Die Bundesregierung will in den kommenden Jahren Milliarden in neue steuerbare Kraftwerke investieren. Diese Anlagen sollen einspringen, wenn Windkraft- und Solaranlagen zeitweise nicht genügend Strom erzeugen.

Für Ostdeutschland ist die Kraftwerksstrategie von besonderer Bedeutung. Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt verlieren durch den Kohleausstieg bewährte Kraftwerkskapazitäten. Gleichzeitig benötigen Chemieunternehmen, Stahlwerke, Verkehrsbetriebe, Rechenzentren und andere Industriebetriebe rund um die Uhr zuverlässig Strom.

Doch lange bestand die Sorge, dass ein großer Teil der neuen Anlagen vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland entstehen könnte.

Der sogenannte Südbonus sollte ursprünglich einen erheblichen Teil der ausgeschriebenen Kraftwerksleistung für den netztechnischen Süden reservieren. Ostdeutsche Länder warnten deshalb vor einer neuen Benachteiligung ihrer Industriestandorte.

Nun deutet sich eine Änderung an.

Die Berliner Regierungskoalition will den Südbonus offenbar erst anwenden, wenn mindestens ein Drittel der Zuschläge an Standorte außerhalb des netztechnischen Südens gegangen ist. Damit erhalten auch Projekte in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Berlin bessere Chancen.

Warum werden neue Gaskraftwerke benötigt?

Deutschland baut seinen Anteil erneuerbarer Energien weiter aus. Wind- und Solaranlagen liefern allerdings nicht jederzeit dieselbe Leistung.

An windstillen Winterabenden oder bei längeren Dunkelflauten müssen andere Kraftwerke kurzfristig einspringen. Gleichzeitig werden Kohlekraftwerke schrittweise abgeschaltet. Spätestens 2038 soll die Kohleverstromung beendet sein.

Die Bundesregierung plant deshalb Ausschreibungen für neue steuerbare Kapazitäten. Nach der im Januar 2026 mit der Europäischen Kommission erzielten Grundsatzeinigung sollen kurzfristig zwölf Gigawatt zusätzliche Leistung ausgeschrieben werden. Ein großer Teil davon dürfte durch moderne Gaskraftwerke bereitgestellt werden. Die Anlagen sollen später auf Wasserstoff oder andere klimafreundlichere Brennstoffe umgestellt werden können.

Für Ostdeutschland lautet die entscheidende Frage:

Werden die Kraftwerke dort gebaut, wo durch den Kohleausstieg tatsächlich Kraftwerksstandorte, Netzanbindungen und Industriearbeitsplätze verloren gehen?

Schkopau: Schlüsselstandort für Halle und das Chemiedreieck

Besonders konkret ist die Lage im sachsen-anhaltischen Schkopau.

Das dortige Braunkohlekraftwerk liegt zwischen Halle und Merseburg im Saalekreis. Es versorgt nicht nur das öffentliche Stromnetz, sondern auch die umliegende Chemieindustrie mit Energie und Prozessdampf. Zudem produziert der Standort Bahnstrom.

In der Region befinden sich bedeutende Industrie- und Chemiestandorte:

  • der Chemiepark Schkopau,
  • Leuna,
  • Buna,
  • Halle,
  • Merseburg,
  • Bad Dürrenberg,
  • Bitterfeld-Wolfen,
  • sowie das weitere mitteldeutsche Chemiedreieck.

Die Kohleverstromung in Schkopau soll voraussichtlich bereits Ende 2034 enden. Ohne eine Nachfolgelösung droht nach Einschätzung von Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann eine erhebliche Versorgungslücke.

Willingmann begrüßt deshalb die geplante Änderung der Ausschreibungsregeln. Ein modernes, wasserstofffähiges Gaskraftwerk könnte den Standort erhalten und die Versorgung der Chemieindustrie absichern.

Für die Region geht es dabei nicht nur um Strom.

Ein Verlust des Kraftwerksstandortes könnte Folgen haben für:

  • Industriearbeitsplätze im Saalekreis,
  • Zulieferer und Dienstleister,
  • Gewerbesteuereinnahmen,
  • die Versorgung mit Prozesswärme,
  • den Bahnstrom,
  • sowie neue Investitionen in Leuna, Schkopau und Merseburg.

Gerade die energieintensive Chemieindustrie benötigt langfristige Planungssicherheit. Unternehmen investieren nur dann in neue Anlagen, wenn Strom, Wärme und Infrastruktur zuverlässig zur Verfügung stehen.

Lausitz: Zukunft für Schwarze Pumpe, Boxberg und Jänschwalde

Auch die Lausitz kämpft um neue Kraftwerkskapazitäten.

Die Region erstreckt sich über den Süden Brandenburgs und den Osten Sachsens. Besonders betroffen sind:

  • Cottbus,
  • Spremberg,
  • Schwarze Pumpe,
  • Weißwasser,
  • Boxberg,
  • Hoyerswerda,
  • Lübbenau,
  • Forst,
  • Senftenberg,
  • Guben,
  • Bautzen,
  • Görlitz und Teile des Landkreises Oberspreewald-Lausitz.

Die Braunkohleunternehmen und Kraftwerke waren über Jahrzehnte ein wirtschaftliches Rückgrat der Region. Mit dem Kohleausstieg gehen jedoch nicht nur Arbeitsplätze im Tagebau verloren. Auch Kraftwerksleistung, Netzinfrastruktur und kommunale Einnahmen müssen ersetzt werden.

Der Industriepark Schwarze Pumpe an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen gilt als besonders geeigneter Standort für neue Energieprojekte. Dort existieren bereits:

  • leistungsfähige Stromleitungen,
  • Industrieflächen,
  • Fachkräfte,
  • Bahnanschlüsse,
  • technische Infrastruktur,
  • sowie Erfahrungen im Kraftwerksbetrieb.

Sachsen und Brandenburg hatten deshalb bereits im März gefordert, mindestens ein Drittel der neuen Kraftwerkskapazitäten außerhalb des Südens und damit auch im Osten zu errichten. Ein starrer Südbonus wäre nach Einschätzung beider Länder ein fatales Signal für die Menschen in den Kohleregionen gewesen.

Die Lausitz soll nach dem Kohleausstieg nicht nur Forschungseinrichtungen und Behörden erhalten. Sie benötigt auch neue industrielle Wertschöpfung.

Ein moderner Kraftwerksstandort könnte helfen, energieintensive Unternehmen anzusiedeln und bestehende Betriebe zu halten. Ohne gesicherte Energieversorgung besteht dagegen die Gefahr, dass neue Investitionen vor allem in andere Regionen gehen.

Boxberg und Weißwasser brauchen wirtschaftliche Perspektiven

Rund um das Kraftwerk Boxberg im Landkreis Görlitz ist die Sorge besonders groß.

Die Städte Weißwasser, Boxberg und Hoyerswerda haben bereits nach 1990 erhebliche Arbeitsplatz- und Bevölkerungsverluste erlebt. Der erneute Strukturwandel trifft damit eine Region, die schon mehrere wirtschaftliche Umbrüche bewältigen musste.

Für die Menschen vor Ort genügt es nicht, dass der Bund allgemein Milliarden für den Strukturwandel verspricht. Entscheidend ist, welche dauerhaften Arbeitsplätze tatsächlich entstehen.

Ein neues wasserstofffähiges Kraftwerk könnte:

  • bestehende Fachkräfte am Standort halten,
  • kommunale Einnahmen sichern,
  • Industrieansiedlungen unterstützen,
  • vorhandene Leitungen und Flächen nutzen,
  • sowie die Versorgungssicherheit in Ostsachsen erhöhen.

Allerdings ist bislang nicht entschieden, welcher Lausitzer Standort bei den Ausschreibungen tatsächlich zum Zuge kommen könnte.

Die Ostdeutsche Zeitung wird deshalb prüfen müssen:

  • Welche konkreten Projekte sind in Boxberg geplant?
  • Welche Kapazitäten beantragt die LEAG?
  • Wie viele Arbeitsplätze könnten entstehen?
  • Wann wäre eine neue Anlage betriebsbereit?
  • Woher soll das benötigte Gas beziehungsweise später der Wasserstoff kommen?
  • Welche öffentlichen Förderungen wären notwendig?

Jänschwalde und Cottbus: Energie für Brandenburgs Süden

Auch das Kraftwerk Jänschwalde nördlich von Cottbus gehört zu den möglichen Standorten für neue steuerbare Kraftwerksleistung.

Für Cottbus ist der Strukturwandel eine der größten wirtschaftspolitischen Aufgaben der kommenden Jahre. Die Stadt soll sich unter anderem als Wissenschafts-, Gesundheits- und Bahnstandort entwickeln. Gleichzeitig bleibt die Energieversorgung für Gewerbe, neue Rechenzentren und Industrieansiedlungen entscheidend.

Brandenburg fordert deshalb, neue Backup-Kraftwerke grundsätzlich in allen Regionen zu ermöglichen. Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte Ende Juni, wer neue Kraftwerke bestelle, müsse auch für eine faire Verteilung sorgen. Die Anlagen hätten eine Backup-Funktion und dürften nicht einseitig im Süden konzentriert werden.

Von einer Lausitzer Kraftwerkslösung könnten neben Cottbus und Jänschwalde auch folgende Orte profitieren:

  • Peitz,
  • Forst,
  • Guben,
  • Spremberg,
  • Lübbenau,
  • Vetschau,
  • Senftenberg,
  • Finsterwalde,
  • sowie zahlreiche kleinere Gemeinden im Spree-Neiße-Kreis.

Gerade diese Kommunen verlieren durch den Kohleausstieg direkte und indirekte Einnahmen. Neue Kraftwerksstandorte könnten einen Teil der wirtschaftlichen Substanz bewahren.

Sachsen fordert Standorte im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier

Sachsen verfügt neben der Lausitz auch über einen Teil des Mitteldeutschen Reviers.

Dazu gehören Regionen rund um:

  • Leipzig,
  • Borna,
  • Böhlen,
  • Rötha,
  • Neukieritzsch,
  • Pegau,
  • Groitzsch,
  • Markkleeberg,
  • und den Landkreis Leipzig.

Auch hier werden bestehende Kohlekraftwerke und Tagebaue schrittweise zurückgefahren.

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter fordert deshalb, bestehende Kraftwerksstandorte im Lausitzer und im Mitteldeutschen Revier auch künftig zu nutzen. Diese Standorte verfügen bereits über Netzanbindungen, Industrieflächen und Fachkräfte.

Der Freistaat sieht darin nicht nur eine Frage der Energieversorgung, sondern auch der regionalen Gerechtigkeit.

Wenn ostdeutsche Regionen ihre Kohlekraftwerke schließen, anschließend aber die Ersatzkraftwerke überwiegend im Westen und Süden errichtet werden, würde ein zusätzlicher Teil der industriellen Wertschöpfung verloren gehen.

Rostock, Lubmin und Schwerin: Mecklenburg-Vorpommern will ebenfalls profitieren

Mecklenburg-Vorpommern besitzt zwar kein großes Braunkohlerevier, könnte aber bei der neuen Kraftwerksstrategie ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Besonders geeignete Standorte könnten sich in der Nähe bestehender Häfen, Gasleitungen und Energieinfrastruktur befinden.

Dazu zählen insbesondere:

  • Rostock,
  • Lubmin bei Greifswald,
  • Schwerin,
  • Wismar,
  • sowie möglicherweise Standorte entlang künftiger Wasserstoffnetze.

Rostock verfügt über einen bedeutenden Ostseehafen und eine wachsende Energieinfrastruktur. Lubmin besitzt durch frühere Kraftwerks- und heutige Gasinfrastruktur ebenfalls besondere Standortvorteile.

Mecklenburg-Vorpommern unterstützte deshalb gemeinsam mit Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt den erfolgreichen Bundesratsantrag für eine gerechtere regionale Verteilung.

Für das Land geht es auch darum, nicht lediglich Standort für Windräder, Leitungen und Energieimporte zu sein. Ein Teil der industriellen Wertschöpfung soll im Land bleiben.

Welche Rolle spielen Berlin und Thüringen?

Berlin und Thüringen verfügen nicht über große Braunkohlereviere wie Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Trotzdem sind beide Länder von der Kraftwerksstrategie betroffen.

Berlin

Berlin benötigt enorme Mengen gesicherter Energie für:

  • Haushalte,
  • Krankenhäuser,
  • Verkehrsbetriebe,
  • Rechenzentren,
  • Industrie,
  • Verwaltung,
  • Fernwärme und Gewerbe.

Die Hauptstadt stellt ihre Wärme- und Stromversorgung schrittweise von Kohle auf andere Energieträger um. Neue Gaskraftwerke oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen könnten deshalb für die Versorgung von Bezirken und großen Wärmenetzen wichtig bleiben.

Betroffen sind insbesondere frühere und bestehende Kraftwerksstandorte in:

  • Spandau,
  • Charlottenburg-Wilmersdorf,
  • Mitte,
  • Lichtenberg,
  • Treptow-Köpenick,
  • sowie Marzahn-Hellersdorf.

Dabei muss Berlin erklären, wie lange neue Anlagen mit Erdgas betrieben würden und wann eine Umstellung auf Wasserstoff realistisch möglich wäre.

Thüringen

Thüringen verfügt zwar über weniger große Kraftwerksstandorte, besitzt aber energieintensive und exportorientierte Unternehmen.

Wichtige Industrieregionen liegen unter anderem in:

  • Erfurt,
  • Jena,
  • Eisenach,
  • Gera,
  • Gotha,
  • Ilmenau,
  • Arnstadt,
  • Nordhausen,
  • Saalfeld,
  • Rudolstadt und dem Wartburgkreis.

Optik, Glas, Automobilzulieferer, Maschinenbau und Mikroelektronik benötigen eine stabile Stromversorgung. Thüringen könnte deshalb entweder eigene flexible Kraftwerkskapazitäten aufbauen oder wäre auf zuverlässige Lieferungen aus benachbarten Ländern angewiesen.

Bundesrat setzte ein Signal für den Osten

Am 12. Juni 2026 unterstützte der Bundesrat einen Antrag von Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Danach soll die räumliche Verteilung der Kraftwerke durch getrennte Ausschreibungen abgesichert werden:

  • zwei Drittel der vorgesehenen Leistung im netztechnischen Süden,
  • mindestens ein Drittel im übrigen Bundesgebiet.

Die Länder bezweifelten, dass die ursprüngliche Regelung eine solche Verteilung zuverlässig garantiert hätte. Sie verlangten deshalb ein klareres Ausschreibungsmodell.

Die nun geplante Änderung der Bundesregierung ist daher ein erster Erfolg der ostdeutschen Länder.

Sie ist jedoch noch keine Garantie dafür, dass tatsächlich neue Kraftwerke in Schkopau, der Lausitz, Rostock oder anderen ostdeutschen Regionen gebaut werden.

Denn ein Drittel für das übrige Bundesgebiet bedeutet nicht automatisch ein Drittel für Ostdeutschland. Auch Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und andere nördliche Regionen konkurrieren um diese Kapazitäten.

Konkurrenz zwischen den ostdeutschen Standorten

Die Länder verfolgen grundsätzlich ein gemeinsames Interesse, stehen bei konkreten Projekten aber auch in Konkurrenz.

Mögliche Bewerber könnten sein:

  • Schkopau in Sachsen-Anhalt,
  • Schwarze Pumpe in Brandenburg und Sachsen,
  • Boxberg in Sachsen,
  • Jänschwalde in Brandenburg,
  • Leipziger und mitteldeutsche Standorte,
  • Rostock oder Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern,
  • Berliner Kraftwerksstandorte,
  • sowie weitere Industrie- und Hafenregionen.

Die Entscheidung dürfte unter anderem davon abhängen:

  • wie schnell ein Projekt gebaut werden kann,
  • ob bereits Netzanbindungen existieren,
  • ob Wärme oder Prozessdampf benötigt werden,
  • ob Gas- und Wasserstoffleitungen verfügbar sind,
  • welche Kosten entstehen,
  • und wie hoch die beantragte Förderung ist.

Der Standort Schkopau besitzt beispielsweise den Vorteil, dass dort bereits große Industriekunden und Prozessdampfbedarf vorhanden sind. Die Lausitz wiederum verfügt über große Kraftwerksflächen, erfahrene Beschäftigte und eine starke Stromnetzinfrastruktur.

Was bedeutet „wasserstofffähig“ wirklich?

Viele der geplanten Anlagen werden als „H₂-ready“ bezeichnet. Das bedeutet, dass sie später technisch auf Wasserstoffbetrieb umgerüstet werden können.

Unklar bleibt jedoch häufig:

  • Wann steht ausreichend Wasserstoff zur Verfügung?
  • Wie teuer wird dieser Brennstoff sein?
  • Über welche Leitungen gelangt er zu den Kraftwerken?
  • Wer finanziert die Umrüstung?
  • Wird zunächst über viele Jahre Erdgas verbrannt?
  • Welche Herkunft soll der Wasserstoff haben?

Gerade in Sachsen wird der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft vorangetrieben. Hohe Energiepreise, verzögerte Infrastruktur und gestrichene Förderungen bremsen den Markthochlauf jedoch weiterhin.

Die Bezeichnung „wasserstofffähig“ darf deshalb nicht dazu dienen, offene Fragen zu verschleiern.

Ein Kraftwerk ist nicht automatisch klimaneutral, nur weil es theoretisch irgendwann umgerüstet werden könnte.

Wer bezahlt die neuen Kraftwerke?

Neue Gaskraftwerke rechnen sich häufig nicht allein durch den Verkauf von Strom. Sie sollen nur dann laufen, wenn Wind- und Solarstrom nicht ausreichen.

Damit stehen sie möglicherweise über längere Zeit still, müssen aber jederzeit betriebsbereit bleiben.

Deshalb erhalten Betreiber staatlich organisierte Vergütungen für die Bereitstellung der Leistung. Die Kosten werden am Ende über Steuern, Netzentgelte oder Strompreise von Bürgern und Unternehmen getragen.

Der Bundesrat kritisierte außerdem, dass der vorgesehene Höchstpreis von 173.000 Euro je Megawatt angesichts gestiegener Baukosten möglicherweise zu niedrig sei. Hohe Sicherheitsleistungen und mögliche Strafzahlungen könnten kleinere sowie kommunale Anbieter benachteiligen.

Die Bundesregierung muss daher transparent darlegen:

  • wie hoch die Gesamtkosten werden,
  • wie lange Betreiber Zahlungen erhalten,
  • welche Risiken der Staat übernimmt,
  • welche Kosten bei den Stromkunden ankommen,
  • und welche Bedingungen an die spätere Wasserstoffumstellung geknüpft werden.

Der Osten darf nicht erneut nur Lasten tragen

Ostdeutschland hat in den vergangenen Jahren große Teile der Energiewende getragen.

Windräder, Solarparks, Tagebaue, Kraftwerke und Stromleitungen prägen zahlreiche Regionen. Gleichzeitig liegen viele Unternehmenszentralen, Forschungsabteilungen und besonders gut bezahlte Führungspositionen weiterhin außerhalb des Ostens.

Beim Bau neuer Kraftwerke muss deshalb sichergestellt werden, dass Wertschöpfung und Arbeitsplätze auch in den betroffenen Regionen entstehen.

Es wäre schwer vermittelbar, wenn:

  1. Kohlekraftwerke in der Lausitz und in Mitteldeutschland geschlossen werden,
  2. die Ersatzkraftwerke überwiegend im Süden gebaut werden,
  3. ostdeutsche Verbraucher die Kosten mittragen,
  4. und die betroffenen Kommunen Arbeitsplätze sowie Steuereinnahmen verlieren.

Die Änderungen am Südbonus sind deshalb richtig. Sie müssen aber in echte Standortentscheidungen übersetzt werden.

Der Osten braucht Kraftwerke, nicht nur Förderversprechen

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn Strom zuverlässig und bezahlbar bleibt.

Windkraft und Solarenergie sind wichtige Bestandteile der Versorgung. Sie können ein Industrieland aber nicht in jeder Stunde des Jahres allein mit Strom versorgen. Deshalb benötigt Deutschland flexible Kraftwerke, Speicher und leistungsfähige Netze.

Der Osten bietet dafür hervorragende Standorte.

In Schkopau, Schwarze Pumpe, Boxberg und Jänschwalde gibt es Fachkräfte, Industrieflächen, Leitungen und jahrzehntelange Erfahrung. Diese Infrastruktur stillzulegen und neue Kraftwerke überwiegend im Süden zu bauen, wäre wirtschaftlich und strukturpolitisch falsch.

Die Bundesregierung scheint diesen Fehler nun teilweise zu korrigieren.

Doch ein abgeschwächter Südbonus ist noch kein Kraftwerk in der Lausitz und keine Zukunftsgarantie für Schkopau.

Jetzt müssen konkrete Projekte folgen.

Die Menschen in Weißwasser, Hoyerswerda, Spremberg, Cottbus, Halle, Merseburg und Bitterfeld-Wolfen haben genug Ankündigungen über den Strukturwandel gehört. Sie wollen wissen, welche Arbeitsplätze tatsächlich entstehen und ob ihre Regionen auch nach dem Kohleausstieg Industriestandorte bleiben.

Ostdeutschland darf nicht nur die alten Kraftwerke abschalten.

Es muss auch an den neuen Kraftwerken beteiligt werden.