Potsdam ist von Wasser umgeben. Havel, Nuthe, Seen und Kanäle prägen das Bild der brandenburgischen Landeshauptstadt.
Doch ausgerechnet in der wasserreichen Stadt ist die Lage inzwischen so angespannt, dass die Verwaltung eingreifen muss: Seit dem 15. Juli 2026 ist es verboten, mit Pumpen Wasser aus Seen, Flüssen und Gräben zu entnehmen und damit Gärten oder Grundstücke zu bewässern.
Die Allgemeinverfügung der Unteren Wasserbehörde gilt im gesamten Potsdamer Stadtgebiet zunächst bis zum 1. Oktober 2026. Sie kann früher aufgehoben werden, falls sich die Lage deutlich entspannt. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus.
Verbot gilt für sämtliche Oberflächengewässer
Betroffen ist die Wasserentnahme mit technischen Pumpvorrichtungen aus allen Oberflächengewässern im Stadtgebiet.
Dazu gehören Seen, Flüsse, Gräben und auch Bundeswasserstraßen. Wer bislang eine elektrische Pumpe oder Motorpumpe nutzte, um Wasser zur Gartenbewässerung aus einem nahe gelegenen Gewässer zu holen, darf dies vorerst nicht mehr tun.
Auch kleine Entnahmen summieren sich
Eine einzelne Gartenpumpe wirkt zunächst unbedeutend.
Nehmen jedoch viele Grundstückseigentümer gleichzeitig Wasser aus einem bereits stark geschwächten Gewässer, entsteht eine erhebliche zusätzliche Belastung. Besonders problematisch ist dies in langen Trockenperioden, wenn kaum Wasser nachfließt.
Die Stadt begründet das Verbot deshalb ausdrücklich mit dem Schutz der Gewässer und ihrer ökologischen Funktionen.
Havel und Nuthe liegen tief in der roten Warnstufe
Grundlage der Entscheidung sind die hydrologischen Berichte des Landesamtes für Umwelt und die brandenburgische Auskunftsplattform Wasser.
Für Potsdam sind insbesondere die Messwerte der Havel bei Ketzin und der Nuthe bei Babelsberg wichtig. Ein Ampelsystem bewertet die Lage: Grün steht für normale Verhältnisse, Gelb für die Vorwarnstufe und Rot für eine akute Niedrigwasser-Warnstufe.
Havel führt weniger als die Hälfte des Warnwertes
An der Havel beginnt die rote Warnstufe bei einer Durchflussmenge von zwölf Kubikmetern pro Sekunde.
Gemessen wurden zuletzt nur noch 5,57 Kubikmeter pro Sekunde. Damit liegt die Wassermenge deutlich unter dem Schwellenwert.
Nuthe erreicht nur noch 0,7 Kubikmeter pro Sekunde
Bei der Nuthe beginnt die Warnstufe bei 1,8 Kubikmetern pro Sekunde.
Der aktuelle Wert lag lediglich bei 0,7 Kubikmetern pro Sekunde. Auch dieser Pegel befindet sich damit klar im roten Bereich.
Die Zahlen zeigen: Das Verbot ist keine symbolische Klimaschutzmaßnahme. Die Gewässer führen tatsächlich außergewöhnlich wenig Wasser.
Niederschläge blieben 2026 deutlich unter dem Mittel
Die Trockenheit entwickelte sich nicht erst in den vergangenen Tagen.
Nach den veröffentlichten Angaben fielen in Brandenburg im März 2026 rund 64 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Im Mai waren es 19 Prozent weniger, im Juni rund 40 Prozent weniger.
Winter füllt die Wasserspeicher nicht mehr vollständig auf
Potsdam beobachtet nach Angaben der Stadt bereits seit Jahren niedrige Sommerwasserstände.
Besonders problematisch ist, dass die Defizite während der Wintermonate inzwischen nicht mehr vollständig ausgeglichen werden. Damit beginnt ein neues Frühjahr teilweise schon mit zu niedrigen Grund- und Oberflächenwasserständen.
Das verändert die Ausgangslage grundlegend. Ein nasser Monat reicht dann nicht automatisch aus, um mehrere trockene Jahre auszugleichen.
Warum niedrige Wasserstände gefährlich sind
Sinkt der Wasserstand, bleibt für Fische und andere Wasserorganismen weniger Lebensraum.
Gleichzeitig erwärmt sich flaches Wasser schneller. Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff speichern als kaltes. Dadurch steigt die Gefahr von Sauerstoffmangel, Algenwachstum und Fischsterben.
Jede zusätzliche Entnahme verschärft den Druck
Wasser, das mit Pumpen aus einem Fluss oder See entnommen wird, fehlt unmittelbar im Gewässer.
Bei normalen Pegeln kann dies in einem begrenzten Umfang verkraftbar sein. In einer roten Warnstufe ist die Reserve jedoch weitgehend aufgebraucht.
Die Stadt schützt mit dem Verbot daher nicht nur einen abstrakten Wasserstand, sondern konkrete Lebensräume.
Verstöße können bis zu 50.000 Euro kosten
Wer trotz des Verbots eine Pumpe einsetzt, riskiert eine erhebliche Geldbuße.
Nach dem Wasserhaushaltsgesetz können Verstöße mit bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Die tatsächliche Höhe hängt vom konkreten Einzelfall ab.
Gartenbewässerung kann teuer werden
Niemand muss automatisch mit dem Höchstbetrag rechnen, wenn er einmal unerlaubt einen Gartenschlauch an eine Pumpe anschließt.
Die hohe mögliche Geldbuße zeigt jedoch, dass die Verfügung rechtlich ernst zu nehmen ist. Wiederholte, umfangreiche oder gewerbliche Entnahmen dürften deutlich strenger bewertet werden als ein geringfügiger Verstoß.
Grundstückseigentümer sollten deshalb nicht darauf hoffen, dass Kontrollen ausbleiben.
Trinkwasser aus der Leitung ist nicht automatisch verboten
Das aktuelle Verbot betrifft die Entnahme aus Oberflächengewässern mit Pumpvorrichtungen.
Es handelt sich nicht um ein vollständiges Verbot der Gartenbewässerung und auch nicht um eine allgemeine Sperre des Trinkwassernetzes. Dennoch ruft die Stadt alle Einwohner zu einem sparsamen Umgang mit Wasser auf.
Erlaubt bedeutet nicht unbegrenzt sinnvoll
Wer Leitungswasser nutzt, verstößt damit nicht gegen diese Allgemeinverfügung.
In einer lang anhaltenden Trockenperiode sollte dennoch geprüft werden, ob große Rasenflächen täglich bewässert, Pools häufig neu gefüllt oder Wege mit Trinkwasser gereinigt werden müssen.
Wasserknappheit lässt sich nicht allein durch Verbote lösen. Sie verlangt auch freiwillige Zurückhaltung.
Stadt empfiehlt Bewässerung am Morgen oder Abend
Potsdam rät dazu, Pflanzen in den frühen Morgenstunden oder am späten Abend zu bewässern.
Zu diesen Zeiten verdunstet weniger Wasser als während der heißen Mittagsstunden. Pflanzen sollten außerdem seltener, dafür gründlich gegossen werden, damit die Feuchtigkeit tiefer in den Boden eindringen kann.
Mulch hält Feuchtigkeit im Boden
Rindenmulch, Rasenschnitt oder Häckselgut können den Boden unter Sträuchern und Bäumen abdecken.
Dadurch verdunstet weniger Wasser, während der Boden länger feucht bleibt. Auch Tröpfchenbewässerung ist effizienter als ein Rasensprenger, der große Wassermengen teilweise in die Luft verteilt.
Regentonnen und Zisternen werden wichtiger
Die Stadt empfiehlt, Niederschlagswasser in Regentonnen oder größeren Zisternen zu sammeln.
Dieses Wasser kann während trockener Perioden zur Bewässerung genutzt werden, ohne Flüsse oder das Trinkwassernetz zusätzlich zu belasten.
Doch ohne Regen bleibt auch die Tonne leer
Regenwasserspeicher helfen vor allem dann, wenn Niederschläge zwar unregelmäßig, aber zeitweise kräftig auftreten.
Bei wochenlanger Trockenheit reichen kleine Tonnen schnell nicht mehr aus. Neubauten und größere Grundstücke sollten deshalb zunehmend mit ausreichend dimensionierten Zisternen geplant werden.
Potsdam könnte hierfür stärkere Anreize schaffen.
Große Rasenflächen passen immer schlechter zur Trockenheit
Ein kurz geschnittener, sattgrüner Rasen benötigt während heißer Sommer große Mengen Wasser.
Die Stadt empfiehlt deshalb, auf die Neuanlage ausgedehnter und intensiv bewässerter Rasenflächen möglichst zu verzichten.
Gärten müssen sich verändern
Trockenheitsverträgliche Pflanzen, schattenspendende Gehölze und weniger häufig gemähte Flächen sind langfristig widerstandsfähiger.
Das bedeutet nicht, private Gärten vollständig verwildern zu lassen. Es bedeutet, sie an ein Klima anzupassen, in dem lange Trockenphasen häufiger auftreten.
Eine Stadt kann nicht einerseits über sinkende Pegel klagen und andererseits weiterhin pflegeintensive Grünflächen fördern, die nur mit hohem Wasserverbrauch bestehen.
Potsdam ist kein Einzelfall
Auch andere Brandenburger Kommunen und Landkreise haben die Wasserentnahme bereits beschränkt oder verboten.
Regelungen bestehen unter anderem im Havelland, in Potsdam-Mittelmark, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und weiteren Regionen.
Wasserknappheit wird zum regionalen Problem
Die Verbote zeigen, dass es nicht um einen einzelnen besonders trockenen Bach geht.
Große Teile Brandenburgs leiden unter niedrigen Grundwasserständen, geringen Niederschlägen und hoher Verdunstung. Flüsse, Seen, Landwirtschaft, Wälder und Trinkwasserversorgung konkurrieren zunehmend um eine begrenzte Ressource.
Das verlangt gemeinsame Lösungen über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg.
Seenreiche Landschaft schützt nicht automatisch vor Wassermangel
Potsdam wirkt auf Besucher wie das Gegenteil einer trockenen Stadt.
Zwischen Havelarmen, Seen und historischen Parkanlagen scheint Wasser allgegenwärtig. Doch eine sichtbare Wasserfläche sagt wenig darüber aus, wie viel Wasser tatsächlich nachfließt und wie stabil das gesamte System ist.
Breiter See kann trotzdem niedrigen Durchfluss haben
Gerade Seen und breite Flussabschnitte vermitteln optisch den Eindruck großer Reserven.
Entscheidend sind jedoch Pegel, Durchflussmenge, Grundwasserzufluss und Verdunstung. Ein Gewässer kann noch groß aussehen und gleichzeitig ökologisch stark belastet sein.
Deshalb orientiert sich das Verbot nicht am bloßen Augenschein, sondern an Messwerten.
Klimawandel ist ein Faktor – aber nicht der einzige
Die Stadt verweist auf steigende Jahresdurchschnittstemperaturen und höhere Verdunstungsraten als Ursachen der angespannten Lage.
Je wärmer es wird, desto mehr Wasser verdunstet aus Böden, Pflanzen und offenen Gewässern.
Auch Versiegelung verschärft das Problem
Neben dem Klima spielt die Stadtentwicklung eine Rolle.
Auf versiegelten Straßen, Dächern und Parkplätzen kann Regenwasser häufig nicht ausreichend versickern. Es fließt über die Kanalisation schnell ab, statt Grundwasser und Böden zu erneuern.
Potsdam muss deshalb nicht nur weniger Wasser entnehmen, sondern bei Neubauten und Sanierungen mehr Wasser in der Landschaft halten.
Schwammstadt darf kein Modewort bleiben
Eine sogenannte Schwammstadt speichert Regen dort, wo er fällt.
Dazu gehören entsiegelte Flächen, begrünte Dächer, Mulden, Rückhaltebecken, Stadtbäume und wasserdurchlässige Wege.
Starkregen und Trockenheit gehören zusammen
Auf den ersten Blick wirken Starkregen und Wasserknappheit widersprüchlich.
Tatsächlich können beide Probleme gleichzeitig zunehmen: Regen fällt seltener, dann aber sehr stark. Kann der Boden die Wassermenge nicht aufnehmen, fließt sie schnell ab und steht während der nächsten Trockenperiode nicht mehr zur Verfügung.
Potsdam muss seine Infrastruktur auf beide Extreme vorbereiten.
Auch öffentliche Grünanlagen brauchen neue Konzepte
Parks, Straßenbäume und historische Gartenanlagen gehören zu Potsdams Identität.
Sie benötigen jedoch ebenfalls Wasser. Gerade junge Bäume sind in langen Trockenphasen gefährdet.
Trinkwasser darf nicht die einzige Lösung sein
Die Stadt sollte Regenwasserspeicher, aufbereitetes Betriebswasser und effiziente Bewässerung stärker nutzen.
Bei Neupflanzungen müssen Baumarten gewählt werden, die Hitze und Trockenheit besser verkraften. Gleichzeitig darf der historische Charakter bedeutender Parkanlagen nicht leichtfertig aufgegeben werden.
Das verlangt langfristige Planung statt kurzfristiger Notbewässerung.
Landwirtschaft und Gartenbau stehen ebenfalls unter Druck
Das Verbot betrifft in erster Linie Entnahmen aus Potsdamer Oberflächengewässern.
In der Region sind jedoch auch landwirtschaftliche und gärtnerische Betriebe auf Wasser angewiesen. Einschränkungen können Erträge gefährden und Kosten erhöhen.
Versorgungssicherheit braucht klare Prioritäten
In einer echten Mangellage muss entschieden werden, welche Nutzung Vorrang hat.
Trinkwasser, ökologische Mindestabflüsse, Landwirtschaft, Industrie und private Gartenbewässerung können nicht unbegrenzt gleichzeitig bedient werden.
Diese Prioritäten müssen transparent und frühzeitig festgelegt werden – nicht erst, wenn einzelne Gewässer bereits in der roten Warnstufe liegen.
Bürger brauchen verständliche Informationen
Eine Allgemeinverfügung ist rechtlich notwendig, erreicht aber nicht automatisch jeden Gartenbesitzer.
Die Stadt sollte deshalb klar erklären, welche Entnahmen verboten sind, welche weiterhin zulässig bleiben und wie lange die Regelung gilt.
Karten und Beispiele würden helfen
Besonders hilfreich wären konkrete Antworten:
- Darf Wasser mit einer Gießkanne geschöpft werden?
- Gilt das Verbot auch für private Teiche mit Gewässerverbindung?
- Was ist bei bestehenden wasserrechtlichen Erlaubnissen?
- Welche Regeln gelten für Vereine und Gewerbebetriebe?
- Wie werden Verstöße kontrolliert?
Je verständlicher die Vorgaben sind, desto größer ist die Akzeptanz.
Kontrolle darf nicht nur auf Privatgärten zielen
Private Pumpen sind sichtbar und leicht zu kritisieren.
Bei der Wasserbilanz müssen jedoch ebenso größere gewerbliche, öffentliche und landwirtschaftliche Nutzungen betrachtet werden.
Gleiche Regeln schaffen Vertrauen
Bürger akzeptieren Einschränkungen eher, wenn sie sehen, dass Stadt, Unternehmen und größere Verbraucher ebenfalls sparen.
Potsdam sollte deshalb transparent machen, welche Wassermengen die größten Nutzer verbrauchen und welche Einsparmaßnahmen dort vorgesehen sind.
Wasserschutz darf nicht allein zur Aufgabe von Eigenheimbesitzern mit Garten erklärt werden.
Das Verbot ist richtig – kommt aber spät
Angesichts der niedrigen Durchflusswerte war das Eingreifen notwendig.
Bei Havel und Nuthe liegen die Messwerte nicht knapp, sondern deutlich unter den Schwellen der roten Warnstufe.
Krisenpolitik reicht nicht mehr
Ein saisonales Verbot kann kurzfristig helfen.
Wenn sich die Wasserstände jedoch seit Jahren nicht vollständig erholen, braucht Potsdam eine dauerhafte Wasserstrategie. Dazu gehören Verbrauchsprognosen, neue Speicher, Versickerungsflächen, sparsame Bewässerung und klare Grenzen für neue Großverbraucher.
Jedes Jahr dieselbe Verfügung zu erlassen, wäre keine langfristige Lösung.
Potsdam muss Wachstum und Wasser zusammendenken
Die Stadt wächst, neue Wohnungen entstehen und weitere Gewerbe- und Wissenschaftsstandorte werden entwickelt.
Mehr Einwohner und Betriebe bedeuten auch einen höheren Wasserbedarf.
Baugenehmigung ohne Wasserprüfung ist nicht zukunftsfähig
Größere Neubaugebiete sollten nachweisen, wie Regenwasser gespeichert, wie Trinkwasser gespart und wie Grünflächen versorgt werden.
Auch die Verfügbarkeit von Wasser muss bei langfristigen Wachstumsentscheidungen stärker berücksichtigt werden.
Eine Stadt kann nicht unbegrenzt wachsen, wenn ihre natürlichen Ressourcen nicht mitwachsen.
Bis Oktober gilt: Pumpen bleiben aus
Die Allgemeinverfügung gilt bis zum 1. Oktober 2026, sofern sie nicht vorher aufgehoben wird. Eine grundlegende Entspannung ist nach den derzeitigen Prognosen nicht in Sicht.
Für Grundstückseigentümer bedeutet das: Wasser aus Seen, Flüssen und Gräben darf nicht mehr mit Pumpen zur Bewässerung entnommen werden.
Das Wasserverbot ist ein Warnsignal für die ganze Stadt
Potsdam lebt mit und vom Wasser.
Die Havel, die Seenlandschaft und die historischen Gärten gehören zum Selbstbild der Stadt. Umso ernster ist es, wenn Havel und Nuthe tief in der roten Niedrigwasserstufe liegen.
Das aktuelle Verbot schützt die Gewässer kurzfristig. Langfristig muss die Stadt jedoch mehr tun:
Regen speichern, Flächen entsiegeln, Verbrauch senken und Wachstum an der verfügbaren Wassermenge ausrichten.
Denn Wasserknappheit ist in Potsdam kein Problem einer fernen Zukunft mehr. Sie ist bereits so konkret, dass eine Gartenpumpe inzwischen bis zu 50.000 Euro Bußgeld nach sich ziehen kann.