Hoyerswerda. Während in Hoyerswerda über Jahrzehnte Tausende Wohnungen abgerissen wurden, entsteht an einer zentralen Stelle wieder neuer Wohnraum. An der Ecke Dietrich-Bonhoeffer-Straße und Einsteinstraße, unmittelbar an der Schwarzen Elster und nahe der Bautzener Brücke, baut die Wohnungsgenossenschaft LebensRäume Hoyerswerda das sogenannte Helios-Quartier.

Der offizielle Baustart erfolgte am 22. April 2026. Anstelle eines klassischen Spatenstichs setzte der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft symbolisch den ersten Baggeraushub. Die Fertigstellung ist für Anfang 2028 vorgesehen.

Das Projekt fällt nicht allein wegen seiner Lage auf. Die Genossenschaft verbindet den Neubau mit einem besonderen Energie- und Mietmodell. Solarstrom von Dächern und Fassaden soll einen erheblichen Teil des Energiebedarfs decken. Geheizt wird elektrisch über Infrarotheizungen. Statt getrennter Kaltmiete, Betriebskosten und späterer Nachzahlungen ist eine feste monatliche Pauschale geplant.

Zwei Häuser mit insgesamt 32 Wohnungen

Das Quartier besteht aus zwei unterschiedlich hohen Gebäuden.

Vier und sechs Geschosse

Geplant sind ein viergeschossiger und ein sechsgeschossiger Neubau. Zusammen sollen darin 32 Wohnungen entstehen. Die Grundrisse reichen von zwei bis vier Zimmern. Die Wohnflächen liegen nach Angaben der Genossenschaft zwischen ungefähr 68 und 100 Quadratmetern.

Damit richtet sich das Angebot nicht ausschließlich an Singles oder ältere Paare. Auch kleinere Familien sollen passende Wohnungen finden.

Alle Wohnungen sind mit Aufzügen erreichbar

Die Wohnungen werden über Aufzüge und Laubengänge erschlossen. Balkone gehören ebenfalls zum Konzept.

Damit reagiert die Genossenschaft auf eine wachsende Nachfrage nach barrierearmen und altersgerechten Wohnungen. Gerade in einer Stadt mit einem hohen Anteil älterer Einwohner ist ein Aufzug längst kein Luxus mehr, sondern ein entscheidendes Vermietungsmerkmal.

Anfang 2028 soll der Einzug möglich sein

Die Fertigstellung ist derzeit für Anfang 2028 vorgesehen.

Ob dieser Termin gehalten werden kann, hängt vom Baufortschritt, der Verfügbarkeit von Material und Fachkräften sowie möglichen technischen Überraschungen ab. Bei einem Projekt mit neuartigem Energie- und Versorgungskonzept ist zudem eine sorgfältige Inbetriebnahme notwendig.

Rund elf Millionen Euro werden investiert

Das Investitionsvolumen liegt bei etwa elf Millionen Euro.

Mehr als 340.000 Euro je Wohnung

Teilt man die Gesamtsumme rechnerisch durch die 32 Wohnungen, ergibt sich ein Investitionswert von mehr als 340.000 Euro je Einheit. Darin sind allerdings nicht nur die reinen Wohnflächen enthalten.

Zum Projekt gehören Aufzüge, Außenanlagen, Stellplätze, Garagen, Ladeinfrastruktur, Photovoltaikanlagen, technische Systeme und Gemeinschaftsflächen.

Neubau ist deutlich teurer geworden

Moderne Bauvorschriften, Löhne, Materialpreise, Brandschutz, Schallschutz und energetische Anforderungen haben die Kosten neuer Wohnungen in den vergangenen Jahren erheblich erhöht.

Das macht die spätere Miethöhe zu einer entscheidenden Frage. Ein innovatives Quartier hilft dem Wohnungsmarkt nur begrenzt, wenn sich große Teile der Bevölkerung die Wohnungen nicht leisten können.

Genossenschaft trägt erhebliches wirtschaftliches Risiko

Bei einem Investitionsvolumen von elf Millionen Euro muss das Quartier dauerhaft gut vermietet sein.

Leerstände, unerwartet hohe Wartungskosten oder ein nicht funktionierendes Energiekonzept könnten das wirtschaftliche Ergebnis belasten. LebensRäume muss deshalb technisch und kaufmännisch vorsichtig kalkulieren.

Pauschalmiete soll Nachzahlungen vermeiden

Das auffälligste Merkmal ist das geplante Mietmodell.

Ein fester monatlicher Betrag

Nach den veröffentlichten Angaben soll die Nutzungsgebühr neben dem eigentlichen Wohnen auch Betriebs- und Energiekosten umfassen. Eine klassische jährliche Nebenkostenabrechnung mit möglicher Nachzahlung soll entfallen.

Für Mieter bedeutet das zunächst eine deutlich bessere Planbarkeit.

Überraschungen am Jahresende sollen entfallen

Viele Haushalte wissen erst nach der Betriebskostenabrechnung, wie hoch ihre tatsächlichen Wohnkosten im vergangenen Jahr waren.

Steigen Energiepreise oder wurde mehr geheizt als erwartet, können hohe Nachzahlungen entstehen. Ein Pauschalmodell verteilt dieses Risiko stärker auf den Vermieter beziehungsweise die Genossenschaft.

Verbrauch kann trotzdem nicht unbegrenzt sein

Eine Pauschalmiete darf nicht dazu führen, dass Strom, Warmwasser oder Heizenergie scheinbar unbegrenzt verbraucht werden können.

Die Genossenschaft benötigt klare Regeln für außergewöhnlich hohen Verbrauch. Denkbar sind angemessene Verbrauchsgrenzen, technische Messungen oder Nachberechnungen bei offensichtlicher Verschwendung.

Die genaue Vertragsgestaltung wird deshalb entscheidend.

Solarstrom soll direkt am Gebäude erzeugt werden

Photovoltaik wird zu einem zentralen Bestandteil des Quartiers.

Anlagen auf Dächern und Fassaden

Solarpaneele sind nicht nur auf den Dachflächen, sondern auch an Teilen der Fassaden vorgesehen.

Dadurch kann über den Tages- und Jahresverlauf mehr Fläche zur Stromerzeugung genutzt werden. Fassadenanlagen liefern insbesondere bei tiefer stehender Sonne andere Ertragsprofile als reine Dachanlagen.

Strom wird dort erzeugt, wo er verbraucht wird

Der erzeugte Strom soll möglichst unmittelbar für Wohnungen, Heizung und Gebäudetechnik eingesetzt werden.

Dadurch sinkt der Bezug aus dem öffentlichen Netz. Gleichzeitig werden Leitungsverluste vermieden, die bei weit entfernten Erzeugungsanlagen entstehen.

Vollständige Autarkie bleibt schwierig

Die Bezeichnung „möglichst energieautark“ darf nicht mit vollständiger Unabhängigkeit verwechselt werden.

Im Winter ist der Heizbedarf besonders hoch, während Photovoltaikanlagen weniger Strom liefern. Das Quartier wird deshalb zumindest zeitweise weiterhin Energie aus dem öffentlichen Netz benötigen.

Entscheidend ist, wie hoch der tatsächliche Eigenversorgungsanteil über ein vollständiges Jahr ausfällt.

Geheizt wird mit Infrarotheizungen

Das Quartier verzichtet nach den veröffentlichten Planungen auf klassische Zentralheizungen. Stattdessen sollen elektrische Infrarotheizungen eingesetzt werden.

Wärme entsteht direkt in den Wohnungen

Infrarotheizungen erwärmen nicht zuerst große Mengen Luft, sondern geben Strahlungswärme an Oberflächen und Personen ab.

Sie benötigen keine Heizungsrohre, Heizkörper oder zentrale Wärmeerzeugung. Dadurch können Bau und Wartung technisch einfacher werden.

Stromverbrauch muss genau kalkuliert sein

Elektrische Direktheizungen gelten nur dann als wirtschaftlich und ökologisch überzeugend, wenn das Gebäude sehr gut gedämmt ist und ausreichend günstiger beziehungsweise selbst erzeugter Strom zur Verfügung steht.

Muss im Winter viel Netzstrom zugekauft werden, können die Kosten erheblich steigen.

Praxistest wird besonders aufmerksam verfolgt

Das Helios-Quartier wird zeigen müssen, ob die Verbindung aus Photovoltaik, guter Dämmung, Infrarotheizung und Pauschalmiete im Alltag funktioniert.

Die Genossenschaft sollte Verbrauchsdaten und Erfahrungen nach den ersten Betriebsjahren transparent auswerten. Nur so kann das Projekt als Vorbild für weitere Wohnanlagen dienen.

Stellplätze und Ladepunkte gehören zum Konzept

Auch die Mobilität der Bewohner wird berücksichtigt.

Neun Garagen und zusätzliche Stellplätze

Nach den veröffentlichten Planungen entstehen neun Garagen sowie weitere Stellplätze zwischen den Gebäuden.

Damit bleibt das Quartier trotz seiner zentralen Lage deutlich auf private Fahrzeuge eingestellt.

Ladesäulen für Elektroautos

Ein Teil der Stellflächen soll mit Ladeinfrastruktur ausgestattet werden.

Das ist bei einem vollständig stromorientierten Gebäude folgerichtig. Gleichzeitig muss die elektrische Gesamtleistung so ausgelegt werden, dass Heizung, Haushalte und mehrere Fahrzeuge parallel versorgt werden können.

Fahrrad-Carport ist ebenfalls geplant

Für Fahrräder soll ein eigener überdachter Abstellbereich entstehen.

Gerade wegen der Lage an der Schwarzen Elster und zwischen Alt- und Neustadt besitzt das Fahrrad dort großes Potenzial. Sichere und wettergeschützte Stellplätze sind deshalb sinnvoller als einfache Bügel im Freien.

Lage verbindet Altstadt und Neustadt

Das Grundstück besitzt für Hoyerswerda eine besondere städtebauliche Bedeutung.

Direkt an der Schwarzen Elster

Das Quartier entsteht an einem landschaftlich attraktiven Abschnitt des Flusses. Gleichzeitig liegt es nahe wichtiger Straßen, Einrichtungen und Einkaufsangebote.

Die Bewohner erhalten damit eine Verbindung aus Natur, Innenstadtlage und kurzen Wegen.

Fläche war lange nur zwischengenutzt

Auf dem Grundstück stand zuvor die sogenannte Orange Box. Die Fläche hatte über längere Zeit eher den Charakter einer Zwischenlösung. Mit dem Neubau wird sie wieder dauerhaft in den Stadtraum eingebunden.

Neubau schließt eine städtebauliche Lücke

Die neuen Häuser sollen die bisher offene Fläche an einer wichtigen Verbindung fassen.

Ob dies gelingt, hängt nicht allein von der Architektur ab. Auch Wege, Grünflächen und die Gestaltung zum Fluss und zur Straße entscheiden darüber, ob ein wirklich urbanes Quartier entsteht.

Hoyerswerda baut trotz vorhandener Leerstände neu

Das Projekt wirft eine grundsätzliche Frage auf: Warum benötigt eine schrumpfende Stadt neue Wohnungen?

Leerstand bedeutet nicht automatisch passendes Angebot

Hoyerswerda besitzt zwar freie Wohnungen, doch viele entsprechen nicht mehr heutigen Erwartungen.

Fehlende Aufzüge, kleine Bäder, ungünstige Grundrisse, hohe Etagen und veraltete Ausstattung können dazu führen, dass Wohnungen trotz insgesamt großer Bestände schwer vermietbar sind.

Neue Fachkräfte stellen andere Ansprüche

Mit Forschungsprojekten wie dem Smart Mobility Lab und weiteren Strukturwandelvorhaben sollen neue Beschäftigte in die Stadt kommen.

Diese Zielgruppe sucht häufig moderne Wohnungen, schnelle Internetverbindungen, Stellplätze, Balkone und eine attraktive Umgebung.

Neubau und Bestandsmodernisierung müssen zusammenpassen

Hoyerswerda darf dennoch nicht nur auf neue Leuchtturmprojekte setzen.

Der größte Teil der Bevölkerung lebt weiterhin in bestehenden Gebäuden. Auch dort müssen Aufzüge, Barrierefreiheit, Energieverbrauch und Wohnumfeld verbessert werden.

Stadt setzt gleichzeitig auf weitere Neubauprojekte

Das Helios-Quartier ist nicht das einzige aktuelle Wohnungsbauvorhaben.

Wohnpark „An der Bleichwiese“

Die städtische Wohnungsgesellschaft errichtet in der Altstadt vier Häuser mit insgesamt 32 Wohnungen. Die Zwei- bis Vier-Raum-Wohnungen sollen ungefähr 65 bis 140 Quadratmeter groß werden. Der Bau läuft seit 2024 und soll bis 2027 abgeschlossen sein.

Unterschiedliche Wohnlagen werden entwickelt

Während die Bleichwiese auf die historische Altstadt setzt, verbindet das Helios-Quartier die Neustadt mit der Flusslage und zentralen Versorgungsangeboten.

Damit entsteht ein breiteres Angebot für unterschiedliche Zielgruppen.

Insgesamt 64 neue Wohnungen

Beide Projekte zusammen schaffen 64 Wohnungen.

Für eine Stadt von der Größe Hoyerswerdas ist das keine riesige Zahl. Dennoch zeigen die Vorhaben einen Wandel: Statt ausschließlich über Rückbau zu sprechen, wird wieder gezielt in neue Wohnqualität investiert.

Neue Wohnungen sollen Fachkräfte in der Stadt halten

Strukturwandelprojekte versprechen neue Arbeitsplätze. Diese Beschäftigten benötigen geeigneten Wohnraum.

Forscher und Ingenieure sollen nicht nur pendeln

Hoyerswerda profitiert deutlich weniger, wenn neue Mitarbeiter täglich aus Dresden, Cottbus oder Bautzen anreisen.

Die Stadt braucht deshalb Wohnungen, die Menschen zum dauerhaften Umzug bewegen.

Familien achten auf mehr als die Wohnung

Gute Grundrisse und niedrige Energiekosten reichen allein nicht.

Schulen, Kindertagesstätten, Ärzte, Freizeitangebote, Sicherheit und Verkehrsanbindung entscheiden ebenfalls darüber, ob Familien ihren Lebensmittelpunkt nach Hoyerswerda verlegen.

Wohnungsbau ist Teil der Standortpolitik

Moderne Wohnungen können deshalb ebenso wichtig sein wie Gewerbeflächen und Forschungsgebäude.

Eine Stadt, die neue Arbeitsplätze schafft, aber keine passenden Wohnangebote bietet, verliert einen Teil der Wertschöpfung an umliegende Kommunen.

Die Pauschalmiete muss transparent bleiben

Ein fester Gesamtpreis klingt einfach, darf aber nicht unübersichtlich werden.

Mieter müssen wissen, was enthalten ist

Der Vertrag sollte genau benennen, welche Leistungen von der Pauschale abgedeckt werden.

Dazu gehören möglicherweise Heizung, Haushaltsstrom, Wasser, Müll, Hausreinigung und weitere Betriebskosten. Unklare Formulierungen können später zu Streit führen.

Preisänderungen brauchen nachvollziehbare Regeln

Auch eine Pauschalmiete kann nicht für Jahrzehnte unverändert bleiben.

Steigen Wartungs-, Strom- oder Versicherungskosten, benötigt die Genossenschaft ein rechtssicheres Verfahren zur Anpassung. Diese Regeln müssen bereits bei Vertragsabschluss verständlich sein.

Vergleich mit anderen Wohnungen wird schwieriger

Mieter vergleichen normalerweise Kaltmiete und Nebenkosten getrennt.

Beim Helios-Quartier zählt dagegen ausschließlich die tatsächliche Gesamtbelastung. Die Genossenschaft sollte deshalb Beispielrechnungen veröffentlichen, damit Interessenten das Angebot mit anderen Wohnungen vergleichen können.

Nachhaltigkeit entscheidet sich am gesamten Gebäude

Photovoltaik allein macht noch kein nachhaltiges Quartier.

Baumaterialien verursachen Emissionen

Beton, Stahl, Glas und Dämmstoffe benötigen bei Herstellung und Transport viel Energie.

Ein ehrliches Klimakonzept berücksichtigt deshalb auch die sogenannte graue Energie des Neubaus.

Gebäude müssen viele Jahrzehnte nutzbar bleiben

Nachhaltigkeit bedeutet ebenfalls, dass Grundrisse veränderbar sind, Technik repariert werden kann und Materialien nicht nach kurzer Zeit ersetzt werden müssen.

Außenanlagen brauchen Schatten und Grün

Große Fassaden und versiegelte Stellplätze können sich im Sommer stark aufheizen.

Bäume, begrünte Flächen und wasserdurchlässige Oberflächen verbessern das Mikroklima und helfen bei Starkregen.

Kritische Stimmen verweisen auf Baumfällungen

Im Umfeld des Bauprojektes wurde auch Kritik an der Beseitigung vorhandener Bäume geäußert. Ein lokaler Bericht dokumentiert entsprechenden Unmut aus der Bürgerschaft.

Ersatzpflanzungen brauchen Jahrzehnte

Junge Bäume ersetzen kurzfristig nicht die Schatten- und Kühlwirkung großer alter Bäume.

Die Genossenschaft sollte deshalb offenlegen, welche Gehölze entfernt wurden, warum sie nicht erhalten werden konnten und wie viele neue Bäume gepflanzt werden.

Klimafreundliches Gebäude braucht klimafreundliches Umfeld

Ein solarbetriebenes Quartier wirkt widersprüchlich, wenn sein Bau unnötig wertvolles Stadtgrün beseitigt.

Architektur, Energie und Freiraumplanung müssen deshalb gemeinsam bewertet werden.

Barrierearm ist nicht automatisch vollständig barrierefrei

Die Aufzüge verbessern die Erreichbarkeit erheblich.

Schwellen und Türbreiten sind entscheidend

Für Rollstuhlfahrer zählen außerdem ausreichend breite Türen, Bewegungsflächen in Bädern und Küchen sowie schwellenlose Balkone.

Unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen

Nicht jede barrierearme Wohnung erfüllt sämtliche Anforderungen dauerhaft mobilitätseingeschränkter Menschen.

Die Genossenschaft sollte klar benennen, wie viele Wohnungen vollständig rollstuhlgerecht ausgeführt werden.

Altersgerechter Wohnraum wird dringend benötigt

Hoyerswerda besitzt eine alternde Bevölkerung. Viele Bewohner möchten ihre vertraute Stadt nicht verlassen, benötigen aber eine leichter zugängliche Wohnung.

Das Helios-Quartier könnte einen Teil dieser Nachfrage bedienen – sofern die Mieten für Rentner bezahlbar bleiben.

Was vor der Vermietung noch bekannt werden muss

Mehrere wichtige Angaben stehen bislang nicht eindeutig öffentlich fest.

Höhe der monatlichen Pauschalmiete

Ohne den tatsächlichen Gesamtpreis lässt sich nicht beurteilen, ob das Quartier ein breites Angebot oder ein hochpreisiges Nischenprojekt wird.

Enthaltene Energie- und Betriebskosten

Interessenten müssen wissen, welche Leistungen vollständig abgedeckt sind und wo zusätzliche Zahlungen entstehen können.

Verbrauchsgrenzen

Es braucht Klarheit darüber, ob bei besonders hohem Strom- oder Wasserverbrauch Nachberechnungen vorgesehen sind.

Zahl vollständig barrierefreier Wohnungen

Die allgemeine Erreichbarkeit per Aufzug sagt noch nichts über die Ausstattung einzelner Wohnungen aus.

Vergabe der Wohnungen

Die Genossenschaft nimmt bereits Vormerkungen entgegen.

Sie sollte rechtzeitig erklären, nach welchen Kriterien die Wohnungen vergeben werden.

Hoyerswerda muss wieder bauen dürfen – aber für die richtigen Menschen

Hoyerswerda ist über Jahrzehnte zum Symbol für Abriss und Bevölkerungsschwund geworden. Gerade deshalb ist es ein wichtiges Signal, dass an einer zentralen Stelle wieder Wohnungen entstehen.

Das Helios-Quartier verbindet mehrere richtige Ansätze: moderne Grundrisse, Aufzüge, Solarstrom, Ladepunkte und planbare Wohnkosten. Die Lage zwischen Alt- und Neustadt besitzt ebenfalls großes Potenzial.

Doch elf Millionen Euro für 32 Wohnungen sind eine erhebliche Investition. Das Projekt muss deshalb mehr leisten als gute Architektur und eine auffällige Vermarktung.

Entscheidend ist die Bezahlbarkeit. Eine Pauschalmiete hilft wenig, wenn der feste Gesamtpreis nur für sehr gut verdienende Haushalte tragbar ist. Hoyerswerda braucht moderne Wohnungen für Fachkräfte und Rückkehrer, aber ebenso für ältere Menschen, Familien und durchschnittliche Einkommen.

Auch das Energieversprechen muss sich im Alltag beweisen. Infrarotheizung und Photovoltaik können in einem sehr gut gedämmten Gebäude funktionieren. Ob der selbst erzeugte Strom tatsächlich ausreicht und die Pauschale wirtschaftlich bleibt, zeigt sich jedoch erst nach mehreren Wintern.

Die Genossenschaft sollte diese Erfahrungen offenlegen. Dann kann Helios zu einem echten Modellprojekt werden, von dem auch andere Wohnungsunternehmen lernen.

Hoyerswerda braucht keinen erneuten großflächigen Wohnungsbau wie zu Zeiten der Kohleindustrie. Es braucht gezielte Qualität an den richtigen Standorten. Das Helios-Quartier kann genau dafür stehen – sofern aus dem innovativen Konzept am Ende bezahlbares und dauerhaft funktionierendes Wohnen wird.