Über viele Jahre bedeutete Bundeswehrpolitik für zahlreiche ostdeutsche Städte vor allem Rückzug. Kasernen wurden geschlossen, militärische Flächen freigegeben, Dienststellen verkleinert und Soldaten an andere Standorte versetzt. Was nach dem Ende des Kalten Krieges als Friedensdividende galt, hinterließ in manchen Regionen leer stehende Gebäude, verlorene Arbeitsplätze und aufgegebene Infrastruktur.

Diese Entwicklung dreht sich nun grundlegend.

Die Bundeswehr plant bis 2035 Investitionen von insgesamt rund vier Milliarden Euro in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums sollen zunächst etwa 1,45 Milliarden Euro bis 2029 ausgegeben werden. Weitere rund 2,49 Milliarden Euro sind für den Zeitraum bis 2035 vorgesehen. Die Gelder sollen in nahezu alle Bereiche der militärischen Infrastruktur fließen.

Es geht um Kasernen, Unterkünfte, technische Anlagen, Logistik, Ausbildungseinrichtungen und neue Musterungszentren. Gleichzeitig prüft die Bundeswehr, ob bereits stillgelegte Flächen wieder militärisch genutzt werden können.

Damit wird der Osten Deutschlands nicht nur Empfänger zusätzlicher Baumittel. Er gewinnt innerhalb der deutschen Verteidigungsplanung erheblich an strategischem Gewicht.

Sachsen erhält mit 1,63 Milliarden Euro den größten Anteil

Von den drei mitteldeutschen Ländern soll Sachsen die höchste Investitionssumme erhalten. Nach den bisherigen Planungen fließen bis 2035 insgesamt rund 1,63 Milliarden Euro in sächsische Bundeswehrstandorte. Für Sachsen-Anhalt sind etwa 1,37 Milliarden Euro und für Thüringen rund 944 Millionen Euro vorgesehen.

Die Zahlen sind Prognosen. Das Verteidigungsministerium weist darauf hin, dass sie sich angesichts der sicherheitspolitischen Lage und des weiteren Ausbaus der Streitkräfte verändern können.

Mehr Geld bedeutet nicht automatisch sofort sichtbare Baustellen

Ein Infrastrukturprogramm dieser Größenordnung wird nicht innerhalb weniger Monate umgesetzt.

Bevor eine Kaserne erweitert oder ein neuer Standort errichtet werden kann, sind zahlreiche Schritte notwendig. Grundstücke müssen geprüft, Planungsrecht geschaffen, Baugrund untersucht und Sicherheitsanforderungen berücksichtigt werden. Hinzu kommen Ausschreibungen, Genehmigungen und die Suche nach geeigneten Bauunternehmen.

Ein erheblicher Teil der Investitionen dürfte deshalb erst in den kommenden Jahren tatsächlich auf Baustellen sichtbar werden.

Für die betroffenen Kommunen ist gerade diese Vorlaufzeit entscheidend. Sie müssen früh wissen, wie viele Soldaten und zivile Beschäftigte kommen, welche Straßen belastet werden und wie sich der Bedarf an Wohnungen, Schulen und Kinderbetreuung verändert.

Bernsdorf-Straßgräbchen wird zum größten Einzelprojekt

Das deutlichste Beispiel für den neuen Kurs liegt in der Oberlausitz.

Im Bernsdorfer Ortsteil Straßgräbchen im Landkreis Bautzen soll ein vollständig neuer Bundeswehrstandort entstehen. Dort ist die Stationierung eines Logistikbataillons mit rund 700 Soldatinnen und Soldaten vorgesehen. Zusammen mit Sanitätsdienst, Technik, Verwaltung und weiteren Unterstützungsbereichen sollen am Ende etwa 800 Dienstposten geschaffen werden.

Für den Aufbau des Standortes werden nach bisherigen Angaben rund 700 Millionen Euro innerhalb von etwa zehn Jahren veranschlagt. Damit entfällt ein erheblicher Teil der gesamten sächsischen Bundeswehrinvestitionen auf dieses einzelne Vorhaben.

Neues Logistikbataillon entsteht nicht in einer bestehenden Kaserne

Anders als bei der Modernisierung eines vorhandenen Standortes muss in Straßgräbchen die notwendige militärische Infrastruktur weitgehend neu geschaffen werden.

Geplant sind unter anderem:

  • Kasernen- und Unterkunftsgebäude,
  • technische Bereiche und Werkstätten,
  • Lager- und Abstellflächen,
  • Verwaltungs- und Sozialgebäude,
  • eine Standortschießanlage,
  • Flächen für die militärische Ausbildung,
  • Straßen, Energie- und Sicherheitsinfrastruktur.

Das Projekt besitzt dadurch eine Dimension, die weit über die Sanierung einzelner Gebäude hinausgeht.

Logistik wird in einem Verteidigungsfall entscheidend

Ein Logistikbataillon versorgt andere Einheiten mit Material, Kraftstoff, Ersatzteilen und weiteren notwendigen Gütern. Es organisiert Transporte, Lagerung und die Weiterleitung von Versorgungsgütern.

In öffentlichen Debatten stehen häufig Panzer, Flugzeuge oder Kriegsschiffe im Mittelpunkt. Ohne funktionierende Logistik bleiben jedoch auch moderne Waffensysteme nur eingeschränkt einsatzfähig.

Der Standort in der Oberlausitz ist daher kein gewöhnlicher Verwaltungsstützpunkt. Er wird Teil der militärischen Versorgungsstruktur Deutschlands und der NATO.

Warum die Oberlausitz für die Bundeswehr interessant ist

Die Wahl Straßgräbchens ist nicht zufällig.

Die Oberlausitz liegt nahe der polnischen und tschechischen Grenze und damit an wichtigen Verkehrsachsen Richtung Mittel- und Osteuropa. Die Region verfügt über größere verfügbare Flächen und eine industrielle Tradition. Gleichzeitig befindet sie sich mitten im Strukturwandel nach dem schrittweisen Ende des Braunkohlebergbaus.

Der Freistaat Sachsen hatte das Gelände für den neuen Standort vorgeschlagen. Die Stationierungsentscheidung wurde Ende 2023 bekannt gegeben.

Vom Kohleausstieg zur militärischen Logistik

Für die Region besitzt das Projekt deshalb auch strukturpolitische Bedeutung.

Die Lausitz verliert in den kommenden Jahren Arbeitsplätze und wirtschaftliche Wertschöpfung in der Kohle- und Energiewirtschaft. Neue Industrieansiedlungen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Arbeitgeber sollen diesen Verlust ausgleichen.

Ein Bundeswehrstandort bietet dabei einen besonderen Vorteil: Militärische Dienststellen hängen nicht unmittelbar von Konjunktur, Exportmärkten oder kurzfristigen Unternehmensentscheidungen ab. Wird eine Einheit dauerhaft stationiert, entstehen vergleichsweise stabile Arbeitsplätze und eine langfristige Nachfrage nach Dienstleistungen.

800 Dienstposten können eine ganze Region verändern

Für eine Großstadt wären 800 zusätzliche Dienstposten eine überschaubare Zahl. Für eine kleinere Stadt wie Bernsdorf und das umliegende Lausitzer Gebiet kann ein solcher Zuwachs erhebliche Auswirkungen haben.

Soldaten und zivile Beschäftigte benötigen Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten, medizinische Versorgung, Freizeitangebote und Verkehrsanbindungen. Viele kommen mit Partnern und Kindern.

Neue Kaufkraft für Handel und Dienstleistungen

Von einem Standort profitieren nicht nur die unmittelbar bei der Bundeswehr Beschäftigten.

Zusätzliche Nachfrage entsteht unter anderem für:

  • Bau- und Handwerksbetriebe,
  • Reinigungs- und Sicherheitsunternehmen,
  • Werkstätten und technische Dienstleister,
  • Hotels und Gastronomie,
  • Einzelhandel,
  • Wohnungsunternehmen,
  • Fahrschulen,
  • Ärzte und Pflegeangebote.

Der Bautzner Landrat Udo Witschas bezeichnete die geplanten Investitionen deshalb als großen Gewinn für die Region. Lokal wird mit weiteren indirekten Arbeitsplätzen und einer deutlichen Stärkung der Kaufkraft gerechnet.

Hoffnungen müssen realistisch bleiben

Nicht jede angekündigte Stelle wird automatisch von einem Menschen besetzt, der dauerhaft in Bernsdorf wohnt.

Ein Teil der Soldaten könnte pendeln oder in militärischen Unterkünften leben. Bestimmte Aufträge werden möglicherweise an überregionale Unternehmen vergeben. Auch die Zahl indirekter Arbeitsplätze lässt sich im Voraus nur schwer seriös bestimmen.

Trotzdem ist die wirtschaftliche Wirkung eines Standortes mit mehreren Hundert Beschäftigten für eine strukturschwächere Region erheblich.

Wohnungsmarkt und Schulen müssen vorbereitet werden

Der Bau der Kaserne allein reicht nicht aus.

Wenn mehrere Hundert Soldaten und ihre Familien in die Oberlausitz ziehen sollen, benötigen sie geeigneten Wohnraum. Kommunen müssen prüfen, ob ausreichend Mietwohnungen, Bauflächen und sanierte Bestände vorhanden sind.

Leerstand kann wieder zur Chance werden

In Teilen der Oberlausitz stehen Wohnungen leer oder Gebäude sind sanierungsbedürftig. Der neue Standort könnte dabei helfen, Bestände wieder zu nutzen.

Dafür müssen Wohnungen jedoch den heutigen Anforderungen entsprechen. Familien suchen bezahlbare, gut ausgestattete Wohnungen mit verlässlicher Internetverbindung, Kinderbetreuung und guter Verkehrsanbindung.

Eine Kaserne kann deshalb auch private Investitionen in Wohngebäude auslösen.

Kinderbetreuung darf nicht zum Engpass werden

Ziehen junge Familien in die Region, wächst der Bedarf an Kita- und Schulplätzen.

Das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung für Orte, die seit Jahren mit sinkenden Kinderzahlen kämpfen. Sie kann Kommunen jedoch überfordern, wenn Einrichtungen kurzfristig erweitert werden müssen.

Bund, Freistaat, Landkreis und Gemeinden sollten diese Folgekosten deshalb frühzeitig gemeinsam planen. Ein militärischer Standort darf nicht gebaut werden, während die betroffenen Orte bei Schulen, Straßen und Betreuung allein gelassen werden.

Sachsen-Anhalt erhält rund 1,37 Milliarden Euro

Auch Sachsen-Anhalt gehört zu den großen Empfängern des Investitionsprogramms.

Bis 2035 sollen nach derzeitigem Stand rund 1,37 Milliarden Euro in die militärische Infrastruktur des Landes fließen. Das Verteidigungsministerium nennt aus Gründen der militärischen und operativen Sicherheit nicht für jedes einzelne Projekt genaue Summen und Zeitpläne.

Sachsen-Anhalt besitzt bereits mehrere bedeutende Bundeswehrstandorte. Dazu gehören unter anderem Ausbildungs-, Logistik- und Übungsbereiche.

Lage in der Mitte Deutschlands bleibt strategischer Vorteil

Das Land liegt an wichtigen Autobahn- und Bahnverbindungen zwischen Ost und West sowie zwischen Nord und Süd.

Für Logistik, Materialtransport und militärische Verlegung ist diese zentrale Lage von Bedeutung. Hinzu kommen größere Übungsflächen und vorhandene Liegenschaften.

Investitionen dürften daher nicht nur in Unterkunftsgebäude, sondern auch in technische und logistische Infrastruktur fließen.

Thüringen soll 944 Millionen Euro erhalten

Für Thüringen sind bis 2035 rund 944 Millionen Euro vorgesehen. Nahezu alle bestehenden Bundeswehrstandorte des Landes sollen nach bisherigen Angaben von Investitionen profitieren.

Ein Beispiel ist die Kyffhäuserkaserne in Bad Frankenhausen. Dort soll die Infrastruktur erweitert werden, um zusätzliche Soldaten unterbringen zu können.

Neue Unterkünfte in Bad Frankenhausen

Für die Erweiterung werden unter anderem neue Unterkunftsgebäude benötigt. Die Bundeswehr setzt dabei teilweise auf schnell errichtbare Bauformen, wie sie bereits bei Auslandseinsätzen genutzt wurden.

Das zeigt den Zeitdruck.

Die Bundeswehr soll personell wachsen, während viele Kasernen bereits heute unter Sanierungsstau, fehlenden Unterkünften und veralteter Technik leiden. Klassische Bauprojekte dauern häufig viele Jahre. Schnellere Bauverfahren sollen helfen, kurzfristig zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.

Neue Musterungszentren entstehen auch im Osten

Der Ausbau betrifft nicht nur Kasernen und Truppenstandorte.

Im Zuge der neuen Wehrdienstorganisation baut die Bundeswehr bundesweit zusätzliche Musterungszentren auf. In Ostdeutschland sind unter anderem Standorte in Dresden, Leipzig, Magdeburg, Potsdam, Schwerin, Neubrandenburg und Jena vorgesehen. Jena gehört dabei zu den Orten, an denen ein vollständig neuer Bundeswehrstandort entsteht.

Die gesamte neue Musterungsorganisation soll bis zum 1. Juli 2027 aufgebaut sein. Das erste neue Zentrum soll voraussichtlich noch 2026 seinen Betrieb aufnehmen.

Was in einem Musterungszentrum geprüft wird

Musterungszentren stellen fest, ob junge Menschen grundsätzlich für einen Dienst in den Streitkräften geeignet sind.

Dazu gehören medizinische Untersuchungen und weitere Eignungsprüfungen. Die umfassendere Beratung für militärische und zivile Laufbahnen bleibt weiterhin Aufgabe der Karrierecenter.

Mit den neuen Zentren will die Bundeswehr mehr Menschen in kürzerer Zeit untersuchen können. Das ist Voraussetzung für den geplanten personellen Aufwuchs.

Neue Einrichtungen schaffen auch zivile Arbeitsplätze

Pro Musterungszentrum sollen nach bisherigen Angaben rund 50 zivile Dienstposten entstehen. Dazu gehören medizinisches Personal, Verwaltungskräfte und weitere Beschäftigte.

Für Städte wie Jena, Leipzig oder Magdeburg ist diese Zahl wirtschaftlich nicht außergewöhnlich groß. Dennoch erweitert sie die Präsenz der Bundeswehr und schafft dauerhaft finanzierte Arbeitsplätze.

Ärzte und medizinisches Personal werden gesucht

Die neuen Zentren verschärfen zugleich den Wettbewerb um Fachkräfte.

Schon heute fehlen in vielen Regionen Ärzte, Pflegekräfte und medizinische Assistenten. Die Bundeswehr muss attraktive Arbeitsbedingungen bieten, ohne kommunalen Krankenhäusern und Praxen dringend benötigtes Personal abzuwerben.

Der Ausbau der Streitkräfte stellt deshalb nicht nur Anforderungen an Bauunternehmen, sondern auch an den Arbeitsmarkt.

Stillgelegte Standorte könnten wieder militärisch genutzt werden

Die Bundeswehr prüft bundesweit, ob aufgegebene militärische Liegenschaften reaktiviert werden können.

Bereits 2025 wurde ein Moratorium verhängt, das die weitere zivile Verwertung bestimmter ehemals militärischer Flächen stoppt. Insgesamt werden nach Angaben des Verteidigungsministeriums 187 nicht mehr genutzte Standorte untersucht. Darunter befinden sich auch Flächen in Sachsen.

Kommunen geraten in einen neuen Zielkonflikt

Manche Städte hatten für ehemalige Kasernen bereits andere Pläne.

Dort sollten möglicherweise Wohnungen, Gewerbegebiete, Solarparks oder soziale Einrichtungen entstehen. Wird eine Fläche erneut für militärische Zwecke beansprucht, können solche Vorhaben nicht wie geplant umgesetzt werden.

Auf der anderen Seite spart die Reaktivierung möglicherweise Zeit und Geld, weil Straßen, Leitungen oder Gebäude teilweise vorhanden sind.

Jeder Standort muss deshalb einzeln betrachtet werden. Eine pauschale Rückkehr der Bundeswehr auf sämtliche früheren Flächen wäre ebenso falsch wie eine vorschnelle zivile Verwertung strategisch wichtiger Liegenschaften.

Der Osten erhält erstmals wieder neue militärische Standorte

Die Entwicklung markiert einen historischen Bruch.

Nach 1990 wurde die militärische Infrastruktur auf dem Gebiet der früheren DDR grundlegend umgebaut. Die Nationale Volksarmee wurde aufgelöst, zahlreiche Standorte wurden geschlossen und die Zahl der Soldaten stark reduziert.

Nun entstehen wieder neue Einrichtungen.

Sicherheitslage verändert die Standortpolitik

Russlands Krieg gegen die Ukraine, die stärkere Sicherung der NATO-Ostflanke und der geplante personelle Aufwuchs haben die Anforderungen verändert.

Deutschland benötigt mehr Unterkünfte, größere Materialreserven, bessere Logistik und schnellere Verlegefähigkeit. Regionen im Osten gewinnen dabei aufgrund ihrer Lage Richtung Polen, Tschechien und Ostsee an Bedeutung.

Die militärische Geografie Deutschlands verschiebt sich damit erneut.

Bauwirtschaft steht vor einem gewaltigen Auftrag

Vier Milliarden Euro bedeuten ein erhebliches Auftragsvolumen für die Bau- und Ausrüstungsbranche.

Benötigt werden nicht nur große Baukonzerne. Auch regionale Handwerksbetriebe können von Unteraufträgen profitieren.

Welche Gewerke gebraucht werden

Zu den möglichen Leistungen gehören:

  • Hoch- und Tiefbau,
  • Elektro- und Sicherheitstechnik,
  • Heizungs- und Lüftungsanlagen,
  • Straßen- und Wegebau,
  • Glasfaser- und Kommunikationstechnik,
  • Metallbau,
  • Brandschutz,
  • Landschafts- und Zaunbau.

Die Bundeswehr sollte bei rechtlich zulässigen Vergaben darauf achten, dass regionale Unternehmen faire Beteiligungsmöglichkeiten erhalten.

Fachkräftemangel könnte Projekte verzögern

Die Bauwirtschaft kämpft bereits mit fehlenden Facharbeitern, langen Lieferzeiten und steigenden Kosten.

Wenn gleichzeitig Wohnungen, Bahnstrecken, Schulen und militärische Infrastruktur gebaut werden sollen, konkurrieren öffentliche Auftraggeber um dieselben Firmen und Beschäftigten.

Die angekündigten Milliarden sind daher noch keine Garantie dafür, dass sämtliche Projekte rechtzeitig fertig werden.

Militärische Investitionen dürfen zivile Infrastruktur nicht verdrängen

Der Ausbau der Bundeswehr ist angesichts der veränderten Sicherheitslage politisch gewollt. Er darf jedoch nicht dazu führen, dass wichtige zivile Vorhaben dauerhaft zurückgestellt werden.

Kommunen benötigen weiterhin Geld und Baukapazitäten für:

  • Schulen,
  • Krankenhäuser,
  • Straßen und Brücken,
  • Feuerwehrgebäude,
  • Wohnungen,
  • Wasser- und Energienetze.

Verteidigung und Daseinsvorsorge gehören zusammen

Eine einsatzfähige Bundeswehr braucht funktionierende zivile Infrastruktur.

Soldaten fahren über öffentliche Straßen, nutzen Bahnverbindungen und leben mit ihren Familien in Städten und Gemeinden. Krankenhäuser, Energieversorgung und Telekommunikation sind auch für militärische Einsatzbereitschaft entscheidend.

Es wäre deshalb ein Fehler, Verteidigungsausgaben und kommunale Infrastruktur gegeneinander auszuspielen.

Kommunen erwarten Planungssicherheit vom Bund

Für die betroffenen Städte und Landkreise ist nicht nur die Gesamtsumme wichtig.

Sie benötigen konkrete Informationen darüber, wann gebaut wird, wie viele Menschen stationiert werden und welche Folgekosten entstehen.

Verlässliche Zusagen statt wechselnder Ankündigungen

Militärische Planungen können sich durch neue Anforderungen verändern. Trotzdem müssen Kommunen eine belastbare Grundlage erhalten.

Wer eine Schule erweitert, Wohnungen saniert oder eine Straße ausbaut, plant für Jahrzehnte. Solche Entscheidungen lassen sich nicht auf bloße politische Absichtserklärungen stützen.

Der Bund sollte daher frühzeitig verbindliche Vereinbarungen mit Ländern und Kommunen treffen.

Bundeswehrstandorte können Abwanderung bremsen

Viele ländliche Regionen Ostdeutschlands verlieren junge Menschen und qualifizierte Arbeitskräfte.

Ein neuer oder wachsender Bundeswehrstandort kann diese Entwicklung zumindest teilweise bremsen.

Ausbildung und zivile Karrierewege nutzen

Die Bundeswehr bietet neben militärischen Laufbahnen zahlreiche zivile Berufe.

Dazu gehören technische, medizinische, handwerkliche und administrative Tätigkeiten. Kooperationen mit Berufsschulen, Hochschulen und regionalen Betrieben könnten jungen Menschen zusätzliche Perspektiven eröffnen.

Entscheidend ist, dass nicht nur fertige Fachkräfte von anderen Orten angeworben werden. Die Standorte sollten selbst ausbilden und langfristige Karrierewege schaffen.

Auch gesellschaftliche Konflikte sind zu erwarten

Nicht jeder begrüßt den Ausbau der Bundeswehr.

Kritiker warnen vor Aufrüstung, Flächenverbrauch, Lärm und Umweltbelastungen. Neue Schießanlagen, Übungsplätze und militärischer Verkehr können Anwohner beeinträchtigen.

Offene Beteiligung schafft Akzeptanz

Sicherheitsrelevante Details können nicht vollständig öffentlich diskutiert werden. Trotzdem müssen Bürger über Auswirkungen auf Verkehr, Natur und kommunale Entwicklung informiert werden.

Planungsverfahren dürfen nicht den Eindruck erwecken, Entscheidungen würden vollständig über die Köpfe der Bevölkerung hinweg getroffen.

Gerade bei neuen Standorten ist transparente Kommunikation wichtig.

Der Osten darf nicht nur Fläche und Personal liefern

Die Investitionen bieten Ostdeutschland große Chancen. Der wirtschaftliche Nutzen hängt jedoch davon ab, wie die Projekte umgesetzt werden.

Wenn Planung, Aufträge und hochwertige Arbeitsplätze überwiegend bei Unternehmen und Behörden außerhalb der Region liegen, bleibt vor Ort vor allem die Flächenbelastung.

Forschung und Industrie stärker einbinden

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verfügen über leistungsfähige Hochschulen und Unternehmen in Bereichen wie:

  • Mikroelektronik,
  • Optik,
  • Fahrzeugtechnik,
  • Drohnen und Sensorik,
  • Cybersicherheit,
  • Maschinenbau,
  • neue Werkstoffe.

Der Bundeswehrausbau sollte deshalb nicht auf Kasernenbau und Unterkunftsgebäude beschränkt bleiben.

Langfristig wäre es sinnvoll, auch militärische Forschung, Instandhaltung und technische Entwicklung stärker im Osten anzusiedeln. Dadurch entstünden hochwertige Arbeitsplätze und zusätzliche industrielle Wertschöpfung.

Vier Milliarden Euro sind eine Chance – aber noch kein Erfolg

Das angekündigte Investitionsvolumen ist gewaltig.

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden in den kommenden Jahren stärker in die deutsche Verteidigungsstruktur eingebunden. Neue Kasernen, modernisierte Standorte und Musterungszentren schaffen Aufträge und Arbeitsplätze.

Besonders deutlich wird das in Bernsdorf-Straßgräbchen. Rund 700 Millionen Euro, etwa 800 Dienstposten und ein vollständig neuer Logistikstandort können die Entwicklung eines ganzen Teils der Oberlausitz beeinflussen.

Doch Geld allein reicht nicht.

Die Bauprojekte müssen termingerecht umgesetzt werden. Regionale Firmen sollten profitieren. Wohnungen, Schulen und Straßen müssen mitwachsen. Bürger brauchen ehrliche Informationen über Belastungen und Chancen.

Vor allem darf Ostdeutschland nicht erneut nur als verfügbare Fläche betrachtet werden.

Wenn der Bund Milliarden investiert, müssen daraus dauerhafte Arbeitsplätze, technische Kompetenz und eine stärkere regionale Wirtschaft entstehen. Dann kann der Ausbau der Bundeswehr mehr sein als ein militärisches Infrastrukturprogramm.

Er kann zu einem wichtigen Baustein für Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität im Osten Deutschlands werden.