Gödnitz. Auf den ersten Blick wirkt der Gödnitzer See wie ein stilles Naturidyll. Schilf wächst am Ufer, Bäume spiegeln sich im Wasser und Angler schätzen das Gewässer seit Jahren als ruhigen Rückzugsort.

Doch die Idylle ist schwer beschädigt.

Nach der jüngsten Hitzewelle trieben Tausende tote Fische im Wasser und sammelten sich an den Ufern. Mitglieder des Zerbster Anglervereins bargen gemeinsam mit weiteren Helfern fast 1.000 Kilogramm verendete Tiere. Nach regionalen Berichten waren rund 3.000 Fische betroffen. Ursache war ein massiver Sauerstoffmangel im stark erwärmten Wasser.

Für die Angler war es ein erschütterndes Bild.

Karpfen, Hechte, Zander und zahlreiche kleinere Fische hatten keine Möglichkeit, dem zunehmend lebensfeindlichen Wasser zu entkommen. Was über Jahre gehegt und aufgebaut wurde, starb innerhalb kurzer Zeit.

Hitze entzog den Fischen die Luft

Fische atmen den im Wasser gelösten Sauerstoff über ihre Kiemen ein. Steigt die Wassertemperatur, kann das Wasser jedoch immer weniger Sauerstoff aufnehmen.

Gleichzeitig erhöht sich bei Wärme der Stoffwechsel vieler Tiere. Sie benötigen mehr Sauerstoff – während ihnen immer weniger zur Verfügung steht.

Besonders kritisch wird die Situation in flachen, stehenden oder nur schwach durchströmten Gewässern. Sie heizen sich schneller auf als tiefe Seen oder Flüsse. Pflanzen, Algen und Mikroorganismen verbrauchen zusätzlich Sauerstoff, insbesondere während der Nacht und beim Abbau organischer Stoffe.

Im Gödnitzer See sank der Sauerstoffgehalt schließlich so weit, dass ein großer Teil des Fischbestandes erstickte. Alfred Schildt, Vorsitzender des Zerbster Anglervereins und Vizepräsident des Landesanglerverbandes Sachsen-Anhalt, sprach von einer akuten Gefährdung sämtlicher Bestände.

Angler und Feuerwehr mussten tagelang Kadaver bergen

Die toten Tiere konnten nicht einfach im Wasser verbleiben.

Verwesende Fische hätten die Wasserqualität weiter verschlechtert. Beim biologischen Abbau wird erneut Sauerstoff verbraucht. Zugleich können Gerüche, Krankheitserreger und eine zusätzliche Belastung des Ökosystems entstehen.

Angler und Feuerwehr sammelten deshalb über mehrere Tage hinweg die Kadaver ein. Die Tiere mussten aus dem See geholt, gesammelt und anschließend fachgerecht entsorgt werden.

Die Kosten dafür tragen nach Angaben des Zerbster Anglervereins zumindest teilweise die Angler selbst.

Damit trifft die Katastrophe den Verein doppelt.

Seine Mitglieder verlieren einen erheblichen Teil des Fischbestandes und müssen gleichzeitig Zeit, Arbeit und Geld für die Beseitigung der Folgen aufbringen.

Angelverbot bis mindestens Ende Juli

Um die überlebenden Tiere nicht zusätzlich zu belasten, wurde am Gödnitzer See ein Angelverbot verhängt.

Es soll mindestens bis Ende Juli gelten. Jeder Fang, Drill und anschließende Umgang würde bei den bereits geschwächten Fischen zusätzlichen Stress verursachen. Auch das Betreten einzelner Uferbereiche kann die Arbeiten und die Erholung des Gewässers beeinträchtigen.

Das Verbot ist daher keine Schikane gegen Freizeitangler.

Es dient dem Schutz dessen, was vom Bestand noch übrig ist.

Wann der normale Angelbetrieb wieder aufgenommen werden kann, hängt von der weiteren Wetterentwicklung, den Sauerstoffwerten und dem Zustand der Fische ab. Eine schnelle Erholung ist nicht garantiert.

Ein Altarm der Elbe ohne ausreichenden Wasseraustausch

Der Gödnitzer See ist ein ehemaliger Altarm der Elbe.

Solche Gewässer entstanden aus früheren Flussschleifen, die vom heutigen Hauptstrom abgetrennt wurden. Sie können ökologisch besonders wertvoll sein, weil sie Lebensraum für Fische, Amphibien, Wasservögel und zahlreiche Pflanzenarten bieten.

Ihre Schwäche liegt jedoch im begrenzten Wasseraustausch.

Während die Elbe ständig neues Wasser transportiert und durch ihre Strömung Sauerstoff aufnimmt, bleibt das Wasser eines Altarms weitgehend stehen. Bei Hitze erwärmt es sich schneller. Sinkende Pegel verschärfen den Effekt zusätzlich.

Elbe-Experte Ernst Paul Dörfler bezeichnete das wiederkehrende Niedrigwasser inzwischen als eine neue Normalität. In fließenden Gewässern werde zwar mehr Sauerstoff eingetragen, doch auch dort könne sich die Lage bei anhaltender Hitze zuspitzen.

Der Wasserstand der Elbe sinkt immer wieder

Der Gödnitzer See lässt sich nicht getrennt von der Entwicklung der Elbe betrachten.

Niedrige Flusspegel beeinflussen Grundwasserstände, Nebengewässer und Auenlandschaften. Wenn über längere Zeit wenig Regen fällt und gleichzeitig große Wassermengen verdunsten, werden Altarme und kleinere Seen nicht mehr ausreichend gespeist.

Das Wasser wird flacher und erwärmt sich dadurch noch schneller.

So entsteht ein gefährlicher Kreislauf:

  • Der Wasserstand sinkt.
  • Die Temperatur steigt schneller.
  • Der Sauerstoffgehalt fällt.
  • Fische und andere Organismen geraten unter Stress.
  • Absterbende Pflanzen und Tiere verbrauchen weiteren Sauerstoff.
  • Das Gewässer droht vollständig zu kippen.

Ein einzelnes Gewitter kann diese Entwicklung meist nicht dauerhaft umkehren. Dafür wären längere Niederschlagsperioden und eine grundlegende Stabilisierung des Wasserhaushalts notwendig.

Der See kann innerhalb weniger Stunden kippen

Ein Fischsterben kündigt sich nicht immer tagelang sichtbar an.

Der Sauerstoffgehalt kann besonders in den frühen Morgenstunden stark absinken. Während Wasserpflanzen und Algen tagsüber durch Fotosynthese Sauerstoff produzieren, verbrauchen sie nachts selbst Sauerstoff.

Nach mehreren heißen, windstillen Tagen kann der kritische Punkt innerhalb kurzer Zeit erreicht werden.

Typische Warnzeichen sind:

  • Fische, die dicht unter der Oberfläche nach Luft schnappen,
  • Ansammlungen an Zuflüssen oder Belüftungsstellen,
  • trübes oder stark verfärbtes Wasser,
  • unangenehme Gerüche,
  • tote Kleinfische am Ufer,
  • und ungewöhnlich geringe Sichttiefe.

Wenn größere Fische sichtbar an der Oberfläche stehen, ist die Lage oft bereits akut.

Warum nicht einfach Wasser einleiten?

Nach Fischsterben wird häufig gefordert, Feuerwehr oder Behörden müssten frisches Wasser einpumpen.

Das klingt naheliegend, ist aber nicht immer einfach.

Zunächst muss geeignetes Wasser in ausreichender Menge verfügbar sein. Wasser aus Trinkwassernetzen wäre teuer und bei Trockenheit möglicherweise selbst knapp. Wasser aus anderen Flüssen oder Seen kann Schadstoffe, Krankheitserreger oder fremde Arten enthalten.

Hinzu kommt die enorme Größenordnung.

Ein See lässt sich nicht mit einigen Tankwagen dauerhaft abkühlen oder mit Sauerstoff versorgen. Technische Belüfter können örtlich helfen, erreichen aber bei größeren Gewässern schnell ihre Grenzen.

Sinnvoller sind häufig langfristige Maßnahmen:

  • bessere Verbindungen zu Fließgewässern,
  • Erhaltung ausreichender Wasserstände,
  • Entfernung übermäßiger Schlamm- und Nährstoffeinträge,
  • Schutz beschattender Ufervegetation,
  • und frühzeitige Sauerstoffmessungen während Hitzeperioden.

Welche Maßnahmen am Gödnitzer See technisch und ökologisch möglich sind, muss fachlich geprüft werden.

Zu viele Nährstoffe erhöhen das Risiko

Hohe Temperaturen allein erklären nicht jedes Fischsterben.

Besonders gefährdet sind Gewässer, die viele Nährstoffe enthalten. Phosphor und Stickstoff gelangen unter anderem durch Landwirtschaft, Abwasser, Oberflächenabfluss und organische Ablagerungen ins Wasser.

Diese Stoffe fördern das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen.

Sterben große Mengen dieser Biomasse ab, wird sie von Bakterien zersetzt. Dabei verbrauchen die Mikroorganismen enorme Mengen Sauerstoff. Bei Hitze kann ein See deshalb besonders schnell kippen.

Ob und in welchem Umfang solche Faktoren am Gödnitzer See beteiligt waren, ist noch genauer zu untersuchen. Als unmittelbare Ursache des aktuellen Fischsterbens gilt der durch die Hitze ausgelöste Sauerstoffmangel.

Blaualgen können eine weitere Gefahr darstellen

Die Stadt Zerbst und der Landkreis Anhalt-Bitterfeld hatten für den Gödnitzer See bereits in der Vergangenheit vor Blaualgen beziehungsweise Cyanobakterien gewarnt.

Diese Organismen vermehren sich besonders bei warmem, nährstoffreichem und ruhigem Wasser. Sie können grünliche Schlieren oder teppichartige Beläge bilden. Einige Arten produzieren Giftstoffe, die Hautreizungen, Magen-Darm-Beschwerden, Atemprobleme und andere gesundheitliche Beschwerden auslösen können.

Kinder, Allergiker und Hunde sind besonders gefährdet. Die Behörden empfehlen, Bereiche mit sichtbaren Schlieren zu meiden und bei stark eingeschränkter Sichttiefe auf das Baden zu verzichten.

Das aktuelle Fischsterben wurde nicht als direkte Folge einer Blaualgenvergiftung beschrieben. Beide Erscheinungen haben jedoch ähnliche begünstigende Bedingungen: hohe Wassertemperaturen, wenig Bewegung und eine starke Nährstoffbelastung.

Hunde sollten nicht aus belastetem Wasser trinken

Für Hundebesitzer können warme und sichtbar verfärbte Seen besonders gefährlich sein.

Hunde nehmen beim Schwimmen oder Trinken teilweise größere Mengen Wasser auf. Befinden sich darin giftige Cyanobakterien, können schwere Vergiftungen auftreten.

Warnzeichen nach einem Kontakt können sein:

  • Erbrechen,
  • Durchfall,
  • starkes Speicheln,
  • Schwäche,
  • Atemprobleme,
  • Krämpfe,
  • und Bewusstseinsstörungen.

Treten solche Symptome auf, sollte unverzüglich ein Tierarzt verständigt werden.

Auch ohne sichtbare Blaualgen sollten Tiere von Bereichen mit toten Fischen oder starkem Verwesungsgeruch ferngehalten werden.

Ein schwerer Verlust für den Anglerverein

Für Außenstehende ist ein Fischbestand möglicherweise nur eine Ansammlung wild lebender Tiere.

Für einen Angelverein steckt dahinter jahrelange Arbeit.

Vereine kümmern sich um:

  • Besatzmaßnahmen,
  • Gewässerpflege,
  • Müllbeseitigung,
  • Kontrolle von Fischbeständen,
  • Jugendarbeit,
  • Uferpflege,
  • und die Einhaltung von Schutzbestimmungen.

Der Aufbau eines ausgewogenen Bestandes dauert Jahre. Größere Karpfen, Hechte oder Zander können mehrere Jahrzehnte alt sein. Sterben sie innerhalb weniger Stunden, lässt sich dieser Verlust nicht durch einen einmaligen Neubesatz ausgleichen.

Zudem wäre es falsch, sofort große Mengen neuer Fische einzusetzen.

Zunächst muss sichergestellt werden, dass das Gewässer wieder stabile Lebensbedingungen bietet. Andernfalls würden auch die neu eingesetzten Tiere gefährdet.

Neue Fische lösen das Grundproblem nicht

Nach einem Fischsterben besteht verständlicherweise der Wunsch, den See möglichst schnell wieder zu besetzen.

Doch ein Gewässer ist kein Aquarium, das einfach neu gefüllt werden kann.

Artenzusammensetzung, Nahrungsangebot, Wasserqualität, Temperatur und Sauerstoffgehalt müssen zusammenpassen. Ein zu starker Besatz kann das Ökosystem zusätzlich belasten.

Bevor neue Tiere eingesetzt werden, müssen Fachleute klären:

  • Welche Arten haben überlebt?
  • Wie hoch ist der Sauerstoffgehalt?
  • Gibt es Krankheiten oder Schadstoffbelastungen?
  • Hat sich das Nahrungsnetz verändert?
  • Welche Fischmenge kann der See künftig tragen?
  • Ist ein erneutes Fischsterben bei der nächsten Hitzeperiode wahrscheinlich?

Erst danach kann ein langfristiger Wiederaufbau beginnen.

Kleine Gewässer geraten zuerst unter Druck

Große Seen besitzen gewöhnlich mehr Wasservolumen und reagieren langsamer auf kurze Hitzeperioden.

Kleine, flache Gewässer können sich dagegen innerhalb weniger Tage stark aufheizen. Dazu gehören Dorfteiche, Kiesgruben, Altarme, Parkgewässer und kleine Badeseen.

Gerade in Ostdeutschland gibt es zahlreiche solcher Gewässer.

Sie erfüllen wichtige Aufgaben:

  • Lebensraum für Tiere und Pflanzen,
  • Speicherung von Wasser,
  • Abkühlung der Umgebung,
  • Naherholung,
  • Angelgewässer,
  • und Rückzugsraum in trockenen Landschaften.

Trotzdem erhalten sie häufig wenig öffentliche Aufmerksamkeit. Erst wenn tote Fische an der Oberfläche treiben, wird sichtbar, wie schlecht ihr Zustand bereits ist.

Auch alte Bäume entlang der Elbe sterben

Die Folgen der Trockenheit zeigen sich nicht nur im Wasser.

Entlang des Elberadweges zwischen Dessau und Aken sind nach Einschätzung von Fachleuten zahlreiche ältere Eichen geschädigt oder bereits abgestorben.

Als Ursache gilt unter anderem der dauerhaft niedrige Grundwasserstand. Gleichzeitig gräbt sich die Elbe durch Erosion zunehmend tiefer in ihr Bett ein. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel in angrenzenden Bereichen, und selbst tief wurzelnde Bäume erreichen das Wasser nicht mehr ausreichend.

Das Fischsterben ist daher kein vollständig isoliertes Ereignis.

Es ist Teil eines umfassenderen Wasserstresses, der Flüsse, Auen, Wälder und landwirtschaftliche Flächen betrifft.

Die Kommunen stehen vor hohen Kosten

Wenn ein Gewässer kippt, entstehen nicht nur ökologische Schäden.

Tote Tiere müssen entsorgt, Wasserproben genommen und Gefahrenbereiche abgesichert werden. Unter Umständen sind technische Belüftung, Entschlammung oder bauliche Maßnahmen notwendig.

Die Kosten können Vereine und kleine Gemeinden schnell überfordern.

Dabei profitieren nicht nur Angler von intakten Seen.

Gewässer dienen der gesamten Bevölkerung als Naherholungsraum und gehören zur öffentlichen Landschaft. Deshalb ist es nicht dauerhaft tragfähig, sämtliche Folgekosten allein ehrenamtlichen Vereinen aufzubürden.

Landkreis und Land sollten prüfen, wie betroffene Vereine bei akuten Umweltkatastrophen unterstützt werden können.

Frühwarnsysteme könnten größere Schäden verhindern

Regelmäßige Messungen von Temperatur und Sauerstoff könnten helfen, kritische Entwicklungen früher zu erkennen.

Moderne Sensoren lassen sich dauerhaft im Wasser installieren. Sie übertragen Messwerte automatisch und können bei gefährlichen Veränderungen Alarm auslösen.

Dann wären möglicherweise rechtzeitig Gegenmaßnahmen möglich:

  • mobile Belüfter,
  • Pumpen zur Wasserumwälzung,
  • teilweise Öffnung von Verbindungen,
  • Reduzierung weiterer Belastungen,
  • oder eine frühzeitige Sperrung des Gewässers.

Solche Systeme kosten Geld, könnten aber im Vergleich zur Beseitigung eines vollständigen Fischsterbens wirtschaftlich sinnvoll sein.

Besonders gefährdete Altarme und flache Seen sollten daher systematisch überwacht werden.

Der Mensch kann nicht jedes Gewässer technisch retten

Trotz aller Möglichkeiten muss klar sein: Nicht jede natürliche Entwicklung lässt sich vollständig kontrollieren.

Fischsterben hat es auch früher gegeben. Seen verändern sich, verlanden und reagieren auf Wetterextreme.

Doch die Häufigkeit und Stärke der Belastungen nimmt zu, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen:

  • sehr hohe Temperaturen,
  • lange Trockenperioden,
  • sinkende Grundwasserstände,
  • Nährstoffeinträge,
  • fehlender Wasseraustausch,
  • und geringe Beschattung.

Die Antwort kann deshalb nicht allein aus immer mehr Pumpen und Belüftern bestehen.

Notwendig ist eine Wasserpolitik, die ganze Landschaften betrachtet.

Wasser muss stärker in der Landschaft gehalten werden

In den vergangenen Jahrhunderten wurden Flüsse begradigt, Feuchtgebiete entwässert und Gräben angelegt, damit Wasser möglichst schnell abfließt.

Bei häufigen Überschwemmungen war das nachvollziehbar.

In zunehmend trockenen Sommern zeigt sich jedoch die Kehrseite. Niederschläge verlassen die Landschaft schnell, statt Böden, Auen und Grundwasser zu speisen.

Mögliche Gegenmaßnahmen sind:

  • Wiederanbindung von Altarmen,
  • Renaturierung von Auen,
  • Verschluss unnötiger Entwässerungsgräben,
  • Schutz von Mooren und Feuchtgebieten,
  • mehr Rückhalteflächen,
  • und eine bodenschonende Landwirtschaft.

Solche Projekte benötigen Flächen, Geld und die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Naturschutz, Kommunen und Wasserwirtschaft.

Sie wirken nicht sofort, können den Wasserhaushalt aber langfristig stabilisieren.

Keine einfache Schuldzuweisung

Nach einer Umweltkatastrophe wird schnell nach einem einzelnen Verantwortlichen gesucht.

Doch am Gödnitzer See handelt es sich offenbar um ein Zusammenspiel mehrerer Bedingungen. Die unmittelbare Ursache war Sauerstoffmangel nach extremer Hitze. Langfristige Entwicklungen des Wasserstandes und mögliche Nährstoffbelastungen können das Risiko zusätzlich erhöht haben.

Es wäre unseriös, ohne weitere Untersuchungen einen einzelnen Landwirt, eine Kommune oder den Klimawandel allein verantwortlich zu machen.

Ebenso falsch wäre es jedoch, das Ereignis als bloßes Pech abzutun.

Wenn vergleichbare Fischsterben häufiger auftreten, müssen Behörden und Politik prüfen, welche strukturellen Ursachen beeinflusst werden können.

Ein See stirbt nicht erst, wenn die Fische treiben

Fast eine Tonne tote Fische ist mehr als eine unangenehme Begleiterscheinung eines heißen Sommers.

Es ist ein Warnsignal.

Der Gödnitzer See hat innerhalb kurzer Zeit einen wesentlichen Teil seines Lebens verloren. Für die Angler bedeutet das jahrelange Arbeit, hohe Entsorgungskosten und die Ungewissheit, ob sich das Gewässer vollständig erholen wird.

Besonders bitter ist, dass ehrenamtliche Vereinsmitglieder nun einen großen Teil der Folgen tragen sollen.

Sie haben die Fische nicht ersticken lassen. Sie waren diejenigen, die bei Hitze und Gestank ins Wasser gingen und die Kadaver herauszogen.

Landkreis und Land sollten sie dabei nicht alleinlassen.

Gleichzeitig muss die Ursachenanalyse über das aktuelle Ereignis hinausgehen. Sachsen-Anhalt benötigt eine Übersicht besonders gefährdeter Seen und Altarme, regelmäßige Sauerstoffmessungen sowie einen Plan für akute Hitzeperioden.

Nicht jedes Gewässer kann technisch gerettet werden. Doch es ist unverantwortlich, erst zu handeln, wenn bereits Tausende Tiere tot am Ufer liegen.

Konservative Umweltpolitik bedeutet, Heimat nicht nur in Sonntagsreden zu beschwören.

Sie bedeutet, Seen, Wälder, Flüsse und Kulturlandschaften so zu erhalten, dass auch kommende Generationen sie nutzen können.

Der Gödnitzer See braucht nun Zeit, Unterstützung und eine ehrliche Untersuchung.

Denn ein See stirbt nicht erst in dem Moment, in dem tote Fische sichtbar werden.

Sein Niedergang beginnt oft lange vorher – still, unter der Wasseroberfläche.