Die Lutherstadt Wittenberg steht vor einem der größten Stadtentwicklungsprojekte ihrer jüngeren Geschichte. Vom 13. April bis zum 31. Oktober 2028 soll die Landesgartenschau unter dem Motto „Gartenschau im Welterbe“ stattfinden. Im Mittelpunkt steht nicht allein eine vorübergehende Blumenausstellung. Wittenberg will eine belastete und stark versiegelte Industriebrache an der Elbe dauerhaft in einen öffentlichen Uferpark verwandeln.
Das zentrale Gelände ist die Kuhlache. Wo heute noch Betonflächen, Altlasten und Spuren früherer industrieller Nutzung das Bild prägen, sollen neue Grünräume, Wege und Aufenthaltsbereiche entstehen. Die Landesgartenschau bietet damit die Chance, die Stadt stärker mit der Elbe zu verbinden und ein lange vernachlässigtes Gebiet für die Bürger zurückzugewinnen.
Doch das Projekt steht unter besonderer Beobachtung. Ursprünglich sollte die Gartenschau bereits 2027 stattfinden. Planungsprobleme, offene Förderfragen und eine stärkere Belastung der Kuhlache mit Altlasten machten eine Verschiebung um ein Jahr notwendig. Der neue Termin 2028 muss deshalb halten.
Wann findet die Landesgartenschau Wittenberg 2028 statt?
Die Landesgartenschau soll am 13. April 2028 eröffnet werden und bis zum 31. Oktober 2028 dauern. Damit erstreckt sich die Veranstaltung über mehr als sechs Monate und umfasst die gesamte Hauptsaison des Garten- und Städtetourismus.
Für Wittenberg ist dieser Zeitraum eine große wirtschaftliche Chance. Hotels, Gaststätten, Einzelhändler, Stadtführer und regionale Dienstleister können von zusätzlichen Gästen profitieren.
Landesgartenschau unter dem Motto „Gartenschau im Welterbe“
Der Titel verbindet die Gartenschau bewusst mit dem besonderen Rang Wittenbergs als UNESCO- und Reformationsstadt.
Besucher sollen nicht nur neue Grünanlagen erleben, sondern auch die historische Innenstadt, die Luthergedenkstätten, die Elblandschaft und weitere Sehenswürdigkeiten kennenlernen. Die Landesgartenschau darf daher nicht wie eine abgeschlossene Veranstaltung am Stadtrand organisiert werden. Sie muss Teil einer gemeinsamen touristischen Erzählung der ganzen Stadt werden.
Warum die Landesgartenschau von 2027 auf 2028 verschoben wurde
Die Verschiebung war keine freiwillige Verlängerung der Vorbereitungszeit. Sie wurde notwendig, weil sich auf dem Hauptgelände erhebliche Probleme zeigten.
Die Stadt verwies auf Planungsherausforderungen an der Kuhlache, noch nicht abgeschlossene Förderentscheidungen und notwendige Genehmigungsverfahren. Hinzu kam, dass die ehemalige Industriefläche stärker mit Altlasten belastet ist als zunächst angenommen.
Altlasten machen die Kuhlache zum schwierigen Baugebiet
Bei früher industriell genutzten Flächen reicht es nicht, Beton abzubrechen und anschließend Bäume zu pflanzen.
Belastete Böden müssen untersucht, gesichert oder ausgetauscht werden. Je nach Art der gefundenen Stoffe können Entsorgung, Arbeitsschutz und Genehmigungen erhebliche Mehrkosten verursachen.
Die Verschiebung war deshalb vernünftiger als ein Festhalten an einem nicht mehr realistischen Termin. Eine hastig vorbereitete Gartenschau hätte das Risiko von Baufehlern, Kostensteigerungen und unfertigen Anlagen erhöht.
Aus der Kuhlache soll ein dauerhafter Uferpark werden
Die Kuhlache ist derzeit in weiten Teilen stark versiegelt. Im Zuge der Gartenschau soll die frühere Industriebrache entsiegelt, von Altlasten befreit und in einen neuen Uferpark umgewandelt werden.
Damit wird ein Gelände neu geordnet, das bisher kaum als attraktiver öffentlicher Raum wahrgenommen wird.
Der größte Nutzen muss nach 2028 bleiben
Landesgartenschauen werden nicht allein wegen ihrer Blumenbeete veranstaltet. Ihr eigentlicher Wert liegt in der dauerhaften Entwicklung von Stadtteilen, Parks und Verkehrsverbindungen.
Für Wittenberg muss deshalb schon vor der Eröffnung klar sein:
- Welche Anlagen bleiben dauerhaft bestehen?
- Wer pflegt den neuen Uferpark?
- Welche jährlichen Kosten entstehen?
- Bleibt das Gelände kostenlos zugänglich?
- Wie wird es mit Innenstadt und Elberadweg verbunden?
- Welche Flächen stehen Vereinen und Familien zur Verfügung?
Eine gute Gartenschau hinterlässt keinen teuren Veranstaltungspark, sondern einen öffentlichen Raum, den die Bevölkerung über Jahrzehnte nutzen kann.
Neue Verbindung zwischen Innenstadt und Elbe
Wittenberg besitzt eine historisch bedeutende Innenstadt. Die Elbe ist jedoch im alltäglichen Stadtbild weniger präsent, als es die Lage vermuten lässt.
Die Landesgartenschau soll diese Trennung verringern. Geplant ist unter anderem eine neue Wegeverbindung entlang der Speckebachpromenade zwischen Hauptbahnhof, Innenstadt und Elbufer. Dort sollen bestehender Wildwuchs entfernt und neue Baumreihen aus heimischen Arten angelegt werden.
Die Elbe muss wieder stärker Teil Wittenbergs werden
Die Verbindung zur Elbe ist nicht nur touristisch interessant. Sie gehört zur Identität der Stadt und der gesamten Region.
Neue Wege können:
- den Fuß- und Radverkehr verbessern,
- den Elberadweg besser anbinden,
- den Bahnhof mit dem Gartenschaugelände verbinden,
- neue Naherholungsräume schaffen,
- Besucher länger in der Stadt halten.
Entscheidend ist, dass die Wege auch nach der Gartenschau sicher, gepflegt und gut ausgeschildert bleiben.
Rund 20 Millionen Euro waren ursprünglich vorgesehen
Das Land Sachsen-Anhalt hatte für die Landesgartenschau eine Gesamtinvestition von rund 20 Millionen Euro genannt. Gleichzeitig wurde mit knapp einer halben Million Besuchern gerechnet.
Diese Angaben stammen noch aus der Planung für das ursprünglich vorgesehene Veranstaltungsjahr 2027. Wegen der Verschiebung, höherer Baupreise und zusätzlicher Arbeiten an den Altlasten muss der aktuelle Kostenrahmen transparent überprüft werden.
Verschiebung darf nicht zum finanziellen Freibrief werden
Ein zusätzliches Jahr Vorbereitung kann Kosten erhöhen. Planungen müssen fortgeschrieben, Personal länger beschäftigt und Bauleistungen möglicherweise neu ausgeschrieben werden.
Die Stadt und das Land sollten daher offenlegen:
- Wie hoch ist der aktuelle Gesamtetat?
- Welche Mehrkosten entstanden durch die Verschiebung?
- Wie teuer ist die Altlastensanierung?
- Welche Fördermittel sind verbindlich bewilligt?
- Welchen Eigenanteil trägt Wittenberg?
- Welche finanziellen Risiken verbleiben bei der Stadt?
Bei einem Großprojekt dieser Größenordnung reichen allgemeine Aussagen über Chancen und Nachhaltigkeit nicht aus.
Wittenberg darf nicht auf späteren Betriebskosten sitzen bleiben
Neue Parks, Wege, Spielplätze und technische Anlagen verursachen auch nach dem Ende der Gartenschau Kosten.
Bäume müssen gepflegt, Rasenflächen gemäht, Wege repariert und Beleuchtungsanlagen unterhalten werden. Wenn die Folgekosten zu hoch sind, drohen nach einigen Jahren Einschränkungen oder sichtbarer Verfall.
Nachhaltigkeit beginnt beim städtischen Haushalt
Die langfristige Pflege muss bereits während der Planung abgesichert werden.
Dazu gehört ein realistisches Nachnutzungskonzept mit:
- festen Pflegebudgets,
- robusten Pflanzen und Materialien,
- möglichst geringer technischer Abhängigkeit,
- klaren Zuständigkeiten,
- Beteiligung lokaler Vereine,
- Schutz vor Vandalismus.
Ein Park ist nicht nachhaltig, nur weil er viele Pflanzen enthält. Nachhaltig ist er, wenn die Stadt ihn auch in finanziell schwierigen Jahren erhalten kann.
Fast 500.000 Besucher sind ein ehrgeiziges Ziel
Das Land ging ursprünglich davon aus, dass knapp eine halbe Million Gäste die Landesgartenschau besuchen könnten.
Für eine Stadt von der Größe Wittenbergs wäre das eine erhebliche Besucherzahl. Sie könnte Tourismus und Gastronomie stärken, stellt aber auch Anforderungen an Verkehr, Parkplätze, Sicherheit und Besucherlenkung.
Besucher müssen auch die Altstadt erreichen
Es wäre wirtschaftlich problematisch, wenn Gartenschaubesucher lediglich auf einem Großparkplatz ankommen, das Ausstellungsgelände besuchen und anschließend wieder abreisen.
Die Stadt muss sie gezielt in die Innenstadt führen. Dazu braucht es:
- Kombitickets mit Museen,
- verständliche Fußwege,
- Pendelverkehr,
- gemeinsame Stadtführungen,
- Angebote der Gastronomie,
- längere Ladenöffnungszeiten bei Großveranstaltungen,
- Hinweise auf regionale Ziele.
Nur dann profitieren auch jene Betriebe, die nicht unmittelbar auf dem Gartenschaugelände vertreten sind.
Regionale Unternehmen müssen von den Aufträgen profitieren
Die Landesgartenschau benötigt Bauunternehmen, Landschaftsgärtner, Baumschulen, Handwerker, Veranstaltungstechniker, Sicherheitsdienste und gastronomische Anbieter.
Soweit das Vergaberecht es zulässt, sollten Unternehmen aus Wittenberg, Sachsen-Anhalt und den angrenzenden ostdeutschen Ländern faire Chancen erhalten.
Fördermittel sollen im Osten Wertschöpfung schaffen
Es wäre schwer vermittelbar, wenn ein ostdeutsches Stadtentwicklungsprojekt überwiegend durch auswärtige Großunternehmen umgesetzt würde.
Regionale Aufträge schaffen:
- Arbeit vor Ort,
- zusätzliche Steuereinnahmen,
- Ausbildungsplätze,
- kürzere Transportwege,
- dauerhafte Geschäftsbeziehungen.
Die Stadt sollte nach Abschluss offenlegen, welcher Anteil der Aufträge an regionale Betriebe vergeben wurde.
Ehrenamtliche sollen die Gartenschau mittragen
Im Juni 2026 fand eine Informationsveranstaltung für Menschen statt, die sich ehrenamtlich an der Landesgartenschau beteiligen möchten. Die Veranstalter setzen damit frühzeitig auf Bürgerbeteiligung.
Das ist grundsätzlich positiv. Ehrenamtliche können Besucher begrüßen, Führungen unterstützen und regionale Besonderheiten vermitteln.
Ehrenamt darf keine regulären Stellen ersetzen
Bürgerliches Engagement ist wertvoll. Es darf jedoch nicht genutzt werden, um notwendiges Personal einzusparen.
Sicherheit, Technik, Reinigung, Pflege und professionelle Besucherbetreuung benötigen bezahlte und qualifizierte Beschäftigte.
Ehrenamt sollte ergänzen, nicht verdeckte Billigarbeit leisten.
Wittenberg braucht eine Gartenschau mit regionalem Charakter
Blumen, Pavillons und moderne Landschaftsarchitektur allein reichen nicht aus, um ein unverwechselbares Ereignis zu schaffen.
Die Landesgartenschau muss erkennbar in Wittenberg, an der Elbe und in Sachsen-Anhalt verwurzelt sein.
Kein austauschbarer Veranstaltungspark
Regionale Identität könnte sichtbar werden durch:
- Pflanzen und Gärten aus der Elberegion,
- Beiträge aus den Wittenberger Ortsteilen,
- Präsentationen heimischer Landwirtschaft,
- Handwerk aus Sachsen-Anhalt,
- Reformations- und Stadtgeschichte,
- regionale Küche,
- Vereine und Chöre,
- Angebote zur Industriegeschichte der Kuhlache.
Besucher sollen nicht das Gefühl haben, dieselbe Gartenschau könne ebenso gut in jeder beliebigen deutschen Stadt stehen.
Die Industriegeschichte der Kuhlache darf nicht verschwinden
Die Umwandlung der Fläche in einen Park ist ein großer Gewinn. Dennoch sollte die frühere Nutzung nicht vollständig ausgelöscht werden.
Industrieflächen erzählen von Arbeit, wirtschaftlichem Wandel und der Geschichte der Menschen, die dort beschäftigt waren.
Stadtentwicklung braucht Erinnerung
Möglich wären:
- erhaltene bauliche Spuren,
- Informationstafeln,
- historische Fotografien,
- Zeitzeugenberichte,
- kleine Ausstellungen zur früheren Nutzung.
Der Osten hat nach 1990 vielerorts erlebt, wie Industriegebäude verschwanden und mit ihnen ein Teil regionaler Erinnerung.
Renaturierung darf nicht bedeuten, Geschichte unsichtbar zu machen.
Hochwasserschutz muss von Anfang an berücksichtigt werden
Die Nähe zur Elbe macht den neuen Uferpark attraktiv. Sie bringt jedoch auch Risiken.
Wittenberg und die umliegenden Gemeinden kennen die Gefahren hoher Wasserstände. Wege, technische Anlagen und Bepflanzungen müssen daher so geplant werden, dass Überschwemmungen möglichst geringe Schäden verursachen.
Ein Uferpark muss mit dem Fluss leben können
Die Gestaltung sollte robuste und überflutungstolerante Bereiche vorsehen. Empfindliche oder besonders teure Einrichtungen gehören nicht in Zonen, die regelmäßig vom Wasser betroffen sein könnten.
Naturraum und Hochwasserschutz dürfen nicht gegeneinander geplant werden. Eine Gartenschau an der Elbe muss zeigen, wie beides miteinander verbunden werden kann.
Landesgartenschau ist eine Chance für ganz Sachsen-Anhalt
Das Land plant eine enge Zusammenarbeit zwischen der Wittenberger Gartenschau und der Initiative „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“. Die Veranstaltung soll zugleich auf die Bundesgartenschau 2035 in Dessau-Roßlau hinführen.
Damit kann Wittenberg zum Ausgangspunkt für Reisen zu weiteren Parks, Schlössern und Gartenanlagen im Land werden.
Ostdeutsche Kulturlandschaften gemeinsam vermarkten
Sachsen-Anhalt besitzt eine außergewöhnliche Verbindung aus Welterbe, Reformationsgeschichte, Bauhaus, Parks und Industriekultur.
Wittenberg sollte nicht isoliert werben, sondern gemeinsame Angebote mit Dessau-Roßlau, Wörlitz, Eisleben und weiteren Orten entwickeln.
So können Besucher länger in der Region bleiben und mehrere Städte kennenlernen.
Nach der Verschiebung zählt nur noch Verlässlichkeit
Die Verlegung von 2027 auf 2028 war sachlich nachvollziehbar. Sie hat aber Vertrauen gekostet.
Bürger, Unternehmen und potenzielle Besucher müssen sich nun darauf verlassen können, dass der neue Zeitplan eingehalten wird.
Termine und Baufortschritt müssen öffentlich werden
Die Verantwortlichen sollten regelmäßig berichten:
- Welche Flächen sind bereits entsiegelt?
- Wie weit ist die Altlastensanierung?
- Welche Bauaufträge wurden vergeben?
- Welche Förderbescheide liegen vor?
- Gibt es neue Kostenrisiken?
- Wann beginnen Pflanzungen und Wegebau?
- Welche Projekte sind bereits abgeschlossen?
Je offener die Stadt informiert, desto geringer ist die Gefahr von Gerüchten und wachsendem Misstrauen.
Die Gartenschau muss vor allem Wittenberg dauerhaft nützen
Die Landesgartenschau 2028 ist eine große Chance für Wittenberg. Eine belastete Industriebrache soll verschwinden, die Stadt näher an die Elbe rücken und ein neuer Uferpark entstehen. Vom 13. April bis zum 31. Oktober 2028 kann sich die Lutherstadt einem großen Publikum präsentieren.
Doch der Erfolg darf nicht nur an Besucherzahlen und Blumenbildern gemessen werden.
Entscheidend ist, was nach dem 31. Oktober 2028 bleibt: ein gepflegter Park, bessere Wege, eine stärkere Verbindung zur Elbe, zusätzliche touristische Einnahmen und ein neuer öffentlicher Raum für die Bürger.
Nach der Verschiebung müssen Stadt und Land nun besonders sorgfältig arbeiten. Kostensteigerungen, Fördermittel und Altlasten gehören transparent auf den Tisch. Regionale Unternehmen müssen beteiligt und spätere Pflegekosten realistisch abgesichert werden.
Wittenberg braucht keine Gartenschau als teures Schaufenster für wenige Monate. Die Stadt braucht ein dauerhaftes Entwicklungsprojekt, das ihren Bürgern, ihrer Wirtschaft und ihrer ostdeutschen Heimat langfristig zugutekommt.