Cottbus. Der Lausitz Science Park tritt in eine neue Entwicklungsphase ein.

Zum 1. Juli 2026 wurde die Lausitz Science Park GmbH gegründet. Die neue Gesellschaft soll die Entwicklung, Vermarktung und organisatorische Steuerung des künftigen Forschungs- und Innovationsstandortes übernehmen. Damit erhält eines der wichtigsten Strukturwandelprojekte in Cottbus erstmals eine eigenständige unternehmerische Grundlage.

Der geplante Wissenschaftspark soll unmittelbar an den Zentralcampus der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg anknüpfen.

Dort sollen Forschungseinrichtungen, junge Unternehmen, industrielle Partner und internationale Investoren zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt stehen Zukunftsfelder wie Energie, klimafreundliche Industrie, Digitalisierung, Gesundheit, Mobilität und neue Antriebstechnologien.

Eigene Gesellschaft soll Entwicklung beschleunigen

Große Wissenschafts- und Gewerbeprojekte benötigen mehr als einzelne Förderbescheide.

Grundstücke müssen erschlossen, Institute angesiedelt, Unternehmen gewonnen und Infrastrukturprojekte aufeinander abgestimmt werden. Bisher verteilten sich diese Aufgaben auf unterschiedliche Einrichtungen und öffentliche Partner.

Die neue GmbH soll diese Arbeit bündeln.

Zu ihren Aufgaben dürften insbesondere gehören:

  • die Entwicklung und Vermarktung von Flächen,
  • die Ansiedlung von Forschungseinrichtungen und Unternehmen,
  • die Begleitung von Investoren,
  • die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft,
  • sowie der Aufbau einer gemeinsamen Marke für den Standort.

Mit der Gesellschaft soll der Science Park nach außen geschlossener auftreten. Unternehmen und Forschungsorganisationen erhalten einen zentralen Ansprechpartner, statt für jedes Anliegen mehrere Behörden und Projektträger kontaktieren zu müssen.

Mehr als 4,9 Millionen Euro für die Erschließung

Der Aufbau des Kerngebietes wird bereits mit Strukturstärkungsmitteln unterstützt.

Im Juli 2025 erhielt die Entwicklungsgesellschaft Cottbus einen Förderbescheid über rund 4,97 Millionen Euro. Das Geld ist für die Erschließung des Kerngebietes und notwendige Planungsleistungen vorgesehen. Das Land Brandenburg bezeichnet den Lausitz Science Park als Kernprojekt des regionalen Strukturwandels.

Die Förderung schafft eine Grundlage für:

  • Straßen und Wege,
  • technische Leitungen,
  • vorbereitende Planungen,
  • Grundstücksentwicklung,
  • und die spätere Ansiedlung neuer Einrichtungen.

Diese Arbeiten sind für Besucher später kaum sichtbar. Ohne sie kann jedoch kein Forschungsgebäude und kein Unternehmensstandort entstehen.

Der Science Park beginnt deshalb nicht mit spektakulären Glasfassaden, sondern mit Vermessung, Planung, Versorgung und Baurecht.

Forschung soll neue Industrie hervorbringen

Cottbus benötigt nicht nur zusätzliche wissenschaftliche Einrichtungen.

Entscheidend ist, ob aus Forschung neue Produkte, Unternehmen und Arbeitsplätze entstehen.

Die BTU besitzt bereits Forschungsprojekte in Bereichen wie Energietechnik, Leichtbau, Digitalisierung und klimafreundliche Mobilität. Der Science Park soll ermöglichen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in wirtschaftliche Anwendungen überführt werden.

Ein Unternehmen könnte beispielsweise gemeinsam mit der Universität:

  • neue Energiespeicher entwickeln,
  • Bauteile erproben,
  • Produktionsverfahren verbessern,
  • Software testen,
  • oder klimafreundliche Antriebssysteme zur Marktreife bringen.

Die räumliche Nähe ist dabei ein Vorteil.

Forscher, Ingenieure und Unternehmen müssen nicht über große Entfernungen zusammenarbeiten, sondern können Labore, Prüfstände und Fachpersonal gemeinsam nutzen.

CHESCO gehört zu den wichtigsten Ankern

Ein bedeutender Baustein des Wissenschaftsstandortes ist das Center for Hybrid Electric Systems Cottbus, kurz CHESCO.

Das Forschungszentrum beschäftigt sich mit hybrid-elektrischen und elektrischen Antrieben für die Luftfahrt. Für Aufbau und Ausstattung waren Investitionen von insgesamt rund 238 Millionen Euro vorgesehen. Bereits für ein erstes Teilvorhaben wurden knapp 39 Millionen Euro bewilligt.

In der Forschungsfabrik sollen Komponenten entwickelt, gefertigt und getestet werden.

Dazu gehören unter anderem:

  • Elektromotoren,
  • Leistungselektronik,
  • Antriebssysteme,
  • Prüfstände,
  • und neue Produktionsverfahren.

CHESCO zeigt, welche Art von Projekten der Lausitz Science Park anziehen soll: technologisch anspruchsvoll, international vernetzt und mit einer möglichen industriellen Anwendung.

Ob daraus langfristig größere Produktionsstandorte entstehen, bleibt jedoch offen.

Forschung allein garantiert noch keine Serienfertigung in der Region.

Anschluss an die BTU ist der größte Standortvorteil

Der Science Park entsteht nicht auf einer isolierten Gewerbefläche.

Er wächst in unmittelbarer Nähe zur BTU Cottbus-Senftenberg. Dadurch können Unternehmen auf wissenschaftliche Kompetenz, Studierende, Absolventen und vorhandene Labore zugreifen.

Für die Universität bietet die Zusammenarbeit ebenfalls Vorteile.

Studierende erhalten Praktikums-, Forschungs- und möglicherweise spätere Arbeitsmöglichkeiten. Wissenschaftler können ihre Entwicklungen gemeinsam mit Firmen erproben. Aus Forschungsgruppen können neue Unternehmen hervorgehen.

Diese Verbindung ist entscheidend.

Viele ostdeutsche Regionen besitzen gute Hochschulen, verlieren ihre Absolventen aber nach dem Studium an größere Wirtschaftszentren.

Der Lausitz Science Park soll dazu beitragen, dass mehr junge Fachkräfte in Cottbus bleiben.

Arbeitsplätze müssen gut bezahlt und dauerhaft sein

Der Strukturwandel wird letztlich nicht an der Zahl neuer Institute gemessen.

Er wird daran gemessen, ob Menschen sichere und gut bezahlte Arbeit finden.

Die Braunkohlewirtschaft bot über Jahrzehnte tarifgebundene Industriearbeitsplätze. Ein Forschungscampus kann diese Arbeitsplätze nicht eins zu eins ersetzen.

Neue Stellen entstehen möglicherweise für:

  • Ingenieure,
  • Naturwissenschaftler,
  • IT-Fachkräfte,
  • Laborpersonal,
  • Techniker,
  • Handwerker,
  • Verwaltungskräfte,
  • und Beschäftigte im Gebäudebetrieb.

Entscheidend ist die Mischung.

Ein Standort, der fast ausschließlich hoch spezialisierte Wissenschaftler beschäftigt, erreicht nur einen kleinen Teil der regionalen Bevölkerung. Der Science Park muss deshalb auch Unternehmen anziehen, die Produktion, technische Dienstleistungen und Ausbildungsplätze schaffen.

Internationale Unternehmen sollen nach Cottbus kommen

Der Anspruch des Projektes reicht über Brandenburg hinaus.

Cottbus soll als international sichtbarer Forschungs- und Innovationsstandort auftreten. Dafür benötigt der Science Park Unternehmen, Institute und Fachkräfte aus dem Ausland.

Internationale Ansiedlungen setzen jedoch gute Rahmenbedingungen voraus:

  • schnelle Genehmigungen,
  • verfügbare Gewerbe- und Forschungsflächen,
  • internationale Schulen,
  • englischsprachige Verwaltungsangebote,
  • attraktive Wohnungen,
  • schnelle Bahnverbindungen,
  • und eine offene städtische Atmosphäre.

Ein Wissenschaftler oder Unternehmensleiter entscheidet nicht allein anhand eines Förderbescheides.

Auch Lebensqualität, Familienangebote und Erreichbarkeit spielen eine Rolle.

Straßenbahnanschluss ist bereits vorgesehen

Der Wissenschaftspark muss leistungsfähig an die Stadt angebunden werden.

Das Land Brandenburg fördert den Ausbau und die Optimierung des Cottbuser Straßenbahnnetzes. Zu den vorgesehenen Projekten gehört auch die Anbindung der BTU und des Lausitz Science Parks. Für die Weiterentwicklung des Netzes wurden bereits Fördermittel in Höhe von 36 Millionen Euro zugesagt.

Eine gute ÖPNV-Anbindung ist für einen Campus dieser Größe unverzichtbar.

Studierende und Beschäftigte sollen den Standort erreichen können, ohne täglich auf das Auto angewiesen zu sein. Gleichzeitig müssen Verbindungen zum Hauptbahnhof, zur Innenstadt und zu neuen Wohngebieten funktionieren.

Der Straßenbahnausbau darf deshalb nicht erst erfolgen, wenn die ersten großen Gebäude bereits eröffnet sind.

Verkehrsinfrastruktur muss dem Wachstum vorausgehen.

Stromnetz wird für neue Großprojekte ausgebaut

Neue Forschungs- und Industrieeinrichtungen benötigen große Mengen elektrischer Energie.

Labore, Rechenzentren, Prüfstände und Produktionsanlagen stellen andere Anforderungen als gewöhnliche Bürogebäude.

Cottbus baut deshalb sein Stromnetz für die großen Strukturwandelprojekte aus. Das Land stellte dem kommunalen Energieversorger bereits 25 Millionen Euro zur Verfügung. Das Netz soll unter anderem für das Bahnwerk, den Science Park und die Universitätsmedizin leistungsfähiger werden.

Dieser Ausbau zeigt, wie eng die Einzelprojekte miteinander verbunden sind.

Ein Forschungsstandort kann nicht unabhängig von Energieversorgung, Verkehr, Wohnungen und digitaler Infrastruktur entwickelt werden.

Konkurrenz zu anderen Wissenschaftsstandorten

Cottbus ist mit seinem Vorhaben nicht allein.

Berlin, Dresden, Leipzig, Potsdam und zahlreiche westdeutsche Städte werben ebenfalls um Forschungsinstitute, Start-ups und Technologieunternehmen.

Viele dieser Standorte besitzen bereits:

  • große Unternehmensnetzwerke,
  • internationale Flughäfen,
  • etablierte Forschungscampus,
  • Kapitalgeber,
  • und eine hohe Bekanntheit.

Cottbus muss deshalb ein klares Profil entwickeln.

Ein allgemeiner Anspruch, „Zukunftstechnologien“ anzusiedeln, reicht nicht. Der Science Park benötigt Bereiche, in denen er tatsächlich besondere Kompetenz besitzt.

Dazu können gehören:

  • Energiewende,
  • hybrid-elektrische Mobilität,
  • nachhaltige Industrie,
  • Kreislaufwirtschaft,
  • Gesundheitstechnologie,
  • und die Transformation ehemaliger Kohleregionen.

Fördergelder dürfen nicht zum Selbstzweck werden

Die Lausitz erhält bis 2038 Milliardenbeträge für den Strukturwandel.

Über verschiedene Programme des Bundes und des Landes werden Verkehrswege, Forschung, Wirtschaft, Kultur und kommunale Infrastruktur gefördert. Allein für vom Bund direkt finanzierte Vorhaben stehen mehr als 6,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Zu den besonders hervorgehobenen Projekten gehören die Medizinische Universität Lausitz und der Science Park.

Diese Summen wecken hohe Erwartungen.

Doch öffentliches Geld ist noch kein wirtschaftlicher Erfolg.

Ein Forschungsgebäude kann vollständig gefördert sein und später trotzdem nur wenige dauerhafte Arbeitsplätze schaffen. Ein Institut kann wissenschaftlich erfolgreich arbeiten, ohne dass regionale Unternehmen davon profitieren.

Deshalb braucht der Science Park messbare Ziele:

  • Wie viele Unternehmen werden angesiedelt?
  • Wie viele Arbeitsplätze entstehen?
  • Wie viele Ausgründungen werden geschaffen?
  • Wie viel privates Kapital wird mobilisiert?
  • Wie viele Absolventen bleiben in der Region?
  • Welche Aufträge erhalten Lausitzer Unternehmen?

Erst diese Zahlen zeigen, ob Strukturwandel tatsächlich gelingt.

Flächenentwicklung birgt finanzielle Risiken

Die Erschließung großer Gebiete kostet viel Geld.

Straßen, Leitungen und Planungen müssen häufig bezahlt werden, bevor Grundstücke verkauft oder vermietet werden können. Der städtische Haushaltsplan weist darauf hin, dass die Entwicklungsgesellschaft für die Erschließung des Kerngebietes unter Umständen finanzielle Sicherheiten benötigt und auch Zinslasten tragen muss.

Damit entsteht ein wirtschaftliches Risiko.

Bleiben Ansiedlungen hinter den Erwartungen zurück, können Flächen länger ungenutzt bleiben. Die vorbereitenden Kosten bestehen trotzdem.

Die neue Gesellschaft muss deshalb vorsichtig planen und Investitionen abschnittsweise an der tatsächlichen Nachfrage ausrichten.

Der Science Park darf nicht zu einem riesigen erschlossenen Gelände werden, auf dem jahrelang nur wenige Gebäude stehen.

Cottbus verändert sein wirtschaftliches Gesicht

Der Science Park ist eines von mehreren Großprojekten, die Cottbus grundlegend verändern sollen.

Dazu gehören:

  • das neue ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn,
  • die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem,
  • der Cottbuser Ostsee,
  • neue Forschungsinstitute,
  • und der Ausbau von Energie- und Verkehrsinfrastruktur.

Die Stadt entwickelt sich damit von einem klassischen Energie- und Verwaltungsstandort zu einem Zentrum für Bahnindustrie, Medizin, Forschung und Technologie.

Dieser Wandel wird das Stadtbild, den Arbeitsmarkt und den Wohnungsbedarf verändern.

Cottbus könnte wachsen und neue Fachkräfte gewinnen.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Schulen, Wohnungen, Kitas, Verkehr und Verwaltung.

Einwohner müssen vom Strukturwandel profitieren

Große Zukunftsprojekte erzeugen schnell eine Sprache, die weit vom Alltag vieler Menschen entfernt ist.

Es geht dann um Innovation, Transformation, Cluster und internationale Sichtbarkeit.

Für die Bevölkerung zählen konkretere Fragen:

  • Entstehen sichere Arbeitsplätze?
  • Steigen die Löhne?
  • Finden junge Menschen Ausbildungsplätze?
  • Verbessert sich der Nahverkehr?
  • Bleiben Wohnungen bezahlbar?
  • Erhalten regionale Unternehmen Aufträge?
  • Und werden Steuergelder nachvollziehbar eingesetzt?

Der Science Park wird nur dann breite Unterstützung erhalten, wenn die Bürger einen Nutzen erkennen.

Ein Strukturwandel, der sich ausschließlich in Konferenzen und Forschungsberichten zeigt, wird die Region nicht überzeugen.

Die Gründung ist ein Anfang – kein Erfolgssiegel

Die Gründung der Lausitz Science Park GmbH ist ein wichtiger Schritt.

Das Projekt erhält eine klare organisatorische Struktur und kann gegenüber Unternehmen, Instituten und Investoren professioneller auftreten.

Cottbus besitzt mit der BTU, CHESCO, dem Bahnwerk und der neuen Universitätsmedizin außergewöhnliche Chancen.

Nur wenige ostdeutsche Städte erhalten innerhalb kurzer Zeit vergleichbare Investitionen.

Nun beginnt jedoch der schwierigere Teil.

Aus Fördermitteln müssen Unternehmen entstehen. Aus Forschung müssen Produkte werden. Aus neuen Gebäuden müssen gut bezahlte Arbeitsplätze hervorgehen.

Der Lausitz Science Park darf kein reines Immobilien- oder Behördenprojekt werden.

Er muss ein Ort sein, an dem Wissenschaft und Wirtschaft tatsächlich zusammenarbeiten und regionale Wertschöpfung schaffen.

Die Gesellschaft ist gegründet.

Ob sie zum Motor des Lausitzer Strukturwandels wird, entscheidet sich erst in den kommenden Jahren.