Die Hochschule für Bildende Künste Dresden schlägt wegen ihrer finanziellen Lage Alarm. Nach dem derzeitigen Wirtschaftsplan rechnet die traditionsreiche Kunsthochschule in den Jahren 2027 und 2028 mit einem Fehlbetrag von jeweils rund 500.000 Euro. Noch kann die Einrichtung die Lücke aus eigenen Rücklagen ausgleichen. Ab 2029 wäre dies nach Angaben der Hochschule jedoch nicht mehr möglich.
Rektor Oliver Kossack spricht von einer „prekären Position“. Die laufenden Zuweisungen des Freistaates reichten nicht mehr aus, um die bestehenden Kosten vollständig zu decken. Damit geht es nicht länger um kleinere Einsparungen im Verwaltungsalltag. Die Hochschule warnt vor Veränderungen, die unmittelbar den Studienbetrieb, die Betreuung der Studenten, die künstlerische Praxis und die Forschung treffen könnten.
Der Fall reicht über Dresden hinaus. Die HfBK erklärt, dass andere sächsische Hochschulen vor ähnlichen Problemen stünden. Damit wird aus der Finanzlage einer einzelnen Kunsthochschule eine grundsätzliche Frage: Wie viel ist Sachsen seine gewachsene Hochschul- und Kulturlandschaft wert?
HfBK erwartet jährlich eine halbe Million Euro Verlust
Für die Jahre 2027 und 2028 kalkuliert die Hochschule jeweils mit einem Defizit von etwa 500.000 Euro. Die HfBK kann diese Beträge zunächst aus ihren Rücklagen bezahlen. Diese Möglichkeit ist jedoch begrenzt.
Spätestens ab 2029 wären die Reserven nach Darstellung der Hochschule aufgebraucht. Ohne höhere Zuweisungen, geringere Kosten oder zusätzliche Einnahmen müsste die Einrichtung dann dauerhaft Leistungen zurückfahren.
Laufende Kosten sind nicht vollständig gedeckt
Das zentrale Problem liegt nach Angaben des Rektors in der unzureichenden Grundfinanzierung. Die Hochschule erhält zwar staatliche Mittel, doch die laufenden Kosten werden damit nicht vollständig abgedeckt.
Die Zuschüsse für Sachausgaben und Investitionen seien seit den 2010er-Jahren kaum gestiegen. Gleichzeitig haben Inflation, Energiepreise, Materialkosten und allgemeine Preissteigerungen die Ausgaben erhöht. Dadurch öffnet sich eine wachsende Lücke zwischen den verfügbaren Mitteln und dem tatsächlichen Finanzbedarf.
Eine Kunsthochschule benötigt nicht nur Hörsäle und Professorenstellen. Sie unterhält Ateliers, Werkstätten, Bühnenräume, technische Ausstattung, Sammlungen und teilweise kostenintensive Spezialbereiche. Preissteigerungen wirken sich dort unmittelbar auf den Studienbetrieb aus.
Rektor warnt vor strukturellen Veränderungen
Kossack macht deutlich, dass sich die erwarteten Fehlbeträge nicht mehr allein durch günstigeren Einkauf, geringere Reisekosten oder organisatorische Verbesserungen auffangen lassen.
Die Hochschule stehe vor strukturellen Herausforderungen, die den Studienbetrieb grundlegend verändern könnten. Im Hochschulalltag müsse bereits heute jeder Euro mehrfach geprüft werden.
Personalkosten geraten unter Druck
Ein erheblicher Teil des Hochschulbudgets entfällt auf Personal. Bleibt die Finanzierung dauerhaft hinter der Kostenentwicklung zurück, geraten deshalb zwangsläufig Stellen, Lehraufträge und Beschäftigungsumfänge in den Blick.
Weniger Personal hätte unmittelbare Folgen für die Betreuung. Kunststudiengänge leben stärker als viele andere Fächer vom persönlichen Austausch zwischen Lehrenden und Studenten. Künstlerische Arbeiten müssen besprochen, technische Verfahren angeleitet und individuelle Entwicklungen begleitet werden.
Sinkt die Zahl der Lehrenden oder Werkstattmitarbeiter, wachsen Gruppen und Wartezeiten. Bestimmte Arbeitsbereiche könnten nur noch eingeschränkt geöffnet werden. Damit würde sich die Qualität des Studiums verändern, selbst wenn einzelne Studiengänge formal erhalten bleiben.
Werkstätten sind ein Kern der künstlerischen Ausbildung
An einer Kunsthochschule findet ein großer Teil der Lehre nicht ausschließlich in Seminarräumen statt. Studenten arbeiten mit Materialien, Maschinen, Bühnenaufbauten, Drucktechniken, digitalen Verfahren und restauratorischer Spezialausrüstung.
Dafür werden Werkstätten mit qualifiziertem Personal benötigt. Beschäftigte sorgen nicht nur für den Betrieb der Technik, sondern vermitteln Sicherheitsregeln, handwerkliche Grundlagen und praktische Erfahrung.
Einsparungen treffen die Praxis besonders schnell
Werden Öffnungszeiten verkürzt oder technische Stellen nicht neu besetzt, verlieren Studenten Arbeitsmöglichkeiten. Materialbudgets können ebenfalls nicht beliebig gekürzt werden, ohne die Ausbildung zu verändern.
Eine Kunsthochschule kann ihren Auftrag nicht erfüllen, wenn sie zwar immatrikuliert und Prüfungen abnimmt, aber die praktische Arbeit nur noch eingeschränkt ermöglicht.
Genau darin liegt die Gefahr schleichender Einsparungen: Auf dem Papier bleibt die Hochschule bestehen, während die tatsächlichen Bedingungen für Lehre und künstlerische Entwicklung immer schwächer werden.
Forschung und Wissenstransfer ebenfalls gefährdet
Die HfBK nennt neben der Lehre ausdrücklich auch Forschung, künstlerische Praxis und Transfer als mögliche Leidtragende der Finanzlage.
Künstlerische Hochschulen forschen unter anderem zu Restaurierung, Materialien, Bühnenbild, Kunsttherapie, Ausstellungspraxis und neuen künstlerischen Verfahren. Sie arbeiten dabei mit Museen, Theatern, Schulen, medizinischen Einrichtungen und weiteren Partnern zusammen.
Hochschule wirkt weit über ihren Campus hinaus
Die HfBK ist deshalb nicht nur Ausbildungsort für angehende Künstler. Sie stellt Wissen und Fachkräfte für die sächsische Kultur- und Museumslandschaft bereit.
Restauratoren arbeiten später am Erhalt historischer Kunstwerke und Kulturgüter. Bühnen- und Kostümbildner werden an Theatern und Filmproduktionen benötigt. Absolventen der Kunsttherapie finden Tätigkeitsfelder in sozialen und medizinischen Einrichtungen.
Kürzungen treffen damit nicht allein die Hochschule. Sie können langfristig Auswirkungen auf Museen, Theater, freie Kunst, Denkmalpflege und kulturelle Bildung haben.
Eine Institution mit rund 250 Jahren Geschichte
Die Dresdner Kunsthochschule blickt auf eine etwa 250-jährige Geschichte zurück. Sie gehört damit zu den traditionsreichen Einrichtungen der sächsischen Hochschul- und Kulturlandschaft.
Die lange Geschichte allein begründet noch keinen Anspruch auf unveränderte Finanzierung. Sie zeigt jedoch, dass es sich nicht um ein kurzfristiges Projekt handelt, sondern um eine über Generationen gewachsene Institution.
Dresden lebt von Kunst und Kultur
Dresden wirbt weltweit mit seinen Museen, Sammlungen, Bauwerken, Orchestern und Bühnen. Eine Stadt, die ihre kulturelle Bedeutung wirtschaftlich und touristisch nutzt, ist zugleich auf Einrichtungen angewiesen, die künstlerischen Nachwuchs ausbilden und fachliches Wissen weitergeben.
Die Hochschule gehört zu diesem Zusammenhang. Sie bringt Studenten, Künstler und Fachleute nach Dresden und bindet die Stadt an nationale und internationale Netzwerke.
Eine Schwächung der HfBK wäre deshalb auch eine Schwächung des Kulturstandorts Dresden.
Haushaltsentwurf erreicht Rekordhöhe
Die finanzielle Warnung fällt in eine politisch sensible Zeit. Die sächsische Staatsregierung stellte Anfang Juli ihren Entwurf für den Doppelhaushalt 2027 und 2028 vor.
Nach Angaben des MDR umfasst der Entwurf rund 53,5 Milliarden Euro und erreicht damit ein bislang nicht dagewesenes Gesamtvolumen. Gleichzeitig sind an zahlreichen Stellen Einsparungen vorgesehen, darunter auch bei Kunst- und Musikhochschulen.
Hoher Gesamthaushalt schützt nicht jede Einrichtung
Ein Rekordhaushalt bedeutet nicht automatisch, dass in jedem Einzelbereich mehr Geld verfügbar ist. Tarifsteigerungen, Sozialausgaben, Baukosten, Zinsen und gesetzlich gebundene Verpflichtungen können einen großen Teil der zusätzlichen Mittel aufzehren.
Trotzdem muss die Politik erklären, welche Prioritäten sie setzt. Wenn eine Hochschule ihre laufenden Kosten trotz zugesagter Grundsicherung nicht mehr decken kann, reicht der Verweis auf eine allgemein schwierige Haushaltslage nicht aus.
Die entscheidende Frage lautet, ob der Freistaat die bestehenden Aufgaben seiner Hochschulen realistisch finanziert oder ob Einrichtungen Leistungen anbieten sollen, für die dauerhaft nicht genügend Geld vorhanden ist.
Wissenschaftsminister sieht Hochschullandschaft gesichert
Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow vertritt eine deutlich weniger alarmierte Sicht. Nach Vorstellung des Haushaltsentwurfs erklärte er, die breit aufgestellte Wissenschaftslandschaft mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen könne trotz knapper Mittel erhalten werden.
Für zusätzliche Maßnahmen und neue Projekte stehe allerdings kein Geld zur Verfügung.
Damit stehen sich zwei Bewertungen gegenüber. Das Ministerium spricht vom Erhalt der Hochschullandschaft. Die HfBK warnt dagegen, dass bereits der bestehende Studienbetrieb ohne ausreichende Grundfinanzierung strukturell verändert werden könnte.
Erhalt darf nicht nur institutionell verstanden werden
Eine Hochschule gilt nicht bereits deshalb als gesichert, weil ihr Name, ihre Gebäude und ihre Studiengänge formal weiterbestehen.
Entscheidend sind Personal, Betreuung, Werkstätten, Ausstattung, Forschung und tatsächliche Lehrangebote. Werden diese Bereiche dauerhaft ausgedünnt, bleibt die Institution zwar sichtbar, verliert aber schrittweise an Leistungsfähigkeit.
Die Haushaltsdebatte muss deshalb stärker über Qualität als allein über den formalen Bestand von Einrichtungen geführt werden.
Problem betrifft möglicherweise weitere Hochschulen
Die HfBK weist darauf hin, dass die geschilderte Haushaltslage an anderen sächsischen Hochschulen in ähnlicher Weise bestehe. Sie äußert Sorge um die sächsische Hochschullandschaft insgesamt.
Das ist politisch bedeutsam. Wenn mehrere Einrichtungen ihre Grundkosten nur noch durch Rücklagen decken können, liegt kein vorübergehendes Einzelproblem vor.
Rücklagen sind keine dauerhafte Finanzierung
Rücklagen können kurzfristige Schwankungen ausgleichen oder Investitionen ermöglichen. Sie sind jedoch nicht dafür gedacht, Jahr für Jahr einen strukturell unterfinanzierten laufenden Betrieb zu tragen.
Werden sie für wiederkehrende Defizite eingesetzt, verschiebt sich die Krise lediglich. Nach einigen Jahren sind die Reserven verbraucht, während das ursprüngliche Problem unverändert besteht.
Deshalb muss frühzeitig geklärt werden, ob das Defizit durch zusätzliche Mittel, dauerhaft niedrigere Aufgaben oder eine andere Finanzierungsstruktur geschlossen werden soll.
Jahresausstellung zeigt, was auf dem Spiel steht
Während die Hochschule vor Kürzungen warnt, öffnet sie am 17. und 18. Juli ihre Jahresausstellung. Zunächst präsentiert die Fakultät Bildende Kunst Arbeiten der Studenten. Danach folgen Einblicke in Bühnen- und Kostümbild, Restaurierung, Theaterdesign und Kunsttherapie.
Der Rundgang macht sichtbar, dass die abstrakte Haushaltsdebatte sehr unterschiedliche Ausbildungsbereiche betrifft.
Öffentlichkeit kann Arbeit der Hochschule sehen
Besucher erhalten Einblicke in aktuelle künstlerische Arbeiten und können mit Studenten sowie Lehrenden ins Gespräch kommen.
Gerade in einer angespannten Finanzlage ist dieser Austausch wichtig. Die Hochschule kann zeigen, welche Leistungen mit den vorhandenen Mitteln erbracht werden und welche Bereiche bei weiteren Einsparungen gefährdet wären.
Die Jahresausstellung ist damit nicht nur ein kultureller Termin, sondern zugleich ein Blick auf die praktische Bedeutung der Einrichtung.
Wie es jetzt weitergeht
Der Doppelhaushalt 2027/2028 ist noch nicht endgültig beschlossen. Über den Entwurf wird im weiteren parlamentarischen Verfahren beraten.
Die Hochschule befindet sich nach Angaben ihres Rektors im Gespräch mit externen Partnern und dem Wissenschaftsministerium. Ziel ist eine Finanzierung, die den bestehenden Betrieb dauerhaft trägt.
Bis zur endgültigen Haushaltsentscheidung bleibt offen, ob die Zuweisungen angepasst werden oder die Hochschule eigene Kürzungspläne vorbereiten muss.
Sachsen muss seine Prioritäten offen benennen
Die Finanzlage der HfBK ist kein Streit über ein einzelnes zusätzliches Kunstprojekt. Es geht um die Grundfinanzierung einer staatlichen Hochschule.
Sachsen muss deshalb klar benennen, welche Leistungen seine Kunsthochschulen künftig erbringen sollen und welche Mittel dafür tatsächlich zur Verfügung stehen.
Bleibt die Finanzierung dauerhaft hinter den Kosten zurück, führt dies zwangsläufig zu weniger Personal, geringerer Betreuung und eingeschränkten Werkstätten. Der formale Erhalt der Hochschule würde daran wenig ändern.
Für Dresden und Sachsen steht mehr auf dem Spiel als eine halbe Million Euro pro Jahr. Es geht um die Frage, ob eine gewachsene ostdeutsche Kultur- und Ausbildungsinstitution ihre Arbeit in bisheriger Qualität fortsetzen kann.