Die angekündigte Gewitterfront hat Thüringen am Freitagnachmittag erreicht und in mehreren Landesteilen Schäden verursacht. Feuerwehren, Polizei und kommunale Einsatzkräfte mussten zu zahlreichen wetterbedingten Einsätzen ausrücken.

Besonders betroffen waren zunächst die südthüringischen Landkreise Hildburghausen und Sonneberg. Auch aus dem Saale-Holzland-Kreis, dem Saale-Orla-Kreis und der Stadt Jena wurden Einsätze wegen heftiger Regenfälle, herabgestürzter Äste und umgestürzter Bäume gemeldet.

Nach den bislang vorliegenden Angaben standen Straßen unter Wasser, Bäume blockierten Verkehrswege und Gebäudeteile wurden durch den Sturm beschädigt. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.

Feuerwehren im Dauereinsatz

Die Gewitter zogen örtlich mit Starkregen und kräftigen Windböen über den Freistaat.

Die Einsatzkräfte mussten vor allem umgestürzte Bäume und größere Äste beseitigen, überflutete Straßen sichern und lose Gebäudeteile entfernen. In mehreren Regionen liefen die Einsätze gleichzeitig, wodurch Feuerwehren und Leitstellen stark gefordert waren.

Süden Thüringens besonders betroffen

Ein Schwerpunkt lag in den Landkreisen Hildburghausen und Sonneberg.

Dort waren die Feuerwehren mit zahlreichen Sturmschäden beschäftigt. Die Gewitterzellen brachten innerhalb kurzer Zeit große Regenmengen und kräftige Böen. Dadurch konnten Böden und Kanalisation das Wasser teilweise nicht schnell genug aufnehmen.

Wasser sammelte sich auf Straßen und in tiefer gelegenen Bereichen. Gleichzeitig brachen Äste ab oder ganze Bäume stürzten um.

Dachziegel beschädigen fünf Fahrzeuge

In Gompertshausen im Landkreis Hildburghausen lösten sich während des Unwetters Dachziegel von einem Gebäude.

Die herabfallenden Teile beschädigten nach den veröffentlichten Angaben fünf abgestellte Fahrzeuge. Über die Höhe des Sachschadens lagen am frühen Abend noch keine verlässlichen Angaben vor.

Gefahr durch lose Gebäudeteile

Starke Windböen können besonders bei älteren oder bereits vorgeschädigten Dächern Ziegel, Bleche und Verkleidungsteile lösen.

Solche Teile entwickeln beim Herabfallen eine erhebliche Kraft. Menschen sollten sich während eines Unwetters deshalb nicht unmittelbar an Hauswänden, Baugerüsten oder unter sichtbar beschädigten Dachflächen aufhalten.

Auch Fahrzeuge sind dort besonders gefährdet.

Umgestürzte Bäume blockieren die B 85

In Probstzella im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt stürzten Bäume auf die Bundesstraße 85.

Die Straße war dadurch teilweise blockiert. Einsatzkräfte mussten die Hindernisse beseitigen und den betroffenen Bereich absichern.

Straßen können plötzlich unpassierbar werden

Bei kräftigen Sturmböen können Bäume ohne längere Vorwarnung auf Fahrbahnen kippen.

Besonders gefährlich sind dicht bewaldete Straßenabschnitte, Alleen und Strecken entlang steiler Hänge. Autofahrer müssen dort mit abgebrochenen Ästen, umgestürzten Bäumen und plötzlich auftretenden Wasseransammlungen rechnen.

Auch nach dem Ende eines Gewitters können geschädigte Bäume noch umstürzen.

Stromleitung in Katzhütte beschädigt

In Katzhütte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wurde nach bisherigen Informationen eine Stromleitung beschädigt.

Ob es dadurch zu längeren Stromausfällen kam, war am frühen Abend noch nicht abschließend bekannt.

Beschädigte Leitungen niemals berühren

Herabgerissene oder beschädigte Stromleitungen stellen eine unmittelbare Lebensgefahr dar.

Auch wenn keine Funken sichtbar sind, kann die Leitung weiterhin unter Spannung stehen. Bürger sollten einen großen Sicherheitsabstand halten und Feuerwehr oder Netzbetreiber informieren.

Das gilt ebenso für Äste oder Fahrzeuge, die mit einer Leitung in Berührung gekommen sind.

Unfälle auf der A 71

Auf der Autobahn 71 nördlich des Erfurter Kreuzes wurden während der Unwetterlage mehrere Verkehrsunfälle gemeldet.

Ob alle Unfälle unmittelbar durch Starkregen, Aquaplaning oder Wind verursacht wurden, war zunächst nicht abschließend geklärt.

Starkregen verschlechtert Sicht in Sekunden

Bei heftigen Gewittern kann die Sichtweite innerhalb kürzester Zeit stark zurückgehen.

Große Wassermengen auf der Fahrbahn erhöhen gleichzeitig die Gefahr von Aquaplaning. Reifen verlieren dabei den direkten Kontakt zur Straße, wodurch Lenk- und Bremsbewegungen kaum noch Wirkung zeigen.

Autofahrer sollten bei Starkregen:

  • die Geschwindigkeit deutlich reduzieren,
  • den Abstand vergrößern,
  • auf hektische Lenkbewegungen verzichten,
  • das Abblendlicht einschalten,
  • überflutete Fahrbahnabschnitte meiden.

Jena und Ostthüringen melden zahlreiche Einsätze

Auch in Jena, im Saale-Holzland-Kreis und im Saale-Orla-Kreis mussten Feuerwehren zu zahlreichen wetterbedingten Ereignissen ausrücken.

Gemeldet wurden vor allem umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und Behinderungen infolge heftiger Regenfälle.

Gewitterzellen treffen Regionen sehr unterschiedlich

Sommerliche Unwetter treten häufig räumlich eng begrenzt auf.

Während eine Stadt oder ein Ortsteil von Starkregen und Sturm getroffen wird, kann es wenige Kilometer entfernt nahezu trocken bleiben. Diese großen lokalen Unterschiede erschweren genaue Vorhersagen.

Deshalb sollten Bürger nicht allein darauf vertrauen, dass am eigenen Standort zunächst noch kein Gewitter sichtbar ist.

Große Regenmengen innerhalb kurzer Zeit

Der Deutsche Wetterdienst hatte für Freitag vor schweren Gewittern in weiten Teilen Ostdeutschlands gewarnt.

Im Mittelpunkt der Warnlage stand vor allem heftiger Starkregen. Örtlich waren Niederschlagsmengen von 25 bis 40 Litern pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit möglich. Regional konnten auch höhere Werte auftreten.

Kanalisation kann Wassermassen nicht aufnehmen

Fallen große Regenmengen innerhalb weniger Minuten, stoßen Kanalisation und Entwässerungsanlagen schnell an ihre Grenzen.

Wasser staut sich dann auf Straßen, läuft in Unterführungen und kann in Keller oder Tiefgaragen eindringen.

Besonders gefährdet sind:

  • tiefer gelegene Straßen,
  • Unterführungen,
  • Hanglagen,
  • Kellerzugänge,
  • kleine Bäche und Gräben,
  • Bereiche mit versiegelten Flächen.

Keine Entwarnung unmittelbar nach dem Gewitter

Auch wenn die Gewitterfront bereits weitergezogen ist, können Gefahren zurückbleiben.

Bäume können durch Wind und aufgeweichten Boden ihre Standfestigkeit verlieren. Äste brechen mitunter erst Stunden später ab. Vollgelaufene Keller und beschädigte Stromanlagen bergen weitere Risiken.

Wälder und Parks vorerst meiden

Nach schweren Sturmböen sollten Wälder, Parks und Alleen möglichst nicht betreten werden.

Von außen ist häufig nicht erkennbar, ob Äste nur noch lose in den Baumkronen hängen oder Wurzeln beschädigt wurden.

Kommunen und Forstbetriebe benötigen Zeit, um Wege zu kontrollieren und Gefahrenstellen zu beseitigen.

Feuerwehren müssen Einsätze priorisieren

Bei flächendeckenden Unwettern gehen häufig viele Notrufe gleichzeitig ein.

Die Leitstellen müssen dann entscheiden, welche Einsatzorte zuerst bearbeitet werden. Lebensbedrohliche Situationen, blockierte Rettungswege und Gefahren durch Stromleitungen haben Vorrang.

Nicht jeder Wasserschaden ist ein Notfall

Ein langsam volllaufender Keller ohne unmittelbare Gefahr kann möglicherweise nicht sofort von der Feuerwehr ausgepumpt werden.

Bürger sollten den Notruf 112 nur wählen, wenn Menschen gefährdet sind oder erhebliche Gefahren für Gebäude, Verkehr oder öffentliche Sicherheit bestehen.

Für kleinere Schäden können örtliche Handwerksbetriebe, Hausverwaltungen oder kommunale Stellen zuständig sein.

Unwetter trifft Thüringen erneut

Thüringen war bereits wenige Tage zuvor von schweren Gewittern betroffen.

Am 14. Juli hatten umgestürzte Bäume und Überschwemmungen unter anderem in der Region Gotha, im Unstrut-Hainich-Kreis und im Eichsfeld zahlreiche Einsätze ausgelöst. Straßen, Keller und Verkehrswege waren zeitweise überflutet oder blockiert.

Böden sind teilweise bereits gesättigt

Wiederholte Starkregenereignisse innerhalb weniger Tage erhöhen das Risiko weiterer Schäden.

Wenn Böden bereits viel Wasser aufgenommen haben, verlieren Bäume leichter ihre Standfestigkeit. Zusätzlicher Regen fließt schneller oberirdisch ab und kann Straßen oder Grundstücke überfluten.

Damit können selbst Gewitter, die weniger stark erscheinen, erhebliche Folgen haben.

Kommunen stehen vor wachsenden Aufgaben

Starkregen und Sturmschäden treffen nicht nur private Eigentümer.

Kommunen müssen Straßenentwässerung, Bäume, Bachläufe, Brücken und öffentliche Gebäude kontrollieren. Schäden müssen dokumentiert und Gefahrenstellen kurzfristig gesichert werden.

Vorsorge wird immer wichtiger

Zu den möglichen Schutzmaßnahmen gehören:

  • größere Rückhalteflächen,
  • regelmäßige Reinigung von Gullys,
  • Kontrolle alter Straßenbäume,
  • Freihalten von Gräben und Bachläufen,
  • Starkregenkarten für gefährdete Wohngebiete,
  • Warnsysteme für Bürger,
  • bessere Ausstattung der Feuerwehren.

Solche Maßnahmen verhindern nicht jedes Unwetter. Sie können aber Schäden begrenzen und Einsatzkräfte entlasten.

Ehrenamtliche Einsatzkräfte tragen die Hauptlast

Ein großer Teil der Feuerwehren im ländlichen Thüringen arbeitet ehrenamtlich.

Die Mitglieder verlassen bei Alarm ihre Arbeitsplätze, Familien oder Freizeitaktivitäten, um Straßen freizuräumen, Keller auszupumpen und Gefahrenstellen zu sichern.

Moderne Ausstattung ist keine Nebensache

Unwettereinsätze verlangen spezielle Technik.

Benötigt werden unter anderem:

  • leistungsfähige Pumpen,
  • Motorsägen,
  • Schutzkleidung,
  • Beleuchtung,
  • Notstromaggregate,
  • geländegängige Fahrzeuge,
  • Warn- und Kommunikationsmittel.

Wer sich auf Freiwillige Feuerwehren verlässt, muss sie dauerhaft gut ausstatten und bei Aus- und Fortbildung unterstützen.

Bürger können Schäden begrenzen

Viele kleinere Schäden lassen sich durch rechtzeitige Vorbereitung vermeiden.

Lose Gegenstände auf Balkonen, Terrassen und Grundstücken sollten gesichert werden. Dachfenster und Kellertüren müssen geschlossen bleiben. Fahrzeuge sollten möglichst nicht unter alten Bäumen oder neben Baugerüsten abgestellt werden.

Wasser niemals unterschätzen

Überflutete Straßen sollten weder zu Fuß noch mit einem Fahrzeug durchquert werden.

Die Tiefe und Strömung des Wassers sind häufig schwer einzuschätzen. Unter der Wasseroberfläche können offene Schächte, weggespülte Fahrbahnteile oder andere Hindernisse verborgen sein.

Auch Keller dürfen bei eindringendem Wasser nicht betreten werden, wenn dort elektrische Anlagen gefährdet sein könnten.

Wetterlage beruhigt sich schrittweise

Nach den Prognosen sollte sich die Gewitterlage im Verlauf des Abends und der Nacht schrittweise beruhigen.

Die genaue Entwicklung bleibt jedoch abhängig von einzelnen Gewitterzellen und ihrer Zugrichtung. Amtliche Warnungen können daher kurzfristig verlängert, verschärft oder aufgehoben werden.

Warnungen für den eigenen Ort beachten

Entscheidend sind nicht allgemeine Meldungen für das gesamte Bundesland, sondern die konkrete Warnlage für den jeweiligen Landkreis oder Wohnort.

Bürger sollten die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes, der App NINA sowie örtlicher Feuerwehren und Behörden verfolgen.

Thüringen kommt offenbar ohne Verletzte davon

Trotz zahlreicher Einsätze waren am frühen Freitagabend keine Verletzten bekannt.

Das ist angesichts der umgestürzten Bäume, beschädigten Fahrzeuge und Verkehrsbehinderungen eine gute Nachricht. Eine abschließende Bilanz lag zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht vor.

Sachschäden werden erst später sichtbar

Viele Unwetterschäden können erst nach dem Ende der Einsatzlage erfasst werden.

Dazu gehören:

  • beschädigte Dächer,
  • zerstörte Fahrzeuge,
  • vollgelaufene Keller,
  • Schäden an Straßen,
  • beschädigte Stromleitungen,
  • umgestürzte Bäume,
  • Verluste in Landwirtschaft und Gärten.

Eine belastbare Schadenssumme dürfte deshalb frühestens nach Abschluss der Aufräumarbeiten vorliegen.

Aus Warnung wird ein reales Schadensereignis

Noch am Nachmittag war vor schweren Gewittern, Starkregen und Sturmböen gewarnt worden.

Wenige Stunden später mussten Feuerwehren tatsächlich zu überfluteten Straßen, umgestürzten Bäumen und beschädigten Gebäuden ausrücken.

Das zeigt, wie schnell sich eine allgemeine Wetterwarnung in eine konkrete Gefahrenlage verwandeln kann.

Für Thüringen beginnt nach dem Gewitter nun die Aufräumarbeit. Einsatzkräfte müssen Straßen freigeben, beschädigte Leitungen sichern und Bäume kontrollieren.

Die wichtigste Nachricht des Abends bleibt: Trotz zahlreicher Schäden wurden bislang keine Verletzten gemeldet.