Während zahlreiche Flüsse und Seen in Brandenburg derzeit zu wenig Wasser führen, warnt eine neue Untersuchung vor der entgegengesetzten Gefahr. Ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser könnte in mehreren Teilen des Landes erhebliche Schäden verursachen.
Besonders gefährdet sind nach dem Hochwasser-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe die kreisfreie Stadt Brandenburg an der Havel sowie die Landkreise Dahme-Spreewald und Elbe-Elster. Dort treffen größere potenzielle Überschwemmungsflächen auf zahlreiche Gebäude und Nutzungen, die im Ernstfall betroffen wären.
Die Ergebnisse wirken in diesem trockenen Sommer zunächst widersprüchlich. In mehreren Brandenburger Landkreisen gelten Wasserentnahmeverbote, weil Flüsse, Seen und Bäche niedrige Pegel aufweisen. Doch Niedrigwasser und Hochwasser sind keine Gegensätze, die sich gegenseitig ausschließen. Lange Trockenperioden können von Starkregen oder großräumigen Niederschlagslagen abgelöst werden. Ausgetrocknete und versiegelte Böden nehmen das Wasser dann häufig schlechter auf.
Elbe-Elster erreicht den höchsten Risikowert Brandenburgs
Unter den Brandenburger Regionen liegt der Landkreis Elbe-Elster im Hochwasser-Check besonders weit vorn.
Nach den Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe befinden sich 10,4 Prozent der Kreisfläche in ausgewiesenen Hochwasserrisikogebieten. 2.159 Adressen gelten bereits unter Berücksichtigung vorhandener Schutzanlagen als potenziell gefährdet. Der errechnete Hochwasser-Risikograd beträgt 5,63 und liegt damit in der Kategorie „hoch“.
Schwarze Elster prägt das Risiko
Der Landkreis wird unter anderem von der Schwarzen Elster, der Kleinen Elster und zahlreichen kleineren Gewässern geprägt. Weite Teile der Landschaft sind flach. Wasser kann sich bei Hochwasser deshalb über große Flächen ausbreiten.
Die Region kennt die Gefahr aus eigener Erfahrung. Nach Hochwasserereignissen wurden Deiche verstärkt, saniert oder neu bewertet. Dennoch besteht weiterhin erheblicher Investitionsbedarf. Kommunen entlang der Schwarzen Elster forderten bereits wiederholt schnellere Entscheidungen bei der Erneuerung alter Schutzanlagen.
2.173 Adressen bei überlastetem Schutz betroffen
Der Unterschied zwischen aktuell gefährdeten Adressen und der Zahl bei einer Überlastung der Schutzinfrastruktur ist in Elbe-Elster vergleichsweise gering. Die DUH nennt 2.159 aktuell gefährdete und 2.173 bei einer Überlastung betroffene Adressen.
Das bedeutet nicht, dass Deiche dort nutzlos wären. Der verwendete Datensatz und die Berechnung bilden nur bestimmte Hochwasserszenarien ab. Er zeigt jedoch, dass ein großer Teil des örtlichen Risikos bereits in den heute ausgewiesenen Gefahrenbereichen liegt.
Dahme-Spreewald: 605 Adressen in den Gefahrenflächen
Auch der Landkreis Dahme-Spreewald erreicht einen hohen Risikograd.
6,6 Prozent der Kreisfläche werden im Hochwasser-Check als Risikogebiet ausgewiesen. In diesen Flächen liegen 605 aktuell gefährdete Adressen. Der Risikowert beträgt 4,96.
Wasserreiche Landschaft ist nicht automatisch gut geschützt
Der Landkreis umfasst Teile des Spreewalds, die Dahme sowie zahlreiche Seen, Kanäle und Niederungsgebiete. Wasser gehört dort zum Landschaftsbild und bildet die Grundlage für Tourismus, Landwirtschaft und empfindliche Ökosysteme.
Gerade die vielen flachen Niederungen können bei anhaltenden Niederschlägen jedoch große Wassermengen aufnehmen müssen. Werden natürliche Rückhalteflächen bebaut, entwässert oder durch Straßen und Gewerbegebiete zerschnitten, steigt das Schadenspotenzial.
Wachstum im Berliner Umland erhöht den Druck
Dahme-Spreewald gehört zugleich zu den stark wachsenden Regionen im Umfeld Berlins. Neue Wohngebiete, Gewerbeflächen und Verkehrsanlagen versiegeln zusätzliche Böden.
Eine Fläche, auf der Regenwasser früher versickern oder sich vorübergehend sammeln konnte, leitet Wasser nach der Bebauung schneller in Kanalisation und Gewässer ab. Bei Starkregen können dadurch örtliche Überflutungen entstehen, selbst wenn der nächste größere Fluss noch kein klassisches Hochwasser führt.
Brandenburg an der Havel: Mehr als ein Drittel der Stadtfläche im Risikogebiet
Besonders auffällig ist die Lage in Brandenburg an der Havel.
Nach der DUH-Auswertung liegen 34,9 Prozent des Stadtgebietes in Hochwasserrisikogebieten. Das ist der höchste Flächenanteil unter den drei besonders betroffenen Brandenburger Regionen. 652 Adressen gelten als aktuell gefährdet, bei einer Überlastung der Schutzinfrastruktur wären es 702. Der Risikograd liegt bei 4,74.
Stadt ist eng mit der Havel verbunden
Brandenburg an der Havel wird von Flussarmen, Seen und Kanälen durchzogen. Diese Lage prägt die Identität der Stadt, ihre Freizeitmöglichkeiten und ihre touristische Attraktivität.
Sie bedeutet zugleich, dass Wasser an vielen Stellen bis nahe an Siedlungs-, Verkehrs- und Gewerbeflächen heranreicht. Steigen die Pegel stark, können nicht nur einzelne Uferbereiche betroffen sein.
Aktuell herrscht ausgerechnet Wassermangel
Die akute Situation sieht derzeit völlig anders aus. Wegen anhaltender Trockenheit hat die Stadt die Wasserentnahme aus Flüssen, Seen, Teichen und Gräben bis zum 31. August 2026 untersagt. Auch die Bewässerung privater Grünflächen mit Grundwasser wurde zeitlich eingeschränkt.
Dass eine Stadt gleichzeitig unter Wassermangel leiden und ein hohes Hochwasserrisiko besitzen kann, verdeutlicht eine zentrale Herausforderung der Klimaanpassung: Wasser fehlt über lange Zeit und fällt anschließend möglicherweise innerhalb weniger Stunden oder Tage in Mengen, die Böden, Kanalisation und Flüsse nicht bewältigen können.
Was der Hochwasser-Risikograd tatsächlich misst
Der neue Bericht ist keine Vorhersage, dass in den genannten Regionen demnächst ein Hochwasser eintreten wird.
Der Risikograd verbindet zwei Faktoren: die Größe der Hochwasserrisikogebiete und die Zahl der Adressen, die in den Gefahrenflächen eines sogenannten Jahrhunderthochwassers liegen. Je größer die betroffene Fläche und je mehr Adressen dort liegen, desto höher fällt der Wert aus.
Jahrhunderthochwasser bedeutet nicht einmal in 100 Jahren
Der Begriff wird häufig missverstanden.
Ein HQ100 ist ein Hochwasser, das statistisch in jedem einzelnen Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Prozent erreicht oder überschritten werden kann. Es kann theoretisch auch zweimal innerhalb weniger Jahre auftreten.
Die Bezeichnung bedeutet nicht, dass nach einem Ereignis für 100 Jahre Ruhe herrscht.
Schutzanlagen sind in der Auswertung teilweise berücksichtigt
Die DUH unterscheidet zwischen aktuell gefährdeten Adressen und allen Adressen, die bei einer Überlastung von Schutzanlagen betroffen sein könnten.
Deiche, Mauern und andere Anlagen reduzieren das Risiko. Einen vollständigen Schutz garantieren sie jedoch nicht. Sie können überströmt, beschädigt oder auf ein kleineres Ereignis ausgelegt sein als das tatsächlich eintretende Hochwasser.
Brandenburg hat rund 900 Millionen Euro investiert
Das Land hat in den vergangenen 30 Jahren nach Angaben von Umweltministerin Hanka Mittelstädt rund 900 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert.
Ein aktuelles Beispiel ist Guben. Dort wurden der innerstädtische Deich erneuert und eine etwa 200 Meter lange Hochwasserschutzwand errichtet. Insgesamt flossen rund 13 Millionen Euro aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln in die Maßnahmen.
Guben reagierte auf die Fluten von 2010 und 2011
Die Lausitzer Neiße führte im Sommer 2010 ein extremes Hochwasser. Der Pegel in Guben lag zeitweise mehr als sechs Meter über dem normalen Wasserstand. Ein Deich versagte, mehrere Orte südlich der Stadt mussten evakuiert werden. Bereits 2011 folgte ein weiteres Hochwasser.
Heute schützt eine deutlich verstärkte Anlage die Wohngebiete. Das Beispiel zeigt, dass konsequente Investitionen die unmittelbare Gefahr für bestehende Siedlungen erheblich reduzieren können.
Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht
Auch ein neu gebauter Deich kann nur bis zu einer bestimmten Belastung Schutz bieten.
Brandenburg richtet viele Anlagen auf ein statistisches Jahrhunderthochwasser aus. Fällt ein Ereignis stärker aus oder treten gleichzeitig Deichschäden, Rückstau und Starkregen auf, kann dieser Schutz überschritten werden. Das Umweltministerium betont deshalb, dass eine hundertprozentige Sicherheit nicht erreichbar ist.
Technischer Schutz kann falsche Sicherheit erzeugen
Eine hohe Mauer oder ein sanierter Deich vermittelt den Bewohnern verständlicherweise Sicherheit. Dadurch steigt jedoch manchmal der politische Druck, hinter den Anlagen weitere Flächen zu bebauen.
Je mehr Häuser, Gewerbebetriebe und Straßen dort entstehen, desto größer wird der mögliche Schaden, falls das Schutzbauwerk doch versagt.
Hochwasserschutz muss deshalb stets mit einer vorsichtigen Flächenplanung verbunden werden.
Bebauung ehemaliger Auen verschärft das Schadenspotenzial
Viele Städte und Dörfer entstanden historisch an Flüssen. Wasserwege ermöglichten Handel, Landwirtschaft, Energiegewinnung und Verkehr.
Im Laufe der Jahrzehnte wurden natürliche Überschwemmungsflächen eingedeicht, entwässert und bebaut. Das Wasser erhielt weniger Raum, während gleichzeitig immer mehr Werte in den gefährdeten Gebieten entstanden.
Auen wirken wie natürliche Speicher
Eine intakte Flussaue kann Hochwasser aufnehmen und zeitlich verzögert wieder abgeben.
Wird sie vom Fluss getrennt oder versiegelt, fließt das Wasser schneller weiter. Dadurch steigen die Pegel möglicherweise flussabwärts. Die Deutsche Umwelthilfe fordert deshalb neben technischen Anlagen einen stärkeren naturbasierten Hochwasserschutz.
Dazu gehören wieder angeschlossene Auen, renaturierte Bäche, Feuchtwiesen, Moore und Flächen, auf denen sich Wasser gefahrlos ausbreiten darf.
Hochwasserschutz beginnt weit entfernt vom Deich
Ein Deich schützt meist nur den unmittelbar dahinterliegenden Bereich.
Wie hoch eine Flutwelle dort ankommt, entscheidet sich aber im gesamten Einzugsgebiet eines Flusses. Jeder begradigte Bach, jeder entwässerte Acker und jede neue Asphaltfläche kann die Geschwindigkeit beeinflussen, mit der Niederschlag in die Gewässer gelangt.
Wasser muss länger in der Landschaft bleiben
Brandenburg leidet regelmäßig sowohl unter Trockenheit als auch unter Hochwassergefahr. Für beide Probleme gibt es eine gemeinsame Antwort: Wasser darf nicht möglichst schnell aus der Landschaft abgeleitet werden.
Moore, Wälder, Feuchtgebiete und strukturreiche Äcker können Niederschläge speichern. Das hilft in trockenen Zeiten und dämpft bei starkem Regen die Abflussspitzen.
Starkregen trifft auch Orte ohne großen Fluss
Die DUH-Untersuchung konzentriert sich vor allem auf ausgewiesene Hochwasserrisikogebiete entlang von Gewässern.
Kommunen müssen zusätzlich lokale Starkregengefahren berücksichtigen. Dabei können innerhalb kurzer Zeit Straßen, Unterführungen, Keller und tiefer gelegene Wohngebiete überflutet werden.
Kanalisation kann extreme Niederschläge nicht vollständig aufnehmen
Abwassersysteme werden nicht dafür ausgelegt, jeden theoretisch möglichen Starkregen ohne Überflutung abzuleiten. Das wäre technisch kaum machbar und finanziell nicht bezahlbar.
Städte benötigen deshalb Flächen, auf denen Wasser vorübergehend stehen kann, ohne große Schäden zu verursachen. Dazu gehören Grünanlagen, abgesenkte Plätze, offene Gräben und sogenannte Retentionsflächen.
Kommunen brauchen aktuelle Gefahrenkarten
Das Landesamt für Umwelt stellt Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten für verschiedene Szenarien bereit.
Sie zeigen mögliche Überflutungsflächen, Wassertiefen, betroffene Einwohner, Flächennutzungen und Schutzgebiete. Unterschieden werden häufige Hochwasser, Jahrhundertereignisse und extreme Szenarien ohne die Wirkung vorhandener Schutzanlagen.
Karten müssen in konkrete Entscheidungen einfließen
Die Daten sind nur dann nützlich, wenn sie bei Bauleitplanung, Katastrophenschutz und privaten Vorsorgemaßnahmen berücksichtigt werden.
Eine Kommune sollte in einem Gefahrenbereich nicht gleichzeitig neue Bauflächen ausweisen und Jahre später öffentliche Gelder für zusätzliche Schutzanlagen verlangen.
Bestehende Siedlungen müssen geschützt werden. Neue Risiken sollten jedoch möglichst gar nicht erst entstehen.
Eigentümer müssen auch selbst vorsorgen
Öffentlicher Hochwasserschutz kann private Vorsorge nicht vollständig ersetzen.
Hausbesitzer in gefährdeten Gebieten sollten prüfen, ob Wasser durch Kellerfenster, Türen, Rückstau aus der Kanalisation oder tiefer gelegene Zufahrten eindringen kann.
Kleine Maßnahmen können Schäden begrenzen
Mögliche Schutzmaßnahmen sind druckwasserdichte Kellerfenster, Rückstauklappen, mobile Barrieren und eine höher gelegene Installation empfindlicher Heizungs- oder Elektrotechnik.
Auch Heizöltanks müssen gegen Aufschwimmen gesichert sein. Ein Tank, der sich bei einer Überflutung löst, kann Gebäude beschädigen und das Wasser großflächig verunreinigen.
Versicherungsschutz bleibt lückenhaft
Eine gewöhnliche Wohngebäudeversicherung deckt Hochwasserschäden nicht automatisch ab.
Dafür ist in der Regel eine zusätzliche Elementarschadenversicherung notwendig. Eigentümer sollten genau prüfen, welche Ereignisse und Gebäudeteile der Vertrag umfasst.
Hohe Risiken können Beiträge erhöhen
In besonders gefährdeten Gebieten können Versicherungen teurer sein oder Selbstbeteiligungen verlangen.
Das ist für Betroffene belastend. Es macht zugleich sichtbar, dass ein Haus in einem Überschwemmungsgebiet ein dauerhaftes finanzielles Risiko trägt – selbst dann, wenn über Jahre kein Hochwasser eintritt.
Warnsysteme müssen auch nachts funktionieren
Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 zeigte, wie entscheidend rechtzeitige und verständliche Warnungen sind.
Sirenen, Warn-Apps, Rundfunk, Lautsprecherfahrzeuge und direkte Ansprache müssen sich ergänzen. Kein einzelner Warnkanal erreicht alle Menschen.
Eine Warnung braucht klare Handlungsanweisungen
Die Information „Es droht Hochwasser“ reicht nicht aus.
Bewohner müssen wissen, welche Straßen betroffen sein können, ob Keller verlassen werden sollen, wohin sie sich begeben können und ab wann eine Evakuierung gilt.
Kommunen sollten entsprechende Abläufe regelmäßig üben, bevor eine konkrete Gefahr entsteht.
Elbe-Elster braucht besonderen politischen Fokus
Der hohe Risikowert von 5,63 macht Elbe-Elster zum auffälligsten Brandenburger Landkreis im aktuellen Vergleich.
Neben der Zahl gefährdeter Adressen spricht auch der Flächenanteil von 10,4 Prozent für einen erheblichen Handlungsbedarf.
Alte Deiche dürfen nicht zum Dauerproblem werden
Hochwasserschutzanlagen müssen regelmäßig kontrolliert, gepflegt und an neue Erkenntnisse angepasst werden.
Sanierungsverfahren dauern häufig viele Jahre, weil Grundstücke erworben, Umweltbelange geprüft und Fördermittel gesichert werden müssen. Für Einwohner gefährdeter Orte ist es schwer nachvollziehbar, wenn bekannte Schwachstellen über lange Zeit bestehen bleiben.
Land und Bund müssen Genehmigungen beschleunigen, ohne Umweltprüfungen lediglich abzuschaffen.
Brandenburg an der Havel muss Wasser als Stadtplanungsthema behandeln
Der Anteil von 34,9 Prozent Risikofläche ist außergewöhnlich hoch.
Die Stadt kann ihre Lage an Havel und Seen nicht verändern. Sie kann aber steuern, wo künftig gebaut wird und wie bestehende Quartiere geschützt werden.
Neue Baugebiete brauchen einen Wasserplan
Bei größeren Projekten sollte frühzeitig geprüft werden:
Wo fließt Starkregen hin? Welche Flächen können Wasser speichern? Sind Zufahrten für Rettungsdienste auch bei Überflutung nutzbar? Welche technischen Anlagen liegen im Erdgeschoss oder Keller?
Solche Fragen dürfen nicht erst nach Erteilung der Baugenehmigung auftauchen.
Dahme-Spreewald steht zwischen Wachstum und Vorsorge
Der Landkreis profitiert von seiner Nähe zu Berlin, dem Flughafen BER und neuen Gewerbeansiedlungen.
Dieses Wachstum erhöht jedoch die Verantwortung, natürliche Rückhalteflächen zu erhalten. Ein Risikograd von 4,96 und 605 gefährdete Adressen sind ein deutliches Warnsignal.
Nicht jede freie Fläche ist Bauland
Niederungen und feuchte Wiesen erscheinen bei trockenem Wetter häufig unproblematisch.
Ihre Bedeutung zeigt sich erst bei langem Regen oder hohen Pegeln. Werden sie bebaut, fehlt der Landschaft später genau jener Raum, den das Wasser im Extremfall benötigt.
Trockenheit darf Hochwasservorsorge nicht verdrängen
Im Juli 2026 stehen in Brandenburg Wasserknappheit, Waldbrandgefahr und sinkende Pegel im Mittelpunkt.
In sieben Landkreisen gelten Wasserentnahmebeschränkungen; weitere Städte prüfen ähnliche Schritte.
Politik und Öffentlichkeit dürfen deshalb trotzdem nicht den Eindruck gewinnen, Hochwasserschutz könne warten.
Extreme können innerhalb eines Jahres wechseln
Ein trockenes Frühjahr und ein heißer Sommer schließen ein nasses Herbst- oder Winterhalbjahr nicht aus.
Die Schutzanlagen müssen unabhängig von der aktuellen Wetterlage funktionsfähig sein. Deichpflege, Gewässerunterhaltung und Katastrophenschutz lassen sich nicht erst beginnen, wenn die Pegel bereits steigen.
Ein Warnsignal, aber kein Grund für Panik
Der Hochwasser-Check zeigt potenzielle Risiken, keine bevorstehende Katastrophe.
Er erlaubt auch keinen einfachen Vergleich der Qualität sämtlicher Deiche oder kommunaler Schutzkonzepte. Die berechneten Werte hängen von Flächenanteilen und gefährdeten Adressen ab und bilden nicht jede örtliche Besonderheit vollständig ab.
Trotzdem liefert die Untersuchung eine klare Botschaft.
Brandenburg an der Havel, Dahme-Spreewald und Elbe-Elster besitzen eine Kombination aus großen Risikoflächen und zahlreichen potenziell betroffenen Gebäuden. Diese Regionen müssen beim Hochwasserschutz besonders aufmerksam bleiben.
Brandenburg muss Schutz und Landschaft gemeinsam denken
Rund 900 Millionen Euro hat das Land nach eigenen Angaben in drei Jahrzehnten investiert. Schutzmauern wie in Guben zeigen, dass dieses Geld konkrete Sicherheit schaffen kann.
Doch das nächste Hochwasser lässt sich nicht allein mit immer höheren Mauern bewältigen.
Brandenburg benötigt sanierte Deiche, zuverlässige Warnsysteme und leistungsfähige Feuerwehren. Gleichzeitig braucht das Land wieder mehr Flächen, die Wasser aufnehmen können, statt es möglichst schnell weiterzuleiten.
Der aktuelle Sommer führt diese doppelte Herausforderung besonders deutlich vor Augen: Einerseits trocknen Flüsse und Böden aus. Andererseits können dieselben Regionen bei extremen Niederschlägen erhebliche Überschwemmungsschäden erleiden.
Hochwasserschutz und Schutz vor Dürre gehören deshalb zusammen.
Beides beginnt mit derselben Entscheidung: Wasser muss mehr Raum erhalten.