Neubrandenburg. Wer Neubrandenburg nur als Verwaltungs-, Einkaufs- und Hochschulstadt betrachtet, unterschätzt die wirtschaftliche Bedeutung des Oberzentrums. Hinter Werkstoren in der Ihlenfelder Straße, im Industrieviertel und an weiteren Standorten entstehen Maschinen, Fahrzeugtechnik, Heizsysteme, Rettungswagen und hoch spezialisierte Anlagen für internationale Kunden.
Nach Angaben der Stadt sind in Neubrandenburg rund 3.700 Unternehmen ansässig. Sie bieten zusammen fast 50.000 Arbeitsplätze. Damit besitzt die Stadt deutlich mehr Arbeitsplätze, als es allein durch ihre knapp über 60.000 Einwohner zu erwarten wäre. Viele Beschäftigte pendeln täglich aus der gesamten Mecklenburgischen Seenplatte nach Neubrandenburg.
Diese Stärke darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die regionale Wirtschaft unter wachsendem Druck steht. Die Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg berichtete Ende Mai 2026 von einer deutlich verschlechterten Stimmung. Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate seien pessimistischer als noch zu Jahresbeginn. Unternehmen nennen hohe Kosten, Bürokratie und unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen als zentrale Belastungen.
Neubrandenburg ist das Arbeitsplatzzentrum der Seenplatte
Die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt reicht weit über die eigenen Grenzen hinaus.
Fast 50.000 Arbeitsplätze in einer Stadt mit rund 60.000 Einwohnern
Das Verhältnis zeigt, welche Rolle Neubrandenburg für das Umland übernimmt.
Täglich kommen Arbeitnehmer aus Burg Stargard, Penzlin, Altentreptow, Neustrelitz und zahlreichen kleineren Gemeinden in die Stadt. Sie arbeiten in Kliniken, Verwaltungen, Industrieunternehmen, Logistik, Handel und Dienstleistungen.
Neubrandenburg ist damit nicht nur Wohnort, sondern der wichtigste Arbeitsmarkt der Region.
Pendler halten den Wirtschaftsstandort am Laufen
Viele Unternehmen könnten ihren Personalbedarf nicht allein mit Einwohnern der Stadt decken.
Die Erreichbarkeit aus dem Landkreis entscheidet deshalb unmittelbar darüber, ob Stellen besetzt werden können. Schlechte Busverbindungen, Zugausfälle oder lange Fahrzeiten sind nicht nur ein Ärgernis für Beschäftigte, sondern ein Standortnachteil für Unternehmen.
Oberzentrum für rund 400.000 Menschen
Neubrandenburg übernimmt Versorgungs-, Bildungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsfunktionen für einen großen Teil des östlichen Mecklenburg-Vorpommerns.
Diese zentrale Rolle ist eine Stärke. Sie verpflichtet Stadt und Land jedoch auch dazu, Straßen, Bahnverbindungen, Schulen und digitale Infrastruktur dauerhaft leistungsfähig zu halten.
Acht Unternehmen öffneten ihre Werkstore
Wie vielfältig die Neubrandenburger Industrie ist, zeigte der Tag der Industrie am 22. Juni 2026.
Mehr als 300 Besucher nutzten das Angebot
Acht Unternehmen gewährten Einblicke in Produktion, Automatisierung, Digitalisierung sowie Forschung und Entwicklung. Mehr als 300 Interessierte besuchten die teilnehmenden Betriebe. Nach der erfolgreichen Premiere soll das Format im kommenden Jahr fortgesetzt werden.
Der Tag war damit nicht nur eine öffentliche Leistungsschau. Er sollte vor allem Jugendliche, Eltern und mögliche Bewerber erreichen.
Industrie ist im Stadtbild kaum sichtbar
Viele Menschen kennen Einkaufszentren, Behörden und Wohngebiete, wissen aber wenig über die Produktion hinter den Werkstoren.
Dabei entstehen in Neubrandenburg Anlagen und Fahrzeuge, die bundesweit und international eingesetzt werden.
Ein regelmäßiger Tag der Industrie kann diese Leistungen sichtbarer machen und Vorurteile über angeblich fehlende berufliche Perspektiven in der Region abbauen.
Jugendliche konnten Berufe praktisch erleben
Besonders für Schüler ist ein Rundgang durch reale Betriebe häufig hilfreicher als eine Broschüre.
Sie sehen, dass moderne Industrie nicht nur aus körperlich schwerer Arbeit besteht. Programmierung, Konstruktion, Robotik, Mechatronik und digitale Produktionssteuerung gehören längst zum Alltag.
Maschinenbau gehört zu den wichtigsten Branchen
Neubrandenburg verfügt über mehrere Unternehmen, die hoch spezialisierte Technik entwickeln und produzieren.
Weber Food Technology ist international tätig
Das Unternehmen entwickelt und fertigt Maschinen sowie komplette Produktionslinien für die Lebensmittelverarbeitung.
Solche Betriebe sind für einen Standort besonders wertvoll, weil sie Entwicklung, Konstruktion, Fertigung und Service miteinander verbinden. Sie schaffen nicht nur einzelne Arbeitsplätze, sondern benötigen Zulieferer, Logistikunternehmen und qualifizierte Dienstleister.
Spezialisierung schützt vor Billigkonkurrenz
Standardprodukte lassen sich häufig an günstigeren Standorten herstellen.
Hoch spezialisierte Maschinen, die exakt an Kundenanforderungen angepasst werden, sind dagegen schwerer austauschbar. Wissen, Erfahrung und zuverlässiger Service werden zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen.
Export macht Unternehmen abhängig von der Weltwirtschaft
Internationale Kunden eröffnen große Absatzmärkte.
Gleichzeitig reagieren exportorientierte Betriebe empfindlich auf Handelskonflikte, schwache Konjunktur, unsichere Wechselkurse und geopolitische Spannungen. Ein Auftragseinbruch in anderen Ländern kann deshalb schnell Neubrandenburger Arbeitsplätze betreffen.
Fahrzeugtechnik schafft qualifizierte Arbeitsplätze
Auch die Fahrzeug- und Ausrüstungsindustrie prägt den Standort.
Rettungswagen aus Neubrandenburg
Unternehmen wie Fahrtec entwickeln und bauen Spezialfahrzeuge für Rettungsdienste und Katastrophenschutz.
Dafür werden Fahrzeugbauer, Elektroniker, Konstrukteure, Tischler und medizinisch-technisch geschulte Beschäftigte benötigt.
Webasto besitzt einen wichtigen Standort
Der Automobilzulieferer ist in Neubrandenburg seit vielen Jahren mit Heiz- und Fahrzeugsystemen vertreten.
Die gesamte Automobilbranche befindet sich allerdings in einem tiefgreifenden Wandel. Elektromobilität, neue Antriebssysteme und schwankende Absatzzahlen verändern Produkte und Produktionsprozesse.
Transformation darf den Standort nicht abhängen
Unternehmen müssen in neue Technologien investieren können.
Dafür benötigen sie Planungssicherheit, Fachkräfte und wettbewerbsfähige Energiepreise. Wird die Transformation lediglich durch immer neue Vorgaben verteuert, ohne Investitionen zu erleichtern, droht ein schleichender Verlust industrieller Substanz.
Logistik verbindet Neubrandenburg mit größeren Märkten
Die Lage zwischen Berlin, Ostseeküste und Stettin bietet Chancen.
Große Arbeitgeber nutzen den Standort
Logistikunternehmen und Verteilzentren profitieren von der regionalen Zentralität Neubrandenburgs.
Von hier aus lassen sich große Teile Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und des grenznahen polnischen Raums erreichen.
Straßenanbindung bleibt entscheidend
Die Entfernung zur Autobahn ist für manche Unternehmen ein Nachteil.
Leistungsfähige Bundesstraßen und zuverlässige Verbindungen zu den Autobahnen müssen deshalb erhalten und verbessert werden. Baustellen, Engpässe und marode Brücken erhöhen Transportkosten.
Schienengüterverkehr besitzt Potenzial
Ein stärkerer Gütertransport auf der Schiene könnte Straßen entlasten.
Dafür braucht es jedoch geeignete Anschlüsse, verlässliche Fahrpläne und wirtschaftlich nutzbare Umschlagmöglichkeiten. Reine politische Appelle zum Wechsel auf die Bahn reichen nicht.
Wirtschaftsstimmung hat sich deutlich verschlechtert
Trotz der industriellen Stärke wächst die Unsicherheit.
Unternehmen erwarten schwierigere Monate
Die IHK Neubrandenburg meldete im Mai 2026 ein Stimmungstief in der gewerblichen Wirtschaft. Die Erwartungen für die folgenden zwölf Monate fielen pessimistischer aus als zu Jahresbeginn.
Das bedeutet nicht automatisch, dass unmittelbar Tausende Stellen gefährdet sind.
Es ist jedoch ein Warnsignal: Unternehmen, die wenig Vertrauen in die Zukunft haben, verschieben Investitionen, stellen vorsichtiger ein und vermeiden zusätzliche Risiken.
Schwache Nachfrage belastet Auftragsbücher
Wenn private Haushalte weniger konsumieren und Unternehmen Investitionen zurückstellen, sinken Bestellungen.
Besonders der Maschinenbau spürt solche Entwicklungen oft früh, weil größere Anlagen lange im Voraus geplant und finanziert werden.
Unsicherheit ist selbst ein Standortproblem
Unternehmen können sich auf hohe oder niedrige Kosten einstellen, wenn die Bedingungen berechenbar sind.
Schwieriger wird es, wenn Förderregeln, Energiepolitik, Steuern und technische Vorgaben häufig geändert werden. Dann wächst das Risiko, dass eine Investition nach wenigen Jahren nicht mehr wirtschaftlich ist.
Hohe Energiepreise treffen die Industrie besonders
Maschinen, Produktionshallen und technische Anlagen benötigen erhebliche Mengen Strom und Wärme.
Energie ist Teil jedes Produktpreises
Steigen die Energiekosten, müssen Unternehmen entweder ihre Preise erhöhen oder geringere Gewinne hinnehmen.
Auf internationalen Märkten lassen sich höhere Kosten jedoch nicht immer an Kunden weitergeben.
Deutsche Standorte konkurrieren weltweit
Ein Neubrandenburger Betrieb steht nicht nur mit Unternehmen aus Rostock oder Berlin im Wettbewerb.
Kunden vergleichen Angebote aus ganz Europa, Asien und Nordamerika. Große Unterschiede bei Energie- und Abgabenlast können deshalb über den Standort einer neuen Produktionslinie entscheiden.
Eigene Energieerzeugung braucht schnellere Verfahren
Photovoltaik, Speicher und effiziente Wärmesysteme können Kosten senken.
Unternehmen berichten jedoch häufig von langen Netzanschlusszeiten, komplizierten Genehmigungen und technischen Vorgaben. Wer Investitionen in Energieeffizienz fordert, muss diese auch praktisch ermöglichen.
Bürokratie wird zunehmend zum Investitionshemmnis
Die IHK nennt staatlich und europäisch verursachte Bürokratiekosten als wesentlichen Belastungsfaktor.
Dokumentation bindet Fachkräfte
Unternehmen müssen Arbeitszeiten, Lieferketten, Energieverbrauch, Datenschutz, Sicherheit und zahlreiche weitere Bereiche dokumentieren.
Einzelne Vorgaben können sinnvoll sein. In ihrer Gesamtheit binden sie jedoch Personal, das besonders kleinen und mittleren Betrieben an anderer Stelle fehlt.
Kleine Unternehmen leiden besonders
Ein Großkonzern kann eigene Abteilungen für Recht, Nachhaltigkeit und Berichtspflichten beschäftigen.
Ein Handwerks- oder Industriebetrieb mit 30 Mitarbeitern muss dieselben Aufgaben häufig zusätzlich durch Geschäftsführung oder Buchhaltung erledigen.
Digitalisierung darf Papier nicht nur ersetzen
Ein digitales Formular ist nicht automatisch Bürokratieabbau.
Echte Entlastung entsteht erst, wenn Angaben nicht mehrfach verlangt, Verfahren gebündelt und Fristen verkürzt werden.
Fachkräftemangel wird zur Wachstumsbremse
Viele Unternehmen könnten mehr Aufträge übernehmen, finden aber nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter.
Junge Menschen verlassen die Region
Ein Teil der Schulabgänger zieht für Studium oder Ausbildung nach Berlin, Rostock, Hamburg oder in westdeutsche Städte.
Nicht alle wissen, welche beruflichen Möglichkeiten direkt in Neubrandenburg bestehen.
Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt
Industriebetriebe suchen Mechatroniker, Elektroniker, Maschinen- und Anlagenführer, Konstrukteure sowie IT-Fachkräfte.
Bleiben Lehrstellen leer, fehlt wenige Jahre später der dringend benötigte Nachwuchs.
Unternehmen müssen früher an Schulen präsent sein
Der Tag der Industrie ist ein guter Ansatz, reicht aber allein nicht aus.
Betriebe sollten langfristige Partnerschaften mit Schulen aufbauen, Praktika anbieten und Mitarbeitern ermöglichen, ihre Berufe im Unterricht vorzustellen.
Die Hochschule ist ein wichtiger Standortvorteil
Neubrandenburg verfügt über eine eigene Hochschule mit einem anwendungsorientierten Profil.
Forschung und Mittelstand müssen enger zusammenarbeiten
Unternehmen benötigen Lösungen für Automatisierung, Energieeffizienz, Datenverarbeitung und Produktentwicklung.
Studierende und Wissenschaftler können Projekte bearbeiten, die direkt auf regionale Betriebe zugeschnitten sind.
Absolventen müssen in der Stadt bleiben
Ein Studienabschluss in Neubrandenburg führt nicht automatisch zu einer Beschäftigung vor Ort.
Unternehmen müssen frühzeitig Praktika, Werkstudentenstellen und Abschlussarbeiten anbieten. So entstehen persönliche Verbindungen, bevor Absolventen andere Regionen wählen.
Gründer brauchen geeignete Räume
Aus Hochschulprojekten können neue Unternehmen entstehen.
Dafür braucht es günstige Büro- und Werkstattflächen, Beratung und Zugang zu Kapital. Ein Gründerzentrum darf nicht nur Schreibtische vermieten, sondern muss Netzwerke schaffen.
Ausländische Fachkräfte werden unverzichtbar
Die heimische Bevölkerungsentwicklung allein wird den Personalbedarf vieler Unternehmen nicht decken.
Zuwanderung kann Lücken schließen
Mecklenburg-Vorpommern beschloss Anfang 2026 gemeinsam mit Wirtschafts- und Sozialpartnern eine Strategie zur Fachkräftezuwanderung. Sie soll Unternehmen bei Gewinnung und Integration internationaler Beschäftigter unterstützen.
Anerkennungsverfahren müssen schneller werden
Ein ausgebildeter Techniker oder Ingenieur hilft einem Betrieb wenig, wenn seine Qualifikation über viele Monate nicht anerkannt wird.
Behörden benötigen klare Fristen und ausreichend Personal.
Integration findet nicht nur am Arbeitsplatz statt
Ausländische Beschäftigte brauchen Wohnungen, Sprachkurse, Kinderbetreuung und gesellschaftliche Kontakte.
Auch Ehepartner benötigen berufliche Perspektiven. Fehlen diese Bedingungen, ziehen Familien häufig nach kurzer Zeit weiter.
Wohnen ist noch ein Standortvorteil
Im Vergleich zu Berlin, Hamburg oder München sind Mieten und Immobilienpreise in Neubrandenburg weiterhin moderat.
Unternehmen können mit Lebensqualität werben
Kurze Wege, der Tollensesee, gute Sportangebote und vergleichsweise bezahlbares Wohnen sind starke Argumente bei der Fachkräftegewinnung.
Moderne Wohnungen fehlen teilweise
Gut ausgebildete Fachkräfte suchen häufig barrierearme, energieeffiziente und gut angebundene Wohnungen.
Ein günstiger Durchschnittspreis hilft wenig, wenn das passende Angebot nicht vorhanden ist.
Wohnungsbau muss zur Beschäftigungsentwicklung passen
Die Stadt sollte nicht auf spekulatives Wachstum setzen.
Sie muss aber ausreichend Wohnraum bereithalten, wenn Unternehmen tatsächlich neue Stellen schaffen oder Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen.
Verkehrsanbindung entscheidet über den Arbeitsmarkt
Viele Beschäftigte leben außerhalb Neubrandenburgs.
Schichtarbeit passt selten zum Fahrplan
Industrie und Klinikum arbeiten früh morgens, spät abends und am Wochenende.
Busse und Bahnen müssen diese Zeiten berücksichtigen. Eine Verbindung, die nur im klassischen Büroverkehr funktioniert, hilft Schichtarbeitern kaum.
Parkplätze bleiben notwendig
In einem dünn besiedelten Flächenland kann nicht jeder Beschäftigte mit Bus oder Fahrrad zur Arbeit kommen.
Unternehmen benötigen ausreichende Stellplätze, ohne ihre Gelände vollständig zu versiegeln.
Fahrradinfrastruktur kann kurze Wege übernehmen
Innerhalb Neubrandenburgs sind viele Arbeitsplätze mit dem Rad erreichbar.
Sichere Verbindungen zu Industrie- und Gewerbegebieten könnten Verkehr entlasten und Beschäftigten eine günstige Alternative bieten.
Unternehmen aus der Seenplatte sind landesweit erfolgreich
Die regionale Wirtschaft muss sich nicht verstecken.
Auszeichnungen in allen Kategorien
Am 9. Juli 2026 wurden in Neubrandenburg die Preisträger des Landeswettbewerbs „Unternehmerin und Unternehmer des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern 2026“ geehrt. Unternehmen aus der Mecklenburgischen Seenplatte waren in allen vier Wettbewerbskategorien vertreten.
Das zeigt, dass Innovation und wirtschaftlicher Erfolg nicht auf Rostock, Schwerin oder größere Ballungsräume beschränkt sind.
Mittelstand trägt die Region
Viele erfolgreiche Unternehmen sind keine bekannten börsennotierten Konzerne.
Sie sind familiengeführt, stark spezialisiert und über Jahrzehnte am Standort gewachsen. Diese Betriebe verdienen bei Wirtschaftspolitik und öffentlicher Wahrnehmung mindestens so viel Aufmerksamkeit wie große Neuansiedlungen.
Bestehende Unternehmen zuerst unterstützen
Politik wirbt gern mit spektakulären Ansiedlungen.
Häufig ist es jedoch günstiger und nachhaltiger, einem bereits vorhandenen Unternehmen die Erweiterung zu ermöglichen. Wer seit Jahren Beschäftigte ausbildet und Steuern zahlt, hat seine Standorttreue bereits bewiesen.
Stadt wirbt um weitere Investitionen
Neubrandenburg verfügt über Gewerbegebiete, wirtschaftsnahe Einrichtungen und eine eigene Standortförderung.
Freie Flächen allein reichen nicht
Ein Investor fragt nicht nur nach dem Grundstückspreis.
Er benötigt Stromanschluss, schnelles Internet, Verkehrsanbindung, Fachkräfte und verlässliche Genehmigungen.
Genehmigungen müssen aus einer Hand begleitet werden
Unternehmen sollten einen festen Ansprechpartner erhalten, der Verfahren zwischen Bauamt, Umweltbehörden, Versorgern und weiteren Stellen koordiniert.
Das bedeutet nicht, gesetzliche Prüfungen abzuschaffen. Es bedeutet, unnötige Wartezeiten und widersprüchliche Anforderungen zu vermeiden.
Region muss gemeinsam auftreten
Neubrandenburg und die umliegenden Gemeinden sollten nicht gegeneinander um jeden Betrieb konkurrieren.
Ein Unternehmen im Umland kann Arbeitsplätze für Neubrandenburger schaffen. Umgekehrt profitieren Gemeinden von den Angeboten des Oberzentrums. Gemeinsame Vermarktung stärkt die gesamte Seenplatte.
Deutsch-polnischer Wirtschaftsraum bietet Chancen
Neubrandenburg liegt nicht weit von der Grenze zu Polen und dem Ballungsraum Stettin entfernt.
Stettin ist ein großer Absatz- und Arbeitsmarkt
Die Metropolregion besitzt Unternehmen, Hochschulen, Häfen und eine wachsende Bevölkerung.
Neubrandenburger Betriebe können dort Kunden, Partner und Fachkräfte finden.
Sprachbarrieren müssen kleiner werden
Unternehmen benötigen Mitarbeiter mit polnischen Sprachkenntnissen und Wissen über rechtliche sowie kulturelle Unterschiede.
Schulen, Hochschule und IHK können entsprechende Angebote ausbauen.
Bahnverbindungen müssen besser werden
Wirtschaftliche Zusammenarbeit funktioniert leichter, wenn Menschen ohne lange Umwege zwischen Neubrandenburg und Stettin reisen können.
Eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung wäre nicht nur Tourismus-, sondern echte Wirtschaftspolitik.
Digitalisierung bleibt eine Grundvoraussetzung
Industrieproduktion ist heute eng mit Datenverarbeitung verbunden.
Maschinen senden und empfangen Daten
Fernwartung, Produktionsplanung und Qualitätskontrolle laufen zunehmend digital.
Eine instabile Internetverbindung kann deshalb Produktionsabläufe genauso behindern wie eine gesperrte Straße.
Cyberangriffe bedrohen den Mittelstand
Kleine Unternehmen werden häufig zum Ziel, weil ihre Schutzsysteme schwächer sind als die großer Konzerne.
IHK, Stadt und spezialisierte Dienstleister sollten Betriebe stärker bei IT-Sicherheit und Notfallplanung unterstützen.
Verwaltung muss digitale Verfahren anbieten
Bauanträge, Gewerbemeldungen und Förderanträge sollten vollständig digital bearbeitet werden können.
Dabei zählt nicht nur die Möglichkeit zum Hochladen einer Datei, sondern eine transparente Anzeige des Bearbeitungsstands.
Was Neubrandenburg jetzt tun muss
Die Stadt besitzt eine starke wirtschaftliche Grundlage, darf sich darauf aber nicht ausruhen.
Bestehende Industrieflächen sichern
Wohnungsbau und Einzelhandel dürfen funktionierende Gewerbestandorte nicht schrittweise verdrängen.
Unternehmen benötigen Erweiterungsflächen und Schutz vor Nutzungskonflikten.
Berufsschulen und Ausbildung stärken
Technische Bildung muss erreichbar und modern ausgestattet bleiben.
Genehmigungen beschleunigen
Verfahren brauchen klare Zuständigkeiten und verbindliche Zeitpläne.
Pendlerverkehr verbessern
Busse und Bahnen müssen stärker an Schichtzeiten ausgerichtet werden.
Hochschule und Unternehmen verbinden
Forschungsprojekte, Praktika und Gründungen sollten systematisch gefördert werden.
Fachkräftezuwanderung praktisch organisieren
Sprachkurse, Wohnraum und Anerkennung von Abschlüssen müssen ineinandergreifen.
Energieversorgung bezahlbar halten
Netzausbau und Eigenversorgung dürfen nicht an jahrelangen Verfahren scheitern.
Neubrandenburg muss seine Industrie ernster nehmen
Neubrandenburg besitzt etwas, das viele Städte dieser Größe gern hätten: einen starken und vielfältigen Arbeitsmarkt.
Fast 50.000 Arbeitsplätze, rund 3.700 Unternehmen und international tätige Industriebetriebe sind keine Selbstverständlichkeit. Sie bilden die finanzielle und soziale Grundlage der gesamten Region.
Trotzdem entsteht in der öffentlichen Wahrnehmung häufig der Eindruck, Neubrandenburg bestehe vor allem aus Verwaltung, Einzelhandel und Dienstleistungen. Die industrielle Stärke bleibt hinter Werkstoren verborgen.
Der Tag der Industrie war deshalb ein richtiger Schritt. Mehr als 300 Besucher zeigen, dass Interesse vorhanden ist. Ein solcher Termin sollte dauerhaft etabliert und noch stärker mit Schulen, Eltern und Berufsberatung verbunden werden.
Entscheidend ist aber, was nach dem Tag der offenen Tür geschieht.
Unternehmen benötigen bezahlbare Energie, schnellere Genehmigungen, ausreichend Gewerbeflächen und verlässliche Verkehrswege. Vor allem brauchen sie Mitarbeiter. Wenn Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben und junge Menschen ihre Heimat verlassen, helfen auch volle Auftragsbücher nur begrenzt.
Politik darf den Mittelstand nicht mit immer neuen Berichtspflichten beschäftigen und gleichzeitig über fehlende Investitionen klagen. Jede Stunde, die ein Unternehmer mit vermeidbarer Bürokratie verbringt, fehlt bei Kunden, Mitarbeitern und Produktentwicklung.
Neubrandenburg sollte seine bestehenden Betriebe mindestens so intensiv unterstützen wie mögliche Neuansiedlungen. Diese Unternehmen haben bereits bewiesen, dass sie zur Stadt stehen.
Die wirtschaftliche Grundlage ist stärker, als viele glauben. Doch sie ist nicht unverwundbar. Wird jetzt nicht in Fachkräfte, Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen investiert, kann aus der pessimistischen Stimmung schrittweise ein echter Arbeitsplatzverlust werden.