser bis zu den unterirdischen Brandzonen vordringt.
Ob dies überall gelingt, hängt von der Beschaffenheit des Bodens ab. Verdichtete Ascheschichten, Kohlereste und frühere Ablagerungen können beeinflussen, wie sich das Wasser verteilt.
Es ist deshalb möglich, dass auch nach Beginn der Flutung einzelne heiße Bereiche weiter überwacht oder zusätzlich behandelt werden müssen.
Löschhubschrauber brachte nur vorübergehend Entlastung
Vom 10. bis 12. Juli setzte die LMBV einen Löschhubschrauber ein. Er flog täglich rund acht Stunden und brachte jeweils etwa 160.000 Liter Wasser auf eine zuvor festgelegte Teilfläche.
Das Wasser stammte ebenfalls aus dem Restloch Zipsendorf. Während der Flüge war die Kreisstraße K216 zwischen Mumsdorf und Falkenhain aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Rauch ging kurzzeitig zurück
Der Hubschraubereinsatz verringerte die Rauchentwicklung zunächst. Der Effekt hielt jedoch nicht dauerhaft an.
Die Wassermengen erreichten offenbar nicht alle unterirdischen Brandbereiche oder drangen nicht tief genug ein. Deshalb entschied sich die LMBV gegen einen ausschließlichen weiteren Hubschraubereinsatz und für die Vorbereitung einer umfassenden Flutung.
Rauch belastet Meuselwitz und umliegende Orte
Für die Einwohner ist das Feuer vor allem durch den anhaltenden Qualm spürbar. Je nach Windrichtung zieht der Geruch in Richtung Meuselwitz, Mumsdorf, Falkenhain und weitere Ortschaften.
Die LMBV überwacht nach eigenen Angaben regelmäßig die Konzentrationen von Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Schwefelwasserstoff und Methan.
Die Werte seien leicht erhöht, lägen bislang aber in einem gesundheitlich unbedenklichen Bereich. Mit zunehmender Entfernung vom Brandherd sinke die Belastung deutlich.
Geruchsbelästigung kann dennoch erheblich sein
Messwerte unterhalb gesetzlicher Grenzwerte bedeuten nicht, dass der Rauch für die Bevölkerung bedeutungslos ist.
Anwohner können den Geruch über Stunden wahrnehmen. Besonders betroffen sind Orte, die bei vorherrschender Windrichtung regelmäßig in der Rauchfahne liegen.
Menschen mit Atemwegserkrankungen, ältere Bewohner und Familien mit kleinen Kindern reagieren verständlicherweise besonders sensibel auf eine solche Dauerbelastung.
Fast 800 Einsatzkräfte kämpften gegen den Großbrand
In der ersten Phase waren nahezu alle Feuerwehren des Altenburger Landes beteiligt. Unterstützung kam aus weiteren Thüringer Landkreisen, dem Landkreis Leipzig und dem Burgenlandkreis.
Nach Angaben des Landratsamtes waren insgesamt fast 800 öffentliche Einsatzkräfte mit 177 Fahrzeugen, Drohnen und weiteren Einsatzmitteln beteiligt. Rund 5.000 Kubikmeter Wasser wurden verbraucht. Der Landkreis bezeichnete das Feuer als das bislang größte Brandereignis im Altenburger Land.
Ehrenamtliche Kräfte arbeiteten über Tage
Ein erheblicher Teil der Helfer gehörte freiwilligen Feuerwehren an.
Sie arbeiteten bei Hitze, Rauch und auf schwierigem Gelände. Gleichzeitig mussten Arbeitgeber, Familien und umliegende Gemeinden den langen Einsatz mittragen.
Dass der oberirdische Brand unter Kontrolle gebracht werden konnte, ist vor allem diesem massiven Einsatz zu verdanken.
Feuerwehr konnte den unterirdischen Brand nicht löschen
Anfang Juli zog der Landkreis die öffentlichen Einsatzkräfte schrittweise ab. Die Verantwortung für Beobachtung, Bekämpfung und spätere Sanierung ging an die LMBV als Eigentümerin der Fläche über.
Der Grund war nüchtern: Mit den Mitteln einer Feuerwehr lässt sich ein großflächiger Brand in alten Kohleschichten kurz- und mittelfristig nicht vollständig löschen.
Feuerwehr bleibt für ein erneutes Aufflammen zuständig
Der Rückzug bedeutet nicht, dass die Gefahrenabwehr beendet ist.
Sollte das Feuer wieder an die Oberfläche durchbrechen oder sich stärker ausbreiten, würden die Feuerwehren erneut alarmiert. Bis dahin überwachen Sicherheitskräfte und Fachunternehmen das Gelände.
Mehrmals täglich finden Kontrollen statt. Drohnen mit Wärmebildtechnik sollen neue Brandzonen früh erkennen.
Die Ursache liegt in der Bergbauvergangenheit
Der aktuelle Brand ist kein normaler Waldbrand. Ohne die alten Kohlerückstände im Boden wäre das Feuer vermutlich längst gelöscht.
Das Gelände erinnert daran, dass die Folgen des Braunkohlebergbaus nicht mit dem Ende der Förderung verschwinden. Unter rekultivierten oder stillgelegten Flächen können Materialien liegen, die Jahrzehnte später erneut Probleme verursachen.
Alte Kohle wird zum Brandstoff
Kohlereste können sich bei geeigneten Bedingungen über lange Zeit erhitzen und weiterglimmen. Kommen Trockenheit, Sauerstoff und eine äußere Zündquelle hinzu, entstehen schwer kontrollierbare Brandherde.
Im Fall von Meuselwitz war der oberirdische Vegetationsbrand der Ausgangspunkt. Die Hitze erreichte die darunterliegenden brennbaren Schichten und setzte dort einen Schwelbrand in Gang.
Wer trägt die Kosten der Flutung?
Zu den bisher entstandenen Kosten liegen noch keine vollständigen Angaben vor.
Bezahlt werden müssen der ursprüngliche Großeinsatz, Hubschrauberflüge, Überwachung, Fachunternehmen, Rohrleitungen, Pumptechnik und später möglicherweise eine umfangreiche Sanierung der Fläche.
Bergbaufolgen bleiben eine öffentliche Aufgabe
Die LMBV ist ein bundeseigenes Unternehmen und für die Sanierung zahlreicher früherer Bergbauflächen in Ostdeutschland zuständig.
Damit werden die Kosten solcher Altlasten letztlich überwiegend aus öffentlichen Mitteln getragen. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, weil viele der heutigen Probleme aus jahrzehntelanger staatlicher und industrieller Bergbaugeschichte stammen.
Dennoch sollte nach Abschluss des Einsatzes transparent dargestellt werden, wie teuer die Maßnahmen waren und welche Vorsorge künftig notwendig ist.
Flutung kann neue Fragen aufwerfen
Große Wassermengen in ein ehemaliges Kohle- und Aschebecken zu leiten, ist keine gewöhnliche Löschmethode.
Neben dem gewünschten Löscheffekt müssen mögliche Auswirkungen auf Untergrund, Wasserqualität und Standsicherheit beobachtet werden.
Wasser darf Schadstoffe nicht unkontrolliert verteilen
In früher industriell genutzten Bereichen können neben Kohle und Asche weitere Rückstände vorhanden sein.
Die Verantwortlichen müssen deshalb sicherstellen, dass das eingeleitete Wasser keine Schadstoffe auswäscht und in angrenzende Böden oder Gewässer transportiert.
Auch Veränderungen des Bodens durch die zusätzliche Wassermasse müssen fachlich überwacht werden.
Wann ist der Brand endgültig gelöscht?
Eine verlässliche Prognose gibt es bislang nicht.
Selbst nach Beginn der Flutung kann es dauern, bis alle unterirdischen Glutnester erreicht sind. Wärmebildaufnahmen und Messungen müssen zeigen, ob die Temperaturen dauerhaft sinken.
Ein Gebiet gilt nicht als sicher, nur weil kein Rauch mehr sichtbar ist. Unterirdische Kohle kann noch längere Zeit Wärme speichern und später erneut zu glimmen beginnen.
Die Kontrolle wird vermutlich noch lange dauern
Auch nach einem erfolgreichen Löscheinsatz dürfte die Fläche weiter überwacht werden.
Erst wenn über einen längeren Zeitraum keine erhöhten Temperaturen und keine Rauchentwicklung mehr festgestellt werden, kann von einer dauerhaften Entspannung gesprochen werden.
Anschließend beginnt die eigentliche Sanierungsfrage: Wie muss das Gelände verändert werden, damit sich ein vergleichbarer Brand nicht wiederholt?
Das Altenburger Land braucht eine Bestandsaufnahme
Der Brand bei Meuselwitz wirft die Frage auf, ob es im Altenburger Land weitere ehemalige Bergbauflächen mit ähnlichen Kohlerückständen gibt.
Eine systematische Bewertung könnte zeigen, wo bei Trockenheit und Vegetationsbränden besondere Risiken bestehen.
Feuerwehren brauchen genaue Gefahrenkarten
Einsatzkräfte müssen bereits bei der Alarmierung wissen, ob sie es mit normalem Boden, instabilem Tagebaugelände oder unterirdischen Kohleschichten zu tun haben.
Digitale Karten, sichere Zufahrten und klar definierte Aufstellflächen können im Ernstfall entscheidende Zeit sparen.
Auch die Bevölkerung sollte wissen, welche Bereiche nicht betreten werden dürfen und welche Warnsysteme bei Rauchentwicklung greifen.
Das Feuer zeigt die lange Rechnung des Braunkohlezeitalters
Meuselwitz wurde über Generationen vom Bergbau geprägt. Die Industrie schuf Arbeitsplätze, Energie und wirtschaftliche Entwicklung.
Heute zeigt sich eine andere Seite dieses Erbes: instabiler Boden, alte Becken, Kohlereste und Sanierungsaufgaben, die noch Jahrzehnte nach dem Ende der Nutzung öffentliche Mittel und Fachwissen erfordern.
Der unterirdische Brand ist deshalb mehr als ein lokales Feuer. Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie lange die Folgen industrieller Eingriffe bestehen bleiben.
Jetzt muss die Flutung funktionieren
Der Löschhubschrauber konnte die Rauchentwicklung kurzzeitig mindern, den Brand aber nicht dauerhaft stoppen.
Nun setzt die LMBV auf eine größere und technisch anspruchsvollere Lösung. Wasser soll über kilometerlange Leitungen in das Kohletrübebecken gelangen und die Glut tief im Boden ersticken.
Für die Anwohner zählt am Ende nur das Ergebnis: weniger Rauch, keine neuen offenen Flammen und ein Gelände, das dauerhaft sicher wird.
Die oberirdische Brandbekämpfung ist abgeschlossen. Der schwierigere Kampf findet nun dort statt, wo niemand direkt hinkommt – einen halben Meter unter der Erde.