Mehr Geld für Metallbauer, Schlosser, Fahrzeugbauer und andere Beschäftigte des Metallhandwerks: Die IG Metall und der Landesinnungsverband Berlin-Brandenburg haben sich auf einen neuen Tarifvertrag verständigt.
Die Entgelte steigen rückwirkend zum 1. Juli 2026 um 3,85 Prozent. Rund 12.000 Beschäftigte in Berlin und Brandenburg fallen nach Angaben der Tarifparteien unter den Abschluss. Zusätzlich gibt es eine Einmalzahlung von 600 Euro für das erste Halbjahr. Auch die Auszubildenden erhalten mehr Geld.
Der Abschluss ist ein wichtiges Signal für eine Branche, die händeringend Fachkräfte sucht. Gleichzeitig müssen insbesondere kleinere Betriebe die höheren Personalkosten in einer wirtschaftlich angespannten Lage erwirtschaften.
Eckentgelt steigt auf 17,55 Euro pro Stunde
Das tarifliche Eckentgelt steigt um 65 Cent auf nunmehr 17,55 Euro je Stunde.
Die Erhöhung entspricht 3,85 Prozent und gilt rückwirkend ab dem 1. Juli 2026. Wie stark das monatliche Einkommen tatsächlich zunimmt, hängt von der jeweiligen Entgeltgruppe und der individuellen Arbeitszeit ab.
Rund 112 Euro mehr bei einer 40-Stunden-Woche
Bei einer angenommenen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden ergibt die Erhöhung um 65 Cent rechnerisch rund 112 Euro mehr Bruttolohn pro Monat.
Auf ein vollständiges Jahr hochgerechnet wären das etwa 1.350 Euro zusätzlich. Zuschläge, Sonderzahlungen und individuelle Eingruppierungen sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Für Beschäftigte, deren Einkommen zuletzt durch höhere Preise für Miete, Energie und Lebensmittel unter Druck geraten war, ist das eine spürbare Entlastung.
600 Euro für das erste Halbjahr
Für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2026 erhalten die tarifgebundenen Beschäftigten zusätzlich eine Einmalzahlung in Höhe von 600 Euro.
Die Auszahlung soll spätestens im September 2026 erfolgen. Damit wird der Zeitraum überbrückt, in dem noch keine dauerhafte Entgelterhöhung galt.
Einmalzahlung ersetzt keine dauerhafte Erhöhung
Eine Sonderzahlung hilft kurzfristig bei gestiegenen Lebenshaltungskosten. Sie wirkt jedoch nicht dauerhaft auf das monatliche Einkommen und erhöht auch nicht automatisch spätere tarifliche Ausgangswerte.
Entscheidend für die Beschäftigten ist deshalb vor allem die dauerhafte Erhöhung um 3,85 Prozent.
Die Kombination aus Einmalzahlung und höherem Stundenentgelt macht den Abschluss dennoch deutlich attraktiver als das erste Angebot der Arbeitgeberseite.
Arbeitgeber hatten zunächst 2,5 Prozent angeboten
In der ersten Verhandlungsrunde Ende Juni hatte die Arbeitgeberseite nach Angaben der IG Metall eine Erhöhung um 2,5 Prozent ab September vorgeschlagen.
Hinzu kommen sollten damals 450 Euro Einmalzahlung für die Monate Januar bis August. Die Ausbildungsvergütungen sollten um drei Prozent steigen. Die Gewerkschaft lehnte dieses Angebot als unzureichend ab.
Betriebliche Aktionen erhöhten den Druck
Beschäftigte machten während der Tarifrunde mit aktiven Mittagspausen und betrieblichen Aktionen auf ihre Forderungen aufmerksam.
Unter anderem beteiligten sich Mitarbeiter des Fahrzeugbauunternehmens Hellmers in Wittstock an den Protesten. Die IG Metall hatte ursprünglich sechs Prozent mehr Entgelt gefordert.
Am Ende blieb der Abschluss unter dieser Forderung, lag aber deutlich über dem ersten Arbeitgeberangebot.
Auszubildende erhalten monatlich 50 Euro mehr
Auch junge Menschen im Metallhandwerk profitieren.
Die Ausbildungsvergütungen steigen in sämtlichen Ausbildungsjahren ab dem 1. Juli 2026 um monatlich 50 Euro. Ein Lehrling im ersten Ausbildungsjahr erhält nun 830 Euro statt zuvor 780 Euro.
Zusätzlich bekommen Auszubildende für das erste Halbjahr 2026 eine Einmalzahlung von 200 Euro.
Ausbildungsvergütung bleibt dennoch knapp
Die Erhöhung ist besonders für Lehrlinge wichtig, die Miete, Fahrtkosten und ihren Lebensunterhalt weitgehend selbst finanzieren müssen.
830 Euro brutto im ersten Ausbildungsjahr reichen in Berlin kaum für eine eigene Wohnung. Auch in größeren brandenburgischen Städten sind Mieten und Lebenshaltungskosten deutlich gestiegen.
Viele Auszubildende bleiben deshalb weiterhin auf ihre Eltern, Wohngeld, Berufsausbildungsbeihilfe oder Nebenverdienste angewiesen.
Neue Erholungsbeihilfe von 156 Euro netto
Der Tarifabschluss enthält außerdem eine neue soziale Komponente.
Beschäftigte in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis sollen ab 2026 jährlich eine steuer- und sozialversicherungsfreie Erholungsbeihilfe von 156 Euro netto erhalten. Dafür wurde der bestehende Urlaubstarifvertrag erweitert.
Kleiner Betrag mit praktischem Nutzen
156 Euro lösen keine grundsätzlichen Einkommensprobleme. Da die Leistung netto ausgezahlt wird, kommt sie jedoch vollständig bei den Beschäftigten an.
Sie kann beispielsweise für einen Familienausflug, Reisekosten oder andere Ausgaben während des Urlaubs verwendet werden.
Für Betriebe ist die Erholungsbeihilfe zugleich ein vergleichsweise gezieltes Instrument, weil sie ohne die üblichen Abzüge bei den Mitarbeitern ankommt.
Metallhandwerk ist mehr als klassische Schlosserei
Zum Metallhandwerk gehören zahlreiche Tätigkeiten, die für Wirtschaft und Alltag unverzichtbar sind.
Beschäftigte fertigen und montieren Treppen, Geländer, Tore, Fenster, Stahlkonstruktionen und Maschinenbauteile. Andere arbeiten im Fahrzeugbau, in der Landtechnik oder bei der Instandhaltung industrieller Anlagen.
Ohne Metallhandwerk stehen Baustellen und Betriebe still
Metallhandwerker werden beim Wohnungsbau, bei der Sanierung öffentlicher Gebäude und in Industrieunternehmen benötigt.
Auch die Energiewende ist auf sie angewiesen. Unterkonstruktionen für Solaranlagen, technische Einbauten, Leitungen und Bauteile entstehen nicht allein durch Planung und Digitalisierung.
Sie müssen von qualifizierten Fachkräften hergestellt, montiert und gewartet werden.
Betriebe kämpfen um Nachwuchs
Viele Handwerksunternehmen in Berlin und Brandenburg finden nur schwer geeignete Auszubildende.
Die Arbeit ist körperlich anspruchsvoll, erfordert technisches Verständnis und findet teilweise auf Baustellen oder in Werkhallen statt. Gleichzeitig konkurriert das Handwerk mit Industrieunternehmen, öffentlichen Arbeitgebern und Studienangeboten.
Höhere Vergütung macht Ausbildung attraktiver
Eine bessere Ausbildungsvergütung kann dazu beitragen, junge Menschen für das Metallhandwerk zu gewinnen.
Geld allein entscheidet jedoch nicht. Jugendliche achten ebenso auf Arbeitszeiten, Betriebsklima, moderne Technik und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.
Betriebe müssen zeigen, dass eine handwerkliche Ausbildung nicht in einer beruflichen Sackgasse endet. Meisterprüfung, Selbstständigkeit, technische Weiterbildung und Betriebsleitung bieten durchaus Aufstiegschancen.
Brandenburg braucht Handwerker außerhalb des Berliner Umlands
Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur die Hauptstadt und deren unmittelbares Umland.
In der Prignitz, der Uckermark, der Lausitz und im Elbe-Elster-Land stehen viele Betriebe vor einem Generationswechsel. Ältere Inhaber suchen Nachfolger, während junge Menschen für Ausbildung oder Studium in größere Städte ziehen.
Gute Löhne können Abwanderung bremsen
Wer in seiner Heimatregion ein verlässliches Einkommen und eine berufliche Perspektive findet, muss nicht zwangsläufig nach Berlin oder in westdeutsche Ballungsräume ziehen.
Tariflöhne können dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie schaffen transparente Bedingungen und verhindern, dass Beschäftigte allein aufgrund ihrer schwächeren Verhandlungsposition deutlich schlechter bezahlt werden.
Der Abschluss ist deshalb auch strukturpolitisch bedeutsam.
Kleine Betriebe tragen höhere Kosten
So nachvollziehbar die Lohnerhöhung aus Sicht der Arbeitnehmer ist, so deutlich spüren Arbeitgeber die Belastung.
Viele Metallhandwerksbetriebe arbeiten mit wenigen Beschäftigten. Material, Energie, Fahrzeuge, Versicherungen und Finanzierungskosten sind in den vergangenen Jahren ebenfalls teurer geworden.
Mehr Lohn muss erwirtschaftet werden
Ein Betrieb mit zehn tariflich beschäftigten Mitarbeitern muss die zusätzlichen Lohnkosten dauerhaft in seine Kalkulation aufnehmen.
Hinzu kommen Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung und weitere lohnabhängige Kosten. Die tatsächliche Belastung liegt damit über dem Betrag, der auf der Lohnabrechnung des Mitarbeiters zusätzlich erscheint.
Unternehmen werden einen Teil davon über höhere Preise an ihre Kunden weitergeben müssen.
Öffentliche Auftraggeber müssen realistisch kalkulieren
Ein erheblicher Teil des Metallhandwerks arbeitet für Kommunen, öffentliche Unternehmen oder größere Bauprojekte.
Wenn Löhne steigen, müssen Ausschreibungen und Kostenberechnungen diese Entwicklung berücksichtigen.
Dumpingangebote gefährden tarifgebundene Betriebe
Tariftreue Unternehmen geraten ins Hintertreffen, wenn öffentliche Aufträge ausschließlich nach dem niedrigsten Preis vergeben werden.
Betriebe, die ordentliche Löhne zahlen und ausbilden, können nicht dauerhaft mit Firmen konkurrieren, die Personal unter Tarif beschäftigen oder über Subunternehmerketten Kosten drücken.
Öffentliche Auftraggeber sollten deshalb neben dem Preis stärker auf Tarifbindung, Ausbildung und regionale Wertschöpfung achten.
Tarifbindung schützt vor einem Wettlauf nach unten
Nicht jeder Metallhandwerksbetrieb ist automatisch an den Tarifvertrag gebunden.
In der Praxis hängt die Anwendung unter anderem von der Mitgliedschaft in den tarifschließenden Verbänden und arbeitsvertraglichen Regelungen ab.
Der Abschluss setzt dennoch einen wichtigen Maßstab für die gesamte Branche.
Fachkräfte kennen ihren Wert
Ein qualifizierter Metallbauer kann seinen Arbeitgeber wechseln, wenn Arbeitsbedingungen und Bezahlung nicht stimmen.
Der Fachkräftemangel stärkt die Verhandlungsposition der Beschäftigten. Auch nicht tarifgebundene Betriebe müssen sich am regionalen Lohnniveau orientieren, wenn sie Mitarbeiter halten wollen.
Der Tarifabschluss dürfte deshalb über die unmittelbar tarifgebundenen Unternehmen hinaus wirken.
Ostdeutsche Löhne müssen weiter aufholen
Mehr als drei Jahrzehnte nach der deutschen Einheit bestehen in verschiedenen Branchen weiterhin Unterschiede bei Löhnen, Arbeitszeiten und Tarifbindung zwischen Ost und West.
Der neue Abschluss beseitigt diese strukturellen Differenzen nicht. Er erhöht aber die Einkommen in einer wichtigen regionalen Branche.
Gleichwertige Arbeit verdient gleichwertige Bezahlung
Metallbauer in Brandenburg leisten keine geringere Arbeit als ihre Kollegen in Hamburg, Bayern oder Baden-Württemberg.
Unterschiedliche Lebenshaltungskosten können regionale Lohnunterschiede teilweise erklären. Sie rechtfertigen jedoch keine dauerhafte pauschale Abwertung ostdeutscher Arbeit.
Wer Fachkräfte im Osten halten will, muss ihnen Einkommen und Entwicklungschancen bieten, die einen Verbleib in der Region attraktiv machen.
Der Abschluss stärkt die Kaufkraft vor Ort
Höhere Löhne fließen häufig direkt in den regionalen Wirtschaftskreislauf.
Beschäftigte bezahlen damit Miete, Einkäufe, Handwerkerleistungen und Freizeitangebote in ihren Wohnorten. Gerade in kleineren Städten und ländlichen Regionen kann zusätzliche Kaufkraft lokale Unternehmen stützen.
600 Euro werden häufig nicht gespart
Die Einmalzahlung dürfte bei vielen Haushalten für laufende Ausgaben verwendet werden.
Autoreparaturen, Heizkosten, Schulmaterial oder Nachzahlungen lassen wenig Raum für langfristiges Sparen. Das Geld erreicht dadurch relativ schnell Handel und Dienstleistungen.
Für die regionale Wirtschaft ist das grundsätzlich positiv.
Gute Arbeit muss sich wieder lohnen
Das Handwerk beklagt seit Jahren, dass junge Menschen akademische Berufe häufig attraktiver finden.
Diese Entwicklung lässt sich nicht allein durch Imagekampagnen verändern.
Wer körperlich arbeitet, Verantwortung trägt und eine anspruchsvolle Ausbildung absolviert, erwartet zu Recht ein Einkommen, von dem er leben und eine Familie ernähren kann.
Anerkennung zeigt sich auf der Lohnabrechnung
Politische Reden über die Bedeutung des Handwerks sind wertlos, wenn Beschäftigte trotz Vollzeit kaum ihre steigenden Kosten decken können.
Die Erhöhung um 3,85 Prozent ist deshalb mehr als eine tariftechnische Zahl. Sie ist ein Zeichen dafür, dass Facharbeit einen messbaren Wert besitzt.
Gleichzeitig brauchen Betriebe Entlastung
Höhere Löhne und wirtschaftlich gesunde Unternehmen dürfen kein Widerspruch sein.
Damit kleinere Handwerksbetriebe die Tarifsteigerung verkraften können, benötigen sie verlässliche Energiepreise, weniger bürokratischen Aufwand und schnellere öffentliche Zahlungen.
Bürokratie bindet produktive Arbeitszeit
Dokumentationspflichten, Förderanträge und komplizierte Vergabeverfahren beschäftigen in kleinen Unternehmen häufig den Inhaber selbst.
Diese Zeit fehlt auf Baustellen, in der Werkstatt und bei der Ausbildung.
Eine Entlastung von unnötigen Pflichten könnte Betrieben helfen, höhere Personalkosten zu tragen, ohne Arbeitsplätze abzubauen oder Investitionen zu verschieben.
Tarifabschluss ist ein vernünftiger Kompromiss
Die Gewerkschaft hatte sechs Prozent mehr Geld gefordert. Die Arbeitgeberseite startete mit einem Angebot von 2,5 Prozent ab September.
Am Ende einigten sich beide Seiten auf 3,85 Prozent ab Juli, eine Einmalzahlung und höhere Ausbildungsvergütungen.
Damit musste jede Seite von ihrer ursprünglichen Position abrücken.
Beschäftigte erhalten spürbar mehr
Für die Arbeitnehmer ist der Abschluss ein Erfolg.
Die Entgelterhöhung kommt früher und fällt höher aus als im ersten Arbeitgeberangebot. Die Einmalzahlung wurde von ursprünglich angebotenen 450 auf 600 Euro erhöht.
Auch die Auszubildenden profitieren stärker als zunächst vorgesehen.
Betriebe behalten Planungssicherheit
Für die Arbeitgeber schafft der Abschluss Klarheit über die Personalkosten.
Tarifkonflikte, längere Streiks oder weitere Unsicherheit konnten vermieden werden. Betriebe können ihre Angebote und Investitionen nun auf einer verlässlicheren Grundlage kalkulieren.
Gerade im Handwerk ist diese Planungssicherheit wichtig.
Das Metallhandwerk bleibt ein Rückgrat der Region
Berlin und Brandenburg brauchen Wohnungen, sanierte Schulen, funktionierende Betriebe und moderne Infrastruktur.
Hinter vielen dieser Aufgaben stehen Metallhandwerker, deren Arbeit selten im Mittelpunkt öffentlicher Debatten steht.
Der neue Tarifabschluss macht diese Leistung zumindest finanziell sichtbarer.
3,85 Prozent mehr Lohn, 600 Euro Einmalzahlung und höhere Vergütungen für Lehrlinge sind kein überzogener Luxus. Sie sind ein notwendiger Schritt, um qualifizierte Arbeit attraktiver zu machen und Fachkräfte in der Region zu halten.
Nun kommt es darauf an, dass auch kleine Betriebe wirtschaftlich handlungsfähig bleiben. Gute Löhne brauchen erfolgreiche Unternehmen – und erfolgreiche Unternehmen brauchen gut ausgebildete, motivierte Beschäftigte.