Am Peenestrom entsteht ein Bauwerk, das die Silhouette Wolgasts dauerhaft verändern wird. Nach jahrelanger Planung, Kostensteigerungen und mehrfach verschobenen Terminen haben die eigentlichen Arbeiten an der neuen Peenestrombrücke begonnen.

Für die späteren Brückenpfeiler werden tiefe Bohrungen ausgeführt. Auf der Festlandseite wurde bereits mit Arbeiten an der künftigen Uferkante begonnen. Die neue Brücke bildet das zentrale Bauwerk der 6,8 Kilometer langen Ortsumgehung Wolgast. Sie soll die Bundesstraße 111 südöstlich an der Stadt vorbeiführen und eine neue Straßenverbindung zur Insel Usedom schaffen.

Für Wolgast geht es dabei um weit mehr als eine zusätzliche Straße.

Die Ortsumgehung soll den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt nehmen, die regelmäßig entstehenden Staus vor der bestehenden Klappbrücke reduzieren und die Verbindung zwischen der Autobahn 20, dem Hafen- und Industriestandort Wolgast sowie den Urlaubsorten auf Usedom verbessern.

Fertigstellung ist für Ende 2029 vorgesehen

Nach dem aktuellen Bauzeitenplan soll die gesamte Ortsumgehung Ende 2029 für den Verkehr freigegeben werden.

Ursprünglich war mehrfach eine deutlich frühere Fertigstellung im Gespräch. Zwischenzeitlich wurde das Jahr 2026 genannt, später 2028. Vergabeverfahren, Planungsanpassungen und die technische Komplexität des Brückenbaus führten jedoch zu weiteren Verzögerungen.

Die neue Brücke kommt später als lange erwartet

Für Einwohner und Pendler bedeutet das, dass die Verkehrsbelastung in Wolgast noch mehrere Jahre bestehen bleibt.

Vor allem in den Sommermonaten stauen sich Fahrzeuge auf der B111 durch die Stadt. Urlauber fahren über Wolgast in Richtung Usedom, während gleichzeitig Einwohner, Lieferverkehr, Busse und Beschäftigte dieselben Straßen nutzen.

Hinzu kommen die planmäßigen Öffnungen der bestehenden Peenebrücke. Während die Klappe für den Schiffsverkehr geöffnet ist, ruht der Straßenverkehr vollständig.

Die neue Verbindung soll dieses Nadelöhr beseitigen.

Mehr als 500 Millionen Euro Gesamtkosten

Die Dimension des Projektes zeigt sich besonders an den Kosten.

Die gesamte Ortsumgehung einschließlich der neuen Peenestrombrücke wird inzwischen mit mehr als 500 Millionen Euro veranschlagt. Allein für die große Brücke wurden zuletzt rund 421 Millionen Euro genannt.

Frühe Schätzungen lagen deutlich niedriger

Noch zu Beginn des Jahrzehnts war von Gesamtkosten in einer Größenordnung von etwa 140 Millionen Euro die Rede. Innerhalb weniger Jahre haben sich die erwarteten Ausgaben damit mehr als verdreifacht.

Ein Teil dieser Steigerung lässt sich durch höhere Preise für Stahl, Beton, Energie und Bauleistungen erklären. Hinzu kommen die technisch anspruchsvolle Konstruktion, der schwierige Baugrund und die lange Planungs- und Vergabezeit.

Trotzdem muss die Entwicklung kritisch begleitet werden. Bei einem Vorhaben dieser Größenordnung darf nicht der Eindruck entstehen, dass jede Kostensteigerung allein mit der Bedeutung des Projektes gerechtfertigt werden kann.

Europas größte Zügelgurtbrücke geplant

Die neue Peenestromquerung soll als sogenannte Zügelgurtbrücke errichtet werden.

Bei dieser Bauform wird die Fahrbahn durch eine Kombination aus Pylonen, schräg verlaufenden Tragelementen und einem oberhalb der Fahrbahn geführten Tragwerk gehalten. Nach Angaben des Landes soll die Wolgaster Brücke die größte Konstruktion dieser Art in Europa werden.

1,4 Kilometer Länge und 70 Meter hohe Pylone

Das Bauwerk wird ungefähr 1,4 Kilometer lang. Die beiden markanten Pylone sollen eine Höhe von rund 70 Metern erreichen.

Die Fahrbahn wird zweispurig ausgeführt und etwa acht Meter breit sein. Die Durchfahrtshöhe über dem Peenestrom beträgt 42 Meter. Dadurch können die meisten Schiffe die neue Brücke passieren, ohne dass der Straßenverkehr unterbrochen werden muss.

Die Pylone werden künftig weithin sichtbar sein. Ähnlich wie die Rügenbrücke bei Stralsund könnte das Bauwerk zu einem neuen technischen Wahrzeichen der Region werden.

56.000 Kubikmeter Beton und 18.000 Tonnen Stahl

Die benötigten Materialmengen verdeutlichen den Umfang der Baustelle.

Für die neue Brücke sind nach Angaben des ausführenden Baukonsortiums rund 56.000 Kubikmeter Beton und etwa 18.000 Tonnen Stahl vorgesehen. Die Stahlmenge entspricht ungefähr dem Zweieinhalbfachen der im Eiffelturm verbauten Menge.

Der Baugrund verlangt tiefe Gründungen

Eine Brücke dieser Größe kann nicht einfach auf gewöhnlichen Fundamenten stehen.

Im Bereich des Peenestroms und der angrenzenden Ufer finden sich weiche und wasserreiche Bodenschichten. Die Lasten müssen deshalb über tiefe Gründungselemente in tragfähigere Schichten übertragen werden.

Für die späteren Pfeiler werden entsprechende Bohrungen vorgenommen. Diese Arbeiten gehören zu den ersten sichtbaren Schritten des eigentlichen Brückenbaus.

Fehler in dieser Phase könnten sich später nur mit erheblichem Aufwand korrigieren lassen. Die Gründung zählt daher zu den technisch wichtigsten Teilen des gesamten Projektes.

Implenia führt das Baukonsortium

Den Auftrag für die neue Peenestrombrücke erhielt eine Bietergemeinschaft unter Führung des Schweizer Baukonzerns Implenia.

Die Vergabe stand seit November 2025 fest. Im Frühjahr 2026 legte das Konsortium den detaillierten Bauzeitenplan vor.

Spezialwissen aus mehreren Unternehmen notwendig

Großbrücken werden üblicherweise nicht von einem einzelnen Betrieb vollständig errichtet.

Benötigt werden Fachleute für Tiefgründung, Stahlbau, Betonbau, Vermessung, Schifffahrtssicherung, Korrosionsschutz und Montage. Hinzu kommen Zulieferer für Bauteile, technische Anlagen und Baustellenlogistik.

Für regionale Unternehmen können daraus Aufträge entstehen. Die größten und technisch anspruchsvollsten Leistungen dürften jedoch überwiegend von spezialisierten überregionalen Firmen erbracht werden.

Die Ortsumgehung ist 6,8 Kilometer lang

Die neue Brücke ist nur der auffälligste Teil des Vorhabens.

Insgesamt entsteht eine 6,8 Kilometer lange neue Trasse. Sie beginnt westlich beziehungsweise südwestlich der Stadt, führt südöstlich um Wolgast herum und erreicht die Insel Usedom über die neue Peenestromquerung.

Mehrere kleinere Brücken gehören zum Projekt

Neben der Hauptbrücke müssen weitere Straßen, Wege, Gewässer und Bahnstrecken gekreuzt werden.

Dafür entstehen zusätzliche Brückenbauwerke, Dämme, Anschlussstellen und Entwässerungsanlagen. Teilbereiche der Ortsumgehung wurden bereits vor dem Baubeginn der großen Peenebrücke vorbereitet oder errichtet.

Die fertige Strecke soll als neue Führung der Bundesstraße 111 dienen. Der heutige Verlauf durch Wolgast verliert dann einen großen Teil seiner Funktion als überregionale Durchgangsstraße.

Wolgast soll spürbar vom Verkehr entlastet werden

Das wichtigste Ziel der Umgehung ist die Entlastung der Stadt.

Der Verkehr nach Usedom fährt bislang durch Wolgast und über die bestehende Peenebrücke. Besonders an Urlauberwechseln, Wochenenden und Feiertagen entstehen lange Rückstaus.

Lärm und Abgase sollen abnehmen

Weniger Durchgangsverkehr bedeutet für die betroffenen Straßen voraussichtlich weniger Lärm, geringere Abgasbelastung und ein niedrigeres Unfallrisiko.

Fußgänger und Radfahrer könnten Straßen leichter überqueren. Busse und innerstädtische Fahrzeuge wären weniger stark von den Urlauberstaus betroffen.

Die Projektverantwortlichen nennen ausdrücklich die Verringerung von Lärm und Luftschadstoffen sowie eine höhere Verkehrssicherheit als wesentliche Ziele.

Die Innenstadt könnte ruhiger werden – aber auch Kunden verlieren

Eine Umgehungsstraße besitzt nicht ausschließlich Vorteile.

Unternehmen entlang der bisherigen Durchfahrt profitieren teilweise davon, dass täglich Tausende Fahrzeuge vorbeikommen. Tankstellen, Bäckereien, Imbisse und Einzelhändler können Kunden verlieren, wenn der überregionale Verkehr künftig an der Stadt vorbeigeführt wird.

Durchfahrtsverkehr ist nicht automatisch Kaufkraft

Viele Urlauber stehen zwar in Wolgast im Stau, verlassen ihr Fahrzeug aber nicht.

Für Geschäfte ist ein langsamer Autostrom daher nicht automatisch wirtschaftlich wertvoll. Entscheidend ist, ob Reisende einen Grund haben, bewusst in die Innenstadt zu fahren und dort zu bleiben.

Die Stadt muss die Jahre bis 2029 nutzen, um sich stärker als eigenständiges Ziel zu präsentieren. Historische Altstadt, Hafen, Petrikirche, Museum und Gastronomie müssen von der neuen Straße gut ausgeschildert und erreichbar bleiben.

Bestehende Klappbrücke bleibt erhalten

Die heutige Peenebrücke soll nach Fertigstellung der neuen Querung nicht abgerissen werden.

Über sie verlaufen weiterhin die Bahnstrecke und voraussichtlich örtliche Straßenverbindungen. Nach der Inbetriebnahme der Umgehung sollen umfassendere technische Arbeiten an der alten Brücke möglich werden.

Entlastung ermöglicht spätere Sanierung

Derzeit ist die bestehende Brücke für Straßen- und Bahnverkehr von großer Bedeutung. Längere Sperrungen wären nur mit erheblichen Umleitungen möglich.

Wenn der überregionale Straßenverkehr über die neue Brücke geführt wird, kann die alte Konstruktion gründlicher instand gesetzt werden. Sie bleibt damit ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Infrastruktur.

Für Wolgast ist das sinnvoll. Eine einzige Verbindung wäre angesichts möglicher Reparaturen oder Störungen weiterhin ein Risiko.

Keine Öffnung mehr für den Schiffsverkehr nötig

Die bestehende Klappbrücke muss regelmäßig geöffnet werden, damit größere Schiffe den Peenestrom passieren können.

Bis zu fünf planmäßige Öffnungen am Tag unterbrechen den Straßenverkehr. In der Hauptsaison reichen bereits wenige Minuten Stillstand aus, um lange Rückstaus zu erzeugen.

42 Meter lichte Höhe schaffen freie Durchfahrt

Die neue Brücke wird so hoch gebaut, dass der gewöhnliche Schiffsverkehr darunter hindurchfahren kann.

Für Autofahrer entfallen dadurch die regelmäßigen Wartezeiten vor einer geöffneten Brücke. Gleichzeitig bleibt der Peenestrom als Wasserstraße nutzbar.

Diese Kombination ist einer der wesentlichen Gründe für die große Höhe und die aufwendige Konstruktion des Neubaus.

Usedom erhält eine leistungsfähigere nördliche Zufahrt

Die Insel Usedom ist auf wenige feste Straßenverbindungen angewiesen.

Im Norden führt die B111 über Wolgast. Im Süden erreicht die B110 die Insel über die Zecheriner Brücke. Beide Verbindungen sind in der Hauptsaison stark belastet und hängen von beweglichen Brücken ab.

Eine neue Brücke erhöht die Verkehrssicherheit

Fällt eine der bestehenden Verbindungen wegen eines technischen Defekts oder einer Reparatur aus, entstehen große Umwege und Belastungen.

Die neue Wolgaster Brücke schafft zumindest an der nördlichen Zufahrt eine zusätzliche beziehungsweise leistungsfähigere Straßenverbindung. Dadurch wird die Erreichbarkeit der Insel robuster.

Auch Rettungsdienste, Feuerwehr, Lieferverkehr und Unternehmen profitieren von einer zuverlässigeren Anbindung.

Tourismuswirtschaft erhofft sich weniger Staus

Für Hotels, Ferienwohnungen und gastronomische Betriebe auf Usedom ist eine gute Erreichbarkeit von großer Bedeutung.

Lange Staus können den Urlaubsbeginn belasten und Tagesgäste abschrecken. Eine leistungsfähigere Zufahrt verbessert daher grundsätzlich die Wettbewerbsfähigkeit der Insel.

Mehr Straßenkapazität kann neuen Verkehr anziehen

Eine schnellere Verbindung löst jedoch nicht jedes Verkehrsproblem.

Wenn die Anreise mit dem Auto einfacher wird, können noch mehr Besucher das Fahrzeug nutzen. Engpässe verlagern sich dann möglicherweise auf andere Strecken, Ortsdurchfahrten oder Parkplätze auf Usedom.

Die neue Brücke muss deshalb mit Bahnangeboten, Bussen, Radverkehr und einem sinnvollen Parkraummanagement verbunden werden.

Bahnverkehr bleibt auf der alten Brücke

Die neue Peenestrombrücke ist als Straßenbrücke geplant.

Die Züge der Usedomer Bäderbahn werden weiterhin die bestehende Brücke nutzen. Dadurch bleibt die Bahn von deren Öffnungszeiten und technischem Zustand abhängig.

Straßenbau allein löst das Bahnproblem nicht

Eine nachhaltige Verkehrsentlastung der Insel benötigt attraktive Bahnverbindungen.

Wer Urlauber aus dem Auto holen will, muss direkte, schnelle und verlässliche Zugangebote schaffen. Die neue Straßenbrücke verbessert zunächst vor allem den Autoverkehr.

Für den öffentlichen Verkehr bleibt daher die Sanierung und langfristige Sicherung der bestehenden Bahnquerung entscheidend.

Hafen- und Industriestandort Wolgast soll profitieren

Die neue Verbindung ist nicht nur ein Tourismusprojekt.

Wolgast besitzt mit Hafen, Werftflächen und Gewerbegebieten einen bedeutenden Wirtschaftsstandort. Schwere Transporte und Lieferverkehre sind auf leistungsfähige Straßen angewiesen.

Bessere Anbindung kann Ansiedlungen erleichtern

Unternehmen achten bei Standortentscheidungen auf Fahrtzeiten, Zuverlässigkeit und die Erreichbarkeit von Autobahnen.

Die Ortsumgehung soll die Verbindung zur A20 verbessern und Industrieverkehr aus der Innenstadt herausnehmen.

Das kann bestehende Betriebe stärken und neue Investitionen erleichtern. Ein unmittelbarer Ansiedlungserfolg ist dadurch allerdings nicht garantiert.

Straßeninfrastruktur ist ein wichtiger Standortfaktor, ersetzt aber keine verfügbaren Gewerbeflächen, Fachkräfte oder wettbewerbsfähige Energiepreise.

Bauzeit bringt Belastungen für Einwohner und Natur

Bis zur Fertigstellung bleibt Wolgast eine Großbaustelle.

Schwerlastverkehr, Baustellenlärm, Erdarbeiten und zeitweise geänderte Verkehrsführungen werden die Region über Jahre begleiten.

Kampfmittel mussten untersucht werden

Das Gebiet besitzt eine militärisch und industriell geprägte Vergangenheit.

Vor weiteren Arbeiten wurden Flächen daher auf mögliche Kampfmittel untersucht und teilweise beräumt. Zusätzlich entstanden Baustraßen und Arbeitsebenen für die späteren Festlandspfeiler.

Solche Vorbereitungen sind zeitaufwendig, aber unverzichtbar. Ein unentdeckter Blindgänger könnte Beschäftigte gefährden und den Bauablauf erheblich verzögern.

Eingriffe in Landschaft und Peenestrom müssen ausgeglichen werden

Eine 6,8 Kilometer lange Straße mit einer Großbrücke verändert Landschaft, Boden und Lebensräume.

Dämme, Pfeiler, Zufahrten und Baustellenflächen greifen in Naturbereiche ein. Während der Arbeiten müssen Auswirkungen auf Wasserqualität, Fische, Vögel und Ufervegetation begrenzt werden.

Umweltauflagen gehören zum Projekt

Für große Straßenbauvorhaben sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vorgeschrieben.

Dazu können neue Biotope, Aufforstungen, Renaturierungen oder Schutzmaßnahmen für einzelne Arten gehören. Ebenso wichtig ist die Kontrolle während der Bauzeit.

Die Bedeutung der Ortsumgehung darf nicht dazu führen, dass Umweltauflagen als bloße Verzögerung betrachtet werden. Der Peenestrom ist Verkehrsweg, Wirtschaftsraum und empfindliches Ökosystem zugleich.

Wolgast muss sich auf die Zeit nach der Umgehung vorbereiten

Die Eröffnung Ende 2029 wird den Verkehr in der Stadt grundlegend verändern.

Das bietet die Chance, Straßenräume neu zu gestalten. Breitere Gehwege, sichere Radwege, Bäume oder zusätzliche Aufenthaltsbereiche könnten möglich werden, wenn weniger Durchgangsverkehr fließt.

Die alte B111 braucht ein neues Konzept

Nach der Verlagerung des Verkehrs darf die bisherige Durchfahrt nicht einfach unverändert bleiben.

Bleibt sie als breite, auf hohen Fahrzeugdurchsatz ausgelegte Straße bestehen, wird ein wesentlicher Teil der städtebaulichen Chance verschenkt.

Wolgast sollte bereits jetzt untersuchen, welche Abschnitte umgebaut, beruhigt oder besser mit Innenstadt und Hafen verbunden werden können.

Die Brücke kann ein neues Wahrzeichen werden

Mit ihren 70 Meter hohen Pylonen wird die neue Peenestrombrücke weithin sichtbar sein.

Sie könnte für Wolgast und Usedom eine ähnliche Bedeutung erhalten wie die Rügenbrücke für Stralsund und Rügen.

Technisches Bauwerk braucht gestalterische Qualität

Bei einem derart dominanten Bauwerk ist die Architektur nicht nebensächlich.

Form, Beleuchtung, Material und Einbindung in die Landschaft bestimmen, ob die Brücke später als elegantes Wahrzeichen oder lediglich als massive Verkehrsanlage wahrgenommen wird.

Die Zügelgurtkonstruktion besitzt das Potenzial für eine unverwechselbare Silhouette. Dieses Potenzial sollte auch bei möglichen Sparmaßnahmen erhalten bleiben.

Kostenentwicklung bleibt politisch brisant

Mehr als 500 Millionen Euro sind für eine Ortsumgehung eine außergewöhnliche Summe.

Der Bund übernimmt den größten Teil der Finanzierung. Dennoch handelt es sich vollständig um öffentliche Mittel.

Transparenz bleibt notwendig

Projektverantwortliche sollten regelmäßig offenlegen:

  • welche Leistungen bereits vergeben wurden,
  • welche Kostensteigerungen entstehen,
  • ob der Zeitplan eingehalten wird,
  • welche Risiken im Baugrund bestehen,
  • wie hoch mögliche Nachträge ausfallen,
  • welche Bauabschnitte abgeschlossen sind.

Ein Großprojekt gewinnt nicht allein durch seine technische Leistung Vertrauen. Es braucht ebenso nachvollziehbare Entscheidungen und eine ehrliche Kommunikation bei neuen Problemen.

Ende 2029 entscheidet sich, ob die Erwartungen erfüllt werden

Die neue Peenestrombrücke soll Europas größte Zügelgurtbrücke werden. Sie wird ungefähr 1,4 Kilometer lang, erhält 70 Meter hohe Pylone und eine Durchfahrtshöhe von 42 Metern. Die gesamte Ortsumgehung umfasst 6,8 Kilometer und kostet voraussichtlich mehr als 500 Millionen Euro.

Diese Zahlen machen das Projekt beeindruckend.

Sein tatsächlicher Wert wird sich jedoch nicht an Rekorden entscheiden.

Entscheidend ist, ob die Innenstadt Wolgasts wirklich vom Durchgangsverkehr entlastet wird, ob die Verbindung nach Usedom zuverlässiger funktioniert und ob der Hafen- und Industriestandort wirtschaftlich profitiert.

Ebenso wichtig ist, ob Wolgast die frei werdenden Möglichkeiten nutzt.

Eine Umgehungsstraße kann Verkehr aus einer Stadt herausführen. Sie macht die Stadt aber nicht automatisch attraktiver. Dafür braucht es neue Ideen für die bisherige Ortsdurchfahrt, eine bessere Verbindung zwischen Hafen und Altstadt sowie klare Hinweise, die Reisende weiterhin nach Wolgast hineinführen.

Nach Jahrzehnten der Diskussion ist der Bau nun sichtbar begonnen.

Bis Ende 2029 müssen nicht nur Betonpfeiler und Stahlträger entstehen. Wolgast muss zugleich entscheiden, wie die Stadt aussehen soll, wenn der große Urlauberverkehr eines Tages nicht mehr mitten durch ihr Zentrum fährt.