Hoyerswerda. Das ZCOM Zuse-Computer-Museum steht unmittelbar vor der Schließung. Ab dem 1. September 2026 soll das Museum für den regulären Publikumsverkehr nicht mehr geöffnet werden. Gruppenführungen könnten zunächst noch auf Anfrage stattfinden. Hintergrund ist eine Finanzierungslücke, die nach derzeitigen Planungen nicht geschlossen werden kann.

Für das Jahr 2027 fehlen nach vorliegenden Berichten rund 300.000 Euro. Die Stadt Hoyerswerda will ihren jährlichen Zuschuss von 25.000 Euro streichen. Auch die städtische Wohnungsgesellschaft beendet zum Jahresende ihre Zahlungen. Die Stiftung hinter dem Museum soll nach bisherigem Stand abgewickelt werden.

Damit droht Hoyerswerda nicht nur eine weitere kulturelle Einrichtung zu verlieren. Betroffen ist ein Museum, das eng mit dem Selbstverständnis der Stadt verbunden ist.

Hoyerswerda nennt sich Konrad-Zuse-Stadt

Konrad Zuse gilt als einer der bedeutendsten Computerpioniere des 20. Jahrhunderts. Er besuchte in Hoyerswerda die Schule und legte dort 1928 sein Abitur ab. Im Jahr 1995 ernannte ihn die Stadt zum Ehrenbürger. Bis heute wirbt Hoyerswerda mit seiner Verbindung zu Zuse und wird regelmäßig als Konrad-Zuse-Stadt bezeichnet.

Das ZCOM bewahrt diese Geschichte.

Die Ausstellung zeigt nicht nur historische Rechenmaschinen und Computer. Sie dokumentiert auch die Entwicklung der Informationsgesellschaft, die Geschichte ostdeutscher Computertechnik und die Bedeutung von Konrad Zuses Erfindungen.

Zum Bestand gehören unter anderem:

  • historische Zuse-Rechner,
  • DDR-Computertechnik von Robotron,
  • Lochkartenmaschinen,
  • frühe Rechenhilfen,
  • ein Funktionsmodell der Z1,
  • der Plotter Graphomat Z64,
  • Dokumente, Filme und Kunstwerke,
  • sowie insgesamt rund 18.000 Exponate und Sammlungsstücke.

Für eine Stadt mit weniger als 35.000 Einwohnern ist eine solche Sammlung außergewöhnlich.

Ein Museum, das nach Hoyerswerda gehört

In Deutschland gibt es zahlreiche Technik- und Computermuseen. Doch kaum eines besitzt eine so unmittelbare Verbindung zu Konrad Zuses persönlicher Geschichte wie Hoyerswerda.

Gerade deshalb wäre eine Schließung besonders bitter.

Das Museum könnte theoretisch auch in Berlin, Dresden, Leipzig oder München stehen. Seine besondere Bedeutung entsteht aber dadurch, dass es sich in jener Stadt befindet, in der Zuse einen wichtigen Teil seiner Jugend verbrachte.

Hoyerswerda besitzt damit ein Alleinstellungsmerkmal, um das andere Städte die Lausitz beneiden könnten.

Die Schließung würde dieses Potenzial nicht nur für die Kultur, sondern auch für Tourismus, Bildung und Stadtmarketing schwächen.

Erst 2017 wurde der neue Standort eröffnet

Das Museum blickt auf eine jahrzehntelange Geschichte zurück. Es wurde 1995 zunächst in sehr kleinen Räumen eröffnet. Später wuchs die Sammlung erheblich.

Im Jahr 2017 bezog das ZCOM seinen heutigen Standort in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße. Dort entstand auf etwa 1.000 Quadratmetern eine moderne Dauerausstellung. Für Umbau und Umzug wurden nach damaligen Angaben rund 3,3 Millionen Euro investiert.

Nicht einmal zehn Jahre später steht der Betrieb nun vor dem Ende.

Das wirft Fragen auf:

  • Wurde beim Umzug ein langfristiges Finanzierungskonzept aufgestellt?
  • Auf welchen Besucherzahlen beruhten die damaligen Planungen?
  • Welche laufenden Betriebskosten wurden erwartet?
  • Warum konnte kein dauerhafter Trägermix aus Stadt, Land, Wirtschaft und Eintrittseinnahmen aufgebaut werden?
  • Weshalb wird eine millionenschwere Ausstellung geschaffen, ohne ihren Betrieb langfristig zu sichern?

Öffentliche Investitionen in Gebäude und Ausstellungen ergeben nur dann Sinn, wenn auch der spätere Betrieb finanzierbar ist.

Zu wenige Besucher und zu geringe Einnahmen

Neben wegfallenden Zuschüssen gelten fehlende Einnahmen und zu niedrige Besucherzahlen als wesentliche Ursachen der Krise.

Das ist ein bekanntes Problem kleinerer Museen.

Eintrittsgelder können die tatsächlichen Kosten häufig nur zu einem begrenzten Teil decken. Personal, Energie, Versicherung, Instandhaltung, Museumsdidaktik, Archivierung und Sonderausstellungen verursachen erhebliche Ausgaben.

Gleichzeitig muss die Frage erlaubt sein, ob das ZCOM sein Besucherpotenzial ausreichend ausgeschöpft hat.

Ein Museum mit Themen wie Computer, künstliche Intelligenz, Computerspiele, Robotron und Digitalisierung müsste eigentlich besonders gute Möglichkeiten besitzen, junge Menschen und Familien anzusprechen.

Mögliche Zielgruppen wären:

  • Schulklassen aus der gesamten Lausitz,
  • Berufsschulen und Hochschulen,
  • Unternehmen der Digital- und Energiewirtschaft,
  • Computer- und Technikvereine,
  • Urlauber aus dem Lausitzer Seenland,
  • Besucher aus Dresden, Cottbus, Bautzen und Görlitz,
  • sowie Gäste aus Polen und Tschechien.

Wenn diese Besucher nicht in ausreichender Zahl kommen, muss neben der Finanzierung auch über Marketing, Öffnungszeiten und Ausstellungskonzepte gesprochen werden.

Die Entscheidung des Stadtrates

Der Hoyerswerdaer Stadtrat befasste sich am 30. Juni mit der weiteren Finanzierung des Museums. Die Stadt befindet sich in einer schwierigen Haushaltslage und muss bei zahlreichen freiwilligen Leistungen sparen. Die Finanzierung des ZCOM war dabei Teil eines größeren Konsolidierungsprogramms.

Aus Sicht der Stadt ist nachvollziehbar, dass jeder Zuschuss überprüft werden muss.

Hoyerswerda muss gleichzeitig Geld bereitstellen für:

  • Schulen und Kindertagesstätten,
  • Straßen und Brücken,
  • Feuerwehr,
  • Sportstätten,
  • Schwimmbäder,
  • Lausitzhalle und Kultur,
  • öffentlichen Nahverkehr,
  • soziale Einrichtungen,
  • sowie die Folgen des Strukturwandels.

25.000 Euro städtischer Zuschuss wirken im Vergleich zum Gesamtetat eines Museums zunächst überschaubar. Die Summe allein würde die Finanzierungslücke von rund 300.000 Euro allerdings nicht schließen.

Dennoch hat der Rückzug der Stadt eine starke symbolische Wirkung.

Wenn selbst die Konrad-Zuse-Stadt ihren Beitrag beendet, dürfte es schwieriger werden, andere Geldgeber vom langfristigen Erhalt zu überzeugen.

Hoffnung auf 250.000 Euro aus der Schweiz

Eine mögliche Rettung könnte von einer Schweizer Stiftung kommen. Nach Medienberichten steht eine Unterstützung von bis zu 250.000 Euro im Raum. Ob das Geld tatsächlich gezahlt wird und unter welchen Bedingungen, ist bislang offen.

Eine solche Summe könnte Zeit verschaffen.

Sie würde aber noch kein dauerhaftes Finanzierungskonzept ersetzen. Selbst bei einer vollständigen Zahlung müsste geklärt werden:

  • Ist die Unterstützung einmalig oder jährlich?
  • Welche Eigenmittel muss das Museum aufbringen?
  • Bleibt die Stadt als Partner beteiligt?
  • Wer übernimmt die Trägerschaft?
  • Wie werden Personal und Sammlung gesichert?
  • Welche Finanzierung folgt ab 2028?
  • Welche Bedingungen stellt der mögliche Geldgeber?

Die Namen und Verhandlungen sollten nicht vorschnell veröffentlicht werden, solange keine verbindliche Vereinbarung besteht. Sobald öffentliche Entscheidungen davon abhängen, braucht es jedoch Transparenz.

Was geschieht mit den 18.000 Exponaten?

Bei einer Schließung endet nicht nur der Besucherverkehr.

Eine Sammlung muss weiterhin fachgerecht gelagert, dokumentiert, versichert und erhalten werden. Historische Computer und technische Geräte benötigen geeignete Bedingungen. Einige Objekte sind empfindlich, selten oder nicht ersetzbar.

Deshalb muss schnell geklärt werden:

  • Wem gehören die einzelnen Exponate?
  • Welche Stücke sind Leihgaben?
  • Wo wird die Sammlung gelagert?
  • Wer trägt die Lager- und Versicherungskosten?
  • Bleibt die Sammlung in Hoyerswerda?
  • Können besonders bedeutende Objekte öffentlich zugänglich bleiben?
  • Droht eine Verteilung an andere Museen?

Eine Auflösung der Sammlung wäre für Hoyerswerda besonders problematisch.

Sind bedeutende Exponate erst einmal nach Dresden, Berlin oder in westdeutsche Museen abgegeben, dürfte es schwer werden, sie später zurückzuholen.

Lausitz verliert kulturelle Ankerpunkte

Die Krise des ZCOM steht nicht für sich allein.

Viele Städte der Lausitz kämpfen mit sinkenden Einwohnerzahlen, knappen Haushalten und den Folgen des wirtschaftlichen Strukturwandels. Gleichzeitig sollen sie für Fachkräfte, Familien und Touristen attraktiver werden.

Betroffen sind unter anderem:

  • Hoyerswerda,
  • Weißwasser,
  • Spremberg,
  • Senftenberg,
  • Cottbus,
  • Kamenz,
  • Bautzen,
  • Görlitz,
  • Boxberg,
  • Lohsa und Lauta.

Wenn in diesen Städten Museen, Bibliotheken, Theater, Schwimmbäder oder Begegnungsstätten schließen, sinkt die Lebensqualität. Das erschwert wiederum den Versuch, neue Einwohner und Unternehmen zu gewinnen.

Strukturwandel besteht nicht nur aus Gewerbegebieten, Forschungsinstituten und neuen Behörden.

Eine Region braucht auch Orte, die ihre Geschichte erzählen und Identität stiften.

Ein Bildungspartner für Schulen

Das ZCOM könnte für Schulen aus dem Landkreis Bautzen und der gesamten Oberlausitz eine wesentlich größere Rolle spielen.

Computertechnik lässt sich dort anschaulich mit Mathematik, Physik, Geschichte, Informatik und Gesellschaftskunde verbinden.

Das Museum könnte Schülerinnen und Schülern zeigen:

  • wie frühe Computer funktionierten,
  • welche Rolle ostdeutsche Betriebe wie Robotron spielten,
  • wie schnell sich Technik entwickelte,
  • welche Auswirkungen Digitalisierung auf Arbeit und Gesellschaft hat,
  • und wie Erfindergeist aus einer ostdeutschen Region weltweite Bedeutung erlangte.

Gerade in Zeiten, in denen über Fachkräftemangel und fehlenden technischen Nachwuchs geklagt wird, erscheint die Schließung eines solchen Lernortes widersprüchlich.

Sachsen, der Landkreis Bautzen und regionale Unternehmen sollten deshalb prüfen, ob das Museum stärker als außerschulischer Lernort finanziert werden kann.

Unternehmen der Region sind gefragt

Das ZCOM darf nicht ausschließlich auf kommunale Zuschüsse angewiesen bleiben.

In der Lausitz investieren Bund, Länder und Unternehmen Milliarden in Energie, Digitalisierung, Bahn, Forschung und neue Industrie. Daraus könnte ein regionales Unterstützernetzwerk entstehen.

Mögliche Partner wären:

  • Energieunternehmen,
  • Sparkassen und Genossenschaftsbanken,
  • IT-Dienstleister,
  • Maschinen- und Anlagenbauer,
  • Telekommunikationsunternehmen,
  • Hochschulen,
  • Forschungsinstitute,
  • Wohnungsunternehmen,
  • sowie Firmen aus dem Lausitzer Strukturwandel.

Dabei darf Sponsoring nicht nur aus einer einmaligen Spende bestehen.

Denkbar wären:

  • mehrjährige Unternehmenspartnerschaften,
  • Patenschaften für Ausstellungsbereiche,
  • ein Förderkreis der regionalen Wirtschaft,
  • gemeinsame Bildungsprogramme,
  • Veranstaltungen und Konferenzen,
  • sowie eine stärkere Verbindung mit moderner Robotik und künstlicher Intelligenz.

Konrad Zuse sollte nicht ausschließlich als historische Persönlichkeit präsentiert werden. Sein Name kann als Brücke von der Geschichte zur technologischen Zukunft der Lausitz dienen.

Warum unterstützt der Freistaat Sachsen nicht dauerhaft?

Das Museum besitzt Bedeutung über Hoyerswerda hinaus.

Deshalb stellt sich die Frage, ob eine Einrichtung dieser Größe und Sammlung allein von einer finanziell geschwächten Kommune getragen werden kann.

Der Freistaat Sachsen fördert zahlreiche Museen, Kulturprojekte und Gedenkstätten. Das ZCOM könnte als technikgeschichtliches Museum von landesweiter Bedeutung eingeordnet werden.

Eine dauerhafte Landesförderung müsste an klare Bedingungen geknüpft werden:

  • ein tragfähiger Wirtschaftsplan,
  • realistische Besucherziele,
  • professionelle Vermarktung,
  • Kooperationen mit Schulen und Hochschulen,
  • regelmäßige Sonderausstellungen,
  • sowie ein überprüfbares Betriebskonzept.

Es wäre jedoch zu einfach, die Stadt für den Erhalt eines überregional bedeutsamen Museums allein verantwortlich zu machen.

Caren Lay kritisiert die Entscheidung

Die Bundestagsabgeordnete Caren Lay von der Linken bezeichnete den Rückzug der Stadt aus der Finanzierung als falsches Zeichen zur falschen Zeit. Gerade während des Strukturwandels dürften kulturelle Einrichtungen nicht aufgegeben werden.

Diese Kritik ist nachvollziehbar, greift aber allein zu kurz.

Wer den Erhalt fordert, muss auch sagen, woher die jährlich benötigten Mittel kommen sollen. Ein Museum lässt sich nicht dauerhaft durch politische Solidaritätserklärungen finanzieren.

Nötig ist eine verbindliche Kombination aus:

  • Stadt,
  • Landkreis,
  • Freistaat,
  • privaten Förderern,
  • Wirtschaft,
  • Eintrittseinnahmen,
  • Veranstaltungen,
  • und Projektmitteln.

Nicht jedes Museum kann unverändert bleiben

Die Rettung des ZCOM darf nicht bedeuten, den bisherigen Betrieb ohne Veränderungen dauerhaft zu finanzieren.

Wenn Besucherzahlen und Einnahmen nicht ausreichen, muss das Konzept überprüft werden.

Mögliche Veränderungen wären:

  • stärkere Ausrichtung auf Familien und Schulklassen,
  • interaktive Ausstellungen,
  • Computerspiel- und Robotikveranstaltungen,
  • Sonderausstellungen zu künstlicher Intelligenz,
  • verlängerte Öffnungszeiten in Ferien und am Wochenende,
  • gemeinsame Eintrittskarten mit anderen Lausitzer Einrichtungen,
  • stärkere digitale Vermarktung,
  • Kooperationen mit dem Lausitzer Seenland,
  • Veranstaltungen für Unternehmen,
  • sowie ein jährliches Konrad-Zuse-Technikfestival.

Auch der Standort in der Hoyerswerdaer Neustadt könnte stärker mit der Geschichte der Stadtentwicklung und der DDR-Industrie verbunden werden.

Eine Zuse-Stadt ohne Zuse-Museum wäre ein Armutszeugnis

Hoyerswerda hat nicht viele kulturelle Alleinstellungsmerkmale von nationaler Bedeutung.

Konrad Zuse ist eines davon.

Eine Stadt, die seinen Namen trägt, ihn zum Ehrenbürger ernannte und mit seiner Geschichte wirbt, darf das zugehörige Museum nicht kommentarlos abwickeln.

Das bedeutet nicht, dass die Stadt allein jedes Defizit übernehmen muss. Hoyerswerda hat begrenzte Mittel und zahlreiche Pflichtaufgaben. Auch das Museum selbst muss erklären, warum Besucherzahlen und Einnahmen nicht genügen.

Doch eine Schließung zum 1. September darf nicht das letzte Wort sein.

Jetzt sind der Landkreis Bautzen, der Freistaat Sachsen, regionale Unternehmen und mögliche private Förderer gefragt. Sie müssen innerhalb weniger Wochen prüfen, ob eine Übergangsfinanzierung möglich ist.

Gleichzeitig braucht das ZCOM einen Neustart.

Ein Museum über den Erfinder des Computers muss moderner, sichtbarer und stärker mit Schulen, Wirtschaft und Tourismus vernetzt sein als bisher.

Der Strukturwandel in der Lausitz soll neue Technologien und Arbeitsplätze bringen. Ausgerechnet in dieser Phase ein Museum zu schließen, das von Erfindung, Digitalisierung und technischem Mut erzählt, wäre ein verheerendes Signal.

Hoyerswerda darf nicht nur verwalten, was verschwindet.

Die Stadt muss bewahren, was sie besonders macht.