Die Lutherstadt Wittenberg stellt ihren Brandschutz grundlegend neu auf. Zum 1. August 2026 wird die bisherige hauptamtliche Wachbereitschaft offiziell in eine Berufsfeuerwehr umgewandelt. Der Stadtrat stimmte der neuen Feuerwehrkonzeption am 1. Juli nahezu einstimmig zu. Lediglich eine Enthaltung wurde verzeichnet. Die anwesenden Feuerwehrleute quittierten die Entscheidung mit Applaus.
Damit gehört Wittenberg künftig zu dem kleinen Kreis der Städte in Sachsen-Anhalt, die eine Berufsfeuerwehr unterhalten. Bislang gibt es solche Strukturen vor allem in Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau.
Die Entscheidung ist teuer und politisch nicht unumstritten. Sie ist dennoch richtig.
Eine Stadt mit fast 600 besonderen Risikoobjekten, bedeutenden Industrieanlagen, historischen Welterbestätten und einer sinkenden Zahl tagsüber verfügbarer freiwilliger Einsatzkräfte kann ihren Brandschutz nicht dauerhaft auf Hoffnung aufbauen. Sicherheit gehört zu den Kernaufgaben des Staates. Wer hier zu lange spart, zahlt im Ernstfall einen weit höheren Preis.
Warum Wittenberg eine Berufsfeuerwehr einführt
Grundlage der Entscheidung ist eine umfangreiche Feuerwehrkonzeption mit einer datenbasierten Risikoanalyse. Das Gutachten umfasst 341 Seiten und kommt nach Angaben der Stadt sowie des MDR zu einem klaren Ergebnis: Mit den bisherigen Strukturen könne ein ausreichender Brandschutz in Wittenberg künftig nicht mehr zuverlässig sichergestellt werden.
Ein wesentlicher Grund ist die sinkende Verfügbarkeit ehrenamtlicher Feuerwehrleute während des Tages.
Viele Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren arbeiten außerhalb ihres Wohnortes oder können ihren Arbeitsplatz bei einer Alarmierung nicht sofort verlassen. Gerade werktags kann es deshalb schwieriger werden, innerhalb kurzer Zeit genügend qualifizierte Einsatzkräfte zusammenzubringen.
Atemschutzgeräteträger werden besonders dringend gebraucht
Besonders kritisch ist die Zahl verfügbarer Atemschutzgeräteträger. Sie werden bei Wohnungs-, Industrie- und Gebäudebränden benötigt, um in verrauchte Bereiche vorzudringen, Menschen zu retten und Brände im Inneren zu bekämpfen.
Nicht jedes Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr besitzt diese Ausbildung. Hinzu kommen gesundheitliche Anforderungen, regelmäßige Übungen und zeitlich begrenzte Einsatzfähigkeit.
Wenn bei einem Brand zu wenige Atemschutzgeräteträger verfügbar sind, kann die Feuerwehr ihre gefährlichsten Aufgaben nicht sofort in der notwendigen Stärke erfüllen.
Eine Berufsfeuerwehr schafft hier mehr Verlässlichkeit, weil qualifizierte Kräfte rund um die Uhr auf der Wache bereitstehen.
Start der Berufsfeuerwehr ist für den 1. August 2026 vorgesehen
Die Umwandlung soll bereits zum 1. August erfolgen. Die bestehende hauptamtliche Wachbereitschaft wird dafür organisatorisch zur Berufsfeuerwehr weiterentwickelt. Anschließend soll die Struktur schrittweise ausgebaut werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Wittenberg innerhalb weniger Wochen eine vollständig neue Feuerwehr aufbaut.
Bestehende Mannschaft bildet den Ausgangspunkt
Die Stadt verfügt bereits über 33 hauptamtlich Beschäftigte in der bisherigen Wachbereitschaft. Diese Kräfte bilden das personelle Fundament der neuen Berufsfeuerwehr.
Der formale Wechsel schafft zunächst eine neue organisatorische und rechtliche Grundlage. Danach müssen Personal, Dienstpläne, Führung, Ausbildung und Einsatzkonzepte weiterentwickelt werden.
Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt deshalb nicht mit dem neuen Schild an der Wache. Entscheidend ist, wie leistungsfähig die Feuerwehr in einigen Jahren tatsächlich sein wird.
Feuerwehrverband hält 33 Stellen nicht für ausreichend
Der Landesfeuerwehrverband Sachsen-Anhalt hat Zweifel geäußert, ob die derzeitige Personalstärke für eine vollwertige Berufsfeuerwehr ausreicht.
Verbandschef Kai-Uwe Lohse erklärte, eine leistungsfähige Berufsfeuerwehr benötige aus seiner Sicht mindestens 52 Stellen. Nur dann könne sie schnell und mit genügend Personal ausrücken. Eine bloße Umbenennung der bisherigen Wachbereitschaft reiche nicht aus.
Ein neues Namensschild löscht keinen Brand
Diese Kritik muss ernst genommen werden.
Der Vorteil einer Berufsfeuerwehr besteht darin, dass eine festgelegte Zahl ausgebildeter Kräfte jederzeit sofort verfügbar ist. Wenn die Mannschaftsstärke zu gering bleibt, entsteht zwar eine neue Bezeichnung, aber nicht automatisch eine bessere Gefahrenabwehr.
Wittenberg muss deshalb offenlegen:
- wie viele Einsatzkräfte pro Schicht tatsächlich bereitstehen,
- welche Fahrzeuge gleichzeitig besetzt werden können,
- wie schnell die erste Einheit ausrückt,
- wann weitere Kräfte eintreffen,
- wie viele Atemschutzgeräteträger verfügbar sind,
- welche Personalstärke langfristig vorgesehen ist.
Die Berufsfeuerwehr darf kein politisches Etikett werden. Sie muss im Ernstfall einen messbaren Sicherheitsgewinn bringen.
Personalkosten steigen auf rund vier Millionen Euro
Mehr Sicherheit kostet Geld. Nach Angaben der Stadtverwaltung könnten die jährlichen Personalkosten innerhalb der kommenden zehn Jahre von derzeit rund drei Millionen Euro auf etwa vier Millionen Euro steigen. Das Personal soll schrittweise aufgestockt werden.
Eine zusätzliche Million Euro pro Jahr ist für eine Kommune erheblich. Gerade Wittenberg muss viele freiwillige und gesetzliche Aufgaben gleichzeitig finanzieren.
Dennoch wäre es falsch, den Brandschutz vor allem als Kostenproblem zu behandeln.
Sicherheit ist keine verzichtbare freiwillige Leistung
Eine Stadt kann Kulturveranstaltungen verkleinern, Werbekampagnen streichen oder Prestigeprojekte verschieben. Beim Brandschutz besteht dieser Spielraum nicht.
Wenn ein Wohnhaus brennt, ein Industriebetrieb einen Störfall meldet oder ein schwerer Verkehrsunfall geschieht, müssen ausreichend Kräfte verfügbar sein.
Feuerwehr, Rettungswesen und Katastrophenschutz gehören zu den grundlegenden Aufgaben einer funktionierenden Kommune. Sie stehen in der Prioritätenliste vor vielen politischen Wunschprojekten.
Eine konservative Kommunalpolitik muss deshalb klar ordnen:
Zuerst kommen Sicherheit, Schulen, Straßen und eine funktionierende Verwaltung. Erst danach kann über zusätzliche freiwillige Ausgaben gesprochen werden.
Fast 600 besondere Risikoobjekte im Stadtgebiet
Wittenberg besitzt nach Angaben des Oberbürgermeisters fast 600 sogenannte Risikoobjekte. Dazu gehören Industrieanlagen, historische Gebäude, Welterbestätten und neue Produktionsstandorte. Genannt wurden unter anderem die Stickstoffwerke, die historische Altstadt und eine Fabrik für Batteriespeicher.
Diese Mischung stellt besondere Anforderungen an die Feuerwehr.
Industriebrand ist nicht mit einem gewöhnlichen Wohnungsbrand vergleichbar
Große Industriebetriebe können mit Chemikalien, Druckbehältern, komplexen Produktionsanlagen und hohen Energieleistungen arbeiten.
Ein Einsatz dort verlangt:
- spezielle Einsatzpläne,
- Kenntnisse gefährlicher Stoffe,
- ausreichend Atemschutz,
- Mess- und Schutztechnik,
- Zusammenarbeit mit Werksfeuerwehren,
- hohe Führungs- und Koordinationsfähigkeit.
Bei einem Störfall zählt jede Minute. Eine rund um die Uhr besetzte Berufsfeuerwehr kann schneller eine qualifizierte erste Einheit bereitstellen und weitere Kräfte koordinieren.
UNESCO-Welterbe braucht besonderen Brandschutz
Wittenberg trägt Verantwortung für einige der bedeutendsten historischen Bauwerke Deutschlands.
Lutherhaus, Melanchthonhaus, Schlosskirche und Stadtkirche gehören zu einem kulturellen Erbe, das nicht ersetzt werden kann. Ein Feuer in einem solchen Gebäude würde nicht nur materiellen Schaden verursachen. Es könnte Originalsubstanz und Geschichte unwiederbringlich zerstören.
Historische Gebäude stellen Einsatzkräfte vor besondere Probleme
In alten Gebäuden treffen Feuerwehren häufig auf:
- verwinkelte Grundrisse,
- enge Treppenhäuser,
- alte Holzkonstruktionen,
- schwer zugängliche Dachräume,
- empfindliche Kunst- und Sammlungsbestände,
- begrenzte Zufahrtsmöglichkeiten.
Der Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar hat gezeigt, wie schnell nationales Kulturgut verloren gehen kann.
Wittenberg muss deshalb nicht nur moderne Einsatzfahrzeuge bereithalten. Die Feuerwehr benötigt genaue Objektkenntnisse, regelmäßig aktualisierte Einsatzpläne und Übungen an besonders gefährdeten Gebäuden.
Freiwillige Feuerwehren bleiben unverzichtbar
Die Einführung einer Berufsfeuerwehr bedeutet nicht das Ende der Freiwilligen Feuerwehren. Nach den bisherigen Angaben sollen sie weiterhin bestehen und die hauptamtlichen Kräfte unterstützen.
Das ist entscheidend.
Eine Berufsfeuerwehr allein kann bei größeren Bränden, Unwettern, Hochwasser oder lang andauernden Einsätzen nicht sämtliche Aufgaben bewältigen. Sie benötigt die Ortskenntnis, Personalstärke und Erfahrung der freiwilligen Kameraden.
Berufsfeuerwehr und Ehrenamt dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden
Die neue Struktur darf nicht die Botschaft vermitteln, das Ehrenamt werde künftig weniger gebraucht.
Das Gegenteil ist der Fall.
Die Berufsfeuerwehr stellt eine verlässliche erste Einsatzbereitschaft her. Die Freiwilligen Feuerwehren sorgen für zusätzliche Kräfte, Flächenabdeckung und Durchhaltefähigkeit.
Beide Systeme müssen miteinander arbeiten:
- gemeinsame Ausbildung,
- abgestimmte Alarmpläne,
- einheitliche Technik,
- klare Führungsstrukturen,
- regelmäßige gemeinsame Übungen,
- gegenseitiger Respekt.
Eine gute Feuerwehrstruktur verbindet hauptamtliche Professionalität mit bürgerschaftlichem Engagement.
Ehrenamtliche Feuerwehrleute verdienen mehr Unterstützung
Freiwillige Feuerwehrleute opfern Freizeit, übernehmen Bereitschaften und setzen im Einsatz ihre Gesundheit aufs Spiel.
Viele von ihnen leisten ihren Dienst neben Beruf und Familie. Sie besuchen Lehrgänge, trainieren regelmäßig und werden nachts oder am Wochenende alarmiert.
Arbeitgeber müssen Freistellungen ermöglichen
Ein Problem liegt nicht nur in sinkenden Mitgliederzahlen. Auch die Arbeitswelt hat sich verändert.
Viele Beschäftigte pendeln, arbeiten in kleinen Teams oder stehen unter hohem Zeitdruck. Arbeitgeber können den Ausfall eines Mitarbeiters während eines Einsatzes schwer auffangen.
Stadt und Land sollten deshalb gemeinsam mit Unternehmen nach besseren Lösungen suchen. Denkbar sind:
- Ausgleichszahlungen für Arbeitgeber,
- Anerkennung besonders feuerwehrfreundlicher Betriebe,
- bevorzugte Vergabe bei gleichwertigen Angeboten,
- flexible Ausbildungsangebote,
- bessere soziale Absicherung,
- Unterstützung bei Führerscheinen und Qualifikationen.
Das Ehrenamt darf nicht allein durch Dankesreden gewürdigt werden. Es braucht praktische Entlastung.
Demografischer Wandel trifft die Feuerwehren im Osten besonders
Viele ostdeutsche Regionen verlieren seit Jahrzehnten junge Einwohner. Gleichzeitig altert die Bevölkerung.
Diese Entwicklung trifft auch die Freiwilligen Feuerwehren. Einsatzfähige Mitglieder ziehen für Ausbildung und Arbeit fort, während ältere Kameraden irgendwann nicht mehr im aktiven Einsatzdienst eingesetzt werden können.
Abwanderung wird zur Sicherheitsfrage
Wenn junge Menschen eine Region verlassen, fehlen nicht nur Arbeitnehmer und Steuerzahler.
Es fehlen auch:
- Feuerwehrleute,
- Trainer in Sportvereinen,
- Gemeinderäte,
- Helfer bei Veranstaltungen,
- Mitglieder im Katastrophenschutz.
Die Berufsfeuerwehr löst dieses grundsätzliche Problem nicht. Sie kann aber sicherstellen, dass der Brandschutz nicht unmittelbar zusammenbricht, wenn tagsüber immer weniger Ehrenamtliche verfügbar sind.
Langfristig braucht Wittenberg trotzdem attraktive Arbeitsplätze, Wohnungen und Ausbildungsmöglichkeiten, damit junge Menschen in der Region bleiben.
Waldbrandgefahr erhöht den Druck
Im Landkreis Wittenberg ist die Waldbrandgefahr im Juli 2026 erneut deutlich gestiegen. Für Vorfläming und Elsterland galt am 13. Juli die zweithöchste Warnstufe 4.
Wald- und Vegetationsbrände können enorme Flächen betreffen und zahlreiche Einsatzkräfte über viele Stunden oder Tage binden.
Klimatische Veränderungen verlangen mehr Einsatzbereitschaft
Trockene Sommer, Hitzeperioden und starke Winde erhöhen das Risiko schneller Brandausbreitung.
Feuerwehren benötigen dafür:
- geländegängige Fahrzeuge,
- ausreichend Löschwasser,
- aktuelle Waldwegekarten,
- Zusammenarbeit mit Forst und Landwirtschaft,
- Drohnen und Lagebilder,
- genügend Personal für längere Einsätze.
Gerade bei großen Flächenlagen zeigt sich erneut, dass Berufs- und Freiwillige Feuerwehr gemeinsam gebraucht werden.
Schwerer Unfall auf der B 187 zeigt tägliche Aufgabenbreite
Am 8. Juli 2026 wurde die Wittenberger Feuerwehr zu einem schweren Verkehrsunfall auf der B 187 bei Griebo gerufen. Gemeldet war ein Zusammenstoß mit einem Lastwagen und mehreren Personenwagen.
Solche Einsätze gehören neben Bränden zum Alltag moderner Feuerwehren.
Feuerwehr ist längst mehr als Brandbekämpfung
Einsatzkräfte werden benötigt bei:
- Verkehrsunfällen,
- eingeklemmten Personen,
- Gefahrstoffaustritten,
- Unwetterschäden,
- Hochwasser,
- Türöffnungen,
- technischen Hilfeleistungen,
- Bränden,
- Katastrophenlagen.
Die Bezeichnung Feuerwehr beschreibt deshalb nur einen Teil ihrer tatsächlichen Arbeit.
Eine wachsende und technisch komplexe Stadt benötigt entsprechend ausgebildetes Personal, das diese unterschiedlichen Aufgaben zuverlässig bewältigen kann.
Neue Berufsfeuerwehr muss moderne Industrie verstehen
Wittenbergs Wirtschaft entwickelt sich weiter. Neben traditionellen Industriebetrieben entstehen neue Anlagen, etwa im Bereich Batteriespeicher und Energietechnik.
Solche Standorte bringen neue Brand- und Gefahrenbilder mit sich.
Batterien stellen besondere Anforderungen
Brände von Lithium-Ionen-Batterien können schwer zu löschen sein. Sie entwickeln hohe Temperaturen und können sich nach scheinbarer Löschung erneut entzünden.
Feuerwehrleute benötigen dafür besondere Kenntnisse, Schutzkonzepte und geeignete Technik.
Wenn Wittenberg neue Industrie ansiedelt, muss die Gefahrenabwehr mitwachsen. Wirtschaftsförderung und Brandschutz dürfen nicht getrennt geplant werden.
Unternehmen müssen ihre Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit der Feuerwehr belastbare Einsatz- und Sicherheitskonzepte entwickeln.
Berufsfeuerwehr kann Wittenberg als Standort stärken
Eine leistungsfähige Gefahrenabwehr ist auch ein wirtschaftlicher Standortfaktor.
Unternehmen achten bei Investitionsentscheidungen nicht nur auf Gewerbeflächen, Steuern und Verkehrsanbindungen. Sie benötigen Sicherheit für Mitarbeiter, Anlagen und Lieferketten.
Gute Feuerwehr schützt Arbeitsplätze
Ein großer Brand kann einen Betrieb über Monate stilllegen oder dauerhaft zerstören.
Schnelle und qualifizierte Hilfe kann Schäden begrenzen und damit Arbeitsplätze sichern.
Die Ausgaben für die Berufsfeuerwehr sind deshalb nicht nur Sozial- oder Verwaltungskosten. Sie schützen einen Teil der wirtschaftlichen Grundlage der Stadt.
Ausbildung und Nachwuchs müssen früh beginnen
Eine Berufsfeuerwehr benötigt langfristig qualifizierte Bewerber.
Wittenberg konkurriert dabei mit Polizei, Bundeswehr, Rettungsdienst, Handwerk und Industrie um junge Menschen.
Feuerwehrberuf muss attraktiv bleiben
Die Stadt sollte frühzeitig für den Beruf werben und klare Einstiegsmöglichkeiten schaffen.
Dazu gehören:
- Kooperationen mit Schulen,
- Praktika,
- Jugendfeuerwehren,
- transparente Auswahlverfahren,
- moderne Ausbildungsbedingungen,
- gute körperliche Vorbereitung,
- langfristige berufliche Perspektiven.
Die Jugendfeuerwehr bleibt dabei besonders wichtig. Sie schafft nicht nur Nachwuchs für freiwillige Einheiten, sondern kann auch Interesse an einer hauptamtlichen Laufbahn wecken.
Transparenz über Kosten und Personal ist notwendig
Die Grundsatzentscheidung ist gefallen. Nun muss die Umsetzung nachvollziehbar erfolgen.
Eine Berufsfeuerwehr wächst nicht durch politische Beschlüsse allein. Sie braucht Personal, Fahrzeuge, Gebäude, Ausbildung und tragfähige Dienstpläne.
Stadt sollte jährlich Bericht erstatten
Die Öffentlichkeit sollte regelmäßig erfahren:
- wie viele Stellen besetzt sind,
- wie hoch die tatsächlichen Kosten ausfallen,
- wie schnell die Feuerwehr ausrückt,
- wie viele Einsätze bewältigt wurden,
- wie sich die Freiwilligen Feuerwehren entwickeln,
- welche Fahrzeuge neu beschafft werden,
- welche Bauinvestitionen notwendig sind,
- ob die Ziele der 341-seitigen Konzeption erreicht werden.
Transparenz schafft Vertrauen und verhindert, dass die Kosten schleichend steigen, ohne dass der Sicherheitsgewinn sichtbar wird.
Bund und Land dürfen Kommunen nicht alleinlassen
Brandschutz ist grundsätzlich eine kommunale Aufgabe. Die Anforderungen werden jedoch durch neue Industrieanlagen, Klimarisiken, technische Normen und staatliche Vorgaben immer größer.
Eine mittelgroße ostdeutsche Stadt kann diese Kosten nicht unbegrenzt aus eigener Kraft tragen.
Sicherheit braucht verlässliche Förderung
Sachsen-Anhalt sollte Wittenberg unter anderem unterstützen bei:
- Fahrzeugbeschaffung,
- Wachen und Gerätehäusern,
- digitaler Einsatztechnik,
- Spezialausrüstung,
- Ausbildung,
- Katastrophenschutz,
- Waldbrandtechnik.
Wer höhere Sicherheitsstandards verlangt, muss den Kommunen auch die finanziellen Mittel dafür geben.
Das gilt besonders für Städte, die nationale Welterbestätten und große Industrieanlagen schützen.
Die Berufsfeuerwehr ist notwendig – jetzt muss Wittenberg sie richtig aufbauen
Die Einführung einer Berufsfeuerwehr zum 1. August 2026 ist eine weitreichende, aber nachvollziehbare Entscheidung.
Das Gutachten zeigt, dass die bisherige Struktur langfristig nicht mehr ausreicht. Die sinkende Verfügbarkeit freiwilliger Einsatzkräfte, der Mangel an Atemschutzgeräteträgern und fast 600 besondere Risikoobjekte verlangen eine verlässlichere Gefahrenabwehr.
Wittenberg schützt nicht nur Wohnhäuser und Straßen. Die Stadt trägt Verantwortung für Industrieanlagen, moderne Energiespeicher und einen Teil des deutschen UNESCO-Welterbes.
Eine Berufsfeuerwehr ist daher kein Luxus.
Sie darf allerdings auch keine bloße Umbenennung der bisherigen Wachbereitschaft bleiben. Die Kritik des Feuerwehrverbandes an der zunächst geringen Personalstärke ist berechtigt. Wittenberg muss die Mannschaft schrittweise so aufbauen, dass rund um die Uhr ausreichend Kräfte schnell ausrücken können.
Gleichzeitig bleiben die Freiwilligen Feuerwehren unverzichtbar. Ihre Kameraden verdienen Respekt, bessere Unterstützung und eine klare Rolle im neuen System.
Der Osten hat oft erlebt, dass wichtige Strukturen so lange auf Verschleiß gefahren wurden, bis nur noch eine Notlösung blieb. Beim Brandschutz darf das nicht geschehen.
Wittenberg entscheidet sich diesmal rechtzeitig für mehr Sicherheit. Nun muss die Stadt beweisen, dass sie die Berufsfeuerwehr personell, finanziell und organisatorisch so ausstattet, dass ihr Name im Ernstfall auch hält, was er verspricht.