Brandenburg. Hitze, ausgetrocknete Böden und die laufende Getreideernte sorgen in Brandenburg für eine zunehmend angespannte Brandlage. Am Wochenende mussten Feuerwehren zu mehreren größeren Feldbränden ausrücken.
Nahe Dahme/Mark im Landkreis Teltow-Fläming standen etwa 15 Hektar eines teilweise abgeernteten Feldes in Flammen. Bei Wiesenburg/Mark im Landkreis Potsdam-Mittelmark brannte eine Fläche von ungefähr zehn Hektar. In beiden Fällen waren mindestens 20 Einsatzfahrzeuge beteiligt.
Die Brände zeigen, wie schnell sich ein einzelner Funke unter den derzeitigen Bedingungen ausbreiten kann. Trockene Erntereste, starker Wind und heiße Maschinen bilden eine gefährliche Kombination.
Höchste Gefahrenstufe in mehreren Regionen
Die Waldbrandgefahr ist in weiten Teilen Brandenburgs deutlich gestiegen. Die höchste Warnstufe fünf gilt derzeit in:
- Elbe-Elster,
- Märkisch-Oderland,
- Oder-Spree,
- sowie in der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder).
In den meisten anderen Landkreisen und kreisfreien Städten gilt die zweithöchste Gefahrenstufe vier. Lediglich die Prignitz wurde am Sonntag noch mit einer mittleren Gefahr eingestuft.
Damit sind große Teile des Landes betroffen – von der Lausitz bis an die Oder und vom Berliner Umland bis in den Fläming.
Besonders aufmerksam müssen derzeit Einwohner, Landwirte und Besucher in Regionen rund um folgende Städte und Gemeinden sein:
- Frankfurt (Oder),
- Eisenhüttenstadt,
- Beeskow,
- Fürstenwalde,
- Seelow,
- Strausberg,
- Bad Liebenwerda,
- Finsterwalde,
- Herzberg,
- Dahme/Mark,
- Jüterbog,
- Luckenwalde,
- Wiesenburg,
- Bad Belzig,
- sowie zahlreiche kleinere Orte in wald- und landwirtschaftlich geprägten Gebieten.
Erntezeit erhöht das Risiko
Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel warnt besonders vor Bränden während der Getreideernte. Wenn Mähdrescher über trockene Felder fahren, können heiße Maschinenteile, technische Defekte oder Funken ausreichen, um Stoppeln und Erntereste zu entzünden.
Feldbrände breiten sich häufig schneller aus als klassische Waldbrände. Wind kann die Flammen innerhalb weniger Minuten über mehrere Hektar treiben.
Für Landwirte entstehen dadurch erhebliche Gefahren:
- Verlust der noch nicht eingebrachten Ernte,
- Schäden an Mähdreschern und Traktoren,
- Gefährdung angrenzender Höfe und Wohnhäuser,
- hohe Kosten durch Feuerwehreinsätze und Wiederherstellung,
- sowie mögliche Haftungsfragen.
Landwirtschaftliche Betriebe sollten deshalb während der Ernte geeignete Löschtechnik und mit Wasser gefüllte Fahrzeuge bereithalten. Maschinen müssen regelmäßig auf überhitzte Lager, beschädigte Kabel und leicht entzündliche Ablagerungen überprüft werden.
Freiwillige Feuerwehren tragen die Hauptlast
Außerhalb der größeren Städte wird der Brandschutz in Brandenburg überwiegend von freiwilligen Feuerwehren getragen.
Ihre Mitglieder verlassen bei einem Alarm ihre Familien, Arbeitsplätze oder landwirtschaftlichen Betriebe und rücken häufig unter extremen Bedingungen aus. Einsätze bei Feld- und Waldbränden dauern teilweise viele Stunden und erfordern große Mengen Wasser, Spezialfahrzeuge und Personal.
Besonders belastet sind derzeit Wehren in ländlichen Regionen wie:
- Teltow-Fläming,
- Potsdam-Mittelmark,
- Elbe-Elster,
- Oder-Spree,
- Märkisch-Oderland,
- Spree-Neiße,
- Oberspreewald-Lausitz,
- Dahme-Spreewald,
- Havelland und Barnim.
Die Einsatzkräfte kämpfen nicht nur gegen Flammen. Hohe Temperaturen, Rauch und schwere Schutzkleidung führen zu enormer körperlicher Belastung.
Gerade bei längeren Einsätzen müssen ausreichend Getränke, Verpflegung, Ablösung und medizinische Betreuung bereitstehen.
Brandenburg ist besonders gefährdet
Brandenburg gehört seit Jahren zu den Bundesländern mit besonders hoher Waldbrandgefahr.
Das hat mehrere Gründe:
- große zusammenhängende Kiefernwälder,
- sandige Böden, die Wasser nur begrenzt speichern,
- geringe Niederschläge,
- frühere militärische Übungsplätze,
- Munitionsbelastung in Waldgebieten,
- sowie dünn besiedelte Regionen mit langen Anfahrtswegen.
Auf munitionsbelasteten Flächen können Feuerwehren nicht immer unmittelbar bis an den Brandherd fahren. Explodierende Altmunition stellt eine zusätzliche Gefahr dar.
Besonders bekannt für solche Risiken sind Regionen rund um Jüterbog, Lieberose, die Lausitz und ehemalige Truppenübungsplätze.
Landwirtschaft und Feuerwehren müssen enger zusammenarbeiten
Bei Feldbränden kommt es auf jede Minute an.
Landwirte können die Feuerwehren unterstützen, indem sie:
- Zufahrten und Feldwege freihalten,
- genaue Ortsangaben übermitteln,
- Bodenbearbeitungsgeräte bereitstellen,
- Brandschutzstreifen ziehen,
- Wasserfässer und Tankwagen einsetzen,
- sowie die Windrichtung und Ausbreitung beobachten.
Pflüge oder Grubber können helfen, Schneisen in den Boden zu ziehen und den Flammen brennbares Material zu entziehen.
Solche Maßnahmen dürfen allerdings nur in Abstimmung mit der Einsatzleitung erfolgen. Niemand sollte sich selbst in Gefahr bringen oder mit schweren Maschinen in Rauch und Feuer fahren, ohne die Lage genau einschätzen zu können.
Gefahr auch für Straßen und Bahnlinien
Feld- und Waldbrände gefährden nicht nur Äcker und Bäume.
Starker Rauch kann Autobahnen, Bundesstraßen und Bahnstrecken innerhalb kurzer Zeit unpassierbar machen. Sichtweiten sinken plötzlich, Verkehrsunfälle drohen und Einsatzfahrzeuge benötigen freie Zufahrtswege.
Betroffen sein können insbesondere:
- die A9 im Fläming,
- die A10 im Berliner Umland,
- die A12 in Richtung Frankfurt (Oder),
- die A13 in Richtung Lausitz,
- die A15 zwischen Cottbus und der polnischen Grenze,
- sowie zahlreiche Bundes- und Landesstraßen durch Waldgebiete.
Auch Bahnverbindungen zwischen Berlin, Cottbus, Frankfurt (Oder), Jüterbog und weiteren Städten können bei Bränden unterbrochen werden.
Trockenheit bleibt bestehen
Eine grundlegende Entspannung der Wetterlage war zunächst nicht absehbar. Für Brandenburg wurden weiterhin meist trockene Bedingungen und Temperaturen zwischen etwa 25 und 31 Grad erwartet. Lediglich im Norden waren örtliche Schauer oder Gewitter möglich.
Kurze Gewitter reichen häufig nicht aus, um trockene Böden und tiefere Bodenschichten ausreichend zu durchfeuchten. Gleichzeitig können Blitze neue Brände auslösen.
Entscheidend ist nicht nur, ob es kurz regnet, sondern wie viel Wasser tatsächlich über mehrere Tage fällt.
Städte müssen ihre Grünflächen schützen
Auch größere Städte sind von der Trockenheit betroffen.
In Potsdam, Cottbus, Frankfurt (Oder), Brandenburg an der Havel, Oranienburg und Eberswalde leiden Straßenbäume, Parks und Grünanlagen unter Wassermangel.
Junge Bäume können ohne regelmäßige Bewässerung innerhalb kurzer Zeit dauerhaft geschädigt werden. Kommunen müssen deshalb Prioritäten setzen:
- neu gepflanzte Bäume,
- besonders wertvolle Altbäume,
- Grünflächen an Schulen und Kitas,
- Stadtparks,
- sowie Bäume an stark aufgeheizten Straßen.
Bürger können bei der Bewässerung helfen, sollten aber die Vorgaben ihrer Stadt oder Gemeinde beachten. Kleine Mengen Wasser an der Oberfläche helfen häufig kaum. Sinnvoller ist eine größere Wassermenge in längeren Abständen.
Weggeworfene Zigaretten bleiben ein Risiko
Viele Brände entstehen durch menschliches Fehlverhalten.
Besonders gefährlich sind:
- weggeworfene Zigaretten,
- offenes Feuer,
- Grillen in nicht zugelassenen Bereichen,
- auf trockenem Gras abgestellte Fahrzeuge,
- Funkenflug bei technischen Arbeiten,
- sowie Glas oder Abfälle in Wald und Feld.
Bei hoher Waldbrandgefahr sollten Waldwege nicht mit Fahrzeugen blockiert werden. Feuerwehrzufahrten müssen frei bleiben.
Wer Rauch oder Flammen entdeckt, sollte sofort den Notruf 112 wählen und möglichst genaue Angaben zum Ort machen. Hilfreich sind Straßennamen, markante Wege, Waldabteilungen oder Standortdaten des Mobiltelefons.
Kommunen brauchen ausreichend Löschwasser
Die zunehmende Trockenheit wirft auch Fragen zur Ausstattung der Gemeinden auf.
In dünn besiedelten Gebieten liegen Hydranten und Wasserentnahmestellen teilweise weit auseinander. Löschteiche können bei anhaltender Trockenheit niedrige Wasserstände aufweisen.
Landkreise und Kommunen müssen daher prüfen:
- Sind Löschwasserbrunnen funktionsfähig?
- Sind Zufahrten zu Teichen und Gewässern frei?
- Gibt es genügend Tanklöschfahrzeuge?
- Können landwirtschaftliche Wasserfässer eingebunden werden?
- Sind überörtliche Einsatzkonzepte aktuell?
- Funktioniert die Zusammenarbeit mit benachbarten Landkreisen?
Brandschutz darf nicht erst organisiert werden, wenn die ersten großen Flächen brennen.
Landwirtschaft darf nicht pauschal verantwortlich gemacht werden
Nach Feldbränden wird häufig schnell über die Verantwortung der Landwirte gesprochen.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass Betriebe ihre Ernte innerhalb enger Zeitfenster einbringen müssen. Wetter, Reifegrad und angekündigte Niederschläge bestimmen den Arbeitsablauf.
Ein vollständiger Erntestopp bei jeder höheren Gefahrenstufe wäre wirtschaftlich kaum umsetzbar.
Notwendig sind deshalb klare und praktikable Regeln:
- technische Kontrollen,
- Löschmittel am Feld,
- abgestimmte Brandschutzmaßnahmen,
- ausreichend breite Schneisen,
- sowie schnelle Alarmierung.
Die Landwirtschaft braucht Sicherheit, aber auch verlässliche Vorgaben, die sich im Arbeitsalltag umsetzen lassen.
Freiwillige Feuerwehren dürfen nicht selbstverständlich sein
Wenn in Brandenburg Felder und Wälder brennen, verlassen sich Bürger zu Recht auf die Feuerwehren.
Doch in vielen Orten bestehen diese Feuerwehren fast vollständig aus Ehrenamtlichen.
Sie opfern Freizeit, unterbrechen ihre Arbeit und setzen ihre Gesundheit ein. Gleichzeitig müssen zahlreiche Wehren mit Nachwuchsproblemen, veralteten Gerätehäusern und langen Beschaffungszeiten kämpfen.
Es reicht nicht, den Einsatzkräften nach einem Großbrand öffentlich zu danken.
Land, Landkreise und Gemeinden müssen dauerhaft investieren:
- in moderne Fahrzeuge,
- persönliche Schutzausrüstung,
- digitale Funktechnik,
- Löschwasserversorgung,
- Ausbildung,
- Kinder- und Jugendfeuerwehren,
- sowie eine bessere Anerkennung durch Arbeitgeber.
Die aktuellen Brände bei Dahme/Mark und Wiesenburg sind Warnsignale.
Noch wurden keine riesigen Waldflächen vernichtet. Doch die Gefahrenstufe fünf in mehreren Regionen zeigt, wie schnell sich die Lage verschärfen kann.
Brandenburg ist ein waldreiches und landwirtschaftlich geprägtes Land. Deshalb gehört ein leistungsfähiger Brand- und Katastrophenschutz zur grundlegenden öffentlichen Daseinsvorsorge.
Die Trockenheit lässt sich nicht kurzfristig abschaffen.
Auf Brände kann man sich jedoch vorbereiten.