Dresden. Deutschland spricht seit Jahren über Deindustrialisierung, Werksschließungen und den Verlust gut bezahlter Arbeitsplätze.

In Dresden zeigt sich derzeit ein anderes Bild.

Am 2. Juli 2026 hat Infineon seine neue „Smart Power Fab“ eröffnet. Rund fünf Milliarden Euro investierte der Halbleiterkonzern in die Fabrik – die größte Einzelinvestition seiner Unternehmensgeschichte. Etwa 1.000 neue direkte Arbeitsplätze entstehen. Zugleich verdoppelt Infineon seine Produktionskapazität am Dresdner Standort.

Die neue Fabrik produziert Leistungshalbleiter sowie analoge und sogenannte Mixed-Signal-Komponenten. Solche Chips werden unter anderem in Elektroautos, Wind- und Solaranlagen, Stromnetzen, Industrieanlagen und der Energieversorgung großer Rechenzentren eingesetzt.

Damit wächst in Sachsen ein Industriezweig, der für nahezu jede moderne Volkswirtschaft unverzichtbar ist.

Ohne Halbleiter funktionieren weder Autos noch Smartphones, Maschinen, Medizintechnik, Stromnetze oder Künstliche Intelligenz.

1.000 neue Arbeitsplätze bei Infineon

Infineon beschäftigt am Standort Dresden künftig rund 5.000 Menschen. Allein durch die neue Fabrik kommen etwa 1.000 direkte Stellen hinzu.

Gesucht werden nicht ausschließlich hoch spezialisierte Ingenieure.

Eine moderne Chipfabrik benötigt unter anderem:

  • Anlagenführer,
  • Mechatroniker,
  • Elektroniker,
  • Chemielaboranten,
  • Wartungstechniker,
  • Informatiker,
  • Prozessingenieure,
  • Qualitätsprüfer,
  • Logistiker,
  • und Fachkräfte für Energie- und Versorgungssysteme.

Damit entstehen berufliche Perspektiven für Menschen mit Ausbildung ebenso wie für Hochschulabsolventen.

Das ist für Ostdeutschland besonders wichtig.

Viele Regionen leiden bis heute darunter, dass gut bezahlte industrielle Arbeitsplätze nach der Wiedervereinigung verloren gingen. Neue Stellen entstanden häufig im Dienstleistungssektor, im Handel oder in der Logistik – oft mit niedrigeren Löhnen und geringerer regionaler Wertschöpfung.

Die Halbleiterindustrie bietet dagegen hochproduktive und technologisch anspruchsvolle Beschäftigung.

Größte Fabrik ihrer Art

Nach Angaben von Infineon entsteht in Dresden durch die Erweiterung die weltweit größte Fabrik für intelligente Leistungshalbleiter sowie analoge und Mixed-Signal-Technologien.

Das Gebäude selbst besitzt gewaltige Dimensionen.

Es ragt mehr als 40 Meter in die Höhe und reicht rund 22 Meter tief in den Boden. Die Reinraumfläche erstreckt sich über zwei Ebenen und entspricht ungefähr der Größe von drei Fußballfeldern.

In diesen Reinräumen gelten strengste Bedingungen.

Schon kleinste Staubpartikel können die mikroskopisch feinen Strukturen eines Chips beschädigen. Mitarbeiter tragen deshalb spezielle Schutzkleidung, während Luft, Temperatur und Feuchtigkeit dauerhaft kontrolliert werden.

Gefertigt wird auf sogenannten 300-Millimeter-Wafern.

Ein Wafer ist eine dünne Scheibe aus Halbleitermaterial, auf der zahlreiche Chips gleichzeitig entstehen. Je größer der Wafer, desto mehr Bauteile können in einem Produktionsschritt gefertigt werden. Das senkt langfristig die Kosten und erhöht die Produktivität.

Dresden profitiert vom Wachstum der Künstlichen Intelligenz

Infineon richtet einen Teil der neuen Kapazität ausdrücklich auf den steigenden Bedarf großer Rechenzentren aus.

Künstliche Intelligenz benötigt enorme Rechenleistung – und damit große Mengen Strom. Leistungshalbleiter sorgen dafür, dass Energie möglichst effizient umgewandelt, verteilt und gesteuert wird.

Die Chips aus Dresden sollen künftig unter anderem die Stromversorgung von KI-Rechenzentren verbessern. Sie werden außerdem in modernen Fahrzeugen, erneuerbaren Energiesystemen und industriellen Anwendungen eingesetzt.

Damit profitiert Sachsen nicht nur von der klassischen Automobilindustrie.

Dresden wird Teil einer weltweiten Infrastruktur für Digitalisierung, Energiewende und KI.

Das ist strategisch bedeutsam.

Deutschland besitzt zwar starke Maschinenbauer, Automobilhersteller und Industrieunternehmen. Bei vielen digitalen Schlüsseltechnologien ist das Land jedoch von Herstellern und Lieferketten aus Asien und den USA abhängig.

Eine leistungsfähige europäische Chipproduktion verringert diese Abhängigkeit zumindest teilweise.

Zulieferer schaffen weitere Stellen

Der wirtschaftliche Effekt endet nicht am Werkstor von Infineon.

Auch zahlreiche Zulieferer und Dienstleister in Dresden und Umgebung wachsen. Dazu gehören Unternehmen, die Anlagen bauen, Prozessgase reinigen, Wasser aufbereiten, Reinräume warten oder Maschinen mit Ersatzteilen versorgen.

Der Dresdner Anlagenbauer DAS Environmental Experts entwickelt beispielsweise Systeme zur Reinigung von Abgasen aus Halbleiterfabriken. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 500 Menschen in Dresden und weitere 500 an internationalen Standorten. Anfang Juli waren allein in Dresden 19 Stellen offen, darunter für Informatiker, Mechatroniker und Wartungstechniker.

Das zeigt, wie industrielle Cluster funktionieren.

Ein großer Hersteller zieht spezialisierte Zulieferer an. Diese wiederum benötigen weitere Firmen für Wartung, Logistik, Software, Bauleistungen und Dienstleistungen.

Infineon verweist auf Studien, nach denen ein Arbeitsplatz im Reinraum bis zu sechs weitere Stellen im Umfeld erzeugen könne. Das Unternehmen beziffert die Beschäftigtenzahl im gesamten Cluster Silicon Saxony bereits auf mehr als 80.000 Menschen. Bei dieser Verhältniszahl handelt es sich allerdings um eine branchenbezogene Schätzung und nicht um eine Garantie für jeden neu geschaffenen Arbeitsplatz.

Silicon Saxony zieht internationale Unternehmen an

Sachsens Wirtschaftsförderung beobachtet bereits eine stärkere Ansiedlung von Unternehmen aus dem Umfeld der Halbleiterindustrie.

Im vergangenen Jahr begleitete die Wirtschaftsförderung Sachsen 18 Neuansiedlungen oder Erweiterungen mit einem Investitionsvolumen von rund 211 Millionen Euro. Dadurch sollen 868 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten werden. Die Projekte verteilen sich nicht nur auf Dresden, Leipzig und Chemnitz, sondern auch auf die Landkreise Bautzen, Görlitz, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Erzgebirge und Vogtland.

Nach Angaben der Wirtschaftsförderung verstärkt insbesondere der Bau der neuen ESMC-Chipfabrik die Anziehungskraft Sachsens auf internationale Zulieferer und Dienstleister.

Davon können auch ostsächsische Regionen profitieren.

Nicht jede Firma muss unmittelbar neben einer Chipfabrik sitzen. Zulieferer können sich auch in Radeberg, Pirna, Bautzen, Görlitz oder anderen Orten ansiedeln, sofern Gewerbeflächen, Verkehrsanbindung und Fachkräfte vorhanden sind.

Der wirtschaftliche Nutzen darf sich deshalb nicht allein auf Dresden konzentrieren.

Nächste Milliardenfabrik entsteht bereits

Parallel zur neuen Infineon-Fabrik entsteht in Dresden ein weiteres Großprojekt.

Die European Semiconductor Manufacturing Company, kurz ESMC, baut eine Chipfabrik, an der der taiwanische Weltmarktführer TSMC sowie Bosch, Infineon und NXP beteiligt sind. Die Anlage soll vor allem Halbleiter für die europäische Automobil- und Industrieproduktion herstellen.

Die Bauarbeiten laufen. ESMC wirbt bereits um Mitarbeiter, Studierende und Hochschulabsolventen.

Langfristig sollen dort Tausende zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Dresden entwickelt sich damit nicht nur zum größten deutschen, sondern zu einem der bedeutendsten europäischen Standorte für Mikroelektronik.

Diese Konzentration besitzt große Vorteile.

Unternehmen finden spezialisierte Fachkräfte, Hochschulen, Forschungsinstitute und Zulieferer in unmittelbarer Nähe. Beschäftigte können den Arbeitgeber wechseln, ohne die Region verlassen zu müssen. Wissen verbreitet sich schneller und neue Unternehmen finden leichter geeignete Partner.

Doch dieselbe Konzentration schafft auch Abhängigkeiten.

Gerät die Halbleiterbranche in eine Krise oder verändern sich Technologien, wäre Dresden besonders stark betroffen.

Sachsen sollte den Chipsektor deshalb ausbauen, ohne andere Industriezweige zu vernachlässigen.

Eine Milliarde Euro aus öffentlichen Mitteln

Von den rund fünf Milliarden Euro Investitionskosten der neuen Infineon-Fabrik stammt etwa eine Milliarde Euro aus öffentlicher Förderung.

Das ist eine gewaltige Summe.

Kritiker können zu Recht fragen, warum ein international erfolgreicher Konzern mit Steuergeld unterstützt werden muss.

Die Befürworter argumentieren, dass auch die USA, China, Taiwan, Südkorea und andere Staaten ihre Halbleiterindustrie massiv fördern. Ohne staatliche Unterstützung würden neue Werke möglicherweise an anderen Standorten gebaut.

Zudem betrachtet Europa Halbleiter inzwischen als strategische Infrastruktur.

Die Lieferengpässe während der Corona-Krise zeigten, wie schnell fehlende Chips ganze Automobilwerke und industrielle Lieferketten zum Stillstand bringen können.

Öffentliche Förderung kann deshalb industriepolitisch begründet werden.

Sie darf jedoch kein bedingungsloser Zuschuss sein.

Der Staat muss kontrollieren, ob:

  • die angekündigten Arbeitsplätze tatsächlich entstehen,
  • die Produktion über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt,
  • Förderbedingungen eingehalten werden,
  • Investitionen nicht frühzeitig verlagert werden,
  • und regionale Unternehmen von der Ansiedlung profitieren.

Steuergeld verpflichtet Unternehmen zu Transparenz und Verlässlichkeit.

Dresden zeigt, dass Großprojekte gelingen können

Die neue Fabrik wurde mehrere Monate früher als ursprünglich geplant eröffnet. Der Bau dauerte rund drei Jahre.

In Deutschland, wo große Bau- und Infrastrukturprojekte regelmäßig durch Verzögerungen, Klagen und steigende Kosten auffallen, ist das ein wichtiges Signal.

Infineon nutzte unter anderem einen digitalen Zwilling, um Gebäude, Maschinenaufstellung und Produktionsabläufe bereits vorab zu planen und zu optimieren. Künstliche Intelligenz unterstützt zudem die Freigabe von Systemen und Prozessen.

Das Unternehmen zeigt damit, dass industrielle Großinvestitionen auch in Deutschland schnell umgesetzt werden können, wenn Unternehmen, Verwaltung und Politik eng zusammenarbeiten.

Daraus sollte jedoch nicht der Schluss gezogen werden, dass jedes Genehmigungsverfahren überflüssig sei.

Chipfabriken verbrauchen große Mengen Energie, Wasser und Chemikalien. Umwelt- und Sicherheitsprüfungen bleiben notwendig.

Entscheidend ist, Verfahren zügig, digital und mit klaren Fristen durchzuführen.

Wasser wird zum entscheidenden Standortfaktor

Halbleiterproduktion benötigt große Mengen besonders reinen Wassers.

Infineon erklärt, in der neuen Fabrik Industriewasser statt Trinkwasser zu nutzen. Rund 90 Prozent des eingesetzten Wassers sollen wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Zudem soll ein Teil der verwendeten Energie zurückgewonnen werden.

Diese Systeme sind wichtig, weil Dresden und das Umland nicht unbegrenzt über zusätzliche Wasserressourcen verfügen.

Mit Infineon, Globalfoundries, Bosch und künftig ESMC wächst der Bedarf der gesamten Halbleiterindustrie weiter.

Politik und Unternehmen müssen deshalb langfristig klären:

  • Woher kommt das benötigte Wasser?
  • Welche Mengen können wiederverwendet werden?
  • Wie werden private Haushalte geschützt?
  • Welche Investitionen sind in Leitungen und Aufbereitung notwendig?
  • Wer trägt die Kosten?
  • Was geschieht in längeren Trockenperioden?

Industriewachstum darf nicht dazu führen, dass Bürger und kleinere Unternehmen am Ende höhere Kosten oder Versorgungsprobleme tragen.

Stromversorgung muss zuverlässig und bezahlbar sein

Eine Chipfabrik kann nicht kurzfristig abgeschaltet werden, sobald Strom knapp oder teuer wird.

Produktionsanlagen laufen weitgehend rund um die Uhr. Schon kurze Unterbrechungen können empfindliche Prozesse stören und hohe Schäden verursachen.

Infineon gibt an, die neue Fabrik vollständig mit Strom aus erneuerbaren Quellen zu betreiben.

Entscheidend ist jedoch nicht nur die rechnerische Herkunft des Stroms.

Die Versorgung muss jederzeit stabil sein.

Sachsen benötigt deshalb:

  • leistungsfähige Stromnetze,
  • ausreichend gesicherte Kraftwerksleistung,
  • Speicher,
  • bezahlbare Industriestrompreise,
  • und schnellere Netzausbauten.

Eine Hochtechnologiebranche kann langfristig nicht erfolgreich sein, wenn die Energieversorgung unsicher oder deutlich teurer als in Asien und den USA ist.

Fachkräftemangel könnte das Wachstum bremsen

Der größte Engpass dürfte künftig nicht das Kapital, sondern das Personal sein.

Infineon schafft 1.000 Stellen. ESMC wird weitere Mitarbeiter benötigen. Gleichzeitig suchen Zulieferer, Forschungsinstitute und bestehende Chipproduzenten nach Fachkräften.

Dresden konkurriert dabei nicht nur mit München, Stuttgart oder Hamburg.

Auch Taiwan, die USA, Irland, Frankreich und andere internationale Standorte werben um Ingenieure und Techniker.

Sachsen muss daher stärker in Ausbildung und Weiterbildung investieren.

Dazu gehören:

  • mehr technische Ausbildungsplätze,
  • moderne Berufsschulen,
  • zusätzliche Studienplätze,
  • schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse,
  • Sprachkurse,
  • Weiterbildung von Beschäftigten aus anderen Industriezweigen,
  • und gezielte Rückkehrprogramme für abgewanderte Sachsen.

Nicht jeder neue Mitarbeiter muss aus dem Ausland angeworben werden.

In vielen traditionellen Industriebetrieben arbeiten Menschen mit technischer Erfahrung, die sich für die Halbleiterproduktion qualifizieren lassen könnten.

Wohnungen und Verkehr müssen mitwachsen

Neue Arbeitsplätze erhöhen den Druck auf den Dresdner Wohnungsmarkt.

Beschäftigte benötigen Wohnungen, Kitas, Schulen und medizinische Versorgung. Zugleich wächst der Verkehr in den Dresdner Norden, wo sich ein großer Teil der Chipindustrie konzentriert.

Wenn tausende neue Mitarbeiter täglich mit dem Auto zu den Werken fahren, entstehen Staus und zusätzliche Belastungen.

Stadt und Freistaat müssen daher frühzeitig investieren:

  • in Straßen und Kreuzungen,
  • Straßenbahn- und Busverbindungen,
  • regionale Bahnangebote,
  • Radwege,
  • Park-and-ride-Plätze,
  • sowie Wohnungsbau in Dresden und dem Umland.

Auch Orte wie Radeberg, Ottendorf-Okrilla, Radebeul, Pirna und Meißen können vom Wachstum profitieren, sofern die Verkehrsverbindungen funktionieren.

Eine erfolgreiche Industrieansiedlung endet nicht mit der Baugenehmigung für die Fabrik.

Sie verändert eine ganze Region.

Der Osten braucht mehr Unternehmenszentralen

Dresden beweist, dass Ostdeutschland technologisch an der Weltspitze produzieren kann.

Dennoch bleiben viele strategische Entscheidungen außerhalb der Region.

Die Unternehmenszentrale von Infineon sitzt in Neubiberg bei München. Auch bei vielen anderen großen Betrieben werden Forschung, Kapital und Konzernentscheidungen nicht in Ostdeutschland gesteuert.

Sachsen sollte deshalb nicht nur Fabriken gewinnen.

Die Region benötigt auch:

  • Unternehmenszentralen,
  • Entwicklungsabteilungen,
  • eigene Patente,
  • Start-ups,
  • Risikokapital,
  • und mittelständische Technologiefirmen mit eigenständigen Produkten.

Sonst bleibt der Osten trotz moderner Werke von Entscheidungen abhängig, die anderswo getroffen werden.

Die Zulieferlandschaft rund um Silicon Saxony bietet die Chance, neue eigenständige Unternehmen aufzubauen.

Chip-Boom darf den restlichen Freistaat nicht vergessen

Während Dresden wächst, kämpfen andere sächsische Industriestandorte mit Stellenabbau, schwacher Nachfrage und unklaren Zukunftsaussichten.

Diese Gegensätze dürfen nicht verdrängt werden.

Eine neue Chipfabrik in Dresden hilft einem Beschäftigten in Sebnitz, Zwickau oder im Erzgebirge nicht automatisch.

Die Landesregierung muss deshalb dafür sorgen, dass der Erfolg breiter wirkt.

Dazu gehören:

  • Weiterbildungsangebote für Beschäftigte aus Krisenbranchen,
  • bessere Verkehrsverbindungen nach Dresden,
  • Zulieferansiedlungen außerhalb der Landeshauptstadt,
  • Forschungskooperationen mit Hochschulen in Chemnitz, Freiberg, Zittau und Görlitz,
  • sowie eine gezielte Entwicklung von Gewerbegebieten in strukturschwächeren Regionen.

Silicon Saxony darf nicht zu einer wirtschaftlichen Insel werden.

Der Erfolg muss in den gesamten Freistaat ausstrahlen.

Dresden zeigt, was Ostdeutschland leisten kann

Die Eröffnung der neuen Infineon-Fabrik ist eine der wichtigsten Wirtschaftsnachrichten des Jahres für Ostdeutschland.

Fünf Milliarden Euro Investition, 1.000 direkte Arbeitsplätze und eine Verdoppelung der Produktionskapazität sind kein symbolisches Förderprojekt.

Hier entsteht reale industrielle Wertschöpfung.

Dresden zeigt, dass der Osten nicht nur verlängerte Werkbank, Niedriglohnregion oder Standort für Logistikzentren sein muss.

In Sachsen werden Technologien produziert, ohne die moderne Autos, Energienetze und KI-Rechenzentren nicht funktionieren.

Darauf kann die Region stolz sein.

Doch der Erfolg darf nicht zu Selbstzufriedenheit führen.

Eine Milliarde Euro öffentliche Förderung ist viel Geld. Deshalb müssen die Arbeitsplätze dauerhaft bestehen und weitere Wertschöpfung in Sachsen entstehen.

Gleichzeitig muss die Infrastruktur mithalten. Wohnungen, Schulen, Verkehr, Energie und Wasser dürfen nicht erst dann geplant werden, wenn die Engpässe bereits entstanden sind.

Auch der Fachkräftemangel verlangt eine ehrliche Antwort.

Deutschland kann nicht einerseits Milliarden in neue Fabriken investieren und andererseits technische Bildung, Berufsschulen und Zuwanderungsverfahren vernachlässigen.

Vor allem sollte Sachsen aus der Chipindustrie eine langfristige Lehre ziehen:

Industriepolitik funktioniert dann, wenn Infrastruktur, Forschung, Fachkräfte und unternehmerische Entscheidungen zusammenkommen.

Dresden besitzt inzwischen ein weltweit bedeutendes Netzwerk.

Nun muss daraus mehr entstehen als eine Ansammlung großer Fabriken.

Der Freistaat braucht eigene Unternehmen, Forschung, Patente und industrielle Entscheidungszentren.

Gelingt das, kann Silicon Saxony zu einem Vorbild für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg Ostdeutschlands werden.

Die neue Infineon-Fabrik ist dafür ein starkes Fundament.