Erfurt. Ferien müssen nicht zwangsläufig aus teuren Reisen, Freizeitparks oder stundenlanger Beschäftigung vor dem Bildschirm bestehen. In Erfurt beginnt am Montag, dem 13. Juli 2026, ein mehrtägiges Ferienprojekt, bei dem Kinder und Jugendliche selbst bauen, tüfteln und experimentieren können.

„We make Sommerferien“ findet bereits zum vierten Mal statt. Vom 13. bis zum 16. Juli warten sechs kostenfreie Workshops auf Teilnehmer im Alter von zehn bis 14 Jahren. Im Mittelpunkt stehen Natur, Nachhaltigkeit sowie die kreative Arbeit mit analogen und digitalen Medien.

Sechs kostenlose Workshops für Erfurter Kinder

Das Ferienprojekt richtet sich an junge Menschen, die Technik nicht nur benutzen, sondern verstehen und selbst gestalten möchten.

Insektenroboter selbst konstruieren

Ein Bestandteil des Programms ist der Bau kleiner Insektenroboter. Dabei lernen die Teilnehmer, wie sich einfache mechanische und elektronische Bauteile miteinander verbinden lassen.

Das Angebot verbindet Naturbeobachtung mit technischem Experimentieren. Kinder können nachvollziehen, wie Bewegungsmuster aus der Tierwelt in vereinfachter Form technisch nachgebildet werden.

Puffbohnenpflanzen werden zum Sprechen gebracht

Besonders ungewöhnlich klingt ein Workshop, in dem Puffbohnenpflanzen „zum Sprechen“ gebracht werden sollen. Die Puffbohne ist eng mit Erfurt und seiner Stadtgeschichte verbunden.

Bei dem Projekt dürfte es darum gehen, natürliche Vorgänge mithilfe von Sensoren, Elektronik oder digitalen Medien sichtbar beziehungsweise hörbar zu machen. Die Stadt nennt das genaue technische Verfahren nicht, kündigt die sprechenden Pflanzen aber ausdrücklich als einen Programmpunkt an.

Ersatzteile entstehen im 3D-Drucker

In einem weiteren Angebot können die Teilnehmer mit einem 3D-Drucker Ersatzteile herstellen. Als Beispiel nennt die Stadt fehlende Teile für Brettspiele.

Damit greift das Ferienprogramm ein alltagsnahes Thema auf: Anstatt einen Gegenstand wegen eines kleinen Defekts wegzuwerfen, kann ein passendes Bauteil digital entworfen und neu produziert werden.

Nachhaltigkeit wird praktisch vermittelt

Das Projekt verbindet digitale Technik mit Fragen des bewussten Umgangs mit Materialien und Ressourcen.

Reparieren statt sofort wegwerfen

Das Herstellen von Ersatzteilen mit einem 3D-Drucker kann Kindern zeigen, dass beschädigte Gegenstände nicht automatisch unbrauchbar sind.

Gerade bei Spielzeug oder Brettspielen fehlt häufig nur ein kleiner Bestandteil. Wird dieser ersetzt, kann das gesamte Produkt weiterverwendet werden. Damit wird Nachhaltigkeit nicht abstrakt erklärt, sondern an einem konkreten Beispiel erlebbar.

Technik und Umweltschutz sind keine Gegensätze

Digitale Geräte werden häufig mit hohem Energieverbrauch und schnell wechselnden Produkten verbunden. Sie können jedoch auch dabei helfen, Rohstoffe einzusparen oder Dinge länger nutzbar zu machen.

Das Erfurter Ferienprojekt setzt an dieser Verbindung an: Junge Menschen sollen lernen, Technik kreativ und verantwortungsvoll einzusetzen.

Origami und leuchtende Lampen ergänzen das Programm

Nicht alle Workshops drehen sich ausschließlich um Computer, Sensoren oder Roboter. Auch klassische Gestaltungstechniken gehören zum Angebot.

Papierkunst verbindet Konzentration und Kreativität

Beim Origami entstehen durch genaues Falten aus einfachen Papierflächen dreidimensionale Formen. Die Technik verlangt Geduld, räumliches Denken und sorgfältiges Arbeiten.

Damit bildet sie einen bewussten Gegenpol zu schnell konsumierten digitalen Inhalten. Die Kinder stellen am Ende einen Gegenstand her, den sie selbst geplant und mit den eigenen Händen gestaltet haben.

Eigene Tischlampen werden gebaut

Auch leuchtende Tischlampen sollen im Rahmen der Workshops entstehen. Dabei können Gestaltung, einfache Elektronik und handwerkliches Arbeiten miteinander verbunden werden.

Solche Projekte haben einen besonderen Reiz, weil die Teilnehmer ein funktionierendes Ergebnis mit nach Hause nehmen können. Die Arbeit bleibt dadurch nicht theoretisch, sondern führt zu einem sichtbaren und nutzbaren Produkt.

Erfurter Bibliotheken werden zu Werkstätten

Zwei der sechs Workshops finden in Erfurter Bibliotheken statt. Veranstalter sind die Stadtverwaltung und die Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt.

Bibliotheken bieten längst mehr als Bücher

Moderne Bibliotheken entwickeln sich zunehmend zu Lern-, Veranstaltungs- und Begegnungsorten. Neben der klassischen Ausleihe gehören digitale Angebote, Workshops und Bildungsprogramme inzwischen vielerorts zum Alltag.

Das Projekt zeigt, dass Bibliotheken auch Räume sein können, in denen Kinder Technik ausprobieren, eigene Ideen umsetzen und gemeinsam an Aufgaben arbeiten.

Niedrigschwelliger Zugang ist besonders wichtig

Bibliotheken sind öffentlich zugänglich und vielen Familien bereits bekannt. Das senkt die Hemmschwelle, an einem Bildungsangebot teilzunehmen.

Anders als bei kommerziellen Ferienkursen steht nicht die Zahlungsfähigkeit der Eltern im Vordergrund. Alle Workshops des Projekts werden kostenfrei angeboten.

Diese Einrichtungen arbeiten zusammen

„We make Sommerferien“ ist ein gemeinsames Projekt mehrerer Erfurter Akteure aus den Bereichen Forschung, Medienbildung und Jugendarbeit.

Schülerforschungszentrum bringt wissenschaftliche Erfahrung ein

Zu den Projektpartnern gehört das Schülerforschungszentrum Erfurt. Solche Einrichtungen sollen junge Menschen frühzeitig an naturwissenschaftliche und technische Fragestellungen heranführen.

Entscheidend ist dabei, dass Kinder nicht nur fertige Lösungen präsentiert bekommen. Sie sollen selbst ausprobieren, Fehler erkennen und neue Lösungswege entwickeln.

Landesmedienanstalt stärkt Medienkompetenz

Auch die Thüringer Landesmedienanstalt ist beteiligt. Medienbildung umfasst heute weit mehr als den sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken.

Kinder sollen verstehen, wie digitale Werkzeuge funktionieren, wie Inhalte entstehen und wie Technik sinnvoll eingesetzt werden kann.

Weitere Partner aus der Erfurter Bildungslandschaft

Beteiligt sind außerdem die Digitalmacherei, das Institut für Spiel- und Medienkultur Spawnpoint sowie die Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt.

Durch diese Zusammenarbeit können unterschiedliche Erfahrungen gebündelt werden: technisches Wissen, Medienpädagogik, Spielkultur und die Infrastruktur der städtischen Bibliotheken.

Ferienangebote sind für Familien ein wichtiger Standortfaktor

Die mehrwöchigen Sommerferien stellen viele Eltern vor organisatorische Herausforderungen. Nicht jede Familie kann über den gesamten Zeitraum Urlaub nehmen oder eine Reise finanzieren.

Kostenlose Programme entlasten Eltern

Gebührenfreie Angebote ermöglichen auch Kindern aus Familien mit kleinerem Budget eine abwechslungsreiche Feriengestaltung.

Dabei geht es nicht nur um Betreuung. Gute Ferienprogramme können Interessen wecken, soziale Kontakte schaffen und Fähigkeiten fördern, die im Schulalltag manchmal zu kurz kommen.

Angebote für Zehn- bis 14-Jährige sind besonders wertvoll

Für jüngere Kinder gibt es häufig Ferienbetreuung, während ältere Jugendliche ihre Freizeit zunehmend selbstständig organisieren. Die Altersgruppe dazwischen wird nicht immer ausreichend berücksichtigt.

„We make Sommerferien“ richtet sich gezielt an Zehn- bis 14-Jährige und bietet Projekte, die weder kindlich noch bereits auf Erwachsene zugeschnitten sind.

Weitere Ferienangebote in Erfurt

Das Werkstattprojekt ist nur ein Teil des städtischen Sommerprogramms. Museen und Bibliotheken bieten im Juli und August zahlreiche weitere Veranstaltungen an.

Museumsrallye durch die Kleine Synagoge

Am 14. Juli findet in der Kleinen Synagoge eine kostenfreie Museumsrallye für Kinder von sechs bis elf Jahren statt. Dabei geht es um jüdisches Leben und die Geschichte Erfurts.

Tiere ferner Kontinente im Naturkundemuseum

Am 15. Juli können Kinder im Naturkundemuseum Tiere anderer Erdteile erkunden und anschließend eigene Tierporträts gestalten.

Virtuelle Fußball-WM in der Bibliothek

Ebenfalls am 15. Juli lädt die Kinder- und Jugendbibliothek zu einem virtuellen Fußballturnier auf der PlayStation 5 ein. Parallel ist ein Angebot mit Kapla-Bausteinen geplant.

Trickfilm und kreatives Schreiben

Später im Juli folgen unter anderem eine zweitägige Trickfilm-Werkstatt und ein Schreibworkshop für Jugendliche ab zwölf Jahren.

Anmeldung für die Workshops erforderlich

Die sechs Workshops von „We make Sommerferien“ finden an verschiedenen Orten in Erfurt statt. Da die Plätze begrenzt sein können, ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.

Projekt läuft vom 13. bis 16. Juli

Der offizielle Veranstaltungszeitraum beginnt am 13. Juli um 10 Uhr und endet am 16. Juli 2026 um 18 Uhr. Die einzelnen Workshops können innerhalb dieses Zeitraums unterschiedliche Anfangs- und Endzeiten haben.

Teilnahme ist vollständig kostenfrei

Für die Workshops werden keine Teilnahmegebühren verlangt. Familien sollten vor der Anmeldung dennoch prüfen, für welche Altersgruppe, welchen Veranstaltungsort und welchen Zeitraum das jeweilige Angebot vorgesehen ist.

Warum solche Projekte mehr als Ferienunterhaltung sind

Ein selbst gebauter Roboter oder ein Teil aus dem 3D-Drucker wirkt zunächst wie eine interessante Ferienbeschäftigung. Dahinter steht jedoch ein grundlegender Bildungsansatz.

Kinder erleben sich als Gestalter

Digitale Medien werden von jungen Menschen täglich genutzt. Häufig bleiben sie dabei jedoch reine Konsumenten vorgefertigter Anwendungen und Inhalte.

In einem Werkstattprojekt wechseln sie die Perspektive. Sie planen, bauen, testen und verändern selbst. Diese Erfahrung kann das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken.

Fehler gehören ausdrücklich dazu

Beim Tüfteln funktioniert selten alles beim ersten Versuch. Ein Bauteil sitzt falsch, ein Entwurf passt nicht oder ein Roboter bewegt sich anders als vorgesehen.

Gerade dieser Prozess ist pädagogisch wertvoll. Kinder lernen, dass Fehler keine Niederlage sind, sondern ein normaler Bestandteil von Entwicklung und Problemlösung.

Interesse an technischen Berufen kann früh entstehen

Nicht jedes teilnehmende Kind wird später Ingenieur, Programmierer oder Naturwissenschaftler. Doch ohne frühzeitige Erfahrungen können entsprechende Interessen oft gar nicht erst entdeckt werden.

Ferienprojekte bieten eine ungezwungene Möglichkeit, technische und kreative Tätigkeiten außerhalb von Schulnoten und Leistungsdruck kennenzulernen.

Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen

Kostenlose Ferienangebote sind keine nebensächliche Freizeitbeschäftigung. Sie sind ein wichtiger Bestandteil kommunaler Familien- und Bildungspolitik.

Erfurt macht mit dem Projekt vieles richtig: Die Kinder arbeiten selbstständig, digitale Technik wird mit Nachhaltigkeit verbunden und die Teilnahme bleibt kostenfrei. Besonders überzeugend ist, dass mehrere Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten, anstatt jeweils kleine Einzelangebote nebeneinander zu organisieren.

Allerdings sollten solche Programme nicht auf wenige Plätze und einzelne Ferienwochen beschränkt bleiben. Gerade Familien, die sich teure Kurse oder Reisen nicht leisten können, benötigen verlässliche und dauerhaft zugängliche Angebote.

Die Stadt sollte deshalb prüfen, welche Workshops besonders stark nachgefragt werden und welche Formate regelmäßig in Bibliotheken, Jugendhäusern oder Schulen angeboten werden können. Aus einem guten Ferienprojekt könnte so ein dauerhaftes Bildungsangebot für Erfurter Kinder werden.