Magdeburg. Sie ist eine der wichtigsten Sportstätten Sachsen-Anhalts und Heimat eines der erfolgreichsten Schwimmstandorte Deutschlands. Doch derzeit steht die Elbeschwimmhalle weitgehend still.

Schäden an der Dachkonstruktion haben dazu geführt, dass das große 50-Meter-Becken nicht mehr genutzt werden kann. Untersuchungen ergaben, dass die Tragfähigkeit der Dachträger nicht mehr ausreichend gewährleistet ist. Die große Halle wurde deshalb bereits Ende Dezember geschlossen.

Am 3. Juli 2026 beschloss der Magdeburger Stadtrat eine aufwendige Zwischenlösung: Ein zusätzliches Traggerüst soll das marode Dach stabilisieren. Dafür sind rund fünf Millionen Euro vorgesehen. Die Arbeiten sollen etwa ein Jahr dauern. Eine Wiedereröffnung wird frühestens für den Sommer 2027 erwartet.

Für eine Stadt, die sich gern als Sportstadt präsentiert, ist die Situation ein schwerer Rückschlag.

Heimat von Olympiasiegern und Weltklasseschwimmern

Die Elbeschwimmhalle ist keine gewöhnliche kommunale Badeanstalt.

Sie gehört zum Bundesstützpunkt Schwimmen und wird von den Leistungssportlern des SC Magdeburg genutzt. Hier trainieren beziehungsweise trainierten internationale Spitzenschwimmer wie:

  • Lukas Märtens,
  • Florian Wellbrock,
  • Isabel Gose,
  • Sharon van Rouwendaal,
  • sowie weitere Nationalmannschafts- und Nachwuchsathleten.

Lukas Märtens gewann bei den Olympischen Spielen 2024 Gold über 400 Meter Freistil. Florian Wellbrock gehört seit Jahren zur Weltspitze im Becken- und Freiwasserschwimmen. Isabel Gose gewann ebenfalls internationale Medaillen.

Hinter diesen Erfolgen stehen täglich mehrere Trainingseinheiten, medizinische Betreuung, Leistungsdiagnostik und langfristig planbare Wasserzeiten.

Genau daran fehlt es nun.

Die Leistungsschwimmer müssen auf andere Hallen ausweichen und sich dort die begrenzten Zeiten mit Vereinen, Schulen und Freizeitsportlern teilen. Bundestrainer Bernd Berkhahn forderte deshalb verlässliche Trainingsmöglichkeiten – auch mit Blick auf die Weltmeisterschaften 2027 und die Olympischen Spiele 2028.

Nicht nur der Spitzensport ist betroffen

Die öffentliche Diskussion konzentriert sich stark auf die prominenten Schwimmer des SC Magdeburg. Doch die Schließung trifft wesentlich mehr Menschen.

Betroffen sind:

  • Schwimmvereine,
  • Nachwuchsgruppen,
  • Wasserballer,
  • Schulen,
  • Seniorengruppen,
  • Rehabilitations- und Gesundheitssport,
  • Schwimmlernkurse,
  • Familien und Freizeitschwimmer.

Wenn Leistungssportler auf andere Hallen ausweichen müssen, werden dort zusätzliche Zeiten benötigt. Diese fehlen anschließend möglicherweise anderen Nutzern.

Die Belastung verteilt sich dadurch auf das gesamte Magdeburger Bädernetz.

Besonders betroffen sind Bürger aus:

  • der Altstadt,
  • der Alten Neustadt,
  • der Neuen Neustadt,
  • Stadtfeld Ost und West,
  • Cracau,
  • Brückfeld,
  • Werder,
  • Buckau,
  • Sudenburg,
  • Reform,
  • Olvenstedt,
  • Diesdorf,
  • sowie dem nördlichen und südlichen Stadtgebiet.

Auch Schwimmer aus dem Umland nutzen die Magdeburger Anlagen. Dazu gehören Sportler und Familien aus Barleben, Wolmirstedt, Schönebeck, Biederitz, Burg, Haldensleben und dem gesamten Landkreis Börde.

Fünf Millionen Euro für ein Traggerüst

Die beschlossene Lösung ist keine vollständige Dachsanierung im klassischen Sinne.

Geplant ist vielmehr, die beschädigte Konstruktion durch ein zusätzliches Traggerüst abzustützen. Damit soll die Halle vorübergehend wieder nutzbar gemacht werden.

Die Kosten von rund fünf Millionen Euro sind erheblich. Der Stadtrat erwartet konkrete Baupläne im November. Die eigentlichen Arbeiten sollen danach umgesetzt werden.

Damit stellen sich mehrere Fragen:

  • Warum wurde der Zustand des Daches nicht früher erkannt?
  • Seit wann waren Schäden bekannt?
  • Welche regelmäßigen Prüfungen wurden vorgenommen?
  • Warum ist für eine Zwischenlösung ein ganzes Jahr Bauzeit notwendig?
  • Welche Bestandteile des Daches werden tatsächlich erneuert?
  • Wie lange kann das Traggerüst genutzt werden?
  • Sind weitere Sanierungskosten zu erwarten?
  • Was geschieht mit dem Gerüst, wenn der Neubau fertig ist?

Die Stadt sollte diese Fragen offen beantworten. Schließlich werden fünf Millionen Euro Steuergeld nicht für eine dauerhafte neue Schwimmhalle ausgegeben, sondern zunächst für die Sicherung eines alten Gebäudes.

Die Halle ist mehr als 60 Jahre alt

Die Elbeschwimmhalle wurde Anfang der 1960er-Jahre errichtet. Sie war bereits zu DDR-Zeiten ein bedeutender Standort des Leistungssports.

Das Gebäude ist damit mehr als sechs Jahrzehnte alt. Dass bei einem Bauwerk dieses Alters Sanierungsbedarf entsteht, ist nicht überraschend.

Überraschend ist jedoch, wenn ein zentraler Teil der Tragkonstruktion so problematisch wird, dass die wichtigste Schwimmhalle der Landeshauptstadt kurzfristig geschlossen werden muss.

Die Elbeschwimmhalle war bereits in der Vergangenheit sanierungsbedürftig. Vor diesem Hintergrund muss geklärt werden, ob notwendige Maßnahmen zu lange verschoben wurden.

Kommunen stehen regelmäßig vor schwierigen Entscheidungen. Schulen, Straßen, Brücken, Kitas, Sportanlagen und Verwaltungsgebäude konkurrieren um begrenzte Mittel. Doch gerade bei tragenden Bauteilen darf Instandhaltung nicht dauerhaft aufgeschoben werden.

Wer frühzeitig wartet und repariert, verhindert häufig teure Notmaßnahmen.

Neubau für mehr als 50 Millionen Euro geplant

Parallel zur Notlösung plant Magdeburg ein neues nationales Schwimmzentrum.

Die neue Halle soll voraussichtlich bis zum Sommer 2029 entstehen und mehr als 50 Millionen Euro kosten. Förderanträge bei Bund und Land wurden nach Angaben der Stadt fristgerecht eingereicht.

Der Neubau soll dem Leistungs- und Spitzensport langfristig bessere Bedingungen bieten. Vorgesehen ist eine moderne Anlage, die den Anforderungen nationaler und internationaler Trainingsstandards entspricht.

Damit steht Magdeburg vor einer ungewöhnlichen Situation:

  1. Für rund fünf Millionen Euro wird die alte Halle zunächst gesichert.
  2. Frühestens 2027 soll sie wieder zur Verfügung stehen.
  3. Rund zwei Jahre später könnte bereits der Neubau fertig sein.
  4. Insgesamt werden damit möglicherweise deutlich mehr als 55 Millionen Euro investiert.

Das kann sinnvoll sein, wenn die alte Halle später dauerhaft für Schulen, Vereine und Freizeitsport genutzt wird. Dafür benötigt die Stadt jedoch ein nachvollziehbares Nutzungskonzept.

Was geschieht mit der alten Elbeschwimmhalle?

Bislang bleibt die langfristige Zukunft des Gebäudes eine der entscheidenden Fragen.

Mögliche Varianten sind:

  • dauerhafte Nutzung für Vereins- und Schulsport,
  • Nutzung als zusätzliches öffentliches Schwimmbad,
  • weiterer Betrieb als Trainingshalle,
  • grundlegende spätere Sanierung,
  • Umnutzung,
  • oder langfristig eine Stilllegung.

Eine reine Notabstützung für fünf Millionen Euro wäre nur schwer zu rechtfertigen, wenn die Halle wenige Jahre später endgültig aufgegeben würde.

Andererseits benötigt Magdeburg dringend zusätzliche Wasserflächen. Schon heute konkurrieren Leistungssport, Schulen, Vereine und Öffentlichkeit um begrenzte Zeiten.

Der Neubau sollte daher nicht automatisch bedeuten, dass die alte Halle überflüssig wird.

Schwimmunterricht darf nicht weiter leiden

Die Schließung betrifft auch den Schwimmunterricht.

Bundesweit können immer weniger Kinder sicher schwimmen. Geschlossene oder überlastete Schwimmhallen verschärfen diese Entwicklung.

Wenn Schulklassen keine geeigneten Wasserzeiten erhalten, wird Schwimmunterricht gekürzt, verschoben oder vollständig gestrichen. Besonders betroffen sind Kinder aus Familien, die private Schwimmkurse nicht bezahlen können.

Magdeburg muss deshalb gewährleisten, dass vorhandene Hallenzeiten nicht ausschließlich nach sportlicher Leistungsstärke vergeben werden.

Der Spitzensport ist wichtig. Er bringt der Stadt Erfolge, Ansehen und internationale Aufmerksamkeit. Doch ebenso wichtig ist die Grundaufgabe, Kindern das Schwimmen beizubringen.

Eine ausgewogene Übergangslösung muss berücksichtigen:

  • Leistungssport,
  • Nachwuchssport,
  • Schulsport,
  • Schwimmlernkurse,
  • Gesundheitssport,
  • Öffentlichkeit.

Ausweichhallen geraten an ihre Grenzen

Magdeburg verfügt über mehrere weitere Schwimmhallen und Freibäder. Diese Anlagen können den Ausfall eines 50-Meter-Beckens jedoch nur begrenzt auffangen.

Als Ausweichmöglichkeiten kommen unter anderem Hallen in Diesdorf, Nord, Olvenstedt und der Großen Diesdorfer Straße infrage. Hinzu kommen saisonal die Freibäder.

Doch dort bestehen eigene Belegungspläne, technische Grenzen und Öffnungszeiten.

Wenn zusätzliche Trainingsgruppen aufgenommen werden, kann dies bedeuten:

  • weniger öffentliches Schwimmen,
  • verschobene Vereinszeiten,
  • überfüllte Becken,
  • spätere Trainingszeiten für Kinder,
  • zusätzliche Fahrtwege,
  • höhere Betriebskosten.

Für Familien aus Cracau, Brückfeld oder der Altstadt kann ein Wechsel nach Diesdorf oder Olvenstedt erhebliche zusätzliche Wege bedeuten. Dasselbe gilt umgekehrt für Vereine aus dem Westen der Stadt, wenn sie in andere Stadtteile ausweichen müssen.

Kann das ehemalige Gerichtsgebäude helfen?

Nach Abschluss des Prozesses um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt wird geprüft, ob das eigens genutzte Gerichtsgebäude als vorübergehende Schwimmhalle umgebaut werden könnte.

Die Idee klingt ungewöhnlich, könnte aber eine zusätzliche Trainingsmöglichkeit schaffen. Nach Medienberichten untersucht die Stadt, ob eine solche Umnutzung technisch und wirtschaftlich machbar wäre.

Dabei stellen sich allerdings zahlreiche praktische Fragen:

  • Ist die Bodenplatte für ein Schwimmbecken geeignet?
  • Welche Wasser- und Abwasserleitungen wären notwendig?
  • Wie hoch wären die Umbaukosten?
  • Welche Beckengröße wäre möglich?
  • Wie lange würde der Umbau dauern?
  • Könnte die Anlage nach 2029 weitergenutzt werden?
  • Wäre eine mobile Beckenlösung wirtschaftlicher?

Eine teure Übergangslösung, die erst kurz vor der Wiedereröffnung der Elbeschwimmhalle fertig wird, hätte wenig Nutzen.

Deshalb muss die Stadt schnell rechnen und entscheiden.

Magdeburgs Ruf als Sportstadt steht auf dem Spiel

Magdeburg bezeichnet sich zu Recht als eine der erfolgreichsten Sportstädte Ostdeutschlands.

Neben dem Schwimmen stehen auch Handball, Fußball, Kanu, Rudern, Leichtathletik und weitere Sportarten für die Stadt.

Die Erfolge von Lukas Märtens, Florian Wellbrock und Isabel Gose sind eng mit dem Standort verbunden. Sie machen Magdeburg national und international bekannt.

Ein Spitzenstandort kann jedoch nicht dauerhaft von Improvisation leben.

Athleten und Trainer brauchen:

  • verlässliche Trainingszeiten,
  • funktionierende Anlagen,
  • moderne Technik,
  • Regenerationseinrichtungen,
  • medizinische Betreuung,
  • langfristige Planung.

Wenn diese Voraussetzungen fehlen, steigt das Risiko, dass Sportler, Trainer oder Nachwuchstalente langfristig andere Standorte bevorzugen.

Versäumte Instandhaltung wird teuer

Der Fall der Elbeschwimmhalle steht beispielhaft für ein grundsätzliches Problem vieler ostdeutscher Kommunen.

Zahlreiche öffentliche Gebäude stammen aus DDR-Zeiten oder den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg. Viele wurden nach 1990 modernisiert, aber nicht vollständig erneuert.

Heute erreichen gleichzeitig Schulen, Sporthallen, Schwimmbäder, Brücken und Verwaltungsgebäude kritische Altersgrenzen.

Betroffen sind nicht nur Magdeburg, sondern auch Halle, Dessau-Roßlau, Stendal, Halberstadt, Bitterfeld-Wolfen, Merseburg und viele kleinere Städte Sachsen-Anhalts.

Kommunen verschieben Sanierungen häufig aus Geldmangel. Dadurch werden aus überschaubaren Reparaturen später Millionenschäden.

Bund und Land müssen deshalb kommunale Investitionen stärker auf den Erhalt bestehender Infrastruktur ausrichten. Ein neues Prestigeprojekt ist politisch häufig attraktiver als die Erneuerung eines Daches. Für die Bürger ist ein funktionierendes Gebäude jedoch wichtiger als eine feierliche Grundsteinlegung.

Eine Sportstadt muss ihre Sportstätten erhalten

Magdeburg kann stolz auf seine Schwimmer sein.

Olympiasieger, Weltmeister und Europameister haben den Namen der Stadt in die Welt getragen. Hinter jedem Erfolg stehen jahrelanges Training und eine Infrastruktur, die aus kommunalen und staatlichen Mitteln finanziert wird.

Gerade deshalb ist der Zustand der Elbeschwimmhalle so ernüchternd.

Eine Sportstätte dieser Bedeutung darf nicht erst dann zum politischen Hauptthema werden, wenn das Dach nicht mehr ausreichend standsicher ist.

Die fünf Millionen Euro teure Abstützung ist jetzt vermutlich notwendig. Doch sie darf nicht das Ende der Aufarbeitung sein.

Die Stadt muss erklären, warum es so weit kommen konnte, wer für die regelmäßige Kontrolle verantwortlich war und wie künftig verhindert wird, dass weitere öffentliche Gebäude überraschend geschlossen werden müssen.

Gleichzeitig braucht Magdeburg eine faire Übergangslösung für Leistungssportler, Vereine, Schulen und Familien.

Der geplante Neubau ist eine große Chance. Aber auch mehr als 50 Millionen Euro schaffen noch kein funktionierendes Schwimmzentrum, solange Finanzierung, Bauzeit und langfristige Nutzung nicht gesichert sind.

Magdeburg möchte Sportstadt sein.

Dazu gehören nicht nur Medaillenfeiern und Empfänge im Rathaus.

Dazu gehört vor allem, die Orte zu erhalten, an denen diese Erfolge täglich erarbeitet werden.