Die Zukunft der Plauener Straßenbahn bleibt eine der wichtigsten kommunalpolitischen Fragen der Stadt. Nach Angaben des MDR besteht bei dem städtischen Verkehrsunternehmen eine Finanzierungslücke von rund 4,5 Millionen Euro. Stadt, Verkehrsunternehmen und politische Entscheidungsträger müssen deshalb klären, wie der Betrieb dauerhaft abgesichert werden kann.

Für Plauen ist die Straßenbahn weit mehr als ein historisches Verkehrsmittel. Sie verbindet Wohngebiete, Innenstadt, Bahnhof, Arbeitsplätze und soziale Einrichtungen. Besonders ältere Menschen, Schüler, Auszubildende und Bürger ohne eigenes Auto sind auf einen verlässlichen Nahverkehr angewiesen.

Warum der Straßenbahnbetrieb immer teurer wird

Die Kosten für Personal, Energie, Ersatzteile und die Unterhaltung der Infrastruktur sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Gleichzeitig lassen sich Fahrpreise nicht beliebig erhöhen.

Eine Straßenbahn benötigt nicht nur Fahrzeuge und Fahrer. Finanziert werden müssen außerdem:

  • Gleise und Weichen,
  • Oberleitungen,
  • Haltestellen,
  • Werkstätten,
  • Stromversorgung,
  • Fahrgastinformationen,
  • Reinigung und Sicherheit.

Fahrgeldeinnahmen decken die Kosten nicht

Öffentlicher Nahverkehr arbeitet in nahezu allen deutschen Städten nicht kostendeckend. Die Differenz wird durch kommunale Zuschüsse, Landesmittel und Ausgleichszahlungen getragen.

Das Problem entsteht, wenn diese Zuschüsse nicht im gleichen Umfang wachsen wie die Betriebskosten.

Plauen kann die Straßenbahn nicht allein finanzieren

Die Stadt steht gleichzeitig vor hohen Ausgaben für Schulen, Straßen, Feuerwehr, Kultur und soziale Leistungen. Eine zusätzliche Belastung von mehreren Millionen Euro kann deshalb nicht dauerhaft allein aus dem kommunalen Haushalt getragen werden.

Freistaat Sachsen muss mehr Verantwortung übernehmen

Plauen erfüllt als Oberzentrum eine Versorgungsfunktion für das gesamte Vogtland. Menschen aus umliegenden Gemeinden nutzen den Bahnhof, medizinische Einrichtungen, Behörden, Einkaufsmöglichkeiten und Kulturangebote der Stadt.

Deshalb wäre es zu kurz gedacht, die Straßenbahn als rein kommunale Angelegenheit zu behandeln. Der Freistaat und der Verkehrsverbund müssen sich an einer langfristigen Lösung beteiligen.

Eine Stilllegung hätte erhebliche Folgen

Würde das Netz stark verkleinert oder ganz aufgegeben, müssten Busse einen Teil der Verbindungen übernehmen.

Das klingt zunächst einfacher, hätte aber ebenfalls Kosten zur Folge. Zusätzliche Busse, Fahrer, Betriebshöfe und Kraftstoffe wären notwendig. Gleichzeitig könnten Kapazität und Attraktivität sinken.

Straßenbahn stärkt die Innenstadt

Eine gute Anbindung entscheidet mit darüber, ob Menschen im Zentrum einkaufen, Behörden aufsuchen oder Veranstaltungen besuchen.

Fallen Verbindungen aus oder werden Fahrpläne ausgedünnt, steigt die Abhängigkeit vom Auto. Das trifft besonders Bürger, die sich kein eigenes Fahrzeug leisten können oder nicht mehr fahren wollen.

Sparen muss bei Verwaltung und Betrieb geprüft werden

Eine langfristige Finanzierung setzt voraus, dass auch das Verkehrsunternehmen seine Strukturen untersucht.

Geprüft werden sollten unter anderem:

  • Verwaltungskosten,
  • Auslastung einzelner Linien,
  • Taktzeiten außerhalb der Hauptverkehrszeiten,
  • gemeinsame Beschaffung mit anderen Betrieben,
  • Energieverbrauch,
  • digitale Fahrkartenangebote,
  • Zusammenarbeit mit regionalen Busunternehmen.

Kürzungen dürfen das Angebot nicht unbrauchbar machen

Ein Nahverkehrssystem kann kaputtgespart werden. Werden Takte zu stark ausgedünnt, sinkt die Zahl der Fahrgäste. Dadurch fallen weitere Einnahmen weg und der Zuschussbedarf steigt erneut.

Sparen muss daher gezielt erfolgen und darf nicht die Verlässlichkeit des Netzes zerstören.

Neue Fahrgäste gewinnen

Die Straßenbahn braucht nicht nur mehr Fördermittel, sondern auch mehr zahlende Nutzer.

Potenzial besteht bei:

  • Jobtickets für Unternehmen,
  • vergünstigten Tickets für Auszubildende,
  • Kombitickets bei Veranstaltungen,
  • Park-and-ride-Angeboten,
  • touristischen Tageskarten,
  • besserer Abstimmung mit Regionalzügen,
  • digitalen Echtzeitinformationen.

Plauen sollte außerdem größere Arbeitgeber gezielt in die Finanzierung und Vermarktung von Jobtickets einbeziehen.

Plauens Straßenbahn braucht eine dauerhafte Lösung

Die Finanzierungslücke von rund 4,5 Millionen Euro kann nicht mit kurzfristigen Notzuschüssen allein geschlossen werden.

Plauen benötigt ein mehrjähriges Finanzierungskonzept, an dem Stadt, Freistaat, Verkehrsverbund und Unternehmen beteiligt sind. Gleichzeitig muss der Betrieb wirtschaftlicher werden, ohne seine Attraktivität zu verlieren.

Die Straßenbahn ist ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und der Identität Plauens. Ihr Erhalt darf nicht an der begrenzten Finanzkraft einer ostdeutschen Mittelstadt scheitern.