Brandenburg an der Havel. Das Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel hat einen wichtigen Schritt bei der Modernisierung seiner Herz- und Gefäßmedizin abgeschlossen.

Am 1. Juli 2026 wurde der Erweiterungsbau am Haus 2 vollständig an den klinischen Betrieb übergeben. Der Termin fiel auf den 125. Geburtstag des Klinikums. In dem neuen Bereich befinden sich drei Herzkatheterplätze – zwei davon neu errichtet und einer modernisiert – sowie ein neuer Hybrid-Operationssaal für komplexe gefäßmedizinische Eingriffe.

Die Gesamtinvestition liegt bei rund 16,6 Millionen Euro. Etwa 12,5 Millionen Euro flossen in den Erweiterungsbau, weitere rund 4,1 Millionen Euro in die medizintechnische Ausstattung.

Damit gewinnt Brandenburg an der Havel nicht nur neue Räume.

Das Klinikum erhält technische Möglichkeiten, die für die Versorgung schwer herz- und gefäßkranker Patienten in der gesamten Region entscheidend sein können.

Drei Herzkatheterplätze für Diagnostik und Behandlung

Herzkatheterlabore werden benötigt, um Erkrankungen der Herzkranzgefäße zu diagnostizieren und zu behandeln.

Über einen dünnen Katheter können Ärzte Gefäße darstellen, Engstellen erkennen und gegebenenfalls unmittelbar behandeln. Häufig werden dabei Ballonkatheter oder Gefäßstützen eingesetzt.

Das Universitätsklinikum verfügt nun über drei moderne Messplätze. Zwei wurden neu gebaut, ein bestehender Platz wurde umfassend modernisiert.

Die zusätzlichen Kapazitäten können dazu beitragen, mehr Patienten zu versorgen und Abläufe besser zu organisieren.

Gerade bei akuten Herzproblemen zählt Zeit.

Bei einem Herzinfarkt muss ein verschlossenes Gefäß möglichst schnell wieder geöffnet werden. Jede Verzögerung kann zusätzliches Herzgewebe schädigen und die spätere Lebensqualität beeinträchtigen.

Neuer Hybrid-OP verbindet Bildgebung und Chirurgie

Besonders bedeutsam ist der neue Hybrid-Operationssaal.

Ein Hybrid-OP verbindet einen klassischen Operationssaal mit moderner bildgebender Technik. Ärzte können während eines Eingriffs hochauflösende Aufnahmen von Gefäßen und Organen erstellen.

Dadurch lassen sich offene chirurgische und minimalinvasive Verfahren miteinander kombinieren.

Der neue Saal ist unter anderem mit einer modernen Angiographieanlage ausgestattet. Sie ermöglicht bildgestützte Eingriffe an Blutgefäßen und soll die Arbeit der Gefäßchirurgie verbessern.

Solche Räume werden beispielsweise benötigt, wenn Gefäße gleichzeitig über einen Katheter und durch einen chirurgischen Zugang behandelt werden müssen.

Für Patienten kann dies bedeuten:

  • kleinere Schnitte,
  • präzisere Eingriffe,
  • kürzere Operationszeiten,
  • geringere Belastung,
  • und schnellere Erholung.

Welche Methode gewählt wird, hängt jedoch immer vom Krankheitsbild und vom individuellen Zustand des Patienten ab.

Herz- und Gefäßerkrankungen bleiben eine zentrale Herausforderung

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems gehören zu den häufigsten Gründen für Krankenhausbehandlungen und medizinische Notfälle.

Dazu zählen unter anderem:

  • Herzinfarkte,
  • Durchblutungsstörungen,
  • Gefäßverengungen,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • Erkrankungen der Hauptschlagader,
  • und Verschlüsse der Beinarterien.

In einer älter werdenden Bevölkerung gewinnt eine leistungsfähige Herz- und Gefäßmedizin weiter an Bedeutung.

Das gilt besonders für ländlich geprägte Regionen.

Patienten aus dem Havelland, Potsdam-Mittelmark, der Prignitz oder anderen Teilen des westlichen Brandenburgs benötigen erreichbare Spezialversorgung, ohne für jeden komplexeren Eingriff bis nach Berlin fahren zu müssen.

Der neue Erweiterungsbau stärkt deshalb nicht nur die Stadt Brandenburg an der Havel.

Er stärkt einen regionalen Versorgungsstandort.

Kürzere Wege können Leben retten

Bei planbaren Eingriffen sind längere Anfahrten belastend.

Bei einem akuten Herzinfarkt oder schweren Gefäßverschluss können sie gefährlich sein.

Je näher spezialisierte Diagnostik und Behandlung erreichbar sind, desto schneller können Patienten versorgt werden.

Das Universitätsklinikum Brandenburg übernimmt als größtes medizinisches Zentrum der Region eine besondere Verantwortung. Es behandelt nicht nur Einwohner der Stadt, sondern Patienten aus einem weit größeren Einzugsgebiet.

Mit den neuen Herzkatheterplätzen und dem Hybrid-OP erweitert das Klinikum seine Möglichkeiten, auch komplizierte Fälle vor Ort zu versorgen.

Das kann Verlegungen in andere Häuser reduzieren und Rettungswege verkürzen.

Moderne Technik ersetzt keine Fachkräfte

Der neue Bau ist ein sichtbarer Fortschritt.

Doch medizinische Technik allein behandelt keinen Patienten.

Sie benötigt:

  • erfahrene Ärzte,
  • Pflegekräfte,
  • medizinisch-technische Fachkräfte,
  • Radiologiepersonal,
  • Anästhesisten,
  • und eine funktionierende Notfallversorgung.

Gerade Krankenhäuser außerhalb der großen Metropolen stehen im Wettbewerb um qualifiziertes Personal.

Ein moderner Arbeitsplatz kann dabei ein wichtiges Argument sein.

Ärzte und Pflegekräfte entscheiden sich eher für einen Standort, wenn sie dort mit zeitgemäßer Technik arbeiten, sich fachlich weiterentwickeln und komplexe Behandlungen durchführen können.

Der Neubau ist deshalb auch eine Investition in die Attraktivität des Klinikums als Arbeitgeber.

Universitätsmedizin als Standortvorteil

Das Klinikum ist Teil der Medizinischen Hochschule Brandenburg.

Damit verbindet der Standort Patientenversorgung, Ausbildung und medizinische Forschung.

Studierende, angehende Ärzte und medizinische Fachkräfte können moderne Verfahren unmittelbar kennenlernen. Gleichzeitig können wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die praktische Versorgung einfließen.

Für Brandenburg an der Havel ist dieser Status von großer Bedeutung.

Universitätsmedizin schafft:

  • qualifizierte Arbeitsplätze,
  • Ausbildungsplätze,
  • Forschung,
  • Kooperationen mit anderen Einrichtungen,
  • und zusätzliche wirtschaftliche Wertschöpfung.

Ein leistungsfähiges Klinikum ist deshalb nicht nur ein Teil der Daseinsvorsorge.

Es ist auch einer der wichtigsten Standortfaktoren der Stadt.

Die Investition kommt zum richtigen Zeitpunkt

Krankenhäuser in Deutschland stehen wirtschaftlich unter erheblichem Druck.

Steigende Personalkosten, teure Energie, höhere Sachkosten und unzureichende Finanzierung führen vielerorts zu Defiziten.

Auch das Universitätsklinikum Brandenburg war in den vergangenen Jahren auf finanzielle Unterstützung der Stadt angewiesen. Für 2025 war ein städtischer Ausgleich von 13,2 Millionen Euro vorgesehen, für 2026 nochmals ein geringerer Millionenbetrag.

Diese finanzielle Lage macht Investitionen nicht weniger notwendig.

Im Gegenteil.

Ein Krankenhaus, das aus Spargründen dauerhaft auf Modernisierung verzichtet, verliert medizinische Qualität, Personal und Patienten.

Dann verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage weiter.

Der Erweiterungsbau zeigt deshalb, dass Konsolidierung und Investition zusammengedacht werden müssen.

Öffentliche Trägerschaft bleibt politisch bedeutsam

Das Universitätsklinikum befindet sich in kommunaler Trägerschaft.

Damit trägt die Stadt Brandenburg an der Havel eine erhebliche Verantwortung – finanziell und politisch.

Eine kommunale Klinik kann nicht ausschließlich nach kurzfristiger Rendite geführt werden. Sie muss auch Leistungen vorhalten, die für die regionale Versorgung notwendig sind, wirtschaftlich aber nicht immer besonders attraktiv erscheinen.

Dazu gehören Notfallversorgung, Intensivmedizin und spezialisierte Behandlungsangebote.

Die öffentliche Hand muss dennoch auf effiziente Strukturen achten.

Verluste dürfen nicht dauerhaft ohne Reform ausgeglichen werden. Gleichzeitig darf die Debatte nicht so geführt werden, als sei ein Krankenhaus lediglich ein gewöhnliches Unternehmen.

Gesundheitsversorgung ist Daseinsvorsorge.

Der Neubau muss sich im Alltag bewähren

Die Eröffnung moderner Räume ist der sichtbare Höhepunkt eines Bauprojekts.

Entscheidend ist jedoch der spätere Betrieb.

Patienten werden den Erfolg daran messen:

  • Wie schnell erhalten sie Termine?
  • Wie lange müssen sie warten?
  • Sind ausreichend Betten verfügbar?
  • Wie gut funktioniert die Nachsorge?
  • Gibt es genügend Pflegepersonal?
  • Wie verständlich werden Behandlungen erklärt?
  • Wie schnell werden Notfälle versorgt?

Ein hochmoderner Operationssaal nützt wenig, wenn Personalstellen unbesetzt bleiben oder notwendige Eingriffe aus Kapazitätsgründen verschoben werden müssen.

Das Klinikum muss deshalb nun sicherstellen, dass Technik, Personal und Organisation dauerhaft zusammenpassen.

Kooperationen werden immer wichtiger

Nicht jedes Krankenhaus kann jede Behandlung anbieten.

Die zunehmende Spezialisierung der Medizin erfordert klare Aufgabenverteilungen und Zusammenarbeit.

Das Universitätsklinikum Brandenburg kann dabei eine zentrale Rolle als Schwerpunktversorger übernehmen.

Kleinere Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte benötigen verlässliche Ansprechpartner, schnelle Überweisungsmöglichkeiten und klare Rückübernahmeverfahren.

Nach einem Eingriff sollte die weitere Betreuung möglichst wohnortnah erfolgen.

Eine gute regionale Versorgung entsteht nicht durch Konkurrenz aller Häuser untereinander, sondern durch abgestimmte Versorgungswege.

Patienten aus dem Umland dürfen nicht vergessen werden

Brandenburg an der Havel ist von einer großen ländlichen Region umgeben.

Viele Patienten haben lange Wege und sind auf Angehörige oder öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.

Für sie ist nicht nur die medizinische Behandlung wichtig.

Auch die Erreichbarkeit des Klinikums, Parkmöglichkeiten, verständliche Wegweisung und die Organisation von Nachsorge spielen eine Rolle.

Gerade ältere Herz- und Gefäßpatienten sind häufig in ihrer Mobilität eingeschränkt.

Das Klinikum sollte deshalb prüfen, ob Patienteninformationen, Terminplanung und regionale Kooperationen mit Fahrdiensten weiter verbessert werden können.

Prävention bleibt trotz Spitzentechnik entscheidend

Ein neuer Hybrid-OP kann schwere Erkrankungen behandeln.

Er kann jedoch nicht verhindern, dass sie entstehen.

Herz- und Gefäßkrankheiten werden unter anderem durch Rauchen, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Diabetes, starkes Übergewicht und unbehandelte Fettstoffwechselstörungen begünstigt.

Deshalb bleibt Prävention eine wesentliche Aufgabe.

Hausärzte, Krankenkassen, Schulen, Betriebe und Kommunen müssen stärker zusammenarbeiten, um Risiken früher zu erkennen.

Regelmäßige Vorsorge, Bewegung und eine frühzeitige Behandlung von Bluthochdruck können schwere Krankheitsverläufe verhindern.

Spitzenmedizin und Vorsorge sind keine Gegensätze.

Beides wird benötigt.

Ein wichtiges Signal zum 125. Geburtstag

Das Klinikum wurde am 1. Juli 1901 eröffnet.

Genau 125 Jahre später ging der neue Erweiterungsbereich vollständig in Betrieb.

Diese Verbindung von Geschichte und Zukunft besitzt eine besondere Symbolkraft.

Das Krankenhaus hat politische Umbrüche, Kriege, die deutsche Teilung, die Wiedervereinigung und zahlreiche medizinische Veränderungen erlebt.

Heute steht es erneut vor großen Herausforderungen:

  • wirtschaftlicher Druck,
  • Fachkräftemangel,
  • demografischer Wandel,
  • Krankenhausreform,
  • und zunehmende medizinische Spezialisierung.

Der Erweiterungsbau zeigt, dass der Standort trotz dieser Schwierigkeiten weiterentwickelt wird.

Eine Investition, die über die Stadtgrenzen hinaus wirkt

Der neue Erweiterungsbau am Universitätsklinikum ist eine gute Nachricht für Brandenburg an der Havel.

Drei moderne Herzkatheterplätze und ein Hybrid-Operationssaal verbessern die technischen Voraussetzungen für die Behandlung schwerer Herz- und Gefäßerkrankungen.

Die Investition von rund 16,6 Millionen Euro stärkt jedoch nicht nur ein einzelnes Krankenhausgebäude.

Sie stärkt:

  • die medizinische Versorgung der Region,
  • den Universitätsstandort,
  • die Ausbildung,
  • qualifizierte Arbeitsplätze,
  • und die Attraktivität Brandenburgs an der Havel.

Nun muss sich das Projekt im Alltag beweisen.

Die neue Technik braucht ausreichend Personal, klare Abläufe und eine stabile Finanzierung.

Gelingt das, kann das Universitätsklinikum seine Rolle als medizinisches Zentrum des westlichen Brandenburgs weiter ausbauen.

Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen in ländlichen Regionen über lange Wege, fehlende Fachärzte und unsichere Krankenhausstrukturen klagen, ist diese Investition ein wichtiges Signal:

Hochwertige Medizin darf nicht nur in Berlin und Potsdam verfügbar sein.