Cottbus. Sie besuchen erst die fünfte Klasse – und gehören bereits zu den besten jungen Robotik-Talenten Deutschlands.

Mila Heinze und William Buchan vom Niedersorbischen Gymnasium Cottbus haben sich mit einem selbst entwickelten und programmierten Roboter für das Europafinale der World Robot Olympiad qualifiziert. Der internationale Wettbewerb findet im Oktober 2026 in Zagreb statt. Dort werden die beiden Cottbuser Deutschland vertreten.

Bereits im Mai gewann das Team das Regionalfinale in Doberlug-Kirchhain. Damit sicherten sich die Schüler die Teilnahme am Deutschlandfinale in Trier. Dort belegten sie den dritten Platz und schafften damit den Sprung in die deutsche Auswahl für das Europafinale.

Roboter muss Aufgaben selbstständig lösen

Bei der World Robot Olympiad reicht es nicht aus, einen ferngesteuerten Roboter über ein Spielfeld zu bewegen.

Die Teams müssen ihre Maschinen so konstruieren und programmieren, dass sie vorgegebene Aufgaben vollständig autonom bewältigen. Sobald der Wettbewerb beginnt, dürfen die Schüler nicht mehr eingreifen.

Der Roboter muss innerhalb von 120 Sekunden selbstständig erkennen, welche Strecke er fahren und welche Aufgaben er ausführen muss. Dazu benötigt er Sensoren, einen funktionierenden mechanischen Aufbau und ein präzises Programm.

Schon kleine Fehler können das Ergebnis verändern.

Ein ungenau montiertes Rad, ein falsch gemessener Abstand oder eine fehlerhafte Programmzeile können dazu führen, dass der Roboter ein Ziel verfehlt oder eine Aufgabe nicht vollständig löst.

Regionalsieg war der erste große Schritt

Der Erfolg begann beim Regionalfinale in Doberlug-Kirchhain.

Dort setzte sich das Cottbuser Team gegen die Konkurrenz durch und gewann den Wettbewerb. Damit qualifizierten sich Mila Heinze und William Buchan für das Deutschlandfinale in Trier.

Beim Bundesfinale stiegen die Anforderungen noch einmal deutlich.

Die beiden Schüler mussten ihren Roboter nicht nur zuverlässig vorbereiten, sondern auch unter Wettbewerbsbedingungen zeigen, dass ihre Konstruktion und Programmierung zu den besten Deutschlands gehören.

Mit dem dritten Platz gelang ihnen schließlich die Qualifikation für Zagreb.

Programmieren, testen und immer wieder verbessern

Der Weg zu einem erfolgreichen Wettbewerbsroboter besteht aus vielen einzelnen Arbeitsschritten.

Zunächst müssen die Schüler die Aufgabe verstehen und entscheiden, wie der Roboter sie lösen soll. Danach wird gebaut, programmiert und getestet.

Funktioniert ein Ablauf nicht, beginnt die Fehlersuche.

Dabei müssen die jungen Entwickler herausfinden:

  • Liegt das Problem in der Mechanik?
  • Ist ein Sensor falsch eingestellt?
  • Stimmt die Fahrstrecke nicht?
  • Reagiert der Roboter zu früh oder zu spät?
  • Oder enthält das Programm einen Fehler?

Dieser Prozess wiederholt sich häufig viele Male.

Robotikwettbewerbe fördern deshalb nicht nur technisches Wissen. Sie verlangen Geduld, Konzentration, Teamarbeit und die Bereitschaft, nach einem Fehlschlag weiterzumachen.

MINT-Förderung wird für Cottbus immer wichtiger

Die World Robot Olympiad soll Kinder und Jugendliche für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik begeistern. Diese Bereiche werden meist unter der Abkürzung MINT zusammengefasst.

Für Cottbus besitzt die Förderung solcher Fähigkeiten eine besondere Bedeutung.

Die Stadt befindet sich mitten im wirtschaftlichen Strukturwandel. Mit dem neuen ICE-Instandhaltungswerk, dem Lausitz Science Park, der BTU Cottbus-Senftenberg und der Medizinischen Universität entstehen neue Arbeits- und Forschungsfelder.

Viele dieser Projekte benötigen später Menschen mit technischem und naturwissenschaftlichem Verständnis.

Wer Kinder frühzeitig für Programmierung, Elektronik und technische Problemlösungen begeistert, stärkt deshalb nicht nur deren persönliche Entwicklung. Er investiert zugleich in den künftigen Fachkräftenachwuchs der Region.

Talent allein reicht nicht aus

Der Erfolg von Mila Heinze und William Buchan ist in erster Linie ihre eigene Leistung.

Gleichzeitig zeigt er, wie wichtig ein unterstützendes Umfeld ist.

Junge Talente benötigen:

  • Zugang zu Technik und Materialien,
  • geeignete Arbeitsräume,
  • fachkundige Betreuung,
  • ausreichend Zeit zum Üben,
  • Unterstützung durch Eltern und Schule,
  • sowie Möglichkeiten, an Wettbewerben teilzunehmen.

Internationale Wettbewerbe verursachen zudem Kosten.

Anreise, Unterkunft, Startgebühren, Technik und Ersatzteile müssen finanziert werden. Gerade für Schülerteams darf eine Teilnahme nicht daran scheitern, dass Familien oder Schulen die Ausgaben nicht allein tragen können.

Niedersorbisches Gymnasium macht überregional auf sich aufmerksam

Der Erfolg bringt auch dem Niedersorbischen Gymnasium zusätzliche Aufmerksamkeit.

Die Schule verbindet ihren Bildungsauftrag mit der Pflege der niedersorbischen Sprache und Kultur. Nun zeigt das Team zugleich, dass dort moderne Technik- und Informatikförderung einen Platz besitzt.

Tradition und Zukunft schließen sich nicht aus.

Eine Schule kann regionale Identität bewahren und gleichzeitig junge Menschen auf eine zunehmend digitalisierte Arbeitswelt vorbereiten.

Gerade in der Lausitz ist diese Verbindung wichtig. Der Strukturwandel darf nicht bedeuten, dass regionale Geschichte und Kultur durch neue Technologien verdrängt werden.

Beides kann sich ergänzen.

Wettbewerb stärkt Teamarbeit

Robotik wird häufig mit Einzelgängern vor Computern verbunden.

In Wirklichkeit ist Teamarbeit ein wesentlicher Bestandteil solcher Wettbewerbe.

Die Schüler müssen Aufgaben verteilen, Ideen besprechen und gemeinsam Entscheidungen treffen. Einer kann eine gute Lösung für den mechanischen Aufbau finden, während der andere einen Programmfehler schneller erkennt.

Auch unter Zeitdruck müssen sie ruhig bleiben.

Beim Wettbewerb reicht es nicht, dass der Roboter im heimischen Proberaum funktioniert. Das Team muss auf veränderte Bedingungen reagieren und technische Probleme zwischen den einzelnen Durchgängen beheben.

Diese Fähigkeiten sind später auch in Ausbildung, Studium und Beruf gefragt.

Zagreb wird zur internationalen Bewährungsprobe

Beim Europafinale treffen die Cottbuser auf Teams aus verschiedenen Ländern.

Damit steigt nicht nur die sportliche und technische Herausforderung. Die Schüler erhalten zugleich die Gelegenheit, andere Lösungswege kennenzulernen und internationale Kontakte zu knüpfen.

Jedes Team arbeitet mit denselben Grundaufgaben, kann aber völlig unterschiedliche technische Ansätze wählen.

Ein Roboter kann besonders schnell sein, ein anderer besonders präzise. Manche Teams setzen auf einfache, robuste Konstruktionen, andere auf komplexere Programme und zusätzliche Sensoren.

Dieser Austausch gehört zu den wichtigsten Erfahrungen eines internationalen Wettbewerbs.

Fehler gehören ausdrücklich dazu

Einer der größten pädagogischen Vorteile solcher Projekte liegt im Umgang mit Fehlern.

In der Schule werden falsche Ergebnisse häufig mit schlechteren Noten verbunden. Beim Programmieren und Konstruieren sind Fehler dagegen ein normaler Teil des Entwicklungsprozesses.

Ein Roboter, der zunächst nicht funktioniert, ist kein Beweis des Scheiterns.

Er zeigt, an welcher Stelle weitergearbeitet werden muss.

Diese Denkweise ist für Forschung und Technik unverzichtbar. Neue Lösungen entstehen selten beim ersten Versuch.

Wer früh lernt, Fehler systematisch zu untersuchen und daraus Verbesserungen abzuleiten, entwickelt eine Fähigkeit, die weit über den Robotikwettbewerb hinausreicht.

Stadt gratuliert den Nachwuchstalenten

Die Stadt Cottbus würdigte die Qualifikation als bemerkenswerten Erfolg für den örtlichen MINT-Nachwuchs und gratulierte den beiden Schülern öffentlich.

Zugleich verwies sie darauf, dass internationale Wettbewerbe nicht allein vom Engagement der Teilnehmer leben. Entscheidend sei ebenso ein Umfeld, das solche Leistungen unterstützt und anerkennt.

Diese Anerkennung ist wichtig.

Jugendsportler erhalten häufig große öffentliche Aufmerksamkeit. Erfolge in Mathematik, Informatik oder Technik bleiben dagegen vielfach auf die Schule oder den unmittelbaren Familienkreis beschränkt.

Dabei verdienen auch junge Entwickler, Forscher und Programmierer Sichtbarkeit.

Schulen brauchen moderne Technik

Der Erfolg der beiden Schüler sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass technische Bildung an Schulen gute Ausstattung benötigt.

Dazu gehören:

  • aktuelle Computer,
  • Robotik-Bausätze,
  • zuverlässiges Internet,
  • Programmierumgebungen,
  • technische Arbeitsgemeinschaften,
  • und entsprechend weitergebildete Lehrkräfte.

Ein einmal angeschaffter Roboter reicht nicht dauerhaft aus.

Bauteile verschleißen, Software verändert sich und neue Wettbewerbsaufgaben benötigen zusätzliche Materialien.

MINT-Förderung darf deshalb nicht nur aus zeitlich begrenzten Einzelprojekten bestehen. Sie benötigt eine verlässliche Finanzierung.

Frühzeitige Förderung kann Fachkräfte in der Lausitz halten

Nicht jedes Kind, das an einem Robotikwettbewerb teilnimmt, wird später Ingenieur oder Programmierer.

Doch frühzeitige positive Erfahrungen können Interessen prägen.

Ein Schüler, der erlebt, dass sein selbst gebauter Roboter eine schwierige Aufgabe löst, gewinnt Vertrauen in die eigenen technischen Fähigkeiten.

Später kann daraus ein Interesse an Informatik, Elektrotechnik, Maschinenbau oder Automatisierung entstehen.

Cottbus besitzt mit der BTU einen starken Hochschulstandort und erhält in den kommenden Jahren weitere Forschungs- und Industriearbeitsplätze.

Die Region sollte deshalb frühzeitig zeigen, dass technische Talente auch in der Lausitz gute Zukunftschancen besitzen.

Ein großer Erfolg für zwei junge Cottbuser

Mila Heinze und William Buchan haben bereits mehr erreicht, als viele ältere Nachwuchsteams.

Sie gewannen das Regionalfinale, belegten beim Deutschlandfinale den dritten Platz und vertreten nun ihr Land beim Europafinale in Zagreb.

Ihr Erfolg zeigt, was entstehen kann, wenn Neugier, Fleiß und technische Förderung zusammenkommen.

Für Cottbus ist die Qualifikation mehr als eine schöne Schulnachricht.

Sie passt zu einer Stadt, die ihren wirtschaftlichen Wandel mit Forschung, Digitalisierung und neuer Industrie bewältigen will.

Der wichtigste Rohstoff dafür sind nicht Förderbescheide oder neue Gebäude.

Es sind junge Menschen, die lernen, Probleme zu verstehen und eigene Lösungen zu entwickeln.

Im Oktober wartet auf die beiden Fünftklässler nun die internationale Konkurrenz.

Unabhängig von der Platzierung haben sie Cottbus bereits eindrucksvoll vertreten.