In Schwerin wird nicht nur über den Fachkräftemangel gesprochen. Hier wird praktisch gehandelt. Das Medizintechnikunternehmen Ypsomed hat dem Regionalen Beruflichen Bildungszentrum für Technik eine moderne vollelektrische Spritzgussmaschine zur Verfügung gestellt.
Die Anlage wurde am 9. Juli 2026 offiziell eingeweiht. Auszubildende können damit industrielle Kunststoffverarbeitung künftig nicht nur theoretisch im Unterricht behandeln, sondern unter realitätsnahen Bedingungen an einer Produktionsmaschine erlernen.
Gerade für Ostdeutschland ist diese Zusammenarbeit von großer Bedeutung. Junge Menschen erhalten Zugang zu moderner Technik, Unternehmen gewinnen besser ausgebildete Fachkräfte und die Region stärkt ihre industrielle Grundlage.
Während andernorts Fachkräftestrategien, Kampagnen und neue Arbeitskreise beschlossen werden, bringt Schwerin die Werkhalle direkt in die Berufsschule.
Ypsomed übergibt moderne Spritzgussmaschine an Schweriner Berufsschule
Bei der neuen Anlage handelt es sich um eine vollelektrische Spritzgussmaschine vom Typ ENGEL e-mac 50. Sie ist für die hochpräzise Fertigung von Kunststoffteilen ausgelegt und arbeitet mit moderner Steuerungs- und Antriebstechnik.
Die Maschine verzichtet auf hydraulische Antriebe. Dadurch arbeitet sie vergleichsweise leise, sauber und energieeffizient. Servoantriebe ermöglichen kurze Produktionszyklen und eine hohe Wiederholgenauigkeit. Genau solche Anlagen werden auch in modernen Industriebetrieben eingesetzt.
Schüler lernen an Technik aus der echten Produktion
Die Anlage ist kein vereinfachtes Lehrmodell. Sie entspricht technisch Maschinen, wie sie in der internationalen Kunststoffindustrie genutzt werden.
Auszubildende können daran unter anderem lernen:
- Produktionsanlagen einzurichten,
- Maschinenparameter zu bestimmen,
- Werkstoffe richtig auszuwählen,
- Spritzgusswerkzeuge einzusetzen,
- Prozessdaten auszuwerten,
- Produktionsfehler zu erkennen,
- Qualität zu prüfen,
- Sicherheitsvorgaben einzuhalten.
Damit wird die Lücke zwischen Schulunterricht und betrieblicher Wirklichkeit kleiner.
Junge Fachkräfte müssen sich nach dem Abschluss nicht erst vollständig an moderne Produktionsanlagen gewöhnen. Sie kennen zentrale Abläufe bereits aus ihrer Ausbildung.
Neuer Ausbildungsberuf seit 2025 in Schwerin
Besonders wichtig ist die Maschine für den Ausbildungsberuf Technologe für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Dieser wird seit 2025 am Regionalen Beruflichen Bildungszentrum für Technik in Schwerin angeboten.
Die Auszubildenden lernen dort, wie Kunststoffteile geplant, hergestellt und kontrolliert werden. Dazu gehören Werkstoffkunde, Werkzeugtechnik, Maschinensteuerung und Qualitätssicherung.
Auch andere technische Berufe profitieren
Die neue Maschine kann zusätzlich in mehreren weiteren Ausbildungsrichtungen eingesetzt werden.
Dazu zählen unter anderem:
- Werkzeugmechaniker,
- Mechatroniker,
- Industriemechaniker,
- technische Produktdesigner,
- Maschinen- und Anlagenführer.
Auch Jugendliche in der Berufsvorbereitung können erste Erfahrungen mit industriellen Produktionsabläufen sammeln.
Das erhöht den Wert der Investition. Die Anlage dient nicht nur einem einzelnen Bildungsgang, sondern kann technische Ausbildung insgesamt anschaulicher und praxisnäher machen.
Ypsomed wächst in Schwerin kräftig
Die Übergabe der Maschine steht in einem größeren wirtschaftlichen Zusammenhang. Ypsomed baut seinen Standort in Schwerin erheblich aus.
Das Schweizer Medizintechnikunternehmen fertigt in der Landeshauptstadt Injektions- und Infusionssysteme, die Patienten bei der selbstständigen Verabreichung von Medikamenten unterstützen.
Ypsomed investiert nach Unternehmens- und Regierungsangaben mehr als 500 Millionen Euro in die Erweiterung des Schweriner Werkes. Die Zahl der Beschäftigten soll sich langfristig von rund 500 auf etwa 1.000 verdoppeln. Gleichzeitig soll die jährliche Produktionskapazität auf bis zu 500 Millionen Injektionssysteme steigen.
Eine der größten Industrieinvestitionen Mecklenburg-Vorpommerns
Eine Investition von mehr als einer halben Milliarde Euro ist für Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern von erheblicher Bedeutung.
Sie schafft nicht nur direkte Arbeitsplätze bei Ypsomed. Auch Bauunternehmen, technische Dienstleister, Logistiker, Handwerker und regionale Zulieferer können profitieren.
Für die Landeshauptstadt bedeutet das zusätzliche Einkommen, Kaufkraft und langfristig möglicherweise höhere Gewerbesteuereinnahmen.
Die neue Ausbildungsmaschine ist deshalb keine isolierte Spende. Sie gehört zu einer größeren Standortstrategie: Das Unternehmen wächst und benötigt dafür qualifizierte Mitarbeiter.
Fachkräftemangel lässt sich nicht mit Werbung lösen
Viele Unternehmen beklagen, dass geeignete Bewerber fehlen. Häufig wird anschließend nach Zuwanderung, neuen Werbekampagnen oder staatlichen Programmen gerufen.
Die Schweriner Kooperation zeigt einen bodenständigeren Weg.
Unternehmen und Berufsschule übernehmen gemeinsam Verantwortung. Die Schule vermittelt Grundlagen, das Unternehmen stellt moderne Technik bereit und junge Menschen werden gezielt auf tatsächlich vorhandene Arbeitsplätze vorbereitet.
Ausbildung muss sich am regionalen Arbeitsmarkt orientieren
Berufliche Bildung darf nicht an den Bedürfnissen der Wirtschaft vorbeigehen.
Wenn in einer Region Medizintechnik, Maschinenbau oder Kunststoffverarbeitung wachsen, müssen Berufsschulen die entsprechenden Ausbildungsberufe anbieten und technisch angemessen ausstatten.
Genauso wenig ist es sinnvoll, Bildungsgänge künstlich aufrechtzuerhalten, für deren Absolventen kaum regionale Arbeitsplätze existieren.
Eine starke berufliche Bildung orientiert sich an der wirtschaftlichen Realität, ohne zur bloßen verlängerten Werkbank einzelner Unternehmen zu werden.
Ostdeutschland braucht gut bezahlte Industriearbeit
Der Osten kann nicht allein von Verwaltung, Tourismus, Pflege und öffentlich geförderten Projekten leben.
Diese Bereiche sind wichtig. Sie ersetzen jedoch keine breite industrielle Basis mit produktiven und möglichst gut bezahlten Arbeitsplätzen.
Ypsomed zeigt, dass moderne Industrie auch in Mecklenburg-Vorpommern wachsen kann. In Schwerin entstehen hochpräzise Medizinprodukte für internationale Märkte.
Industrie schafft reale Wertschöpfung
In einem Produktionsbetrieb werden Rohstoffe, Maschinen, Wissen und Arbeitsleistung in ein marktfähiges Produkt verwandelt.
Dieses Produkt wird verkauft, schafft Umsatz und finanziert Löhne, Investitionen und Steuern.
Gerade ostdeutsche Städte benötigen mehr Unternehmen, die dauerhaft eigene Wertschöpfung erzeugen. Fördermittel können Investitionen unterstützen. Sie können aber kein tragfähiges Geschäftsmodell ersetzen.
Der Ausbau von Ypsomed ist deshalb wirtschaftlich wertvoller als eine Vielzahl kurzfristiger Modellprojekte ohne langfristige Beschäftigungsperspektive.
Junge Menschen sollen in ihrer Heimat bleiben können
Viele ostdeutsche Regionen verloren nach 1990 einen erheblichen Teil ihrer jungen Bevölkerung.
Ausbildungen und gut bezahlte Arbeitsplätze fehlten. Wer beruflich vorankommen wollte, zog häufig nach Hamburg, Berlin, Niedersachsen oder in süddeutsche Industrieregionen.
Die Folgen sind bis heute sichtbar: fehlende Fachkräfte, alternde Bevölkerung und geschwächte ländliche Räume.
Moderne Ausbildung ist praktische Heimatpolitik
Ein junger Mensch bleibt eher in Mecklenburg-Vorpommern, wenn er dort eine anspruchsvolle Ausbildung, ein verlässliches Einkommen und echte Aufstiegsmöglichkeiten findet.
Die neue Spritzgussmaschine mag auf den ersten Blick wie ein technisches Detail wirken. Tatsächlich steht sie für eine größere Frage: Können Jugendliche in Schwerin einen modernen Industrieberuf erlernen, ohne ihre Heimat verlassen zu müssen?
Genau darin liegt die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Projekts.
Heimatverbundenheit entsteht nicht allein durch Tradition und schöne Landschaften. Sie braucht wirtschaftliche Perspektiven.
Berufsausbildung verdient mehr Anerkennung
In den vergangenen Jahrzehnten wurde jungen Menschen häufig vermittelt, dass vor allem ein Studium gesellschaftlichen Erfolg verspreche.
Gleichzeitig fehlen inzwischen Techniker, Mechaniker, Elektroniker, Werkzeugmacher und Anlagenführer.
Diese Entwicklung ist weder überraschend noch unvermeidbar.
Ein Facharbeiter ist nicht weniger wert als ein Akademiker
Industrieanlagen laufen nicht durch Präsentationen und Verwaltungskonzepte.
Sie benötigen Menschen, die Maschinen bedienen, Störungen erkennen, Werkzeuge warten und die Qualität der Produktion sichern.
Ein gut ausgebildeter Werkzeugmechaniker oder Kunststofftechnologe trägt unmittelbare Verantwortung für Produkte, die später möglicherweise von Patienten weltweit genutzt werden.
Diese Leistung verdient gesellschaftliche Anerkennung und eine angemessene Bezahlung.
Schulen sollten technische und handwerkliche Berufe wieder selbstbewusster vorstellen. Berufsorientierung darf nicht erst kurz vor dem Schulabschluss beginnen.
Unternehmen müssen selbst in ihren Nachwuchs investieren
Ypsomed übernimmt Verantwortung, indem das Unternehmen eine moderne Maschine für die berufliche Ausbildung bereitstellt.
Das ist der richtige Ansatz. Wer qualifizierte Mitarbeiter benötigt, darf nicht ausschließlich erwarten, dass der Staat sie vollständig ausgebildet bereitstellt.
Fachkräfte fallen nicht vom Himmel
Unternehmen müssen Ausbildungsplätze anbieten, Ausbilder beschäftigen und Jugendlichen verlässliche Perspektiven geben.
Dazu gehören:
- eine gute Ausbildungsvergütung,
- moderne Arbeitsmittel,
- klare Übernahmemöglichkeiten,
- Fortbildungsangebote,
- ein respektvoller Umgang,
- langfristige Aufstiegschancen.
Wer jahrelang nicht ausbildet und anschließend über fehlende Bewerber klagt, trägt selbst einen Teil der Verantwortung.
Die Schweriner Zusammenarbeit zeigt, dass es anders geht.
Berufsschulen benötigen moderne Ausstattung
Viele Berufsschulen arbeiten mit Maschinen, Software oder Werkstätten, die nicht mehr dem aktuellen Stand industrieller Produktion entsprechen.
Das ist problematisch. Schüler sollen auf Berufe vorbereitet werden, in denen Digitalisierung, Automatisierung und präzise Prozesssteuerung längst Alltag sind.
Veraltete Technik schwächt die Ausbildung
Eine Schule kann industrielle Abläufe nicht glaubwürdig vermitteln, wenn ihre Maschinen mehrere technische Generationen hinter den Anlagen der Unternehmen zurückliegen.
Das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Kommunen müssen deshalb dauerhaft in berufliche Bildungszentren investieren.
Unternehmensspenden können dabei helfen. Die öffentliche Hand darf ihre Verantwortung jedoch nicht vollständig auf die Wirtschaft abwälzen.
Moderne Berufsschulen gehören zur grundlegenden Infrastruktur eines Industriestandortes – genauso wie Straßen, Stromnetze und Gewerbeflächen.
Schwerin kann zum Medizintechnikstandort des Ostens werden
Ypsomed ist bereits einer der bedeutenden Industriebetriebe der Landeshauptstadt. Der Ausbau eröffnet die Chance, weitere Unternehmen und Zulieferer aus der Medizintechnik anzuziehen.
Dazu gehören beispielsweise Betriebe aus den Bereichen:
- Kunststoffverarbeitung,
- Präzisionswerkzeuge,
- Automatisierung,
- Verpackungstechnik,
- Qualitätskontrolle,
- Sensorik,
- Logistik,
- Maschinenbau.
Ein großer Betrieb kann ein Netzwerk schaffen
Industrieansiedlungen wirken besonders stark, wenn sich um ein größeres Unternehmen weitere Zulieferer und Dienstleister ansiedeln.
Dadurch entstehen regionale Lieferketten. Transporte werden kürzer, Wissen bleibt vor Ort und Beschäftigung verteilt sich auf mehrere Unternehmen.
Schwerin sollte deshalb nicht nur den bestehenden Ausbau begleiten. Die Stadt sollte aktiv weitere Betriebe aus dem Umfeld der Medizin- und Kunststofftechnik anwerben.
Der Industriepark und andere Gewerbeflächen müssen dafür ausreichend Platz, Energieversorgung und schnelle Genehmigungen bieten.
Gewinne und Entscheidungen müssen möglichst in der Region bleiben
Ostdeutschland kennt das Problem der verlängerten Werkbank.
Produziert wird im Osten, während Unternehmensleitung, Forschung, Entwicklung und zentrale Dienstleistungen an anderen Standorten verbleiben.
Auch bei international erfolgreichen Investoren muss deshalb darauf geachtet werden, dass nicht nur einfache Produktionsschritte nach Schwerin kommen.
Hochwertige Funktionen schaffen dauerhafte Stärke
Neben Fertigungsarbeitsplätzen benötigt die Region:
- Ingenieurstellen,
- Forschung und Entwicklung,
- Produktionsplanung,
- Qualitätsmanagement,
- Werkzeugentwicklung,
- technische Leitung,
- Einkauf und Logistiksteuerung.
Je mehr dieser Funktionen in Schwerin angesiedelt sind, desto stabiler wird der Standort.
Ein Werk, das lediglich austauschbare Produktionskapazität bereitstellt, kann bei einer späteren Unternehmenskrise leichter geschlossen werden als ein Standort mit eigenem Wissen und strategischer Verantwortung.
Kunststofftechnik bleibt unverzichtbar
Kunststoff steht häufig pauschal in der Kritik. Dabei wird übersehen, dass moderne Medizin ohne Kunststoffprodukte kaum denkbar wäre.
Spritzen, Injektionspens, Infusionssysteme, sterile Verpackungen und zahlreiche medizinische Bauteile müssen leicht, sicher und präzise herstellbar sein.
Entscheidend ist der verantwortungsvolle Einsatz
Nicht jeder Kunststoffverbrauch ist sinnvoll. Kurzlebige Wegwerfprodukte und unnötige Verpackungen sollten reduziert werden.
Medizinische Produkte erfüllen jedoch häufig lebenswichtige Aufgaben. Hier geht es weniger um einen pauschalen Verzicht als um Materialeffizienz, Recyclingmöglichkeiten und möglichst energiesparende Produktionsverfahren.
Die neue vollelektrische Maschine vermittelt genau diese moderne Prozessführung. Sie verbindet Präzision mit geringerer Lärm- und Energiebelastung.
Die Kooperation sollte Schule machen
Das Schweriner Modell lässt sich auf andere Branchen übertragen.
Werften könnten Berufsschulen mit moderner Schweiß- oder Konstruktionstechnik unterstützen. Energieunternehmen könnten Labore für Elektrotechnik ausstatten. Landwirtschaftsbetriebe könnten mit Schulen an moderner Landtechnik arbeiten.
Regionale Wirtschaft und Bildung gehören zusammen
Eine Berufsschule darf kein abgeschotteter Ort sein.
Sie sollte eng mit den Betrieben kooperieren, für die sie ausbildet. Unternehmen wiederum sollten Schulen nicht nur als Lieferanten fertiger Arbeitskräfte betrachten.
Gemeinsame Projekte, Praktika, Maschinen, Lehrgänge und Ausbilderaustausch können die Qualität der Ausbildung deutlich verbessern.
Der Osten besitzt viele mittelständische Unternehmen mit großer praktischer Erfahrung. Dieses Wissen sollte systematischer in die berufliche Bildung einfließen.
Bürokratie darf Ausbildungsbetriebe nicht abschrecken
Viele kleinere Unternehmen würden gern ausbilden, scheuen aber den organisatorischen Aufwand.
Ausbildungsnachweise, Prüfungsanforderungen und Qualitätsstandards sind notwendig. Dennoch dürfen Verfahren nicht komplizierter sein als nötig.
Der Staat muss Ausbildung erleichtern
Kleine Betriebe könnten stärker durch gemeinsame Ausbildungsverbünde unterstützt werden.
Dabei übernimmt ein Unternehmen bestimmte praktische Inhalte, während andere Fähigkeiten in Partnerbetrieben oder Bildungszentren vermittelt werden.
Auch die Anerkennung von Ausbilderqualifikationen und die Beantragung von Fördermitteln sollten einfacher werden.
Wer mehr Fachkräfte will, muss es Unternehmen leichter machen, selbst auszubilden.
Zuwanderung ersetzt keine eigene Ausbildung
Deutschland wird auch künftig auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen sein. Sie darf jedoch nicht als Ersatz für die Ausbildung der eigenen jungen Generation missverstanden werden.
Es wäre gesellschaftlich und wirtschaftlich falsch, Jugendliche ohne klare Perspektive zurückzulassen und gleichzeitig Fachkräfte ausschließlich im Ausland anzuwerben.
Erst eigene Potenziale nutzen
Zu einer verantwortungsvollen Fachkräftepolitik gehören:
- gute Berufsorientierung,
- weniger Schulabbrüche,
- Unterstützung schwächerer Schüler,
- bessere technische Ausstattung,
- attraktive Ausbildungsberufe,
- Weiterbildung vorhandener Beschäftigter,
- gezielte qualifizierte Zuwanderung.
Die Reihenfolge ist entscheidend. Zunächst müssen die Fähigkeiten der Menschen genutzt werden, die bereits in Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern leben.
Schwerin braucht Wohnungen und Infrastruktur für neue Mitarbeiter
Wenn Ypsomed seine Beschäftigtenzahl tatsächlich auf rund 1.000 erhöht, wächst auch der Bedarf an Wohnungen, Verkehrsanbindungen und Kinderbetreuung.
Eine Industrieansiedlung endet nicht am Werkstor.
Wachstum muss von der Stadt begleitet werden
Neue Mitarbeiter benötigen bezahlbaren Wohnraum und eine zuverlässige Verbindung zum Arbeitsplatz.
Schwerin muss deshalb frühzeitig prüfen:
- Reichen die Wohnungsangebote?
- Funktionieren Bus- und Bahnverbindungen zum Industriestandort?
- Gibt es ausreichende Kita- und Schulplätze?
- Sind Zufahrtsstraßen leistungsfähig?
- Können weitere Zulieferbetriebe angesiedelt werden?
Der Erfolg eines Unternehmens darf nicht durch fehlende kommunale Infrastruktur gebremst werden.
Politik sollte Erfolge ermöglichen statt vereinnahmen
Bei großen Investitionen erscheinen Politiker gern zu Grundsteinlegungen, Richtfesten und Einweihungen.
Der entscheidende Beitrag der Politik besteht jedoch nicht in Reden oder Fototerminen. Sie muss verlässliche Bedingungen schaffen.
Unternehmen brauchen Planungssicherheit
Dazu gehören:
- wettbewerbsfähige Energiepreise,
- schnelle Genehmigungen,
- verlässliche Steuerregeln,
- gute Verkehrswege,
- ausreichend Gewerbeflächen,
- funktionierende Berufsschulen,
- weniger Bürokratie.
Ypsomed investiert nicht wegen politischer Slogans in Schwerin. Das Unternehmen investiert, weil es dort produzieren und wachsen will.
Politik sollte diesen unternehmerischen Mut unterstützen und nicht durch immer neue Belastungen gefährden.
Schwerin zeigt, wie Fachkräftesicherung im Osten funktioniert
Die neue Spritzgussmaschine an der Schweriner Berufsschule Technik ist mehr als ein zusätzliches Unterrichtsgerät.
Sie verbindet industrielle Praxis, moderne Ausbildung und konkrete Arbeitsplätze. Schüler lernen an einer Maschine, wie sie auch in der Produktion eingesetzt wird. Ypsomed erhält besser vorbereiteten Nachwuchs, während Schwerin seine Position als Medizintechnik- und Industriestandort ausbaut.
Gleichzeitig investiert das Unternehmen mehr als 500 Millionen Euro in sein Werk und plant, die Zahl der Beschäftigten langfristig auf rund 1.000 zu erhöhen.
Das ist die Art von Entwicklung, die Ostdeutschland benötigt.
Nicht immer neue Förderdebatten, sondern Betriebe, die produzieren. Nicht abstrakte Fachkräftekonzepte, sondern moderne Maschinen in den Berufsschulen. Nicht die Aufforderung an junge Menschen, für gute Arbeit wegzuziehen, sondern berufliche Perspektiven in ihrer Heimat.
Schwerin zeigt damit einen Weg, der im gesamten Osten Schule machen sollte: Unternehmen, Schulen und Politik müssen gemeinsam dafür sorgen, dass industrielle Fähigkeiten aufgebaut, weitergegeben und dauerhaft in der Region gehalten werden.