Erfurt. Internationale Schauspieler, ein deutsch-norwegisches Filmteam und mehrere Drehorte in Mitteldeutschland: Erfurt wird im Sommer 2026 erneut zur Kulisse für eine größere Kinoproduktion. In der Thüringer Landeshauptstadt und ihrem Umland entstehen derzeit Szenen für das Roadmovie „Uncle Egg“.
Besondere Aufmerksamkeit erhält das Projekt durch zwei bekannte Darsteller: Kristofer Hivju und Tom Wlaschiha standen bereits für die weltweit erfolgreiche Fernsehserie „Game of Thrones“ vor der Kamera. Nun arbeiten beide an einem Familienfilm, dessen Geschichte von Nordnorwegen bis nach Deutschland führt.
Worum geht es in „Uncle Egg“?
Im Mittelpunkt des Films steht der zwölfjährige Hauk. Der Junge lebt in Norwegen und begibt sich gemeinsam mit seinem ungewöhnlichen Onkel Egg auf eine Reise nach Deutschland.
Ein Junge sucht seinen leiblichen Vater
Das Ziel der Reise ist die Suche nach Hauks leiblichem Vater. Was zunächst wie ein klassischer Familienausflug erscheinen könnte, entwickelt sich zu einer längeren Reise durch verschiedene Landschaften, Länder und persönliche Konflikte.
Nach Angaben der Produktion behandelt der Film Themen wie Familie, Zusammenhalt, Herkunft und die Suche nach Zugehörigkeit. Die Geschichte ist damit nicht allein als unterhaltsames Roadmovie angelegt, sondern auch als Coming-of-Age-Erzählung über die Frage, wo ein Mensch seine Heimat findet.
Eine deutsch-norwegische Koproduktion
„Uncle Egg“ entsteht als internationale Koproduktion. Beteiligt sind unter anderem die norwegische Produktionsgesellschaft Fjordic Film sowie das Erfurter Unternehmen Mideu Films. Außerdem wirken Tellux Film und Provobis an dem Projekt mit. Regie und Drehbuch stammen vom norwegischen Filmemacher Torfinn Iversen.
Die Verbindung zwischen norwegischen und deutschen Produktionspartnern spiegelt sich auch in den Drehorten wider. Gedreht wird nicht nur in Erfurt, sondern ebenso in Nordnorwegen, Oslo und im Harz.
Diese „Game of Thrones“-Stars stehen vor der Kamera
Die Namen Kristofer Hivju und Tom Wlaschiha dürften vor allem Serienfreunden bekannt sein. Beide wirkten über mehrere Jahre an „Game of Thrones“ mit, spielten dort jedoch vollkommen unterschiedliche Rollen.
Kristofer Hivju übernimmt die Rolle des Onkels
Der norwegische Schauspieler Kristofer Hivju wurde einem internationalen Publikum als Tormund Riesentod bekannt. Die Figur gehörte in „Game of Thrones“ zum Volk der Wildlinge und entwickelte sich im Verlauf der Serie zu einem Verbündeten der zentralen Hauptfiguren.
In „Uncle Egg“ spielt Hivju den exzentrischen Onkel, der gemeinsam mit seinem Neffen von Norwegen nach Deutschland reist. Die Rolle dürfte einen erheblichen Teil des Films tragen, da sich die Handlung auf das Verhältnis zwischen dem Jungen und seinem ungewöhnlichen Begleiter konzentriert.
Tom Wlaschiha ist international gefragt
Tom Wlaschiha stammt aus Sachsen und spielte in „Game of Thrones“ den geheimnisvollen Jaqen H’ghar. Darüber hinaus war der Schauspieler in zahlreichen deutschen und internationalen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen.
Welche Rolle Wlaschiha in „Uncle Egg“ genau übernimmt, wurde in den bislang veröffentlichten Produktionsangaben nicht ausführlich beschrieben. Seine Beteiligung stärkt jedoch die internationale Wahrnehmung des Projekts und schafft zugleich eine Verbindung zur mitteldeutschen Film- und Kulturlandschaft.
Wo wird in Erfurt gedreht?
Die Dreharbeiten finden nach Angaben der Mitteldeutschen Medienförderung in Erfurt und Umgebung statt. Konkrete Straßen, Gebäude oder öffentliche Plätze wurden bislang nicht vollständig bekannt gegeben.
Insgesamt 16 Drehtage in Mitteldeutschland
Der offizielle Drehzeitraum läuft vom 11. Juni bis zum 31. Juli 2026. Insgesamt sind 16 Drehtage in Mitteldeutschland vorgesehen. Neben Erfurt und dem Thüringer Umland gehört auch Gernrode im Harz zu den Drehorten.
In Gernrode wird unter anderem am historischen Kuckuckshaus gedreht. Weitere Aufnahmen entstehen in Norwegen und Oslo. Damit verbindet der Film sehr unterschiedliche Landschaften und Stadtbilder miteinander.
Warum Erfurt als Filmkulisse interessant ist
Erfurt bietet Produzenten eine Mischung aus historischer Altstadt, Gründerzeitvierteln, moderner Stadtarchitektur und ländlich geprägten Gebieten im unmittelbaren Umland. Dadurch lassen sich innerhalb kurzer Entfernungen sehr unterschiedliche Szenenbilder umsetzen.
Hinzu kommt eine inzwischen etablierte Produktionsstruktur. Mit Mideu Films sitzt eine an internationalen Projekten beteiligte Filmfirma direkt in Erfurt. Auch die Nähe zu Weimar, Gotha, dem Thüringer Wald und weiteren mitteldeutschen Drehorten erhöht die Attraktivität der Region.
480.000 Euro Förderung für den Kinofilm
Die Mitteldeutsche Medienförderung unterstützt „Uncle Egg“ mit 480.000 Euro. Das Geld soll dazu beitragen, die internationale Koproduktion zu realisieren und einen Teil der Ausgaben in Mitteldeutschland zu binden.
Filmförderung soll Wertschöpfung in der Region halten
Filmförderung ist nicht nur Kulturförderung. Bei Dreharbeiten werden Unterkünfte, Fahrzeuge, Technik, Verpflegung und Dienstleistungen benötigt. Hinzu kommen Beschäftigungsmöglichkeiten für Filmschaffende, Komparsen, Fahrer, Handwerker und weitere Dienstleister.
Wie groß der konkrete wirtschaftliche Effekt von „Uncle Egg“ für Erfurt ausfällt, ist bislang nicht veröffentlicht worden. Grundsätzlich können solche Produktionen jedoch dazu beitragen, dass Fördergelder teilweise als Aufträge und Einnahmen in der jeweiligen Drehregion verbleiben.
Öffentliche Förderung verlangt nachhaltige Wirkung
Bei einer Fördersumme von fast einer halben Million Euro wird allerdings auch die Frage wichtig, welchen dauerhaften Nutzen Thüringen aus dem Projekt zieht. Eine Filmproduktion sollte nicht nur für einige Drehtage Aufmerksamkeit erzeugen.
Entscheidend ist, ob regionale Unternehmen beteiligt werden, Filmschaffende aus Thüringen Aufträge erhalten und die entstandenen Kontakte für weitere Produktionen genutzt werden können. Nur dann entwickelt sich aus einzelnen Dreharbeiten langfristig ein stabiler Filmstandort.
Erfurt baut seine Rolle als Medienstandort aus
Die Thüringer Landeshauptstadt ist bereits seit Jahren eng mit Film, Fernsehen und Kindermedien verbunden. Neben Produktionsfirmen und Medieninstitutionen prägen unter anderem der Kinderkanal KiKA und das Deutsche Kindermedienfestival Goldener Spatz das Profil der Region.
Von Kindermedien zu internationalen Kinoproduktionen
„Uncle Egg“ passt in diese Entwicklung. Die Geschichte richtet sich thematisch auch an Familien und ein jüngeres Publikum, besitzt durch die internationale Besetzung aber zugleich eine deutlich größere Reichweite.
Für Erfurt ergibt sich daraus die Chance, nicht nur als Verwaltungs- und Landeshauptstadt wahrgenommen zu werden, sondern auch als Arbeitsort für kreative und audiovisuelle Berufe.
Bekannte Schauspieler erhöhen die Aufmerksamkeit
Die Beteiligung zweier „Game of Thrones“-Darsteller sorgt für Berichterstattung weit über Thüringen hinaus. Für das Stadtmarketing ist das wertvoll, auch wenn Erfurt im fertigen Film möglicherweise nicht ausdrücklich als Erfurt erkennbar sein wird.
Filmproduktionen können Orte bekannter machen, neue Besucher anziehen und langfristig ein positives Bild einer Region vermitteln. Voraussetzung ist allerdings, dass Stadt und Land die Dreharbeiten kommunikativ begleiten und später sichtbar mit dem entstandenen Film verbinden.
Wann kommt „Uncle Egg“ in die Kinos?
Ein genauer Kinostart steht noch nicht fest. Nach bisherigen Angaben soll der Film 2026 oder 2027 fertiggestellt werden. Ob die Veröffentlichung zunächst auf Festivals, regulär im Kino oder später über Streamingangebote erfolgt, wurde noch nicht abschließend bekannt gegeben.
Dreharbeiten laufen bis Ende Juli
Der derzeit veröffentlichte Drehplan reicht bis zum 31. Juli 2026. Danach folgen Schnitt, Tonbearbeitung, Musik, Farbkorrektur und weitere Schritte der sogenannten Postproduktion. Erst wenn diese Arbeiten weitgehend abgeschlossen sind, kann ein verbindlicher Starttermin festgelegt werden.
Thüringer Zuschauer müssen sich noch gedulden
Ob es zur Premiere eine besondere Veranstaltung in Erfurt geben wird, ist bislang offen. Für die Stadt wäre eine Vorführung mit Beteiligung der Produzenten und Darsteller allerdings eine naheliegende Möglichkeit, das Projekt nach Abschluss der Dreharbeiten erneut öffentlich sichtbar zu machen.
Aus Dreharbeiten muss mehr entstehen als ein kurzer Prominentenbesuch
Dass bekannte Schauspieler in Erfurt vor der Kamera stehen, ist eine gute Nachricht. Internationale Filmproduktionen bringen Aufmerksamkeit, Aufträge und kulturelles Ansehen in die Region.
Doch Thüringen sollte sich nicht damit begnügen, gelegentlich als günstige Kulisse zu dienen. Entscheidend ist, ob sich daraus dauerhafte Arbeitsplätze, leistungsfähige Produktionsfirmen und wiederkehrende Aufträge entwickeln.
Fast eine halbe Million Euro Förderung ist dann gut angelegtes Geld, wenn ein möglichst großer Teil der Wertschöpfung in Mitteldeutschland bleibt. Erfurt besitzt die Voraussetzungen, sich als Film- und Medienstandort stärker zu positionieren. Nun muss aus dem kurzen Glanz bekannter Namen eine langfristige Strategie werden.